Jeder Mensch will seine Erholung, seine Vergnügen haben und wer im
Schweiße des Angesichts arbeitet, dem sind diese doppelt zu gönnen. Nun
kann's einer Seele aber in solch schlechten Wohnungen unmöglich wohl
werden, wo einen Alles so unfreundlich und unwirthlich ansieht. Man sucht
deßhalb seine Freude sonstwo; Gelegenheiten gibt's genug, täglich werden
noch neue erfunden und in allen Blättern dazu eingeladen, -- zu ermäßigten
Preisen sogar. An diesem Vergnügungsorte, in jenem Wirthshause sieht's
dann freilich heitrer aus als in dem Neste daheim, man wird noch obendrein
wie ein Herr behandelt, die Gesellschaft ist unterhaltend, ein gutes
Glas Wein, ein schmackhaftes Bißlein, das Alles findet sich da, und wie
appetitlich! Der Arbeiter verdient ja seinen schönen Batzen, was soll er
nicht auch einmal sich wohl sein lassen, nicht eine Zerstreuung haben?
Und diese Gelegenheiten außer dem Hause gefallen einem so gut, daß man
sie bald wieder und immer häufiger sucht, dem Hause vollends den Rücken
kehrt, kaum noch drin schläft.
So trinkt man in der fremden Wirthschaft stets eifriger auf den Verfall
der eignen; die Zerstreuungen schlagen so wohl an, daß von einer Sammlung,
der Sammlung im eigenen Hause, keine Rede mehr ist.
Wenn es nur keine schlechten Zeiten, keine kranken Tage gäbe und das
lustige Leben die Arbeitslust nicht untergrübe! mit ~einem~ Worte: wenn
der Mensch nur einzig auf der Welt wäre, seinen Lüsten zu dienen! Da
dieser nun aber nicht blos für den Tag lebt, sondern für die Ewigkeit, so
geht's unter lauter Zerstreuung und Lustbarkeit erst allmälig bergunter,
bald rascher und man langt vergeblich da- und dorthin, an morsche Latten
und in Glasscherben nach Hilfe. Pflicht und Gewissen und Ehrbarkeit werden
auch nicht zu lange mehr berathen, dunkle Winkel aber, unsaubre Betten,
ungewischte Bänke und Tische, schmuzige Hände und Unordnung überall sind
dann für einen solchen Zustand wie geschaffen.
Wo jener leichtfertige Sinn sich festgesetzt hat, ja da mag man dann lange
gute und gesunde Wohnungen bauen. Das Wohlsein daheim kommt ja in keinen
Betracht und die kurzsichtige Verkehrtheit verwendet die paar Franken
ersparten Hauszinses schon im Voraus zu der und jener Lustbarkeit, diesem
Flitterzeug, selber Leckerei, ohne zu bedenken, daß Doktor und Apotheker
kommen und darauf und auf noch mehr Beschlag legen möchten.