Es frommt nicht, der Frage nachzugehen, was geschehen wäre, oder was

hätte geschehen können, wenn Dahlmann anders gehandelt, wenn er die

Sachlage genommen hätte wie sie lag, wenn er von den Siegern des 5.

September die Führer: etwa Biedermann, Heinrich Simon, Robert Blum

u. A. in das neue Ministerium berief? Anton Springer sagt uns zwar

bestimmt, was geschehen wäre: ein solcher Versuch hätte „schon nach

acht Tagen mit Spott und Schande geendet“. Heinrich von Treitschke

war dagegen noch im Frühjahr 1863 in seinen Leipziger Vorlesungen

über das Jahr 1848 ganz anderer Meinung. Er tadelte Dahlmann lebhaft,

daß er jenen Versuch nicht unternommen; er sprach namentlich aus, daß

Robert Blum in seiner Person und seinem Charakter wohl die Gewähr

geboten hätte, die Gegensätze zu versöhnen, daß ein entschlossenes

Reichsministerium die kleine Majorität des 5. September zu einem fast

einmüthigen parlamentarischen Rückhalt hätte umbilden können, daß der

drohende Conflict mit Preußen schließlich doch nicht gegen das Volk

und die Krone Preußen sich richtete, sondern möglicherweise durch eine

einfache Aenderung im preußischen Ministerium zu beseitigen gewesen

wäre. Erst im Winter 1863/64 schrieb mir Treitschke, daß er zu der

Ueberzeugung gekommen sei, die Mehrheit vom 5. September habe doch

den falschen Standpunkt eingenommen. Denn die entscheidende Frage sei

schon damals nicht mehr eine nationale Herzensfrage, sondern eine

reine Machtfrage gewesen zwischen Preußen und dem Parlament. So tief

und schwankend konnte die peinliche Frage, die in jenen Septembertagen

das Deutsche Parlament bewegte, noch fünfzehn Jahre später in der Brust

eines der besten Deutschen sich regen. Wieviel weniger sind wir also

berechtigt, Diejenigen zu verurtheilen, welche inmitten der schweren

Krisis bis zuletzt gegen Preußen, gegen die Waffenruhe stimmten und

gegen die Bedingungen, die sie für eine Entwürdigung Deutschlands

hielten! War doch auch Dahlmann bis zuletzt unter den Verneinenden,

ebenso Biedermann, Eisenstuck, Mittermaier, Riehl, Riesser, Uhland,

Wippermann, selbst Vincke. Man kann doch im Ernste nicht behaupten

wollen, daß diese Männer bei ihrer Abstimmung daran hätten denken

können, Preußens Volk und Königthum zu beleidigen, und daß die Männer

der Linken, Blum voran, entfernten Vorwand zu dem Klatsch gegeben

hätten für die „bösen Zungen“, zu deren Vermittler ein so angesehener

Geschichtsforscher wie Anton Springer sich macht, wenn er sagt[209]:

„Robert Blum habe bereits Frack und Handschuhe hervorgeholt, um als

Minister an Dahlmann's Seite würdig aufzutreten“. Als ob die Würde

Dahlmann's in Frack und Handschuhen bestanden, oder als ob Blum dieser

Zierrathe bedurft hätte, um an Dahlmann's Seite „würdig aufzutreten“.

Doch, wie gesagt, es frommt nicht, die Folgerungen einer Wendung zu

ziehen, zu welcher diese Krisis nicht gediehen ist. Es ward anders

gehandelt und unser Volk hat die Folgen zu tragen gehabt. Sehr bald

kehrte der Kreislauf des Sturmes wieder zu dem Anfangspunkt zurück,

von dem er ausgegangen. Schon am 14. September begann das Parlament

von Neuem die Verhandlung über Verwerfung und Genehmigung des Malmöer

Waffenstillstandes. Auch diesmal ging der Antrag der Ausschußmehrheit

auf Verwerfung. Drei Tage währte die Redeschlacht. Sie trug trotz

aller Heißblütigkeit Ludwig Simon's, Giskra's u. A. doch das Gepräge

dumpfer Resignation. Selbst die streitbarsten Kämpen entschiedener

Parteimeinung, Robert Blum und Fürst Lichnowsky, sprachen zum Frieden,

zur Versöhnung, Carl Vogt selbst trug den tiefsten sittlichen Ernst

zur Schau. Alles sah aus wie der letzte Act einer großen Tragödie, die

betitelt war: „Die Ehre Deutschlands“. Am letzten Tag der Debatten

bestieg Blum die Tribüne und hielt seine letzte große Rede im

Parlament, die reifste und schönste, die von ihm in St. Paul vernommen

wurde. „Er sprach vortrefflicher als je“, sagt eine gegnerische

Darstellung der Verhandlungen der deutschen Nationalversammlung.[210]

„Sittliche Würde gesellte sich zur Schärfe der zergliedernden Prüfung;

zermalmende Kraft paarte sich mit Mäßigung. So warf er Schritt für

Schritt die Vertheidiger des Waffenstillstandes zu Boden“.[211]

So sprach der Mann, der nach Anton Springer Handschuhe und Frack

hervorholen mußte, um neben Dahlmann würdig auftreten zu können. Er

sagte:

„Man hat uns im Laufe der jetzigen Verhandlungen vielfach zur

Ruhe und zur Besonnenheit gemahnt, und allerdings ist dieselbe

nothwendig bei einer Verhandlung dieser Art; allein ausschließen

kann dieselbe doch wohl nicht jene lebendige Empfindung für Das,

was wir verhandeln, und die man gestern richtig mit #Leidenschaft#

bezeichnet hat. Denn soweit die Geschichte reicht, hat die

Leidenschaft stets die Ereignisse #geboren#, die Ruhe und

Besonnenheit hat sie erzogen; wir sind aber wirklich in dem Falle,

die auf dem Papier stehende deutsche Einheit zur Wirklichkeit zu

machen, sie in das Leben zu rufen; und dazu gehört Leidenschaft,

dazu gehört eine lebendige Empfindung. So selten es der Fall sein

mag, so vollkommen bin ich mit Herrn Jordan einverstanden, daß die

Haltung unseres Reichsministeriums keinesfalls in dieser Frage

von der Art gewesen ist, daß ich in die Lobsprüche einstimmen

könnte, die man ihm ertheilt hat. Ich will nicht von der heiteren

Laune des Herrn v. Schmerling reden; sie hat mich erfreut, denn

nach den Erfahrungen, die wir an einem der letzten Tage seiner

Bundespräsidentschaft gemacht haben, scheint das sein Schwanengesang

sein. Ich meine nicht den der Person als Minister, sondern den

des alten Bundestagssystems, welches mit ihm an der Herrschaft

gewesen ist. Inwiefern des Reichsministers des Auswärtigen, Herrn

Heckscher's Vertheidigung, die hier mit Anrufung aller Zeugen,

aller processualischen Formen stattgefunden hat, geeignet war, der

Sache, die er vertrat, Anhänger zu verschaffen, wird der Erfolg

zeigen. Ich muß mit dem Redner vor mir übereinstimmen, daß ich

lieber die Sache, als die Person des Reichsministers vertreten

gesehen hätte. Es ist gestern darauf hingewiesen worden, daß diese

(linke) Seite des Hauses die Centralgewalt nicht in der Weise

gewollt habe, wie sie geschaffen worden ist, und das ist richtig;

allein man ist auch so gerecht gewesen, zu sagen, daß man, wenn es

sich darum handle, die Centralgewalt stark und zur Wirklichkeit zu

machen, zu uns vertraue, wir werden die Hand dazu bieten, und ich

versichere, wir werden es. (Bravo in der Versammlung.) Wir werden

alle Ministerien, die halb und zweideutig und feig sind, und nicht

wissen, was sie sollen und wollen, mit allen Kräften, die uns zu

Gebot stehen, bekämpfen, bis zu dem Augenblick, wo wir ein starkes

haben, einerlei ob von dieser oder jener Seite (Bravo!) und deshalb

greifen wir das Ministerium an, das noch in einem halben Leben vor

uns tritt. Deshalb weisen wir für seine traurige Haltung auf die Art

und Weise hin, wie die Limburger Frage verhandelt worden ist, wie

man officielle Actenstücke durch halbofficielle Briefe verleugnet

und zu nichte macht, wie man die Centralgewalt oder vielmehr ihren

Träger bei öffentlichen Gelegenheiten auftreten läßt, und wie

man in dieser Sache verfahren ist. Als das Ministerium sein Amt

antrat, hatte es jenen Krieg vor sich: allein nachdem Ihnen hier

im August gesagt worden ist, daß es eben noch beschäftigt sei,

sich die Schreibmaterialien anzuschaffen, ist es begreiflich, daß

es sich um diesen Krieg nicht bekümmern konnte. Es ist der ganze

Monat Juli vergangen, und man kann nicht das Kleinste aufweisen,

daß sich das Ministerium darum bekümmert hat. Am Ende Juli brachte

man ihm die Kunde von den Waffenstillstands-Präliminarien zu

Malmö und Bellevue, die ihm die englischen Zeitungen vier Wochen

vorher gebracht hatten, und dann erst begann es -- -- nichts zu

thun. (Gelächter.) Die preußische Regierung verlangte von ihm eine

unbedingte Vollmacht zum Abschluß des Waffenstillstandes; überraschen

kann es uns allerdings nicht, nachdem Heckscher bei Gelegenheit der

Verhandlung des Raveaux'schen Antrags uns die Theorie entwickelt

hat, daß man Das, was man besitzt, nicht auszusprechen brauche,

daß das Ministerium bei dem Ansinnen, welches ihm gestellt wurde,

auch nicht für nothwendig hielt, die Genehmigung vorzubehalten.

