XXVII

Ein Brief, den Lydia Ssanina am nächsten Tage von Sarudin erhielt, kam

Maria Iwanowna in die Hände, weil ihn das Stubenmädchen auf dem

Küchentisch hatte liegen lassen. Unter undeutlichen ungeschickten

Anspielungen, daß sich immer noch vieles ändern ließe, bat der Offizier

darin um die Erlaubnis, sie zu sehen.

Aus den Seiten dieses Briefes schien Maria Iwanowna ein unheimlicher

Schatten beschmutzend auf das Bild ihrer Tochter, das sie nur umgeben

von reiner, heiliger Zärtlichkeit kannte, zu fallen. Ihr erstes Gefühl

war kummervolle Ratlosigkeit. Dann stiegen Erinnerungen an die eigene

Jugend, an Liebe und Enttäuschungen, vor ihr auf; sie gedachte der

schweren Schicksalsschläge, die sie in der Zeit ihres Ehelebens

durchgemacht hatte. Ein langes Band von Leiden, die durch ein fest

geregeltes Leben ineinander verwebt worden waren, reichte bis an ihr

Alter heran. Es war ein grauer Streifen mit trüben Flecken von Kummer

und Langeweile, mit den abgerissenen Rändern gezähmter Wünsche und

Träume; in ihrer Vorstellung rollte er sich als eine lebende Reihe

gleichgültiger Tage auf.

Bei dem Gedanken jedoch, daß ihre Tochter die tönerne Wand dieses

grauen, verstaubten Lebens durchbrochen haben könnte und vielleicht

schon in den hellen Strudel geraten war, wo Lust und Glück chaotisch mit

Schmerz und Tod zusammenbranden, ergriff die alte Frau Entsetzen.

Sehr bald löste es sich in Zorn auf. Wenn es in diesem Augenblick

möglich gewesen wäre, hätte sie Lyda am Halse gepackt, zu Boden

niedergedrückt, mit Gewalt in den engen Gang ihres eigenen Lebens

gezogen, von dem in die sonnige Welt nur gefahrlose, winzige Fensterlein

eisenvergittert führten, um sie von neuem zu zwingen, den gleichen Weg

herunter zu laufen, den sie einst hatte gehen müssen.

... Garstiges, abscheuliches Mädchen, dachte Maria Iwanowna, während

ihre Hände verzweifelt auf die Kniee sanken. Doch der Gedanke, daß ja

alles nicht über eine gewisse ungefährliche Grenze hinausgegangen sein

konnte, beruhigte sie ein wenig. Ihr Gesicht wurde stumpf. Sie begann

den Zettel wieder und wieder zu lesen; es gelang ihr aber nicht, aus dem

gemacht kühlen Styl etwas Bestimmtes herauszulesen. Da weinte die alte

Frau bitterlich im Gefühl ihrer Ohnmacht, rückte ihre Haube zurecht und

fragte das Hausmädchen:

»Dunka, ist Wladimir Petrowitsch in seinem Zimmer?«

»Was? ...«

»Dumme Gans, ich frage, ob der junge Herr zu Hause ist.«

»Der Herr sind soeben in ihr Arbeitszimmer gegangen. Sie schreiben einen

Brief.«

Maria Iwanowna blickte dem Mädchen hart und streng in die Augen; in

ihren gutmütigen, verblaßten Pupillen zeigte sich mit einem Mal wütende

Empörung.

»Und du ... wenn du niederträchtiges Frauenzimmer noch einmal Briefchen

abgeben wirst, so nehme ich dich mir mal vor, daß dir grün und blau vor

den Augen wird.«

Ssanin saß und schrieb. Maria Iwanowna war nicht gewöhnt, ihren Sohn an

der Arbeit zu sehen; trotz ihres Kummers wurde sie interessiert. »Was

schreibst du da ...?«

»Einen Brief,« erwiderte Ssanin, seinen fröhlichen, ruhigen Kopf

erhebend.

»An wen ...?«

»So ... an einen bekannten Redakteur. Ich will sehen, vielleicht werde

ich wieder bei ihm auf der Redaktion eintreten.«

»Ja, kannst du denn wirklich für Zeitungen schreiben? ...«

»Ich tue alles ...« Ssanin lächelte.

»Wozu mußt du dorthin gehen?«

»Bei euch hängt mir schon alles zum Halse heraus. Alles.« Ssanin

erwiderte es mit aufrichtigem Lächeln. Ein leichtes Gefühl der

Verletzung durchstach Maria Iwanowna.

»Sehr nett von dir!« ...

