Matschuku-Tabak, 1--1½
etwa 2 Pfund od. 1 Baum- 6--8 ½ 3 1/3 1--1½
schwer wolldecke
Allerlei Wildfrüchte,
20 Pfund 1/3 2 1/3 2 gratis gratis
Butschnala, etwa 6 ½ 3--4 ½ 3 ¼ 2
Liter
Morulabier (im Makalaka-
Land billiger) ½ 3--4 ½ 3 ¼ 2
Imphy, ein Bündel von
12 Stück ¼ 1½ ¼ 2 1/8 ½
Zur Anpflanzung des Tabaks wählt man meist kleine, etwa 10--20
Quadratmeter umfassende Vertiefungen. Der Tabak wird getrocknet,
zerkleinert, etwas befeuchtet und dann in den Kornstampfblöcken zu
kegelförmigen und brodförmigen Ballen festgestoßen. Im Allgemeinen ist
der Tabak, wie ihn die Unterthanen des Marutse-Herrschers anbauen,
dichter gearbeitet, hält sich länger und ist bedeutend nicotinreicher
als jener, den wir bei den südafrikanischen Eingebornenstämmen finden.
Mit Rücksicht auf Boden, Klima und Bewässerungs-Möglichkeit bin ich der
Meinung, daß nicht allein unsere Getreidearten, namentlich Weizen,
sondern auch Reis, Baumwolle, in den östlichen Theilen auch Kaffee,
nicht minder Wein und unsere sowohl als auch Südfrüchte ausgezeichnet
gedeihen könnten.
Ziehen wir die Menge der consumirten Nahrungsmittel in Betracht, so
finden wir, daß nebst Wildfleisch gewöhnliches Kafirkorn, Kleinkorn und
Mais sowie Kürbisse in erster Linie stehen. Nach den Fischen folgt im
Verhältniß der consumirten Mengen: saure Milch, süße Milch, Rind-,
Ziegen- und Schaffleisch, etwa fünfundvierzig wilde Fruchtarten, zwei
Bohnenarten, Erdnüsse, Hühner, Wildgeflügel, Manza, Honig etc. Das
Fleisch wird meist in gut geschlossenen, irdenen Töpfen gekocht, oder
auf Kohlen am und ohne Bratspieß geröstet. In der Fleischzubereitung
übertreffen die Stämme jene südlich vom Zambesi, ich glaube, daß kein
Einziger derselben so wohlschmeckende Fleischgerichte bereiten könnte,
wie man sie in den besseren Häusern des Marutse-Reiches zu bereiten
pflegt. Es wird den Reisenden um so mehr überraschen, wenn er bedenkt,
wie sehr das Reich den Betschuana-Reichen gegenüber »verschlossen«
genannt werden muß. Wildgeflügel wird gekocht oder gebraten, und mit den
Kopffedern oder der Krone auf schön durchbrochenen Holzschüsseln
servirt. Aus Aberglauben verschmähen manche Stämme gewisse Wildarten,
bei einigen wurde z. B. die Pallah nicht beachtet, bei anderen die
Eland-Antilope, bei manchen das Fleisch des Nilpferdes, während wieder
manche Fleisch genossen, welches, wie das der Raubthiere, von den
meisten südafrikanischen Eingebornen als ungenießbar betrachtet wird.
Fleisch und Fische werden auch getrocknet und ohne jeden
Einsalzungsproceß auf längere Zeit aufbewahrt. Die Kornarten werden
gekocht oder in hölzernen Stampfblöcken zu Mehl gestoßen und aus
demselben mit Milch oder Wasser ein Brei bereitet, Mais wird in grünem
und trockenem Zustande gekocht und geröstet. Von Bohnen kochen die
Stämme die genannten Arten und rösten die Erdnuß (Arachis). Die Kürbisse
werden zerschnitten und gekocht, die Wassermelonen roh genossen oder
gekocht. Wichtig ist die Zubereitung der Manza, deren Wurzel im grünen
Zustande giftige Eigenschaften besitzt, im trockenen, fein pulverisirt,
einen schmackhaften arrowrootartigen Brei liefert, der namentlich zu
Fleischspeisen als eine passende Zuspeise gelten kann. Wilde Baum- und
Buschfrüchte werden im frischen und getrockneten Zustande geröstet (am
Feuer sowohl als an der Sonne) oder werden in Milch gekocht oder auch
zerstoßen und in breiartigem Zustande genossen. Da die einzelnen
Wildfrüchte zu verschiedenen Jahreszeiten reifen, so kann man füglich
sagen, daß die Eingebornen im Marutse Reiche sich von diesem
Nahrungsmittel allein das ganze Jahr hindurch nähren könnten.
Zur Würze der Speisen bedienen sich blos die Wohlhabenderen des Salzes,
da dieses von weit her aus West und Südwest herbeigebracht wird. Von
geistigen Getränken erzeugen sie aus Kafirkorn ein starkes und ein
schwaches Bier, das erstere, das Lagerbier, wird Matimbe, das zweite
Butschuala genannt; außerdem erzeugen sie süßliche Biere aus mehreren
Wildfrüchten, so aus der Morulafrucht, das ciderartige, ferner das schon
erwähnte Honigbier Impote. In der Regel halten Wohlhabende zwei
Mahlzeiten, die erste 1½ oder zwei Stunden nach Sonnenaufgang, die
zweite beim Sonnenuntergang, Bier wird nachgetrunken. Die ärmeren
Classen halten nur eine nennenswerthe Mahlzeit und zwar am Abend.
Unstreitig sind die Völker im Marutse-Mabunda-Reiche in der Zubereitung
ihrer Speisen auffallend reinlich und verwahren dieselben in reinen
Holz- und Erdtöpfen, in Körben und Kalebassen. Auch waren die Marutse
die ersten, bei denen ich Butter zubereiten sah; sie rauchen mehr Tabak
als jene Stämme, zu denen er von den Weißen eingeführt wird. Mit dem
Genuß von Rauch- und Schnupftaback wird schon in früher Jugend begonnen,
dem letzteren huldigen alle, auch junge Mädchen nicht ausgenommen. Doch
ist ihr Schnupftabak ein complicirterer als der im Süden gebrauchte, er
enthält gestoßenen Tabak, Asche, getrocknete und gepulverte
Nymphaeastengel und die Secretion aus der Drüse des ^Rhabdogale
mustelina^. Der Rauchtabak wird in brödchenförmigen Kuchen geformt, die
durchlöchert an einer Schnur getragen werden.
Was die Pflege des Körpers betrifft, so halte ich von allen mir
bis jetzt in Süd-Afrika bekannten dunklen Stämmen die das
Marutse-Mabunda-Reich bewohnenden für die reinlichsten; sie baden
häufig, selbst wenn dies auch in seichten Stellen und in den Lagunen der
Krokodile halber sehr gefährlich ist.
Die Kleidung der Marutse ist trotz ihrer Einfachheit weit
geschmackvoller als jene der meisten südafrikanischen Stämme. Statt der
Riemenfranzen der Zulu-Race und den um die Lenden geschlungenen, kaum
handbreiten Riemen der Betschuana, Makalaka etc. tragen die Männer in
der Regel Leder- und Kattunschürzen, welche an einem Leibgurt, d. h. um
denselben von vorne nach hinten geschlungen werden. Blos die Stämme, die
häufiger das südliche Zambesi-Ufer besuchen, wie die Batoka, Makalaka,
Manansa, Masupia, Marutse etc., d. h. jene, die oft mit den Weißen
zusammenkommen, bedienen sich des Kattuns als Schürze. Gewöhnlich
beanspruchen sie ein 2½ bis drei Meter langes Stück gewöhnlichen
Kattuns, ohne auf Farbenunterschiede Gewicht zu legen. Können sie ein
Stück von obiger Länge (eine Sitsiba) nicht erhalten, so trachten sie
mindestens ein solches zu gewinnen, das vorne bis an die Knie reicht.
Jene, welche Lederschürzen tragen, bedienen sich rauhgar gegerbter Felle
kleiner Säugethiere, so die Marutse und Masupia solcher des Scopophorus
und Cephalopus, welche längs des Randes mit eingeschnittenen rundlichen
oder viereckigen Löchern versehen sind, die Kopftheile finden sich oben
am Gürtel. Die Manansa benützen einen kleinen, kaum handbreiten Kattun-,
Tuch- oder Lederlappen. Auch in ihren Carossen differiren die das
Marutse-Reich bewohnenden Banthustämme bedeutend von den meisten südlich
vom Zambesi wohnenden, zu dieser großen Völkerfamilie gehörenden
Stämmen. Sie lieben die Kreisform, die einem spanischen Mäntelchen nicht
unähnlich ist und bis zu den Hüften herabreicht. Auch sind Mäntelchen
aus Letschwe- und Pukufellen im Gebrauch. Der Herrscher und einige
seiner höchsten Würdenträger kleiden sich zuweilen in europäische
Kleider, doch gehen sie auch oft blos mit der Schürze angethan einher
oder sie hüllen sich, wie bei ungünstiger Witterung in eine Wolldecke
ein. Der Leibgurt ist aus glattgar geerbtem Gnu- oder Gazellenleder, aus
Elephantenhaut, aus der Haut des Wasserleguans, der Boa, Cobra und
anderer Schlangen, oder auch aus Stroh- und Grasgeflecht verfertigt.
Was die Bekleidung der Kinder und Frauen betrifft, gehen kleine Mädchen
bis zum vierten, Knaben bis zum sechsten und zehnten Jahre unbekleidet
einher. Im vierten Jahre erhalten Mädchen ein Riemenschürzchen aus
dünnen, bis fünfundzwanzig Centimeter langen, gedrehten, zuweilen mit
Bronceringelchen geschmückten Riemen; vom zehnten Jahre an tragen sie in
der Regel eine kleine an einem Riemen befestigte viereckige
Lederschürze. Da sie jedoch meist schon in früher Jugend, lange vor
ihrer Reife verlobt werden, so tragen viele zwei Schürzen, eine vordere
kürzere und eine hintere längere. Verheiratete Frauen bedienen sich
eines bis an die Knie herabreichenden, rauhgar gegerbten, mit den Haaren
nach innen gekehrten, meist aus Rindsfell verfertigten Röckchens, das
mit einem Doppelband (Riemen) an den Leib festgehalten wird. Die
Außenseite des Röckchens ist mit einem röthlichbraunen, angenehm
riechenden Rindenstoffe stark eingerieben. Säugende Frauen gehen oft
ähnlich den Männern mit einem Letschwefellmantel angethan umher, der
gewöhnlich über den Rücken geworfen, bei Annäherung von Fremden oder
Besuchern über die Brust zugezogen wird.
