»Das kann ich!« Jurii willigte heiter ein. Karssawina öffnete die Tür
und sie traten in einen kleinen, grasbewachsenen Hof, hinter dem der
Garten in dichtem Schwarz auftauchte.
»Gehen Sie in den Garten,« sagte Karssawina lachend. »Zwar möchte ich
Sie in unsere Wohnung einladen, aber ich fürchte, -- wissen Sie, ich war
seit heute morgen nicht zu Hause und da ist es unsicher, ob bei uns zur
Genüge aufgeräumt ist.«
Sie lief allein in das Haus, und Jurii schlenderte langsam in den
duftigen grünen Garten hinüber. Er ging nicht weit, sondern blieb am
Anfang des Pfades stehen, starrte erst zwecklos auf den Boden, drehte
sich dann plötzlich um und sah mit brennendem Verlangen in die offenen,
dunklen Fenster des Hauses. Ihm schien, daß sich dort ein entzückendes
Geheimnis abspielen müsse.
Fast bewegungslos war Karssawina auf die Vortreppe hinausgetreten. Jurii
erkannte sie kaum. Sie hatte ihr schwarzes Kleid abgelegt und eine
dünne, kleinrussische Bluse, mit tiefem Ausschnitt und kurzen Aermeln,
dazu ein leichter, blauer Kleiderrock bedeckten, von der Luft durchweht,
die prächtigen Formen ihres Körpers.
»Hier bin ich!« sagte sie; ein verlegenes Lächeln überzog aus einem
Grunde, der ihnen beiden unverständlich war, ihr Gesicht.
»Ja, ich sehe,« erwiderte Jurii, und jetzt begriff auch sie den
bedeutsamen Ausdruck, der in den wenigen Worten lag.
Sie lächelte wieder und wandte sich ein wenig zurück. Beide schritten
den Pfad zwischen den grünen, niedrigen Fliederbüschen und Rasenhecken
entlang. Die Bäume, die zerstreut standen, waren noch klein, meistens
Kirschen mit saftigen, jungen Blättern; sie strömten einen starken,
herben Geruch aus.
Hinten an den Garten stieß eine Wiese, reich mit Blumen bedeckt, die
hohes ungemähtes Gras trug.
Sie ließen sich auf einem halbeingebrochenen Zaun nieder und schauten
bedächtig auf die Wiese, die durchsichtige, vergehende Abendröte. Jurii
zog einen biegsamen Fliederzweig zu sich herab; zarte Tautröpfchen
glitten dabei auf ihr Haar und setzten sich dort glitzernd fest.
»Wollen Sie, daß ich Ihnen etwas vorsinge,« sagte Karssawina.
»Natürlich möchte ich das!«
Karssawina reckte, wie auch damals auf dem Fluß, ihre Brust, die
deutlich unter dem zarten Stoff hervortrat, und begann zu singen.