Ssanin sah sie aufmerksam an, er wollte noch hinzufügen, sie könne doch

nicht so dumm sein, um nicht zu begreifen, daß es schließlich jedem

langweilig werden müsse, auf einer Stelle und dazu noch ohne jede

Beschäftigung zu sitzen; aber er schwieg. Es war ihm ekelhaft, der

Mutter eine so kleinliche und selbstverständliche Sache erst

auseinanderzusetzen. Maria Iwanowna zog das Taschentuch heraus und

zerknüllte es in ihren dürren Greisenfingern. Wäre der Zettel von

Sarudin nicht gewesen und ihre Seele durch ihn in einen Wirrwarr von

Zweifeln und Aengsten gestürzt worden, so hätte sie jetzt ihrem Sohne

eine lange, bittere Predigt über seine Schroffheit gehalten. So aber

beschränkte sie sich nur in tragischem Ton auf die Gegenüberstellung:

»Ja, der eine bricht wie ein Wolf aus dem Hause und die andere ...«

Sie machte eine wegwerfende, müde Handbewegung.

Ssanin hob neugierig den Kopf. Augenscheinlich nahm das Drama mit Lyda

seinen Fortgang.

»Woher wissen _Sie_ denn das, Mutter? ...«

Mit einem Mal empfand Maria Iwanowna ein unerklärliches Gefühl der

Beschämung, weil sie den Brief an die Tochter geöffnet hatte. Auf ihre

eingefallenen Wangen trat ziegelrote Farbe; sie versetzte unsicher, aber

zornig:

»Ich bin Gott sei Dank nicht blind. Ich hab doch noch meine zwei Augen

im Kopf.«

Ssanin dachte eine Weile nach: »Nichts sehen Sie, ... nun, ich kann

Ihnen zur Verlobung Ihrer Tochter gratulieren. Lyda wollte es Ihnen

selbst sagen, aber ... ist ja alles egal.«

Ihm tat es leid, daß sich in das junge Leben Lydas eine neue Tortur

eindrängen sollte -- -- stumpfsinnige Greisenliebe, die fähig ist, den

Menschen durch die feinste und furchtbarste Qual zu Tode zu martern.

»Wie?« ... Maria Iwanowna setzte sich streng aufgerichtet auf ihren

Stuhl.

»Lyda wird heiraten.«

»Wen?« ... rief sie freudig und ungläubig.

»Nowikow natürlich.« ...

»Ja, ... aber, was ist denn mit ...?«

»Ach hol ihn doch der Teufel! Kann es Ihnen denn nicht ganz gleich sein?

... Warum müssen Sie denn durchaus fremde Seelen überwachen.«

»Nein, ... ich begreife nur nicht, Wolodja ...« Die Greisin suchte sich

verwirrt zu rechtfertigen.

Ssanin zuckte streng die Achseln: »Was ist denn hierbei nicht zu

verstehen? ... Sie liebte einen, hat jetzt einen andern liebgewonnen,

mit Gottes Hilfe wird sie morgen einen dritten lieben ... na also ...«

»Was sprichst du da? ...« rief Maria Iwanowna entrüstet.

Ssanin lehnte sich mit dem Rücken gegen den Tisch und verschränkte seine

Arme.

»Haben Sie denn Ihr ganzes Leben lang nur einen Mann geliebt, Mutter?«

Maria erhob sich; auf ihrem unintelligenten Gesicht prägte sich

steinkalter Stolz aus.

»So spricht man nicht zu seiner Mutter!«

»Wer? ...«

»Was ... wer? ...«

»Wer nicht? ...« Ssanin wiederholte seine Frage mit angezogenen

Augenbrauen. Er blickte scharf auf die Mutter; zum ersten Mal kam es ihm

ins Bewußtsein, wie stumpfsinnig und nichtig der Ausdruck ihrer Augen

war; ihre Haube wackelte auf ihrem Kopf ganz haltlos, wie der rote

Lappen einer Henne, hin und her.

»Niemand spricht so! Kein Mensch!«

»Aber ich doch! Das ist eben der Unterschied,« Ssanin wurde plötzlich

ruhig, seine gute Laune kehrte wieder zurück; er wandte sich ab und

setzte sich. »Sie haben alles vom Leben genommen, Mutter, was Sie

wollten. Sie haben durchaus kein Recht, jetzt Lyda ersticken zu wollen,«

sagte er, ohne sich abzuwenden, mit ziemlicher Gleichgültigkeit. Er

hatte wieder zur Feder gegriffen.

Maria Iwanowna sah den Sohn mit großen Augen an; in ihren Ohren klebte

nur die einzige Phrase: Wie darf er es wagen, so mit seiner Mutter zu

sprechen. Wie unter einem Bann erstarrt, wußte sie nicht mehr, was sie

tun sollte. Doch bevor sie noch zu einem Entschluß kam, wandte sich

Wladimir Petrowitsch zu ihr, ergriff ihre Hand und sagte zärtlich:

»Aber lassen Sie doch das alles. Und Sarudin lassen Sie herauswerfen,

wenn er kommen sollte. Sonst wird er womöglich tatsächlich noch

Unzuträglichkeiten anrichten.«

Eine weiche Welle durchglitt das Herz der Mutter.