Wenn der Reichsminister Heckscher in seinem Privatverkehr derartige

Ansichten hat, dann ist es allerdings seine Sache, inwiefern

er darnach leben will, oder nicht; wenn ihm aber von uns etwas

#anvertraut# ist, -- und das war das Gesetz über die Centralgewalt,

-- und es zweifelt Jemand daran, daß dieses anvertraute Gut unser

ist, dann verlange ich vom Reichsminister Heckscher, daß er das

ihm anvertraute Pfand hüte, und das hat er nicht gethan. (Bravo!)

Man hat uns gesagt, die Verhandlungen, wie sie nun einmal seien,

und namentlich der zweideutige Passus, „die gewünschte Vollmacht“

habe Preußen berechtigt, zu handeln, wie es gethan hat. Das muß

ich freilich bestreiten, und namentlich gegen Den bestreiten, der

die Fortexistenz des deutschen Bundes mit soviel Bestimmtheit

behauptet hat; denn in der deutschen Bundesacte und in der Wiener

Schlußacte ist ausdrücklich festgesetzt, daß bei einem Bundeskrieg

kein einzelnes Glied des Bundes im eigenen Namen verhandeln kann

und darf. Auf diesen Grund hin hat auch der Bundestag den damaligen

Vollmachtträger, die preußische Regierung, darauf aufmerksam gemacht,

daß bei „jedem wichtigen und präjudizirlichen Abschluß, ja bei jeder

Verhandlung dieser Art“ die Genehmigung des Bundestags eingeholt

werden müsse. Wollen Sie demnach sich auf die Bundesacte stellen,

so war Preußen zum Abschlusse in keiner Weise befugt; wollen Sie

sich auf das neue Gesetz über die Centralgewalt stellen, so war es

dazu ebensowenig befugt. Was aber das Reichsministerium betrifft,

mit dem wir es in dieser Frage allein zu thun haben, so glaube ich,

lag ihm nicht blos ob, die Gesetze zu bewahren und die Centralgewalt

auf eine würdigere Weise, als es gethan hat, zu vertreten; sondern

man sollte bei so scharfsichtigen Männern, wie die Reichsminister,

glauben, sie hätten die #Verhältnisse# auch ins Auge gefaßt. Dann

würde ihnen nicht entgangen sein, daß gerade merkwürdigerweise

seit Schaffung der Centralgewalt von Seiten Preußens mit einer

Hast auf diesen Waffenstillstand zugesteuert wurde, die in der

That überraschen muß. Unmittelbar nach Schaffung der Centralgewalt

kamen die vorläufigen Bedingungen von Malmö, wurde die Vermittlung

Englands bei Seite gelassen und die Schwedens angenommen, kamen

die Unterhandlungen von Bellevue, und in einer ununterbrochenen

Reihenfolge kam man zum Abschluß des Waffenstillstandes. Nichts ist

natürlicher, als daß Dänemark, nachdem es sah, mit welcher Hast

man den Abschluß des Waffenstillstandes betrieb, sich in seinen

Anforderungen steigerte, daß es mehr verlangte als anfangs. Ich will

indessen nicht wiederholen, was bereits oft hier gesagt worden ist,

inwiefern die letzten Bedingungen von den ersten abweichen; ich will

auch nicht darauf hinweisen, daß es sehr gleichgiltig ist, ob der

Graf v. Moltke an der Spitze der Regierung stand, oder nicht; denn

um die Person handelt es sich nicht, es handelt sich darum, daß

man den Mann, in dem das dänische Princip am schärfsten ausgeprägt

war, an die Spitze der Regierung stellte. Man sagt nun als eine

Concession: Graf v. Moltke ist zurückgetreten; nein, meine Herren,

er ist #zurückgetreten worden#, und wenn man jetzt angeblich eine

gute Miene zum bösen Spiele macht, so ist Das nichts Anderes, als

die Anwendung des Sprichworts von dem Fuchs, dem die Tauben zu sauer

sind. Was wird kommen? Nichts Anderes, als ein anderer Moltke, wenn

er auch nicht so heißt. So hat man denn einen Waffenstillstand in dem

Augenblick abgeschlossen, wo die vereinten Kräfte von Deutschland

sich auf dem Schauplatze des Krieges gesammelt hatten, als die

Söhne unseres Vaterlandes von allen Seiten zusammengeströmt waren,

als Deutschland zum ersten Male seit dem Erwachen der neuen Zeit

seine gemeinsamen Kräfte üben sollte, also die sichersten Bürgen in

denselben gegeben waren, daß wir einen ehrenvollen Frieden schließen

konnten. Wie der Waffenstillstand beschaffen ist, darüber lesen Sie

die Blätter unserer Feinde, lesen Sie namentlich Fädrelandet, welches

hier citirt wurde. Warum aber dies Alles? Warum wurde nicht direct

verhandelt, warum nicht wenigstens die Verhandlung, ich will nicht

sagen, beaufsichtigt, aber von Seiten der Reichsgewalt daran Theil

genommen? Ich kann mir darüber keine Rechenschaft geben, denn da,

von wo uns Auskunft darüber kommen sollte: beim Ministerium, finden

wir dieselbe Einheit und Einigkeit, wie wir sie in der Limburger

Frage fanden, wo die Minister hier nicht wußten, was diese dort

vorbrachten. Herr Heckscher hat uns etwa gesagt: „Wenn Dänemark

behauptet, es könne mit der Centralgewalt nicht unterhandeln, so ist

das eine Lächerlichkeit; man hat hier eine historische weltbekannte

Thatsache verleugnet, und darüber braucht man gar nicht zu reden.“

Der diplomatischere Herr v. Schmerling sagt uns dagegen: „Gott

bewahre, die Centralgewalt war für Dänemark gar nicht da, sie war

ihm ja nicht angezeigt, wie konnte es also mit der Centralgewalt

verhandeln?“ Die Sonderbarkeit, die darin liegt, daß der #Herzog von

Holstein# nichts davon wußte, will ich nicht wiederholen, aber auf

einen andern Umstand aufmerksam machen, daß nämlich dieses Ding,

welches den Dänen gar nicht bekannt, und für sie nicht in der Welt

war, dessen ungeachtet einen Bevollmächtigten ernennen, demselben

eine Vollmacht geben, und von ihm verlangen konnte, auf Grund dieser

Vollmacht mit den Dänen einen Waffenstillstand abzuschließen. Das

geht über meinen, freilich nicht diplomatischen Verstand hinaus.

Etwas aber ist mir klar: entweder war die Centralgewalt wirklich

nicht vorhanden, und dann handelte das Ministerium uns gegenüber

pflichtwidrig, denn es mußte Preußen allein bevollmächtigen, und

das Gesetz vom 28. Juni umgehen; oder es war die Centralgewalt

eine historische Thatsache, die man nicht leugnen konnte und dann

begreife ich nicht, wie man solche Entschuldigungen vorbringen

mochte, wie wir sie vorgestern hier gehört haben. Freilich, von einem

Ministerium, das die neugeschaffene Centralgewalt, die so sehr der

Entschiedenheit bedarf, #entschieden# vertrat, hätte man erwartet,

daß es eine Antwort gab, wie sie Bonaparte zu Campoformio gegeben

hat. „Streichen Sie“, sagte er, „die Anerkennung der Republik aus;