[Illustration: Sepopo's Capellmeister.]
Bei ungünstigem Wetter tragen die Frauen, seltener die Männer, riesige
bis auf die Knöchel reichende, kreisförmige, nach vorne geschlitzte, mit
einer Rundöffnung für den Kopf versehene Carossen, die mit einem Riemen
oder einer Holz- und Metallspange um den Hals festgehalten und
gewöhnlich mit der Rechten zusammengehalten werden, so daß die sich
ihrer Bedienenden gleichsam in einen gefalteten Lederkegel gehüllt
erscheinen. Die Stämme gehen meist barfuß einher, was der im Lande
überwiegende Sandboden leichter gestattet, als die meist dornenreichen
Länderstrecken der südlich vom Zambesi wohnenden Stämme. Für größere
Reisetouren bedienen sich die Bewohner des Marutse-Reiches meist aus
rohem Büffel-, Gnu- und Rindvieh-Leder gearbeiteter Sandalen, die mit
Riemchen zur großen Zehe über den Fußrücken und den Fersenhacken
befestigt werden.
Einige der östlichen Tributstämme wie die Makalaka und Matonga, bereiten
aus selbstgezogener Baumwolle Gewebe von Tuch- bis Deckengröße.
Aehnliche werden auch aus Bast von den Maschona's gearbeitet. Die
kleineren Gewebestücke dienen als Schürzen meist für Männer; der
deckenartigen bedient man sich im Hause; sie sind von viereckiger
länglicher Form und auf den kurzen Seiten mit Franzen versehen; sie
werden ein bis zwei Meter breit, 1½ bis 2½ Meter lang, die Franzen zehn
bis vierzig Centimeter lang gearbeitet.
Die Stellung der Frauen im Marutse-Reiche ist eine bei Weitem bessere
und würdigere als bei den südlich vom Zambesi wohnenden Stämmen. Hier
bebauen zwar auch die Frauen die Felder und helfen im Häuserbau, allein
die schwierigsten Beschäftigungen, wie Jagd, Fischerei, das
Herbeischaffen der Baumaterialien fällt den Männern zu. Die älteren
Leute fand ich meist in den Wäldern und auf den Feldern beschäftigt, im
ersteren Falle Männer Wildfrüchte sammelnd, im letzteren Frauen die
jüngeren unterweisend und die weniger beschwerlichen Arbeiten
verrichtend. Die Söhne ärmerer Leute, sowie Sklavenknaben verrichten
meist Hirtendienste allein oder unter der Leitung eines Erwachsenen;
jene der Wohlhabenderen versuchen sich häufig in der Jagd, sei es mit
dem Assagai oder dem Gewehr. Zur Erntezeit haben die Knaben auf
dürftigen, die Felder überragenden Holzgerüsten die Feldfrüchte gegen
Gazellen und Finken zu schützen, sowie bei der Annäherung von Antilopen,
Büffeln und Elephanten die Dorfbewohner zu alarmiren.
Die Bewohner des Marutse-Reiches sind keine Langschläfer, sie gehen
schon eine bis 1½ Stunden vor Sonnenaufgang an die Arbeit und legen sich
spät zur Ruhe. Die Vergnügungen beginnen mit der Tagesneige und dies um
so später, je niedriger die Personen gestellt sind. Man schläft zumeist
auf Carossen, Fellen, Stroh oder Grasmatten; des Königs Lager bestand
aus fünfundvierzig großen prächtigen, auf einander gelagerten Carossen
und jede Nacht waren drei bis vier Königinnen, jede an einem Bettrande
Platz nehmend, beordert, des Königs Schlummer zu bewachen.
Die Kinder werden den Frauen zur Erziehung überlassen, die Knaben
entschlüpfen jedoch schon sehr zeitig dem wachenden Mutterauge und
schließen sich mehr dem Vater an. Kinder eines Freien erhalten
Sklavenkinder zu Genossen, zu Spielgefährten und zu ihrem künftigen
Troß, und diese üben oft nicht geringen Einguß auf die heranwachsenden
Herren aus, welche ihnen oft mit innigerer Zuneigung als ihren
Rathgebern und Willensvollstreckern zugethan sind. Die Eltern sind meist
so von ihren Kindern eingenommen, daß ich schon zwölfjährige Knaben ihre
Väter beherrschen sah. Die Knaben werden frühzeitig im Waffengebrauch
unterrichtet, und bauen sich frühzeitig ihre eigenen Hütten. Die Mädchen
werden tüchtig zur Arbeit angehalten, während der Vater bezüglich des
Unterhalts der Familie in dem aufwachenden Mädchen eine Helferin zu
sehen gewohnt ist. Mädchen bis zum zehnten oder zwölften Jahre werden
meist zum Wasserherbeischaffen und in der Haushaltung bechäftigt.
Die Heiraten werden mit lauten, zu einem gewissen Grade orgienartig
ausartenden Festlichkeiten gefeiert, bei welchen, wie bei den
Beerdigungen, der reichliche Genuß von Kafirkornbier und ein besonderer
Tanz die hervorragendsten Momente bilden. Die Ehen werden in der Regel
unmittelbar, nachdem die Mädchen ihre Reife erlangt haben, geschlossen,
wenn die Kinder nicht schon im zartesten Kindesalter einander verlobt
wurden. Oft geschieht es, daß ein angesehener Mann die erwachsene
Tochter seines Freundes zur Frau begehrt, sein Wunsch vom Vater
gebilligt und von der Tochter angenommen wird, worauf dann der neue
Schwiegersohn, der gewöhnlich schon mehrere Frauen und Kinder besitzt,
eines seiner kleinen Mädchen dem Schwiegervater verspricht, d. h.
verlobt, was zu dem im Marutse-Mabunda-Reiche häufig anzutreffenden
Verhältniß führt, daß der Schwiegersohn zum Schwiegervater wird. Sepopo
war mehreren Koschi's und Kosana's gegenüber Schwiegersohn und
Schwiegervater zugleich. Hat ein Mädchen ihre Reife erreicht, so werden
sofort ihre Gespielinnen davon benachrichtigt, die sie dann täglich,
acht Tage lang, spät am Abend aufsuchen und bis tief in die Nacht in
ihrem Höfchen unter Castagnetten- und Gesangbegleitung einen Tanz
aufführen, nachdem zuvor eines der Mädchen (bei einbrechender
Dunkelheit) die Genossinnen durch lautes Jodeln zum Besuche aufgeboten
hatte. Hat die Tochter eines Koschi oder des Königs, oder eines seiner
nahen Verwandten ihre Reife erlangt und ist sie eine Verlobte, so wird
sie von ihren nächsten verheirateten Verwandten in ein nahes Wald- oder
Schilfdickicht geführt, wo sie eine Woche lang, nur von einer Sklavin
bedient, ein abgeschiedenes Leben führen muß. Sie wird jedoch täglich
von ihren Freundinnen (gegen Abend) aufgesucht, ihr Kopf mit Parfüm
eingerieben und sie mit Ermahnungen und Zureden für den ehelichen Stand
vorbereitet, um nach Ablauf der obgenannten Frist ihrem Gemahl übergeben
zu werden. Die Hochzeiten werden mit Tänzen gefeiert, an denen sich
jedoch blos das männliche Geschlecht betheiligt und die ich unter dem
Namen Hochzeitstänze schon besprach. Solch' ein Tanz dauert in der
Regel, selbst bei Leibeigenen, zwei bis drei Tage und Nächte. Die
Sklavenheiraten sind nichts anderes als die ausgeführten Befehle ihrer
Herren, d. h. der Freie gibt seinem Leibeigenen eine seiner Sklavinnen
zur Frau.
Das Wesen der Beerdigung im Marutse-Reiche bildet zu dem bei den Völkern
südlich des Zambesi beobachteten einen schroffen Gegensatz. Während die
Stämme des Marutse-Mabunda-Reiches ihre Todten unter Singen, Schreien,
Musikbegleitung und Schießen beerdigen, thuen es ihre südlichen Nachbarn
meist im Dunkel der Nacht, ganz nahe an ihren Gehöften zwischen diesen
oder unter den Hecken, damit die Beerdigungsstelle womöglich verborgen
bleibe. Die meisten Völker des Marutse-Mabunda-Reiches suchen ihre
Beerdigungsstellen zu kennzeichnen. Im Reiche ist es Sitte, die
Jagd-Trophäen aufzubewahren. Diese Jagd-Trophäen bestehen, wie schon
erwähnt, in auf Pfählen aufgedeckten Kopfskeleten der Gazellen, Zebras
etc. etc., während die Köpfe der großen Raubthiere, ähnlich der Sitte im
Matabele-Lande, wo Löwenfelle an den König abgeliefert werden müssen, an
den jeweiligen Statthalter, oder in des Königs Nähe an diesen abgegeben
werden. Diese Kopfskelete werden auf dem Grabe des Jägers niedergelegt
und oft Bäumchen um dasselbe in Ellipsenform gepflanzt, oder wenigstens
trockene Aeste herumgelegt, um das Betreten der Stelle durch Thiere und
die Entweihung des Grabes hintanzuhalten. Daß die meisten Stämme des
Marutse-Reiches ihrem Bestattungswesen mehr Zeremonien widmen, fußt wohl
in ihren Ideen, die sie über unsere Vergänglichkeit gefaßt und darin,
daß sie an ein Fortleben nach dem Tode glauben.