»Nun, Gott sei mit dir. Ich bin froh. Mir gefiel Sascha Nowikow immer.

Und Sarudin werden wir natürlich nicht mehr empfangen. Wenn auch nur aus

Achtung vor Sascha.«

»Wenn auch nur aus Achtung vor Sascha,« willigte Ssanin ein; seine Augen

lachten.

»Wo aber ist Lyda?« fragte schon mit ruhiger Freude die Mutter.

»Auf ihrem Zimmer? ...«

»Und Sascha? ...« Maria Iwanowna sprach den Namen ganz zärtlich aus.

»Ich weiß wirklich nicht ... Er ging wohl, ...« begann Ssanin, doch in

diesem Augenblick erschien Dunja in der Tür und meldete:

»Viktor Sergejewitsch sind gekommen und noch ein fremder Herr.«

»So? ... schmeiß sie die Treppe runter,« sagte Ssanin ruhig.

Dunja kicherte verstohlen.

»Was Sie sagen, junger Herr? ... Darf ich's denn? ...«

»Selbstverständlich! Du darfst es! Was sollen wir mit ihnen anfangen,

zum Teufel!«

Dunja bedeckte ihr Gesicht mit dem Aermel und lief hinaus.

Maria Iwanowna richtete sich auf; sie verjüngte sich fast. In ihre Seele

trat, als ob sie mit einer Karte geschickt eine Volte geschlagen hätte,

eine vollständige Aenderung ein. So warm ihr Herz für Sarudin auch

früher, als sie noch annahm, daß er Lyda heiraten werde, schlug, so kühl

wurde es jetzt, als sich herausstellte, daß ein anderer Lydas Gatte

würde.

Wie sie sich dem Ausgange zuwendete, blickte Ssanin auf ihr steinernes

Profil, aus dem das eine Auge unfreundlich hervorbrach, und dachte sich:

Ist das aber eine Idiotin ...

Dann faltete er das Papier und ging ihr nach. Er war sehr neugierig, wie

sich die neue verwickelte Situation, in die diese Menschen geraten

waren, wieder lösen würde.

Sarudin und Woloschin traten ihm mit übertriebener Liebenswürdigkeit,

doch ohne die Freiheit, die der Offizier sonst in seinem Wesen

ausdrückte, entgegen. Auf seinem Gesicht spiegelte sich augenscheinlich

schüchterne Verlegenheit. Er begriff selbst, daß er nicht hätte kommen

dürfen; er schämte sich und war verwirrt. Er konnte sich nicht

vorstellen, wie er Lyda entgegentreten sollte. Aber doch würde er diese

Regung unter keinen Umständen Woloschin verraten und etwa auf den

gewohnten selbstsicheren Ton verzichtet haben. Trotzdem er diesen

Woloschin zuzeiten geradezu haßte, lief er doch wie gefesselt,

ohnmächtig, seine wahre Seele zur Geltung zu bringen, hinter ihm her.

»Meine gnädigste Maria Iwanowna, gestatten Sie, daß ich Ihnen meinen

guten Freund Pawl Lwowitsch Woloschin vorstelle.« Bei diesen Worten

lächelte er mit einem unfaßbar kniffligen Zug um Mund und Augenwinkeln

Woloschin zu.

Woloschin verneigte sich, während er Sarudin das gleiche Lächeln, aber

bemerkbarer, fast frech, zurückgab.

»Sehr angenehm,« erwiderte kühl Maria Iwanowna.

Verborgene Unfreundlichkeit glitt aus ihren Blicken auf Sarudin hinab;

der vorsichtig auf der Lauer liegende Offizier bemerkte es sofort.

Im Augenblick war sein letzter Rest von Sicherheit verschwunden, und

sein Besuch verlor endgültig den scherzhaften Charakter. Jetzt kam er

ihm selbst einfach sinnlos und unpassend vor.

... Eh, ich hätte lieber doch nicht kommen sollen, dachte er. Zum ersten

Mal kam ihm hier nachdrücklich zum Bewußtsein, woran er in der

animierten Gesellschaft Woloschins immer vergaß: Gleich muß ja Lyda

eintreten. Dieselbe Lyda, die mit ihm in intimstem Verkehr gestanden

hat, die von ihm geschwängert wurde, die Mutter seines eigenen künftigen

Kindes, das doch auf jeden Fall einmal zur Welt kommen muß. Was wird er

ihr denn sagen? Wie wird er sie anblicken? ...

Sein Herz zog sich schüchtern zusammen, wie ein schwerer Klumpen drückte

es nach unten. Er wagte nicht, auf Maria Iwanowna zu sehen ... wenn die

nun alles weiß, dachte er mit Entsetzen. Er begann auf dem Stuhl hin-

und herzurutschen, bewegte sich beim Anzünden einer Zigarette, schob

Schultern und Füße vor und zurück, und ließ die Augen nach allen Seiten

laufen.

... wäre ich doch nur nicht hergekommen ...