wir brauchen sie nicht, denn sie ist klar wie die Sonne am Himmel.“

(Bravo!) Dies war indessen nicht genug. Man schickte auch einen

Gesandten hin, und bot auf andere Weise seine Dienste an. Treu dem

bekannten Briefe des Herrn v. Peucker spielte man so eine Art von

Vermittelungspolizei in Schleswig-Holstein. Die preußische Regierung

sah ein, daß ihr die Landesversammlung gefährlich sei, und fürchtete

die durch dieselbe aufgeregten Leidenschaften. Sie fand aber, wie ihr

sehr gewandter Agent sagte, die „passende Form“ hierzu, indem sie das

Ministerium der Centralgewalt die Kastanien aus dem Feuer holen ließ,

und es beauftragte, es möchte dies doch den Schleswig-Holsteinern

auf eine passende Weise beibringen; das Ministerium war dazu

bereit, und berief sich nicht blos auf die Unthunlichkeit, sondern

auch auf einen Beschluß der National-Versammlung, wonach keine

constituirende Versammlung mit der hiesigen zugleich stattfinden

solle, ein Beschluß, der niemals gefaßt worden ist. Man ging noch

etwas weiter, und schickte einen Gesandten. Ehre dem Manne, der

dorthin gegangen ist, aber tiefes Mitleiden seiner Stellung. Seit

dem Bürgermeister von Saardam komischen Andenkens hat kaum ein

Diplomat eine ähnliche Rolle gespielt, wie dieser Gesandte der

deutschen Centralgewalt. Er ging nach Berlin, wo man ihn kaum

anhörte; er ging nach Schleswig-Holstein, und stand dort gänzlich

hinter den Coulissen, wie ein junger Mensch, der in das Theater

sich geschmuggelt hat und nicht gesehen sein will. Er schickte

Personallisten nach Malmö, als es sich darum handelte, Personen zu

wählen. Wir kennen leider in diesem Augenblick noch nicht, welche

Listen es waren; aber factisch liegt uns vor, daß man sie in den

Papierkorb warf. Er ging nicht nach Malmö, wohin er eingeladen wurde,

und es war gewiß das Beste, was er thun konnte; denn er würde eine

noch traurigere Rolle dort gespielt haben, als im Hintergrunde. Der

Inhalt des Waffenstillstandes wurde ihm vor der Ratification nicht

mitgetheilt, denn was ging das die Centralgewalt Deutschlands an? Er

reiste ab ohne Protest und ohne Verwahrung, und die ganze Reise gab

nicht einmal Veranlassung zu einem gastronomischen Bericht, worin

doch das Ministerium des Auswärtigen so groß ist. (Heiterkeit.) Das

preußische Ministerium fügte zu der ihm angethanen -- lassen Sie

mich das Wort nicht aussprechen -- noch den Hohn, indem es erklärte,

es würde #nach geschehenem Abschlusse# sich vertraulich mit ihm

unterhalten haben, wenn er hingekommen wäre, und die Weigerung des

Generals von Below, ihm die Bedingungen mitzutheilen, verstand es

dahin, daß er wahrscheinlich habe sagen wollen, er wolle sich auch

vertraulich mit ihm unterhalten. Das sind, soweit sie uns vorliegen,

die #offenen# Actenstücke; über die geheimen, die man allerdings

in der Tasche haben soll, haben wir keinen Aufschluß; allein wir

sehen wenigstens, daß das Ministerium des Auswärtigen, um der alten

Diplomatie in Nichts nachzustehen, #vertrauliche# Briefe nicht zu

drucken für gut befunden hat. Was die geheimen Actenstücke in dieser

Sache betrifft, so berufe ich mich auf ein Mitglied dieser Seite

des Hauses (der Rechten), auf Schubert, der uns im Ausschuß gesagt

hat, er habe derartige geheime Noten gesehen; ich berufe mich ferner

auf die Briefe des Herrn Camphausen, in denen immerwährend von den

Einflüsterungen Rußlands die Rede ist, während doch durchaus nicht

eine Zeile in den Acten enthalten ist, und ich berufe mich endlich

auf die Depesche des Ministeriums an den schwedischen Gesandten

in Berlin, worin dasselbe sagt, wenn man sich den Anforderungen

Schwedens nicht füge, werde dasselbe Dinge veröffentlichen, die

den Leuten, welche unterhandelt haben, nicht sonderlich angenehm

sein werden. (Hört! Hört!) Was nach dieser Haltung mit unserem

Ministerium zu thun ist, das bleibe hier unentschieden. Unsere Seite

wird allerdings nicht unterlassen, geeignete Anträge einzubringen,

und sollten dieselben wegen mangelnden Gesetzes keinen Erfolg haben,

so fürchte ich dennoch nicht, daß die Indemnitätsbill, die sich der

Minister des Auswärtigen in seiner Verzweiflung von Lord Cowley geben

ließ, von dem deutschen Volke bestätigt wird. So liegt also die

Sache in diesem Augenblick, und man sagt, wir sollen ratificiren;

ratificiren einen Waffenstillstand, der gegen die Bundesacte, gegen

die Wiener Schlußacte, gegen das Gesetz vom 28. Juni, gegen die

Beschlüsse dieser Versammlung, und gegen die ausdrückliche Vollmacht

geschlossen ist; ratificiren einen Waffenstillstand, der thatsächlich

unmöglich und unausführbar ist. Wir können ihn ratificiren, aber

dann sehen Sie sich auch die nothwendigen Folgen an, verlieren Sie

sich nicht auf den sophistischen Irrweg des Mannes, der Ihnen vom

historischen Rechtsboden vorgesagt hat, daß Sie den Waffenstillstand,

wenn sich die Schleswig-Holsteiner ihm widersetzen, nicht mit Gewalt

der Waffen auszuführen hätten. Wenn Sie ehrlich sein wollen gegen

Dänemark in vollem Umfange, wenn Sie die deutsche Ehre einsetzen für

diesen Waffenstillstand, dann #müssen# Sie mit deutschen Truppen das

rebellische deutsche Land Schleswig-Holstein zwingen, den Grafen

Moltke oder irgend einen Anderen anzunehmen. Das ist nothwendig, eine

ganz unvermeidliche Consequenz. Allein wenn wir aus den Actenstücken

selbst gesehen haben, namentlich aus der merkwürdigen Aeußerung, die

sich auf den Fürsten von Augustenburg bezieht, gesehen haben, daß es

geheime Artikel gibt, wie können wir etwas ratificiren, was wir nicht

kennen? Wie können wir den Kopf in eine Schlinge stecken, deren Weite

wir nicht ermessen können? Ich wenigstens habe nicht Lust, wie die

an ihrer eigenen Unfähigkeit bankerott gewordene Diplomatie, mich

darauf zu berufen, daß uns vielleicht eine Vorsehung aus dieser

Schwierigkeit erretten werde. Es ist darauf aufmerksam gemacht

worden, welche schweren Verluste die Küstenländer erleiden durch eine

Fortsetzung des Kriegs, und gewiß ist das mit vollem Recht geschehen.

Ich brauche Ihnen nicht zu wiederholen, was in dieser Beziehung mein

Vorredner gesagt; aber aufmerksam machen muß ich Sie darauf, daß

der Ruin dieser Küstenländer nicht von dem dänischen Kriege datirt,

sondern von der Liebäugelei mit Rußland; von unserer Grenzsperre,

von unsern Cartelverträgen; daß er dieselbe Ursache hat, wie die

Hungerpest in Schlesien. Es wird längere Zeit noch einer sehr festen

Haltung bedürfen, bevor Sie diesen Provinzen den Wohlstand wieder

geben können, der fast systematisch untergraben worden ist. Man ruft

uns ferner zu, wir sollen ratificiren im Interesse des Handels und

der Gewerbe, und wer ein Herz für's Volk hat, wahrlich, der wird

jedes Mittel ergreifen, das dazu führen kann; aber glauben Sie, daß

Handel und Gewerbe emporblühen können, so lange anstatt der alten

verwitterten Grundlage des gestürzten Staatensystems nicht eine

neue und dauerhafte gefunden ist? Glauben Sie, daß dieses Schaukeln

und Schwanken des Systems, das nicht hier- und nicht dorthin sich

wendet, geeignet ist, das Vertrauen zurückzuführen? Glauben Sie,

daß, so lange man in Deutschland nicht weiß, wer nach dem vulgären

Sprüchworte Koch oder Kellner ist, es möglich sei, daß irgendwie

Unternehmungen begonnen werden, die geeignet sind, dem großen Theil

unserer hungernden Bevölkerung Lebensmittel zu geben? Ich glaube es

nicht. Wir sollen ferner ratificiren, weil wir möglicherweise einen

Bruch mit Preußen herbeiführen. Nun, in der alten Zeit, da hieß es

allerdings, wenn man vom Staate sprach: Das Auge nur hinaufrichten

auf die äußerste Spitze, wo uns der Flammenspruch entgegenstrahlte:

„_L'état c'est moi!_“ Diese Zeit ist nicht mehr vorhanden, und das

preußische Volk ist wohl zu trennen von der wechselnden Neigung der

Regierung. Preußens Volk ist, und es freut mich, das von dieser

Seite (rechts) gehört zu haben, ein deutsches Volk, und Preußens

Volk wird mit uns fühlen, wie es in diesem Waffenstillstand der

gesammten gesitteten Welt gegenüber steht. Ich will nicht davon

sprechen, welche Rolle wir dem Auslande gegenüber spielen, wenn wir

gegen Hannover allerdings Courage und sehr hochklingende Redensarten

haben, gegen Preußen aber nichts als gehorsame Diener. (Bravo auf

der Linken.) Ich will auch nicht davon reden, daß wir keine neue

Bilderstürmer-Secte organisiren wollen, um die Bildnisse Friedrichs

des Großen zu vernichten, oder daß wir dem Manne seinen Kienspahn

nicht auslöschen wollen, der von dem großen Kurfürsten erzählt. Wir

ehren die geschichtlichen Erinnerungen eines Volkes; sie sind das

Heiligste, was es hat; wenn man aber eine neue Staatengestaltung

nicht gründen dürfte, weil man neben diesen Erinnerungen den

Gedanken einer neuen Zeit aufbringt, so müßte Deutschland noch in

die 371 Territorien, die es am Anfange des vorigen Jahrhunderts

hatte, getheilt sein. (Zuruf: Sehr gut!) Man hat uns, und es war ein

Sprecher aus Oesterreich, vordeducirt, die Regierung sei einerlei

mit dem Volke, und wenn die eine angetastet werde, würde auch das

andere angetastet. Dieser Sprecher mag es bei seinen Landsleuten

verantworten, wenn man consequenter Weise diesen zumuthet, sie

sollten sich identisch betrachten mit dem Metternich'schen System

und mit Metternich selbst, der so lange Europa geknechtet hat.

(Beifall.) Allerdings hat Herr Jordan bereits prophetisch verkündet,

was die preußische Nationalversammlung in dieser Angelegenheit

beschließen werde. Ich habe diesen prophetischen Blick nicht, aber

einige Wahrscheinlichkeit habe ich dafür, daß die linke Seite der

Versammlung zu Berlin diese Angelegenheit gerade so betrachten wird,

wie die linke Seite zu Frankfurt, und ich bitte, gefälligst zu

bedenken, daß nach der letzen Abstimmung vom 7. September die linke

Seite die Mehrheit hat. (Hört! Hört!) Auch hat Herr Jordan bereits

Diejenigen gezählt, die sich für den Waffenstillstand erklären

werden; es waren 10 Millionen. Wie ist es aber mit den übrigen 6

Millionen, die also wahrscheinlich dagegen sind? Wir wollen den

Bruch #mit# Preußen vermeiden, und bringen den Bruch #in# Preußen

zur Erscheinung. Aber nicht allein, daß wir den Bruch des Nordens

mit dem Süden bringen, den Bruch Preußens, wenn denn wirklich in

Preußen die Sache so sein sollte, wie Sie uns dargestellt haben,

dann bringen wir auch den Bruch Preußens mit Süddeutschland zu Wege.

