Es dauerte lange, bis ihr Bewußtsein zurückkehrte. Sie sah nur
allmählich die Flecken des Mondenlichtes auf dem schwarzen Wasser, das
Gesicht Ssanins mit sonderbaren Augen, und merkte, daß sie halb im Boote
lag; er hielt sie wie die Seine umschlungen, während sich ihr nacktes
Knie am Ruder rieb. Sogleich begann sie leise und unaufhaltsam zu
weinen, ohne sich aus seinen Händen loszureißen; noch immer unterwarf
sie sich ihm mit der gleichen Willenlosigkeit.
In ihren Tränen lag die Trauer über etwas Unwiederbringliches, lag
Furcht und Mitleid mit sich selbst und schwache Zärtlichkeit zu Ssanin,
die nicht aus der Vernunft oder dem Herzen, sondern direkt aus der Tiefe
ihres jungen Körpers, der sich zum ersten Mal in seiner ganzen Kraft und
Schönheit entfalten konnte, heraufquoll. Das Boot glitt langsam auf eine
breitere, kaum beleuchtete Stelle und schwankte in dem dunklen Wasser,
in dem die Wellen der Strömung mit stillem, gleichmäßigen Plätschern
hinunterliefen, leise hin und her.
Ssanin nahm sie in seine Arme und setzte sie auf seine Kniee. Hilflos
und ratlos wie ein kleines Mädchen saß sie da.
Wie durch Träume hindurch hörte sie, daß er sie zu beruhigen suchte, ihr
du sagte, und es berührte sie angenehm, daß seine Stimme voll von
Zärtlichkeit gelöster Kraft und dankbarer Ergebenheit war.
-- -- -- Später gehe ich ins Wasser, dachte sie matt, indem sie doch
dabei auf seine Worte lauschte und gleichsam einem andern Antwort gab,
der von ihr Rechenschaft forderte: Was hast du getan und was wirst du
tun? ...