»Kommen Sie für längere Zeit zu uns? ...« Maria Iwanowna wendete sich

kühl an Woloschin.

»Oh nein.« Er blickte die Dame aus der Provinz ungeniert spöttisch an.

Mit einer geschickten Handbewegung schob er die Zigarre in die

Mundwinkel, sodaß der Rauch der alten Dame ins Gesicht zog.

»Nach Pitier wird es Ihnen bei uns langweilig sein.«

»Ganz im Gegenteil. Es gefällt mir hier ausgezeichnet. Ihr Städtchen ist

so patriarchalisch.«

»Machen Sie einmal Ausflüge. Wir haben eine prachtvolle Umgebung ...

Badeplätze, Reitwege ...«

»Oh gewiß,« rief Woloschin, zwar mit spöttischer Zuvorkommenheit, aber

doch gelangweilt.

Das Gespräch kam nicht vom Fleck; es war schwer und farblos, wie eine

lächelnde Pappmaske, unter welcher böswillige Blicke hervorschießen.

Woloschin begann von neuem, Sarudin Blicke zuzuwerfen; ihr Sinn war

nicht nur dem Offizier, sondern auch Ssanin, der die beiden aus seiner

Ecke aufmerksam beobachtete, verständlich.

Die Unsicherheit Sarudins trat allmählich hinter dem Wunsch zurück, in

Woloschin den Eindruck hervorzurufen, daß er ein gewandter,

unverfrorener Mensch und zu allem fähig sei. So überwand er sich und

fragte:

»Wo ist denn Lydia Petrowna?« Wieder geriet er ganz unnötig in zuckende

Bewegungen.

Maria Iwanowna sah ihn mit erstaunter Feindseligkeit an: ... was

interessiert dich das, da du sie ja nicht heiraten willst, fragten diese

Blicke.

»Wahrscheinlich bei sich auf dem Zimmer. Ich weiß es nicht,« erwiderte

sie kühl.

Woloschin warf Sarudin wieder einen ausdrucksvollen Blick zu: ... Wäre

es denn nicht irgendwie möglich, diese Lydka schneller herauszuholen;

dieses alte Stück Möbel ist doch wirklich nicht besonders interessant.

Sarudin öffnete den Mund und wedelte hilflos mit dem Schnurrbart.

»Ich habe soviel Schmeichelhaftes über Ihre Tochter gehört,« sprach

Woloschin, bog sich mit dem ganzen Körper nach vorn und rieb sich die

Hände. »Ich hege die Hoffnung, daß ich die Ehre habe, ihr vorgestellt zu

werden.«

Maria Iwanowna ließ ihren Blick über das unwillkürlich veränderte

Gesicht Sarudins gleiten und begriff in diesem Augenblick, was

eigentlich dieser Kerl, der mit einem Mal einem faulen Pilz ähnlich sah,

von ihrer Tochter wollte. Der Gedanke durchschnitt so scharf ihr Herz,

daß in ihr die furchtbare Ahnung von Lydas Fall aufstieg, die sie

hilflosem Schrecken preisgab. Sie saß ratlos da, ihre Augen wurden

menschlicher und weicher.

-- -- -- Wenn man diese Bande nicht sofort aus dem Hause jagt, werden

sie Lyda und Nowikow sicher noch viel Aerger machen, dachte Ssanin und

richtete sich plötzlich auf. Ruhig sprach er plötzlich aus seiner Ecke,

dabei nachdenklich auf den Boden starrend:

»Ich habe gehört, daß Sie abreisen wollen?«

Sarudin wunderte sich, daß ihm selbst dieser einfache und bequeme

Gedanke noch nicht in den Kopf gekommen war. -- -- -- Gewiß auf ein paar

Monate Urlaub nehmen, das ist ja das Einfachste, -- -- -- schwirrte es

durch sein Hirn. Er beeilte sich zu antworten:

»Ganz recht, -- -- das wollte ich auch. Ich möchte mich ein wenig

erholen ... Wissen Sie, ein bißchen auslüften, ewig auf einem Fleck,

dabei kann man ja verschimmeln.«

Ssanin lachte hell auf. Dieses ganze Gespräch, in dem kein einziges Wort

ausdrückte, was die Leute in Wirklichkeit dachten und fühlten, diese

ganze Kette von Lügen, die doch niemanden betrog, die Einfachheit, mit

der alle fortfuhren, zu heucheln, trotzdem sie ganz klar sahen, daß

keiner von ihnen dem anderen glaubte, hatten ihn zum Lachen gebracht.

Ein resolutes fröhliches Gefühl packte wie ein froher Windstoß sein

Herz.

»Na, denn glücklichen Rutsch,« er nahm den ersten Ausdruck, der ihm auf

die Zunge kam.

Momentan veränderten sich die drei Menschen, als ob ein steifgestärkter

Anzug von ihnen abgestreift würde.