Worauf gründen Sie die Behauptung, daß es in Preußen so sein müsse?

Zeigen Sie uns die Erzeugnisse der Presse und der Versammlungen,

oder was es sonst sein soll, wo man sich mit so großer Begeisterung

für die Genehmigung des Waffenstillstandes aussprach. Wir haben eine

Reihe von Eingaben gesehen, die sich dagegen ausgesprochen haben; wir

haben mit Fleiß und Sorgsamkeit die preußischen Zeitungen gelesen,

und außer der „neuen preußischen Zeitung“ keine gefunden, die sich in

diesem Sinne ausgesprochen hat. (Zuruf. Hört! Hört!) Man weist hin

auf die öffentliche Meinung; ihr Ausspruch liegt nahe genug, wenn von

67 Eingaben 66 sich in einem und demselben Sinne aussprechen. Es ist

die schönste Erscheinung, die wir in Deutschland seit den Märztagen

gehabt haben, daß das Volk in dieser hohen sittlichen Kraft sich

erhebt, wo es gilt nicht nur seine Interessen, sondern seine Ehre zu

vertreten; daß es nicht wägt und nicht prüft, sondern nur das eine

allgemeine Gefühl ausspricht: Wir stehen ein mit Gut und Blut dafür,

daß diese Ehre eingelöst werde. (Anhaltendes Bravo auf der Linken und

dem linken Centrum.) Allerdings hat man gesagt, diese Tausende zählen

nicht. Es ist ein sehr verbrauchter Kniff des gestürzten Regiments,

welches Tausende von Unterschriften nicht achtete, wenn sie von #der#

Seite kamen, aber zehn Unterschriften für sehr hoch hielt, wenn

sie von der andern Seite kamen (Zuruf von der Linken: Sehr gut!);

allein wenn diese Tausende nicht zählen, und wenn man andere Tausende

nicht dagegen aufstellen kann, so sollte man seine Augen doch nicht

verschließen vor der Geschichte und vor den Thatsachen; man sollte

nicht vergessen, daß unter weit größeren Hindernissen diese Tausende

mächtig genug waren (Unruhe auf der Rechten) #Kerkermauern# zu

sprengen, und Diejenigen zu befreien, die dahinter schmachteten.

(Stürmischer Beifall des Hauses und der Gallerie.) Man sollte nicht

vergessen, daß diese Tausende gerade es waren, die uns bis zu diesem

Punkte geführt haben, wo wir jetzt stehen, und die uns hoffentlich

weiter führen werden. Die Kammern sollen es sein, in denen sich die

Meinung des Volkes ausspricht. Nun, die Kammern haben am Schlusse

des vergangenen Jahres in allen Ländern Deutschlands kein Vertrauen

mehr gehabt, und sind bis diesen Augenblick, trotz der neuen Zeit,

noch nicht regenerirt, noch nicht eine einzige. Man hat uns sogar

damit gedroht, wir würden verhungern in der Paulskirche, man würde

die Mittel nicht mehr aufbringen können, die Nationalversammlung zu

unterhalten; ich antworte Ihnen darauf ebenfalls mit der Geschichte,

und sage Ihnen, das deutsche Volk hat zur Zeit, wo derartige Gaben

ein ganzes oder halbes Verbrechen waren, Tausende durch Kreuzer-

und Groschenbeiträge zusammengebracht zu den edelsten Zwecken,

die ich hier nicht nennen will (Hört! Hört! von der Linken), und

dieses deutsche Volk wird, wenn es sich um sein Leben und sein

Dasein handelt, größere Aufopferungen bringen, als selbst für den

edelsten Mann, den es jemals in Deutschland gegeben hat. (Bravo

und Beifall von vielen Seiten der Versammlung und der Gallerie).

Die sittliche Empörung, von der ich gesprochen habe, gründet sich

darauf, daß die Errungenschaften der Neuzeit, die Beschlüsse des

Vorparlaments, die Bestrebungen des Fünfziger-Ausschusses, die

Beschlüsse der Versammlung, die Gesetze, die bis jetzt das Einzige

sind, was für den Gesammtstaat feststeht, nicht geachtet worden

sind bei diesem Waffenstillstand; sie gründet sich darauf, daß die

alte Diplomatie gerade in demselben Verhältniß, als ob wir keinen

Märzmonat dieses Jahres gehabt hätten, schaltet und waltet mit dem

Schicksale der Völker nach ihrem Ermessen; sie gründet sich darauf,

daß man den Söhnen, die sich von dem Herzen des Vaters losgerissen

haben, um sich dem ungewissen Schicksale des Kriegs hinzugeben, sagt:

Kehrt nach Hause zurück, wir brauchen euch nicht mehr. Und diese

sittliche Entrüstung lebt nicht nur im Volke, sie lebt auch, und

das ist unsere Freude, im Heere. Die süddeutschen Truppen, welche

den Herrn Peucker schon vor langer Zeit so bedenklich gemacht haben

hinsichtlich ihrer Stimmung, glauben Sie, daß sie besser werden in

Herrn Peucker's Sinne, wenn man sie im vollen Bewußtsein ihrer Kraft

und ihres Willens den Feinden entgegenführt, um dann zu commandiren:

Kehrt um und geht nach Hause!? Glauben Sie, daß das deutsche Heer,

welches man namentlich von dieser Seite (zur Rechten gewendet) und

bei verschiedenen Gelegenheiten als nicht willenlos dargestellt

hat, nicht als eine Masse, die wie eine Herde dem Befehle folgt,

unempfindlich sei dafür, was in Schleswig-Holstein mit ihm geschieht

und geschehen soll? Ich glaube es nicht; ich hoffe, daß der Soldat

auch denkt, und wenn er denkt, dann wird er kennen lernen, daß die

Demokratie in Deutschland es wirklich nicht schlecht mit ihm meint,

daß sie im Soldaten den Bürger ehrt und anerkennt, wie in jedem

Anderen, und daß sie nicht die Letzte ist, die dem Heere Beifall

und Lob zujauchzt für die brave Haltung, die es in dieser ernsten

Angelegenheit Deutschlands eingenommen hat. (Bravo von vielen

Seiten.) -- Wir kommen auf den Punkt der Furcht vor dem auswärtigen

Krieg, und es bietet sich auch hier eine merkwürdige Erscheinung dar.

Die Furcht vor dem Krieg ist immer unbedeutend, ungerechtfertigt

und unbegründet, wenn es gilt, die Gewalt anzuwenden gegen das

Prinzip der Freiheit; sie ist gefährlich im höchsten Grade, wenn

es gilt, dieselbe Gewalt anzuwenden für das Prinzip der Freiheit.

(Hört! Hört!) Als es sich um Posen handelte, um die Vernichtung

völkerrechtlicher Verträge, um Italien und Anerkennung des Rechts

der Freiheit und Unabhängigkeit seiner Bewohner, da wiesen wir

auf unser Heer von 900,000 Mann hin, und trotzten der ganzen Welt.

Jetzt, wo es sich handelt, den thatsächlichen Zustand der Revolution

in Schleswig-Holstein anzuerkennen und zu erhalten, da fürchten wir

uns vor der ganzen Welt. (Mehrere Stimmen: Sehr wahr!) Allerdings,

die Gefahr eines auswärtigen Krieges ist keine kleine; man darf sie

nicht leichtfertig betrachten; aber die Gefahr, die uns bis jetzt

vorliegt, scheint mir freilich so groß nicht zu sein. Wir haben uns

gesträubt gegen die Vermehrung der Armee bis zu 900,000 Mann, und

wir haben Ihnen das Bündniß mit der französischen Republik dringend

empfohlen. (Heiterkeit in der Versammlung.) Droht uns Krieg von

Westen oder Osten, wir bewilligen den letzten waffenfähigen Mann

auch gegen die französische Republik, wenn sich dieselbe anmaßt,

in unsere Angelegenheiten unbefugter Weise sich einmischen zu

wollen. (Bravo von der Linken.) Aber die Einmischung scheint mir

bis jetzt noch nicht gefährlich, die auf völliger Sachunkenntniß

beruhende Aufforderung des Ministers des Auswärtigen der damaligen

republikanischen Polizeiregierung in Frankreich scheint mir noch

in keiner Weise einer Kriegserklärung ähnlich zu sein. Von dieser

Auseinandersetzung bis zum Kriege ist noch ein so weiter Schritt,

daß ich fürchte, der Terrorismus der Bourgeoisie erlebt den Tag

nicht, wo dieser Schritt zurückgelegt ist. Komisch ist es übrigens,

daß eine Regierung und ein Staatszustand, der seine Existenz noch

nicht über vier Monate hinaus schreibt, und seinen ersten Geburtstag

noch nicht gefeiert hat, sich zum Ritter für die verrosteten

Dynastie-Verträge aufwirft, die aus vergangenen Jahrhunderten

herstammen. (Bravo von vielen Seiten.) England, darauf hat man uns

auch hingewiesen, droht uns, und das ist mir auch nicht wunderbar.