Das Vollkommenste in der Form der Grabdenkzeichen findet man im
Mutterlande des herrschenden Stammes, in der Barotse, wo für jedes der
angesehenen verstorbenen Mitglieder der königlichen Familie ein
Mausoleum errichtet wurde. Ich bedaure tief, daß ich auf dem Zuge nach
Nordwest verhindert wurde, diese Grabdenkmäler zu besichtigen, meine
Kenntniß derselben beschränkt sich auf die Berichte Sepopo's, seiner
Leute, der wichtigen in Schescheke lebenden Häuptlinge, sowie der beiden
Elfenbeinhändler Westbeech und Blockley, welche die Barotse auf des
Königs Geheiß im Jahre 1872 bis 1873 besucht hatten.
Besuchen die Unterthanen den König und kommen sie aus entlegenen
Provinzen, so rufen sie beim Eintritt in den königlichen Hof ein
mehrmaliges »Tau-tu-ña, Tau-tu-ña aus«, worauf sie sich abseits, nahe am
Eingange niederhocken und stillschweigend warten, bis sie von einem
Abgesandten des Königs angesprochen werden. Bisweilen werden sie von
ihrem in Schescheke wohnenden Koschi, Kosana etc. eingeführt, der sich
dann in kriechender Stellung nähernd, dem Könige ihre Ankunft meldet.
Werden sie nun zum Herrscher gerufen, so nähern sie sich in demüthiger
Weise auf allen Vieren kriechend, halten in einer Entfernung von vier
bis sechs Schritten vor dem Gebieter inne, um so lange in die Hände zu
klatschen, bis sie von ihm angesprochen werden. Bei mehreren übernimmt
dies ihr Führer. Hat ihnen der Herrscher eine Rückantwort ertheilt, so
ziehen sie sich, abermals laut klatschend, zurück, ihre Audienz ist
vorüber. Solche, die aus der Nähe kommen, begrüßen den König mir
»Schangwe-Schangwe«; gewöhnliche Grußformen sind: »Schangwe, Koschi«
oder »Rume-la, Ra, Rumela Intate«; das erstere namentlich den Weißen
gegenüber.
Was das Reisen im Marutse-Reiche betrifft, so reist man zu Lande mit
Hilfe von Trägern, die man für die ganze Strecke miethet, oder von Stamm
zu Stamm wechselt, was jedoch haarklein beim Könige ausbedungen werden
muß. Für die Bewilligung der Träger gibt man dem Könige einen
Hinterlader mit 200 Patronen oder drei Elephantengewehre (Vorderlader),
jetzt Kleider etc. als Geschenk, diesem oder jenem Statthalter, dessen
Provinz man durchzieht, ein schönes Kleidungsstück oder eine gute
Wolldecke; als Bezahlung gibt man einem dortigen Diener für zwei Monat
Arbeit eine Baumwollendecke oder drei Yards Kattun und ein Pfund
schönblauer kleiner Glasperlen. Für die Zeit von sechs bis zwölf Monaten
muß erst jeder Unterthan vom Herrscher die Erlaubniß einholen, um so
lange eines Weißen Diener zu sein -- außer es wird im Geheimen zwischen
einem Koschi und seinem Sklaven abgemacht. Für zwölf Monate Dienst gab
man am Zambesi eine Muskete und natürlich die Gesammtzeit hindurch die
nöthige Nahrung, zuweilen ein Stückchen Tabak oder Dacha. Haben die
Träger und Bootsleute einen strengen Ausseher über sich, so gehen sie
rüstig vorwärts, sie begnügen sich mit einer täglichen Mahlzeit, einer
halbstündigen und vier- bis fünfmaligen viertelstündigen Rast, um von
Tagesanbruch bis vier oder fünf Uhr dem Marsche oder dem Rudern
obzuliegen. Die freie Rastzeit wird benützt, um rasch ein Feuer
anzuzünden -- ein Feuerbrand wird stets mitgetragen -- und ein Pfeifchen
Dacha zu rauchen.
All' dies bekommt jedoch einen anderen Anstrich, wenn man keinen guten
Makosana als Aufseher hat, dann bereiten namentlich jene, die
schon öfter mit den Weißen in Berührung kamen, dem Reisenden
Unannehmlichkeiten und belästigen ihn nicht wenig, verzögern und hindern
die Reise, wo sie können. Gibt man ihnen nach, wird es umso ärger. Das
Gepäck wird meist auf dem Kopfe oder an einem über die Schulter gelegten
Pfahle, schwere Gegenstände an einem langen Pfahle von zwei bis vier
Männern getragen. Gewöhnlich legen die Träger drei englische Meilen in
der Stunde zurück, in der Bootfahrt stromaufwärts 3½ bis 4½,
stromabwärts 5½ bis sieben Meilen, wenn nicht Strömungen und Schnellen
die Flußfahrt verzögern oder Flußpferde den Weg versperren.
Reisen die Eingebornen allein, so nehmen sie nie größere Quantitäten
Nahrung mit sich, jene, die in den zweirudrigen Booten die Kornabgaben
nach Schescheke bringen, haben die kleinen Fahrzeuge derartig überladen,
daß sie darauf angewiesen sind, sich ihre Nahrung unterwegs zu
verschaffen, sie nehmen sich höchstens einige Fische mit, sammeln wilde
Früchte, und da sie in der Regel geräuschlos längs dem Ufer
dahingleiten, sind sie im Stande, so manchen in dem Uferschilf und Gras
schlummernden Vogel mit einem sicheren Wurfe des Thoboni-Stockes zu
erlegen.
Ich will noch einer Begrüßungsform erwähnen, welche von Seite des
Herrschers sowohl als von Seite der Koschi, Kosana und eines jeden Haus-
und Hüttenherrn, dem fremden Besucher gegenüber beobachtet wird. Nachdem
man einige Worte ausgetauscht (beim Herrscher, wenn die Ankömmlinge
angesehene Personen sind), nimmt der Gastgeber aus seiner am Leibgurte
oder an einem Riemchen um den Hals, an einem der Armringe oder auch an
der Carosse befestigten Schnupftabakdose eine tüchtige Prise; oft wird
ihr ganzer Inhalt auf die linke Hohlhand geschüttet, und nachdem sich
der Eigentümer selbst daran gelabt, reicht er den Inhalt mit halb
geschlossener Hand dem zunächst Begünstigten, dann noch zweien oder
dreien der übrigen.
Die Rechtspflege im Marutse-Reiche hat in der That manche gute Seite,
und vor Allem durch die Bildung des großen Rathes viel gewonnen. Leider
hat diese durch den Geist des herrschenden Stammes und das Wohlwollen
eines lange dahingeschiedenen guten Herrschers gestiftete Institution
nach und nach durch despotischen Königswillen an Macht und Geltung
eingebüßt, bis sie unter Nero-Sepopo den Todesstoß erlitt, so daß sich
in den letzten Decennien die Rechtspflege im Marutse-Reiche, ich möchte
sagen von Jahr zu Jahr verschlechterte. Altgewohnte Gebräuche, welchen
Gesetzeskraft innewohnt, erben sich unter den eingebornen Stämmen treu
fort und werden willig befolgt, und jeder Verstoß gegen ihre
Rechtskraft, d. h. jede willkürliche Beschränkung derselben von Seite
eines Herrschers sehr mißliebig aufgenommen; durch die Unterdrückung
dieser Gewohnheitsgesetze hat sich Sepopo das Volk zuerst entfremdet.
Die Rechte über das bewegliche und unbewegliche Eigenthum, mochte das
erstere sowohl Personen als auch Habe in sich begreifen, die socialen
Rechte der verschiedenen Stämme untereinander und zum herrschenden
Stamm, der Unterthanen und Tributzahlenden zum Herrscher im Allgemeinen,
die Thronfolge-Bestimmungen, Vertragsclauseln, die Strafgesetze etc.,
wurden von Sepopo theils abgeschafft, theils vollkommen nach seinem
Gutdünken zugestutzt und neu formulirt; es ist jedoch sicher, daß unter
Wana-Wena seinem Nachfolger der größte Theil der alten Marutse-Gesetze
wieder zur Geltung gelangen wird.
Kleine Zwistigkeiten werden von den Makosana und Kosana, wichtigere von
dem Statthalter geschlichtet; alle schwerer erscheinenden Verbrechen
etc. müssen, wenn sie nicht in gar zu weiter Entfernung von der Residenz
des Königs begangen, vor diesen und den großen Rath gebracht werden.
Mord ist im Allgemeinen ein seltenes Verbrechen und wird mit gleicher
Münze bestraft. In der Residenz des Königs werden die meisten
Hinrichtungen im Lande vorgenommen, weil so viele Unbeliebte, Beneidete
aus den Provinzen, des Hochverrathes angeklagt und nach der Residenz
geschleppt werden. Sepopo nahm keine Rücksicht; jahrelange, treue
ergebene Dienstleistung, selbst von Würdenträgern, enge
Verwandschaftsbande mit dem Könige etc. konnten nicht schützen, wo sein
Verdacht rege wurde; in einem solchen Falle war jedes Gesetz null und
nichtig. Die Beschuldigung des Hochverrates, des Mordes, der Flucht aus
dem Reiche, des Verkaufes von Elfenbein und Honig, des Diebstahles an
königlichem Eigenthume, des Ehebruches mit einer der Königinnen
begangen, der zufällige Tod eines Nächsten genügten, um vergiftet oder
verbrannt zu werden. Raufereien, Verwundungen, leichter Diebstahl wurden
mit schwerer Arbeit in den königlichen Feldern oder lebenslänglicher
Sklaverei bestraft. Fühlte der König kein persönliches Interesse oder
Uebelwollen, so wurde der Ausspruch dem großen Rathe übergeben, und
stimmte dieser für den Tod, so wurde der Verurteilte dem Gottesurteile
mit dem Giftbecher unterworfen.
Im Folgenden will ich es versuchen, die Vorbereitungen und das
Ceremoniell eines solchen Gottesurtheiles, respective einer Hinrichtung
zu schildern.