Maria Iwanowna erblaßte und sank in sich zusammen, in Woloschins Augen

blitzte ein feiges, tierisches Leuchten auf, und Sarudin erhob sich

langsam und unsicher von seinem Stuhle.

Eine lebende Bewegung lief durch das Zimmer.

»Wie sagten Sie eben? ...« fragte der Offizier mit gepreßter Stimme und

in diesem Augenblick klangen seine Worte zum ersten Mal aufrichtig.

Woloschin kicherte kleinlich auf, indem er schon mit schüchternen

Aeuglein nach dem Hute suchte. Ohne Sarudin zu antworten, ergriff Ssanin

Woloschins Hut und reichte ihn ihm mit fröhlichem Lächeln hin.

Woloschin öffnete seinen Mund; ein dünner winselnder Laut schob sich

langsam hervor.

»Wie soll ich Sie verstehen,« fragte Sarudin noch einmal; er hatte das

Gefühl, den Boden vollständig unter den Füßen verloren zu haben. Dieser

Skandal, zuckte es durch sein erstarrtes Hirn.

»Verstehen Sie es nur recht genau. Hier sind Sie nämlich vollständig

überflüssig. Unser Genuß wird um so größer sein, je eher Sie sich

herausscheren!«

Sarudin tat einen Schritt nach vorwärts. Sein Gesicht wurde blaß.

»Ah so,« stieß er krampfhaft keuchend hervor.

»Also raus!« sagte kurz und hart Ssanin.

In seiner stählernen Stimme lag eine so furchtbare Drohung, daß Sarudin

zurückwich, stillschwieg, sinnlos und wild die Augen verdrehte.

»Aber das ist ja unerhört,« murmelte Woloschin kleinlaut; doch

gleichzeitig wandte er sich eilig, den Kopf in die Schultern eingezogen,

zur Türe.

In diesem Augenblick trat Lyda ein.

Noch niemals -- weder früher noch später -- hatte sie sich so gedemütigt

gefühlt. Als sie zuerst von dem Besuch Sarudins und Woloschins hörte und

deutlich seinen Sinn verstand, war in ihr die Empfindung körperlicher

Erniedrigung so stark, daß sie nervös aufschluchzte und mit dem wieder

erwachten Gedanken an Selbstmord zum Fluß herunterlief.

... was ist das nur? ... wird es denn niemals ein Ende geben. Habe ich

denn wirklich ein so großes Verbrechen begangen, daß es mir niemals

verziehen, ... daß ein jeder stets das Recht haben wird ... schrie sie

fast ... und rang die Hände.

Aber im Garten war es hell und voll Licht, grelle Blumen, Bienen und

Vögel lebten dort so friedlich nebeneinander, so blau schimmerte der

Himmel, so zart glänzte am Wasser das Schilf, und Mill umsprang sie so

vergnügt, als er sie zum Flusse laufen sah, daß Lyda wieder zu sich kam.

Instinktiv fiel ihr mit einem Mal ein, daß ihr die Männer immer gierig

nachliefen; sie gedachte der Spannung, die ihr Körper stets unter den

Blicken dieser Männer angenommen hatte, und vollbewußt erwachte das

stolze Gefühl, im Recht zu sein.

... nun gut, dachte sie, was geht es mich an. Ist er da, gut, mag er es

sein. Ich liebte ihn früher, jetzt sind wir auseinander; niemand hat

deswegen ein Recht, mich zu verachten ... Jäh drehte sie sich um und

ging ins Haus. Sie trug ihr Haar nicht in einer koketten Frisur, sondern

in einfachem Doppelzopf über den Nacken hängend, und sie zog auch keine

moderne Toilette an, sondern blieb in dem einfachen Hauskleid, das sie

gerade trug.

Als sie mit gemachter Ruhe über die Schwelle schritt, warf sie ihrem

Bruder ein seltsames Lächeln zu und sprach in besonders mädchenhaftem

Tone:

»Hier bin ich! Wo wollen Sie denn hin, Viktor Sergejewitsch? ... Bitte,

legen Sie doch Ihre Mütze aus der Hand.«

Ssanin schwieg und sah mit neugierigem Entzücken die Schwester an ...

Was ist mit ihr, dachte er sich.

Eine unüberwindliche Kraft, drohend und doch frauenhaft lieblich, war

ins Zimmer getreten. Wie eine Tierbändigerin im Käfig wütender Raubtiere

stand Lyda unter den Männern. Und sogleich wurden sie weich und gefügig.

»Sehen Sie, Lydia Petrowna ...« stammelte verwirrt Sarudin. Als er zu

sprechen begann, huschte über Lydas Gesicht ein lieblicher, hilfloser

Ausdruck; sie schaute rasch auf; plötzlich erfüllte sie ein

unerträglicher Schmerz. In ihr bewegte sich krankhafte Zärtlichkeit und

das Verlangen, auf etwas zu hoffen. Doch im selben Augenblick schlug das

Verlangen in den Wunsch um, Sarudin zu beweisen, wie viel er verloren

und wie stark und rein sie sich trotz des Leides und der Erniedrigung,

die er ihr zufügte, erhalten hatte.