Nichts ist natürlicher, als daß die „Erbweisheit ohne Gleichen,“

die dort das Volk ausbeutet, sich nach besten Kräften bestrebt,

ähnliche Gelüste und Bestrebungen auf dem Continent zu unterstützen.

Wunderbar ist es mir nicht, daß ein Volk, in dessen Tasche nach

ungefährer Berechnung aus unserem Vaterlande jährlich 17 Millionen

Thaler flossen, mit einigem Bedenken daran denkt, daß ein einiges und

starkes Deutschland ihm möglicherweise nicht mehr in diesem Sinne

contribuiren würde. (Bravo auf der linken Seite.) Und übrigens kann

ich nicht umhin, daran zu erinnern, daß es das ganz alte Spiel von

1790 und 1791 ist; dieselben Organe, dieselben Parteien eiferten

damals ebenso sehr gegen das kräftig aufstrebende Frankreich, wie sie

jetzt gegen das aufstrebende Deutschland eifern. Daß das Ausland

unsere Kraft und unsere Einheit nicht will, darüber dürfen wir doch

wohl nicht zweifelhaft sein, und wenn das Ausland den geschlossenen

Waffenstillstand preist, und wenn es unsere Nichtgenehmigung

fürchtet, wahrlich, dann liegt darin nur ein Grund mehr, daß wir

uns ernstlich besinnen sollen über Das, was wir thun. (Beifall auf

der linken Seite.) Die Entscheidung liegt indeß in Ihrer Hand, thun

Sie, was Sie müssen; allein an #Eines# lassen Sie mich anschließen,

was ein Redner auf dieser Seite gesagt hat, thun Sie nichts Halbes,

-- offen wie ein Mann #für# oder #wider#, nicht Achselzucken, nicht

zweideutig, nicht #zwar# und #aber#, ich #möchte# gern, aber ich

#mag# nicht, -- schieben Sie nichts auf die Centralgewalt, denn das

sind Sie selbst; sie ist stark oder schwach in dem Verhältnisse,

wie Sie es sind, sie thut, was wir beschließen, und wenn wir

Halbheiten beschließen, und wenn wir nicht den Muth haben, geradezu

herauszusagen, was wir wollen, so wird die Centralgewalt in der

Wirklichkeit der Central#schatten# bleiben, als welchen sie die

englische Presse begrüßt. Die Centralgewalt kann nicht einmal ein

Ministerium zusammenbringen ohne Ihren entscheidenden geraden

Ausspruch, denn ich halte den Minister für sehr gewissenlos, der

auf einen zweideutigen Ausspruch hin und auf einen Auftrag, die

Centralgewalt möge nach ihrem Ermessen handeln, irgend etwas in

dieser Angelegenheit unternimmt. Man hat von den verschiedensten

Seiten von dieser Tribüne her auf die Revolution hingewiesen, und es

wird gestattet sein, denselben Gegenstand ins Auge zu fassen, denn

er gehört ja eben zu den möglichen, vielleicht zu den nothwendigen

Folgerungen Dessen, was wir beschließen. Leugnen läßt sich nicht, und

Niemand, der in Deutschland ein offenes Auge hat, wird verkennen,

daß die Bewegung in den letzten Wochen und Tagen merklich gestiegen

ist; die alte Diplomatie hatte etwas zu schnell das Schicksal der

Völker in die Hand genommen und bestimmen wollen, sie hatte etwas

zu bald in die alten Bahnen eingelenkt, und die Reactionsversuche,

die jetzt von fast Niemandem bezweifelt werden, waren zu gewaltig,

als daß das noch nicht eingeschlummerte Volk nicht auf seiner Hut

sein sollte. Offen und ehrlich, wie sich die äußersten Seiten des

Hauses vom Anfang an gegenüber gestellt haben, denn wir haben uns

ohne Hehl gesagt, was wir wollen: Man sagt, ein Theil dieses Hauses

-- oder wenn nicht direct Diejenigen, die in diesem Hause sitzen,

so doch indirect dieselben durch ihre politischen Freunde, die sie

draußen haben, -- strebe darnach, die Ruhe nicht wiederkehren zu

lassen; er trachte nach nichts Anderem als die Bewegung zu erhalten,

und zu steigern ... Meine Herren! Wenn das der Fall wäre, so

würde ich Ihnen mit aller Kraft, die mir zu Gebote steht, rathen:

„Ratificiren Sie den Waffenstillstand;“ es ist aber nicht wahr,

und ich will Ihnen ehrlich sagen, weshalb, -- weil wir die ernste

Besorgniß hegen, daß die Bewegung, wenn wir sie nicht behalten, in

Hände übergeht, die weit von uns nach dieser oder jener Seite liegen,

und die vielleicht #ohne Schuld# die gesammten Errungenschaften

unseres geistigen Daseins bis diesen Augenblick in Frage stellen.

(Bravo auf der Linken und dem linken Centrum.) Deßhalb wollen wir es

nicht, und deßhalb bitten wir Sie: Wagen Sie es nicht darauf, daß

es dahin komme, daß die Bewegung sich steigere! Es giebt Mitglieder

in unserer Nationalversammlung, die ihre Aufgabe nicht darin sehen,

das Volk zu vertreten und blos Verfassungen zu machen, sondern die

behaupten, sie seien von ihren legitimen Regierungen hergeschickt,

um gegen die Revolution zu kämpfen. (Beifall auf der Linken.) Das

ist eine eigenthümliche Auffassung ihrer Aufgabe, über die ich

nicht streiten will, aber meine Meinung ist die, daß auch diese ein

Interesse daran hätten, auf die Zeichen der Zeit zu merken. Herr

Heckscher hat uns an das Schicksal der Julidynastie erinnert, und ich

nehme diese Erinnerung an, nur in einer anderen Folgerung: #weil# die

Vertretung des Volkes schlecht war, weil sie corrumpirt war, weil sie

Ja sagte zu Allem, und weil sie nicht den Muth hatte; da entschieden

für das Volk aufzutreten, wo es sich darum handelte; deßhalb fiel

die Julidynastie, nicht deßhalb, weil die Kammern ihr opponirten.

(Lebhafter Beifall auf der Linken und dem linken Centrum.) Wir

haben es oft gehört, namentlich von der rechten Seite des Hauses,

daß Sie Ihre Fürsten lieben, und ich erkenne dieses Gefühl an; denn

die Liebe ist etwas Heiliges, mag sie sich wenden, wohin sie will.

(Große Heiterkeit.) Aber wenn Sie Ihre Fürsten lieben, so treten Sie

dem immer wuchernden Glauben entgegen, daß die Fürsten mit ihren

dynastischen Interessen ein Hinderniß bieten für die Entwickelung

unserer neuen Zustände, -- geben Sie dem Volke das Vertrauen daß Sie

ebenso sehr die Uebergriffe von der einen wie von der anderen Seite

in die Schranken zu weisen entschlossen sind! Die Krone ist mit in

diese Verhandlung gezogen worden; das gehört sich nicht, es ist

nicht die Art parlamentarischer Verhandlung; allein sie #ist# eben

hineingezogen worden, und da darf man wohl auch daran erinnern, daß,

wenn Sie uns gesagt haben: „Die Revolution ist ehrfurchtsvoll vor den

Thronen stehen geblieben,“ es Ihre gewichtigste Sorge sein muß, daß

die zweite Bewegung nicht darüber hinwegschwemmt. Erlauben Sie mir

zum Schluß eine historische Thatsache: So lange Ludwig XVI. im Innern

regierte gegen die Freiheit und das neue Leben seines Volkes, hatte

er nur einen parlamentarischen Kampf, den er durch einen ehrlichen

Vertrag hätte enden können; als er die Nationalität und die Ehre

seines Volks auf das Spiel setzte für seine dynastischen Interessen,

als er mit dem Auslande liebäugelte und sich sogar mit ihm verschwor,

#da war er verloren#. (Stürmischer, lang anhaltender Beifall auf der

Linken und dem linken Centrum.)“

Wie schon oft zuvor sprach Lichnowsky nach Blum. Auch er schwang

die Palme des Friedens. „Lichnowsky hatte die letzte und schönste

Blüthe seiner Rede in St. Paul entfaltet, wie Robert Blum, und die

beiden schroffen Gegensätze wurden fast zu gleicher Zeit im Buche des

Schicksals gestrichen.“[212]

Nach unaufhörlichem Widerstreit der Meinungen wurde endlich die

Sistirung des Waffenstillstandes, der Ausschußantrag mit 21 Stimmen

Mehrheit verworfen[213], mit derselben Mehrheit die Genehmigung

des Waffenstillstandes ausgesprochen. Es war gegen neun Uhr Abends

geworden. Fast zwölf Stunden waren verflossen seit dem Beginn der

Debatten am letzten Tage. „Die Paulskirche rauschte auf in herz- und

ohrzerreißendem Toben, in der Versammlung, in den unteren Räumen, auf

der Galerie. Unter dem Lärm forderten unheimliche Gestalten nach der

Stadtallee zu einer Volksberathung auf; die das Haus verlassenden

Abgeordneten der Mehrheit, in der Verwirrung auch die der Minderheit,

wurden verhöhnt, beschimpft, in die Flucht getrieben.“ So schildert

ein Augenzeuge das Ende dieses Tages.[214] Der Abgeordnete Zell aus

Trier, einer der Linken, wurde verkannt und mißhandelt. Der Turnvater

Jahn mußte sich vor der entfesselten Volkswuth in einen Winkel der

Westendhall bergen. Barbarisch wurde dieses Berathungslocal der

gemäßigten Linken verwüstet. Der Minister Heckscher, der in unglaublich

taktloser Weise, vom Präsidenten wiederholt zur Ordnung gerufen, an

diesem Tage die Linke verhöhnt und verleumdet hatte, war vor der

Volksrache nach dem Bade Soden entwichen. Da hier, wie in allen

Ortschaften des Taunus, der Zuzug nach Frankfurt gepredigt wurde, floh

er weiter gegen Mainz. In Höchst wurde er erkannt und mißhandelt, und

er wäre unzweifelhaft ermordet worden, wenn nicht die Ortsbehörde mit

seltener Geistesgegenwart seine Verhaftung verfügt und ihn dadurch

gerettet hätte.