Ein glühender Lichtschimmer überfluthete die meilenweite, die neue
Hauptstadt des Marutse-Reiches, Schescheke, im Osten begrenzende Ebene;
in manchen Theilen der Stadt herrschte noch Stille, da die Bewohner sich
bis tief in die Nacht bei Butschuala-Gelagen gütlich gethan hatten. In
den Dörfern der Mabunda und Masupia's war es dagegen bereits ziemlich
rege, namentlich jedoch in den unmittelbar am Flußufer erbauten
Mamboë-Dörfern. Die Mamboë, denen die Fischerei obliegt, pflegen sich
nicht von den schimmernden Vorboten des goldenen Gestirns zur Arbeit
aufmuntern zu lassen; kaum daß es graut, sind sie schon bei ihren Kähnen
und Netzen, um sich in die nahen und entfernten Lagunen und Flußbuchten
zu begeben, und die ihnen von dem königlichen Küchenmeister
vorgeschriebene Anzahl von Fischen zu erbeuten. Das rege Treiben in der
winzigen Bucht nahe an meiner Hütte, wo sie ihre Kähne zu bergen
pflegten, hatte mich oft früh angelockt, und so stand ich auch heute und
schaute ihrem Treiben zu. Als die Letzten abstießen, wandte ich mich
nach meiner Hütte. Zwischen derselben und dem königlichen Häusercomplex
lag ein etwa sechshundert Schritte breiter Streifen freien Landes, und
über dieses hin bewegte sich ein Zug von etwa zwanzig Menschen. Diese
hatten die Richtung nach dem Walde eingeschlagen, einen der Pfade
wählend, der zwischen meiner Hütte und dem aus Schilfrohr erbauten
Häuschen der portugiesischen Händler, durch die Marutse-Dörfer führte.
Voran schritt ein Mann, der, jedem Bewohner von Schescheke nur zu wohl
bekannt, als Vollstrecker der Grausamkeiten des Königs Sepopo, ein
Schrecken im Marutse-Reiche geworden war. Es war Maschoku, die
Mabundahyäne. Er war mit einem bis an die Knöchel reichenden,
buntcarrirten Wollhemd bekleidet; ihm folgte ein Mann von mittleren
Jahren und diesem zwei Greise, wahre wandelnde Mumien, die mit ihren
fezartigen Kopfbedeckungen als des Königs Leibärzte und die Hauptredner
in dem unmenschlichen engeren Rathe, der dem Könige zur Seite stand,
allgemein bekannt waren. Hinter denselben schritten vier mit Assagaien
bewaffnete junge Männer. Den Zug schlossen zwei Gruppen von etwa acht
Personen, in der ersteren bemerkte ich ein Weib und zwei Kinder. Die
Leute bewegten sich, wie es schien, in einer gedrückten Stimmung,
während die letzte Gruppe schreiend und lärmend einherzog. Als ich
diesem Zuge nachsah, hörte ich hinter mir ein leise geflüstertes
»^camaja mo mositu, ku umubulaja mona mo!^« (Die gehen in den Wald, um
jenen Mann zu tödten.) Es war ein Knabe aus Schescheke, der mir für
Glasperlen Fische zum Verkaufe brachte und die Gruppe bemerkte, die
meine Aufmerksamkeit erregt hatte.
Der zur Hinrichtung Geschleppte war von einigen Nachbarn, die auf seine
reiche Ernte neidisch waren, des Hochverrathes angeklagt und von dem
Könige _gegen_ den Ausspruch des hohen Rathes zum Tode verurtheilt
worden. Der König war unpäßlich geworden, und die Krankheit wurde auf
gewisse Zaubereien geschoben, die jener begangen haben sollte.
An der Hinrichtungsstelle angekommen, riß der Scharfrichter dem
Verurtheilten seine Lederschürze vom Leibe, zerbrach die aus Elfenbein
und Holz gearbeiteten Armringe, während seine vier bewaffneten Helfer
nach den nahen Büschen griffen, um dem Armen aus grünen Buschzweigen
eine Schürze um die Hüften zu flechten. In der Mitte der kleinen
Lichtung standen zwei, drei Fuß von einander abgehende und fünf Fuß über
den Boden ragende rauhe Pfähle, welche im unteren Drittel und an ihren
freien Enden mit je einem Querholze verbunden waren. Hie und da sehen
wir einen Aschenhaufen, aus dem einzelne halbverbrannte Menschenknochen
hervorragen.
Maschoku faßte den Verurteilten bei der Hand, führte ihn zu dem Joche,
ließ ihn auf das untere Querholz niedersetzen und hieß ihn mit den
Händen die Pfähle erfassen. Einer seiner Begleiter brachte eine kleine
Kürbißflasche, ein anderer eine hölzerne Schale. Der Scharfrichter goß
aus der ersteren eine dunkle Flüssigkeit, ein Decoct von giftigen
Kräutern in die Schale, welches er selbst am vorhergehenden Abend von
dem Könige zu diesem Zwecke erhalten hatte; er reichte die Schale dem
Manne hin und gebot ihm zu trinken. Kaum hat der Aermste getrunken, so
stürzten jene, welche gesenkten Hauptes und klagend dem Manne zur
Hinrichtung gefolgt waren, auf diesen zu und brachen in lautes Wehklagen
aus. »Mein Mann, mein Bruder, mein Vater, Freund, Freund!« riefen sie
durcheinander. »Fürchte Dich nicht, Du sollst nicht sterben, Du bist ein
guter Mann, Du hast nie Böses gethan; böse Menschen, die nach Deinem
Mabele (Korn) und nach Deinem Khomo (Vieh) trachteten, haben schlechte
Worte gesprochen, und deshalb hat man Dich hierhergeschleppt; Du hast
nie Böses gegen den König im Sinne gehabt, so wirst Du auch nicht
sterben. Njambe, der gute und schlechte Herzen kennt, sieht auch Deine
Unschuld und wird Dich das Molemo (Gift) erbrechen lassen.« So reden die
Freunde des Verurtheilten; sie streicheln und liebkosen ihn. Wie sie
etwas in ihrem Eifer nachlassen, treten die Ankläger heran, jene, welche
beim Zuge die Nachhut bildeten. Mit geballten Fäusten drohen sie dem am
Schaffot Sitzenden, die ärgsten Verwünschungen gegen ihn ausstoßend. »Du
Verräther, Du schlechter Mensch, schwarz ist Dein Herz, Du wolltest den
König tödten! Schlechte Medicinen hast Du in seine Behausung geworfen,
die ihm die Krankheit in dieselbe brachten, allein wir haben Deine
Schlechtigkeit gesehen, wir sagten es dem Könige, und nun sollst Du
dafür sterben. Siehst Du das Feuerchen da, was eben unsere Brüder
angezündet haben, sieh', das wollen wir groß machen und dann Deine
Gebeine, die Knochen eines schlechten Hochverräthers, daran rösten und
verbrennen!« Und abermals drohen sie mit den Fäusten und speien ihn an.
Nach den alten Marutse-Gesetzen muß jeder Verurtheilte eine Schale Gift
trinken. Fällt er nach dem Genusse des Giftes besinnungslos zur Erde, so
wird er für schuldig erklärt und sofort verbrannt. Wenn im Gegentheile
der Verurtheilte das Gift erbricht, so wird er für unschuldig erklärt,
allerdings kein wohltuendes Begnadigungsmittel, da nach dem Genusse des
Giftes eine Blutzersetzung eintritt, welche Ausschläge und Siechthum und
nach vielen Leiden, einige Jahre später den Tod zur Folge hat. Der König
Sepopo, der die meisten Gesetze und Gebräuche seines Landes umstieß,
berücksichtigte auch diesen nicht und gab oft im Geheimen dem
Scharfrichter den Auftrag, die Verurteilten auf jeden Fall zu tödten.
So geschah es, daß, als der König von der Barotse nach Schescheke
übersiedelte, er von seinem Mutterlande des Tsetse-Gürtels halber, der
die Umgegend von Schescheke umspannt, keine Rinder für seinen Bedarf
nach der neuen Residenz mitnehmen konnte. In Schescheke lebte aber unter
mehreren Häuptlingen Einer, der große Heerden besaß; auf ihn fiel sofort
des Königs Augenmerk und damit war auch das Los des Aermsten
entschieden. Er wurde angeklagt und verurtheilt, doch das Gift hatte
keine Wirkung. Da fand sich ein zweiter Sklave, der den Häuptling des
Hochverrathes beschuldigte, und als auch die zweite Verurtheilung nichts
half, folgte eine dritte, schließlich wurde er so lange mit dem
Vorderkörper in's Feuer gehalten, bis er seinen Geist aufgab.
Nachdem ich Schescheke verlassen, wurde auch die Frau des Häuptlings
Mokoro, zum Tode verurtheilt. Sie war als unschuldig erklärt worden, der
Scharfrichter aber theilte ihr mit, daß ihm der König den Befehl
ertheilt, sie am folgenden Tage zu verbrennen. Um solch' einem Tode zu
entgehen, warf sie sich in den Fluß und wurde sofort von einem Krokodile
ergriffen, doch von diesem längere Zeit hin- und hergezerrt, bevor das
Thier mit ihr in die Tiefe versank und das grause Schauspiel ein Ende
fand.
Nachdem sich die Ankläger müde gescholten, traten die beiden alten
Medizinmänner heran, nahmen den Verurtheilten von dem Gestell und
drehten ihn mehrmals im Kreise herum, sie thaten dies, um, wie sie
sagen, das Gift besser im Körper wirken zu lassen. Kaum hatten sie ihn
wieder seine frühere Stellung einnehmen lassen, näherten sich ihm wieder
seine Freunde. »Freund, entledige Dich doch des schädlichen Stoffes, den
Du getrunken, brich ihn aus, damit Du diesen bösen Menschen und dem
Könige zeigst, daß Du unschuldig bist!« Freunde und Kläger wechseln so
ab, bis das Gift betäubend oder wie ein Brechmittel zu wirken beginnt.
In dem vorliegenden Falle wirkte es betäubend; etwa eine halbe Stunde,
nachdem er das Gift zu sich genommen, fiel der Verurtheilte
besinnungslos zur Erde. Bevor dies jedoch geschah, hatten schon einige
seiner Ankläger ein kleines Feuer angezündet, auf welches sie bei ihren
Spottreden hinwiesen. Kaum war der Verurtheilte zur Erde gefallen,
erfaßten ihn die Diener des Scharfrichters und schleppten ihn zu dem
Feuer. Vergebens rangen seine Angehörigen die Hände; mitleidslos ward er
mit dem Kopfe in das kleine Feuer gehalten, so daß er mit
halbverbranntem Gesichte, bevor noch das Feuer zur Flamme angefacht war,
erstickte. Dann erst wurde trockenes Reisig herbeigetragen und eine Art
Scheiterhaufen errichtet, auf welchem der Körper gänzlich verbrannt
wurde.
