Am 27. Mai fügt er hinzu:
„Das Treiben ist hier jetzt betäubend, keinen Tag, keine Stunde Ruhe
und doch keine Frucht. Oeffentliche Sitzungen, Abtheilungssitzungen,
Sitzungen in 3 Commissionen und zwar den wichtigsten,
Parteiberathungen, Clubberathungen, Commissionsarbeiten und dazu eine
#Zeitung# -- wer sagt, daß ich nicht arbeite, der lügt schauderhaft.
Wahrlich, man lebt und arbeitet in einem Monat für Jahre, aber man
merkt's nicht. Als Mensch geht's mir leidlich, der Aerger setzt das
Blut in Bewegung, und man entbehrt dadurch die Bewegung weniger;
so bin ich also gesund. Ebenso Georg, Joseph und Schaffrath, die
mit mir wohnen. Das Haus liegt an der Promenade, hat einen schönen
Garten, Aussicht auf den Taunus, und es wohnt Niemand darin als wir
und Todt's. Die Frau Wirkliche Geheime Legations-Räthin kocht uns mit
den Kaffee und wir trinken denselben im Garten. Die Geschichte kostet
monatlich 83 Gulden, aber billiger bekommt man's einmal nicht....
Daß die Kinder gesund sind und gedeihen, freut mich; Gott weiß, wie
lange es noch dauert, ehe ich sie wieder sehe, am Ende kennen sie
mich nicht mehr, wenn ich komme; es sind nun schon bald zwei Monate!
Indessen es muß sein und wenn nur die Opfer etwas nützen, so wollen
wir sie in Gottesnamen bringen!“
Und am 30. Mai schreibt er an dieselbe:
„-- -- Also unsre Leute bekümmern sich gar nicht um Dich? Es
geht damit wie im Politischen, da bekümmern sie sich auch erst
um die Dinge, wenn's zu spät ist. Nun, Du kannst ja mitunter mit
Cramers oder Frieses ausgehen, damit Du und die Kinder doch wohin
kommen.... -- Diese Tage sind keine Verhandlungen von Bedeutung:
Geschäftsordnung, Wahlen u. s. w., langweilig und doch nothwendig.
Lebe wohl, die Pflicht ruft! Grüße und küsse die Kinder und empfiehl
mich allen Bekannten, die Du siehst. -- Bleibe nur gesund und spare
nicht etwa zu sehr, so daß Hans sagt: wir essen nichts! Nochmals lebe
wohl und nimm Gruß und Kuß von Deinem