»Ich will garnichts sehen,« sagte sie mit etwas theatralischem Ausdruck

und schloß richtig ihre schönen Augen.

Mit Woloschin geschah etwas Sonderbares. Die weiche Wärme, die dem kaum

eingehüllten, weiblichen Körper entströmte, zerkochte sein ganzes Wesen.

Seine spitze Zunge beleckte die trocken gewordenen Lippen, seine

Aeuglein wurden klein, und der ganze Körper zerfloß unter dem weichen

Anzug in kraftloser, physischer Entzückung.

»Aber bitte, machen Sie mich doch bekannt,« sagte Lyda und blickte über

die Schultern auf Sarudin hin.

»Woloschin, Pawl Lwowitsch,« murmelte dieser, von dem Gedanken, daß

dieses prächtige Mädchen seine Geliebte gewesen sein sollte, vollständig

hingerissen.

Lyda wandte sich langsam zur Mutter.

»Mama, draußen wollte Sie jemand sprechen.«

»Das hat Zeit ...«

»Verzeihen Sie, auch wir hatten uns ...« Sarudin kam mit seinem Satz

nicht zu Ende. Lyda schien ihn garnicht zu beachten. Strenger

wiederholte sie der Mutter:

»Aber Sie hören doch,« unerwartet brachen sich an ihren Worten Tränen.

Maria Iwanowna erhob sich eilig.

Sarudin und Woloschin waren ratlos zurückgetreten, sie schauten sich

nervös an und schienen keinen Weg mehr zu finden, um sich

zurückzuziehen.

Ssanins Nasenflügel weiteten sich stark und kraftvoll.

»Meine Herren, bitte, wir gehen in den Garten. Hier ist es zu heiß.«

Lyda schritt zum Balkon voran, ohne sich umzusehen, ob man ihr folge.

Wie suggeriert gingen die Männer hinter ihr her; es machte den Eindruck,

daß sie sie mit ihrem Zopf umschlungen hielt und mit Gewalt nach sich

zöge, wohin sie wollte.

Als erster kam Woloschin, entzückt, gespannt; er hatte alles in der Welt

außer ihr vergessen.

Lyda warf sich in den Schaukelstuhl unter der Linde und steckte ihre

kleinen Füße, die in durchbrochenen Strümpfen steckten, lässig aus. Zwei

Wesen arbeiteten in ihr. Das eine quälte sich vor Scham und Kränkung;

das andere nahm bewußt aufregende Posen an, eine immer schöner und

elastischer als die andere.

»Nun, Pawl Lwowitsch, welchen Eindruck macht unser Nest auf sie?«

Woloschin spreizte und rieb seine Finger.

»Nun, so ungefähr wie ihn vielleicht ein Mensch hat, der plötzlich im

wildesten Walde eine Blume vor sich sieht.«

Und nun entspann sich zwischen ihnen eine leichtfertige durch und durch

verlogene Unterhaltung, in der jedes ausgesprochene Wort eine Lüge war

und Wahrheit nur das, was in ihr verschwiegen blieb. Ssanin beteiligte

sich nicht am Gespräch; dafür beobachtete er gerade jene stummen,

eigentlichen Reden, die sich ohne Worte in den Gesichtszügen, den

Bewegungen der Hände und Füße, im Klingen und Zittern der Stimmen

offenbarten.

Lyda litt. Woloschin sog unbefriedigt ihre Schönheit und ihren Duft in

sich ein. Sarudin haßte ihn, Ssanin, Lyda, die ganze Welt; er wünschte

fortzugehen und blieb dennoch sitzen; er wollte irgend etwas Grobes

begehen und rauchte doch nur eine Zigarette nach der andern.

Währenddessen lastete das unbändige Verlangen, daß Lyda sich vor allen

als seine Geliebte erweisen müsse, wie ein Alpdruck auf seinem Hirn.

»Also gefällt es Ihnen wirklich bei uns? Bedauern Sie nicht, daß Sie

Petersburg verlassen haben?«

»_Mais au contraire!_« erwiderte Woloschin mit einer koketten

Handbewegung und starrte Lydas Brust an.

»Aber ohne Phrasen!« befahl Lyda liebenswürdig. Immer noch kämpften in

ihr zwei Wesen. Das eine trieb ihr die Röte ins Gesicht, das andere

streckte noch gewaltiger und schamloser ihre Brust dem entblößenden

Blick entgegen.

... Du glaubst, ich wäre sehr unglücklich, ... ich wäre vollständig

zerbrochen. So sieh denn das Gegenteil! Ich brauche mich meiner

Handlungen nicht zu schämen! Und wenn ich tausendmal mehr und

Schlechteres getan hätte, ich brauchte mich nicht zu schämen ... sprach

sie innerlich zu Sarudin.

