Sehen wir uns indeß ein wenig genauer nach den Bewohnern selber um.
Der Mann arbeitet seit früh auf der Fabrik; er kehrt erst Mittags
auf die kurze Zeit des Essens nach Hause und Abends vielleicht noch
schnell, bevor er im Wirthshause seiner Erholung nachgeht. Die Frau
ist heute nicht auswärts; im Wasserzuber der Küche wäscht sie einiges
Linnen in der Stube aus, um auf Sonntag reine Wäsche zu haben. Sie
breitet diese soeben um den Ofen aus, an dem, neben wollenen Strümpfen
und dem Waschlappen, bereits auch Windeln hängen, die naß sind, ohne
gewaschen zu sein. Mehr Raum zu gewinnen, stellt sie ein Paar feucht
gewordene Endefinken vom Ofen herunter in's Ofenrohr hinein, bei
welchem Anlasse sie den eingedorrten Speiserest entdeckt, welchen sie
gestern vergeblich dem Manne vom Nachtessen aufgehoben. Das Aeußere
der Frau ist allerdings nicht sehr einnehmend. Sie mochte einst kein
so übles Mädchen gewesen sein, aber diese ungekämmten, im Gesichte
herumhängenden Haare, die gelbe, verknitterte Haube, das zerrissene
bunte Halstuch passen zu einem ordentlichen Aussehen so wenig, als das
unreinliche Fähnchen von Indienneröckchen, welches sie trägt, oder als
die herabhängenden Strümpfe und niedergetretenen Schuhe. Man könne im
Hause nicht Staat machen! -- meint die Frau; denn allerdings, wenn sie
ausgeht, dann flattern um keine andere Haube so viele und so bunte
Bänder, da ist ihr Halstuch das blumenreichste, ihr Rock der steifste,
von gestickten Kräglein, Anstößlein, Vorstecknadeln und anderem Zierrath
nicht zu sprechen. Daneben geben ihr jetzt die Kinder viel zu thun, deren
eines gerade wieder krank ist und um deßwillen sie heute auch zu Hause
geblieben. Das ältere, ein Büblein, hockt am Boden und nagt an einem Weck.
Der kleine Kegel sieht drollig genug aus in seinen bis unter die Arme
reichenden Höslein, dem dicken, wollenen Halstuche und der Pelzkappe, die
er über die Ohren heruntergezogen, trotzdem er am Ofen sitzt und draußen
ein ganz hübscher Märztag ist. In der Nähe giebt's freilich allerlei an
ihm auszusetzen: so scheint mütterliche Liebe seine struppigen Haare
ebenso nachsichtig der Pein des Kämmens, als das aufgedunsene Gesicht der
Qual des Waschens zu überheben. Es hätte freilich dem armen Kleinen auch
gar zu wehe gethan, bei den Schorfen und Borken, die ihm auf dem Kopfe,
an der Nase, hinter den Ohren sitzen und deren schmerzhaftes Jucken ihn
so schon launisch und meisterlos genug machen, weßhalb ihm die Eltern in
Allem seinen Willen lassen müssen. Sein jüngeres Schwesterchen dagegen,
das leider den ganzen Winter den Doktor gebraucht und auch jetzt in den
Federkissen seines Bettchens tief versenkt liegt, zeigt sich als das
gerade Gegentheil von ihm. Es sei das beste Kind von der Welt! -- rühmt
es die Mutter, Tagelang bleibe es liegen, wo sie's hinlege und störe sie
in nichts, sobald es nur seinen Lutscher habe und was koste der, als ein
wenig Zucker und Brotkrumme! Wenn der Mehlbrei, -- und sie koche ihn doch
absichtlich recht steif, -- nur besser bei ihm anschlüge! (fügt sie
klagend bei,) aber es setze sich Alles in den Bauch, der werde kugelrund
und Aermlein und Beinlein blieben wie Schwefelhölzchen. Nächstens werde
das Emilie zweijährig und vom Stehen sei noch keine Rede bei ihm; auch
leide es an den Augen, gäb wie sie es vor dem kleinsten Luftzuge behüte!
Die arme Frau ahnt es nicht, daß sie allein mit ihrer unvernünftigen
Pflege der Gesundheit ihrer Kinder hindernd im Wege steht.