Am 6. Mai schrieb Blum an seinen Freund, den Advocaten Dr. Bertling,
der mit an der Spitze des Vaterlandsvereins in Leipzig stand:
„Lieber Freund. Mit tiefer Beschämung muß ich Dir antworten: ich
weiß nicht, ob ich in Reußen angenommen habe. Vom ersten Augenblick
an habe ich durch meinen Schwager[148] an Euch geschrieben und
erklärt: ich nehme an nach #Eurem# Bedürfnisse, nach #Eurem# Willen.
Ich habe #keinen# Brief nach Reußen gehen lassen, der nicht vorher
durch Eure Hände gehen #sollte# und gehen mußte. Ich habe unbedingte
Vollmacht gegeben in meinem Namen #jede# Erklärung zu geben, welche
Eure Verhältnisse erheischen und habe dagegen nichts verlangt: als
sorgsame #gemeinschaftliche# Berathung und Beschlußfassung über diese
Angelegenheit und Mittheilung dieses Beschlusses. Ich weiß aber in
diesem Augenblicke #nichts#, #gar nichts#; nicht #ob# berathen, nicht
#was# beschlossen worden ist, nicht ob meine (eventuell zusagenden
Briefe) nach Reußen abgegangen, noch welche Antwort gekommen ist,
denn auch diese hatte ich nach Leipzig gewiesen. Ich stehe hier als
der Spott meiner wenigen Freunde, die mich um so mehr verhöhnen,
als ich auf die Organisation der Partei in Leipzig gepocht habe. Du
willst dennoch Antwort von #mir# und ich versichere Dir, Du wirst mir
einen großen Gefallen thun, wenn Du #mir# eine Antwort verschaffst,
die mich aus meiner peinlichen Lage reißt und mir selbst sagt,
was ich den Leuten geschrieben habe. Was im Frankfurter Journal
steht, beruht auf der #Zeitungs#nachricht: ich sei gewählt; darauf
haben mich die Abgeordneten als legitimirt betrachtet. -- Wenn
die Biedermänner wirklich niederträchtig handeln, so brecht doch
offen mit ihnen und brandmarkt sie; zu was denn die Halbheit, wenn
Vereinigung einmal nicht möglich ist? Oder löst Euch auf und geht
alle in den „Deutschen Verein“, dann hebt Ihr sie in ihrem eigenen
Neste aus. Wie um Gotteswillen kommt denn Langenschwarz zu einer
Partei und zu einer Bedeutung? Sei herzlich gegrüßt von Deinem