»Ah, Lydia Petrowna!« Sarudin mischte sich trotz seiner gehässigen Laune

ins Gespräch. »Das brauchen doch wahrhaftig keine Phrasen zu sein!«

»Ich glaube, Sie sagten etwas?« meinte Lyda kühl; doch sofort wandte sie

sich wieder in verändertem Ton zu Woloschin. »Erzählen Sie doch bitte

von dem Leben in Petersburg ... Bei uns lebt man ja nicht, wir

vegetieren nur!«

Sarudin fühlte, daß Woloschin kaum merklich nach seiner Richtung hin

lächelte; ihm kam der Gedanke, jener glaube nicht mehr, daß Lyda seine

Geliebte gewesen wäre.

»Unser Leben? O, dieses rühmlichst bekannte >Petersburger Leben<!« ...

Woloschin schwatzte leicht und schnell; er machte den Eindruck eines

kleinen, närrischen Affen, der in seiner leeren, unverständlichen

Sprache etwas vor sich hinplappert.

... Wer kann wissen! dachte er und musterte mit geheimer Hoffnung Lydas

Gesicht, Brust und ihre breiten Schenkel.

»Ich kann Ihnen auf Ehre versichern, Lydia Petrowna, daß unser Leben

recht arm und langweilig ist ... Bis zum heutigen Tage glaubte ich

übrigens, jedes Leben müsse langweilig sein, gleichviel, wo der Mensch

auch wohnen mag -- in der Hauptstadt oder auf dem Lande ...«

»Wirklich?« Lyda schloß halb die Augen.

»Ja, was das Leben geben kann, -- das ist -- eine schöne Frau! Und die

Frauen der Großstädte -- ach, wenn Sie sie nur sehen könnten! -- Wissen

Sie, ich bin überzeugt, wenn etwas die Welt zu retten vermag, so ist es

die Schönheit!« Den letzten Satz fügte Woloschin ganz unerwartet an. Er

hielt solche Seitensprünge für eindrucksvoll und geistreich.

Auf seinem Gesicht lagerte sich ein sinnlos erhitzter Ausdruck; mit

zitternder Stimme kehrte er immer wieder zu dem einen Thema zurück: das

Weib. Er sprach von ihm so, als wenn er es im geheimen unaufhörlich

entkleidete und vergewaltigte. Sarudin, der diese Nuance herausspürte,

wurde plötzlich eifersüchtig. Sein Gesicht wurde rot und blaß, er konnte

sich nicht auf einem Platz halten und trat auffallend nervös in der

Allee von einem Fleck zum andern.

»Unsere Frauen sind sich so gleich, abgeplattet und verzerrt! Etwas zu

finden, das fähig wäre, Ehrfurcht vor der Schönheit einzuflößen ...

wissen Sie, nicht ein geteiltes Gefühl, sondern reine, aufrichtige

Ehrfurcht, wie man sie vor einer Bildsäule empfindet, das ist in einer

Großstadt nicht möglich. Dazu muß man in die Tiefe der Provinz

hinuntersteigen, wo das Leben noch jungfräulichen Boden darstellt; der

ist allein imstande, prächtige Blumen hervorzubringen!«

Ssanin strich sich unwillkürlich den Nacken und legte ein Bein über das

andere.

»Und wozu sollten sie hier aufblühen, wenn es niemanden gibt, der sie

pflücken könnte?« erwiderte Lyda.

... Aha! dachte Ssanin interessiert. Das also hat sie im Sinn! ...

Ihm war es äußerst amüsant, dieses Spiel der Instinkte und Begierden,

das sich klar und doch nicht greifbar vor seinen Augen entwickelte, zu

verfolgen.

»Wie meinen Sie das?«

»Jawohl, ich meine es so. Wer sollte unsere anspruchslosen Blumen

pflücken? Wo sind die Menschen, die wir zu unseren Helden machen

könnten!« ... Die Worte kamen Lyda aus dem Herzen unerwartet aufrichtig

und rührend traurig.

»Sie sind erbarmungslos zu uns!« erwiderte Sarudin unwillkürlich auf die

verborgene Nuance in ihrer Stimme.

»Lydia Petrowna hat recht,« stimmte Woloschin begeistert bei, besann

sich aber gleich und sah sich scheu nach Sarudin um.

Lydia lachte, und ihre in Rache und Scham brennenden Blicke bohrten sich

in das Gesicht Sarudins. Woloschin schwatzte inzwischen lustig weiter,

und seine Worte schüttelten sich, sprangen und stoben auseinander, wie

ein Schwarm Gott weiß woher kommender närrischer Kobolde.

Er setzte auseinander, daß eine Frau mit schönem Körper auf der Straße

nackt herumlaufen könne, ohne unsaubere Lüste zu entfesseln; man merkte

ihm an, wie sehr er wünschte, daß gerade Lyda diese Frau wäre und daß

sie sich für ihn entkleiden würde.

