Aber warum? -- Wer? -- Wo sind die Andern? --

Ich sehe gleich wieder, wo sie bleiben. Adelaide -- starke Ohnmachten

befielen sie, als wir schon über den halben Weg hierher zurückgelegt

hatten. Langsam muß gefahren werden, jede schnelle Bewegung ist ihr

empfindlich, und führt eine neue Ohnmacht herbei.

In demselben Augenblick fuhr eine unbesetzte Extrapost den Schloßhof

vorbei. Halt, Schwager! -- rief der Landrath, du kannst einen Dukaten

verdienen. --

Er ließ dem Doktor kaum so viel Zeit, sich seines Hutes nebst der

Hausapotheke der Frau von Elfen zu bemächtigen, riß ihn in die

Postchaise -- Julius war schon wieder vorausgesprengt -- und schrie dem

Postillon zu: die Straße nach Wallersee, auf dem halben Wege finden wir

sie. Fahr, was deine Mähren aushalten, sie sollen nachher ein Futter

bekommen, daß sie auf zwei Tage genug haben; und du sollst leben wie

auf der Hochzeit zu Kanaan. Nur tummle dich! --

In acht Minuten hatten sie den langsamen Zug erreicht.

Nicht wahr -- fragte mit matter nur mühsam gehobener Stimme Adelaide

-- nicht wahr, Vater Elfen! Ihr Neffe hat Sie unnöthig erschreckt? --

O, das ist ein verzagter Ritter! -- ich glaube eine Aderlaß zöge ihm

selbst eine Ohnmacht zu.

Nun, liebes Herzenskind! ich will gern den blinden Schrecken hinnehmen,

wenn nur die Wahrheit nicht wie ein hinkender Bote nachkommt. -- Was

meinen Sie, Doktor?

Mein Himmel! wir werden doch nicht hier ein Feldlazareth aufschlagen?

-- Sie haben lange genug auf uns gewartet. Lassen Sie uns machen, daß

wir an Ort und Stelle, und -- zur Tafel kommen.

So treibt sie es immer, sagte der Landrath, indem er sich wieder mit

dem Aeskulap in den gebrechlichen Phaeton des Postmeisters setzte.

Alles fürchtet, sie schwebe über dem Grabe, und lachend versichert sie,

munterer als je, nehme sie es mit der Gesundheit selbst auf.

Karoline, welche seit einigen Wochen wieder in das väterliche Haus

zurückgekehrt war, um sich zur künftigen Hausfrau unter der Anführung

der wirthlichen verständigen Mutter vorzubereiten, und die reichliche

Ausstattung selbst mit ordnen zu helfen -- bebte erschrocken zurück,

als sie die Schwester ihres Geliebten umarmen wollte. „Adelaide! du

bist kränker, als du scheinen willst; jetzt kenne ich dich; mich

täuschest du nicht!“

Würde ich gekommen seyn, wenn der Zufall von Bedeutung wäre? fragte

diese.

„Du wolltest meinen Eltern die Freude nicht verderben, und trautest

deinen Kräften zu viel.“

Liebst du mich, so beunruhige die Andern nicht mit deinem Argwohn! --

Auf mein Wort, das dir doch sonst etwas galt, mir ist jetzt wieder sehr

leicht und wohl.

Doch mußte Adelaide dem besorgten Alten sich fügen, und von des Doktors

Hand einige Tropfen Herzstärkung nehmen, auch bei der Tafel in dessen

Nähe und Aufsicht bleiben. Die Patientin scherzte über alle diese

ängstlichen Aufpasser. Ha! Herr von Elfen! rief sie aus -- als jene

berühmte pommersche Hausmannskost aufgesetzt wurde -- wo ist Ihr Glaube

an Mutter Natur geblieben? -- Wer empfahl mir bei Gelegenheit dieses

Lieblingsgerichts, der medizinischen Vorsorge zu spotten?

Das war heut ein Jahr. -- O der Tag ist Ihren Freunden zu merkwürdig,

darum wollten wir ihn in Freude verleben!

So verschmähen Sie mein Scherflein nicht; ich bin physisch und geistig

zu gleichem Genuß gestimmt. Entscheiden Sie, Herr Doktor! -- Ich

behaupte: wessen Constitution noch an dieser Würze des Lebens Geschmack

findet, bedarf keiner weitern Arznei.

Man widersprach der liebenswürdigen Sophistin nicht länger; ihre

Munterkeit that der Gesellschaft wohl. Aber bange Besorgniß quälte

doch einen Theil derselben, die Adelaiden zu innig liebten, um nicht

mit Schrecken bemerkt zu haben, daß Doktor Waidenbach verschiedenemal

bedenklich, doch, wie er meinte, unbeobachtet den Kopf geschüttelt

hatte.

Eben wollte er, dem der kleine hochrothe Fleck auf Adelaidens Wangen,

das unstäte oft wechselnde Schlagen der Halspulse -- endlich die

variierende Stimme, und andere ihm auffallende Symptome nicht entgangen

waren -- nach aufgehobner Tafel, den ihm vielleicht mehreres Licht

gebenkönnenden Zynthio ins Verhör nehmen; da stand auch schon der

Landrath, als der dritte dieses Conciliums zwischen ihnen, und faßte

Beide an die Klappen ihrer Fraks, zum Zeichen: daß sie ihm jetzt Rede

stehen müßten.

Was meint ihr, Doktor? -- Was haltet ihr von dem Zustand der jungen

Gräfin? --

Ich vermag noch nicht zu beurtheilen, ob es eine vorübergehende

Unpäßlichkeit ist, oder ob eine frühere Ursach der allerdings schwachen

Gesundheit der Gräfin, die heutigen Zufälle zur Folge hat.

Freund Camillo! -- Sie sind ihr täglicher Gesellschafter; aufmerksamer

als ihre eignen, beobachten Sie die Athemzüge des lieben Mädchens. Sie

verstehen jede ihrer Gemüthsbewegungen -- Sagen Sie aufrichtig: was

steht zu hoffen? woher die Verschlimmerung ihres Befindens? Den Sommer

über schien sie sich völlig restituirt zu haben.

Sie schien es -- seufzte Zynthio.

Was sagen eure Consulenten?

Wir haben keine. Die Aerzte haben die Gräfin, und diese die Aerzte

aufgegeben.

Das ist Eigensinn! Zwar rieth ich ihr selbst einst dazu -- aber wenn

das Uebel nicht zu heben war --

Adelaide: Wahrscheinlich nur ein Roman · 第 31 / 41 题