Adelaide! -- wiederholten die Klagetöne Mathildens --

Adelaide? -- fragte Julius wie aus einem Traume erwachend -- welcher

bis jetzt selbst nicht wußte, was er sah und hörte. -- Ja, diese

Adelaide antwortet nicht mehr! --

Mathilde erblickte die zwei verschwisterten Rosen an der Brust der

vergeblich Gerufenen, und entzog sie der kalten darauf ruhenden Hand.

Ha, wie ich euch von dem Herzen eurer Königin reiße so riß sie sich

von mir, und ließ mich traurig und einsam stehen. -- Ihr seyd mein! an

ihrer Brust habt ihr geblüht, an der meinigen sollt ihr verwelken, wie

meine Freuden!

Julius sprang auf, die Hälfte des Raubes sey mein! rief er, indem er

sich des Zweiges bemächtigte, und die zarten Zwillinge trennte. Ein

unter den Blättern versteckter Dorn rächte den Frevel. Von seiner

verwundeten Hand tropfte das Blut auf Mathildens weißes Gewand, während

er ihr die blutbefleckte Rose reichte.

Sonderbar! sagte finster der hinzugetretene Prinz. Es scheint, Sie

besiegelten bei diesem Altar einen Bund mit ihrem Blute, das selbst die

makellose Reinheit meiner Schwester zur Mitschuldigen bezeichnete.

Einen Bund des heiligen Andenkens dieses Altars! fiel schwärmerisch

Mathilde sein. Wem der Tod dieses Engels das Herz zerriß, der weihe

sich dem mit Blut besprengten Bunde!

Der weihe sich ihm, bis das zerrissene Herz kein Blut mehr zu vergießen

hat! -- sagte Julius, und nahm die ihm über dem Sarg dargebotne Hand

Mathildens.

Ein vernehmliches Ah! zitterte aus Adelaidens Brust, eine schwache

Bewegung erschütterte den leblosen Körper --

Was war das? -- Allmächtiger Gott! werden die Todten lebendig?

fragten sich die Ergriffenen. Schauder der Ahndung durchbebte die

Bundesverschwornen. -- Die Schloßuhr schlug sechs; das dumpfe

Trauer-Geläute der Kirchen umliegender Dorfschaften begann, und

unsichtbare Chöre tönten in sanft klagenden Harmonieen.

Doktor Weidenbach trat ein; er hörte und eilte, sich selbst zu

überzeugen. So waren doch meine Zweifel gegründet? rief er. Jetzt erst

hat die Seele den Körper verlassen. Die Veränderung der Liniamente,

das Ausspannen des Körpers -- jetzt können wir mit Gewißheit sagen, daß

sie aufgehört hat zu leben. Der bisherige Zustand war -- ein Scheintod.

* * * * *

Phrenetisches Lachen schallte aus dem Zimmer der Generalin dem

Leichenzuge nach. Den Fackelschein, das Läuten der Glocken, hielt

die freudige erwartungsvolle Mutter für das Zeichen, daß Alexis und

Adelaide im hochzeitlichen Pomp sie einzuholen kämen. Das heftige

Lachen endete mit einem Stickfluß -- und als das Trauergefolge

zurückkam, war wirklich Gräfin Ludmilla dem Theuersten, was sie auf

Erden gehabt -- ihrem Gemahl und ihrer Tochter nachgefolgt.

Die Morgendämmerung fand den Prinzen in lebhaftem Gespräch mit Zynthio

in des Letztern Zimmer.

Verschmerzen werde ich nie, und so gilts einerlei, eine Grad mehr

oder weniger elend! sagte der Erstere, indem er vom Sopha aufsprang,

und Adelaidens in schwarzen Flor gehüllte Guitarre ergriff. -- Wie

Prometheus wollte ich ein neues Fürstenglück und in ihm -- Volksglück

schaffen. Die erzürnte Politik schmiede mich dafür an den Felsen eine

Ehe ohne Liebe; für den Geier laß die Bestimmung eines Fürsten nach der

alten Schöpfung sorgen.

Adelaide: Wahrscheinlich nur ein Roman · 第 38 / 41 题