„Heut noch, um Mitternacht. -- Wir finden die Gruft erleuchtet, den
Sarg geöffnet, und -- -- man beobachtet uns -- nur dies noch: das
Zugpförtchen über den Burggraben an der Kirchseite wird durch des
ehrlichen Sakristaners Vorsorge niedergelassen bleiben. Wir Beide
schleichen unbemerkt in die Halle; am Eingang der Gruft verläßt uns der
Vertraute unsrer Todtenfeier.“
Und wir -- allein? Ist die sonst so zaghafte Mathilde auch auf alles
gefaßt -- was Täuschung, nächtliche Stille und Grauen ihr vorgaukeln
könnte?
„An deiner Seite -- auf alles.“
Wo treffen wir uns?
„Unter dem Vorwande trauriger noch ungewohnter Einsamkeit, erhalte ich
die Einwilligung unsrer Eltern noch diesen Abend, dich um Nachtquartier
zu bitten. -- Behutsamkeit, Liebe! daß kein Wörtchen sich in ungeweihte
Ohren flüstere“ --
Sorge nicht, traute Schwärmerin! -- die Wallfarth ist mir selbst zu
heilig; siebenfacher Schleier verhülle unser Geheimniß, daß es selbst
der Mond nur ahnde, auf welchem Wege sein blasser Schimmer uns leuchte.
Zynthio schlich diesen Abend, von banger Unruh getrieben, den beiden
Priesterinnen der Todtenhalle auf Schritt und Tritten nach. -- Gute
Nacht, lieber Kamillo! rief ihm Mathilde zu, und zog Adelaiden zum
Schlafzimmer. -- Schlaf wohl! wünschte ihm diese, indem sie ihm einen
Kuß zuwarf, und schlüpfte am Arm der Freundin ins einsame Gemach, wo
verhüllende Gewänder für die beiden Wallfahrterinnen schon bereit
lagen.
„Ich kann nicht schlafen,“ sagte der Sicilianer zu seinem Georg,
welcher ebenfalls wie ein Geächteter umher irrte, ohne einen andern
Grund seiner Unruhe angeben zu können, als daß der heutige Trauerpomp,
das dumpfe Getön der Glocken, und die Schwermuth der jungen Damen ihn
in diese Stimmung versetzt habe -- „die Nacht ist kühl, aber schön. Der
Vollmond lockt mich, trotz der strengen Märzluft, ins Freie.“
Ich trage Ihnen die Guitarre nach -- fiel Georg, gleichfalls vom Reiz
des nächtlichen Spazierganges ergriffen, dem ihm Dank zulächelnden
Zynthio ins Wort.
„Was heißt das? Sonderbar!“ riefen Beide zugleich, als sie eine Stunde
später auf ihrem Wege an die Zugbrücke der fürstlichen Burg gelangten,
und das Pförtchen herunter gelassen fanden.
„Auch die Kapelle ist offen.“