Laut klagend und jammernd zogen die Angehörigen des Verurtheilten heim.
In der Stadt verstummten sie, um nicht des Königs Mißfallen zu erregen.
Sehr Viele trachteten sich, sowie sie nur eine Ahnung von einer etwaigen
Vorladung erhielten, durch Flucht nach dem Süden über die beiden Ströme
zu retten. Andere tödteten sich selbst, als sie sahen, daß sie trotz
ihrer durch das Erbrechen des Giftes erwiesenen Unschuld, doch wieder
angeklagt und verbrannt werden sollten. Die auf der Flucht Ergriffenen
wurden theils von den Verfolgern niedergestoßen, theils wieder nach
Schescheke zur Hinrichtung eingebracht. Verurtheilte, freiwillig
Heimgekehrte und auf die Fürbitte der Weißen oder eines fremden, Sepopo
befreundeten Eingebornenfürsten gestützt, um Nachsicht Flehende wurden
bei ihrer Ankunft in Schescheke wohl begnadigt, allein wenige Tage
darauf wieder verurtheilt.
Bei Diebstählen bestrafte der König oder der Würdenträger nur wenn der
Schuldige der That geständig oder wenn er von mehreren Zeugen überwiesen
war. Im Allgemeinen wird von der Obrigkeit nicht viel gethan, um des
Diebes habhaft zu werden. »Bringe ihn und beweise, daß er Dich bestohlen
hat, ich werde ihn schon empfindlich züchtigen,« heißt es zumeist.
Ich erwähnte bereits, das zwei vom Könige begnadigte Verbrecher in der
Residenz, die Reinigung der Stadt zu besorgen hatten; bevor noch die
Bewohner von Schescheke erwachen, sind diese Beiden schon auf ihren
Füßen und walten ihres Amtes. Dabei ereignete es sich nun mehrmals im
Jahre, daß menschliche Leichen an den Pfaden und in den Straßen lagen;
auf Sepopo's Geheiß, der jeden Todten, die Mitglieder des königlichen
Hofes ausgenommen, als Unrath ansah, mußten dieselben gleich dem
Kehricht behandelt werden.
Von nennenswerter Heilkunde fand ich in dem Marutse-Reiche mehr vor als
in allen übrigen mir bekannten südafrikanischen Eingebornenländern.
Diese Heilkunde bildete die Basis, auf der die schon öfters erwähnten
Doctoren, die Mitglieder des engeren Rathes, ihr Wissen und Ansehen,
späterhin ihre Zaubereien stützen konnten. Mehrere vegetabilische
Heilmittel und Gifte kennend, suchten sie weiter in der Heilkunde
nachzugrübeln, geriethen aber nur zu leicht, geleitet und durchdrungen
von dem volksthümlichen Aberglauben in das verderbliche, den Geist
umnachtende Chaos der Beschwörungsformeln.
Ich beobachtete, daß sie sich auf die Behandlung von Dysenterie,
Fieberanfällen, Husten, Lungenkatarrh, Stillung von Blutungen und
Schlangenbissen wohl verstehen. In der Regel werden jedoch die Arzneien
mit vielen Zeremonien verabreicht, um eben den Kranken glauben zu
machen, daß letztere den Löwenantheil an der Kur haben. Oertliche
Blut-Entziehungen mit Metall-, Horn- und Knochenmessern bewirkt, und das
Blut mit Hornsaugröhren ausgesogen, fand ich -- wie unter den
Betschuana's -- gemein und gewöhnlich an den Schläfen Wangen, Oberarmen,
der Brust und den Schultern applicirt. Es soll Schmerzen an diesen
Körpertheilen mildern, -- wie ich bemerken konnte, meinte man hiemit
Neuralgien sowohl als Entzündungsschmerzen der betreffenden oder der
Nachbarorgane. -- Die Vegetabilien werden zumeist getrocknet und dann im
pulverisirten Zustande oder als Decoct, oder aber der bei ihrer
Verbrennung erzielte Rauch und ihre Asche als Heilmittel gebraucht. Von
thierischen Stoffen gebraucht man Knochenstaub, gebranntes
Knochenpulver, die Schuppen des Schuppenthieres, die, Riechstoffe
enthaltenden Drüsen gewisser Säugethiere und thierische Excremente etc.
etc. Einen wesentlichen Unterschied zwischen den Heilkünstlern des
Mabunda-Reiches und denen der meisten Betschuana's, fand ich in dem
äußeren Auftreten derselben; mit Ausnahme des hohen Alters kennzeichnen
sich die Ersteren durch keine besonderen Abzeichen. Ebenso scheint die
Doctorswürde im Mabunda-Reiche nicht erblich zu sein, während dies bei
den Betschuana's der Fall ist.
Der Aberglaube ist eine der bedauernswerten Erscheinungen, welche der
geistigen Entwickelung der südafrikanischen Eingebornen im Wege stehen.
Es war vor Allem Sepopo, der sich von seinen Unterthanen als Zauberer
gefürchtet und groß zu machen verstand und sich endlich so tief in die
Gaukelei hineinlebte, daß er selbst daran glaubte, wodurch es ihm
möglich wurde, sich trotz seiner nichtswürdigen Grausamkeiten so lange
am Throne zu behaupten. Die abergläubischen Lehren hatten durch die
greisen Doctoren ein nicht geringes Ansehen beim Volke erlangt, dessen
Zweifel oft durch die gewonnene Ueberzeugung der Heilkraft der als
Heilmittel von den Aerzten gebrauchten vegetabilischen Producte, sowie
in Hinblick auf die geheiligte Person des Königs geschwächt oder
benommen wurden. Der Zaubermittel gibt es eine Legion; ich will blos
einige anführen.
Beim Beginne eines Krieges, nach der Erbauung einer Stadt und bei
anderen wichtigen Gelegenheiten, bei Landplagen etc. wurden bestimmte
Theile des menschlichen Körpers geopfert, d. h. bei Lebzeiten vom
menschlichen Körper abgetrennt und an bestimmten Orten in erlesenen
Gefäßen aufbewahrt.
[Illustration: Korb aus Bast und Kalebassen-Korngefäße bei den Mabunda.]
Aus Büffelfett gearbeitete Armringe und Brustbänder sollen gewisse
Krankheiten bannen und gegen menschliche Nachstellungen schützen. Das
Herzfett der Hausthiere, auf Stäbchen in Kreuzform befestigt und bei
Nachtzeit vor die Hütten der aus dem Reiche Geflohenen eingepflanzt,
soll auf die Flüchtlinge höchst verderbend einwirken, daß sie auf der
Flucht die Sinne verlieren, und wie im trunkenen Zustande zu ihrer
Niederlassung zurückkehren, um ihre gerechte Strafe zu erleiden. Das
Pulver verschiedener gebrannter Knochen von Säugethieren, Vögeln,
Amphibien am Körper getragen, wird verkauft, um schnellfüßig zu werden,
das verfolgte Wild in seinem Laufe zu lähmen und dem Jäger reiche Beute
zu sichern. Es wird theils in Säckchen auf dem Leibe getragen, theils in
an den Armen und Beinen geführte Einschnitte eingerieben. Weitere
Zauberkraft enthaltende Mittel sind all' die pharmaceutischen Präparate,
die der Weiße an die Eingebornen verabreicht, seltene Thierfelle, wie
das des großen schwarzen Lemur, anormale Bildungen in der Färbung
kleiner Säugethiere, Ausschnitte aus dem Kamme der Schwanzflossen des
Krokodils, seine Augen und die Luftlöcher; Hörner des ^Cephalopus
Hemprichii^ und des ^Scopophorus Urebi^, seltene Glasperlen, auffallende
pathologische Haar-, Horn- und Knochenbildungen von Thieren; Säckchen,
genäht aus der Haut der Boa, Leib- und Brustgurte aus Schlangen-, Erd-
und Wasserleguanhaut verfertigt, kleine Muscheln, die an Stirn- und
Halsbändern, an Armringen und Leibbinden festgenäht, getragen werden.
Die letzteren, sowie andere Kalkproducte von Seethieren haben die
Portugiesen eingeführt und damit im Allgemeinen einen regen Handel
getrieben.
Diese Amulete und Zaubermittel werden, wenn nicht am Körper getragen,
auf geheimen oder nur dem Hausherrn bekannten Orten aufbewahrt gehalten.
Der König hat hinter seinem Empfangshause längs der Hofumzäunung eine
Reihe von bemalten Thontöpfen und Kalebassen stehen, die sämmtlich
abergläubische Mittel enthalten. Außerdem hat der König eine eigene
Hütte für seinen medicinischen Besitz und die zahlreichen Amulete
erbaut; bei Sepopo stand sie zwischen seinem Empfangs- und dem
Waarenhaus. Zu den offenen, Zaubermittel enthaltenden, Behältern
gehören: aus Bast, Gras und Stroh verfertigte Säcke und Körbe, kleinere
und größere, schwarz gebrannte, einfach gehaltene und gekerbte
Holzschüsseln, große, roh gearbeitete Holzschüsseln, Töpfe und Schalen
aus ungebranntem oder auch gebranntem Thon, gewöhnlich mit dunklen
Glasur-Zeichnungen bedeckt und zuweilen auf Gestellen, Holzfüßen,
Baumstämmchen aufgestellt, oder auf Pfählen aufgehangen; ferner
Kalebassen, die dann gewöhnlich unter Miniaturdächern aufgestellt
werden.