Daß die im Parlament unterlegene Linke in ihren drei Fractionen, der

Westendhall, dem Deutschen Hof und dem Donnersberg mit all diesen

Bübereien nichts zu thun hatte, zeigte sich noch am Abend des 16.

September. Die drei Zweige der Linken waren zu gemeinsamer Berathung

der #nun im Parlament# zu ergreifenden Schritte im Deutschen Hofe

zusammengetreten. Da verlangten Deputationen des „Montagskränzchens“,

des „demokratischen“ und des „Arbeitervereins“ in die Versammlung

eintreten zu dürfen, um den Abgeordneten persönlich „die Ansichten der

Vereine über das Verhalten der Linken mitzutheilen“. Die Abgeordneten

der Vereine wurden zugelassen. Sie erklärten und verlangten, die Linke

soll sich als selbstständiges Parlament constituiren, da ihr allein das

Vertrauen des Volks gehöre. Tausende kräftiger Arme stellten sie zu

diesem Zwecke zur Verfügung.

Aber die Linke lehnte diese Rolle entschieden ab. Man werde selbst

nach eigenem Gutfinden beschließen. Die erwählten Vertreter des Volks

könnten sich keinesfalls von irgend welcher Seite her Vorschriften

und Bedingungen machen lassen. Vor Gewaltschritten irgend welcher

Art wurden die Mitglieder der Deputation eindringlich verwarnt. Man

ließ sie nicht abziehen, ohne von ihnen das bündige Versprechen zu

erlangen, daß sie in diesem Sinne zur Beruhigung der Gemüther in

ihren Kreisen wirken wollten, nicht ohne daß sie betheuert hatten,

an den schmählichen Tumulten und persönlichen Angriffen des Abends

sei kein Mitglied der vertretenen Vereine betheiligt. „Mit solchen

Bübereien haben wir nichts zu schaffen!“ rief empört der Vertreter des

Arbeitervereins[215]. Unter den einflußreichsten Mahnern zur Ordnung

war Robert Blum.

Das Schlimmste war: die Männer, mit denen die Linke so offen und

energisch sprechen konnte, hatten selbst nicht mehr die Zügel der

Bewegung in den Händen, am wenigsten die Männer der Linken selbst.

Und einzelne der leidenschaftlichsten Radicalen von der Linken,

Zitz und Schlöffel (die berüchtigte „Reichshyäne“), standen mit den

meisterlosen, blutdürstigen empörten Massen selbst in innigster

Verbindung. Längst war das Band der Zucht und Parteiordnung

zerschnitten, das im Frühjahr 1848 Blum um alle diese disparaten

Elemente geschlungen hatte. Schon am 24. August hatte der Abgeordnete

Kolaczek an Trützschler einen Brief geschrieben, den ich besitze,

in welchem er Ruge feiert, daß dieser den Frankfurter Berathungen

überhaupt den Rücken gekehrt und sich nach Berlin gewandt habe, und

in welchem er Blum verhöhnt: „so daß nur #er# als[216] _conditio sine

qua non_ erscheine, um welche Alles mit mehr oder weniger Bewußtsein

kreist“. Anfangs, als die Unversöhnlichen, die reinen Republikaner,

von Blum und Vogt sich trennten, erdröhnten die Hallen des „Deutschen

Hofes“, in denen die Getreuen Blum's sich sammelten, von der ungeheuren

Heiterkeit, die Vogt's geistvolle Kneipzeitungen auf Kosten der

„linkser“ Stehenden hervorrief[217]. Da wurden z. B. die „Grundrechte

der äußersten Linken“ herausgegeben: „die Todesstrafe ist abgeschafft.

Die Guillotine wird als Vertheidigungsmittel beibehalten. -- Das

Betteln ist nur mit bewaffneter Hand erlaubt“ u. s. w. -- Aber jetzt

hatte man längst aufgehört zu lachen. Die rothe Revolution klopfte an

die Thüren der Linken, an die Kirchenpforten von St. Paul!

Diejenigen, welche später die Beschuldigung erhoben haben, Blum und

seine nächsten Freunde seien Mitschuldige an den schweren Verbrechen

der nächsten Tage, haben sich immer nur auf jenen Artikel der

„Reichstagszeitung“ beziehen können, welchen Stavenhagen in der Sitzung

des Parlaments vom 20. September zur Verlesung brachte[218]. Man kann

dem Abg. Simson (dem späteren ehrwürdigen Präsidenten des deutschen

Reichstags) durchaus beipflichten, wenn dieser in einer späteren Stunde

derselben Sitzung die volle Verantwortlichkeit für diesen Artikel, auch

wenn ihn Robert Blum nicht selbst geschrieben -- was nach Stil und

Ausdrucksweise wohl zweifellos ist -- Blum treffe, da sein Name als

Herausgeber auf dem Blatte stehe[219]. Aber freilich in diesen Tagen,

wo dem #Abgeordneten# über sechszehn (Blum meist zwanzig) Stunden

Tagesdienst zugemessen waren, mußte an sich schon der #Redacteur#

milder beurtheilt werden. Und vor Allem: was steht in diesem Artikel?

Unleugbar eine nicht zu rechtfertigende Schmähung der Mehrheit vom 16.

September. „Verräther an der Sache des Volks“ wurden sie genannt; von

dem „blutigsten Schimpf“, den sie dem „Volkswillen“ angethan, wurde

gesprochen. Aber völlig ungerecht ist die Anklage, daß die Mitglieder

der Majorität in diesem Artikel „der Volksrache bezeichnet“ worden

seien[220]. Der Hauptzweck desselben ist vielmehr, auf die angeblich

ungerechte Leitung des Präsidiums von Gagern, auf die zweifellos

parteiische Handhabung der Präsidialgeschäfte von Soiron hinzuweisen.

Und wenn man nicht einmal die ungeheure Aufregung, in welcher sich alle

Parteien damals befanden, als mildernden Umstand für solche Preßexcesse

gelten lassen wollte, so stand doch die #Rechte# durch die Flugblätter

des Abg. Jürgens in Bezug auf persönliche Schmähung und Denunciation

ihrer Gegner um keinen Schritt hinter der Reichstagszeitung der Linken

zurück. Nur war die Instanz eine andere, an welche die Denunciationen

gerichtet wurden -- und auch der Erfolg. Herr Jürgens ist unversehrt

geblieben. Die Verleumdungen des christlichen Pastors Herrn Jürgens

haben Blum mit erschießen helfen.

Diese Anklage gegen Blum erweist sich aber vor Allem ungerecht, wenn

man seine Handlungsweise in Betracht zieht in den schweren Stunden,

die nun über Frankfurt hereinbrachen. Am Nachmittag des 17. September

(einem Sonntag) sammelten sich von 4 Uhr an zehn- bis zwölftausend

Menschen auf der Pfingstweide, einem Anger im Nordosten der Stadt. Nur

fünf Abgeordnete der Linken waren überhaupt zugegen: Zitz, Schlöffel,

Wesendonck, Ludwig Simon und Hentges aus Heilbronn. Von diesen fünf

Abgeordneten, die doch Alle der äußersten Linken angehörten, erklärte

Hentges mit schönem Mannesmuth: „Wir weisen solche Bundesgenossen

zurück, welche die Freiheit der Berathung beschränken und mit Gewalt

uns vorschreiben wollen, wie wir zu stimmen haben“.[221] Und Ludwig

Simon, der heißblütige Fanatiker der Freiheit, erklärte keineswegs, wie

man seine Rede vielfach aufgefaßt, die Versammlung der Pfingstweide

solle den Abgeordneten „vor die Häuser und Leiber rücken“, sondern er

sagte im Gegentheil: „die Wähler der süddeutschen Abgeordneten können

sich doch nicht das Recht beilegen, auch Wähler der norddeutschen

zu sein. Warum fordern die #norddeutschen# Wähler sie nicht auf,

ihre Plätze als Abgeordnete zu verlassen? Warum machten sie nicht

Demonstrationen in deren Heimath? Warum rücken #sie# nicht denselben

vor die Häuser und Leiber und erklären feierlich: Ihr habt unser

Vertrauen verscherzt?“ Gewiß haben Schlöffel und Zitz mit ihrem

Verlangen, das Volk müsse jetzt „Fractur schreiben“ u. s. w. auf der

Pfingstweide sich sehr unbesonnen und taktlos benommen. Aber aus diesem

Verhalten Weniger ist durchaus kein Schluß auf Blum und die Maßvollen

der Partei zu ziehen.

Vielmehr zeigte sich schon an diesem Sonntag Abend (17. Sept.),

daß Blum und seine Freunde an den Excessen der Pfingstweide völlig

unschuldig und dem süßen Pöbel ebenso verhaßt seien, wie irgend

eine andere „reactionäre“ Partei. Wiederum war an diesem Abend die

ganze Linke (in ihren drei Fractionen) im Deutschen Hofe versammelt.