Lyda lachte laut, fiel ihm immer wieder ins Wort, doch durch ihr

Gelächter brachen stets neue Tränen der Kränkung und des Schmerzes.

Es war heiß; die Sonne stand hoch am Himmel und ließ senkrechte Strahlen

auf den Garten niederfallen; leise bewegten sich die Blätter, als wären

sie von heißen Wünschen bewegt, die nur ihre eigene Schwerfälligkeit

zähmen konnte. Unter ihnen saß ein junges, schwangeres Weib, das ihre

verletzte Leidenschaft rächen will; sie fühlt, daß es ihr mißlingt und

leidet in ohnmächtiger Scham. Ein kraftloses, feiges Männchen quält sich

unter den Zuckungen mühsam verborgener Wollustkrämpfe, ein anderes

zerbricht unter seiner eifersüchtigen Bosheit.

Ssanin stand abseits unter dem weichen, grünen Lindenschatten und

schaute alle ruhig an.

Sarudin hielt es schließlich nicht mehr aus. Er drängte zum Aufbruch.

Ohne selbst den Freund klar zu verstehen, empfand er alles -- in Lydas

Lachen, in ihrem Blick, im Erzittern ihrer Finger -- als heimliche

Ohrfeigen. Mitten in der Erbitterung gegen sie, in der Eifersucht auf

Woloschin, in den physischen Qualen, die ihm das Gefühl eines

unersetzlichen Verlustes verursachten, überfiel ihn eine vollständige

Erschöpfung.

»Schon fort?« fragte Lyda.

Woloschin lächelte ergeben, kniff süß die Lippen zusammen und beleckte

sie mit seiner dünnen Zunge.

»Was soll man tun? ... Viktor Sergejewitsch scheint sich nicht ganz wohl

zu fühlen,« erwiderte er spöttisch. Er fühlte sich als Sieger.

Man verabschiedete sich. Als Sarudin sich über Lydas Hand beugte,

flüsterte er ihr plötzlich zu:

»Lebe wohl!«

Er begriff selbst nicht, warum er es tat, aber noch niemals hatte er

Lyda so geliebt und gehaßt, wie in diesem Augenblick.

Und in Lydas Seele neigte sich diesem Worte ein Wunsch entgegen und

verstarb. -- Der Wunsch, von einander in stiller, zarter Dankbarkeit für

die gemeinsam erlebten Freuden Abschied zu nehmen. Doch sofort überwand

sie sich und antwortete schonungslos und laut:

»Adieu! Glück auf die Reise! Pawl Lwowitsch, vergessen Sie uns nicht!«

Man hörte noch, wie Woloschin beim Fortgehen lauter, als es nötig wäre,

sagte:

»Das ist ein Mädchen ... sie berauscht wie Sekt!«

Sobald ihre Schritte verklungen waren, ließ sich Lyda in den

Schaukelstuhl nieder, aber ganz anders, als sie früher dagesessen hatte.

Jetzt hockte sie gebückt und zitterte am ganzen Körper. Stille, tief

ergreifende Mädchentränen flossen über ihr Gesicht. In diesen Minuten

erinnerte sie Ssanin an das rührende Bild des nachdenklichen russischen

Mädchens, so wie es das Volkslied schildert, mit dem dicken Zopf, seinem

freudlosen Leben und weißen Mullärmeln, mit denen es seine Tränen

trocknet, wenn es im Frühling vom Abhang herab heimlich auf den ersten

Eisgang des Flusses schaut ... Und die Tatsache, daß dieses veraltete,

naive Bild auf die Lyda mit den modernen Frisuren und Spitzenröcken für

gewöhnlich gar nicht paßte, ließ sie ihm jetzt noch rührender und

bemitleidenswerter erscheinen.

»Nun, weine doch nicht!« sagte er zu ihr, indem er auf sie zutrat und

ihre Hand ergriff.

»Laß mich ... wie entsetzlich doch das Leben ist ...« Lyda beugte sich,

das Gesicht in den Händen vergraben, bis auf die Knie nieder, ihr

weicher Zopf schlängelte sich still über ihre Schultern und fiel herab.

»Pfui!« rief Ssanin ärgerlich. »So würde ich mich denn dieser

Nichtigkeiten wegen doch nicht aufregen!«

»Gibt es denn wirklich keine ... anderen, besseren Menschen!« kam es wie

eine Klage über Lydas Lippen.

»Natürlich nicht,« der Bruder lächelte wieder, »der Mensch ist seiner

Natur nach widerwärtig ... Erwarte von ihm nichts Gutes, dann wird dir

das Böse, das er dir zufügt, keine Schmerzen machen.«

Lyda erhob den Kopf und blickte ihn mit verweinten, schönen Augen an.

»Und du, erwartest du auch nichts Gutes?«

»Gewiß nicht, ich lebe für mich!«

Ssanin: Roman · 第 50 / 97 题