Zu den geschlossenen gehören kleine Makenkekörbe, Miniaturkörbchen aus
Fächerpalmblättern gearbeitet, kleine sanduhrförmige, mit Pfröpfen (aus
Holz) versehene, Schnupftabakdosen ähnliche Kalebassen, zugepfropfte
Hörner kleiner Gazellenarten, mit Linien und Kreisen (Einkerbungen,
Eingravierungen) bedeckte kleine Ziegenbockhörner und nett geschnitzte,
in Pulverhornform gehaltene Hörner größerer Antilopen (Harrisbock,
Gemsbock, Roen-Antilope etc.); sämmtliche sind mit Hängschnüren
versehen. Ferner beobachtete ich solche, die sorgsam aus Holz, Rohr,
Vögel- und Thierknochen, Nilpferd- und Elephanten-Elfenbein, aus
Fruchtschalen, Thierklauen zu Dosen geschnitzt, oder aus Thierfellen und
aus der Haut innerer thierischer Organe (Eingeweide, Blase etc.), aus
Tuch- und Wolllappen zu Säckchen genäht sind. Im Allgemeinen verwendet
man im Marutse-Reiche auf diese Artikel eine bedeutende Sorgfalt, und
Sepopo's Medicin- und Gifthütte allein würde, in ein europäisches Museum
transferirt, eine interessante ethnographische Sammlung abgeben. Leider
ist es für den Sammler nicht leicht, sich mehrere solcher Objekte durch
Tausch anzueignen; die Eingebornen wollen sich der in denselben
enthaltenen Zaubermittel halber nicht von ihnen trennen.
Das Ausschütten von Flüssigkeiten vor der Hof- oder Hausthüre wird als
ein Zauberversuch zum Schaden des Hausherrn oder Desjenigen angesehen,
der unvorsichtiger Weise über die nasse Stelle hinwegschreitet.
Unwohlsein wird in der Regel als die Folge von Zauberei oder
gefährlichem Uebelwollen angesehen. Meine Arbeiten und meine den Kranken
geleistete Hilfe hatten mich im Marutse-Reiche zu einem großen Zauberer
gestempelt, und hatten nur das eine Gute, daß ich von allen mehr als
andere Weiße gefürchtet wurde. Die meisten Geheimmittel sind den
Zauberern (Doctoren), dem König und dem Scharfrichter bekannt und werden
verhältnißmäßig theuer verkauft.
Bisweilen wurden zwei und mehrere Sitzungen abgehalten, um sich über
dies oder jenes unmenschliche Mittel zu einigen. Personen, die dem Rathe
mißtrauten, einzelne nachdenkende Köpfe, wurden nur zu leicht aus der
blindlings gehorchenden und unterwürfigen Menge herausgefunden, des
Hochverrathes oder anderer nicht begangener Verbrechen angeklagt bei
Seite geschafft.
Ich hatte bereits Gelegenheit zu erwähnen, daß von Sepopo zu manchen
abergläubischen Zwecken Menschenopfer verwendet wurden. Dieselben sind
kein landesüblicher Gebrauch, sondern waren dem Könige von dem engeren
Rathe empfohlen worden. Während meines ersten Aufenthaltes begann er,
wie ich bereits erwähnt, Neu-Schescheke zu bauen. Um die neue vor einem
ähnlichen Schicksale wie es die alte Residenz traf zu bewahren, wurde
eine Sitzung des engeren Rathes abgehalten und die Schrecklichen
beschlossen, dem Knaben eines Häuptlings die Finger und die Zehen
abzuhauen und diese in der Kriegstrommel aufzubewahren. Trotz der
Geheimhaltung dieses Beschlusses wurde die Absicht des engeren Rathes
einem Häuptlinge verrathen, der die Nachricht allen seinen Freunden
mittheilte, doch nicht schnell genug und ohne Verdacht zu erregen. Gegen
Ende des Monats September, als Blockley allein in Schescheke zurück
geblieben war, konnte man allnächtlich in dem Walde von Schescheke
Menschengruppen begegnen, welche nach den tieferen Waldpartien zueilten,
es waren die Vertrauten dieses oder jenes Häuptlings, welche dessen
Knaben aus dem Bereiche des Tyrannen zu bringen suchten, ohne daß der
König oder der Scharfrichter eine Ahnung davon hatten, daß man ihre
Pläne zu durchkreuzen suche.
Am bestimmten Tage schickte Maschoku seine Diener in der Stadt umher, um
sie die Häuptlingsgehöfte ausspioniren zu lassen, in welchen man sich am
leichtesten eines Knaben bemächtigen konnte. Alle bis auf einen kehrten
unverrichteter Weise zurück, sie fanden die Gehöfte förmlich kinderleer,
nur der eine wollte einen Knaben im Hofraume seines Vaters spielen
gesehen haben. Als dies der Scharfrichter dem Könige hinterbracht hatte,
befahl er dem Vater des Knaben sofort für die Bedachung eines noch
unvollendeten königlichen Baues das nöthige Gras und Schilf zu holen,
alles andere nahm Maschoku auf sich. Als ihn seine Diener
benachrichtigten, daß der Chef abgereist sei, berief dieser den
erwähnten Diener und gab ihm die nöthigen Instructionen, um das Opfer
auch glücklich in das Gehöft des Königs zu bringen. Hier war eine
größere Menschenmenge versammelt, welche lautlos dasaß; der König schien
unmuthig und deshalb wagte es Niemand, ein Wort zu sprechen.
Um diese Zeit erschien in dem Höfchen des Häuptlings, der sein Gehöft
verlassen, um für den König das nöthige Schilfrohr zu holen, ein
Mabunda-Mann, der Abgesandte des Scharfrichters, setzte sich nahe an der
Umzäunung nieder und wartete bis ihm eine der Hausfrauen mit dem
Willkommgruß »Rumela« ansprach und theilte derselben nur mit, daß der
Kosana, der eben mit seinem Kahne abstoßen wolle, ihn mit dem Auftrage
hiehersende, ihm sein kleines Söhnchen zu bringen. Die Mutter befiehlt
dem Kinde, dem Manne zu folgen und dieses fügt sich willig dem Gebote.
Dieser schlägt aber die Richtung nach den königlichen Gehöften ein, wo
er mit seinem Erscheinen plötzlich die darin herrschende Stille
unterbricht. Aus seinem Hinbrüten durch Maschoku wachgerufen, wirft der
König einen Blick auf den Knaben und steht dann von den Anwesenden
gefolgt auf. Man nimmt nun den Knaben in die Mitte, der durch die
stillschweigende Menge eingeschüchtert, sich willenlos fortschleppen
läßt. Die königliche Capelle beginnt hierauf ihre monotonen Weisen und
begleitet den König. Zum Flusse ging es wohl und dies mochte den Knaben
etwas ruhiger stimmen, doch ein plötzlicher Schrei einer Häuptlingsfrau,
deren Gehöfte man passirte, flößte dem Kinde Furcht und Schrecken ein.
Die Frau kannte das Schicksal des Opfers, das man eben zur Schlachtbank
führte.
[Illustration: Schöpflöffel und Kalebassen-Korngefäße bei den Mabunda.]
Am Flusse angekommen, besteigt die etwa siebzig Köpfe zählende Menge
sämmtliche am Ufer liegende Boote und fährt nach dem jenseitigen Ufer;
die Tambours folgen, während die Myrimba's zurückbleiben. Am jenseitigen
Ufer; angekommen, läßt sich Sepopo auf ein Stühlchen nieder, der
Scharfrichter, seine Knechte und die Mitglieder des engeren Rathes
bilden einen Kreis, die Tambours und die anderen Musiker stellen sich
rings umher, damit das Volk von Schescheke die grausame That nicht sehe.
Der Knabe, durch alle die schweigsamen Männer erschreckt, folgt nur
zögernd. Nun nickt der König mit dem Kopfe und im selben Momente wird
der Knabe zur Erde geworfen, das erschrockene Kind beginnt laut zu
schreien, aber den Tambours wurde zugleich das Zeichen gegeben, und laut
schallen die Trommeln, um das Geschrei des Kindes zu übertönen. Der
Widerstand des hilflosen Kindes ist von den Henkersknechten bald
überwältigt, und nun gehen die alten Doctoren an's Werk und schneiden
dem Opfer Finger um Finger, Zehe um Zehe vom Körper. Trotz des lauten
Trommelschlages vernimmt die Menge am diesseitigen Ufer einige Worte des
sterbenden Knaben. »^Ra, Ra came, Ra Ra^« (Vater, mein Vater),
zeitweilig wird das Wort: »^Umu umu bulaja^« (sie tödten mich) hörbar;
obwohl die Menschenmenge sich mit jedem Augenblicke mehrt, und alle
begreifen, daß Sepopo eine neue Grausamkeit begeht, wagt es Niemand, an
die Rettung des armen Knaben zu denken.
Nachdem sich die Doctoren der genannten Gliedmaßen bemächtigt haben,
wird dem Leben des Knaben sofort ein Ende gemacht, d. h. das Opfer wird
erwürgt und mit einem Kiri erschlagen. Nach vollbrachtem Werke werden
die Boote wieder bestiegen, ganz zufällig scheinen diese in der Mitte
des Fluges einen Knäuel zu bilden, in Wirklichkeit aber nur, um den
Körper des Knaben unbemerkt in den Fluß gleiten zu lassen. Während die
Boote etwas flußabwärts an den königlichen Gehöften anlegen, folgt ihnen
eine jammernde Frau am Ufer nach, watet, die Krokodile und den Zorn des
Tyrannen nicht achtend, in das Wasser und fordert laut ihr Kind, ihren
Muschemani zurück. Der König steigt ruhig aus, was weiß er von
Mutterfreude und Mutterschmerz, ihm folgen die Seinen, und bald sitzt
man bei einigen Töpfen Butschuala, während die alten Doctoren die
getrennten Finger und Zehen in einer der Kriegstrommeln verbergen.
Diese Alarm-, Kriegs-, Schlachttrommeln sind ebenfalls königliches
Eigenthum, von welchen stets drei bis vier vorhanden und im großen
Berathungshause aufbewahrt sind, sie werden nur bei Ueberfällen der
Residenz, beim Ausmarsch in den Krieg, beim Ausbruch revolutionärer
Emeuten u. s. w. geschlagen. Ich vermuthe, daß diese Trommeln mit
ähnlichen Schlägeln wie die Kalebaß-Piano's oder mit kleinen Kiris
bearbeitet werden. Der Holztheil der Trommel ist mit rothem Ocker
bemalt, die Füße sind klein, der Henkel gleich der Lederumreifung aus
ungegerbten Rindsfellen gearbeitet. Diese Trommeln haben dreißig bis
fünfzig Centimeter im Durchmesser und vierzig bis fünfzig Zentimeter
Höhe.
