Es giebt viel hundert Wohnungen, darin es noch weit schlimmer aussieht,
in denen z. B. neben den Gliedern derselben Familie wildfremde Menschen,
Kostgänger, die gleichen Räume, ja Schlafgemächer bewohnen und überfüllen.
Sogenannte Haushaltungen giebt es, wo der Mann den größten Theil seines
Erworbenen in's Wirthshaus trägt, die Frau das, was in ihre Hände kommt,
an Flitter, an Leckereien, an Lustbarkeiten verschleudert. Allmälig wird
sie gleichgültig; wie bisher die Haushaltung, vernachläßigt sie nun auch
sich selbst und thut ihr Mögliches, dem Manne den Aufenthalt daheim
gründlich zu verleiden. So kommt er immer später und in halbtrunknem
Zustande nach Hause, indeß sie mit den Kindern zu darben beginnt. Es
giebt gegenseitige Vorwürfe, scharfe und harte Reden, in der Leidenschaft
und dem Trunke wohl noch Schlimmeres. Mürrisches Wesen, lieblose Worte
werden die tägliche Umgangssprache, Zorn und Verdruß machen den Mann zum
Trinker, erst in Wein und allmälig, wenn der seine Wirkung verliert oder
bei abnehmendem Verdienste zu theuer wird, in Schnaps. Unzufriedenheit,
Verdrießlichkeit setzen sich bleibend bei ihm fest, der gute Muth
schwindet, in gleichem Maße die Arbeitslust und Fähigkeit. Er wird ein
unzuverläßigerer, schlechtrer Arbeiter; um so besser freilich lernt er das
Aufbegehren. Aber je mehr er an Gott und Welt zu verbessern findet, um so
schneller geht's Stufe um Stufe mit ihm und den Seinen in den Sumpf des
selbstverschuldeten Elends und der Verworfenheit hinein, bis sie alle am
Ende hülflos der öffentlichen Wohlthätigkeit zur Last fallen.
Wer wüßte nicht Namen zu solchen Beispielen zu nennen? -- Oder wo
noch ein besseres häusliches Zusammenleben besteht und keine solche
Verlotterung um sich gefressen, da brechen Elend und Jammer an der Hand
von Krankheiten, besonders herrschender Seuchen, des Nervenfiebers, der
gefürchteten Cholera mit Vorliebe in die unreinlichen und vernachlässigten
Wohnungen. Der Vater, die Mutter werden auf's Krankenlager geworfen,
häufig genug zugleich auf's Todbette. Sie sind nicht das einzige Opfer.
Ein paar Tage später wird ein zweites Glied der Familie ergriffen und es
ist gar nichts Seltenes, ganze Häuser weggerafft zu sehen, indem jede
Erkrankung der Seuche nur immer neue Nahrung zuführt. Die Unreinlichkeit
steigert sich ja dadurch stets wieder, die sich anhäufenden schlechten
Ausdünstungen bilden eine ansteckende Pestluft aus, die alles Leben
vergiftet.
Dieß hat leider die Cholera der letzten Jahre überall, fern wie nah, des
Unläugbarsten dargethan, während Reinlichkeit und regelmäßiges Leben als
eine wahre Schutzmauer gegen die Seuche sich erwiesen.