Vogt präsidirte. Die äußerste Linke, der Donnersberg, verlangte,

daß die ganze Linke aus dem Parlament ausscheiden, sich als Convent

constituiren solle. Der „Deutsche Hof“ unter Blum's Leitung und die

Fraction „Westendhall“ widersprachen. Sie machten geltend, die Linke

sei eine parlamentarische Partei und habe ihre Kämpfe nur im Schooße

des Parlaments, auf gesetzlichem Boden auszukämpfen, nicht an der

Spitze der Revolution. Der Antrag des „Donnersbergs“ wurde von den

beiden anderen Fractionen fast einmüthig abgelehnt, gegen 19 Stimmen.

Diesem Beschluß ordnete sich auch die extreme Minderheit unter, indem

sie ruhig weiter verhandelte -- da wurde die Deputation der Versammlung

der Pfingstweide angemeldet. „Mit Gut und Blut wollen wir die Linke

schützen“, rief der Sprecher der Deputation, „wenn sie aus jener

servilen Versammlung austritt und sich selbstständig constituirt, aber

das verlangen wir auch von ihr. Thut sie es nicht, dann freilich wird

das Volk die Linke als ebenso ehrlos betrachten, wie die Mitglieder der

Majorität, dann freilich wird die neue Revolution auch über die Linke

hinweggehen und diese vernichten wie das Centrum und die Rechte!“[222]

Der so sprach, hieß Germain Metternich und war der Führer der

Massen, die sich zum bewaffneten Aufruhr anschickten, der Gracchus

der Pfingstweide. Vogt entgegnete ihm Namens der drei versammelten

Fractionen der Linken trocken, daß man im entgegengesetzten Sinne

bereits entschieden habe. Venedey stellte ihnen das Verbrecherische

ihres Beginnens vor. Da wurden Beide verhöhnt, besonders Venedey. Die

Helden der Gasse sagten sich feierlich los von der „ehrlosen“ Linken.

Als am 18. September früh 9 Uhr die Parlamentssitzung begann, glänzten

Bajonette rings um die Paulskirche. Früh 3 Uhr waren auf Schmerling's

und des Frankfurter Senats telegraphische Weisung 2400 Oesterreicher

und Preußen von der Mainzer Garnison in Frankfurt eingetroffen.

Schmerling und die anderen „in Frankfurt anwesenden Reichsminister“

hatten in der kritischen Lage die einstweilige Leitung der Geschäfte

wieder aufgenommen. Unglücklicherweise hatten die Truppen den

Nordeingang zur Paulskirche nicht besetzt, auf welchen zwei enge Gassen

mündeten, und durch welchen die Abgeordneten einzutreten pflegten. Hier

hatten sich die erregten Massen zusammengerottet. Und eben als das

Parlament, nach heftiger aber vergeblicher Einsprache der äußersten

Linken[223] gegen die militairische Machtentfaltung vor der Kirche, in

seine Tagesordnung eintrat und den Artikel der Grundrechte berieth:

„Die Wissenschaft und ihre Lehre ist frei“ -- da dröhnte die Nordpforte

der Kirche von Schlägen und Stößen. Zuvor war schon ein verspäteter

Abgeordneter (Riesser) von dem Pöbel mißhandelt, ein in die Kirche

bereits eingedrungener Haufe mit Gewalt von Abgeordneten hinausgedrängt

worden. Nun klaffte von dem wuchtigen Anprall die Pforte, von oben bis

unten gespalten, auseinander. Eine ungeheuere Erregung bemächtigte sich

der Versammlung. Würdevoll und erfolgreich mahnte Gagern zur Ruhe und

Besonnenheit. Dann hörte man draußen kurzen Kampf, gellende wüste Rufe

der Angst und Verwünschung, dann ward es still. Die Preußen hatten die

Banden mit dem Bajonett von der Thüre getrieben.[224] Die Versammlung

setzte die Berathung in Ruhe fort bis Nachmittags 2 Uhr.

Ein merkwürdiger Anblick bot sich den Abgeordneten, als sie

heraustraten. Ueberall waren in der Zwischenzeit Barrikaden entstanden.

Die Aussagen Aller stimmten darin überein, daß sie erbaut worden waren

vor den Augen der Soldaten, die Gewehr in Arm zuschauten, ohne daß auch

nur der Versuch gemacht worden wäre, ihre Entstehung zu hindern; sogar

Kinder hatten das Material zum Bau mit herbeigeschleppt! Wenn es später

nicht schwer war, auch die stärksten dieser Bollwerke der Empörung

zu stürmen, wieviel leichter wäre es gewesen, ihren Aufbau unmöglich

zu machen. Diese Thatsache mußte mit tiefem Mißtrauen erfüllen gegen

die Absichten des Mannes, der die nothwendige Dictatur in seine Hand

genommen, gegen Schmerling. Dazu kam, was man später erfuhr, daß die

heftigsten Aufwiegler zum Kampfe Menschen waren, die Keiner kannte,

und die alsbald nach dem Ausbruch verschwanden, die man also nicht mit

Unrecht für angestiftete Sendlinge hielt.[225] Auch Germain Metternich,

der mit einer Karte Frankfurts in der Hand, überall die Punkte bestimmt

hatte, wo Barrikaden anzulegen seien, ist an diesem Tage im Palais des

Herrn Reichsministers v. Schmerling mehrfach ein- und ausgegangen.[226]

Nach Beendigung der Sitzung griffen die Truppen an. Zwei Barrikaden

stürmten die Preußen, zwei die Oesterreicher. Auf beiden Seiten fielen

in dem ganzen heißen Kampfe kaum zehn Opfer. Doch wäre auch dieses Blut

zu sparen gewesen, wenn man früher eingeschritten wäre. Gegen 5 Uhr

waren die drei Hauptbarrikaden noch nicht genommen. Es trat eine kurze

Waffenruhe ein. Man erwartete per Bahn die reitenden Batterien von

Darmstadt.

Noch einmal bot Blum Alles auf, um weiteres Blutvergießen zu hindern.

Er und seine Freunde begaben sich zum Reichsverweser und Schmerling,

und beschworen diese, eine friedliche Lösung herbeizuführen. Der

Reichsverweser zeigte sich bereit, Schmerling deutete an, die

Lieblinge des Volks möchten selbst den Versuch einer Versöhnung

machen. Da schritt Robert Blum mit Ludwig Simon und Anderen unbewehrt

den Barrikaden entgegen und redete zum Frieden, mahnte dringend, von

weiterem Widerstand abzulassen. Aber Dutzende von Flintenläufen erhoben

sich gegen seine Brust. Tobende Verwünschungen erfüllten die Luft. Die

Freunde rissen Blum zurück. Er wäre gemordet worden, wenn er ihnen

nicht folgte.[227] Die teuflische Rohheit und Mordlust der Massen

hatte sich ja um dieselbe Stunde in entsetzlicher Weise offenbart. Vor

dem Bockenheimer Thor waren die Abgeordneten Auerswald und Lichnowsky

barbarisch hingeschlachtet worden! Die furchtbare Kunde durcheilte die

Stadt, während das dumpfe Grollen der schweren Geschütze ansagte, daß

der Angriff gegen die Barrikaden wieder begonnen habe. Als der schöne

fürstliche Kämpfer der Rechten in der Nacht im Armenspital seinen Geist

aufgab, war jener unselige Aufstand im Blut erstickt, der ihm sein

junges vielversprechendes Leben gekostet.

Wohl mochte das Parlament wieder aufathmen, als es am Morgen des

19. September zur gewohnten Arbeit schritt, befreit von der Sorge,

vom empörten Pöbel erdrückt zu werden. Aber das richtigste Wort für

die Bezeichnung der Lage sprach an jenem Morgen doch Venedey in die

behagliche Stimmung der Rechten hinein: „Ein Sieg, wie der gestrige,

hat eine hohe Gefahr; hüten Sie um so bedächtiger die Freiheit,

weil der Rückschritt sich dieses Sieges bemächtigen kann“. Dieselbe

peinliche Sorge quälte Robert Blum. Er schwieg vornehm still auf die

Anklage Stavenhagen's, der an diesem Morgen durch Verlesung des früher

erwähnten Artikels der Reichstagszeitung vom 19. die Mitschuld Blum's

an der niedergeworfenen Bewegung zu begründen versuchte. Denn jede

persönliche unverdiente Verdächtigung erschien Blum klein gegen die

Gefahr, welche der deutschen Nationalversammlung nun drohte: niemals

wieder durfte sie hoffen, ihre Macht nach oben zu wenden, seitdem zum

Schutze des Parlaments die Waffen nach unten gekehrt worden waren!