Als ich nach meinem zweiten Besuche nach Schescheke zurückgekehrt war,
berichteten mir zwei der Häuptlinge von Schescheke diese Episode, am
ausführlichsten that es Blockley, denn unser Gehöft lag dem Thatorte
gegenüber.
Noch bevor ich den Zambesi überschritt, hörte ich die industrielle
Thätigkeit der Völker Sepopo's rühmen. Unter den Süd-Zambesi-Stämmen
behaupten die Maschona den ersten Rang. Da ich das Maschona-Land nicht
besuchen konnte und nur nach den mir zugekommenen oder gezeigten
Handarbeiten urtheilen mußte, mag mein Ausspruch nicht jenes Gewicht
besitzen, das ich wünschen würde, doch kann ich mich dahin aussprechen,
daß es Stämme im vereinigten Marutse-Mabunda-Reiche gibt, welche in
gewissen Branchen der Industrie die Maschona übertreffen.
Unter den Küchenutensilien stehen die aus Thon verfertigten Gefäße
obenan. Manche haben Vasenform, andere sind durch die angebrachten
dunkleren und helleren Verzierungen, die am Halse oder Mantelkragen
angebracht sind, und andere dadurch wieder ausgezeichnet, daß sie
geglättet, förmlich von einer Glasur überzogen zu sein scheinen. Am
Boden fand ich nie Zeichnungen vor, auch vermißte ich Henkel. Die als
Getreide-Speicher benützten Thongefäße haben Riesendimensionen und
Urnenform. Diese Riesengefäße sind roher als die vorgenannten gearbeitet
und ohne Ausnahme aus ungebranntem Thon. Die Gefäße sind nach oben mit
einem tellerförmigen Thondeckel geschlossen und zeigen an der vorderen
Seite unmittelbar über dem Boden eine halbkreisförmige, meist handbreite
Oeffnung, die mit einer beweglichen Platte von Innen verschlossen ist.
Diese Platte trägt einen horizontal sitzenden Stiel, mit dessen Hilfe
die Oeffnung nach Belieben geschlossen werden kann. Diese Riesengefäße
sind so schwer, daß ich, wie an den königlichen, sechzehn Männer
keuchend schleppen sah, beim Transport werden sie auf Pfählen getragen.
Die Thongefäße sind meist nur Arbeit der Frauen, während die Holzgefäße
von Männern, und zwar meist von Mabunda's gearbeitet werden. Die
ersteren werden zur Aufbewahrung und Zubereitung von Kafirkornbier, zur
Aufbewahrung von Milch, Wasser und zum Kochen benützt. Sämmtliche
Holzgefäße sind innen und außen mit Eiseninstrumenten tiefschwarz
eingebrannt und dies ist so gleichmäßig und vorsichtig ausgeführt, daß
man sie aus Ebenholz verfertigt halten würde. Die meisten derselben sind
mit erhabenen, symmetrischen, um den Rand, Hals und Mantelkragen
laufenden Schnitzereien und manche mit durchgebohrten, abgeflachten
Buckeln als Henkeln versehen; jeder Holztopf ist mit einem geschnitzten
Deckel versehen.
Nächst den Thongefäßen sind die aus Holz verfertigten Gefäße zahlreich
und nicht minder mannigfach vertreten. Unter diesen gehören die
Vorlegschüsseln für klein gehackte Fleischsorten zu den edelsten
Holzschnitzereien der Mabunda, zu den besten Holzarbeiten in der
Abtheilung der Küchenutensilien. Im Allgemeinen sind die Holztöpfe von
cylindrischer oder Kegelstutz-Form mit abgerundetem Boden. Sie dienen
zur Aufbewahrung von Mehl, Bohnen, kleinen Früchten und Bier. Den
Uebergang von den Holztöpfen zu den zahlreichen Varietäten der
Holzschüsseln bilden die mit Ausgußmulden versehenen Napfschüsseln.
Die eigentlichen Holzschüsseln sind entweder Rundschüsseln oder ovale;
die letzteren wieder schiffchenförmige oder schalenförmige. Die ersteren
der ovalen Gattung sind die früher erwähnten, schön gearbeiteten
Fleisch- und Vorlegeschüsseln, sie trafen durchwegs einen
horizontal-vorstehenden, durchbrochen geschnitzten Rand, sind henkellos
und tiefschwarz von Farbe. Ich fand sie in der Regel im Hause der
Angesehenen, doch die schönsten in des Königs Besitz. Die
länglich-schalenförmigen gehören zu den größten Holzschüsseln, die
riesigsten fand ich bei den Matabele. Sie sind von doppelter bis
dreifacher Größe der obgenannten und stets mit zwei ordentlichen Henkeln
an den Enden des größten Durchmessers versehen. Sie dienen zum
Auftischen von groben Fleischstücken für eine größere Anzahl von
Personen und sind oft an ihrer ganzen Mantelfläche mit symmetrischen
oder unsymmetrischen, ein bis drei Centimeter erhabenen
Arabesken-Schnitzereien bedeckt. Ich glaube, daß den Maschona die Palme
in dieser Arbeit gebührt. Von Rundschüsseln finden wir mehrere
Varietäten vor; alle haben mehr oder weniger hervorragende Henkelbuckel
und in der Regel eine gewölbte, nur in seltenen Fällen eine ebene,
thalergroße Bodenfläche, der Rand ist meist gekerbt. Sie fehlen in
keiner Haushaltung, da ihr Gebrauch ein allseitiger ist, und sie als
Milch- und Oelgefäße und zur Aufbewahrung fetter Substanzen dienen.
[Illustration: Ein Marutse-Elephantenjäger.]
Die getrockneten Fruchtschalen verschiedener Kürbißarten werden sehr
häufig zu Gefäßen verarbeitet. Vor Allem dienen diese Kalebassen als
Wasserbehälter sowohl im Hause als auch auf Reisen, da ihnen das geringe
Eigengewicht zu statten kommt. Sie bieten noch mannigfachere Formen als
die eben genannten Gefäßarten, die einestheils schon von der Natur
mannigfach gegeben sind, anderntheils künstlich hergestellt werden. Für
den öfteren Gebrauch sind sie gelblich, bräunlich, rothbräunlich,
schmutzig- bis dunkelbraun oder ziegelroth polirt und oft mit einem
Bast- oder Grasstricknetz umsponnen; jene zu seltenerem Gebrauche sind
oft mit eingebrannten Zeichnungen versehen. Auf das Einbrennen der
Zeichnungen verstehen sich namentlich die Mabunda, und dies insbesondere
mit Rücksicht auf die Figuren. Ich beobachtete einfache und
verschlungene Arabesken, Abbildungen von Menschen, Säugethieren, Vögeln,
Amphibien, Fischen und Insecten; ferner von Hütten, allerlei
Geräthschaften, namentlich Waffen, Rudern, Kähnen, Pfeifen; außerdem von
Bäumen, Sonne und Mond; doch auch Jagdscenen auf dem Lande und zu Wasser
und Schlachtscenen, von denen mir besonders zwei auffielen, welche die
Eroberung einer befestigten Stadt versinnlichen sollten, und wobei die
gegenwärtig bei diesen Völkern vermißten steinernen Brustwehren deutlich
aufgezeichnet waren. Im Allgemeinen bekunden diese eingebrannten
Zeichnungen großen Eifer und eine ziemliche Fertigkeit, sowie einigen
für Wilde anerkennenswerthen Kunstsinn, obgleich ich sie nicht den
Kunstproben gleichstellen könnte, wie sie die besseren Höhlengemälde der
Buschmänner vor Augen führen. Im Allgemeinen nehmen die mit
eingebrannten Zeichnungen versehenen Kürbißgefäße einen ehrenvollen Rang
in der Industrie der Stämme am centralen Zambesi ein und übertreffen
wesentlich die ähnlichen Erzeugnisse der südlich von diesem Flusse
wohnenden Stämme. Die zu den Kalebassen nöthigen Kürbisse werden theils
auf den Maisfeldern, theils um die Hütten und Häuser angebaut.
Die kleinsten Kalebassen werden zu Schnupftabakdosen, jedoch nicht so
häufig verwendet, wie bei den Betschuana. Auch an Löffeln fand ich die
schönsten Formen im Marutse-Reiche. Die großen Schöpflöffel werden aus
langhalsigen gebogenen, am unteren Ende plötzlich verdickten Kürbissen
verfertigt; sie sind nicht selten mit eingebrannten Zeichnungen
geschmückt, ihre Farbe meist gelb, bräunlich oder rothbraun. Die zweite
Art der Löffel sind Holzlöffel, und zwar gibt es große, bis sechzig
Centimeter lange, zum Auftischen von Mehlbrei, eingedickter Milch,
gekochter Früchte etc. und kleinere, deren man sich bei Tisch bedient.
Unter den Holzlöffeln ragen jene der Mabunda's durch die mühevolle
Arbeit sowie die eingebrannten Zeichnungen nicht nur im Marutse-Reiche,
sondern in ganz Afrika hervor. Zum Zerstampfen von Korn fand ich
hölzerne, pokalartig aus einem Holzstück verfertigte Blöcke und Mörser.
Ferner findet man aus breiten Holzspänen gearbeitete Kornschüsseln zum
Sieben des gestampften Getreides.
Die Flechtarbeiten machen den Bewohnern des Marutse-Mabunda-Reiches alle
Ehre. Zu den einfachsten gehören kugelförmige, aus Gras sowie ebenso
einfach aus Baobabrinde verfertigte Kornsäcke (fünfzig bis siebzig
Zentimeter lang und dreißig bis fünfzig breit), ferner eine dritte Art
aus Rohr und den Stengeln staudenartiger Gewächse oder Fächerpalmblätter
gearbeitet; diese sind größer und dienen zum Transport getrockneter
Fische und nuß- bis faustgroßer Früchte. Auch die aus fingerdicken,
geflochtenen Bastfasern genetzten und Garnsäcke werden von den meisten
Stämmen gleich rasch und gediegen gearbeitet.