Er hat mit keinem Worte im Parlament dieser ihn niederbeugenden

Ueberzeugung Ausdruck gegeben. Aber seine vertraulichen Briefe aus

jenen Tagen sind davon erfüllt. Darüber schrieb er am 23. und 28. an

die Frau, und am eingehendsten an Haubold am 3. October:

„Lieber Freund! Wie es hier geht? Es ist fast überflüssig zu

sagen: schlecht. Man fühlt diese Stellung um so mehr, als wir die

beste hatten und gewissermaßen die Hand nur ausstrecken durften,

um die Frucht viermonatlicher schwerer Arbeit zu brechen. Dieser

unsinnigste und fluchwürdigste aller Straßenkämpfe hat uns fast

ebensoviel geschadet, als die Februar- und Märzrevolution genützt

und man fragt sich oft ernstlich, ob es wirklich ein revolutionäres

Frühjahr gegeben habe. Und wie stehen wir persönlich? Von der einen

Seite gibt man uns „intellectuelle Urheberschaft“ eines Kampfes

schuld, bei welchem nur wir verloren haben und nur wir verlieren

konnten. Auf der andern Seite wirft man uns Verrath des Volkes,

Feigheit und Unentschiedenheit vor, #weil wir die Versammlung auf der

Pfingstweide nicht für das deutsche Volk ansehen und uns den Dictaten

ihrer exaltirten Abgeordneten nicht fügen wollten#. Wahrlich, man

möchte oft lieber in den Urwäldern von Californien sitzen, als in

der deutschen Volksvertretung. Nie hat eine Partei so unmittelbar am

Siege gestanden, als die unsere und #nie hatte sie# bei nur einem

Fünkchen von Vernunft #mehr Interesse davon, daß keine gewaltsame

Verschiebung dieser Stellung eintrete#; dennoch aber soll gerade

sie die Gewalt provocirt haben! Es ist entsetzlich, wie weit die

Parteileidenschaft die allereinfachsten Verstandssätze verkommen

lassen kann.

Gott sei Dank, #die Dummheit, welche uns in den Straßen zu Frankfurt,

im Badischen Oberlande, in Würtemberg, Köln u. s. w. zu Grunde#

gerichtet hat -- sie erhebt uns wohl auch wieder. Denn die Reaction

ist zu übermüthig, sie errichtet Barrikaden in der Paulskirche

und fällt so in Struvescher Manier in das Gebiet des Rechtes und

der Billigkeit ein, daß sie sich selbst zu Grunde richten muß.

Hoffentlich wird sie die Hand an einige Abgeordnete legen, und deren

4-6 zum Opfer bringen, was diese Sache nur fördern kann. Lust hat man

viel dazu, aber man zagt doch immer noch etwas, seiner Herzensneigung

zu fröhnen.

Soll ich #Dir# versichern daß wir keinen Antheil an dem Aufstande

haben, daß wir vielmehr als Partei wie als Privatpersonen Alles

aufgeboten haben, denselben zu hindern? Dummheiten sind auf der

Pfingstweide gemacht worden, das ist wahr, namentlich von Schlöffel

und Zitz. Aber es waren nur Dummheiten und ich versichere Dir, an

einen #Aufstand# hat #kein Mensch# gedacht, es hat ihn #kein Mensch#

geahnt. Man hat diesen Aufstand gepflegt wie eine #Treibhauspflanze#;

man hat das Blut unnütz und frevelhaft vergossen; mit #einer#

Compagnie Soldaten war die ganze Kinderei -- es war Anfangs nichts

anderes -- zu beseitigen. #Das unter uns# und ich hoffe Dir die

Angelegenheit gelegentlich mündlich auseinandersetzen zu können; der

Oeffentlichkeit gegenüber läßt sich jetzt nichts thun, wir haben

einmal Barrikaden gebaut, Lichnowsky erschlagen und den Struve

ins Oberland gelockt oder gerufen -- das #müssen# wir tragen, bis

aus dem Duster der Untersuchung die #Thatsachen# mit einfacher

Klarheit hervortreten. Dann werden #wir# gerechtfertigt sein, aber

das verblendete Volk wird zu spät die Augen öffnen. Während es seine

entrüsteten Blicke auf die angeblichen „intellectuellen Urheber“

lenken läßt, wird man ihm Hände und Füße knebeln und es mißhandeln

wie früher. #Ach, das Schicksal unsres Vaterlandes und unseres Volkes

ist# doch ein sehr trauriges; es scheint mir oft, als ob es zum Tode

verurtheilt sei, und nicht die Kraft zu einer Auferstehung habe.“

Am 4. October schrieb Blum in gleicher Stimmung an seine Gattin:

„Liebe Jenny! Wie es uns hier ergeht, das hast Du theils aus

den Zeitungen theils aus dem Briefe an Jäckel ersehen. In der

Nationalversammlung verfolgt aus Bosheit, #vom Volke in die

traurigste Stellung gebracht aus Dummheit, von den Demokraten

angefeindet und geächtet aus Unverstand, stehen wir isolirter

als jemals und haben vor wie rückwärts keine Hoffnung#. Die

Zersplitterung Deutschlands hat nicht blos Staaten und Stämme

auseinander gerissen, sie frißt sogar wie ein böses Geschwür an

einzelnen Menschen und trennt sie von ihren Genossen, von aller

nothwendigen Gemeinsamkeit. Die letzten Wochen sind Kräfte vergeudet

und thörichterweise vernichtet worden, die bei weiser Zusammenfassung

und sorgsamer Verwendung hingereicht hätten, das Schicksal

Deutschlands vollständig umzugestalten. #Nie bin ich so lebens- und

wirkensmüde gewesen, wie jetzt#; wäre es nicht eine Schande, sich im

Unglück von den Kampfgenossen zu trennen, ich würde zusammenraffen,

was ich allenfalls habe und entweder auswandern, oder mir in irgend

einem stillen friedlichen Thale des südlichen Deutschlands eine Mühle

oder dergleichen kaufen und nie wieder in die Welt zurückkehren,

sondern theilnahmlos aus der Ferne ihr Treiben betrachten. Nicht

weil ich muthlos bin und am endlichen Siege der Vernunft verzweifle,

sondern weil ich wirklich #müde# bin, völlig abgerungen in dieser

Sisiphusarbeit, die ewig sich erneuert und kaum einen Erfolg zeigt.

Indessen, es muß ausgehalten sein und da einmal nach dem Naturgesetz

die Revolutionen ihre Kinder fressen, so mag es ruhig diesem

Hungermomente entgegen gehend; die Erschlaffung, welche so natürlich

sich an die traurigen Erfahrungen der letzten Zeit knüpft, wird wohl

auch wieder weichen.

Gehen wir zu Deinen unbeantwortet gebliebenen Briefen zurück und

verfolgen sie nach ihrer Reihenfolge: Die Vaterlandsvereine in

Leipzig überbieten sich gegenseitig in Dummheiten, der eine zieht

thörichterweise der Bourgeoisie die Zollkastanien aus dem Feuer, der

andere gestaltet auf seine Weise die Welt um und hebt sie aus den

Angeln, ohne nur die Kraft oder den Standpunkt des Archimedes zu

haben. #Wenn ich denke, ich müßte jetzt nach Leipzig zurück, um dort

zu bleiben, ich könnte schwermüthig werden.# -- Ueber das Ministerium

-- Blum bist Du nun wohl beruhigt; es ist bis Ostern verschoben,

wenn es auch dann nicht so #heißt#, so wird es doch wahrscheinlich

so #sein#. Auf Namen und Menschen kommt's nicht an. Die Sorgen um

den Haushalt bist Du los und zu sterben aus Patriotismus brauchst

Du auch nicht. -- Träume! Träume! und doch war ihre Verwirklichung

nahe und wäre eingetreten, wenn man vernünftig war. -- Wegen dem

Schillerfest hat mir Haubold geschrieben; es findet statt, und ich

werde also wahrscheinlich dazu kommen, wenn auch nur auf kurze Zeit.

Dann wird es mir wenigstens leichter werden, Weihnachten hier zu

bleiben, was wohl unvermeidlich sein wird. -- Nächstes Frühjahr muß

sich die Sache jedenfalls wenden und ob nach dieser, ob nach jener

Seite, man wird im Stande sein, einen festen Lebensplan zu fassen.

#Wenn man dann nur nicht ein rein verlorenes Jahr zu beklagen hat.#

-- Es ist jetzt Messe in Leipzig und ich denke mit Kummer und Sorge

daran, daß ich Dir arme Frau, stets etwas gab zur Ergänzung kleiner

Haushaltungsbedürfnisse; wie viele mögen deren sein, da Du auch

die Ostermesse nichts bekamst! Und doch #kann# ich leider nicht,

ich habe nichts. Die letzen 14 Tage haben solch riesenhafte Opfer

gefordert, daß die ganze Linke auch finanziell ruinirt ist; dem

Unglücklichen muß man helfen, wie sehr man auch Ursache hat, mit ihm

zu zürnen. Und ich hatte wahrlich gerade jetzt Sorge genug. -- Neues

ist hier nichts, Stadt und Umgegend ist vollgespickt mit Soldaten

und der Schrecken führt das Regiment; #wenn derselbe noch von der

Kraft gehandhabt würde, so ließe ich mir's gefallen: aber dieser

Schmerling ist das Sinnbild der Feigheit und der niederträchtigsten

diplomatischen Schurkerei# -- und #der# ist Dictator! Lebe recht wohl

mit den Kindern. Ich habe noch viel zu schreiben diesen Morgen und

muß daher aufhören.

Hoffentlich sehen wir uns in 5 Wochen.[228] Du wirst das ja aus den

Veranstaltungen erfahren, es wäre mir sehr lieb. Aber wenn davon die

Rede ist in der Stadt, so erkläre nur rund heraus, daß ich #keine#

Theilnahme an politischen Dingen, welcher Art sie auch sind, will,

sondern die 3 Tage, die mir höchstens vergönnt sein werden, lediglich

zu Hause bleibe (abgesehen vom Schillerfeste.) Also nochmals

Lebewohl! Es gehe Euch so gut als möglich. Gruß und Kuß von Herzen

von Deinem

Robert Blum: Ein Zeit- und Charakterbild für das deutsche Volk · 第 48 / 85 题