Die einfachste Art der Körbe besteht aus einer cylindrischen, nach unten
abgeschlossenen und an der Mündung mit einem hölzernen oder aus einem
Riemen verfertigten Henkel versehenen Röhre, welche aus einer, unserer
rothen Birkenrinde ähnlichen Rinde gearbeitet und mit Bast
zusammengenäht wird. Sie dienen meist zum Sammeln der Früchte.
Flechtarbeiten im engeren Sinne des Wortes sind die Makuluani-Körbe, d.
h. Körbe, die aus lancettförmigen Blatttheilen der Fächerpalme
verfertigt werden. Sie sind sehr gediegen gearbeitet und entsprechen
vollkommen dem Zwecke, mit ihrem dicht schließenden Deckel und dichten
festen Gewebe als Verschlußkästchen oder Truhen zu dienen. Sie haben
eine gefällige, jedoch in zahlreichen Exemplaren nicht ein einziges Mal
übereinstimmende Form. Die in der Barotse angesiedelten Matabele
arbeiten Körbe aus Gras und Stroh so fein, dicht und gediegen, daß sie
ein vollkommen wasserdichtes, zum Biertrinken benütztes Gefäß
vorstellen.
Zu der best gearbeiteten Flechtarbeit wie zu den besten Handarbeiten der
Marutse-Mabunda-Reiche überhaupt gehören unstreitig die beiden in der
Barotse von den Marutse-Stämmen gearbeiteten Arten der Makenke-Körbe.
Sie werden aus einem verhältnißmäßig schwierig zu bearbeitenden
Material, den Wurzelfasern eines ahornartigen Strauches, des Mosura,
verfertigt. Man unterscheidet zwei Arten: die eine ist stets deckellos
und wird beinahe immer in einer und derselben Form und Größe geflochten,
die zweite ist mit einem dichten, falzförmig eingreifenden Deckel
versehen und zeigt die größte Verschiedenheit in Bezug auf Form und
Umfang. Im künstlerischen Werthe stehen sich beide gleich. Ich sah kein
einziges Exemplar ohne Verzierung durch eingeflochtene, schwarz
gebrannte oder dunkelgefärbte Fasern (Strähne) hergestellte Zeichnungen.
Dies Alles macht diese Körbe selbst in der Barotse beachtenswert, in den
anderen Theilen des Reiches bekommt man sie kaum zu Gesicht; ja es hatte
große Schwierigkeiten, in Schescheke, am Hofe des Marutse-Herrschers,
einige zu erstehen.
Die im Haushalte und von den Männern bei ihrer täglichen Beschäftigung
gebrauchten Messer sind scheidenlos und bestehen aus einer dünnen,
scharf zugespitzten, oft an der Schneidekante ausgebogenen oder im
Ganzen sichelförmig gebogenen Eisenklinge, die fest in einen kürzeren,
mit Leguan- oder Schlangenhaut überzogenen Griff eingefügt ist. Unter
den Waffen unterscheide ich Wurf-, Stoß-, Hieb-, Schneide-, Schlag- und
Schutzwaffen. Zu den ersteren gehören gewisse Arten der Assagaie und
Stöcke; zu den zweiten andere Arten von Assagaie und Dolche; zur dritten
Kategorie Schlachtbeile; zur vierten Messer, Dolche; zur fünften Stöcke
und Kiri's und zu der letzten Kategorie Schild und Stock.
Die Assagaie zeigen durchwegs gefällige Form, gute Arbeit, sind sinnig
den verschiedenen Zwecken entsprechend erdacht und repräsentiren die
besten Producte dieser Art, die ich bis jetzt in Südafrika zu beobachten
Gelegenheit hatte. Ihre Assagaie stehen weit über denen der Betschuana
und Makalaka. Von den verschiedenen Arten derselben erwähne ich die
Häuptlings-Assagaie; sie gelten als waffenartige Abzeichen höherer
Würdenträger, gehören zu den kräftigsten, aber auch selteneren Waffen.
Sie sind 1½ bis zwei Meter lang, wovon ein Dritttheil auf den Eisentheil
kommt; der Stiel ist der stärkste unter allen nördlich vom Zambesi
bekannten Hand-Assagaien und gewöhnlich an seinem oberen, noch häufiger
in der Mitte und am unteren Ende ausgeschnitten, zuweilen auch mit
eingekerbten Linien, Ringen etc. verziert.
Der Hand-Assagai dient zur Bewaffnung der Rechten im Handgemenge und ist
eine furchtbare Waffe, namentlich in der Hand der Matabele. Er zeichnet
sich durch eine zur Hälfte ausgeschliffene Längsleiste an der
Schneidefläche, durch einen starken, mit erhabenen Ringen versehenen
Hals und einen kurzen festen Stiel aus, dessen unteres Ende durch ein
fingerdickes Eisenband beschwert ist.
Der lange Schlacht-Assagai ist das Gegentheil des vorher genannten; er
ist leicht, mit langem Stiel versehen und dient als Wurfwaffe. Er wird
1¾ bis 2¼ Meter lang gearbeitet, die Schneide ist einfach, der Hals von
mäßiger Länge.
Im Gebrauche sind ferner kurze und lange Jagd-Assagaie, deren Hals mit
einseitigen oder beiderseitigen Widerhaken versehen ist; der
Hauptunterschied liegt darin, daß die Schneide, d. h. das Eisenblatt
nach abwärts harpunenartig ausläuft oder die gewöhnliche Speerform
zeigt.
In Bezug auf die Gebrauchsweise werden die letzteren in solche für
kleine und mittelgroße Gazellen und kleine Raubthiere, und solche für
starkes Hochwild, wie Büffel, Zebra, Gnu, Nashorn und große Raubthiere,
Pardel, Löwe etc. eingetheilt.
Der eigentliche Krokodilspeer gehört zu den längsten Assagaien und
zeichnet sich durch die Anheftungsstellen der Widerhaken aus, von denen
er nur vier zählt. Die Schärfe gleicht jener der früher beschriebenen,
der Hals zeigt an der Uebergangsstelle an der Schneide beiderseitig
einen Widerhaken und ein gleiches da, wo er in den Stiel einläuft, doch
hier sind dieselben nach aufwärts gekehrt.
Im Gebrauche stehen weiters zwei Arten von Wurf-Assagaien, deren man
sich zur Erlegung der zahlreichen Ottern bedient. Die Schneide, ähnlich
der des vorigen, ist zehn bis zwanzig Centimeter lang, schmal, sehr
scharf und ziemlich stark. Der Leguan-Assagai ähnelt in Allem dem
Schlachtassagai, nur daß seine Schneide um die Hälfte kleiner ist.
Der Fisch-Assagai entbehrt der lanzenartigen Schneide und ähnelt einem
mit einer vierkantigen, ungezähnten, nur am Ende abgerundeten Spitze
versehenen Leguan-Assagai. Die Widerhäkchen an den Kanten sind besonders
scharf seitwärts und etwas nach aufwärts gekrümmt und zeigen
vortreffliche Arbeit. Derselbe entspricht vollkommen seinem Zwecke und
gehört zu den häufigsten Assagai-Formen im Reiche.
Der Nilpferd-Assagai ist der längst gestielte und einer der einfachsten,
der Stiel ist zwei bis drei Meter lang und nur bei dieser Waffe aus
weichem Holz verfertigt.
Die dreizehnte der wichtigen Assagai-Formen ist der Elephanten-Assagai.
Derselbe ist ganz aus Eisen verfertigt, an seinem unteren Stabende
verdickt oder breiter gearbeitet und in seiner Mitte mit einem kurzen
ledernen Ueberzug versehen.
Die Fallgruben-Assagaie sind die am einfachsten gearbeiteten; sie werden
in Fallgruben mit den Stielen eingegraben und mit den Schneiden nach
aufwärts gestellt, um gelegentlich bei der Jagd auf Wasser-Antilopen
verwendet zu werden.
Die Stoßwaffen schließe ich mit den Mabunda-Dolchen, welche unstreitig
zu den niedlichsten Waffen des Marutse-Mabunda-Reiches gehören. Während
die Bamangwato-Dolche nicht zu verachtende, jene der Matabele
gefürchtete Waffen genannt werden müssen, zeichnen sich die im
Marutse-Reiche durch ihre zierliche und lobenswerthe Arbeit aus. Das
Auffallendste an ihnen sind die durchbrochenen, mehr oder weniger in der
Form einer flachen Saturnuslampe gearbeiteten Scheiden. Dieselben wie
die Griffe sind aus hartem Holz gearbeitet, mit Schnitzereien besäet und
durch Einbrennen so gut geschwärzt, daß man bei dem ersten Anblick
Ebenholz als Material vermuthen würde. Die Klinge ist aus minder gutem
Eisen, sowie minder gut als die Assagaie, Schlachtbeile etc. gearbeitet,
dafür ist jedoch große Mühe auf eingeschlagene Zierrathen verwendet,
welche zumeist die breiten Flächen, der dünnen Klinge bedecken. Diese
Zierrathen bestehen in Arabesken, symmetrischen Figuren, Menschen- und
Thiergestalten.
Die Wurfstöcke sind 1 bis 1½ Meter lang, finger- und doppelfingerstark
und in der Regel an einem Ende etwas verdickt.
Die Schlachtbeile zeigen, den Stämmen des Reiches entsprechend, eine
sehr mannigfache Form. Sie übertreffen jene der südlich vom Zambesi
wohnenden Stämme meist durch ihre gefällige Form, ihre Leichtigkeit,
sowie durch die gute Eisen- als auch die gewählte Holzarbeit am Stiele.
Während ich bei den Betschuana's, Kaffern, Makalaka's und den Matabele
die dünnen Tomahawk-Klingen nie fest im Stiele sitzen sah, können diese
nicht fester in den Stiel eingefügt werden. Dieser ist aus hartem Holz
verfertigt, mit eingebrannten Zeichnungen versehen, einfach, doch
entsprechend geformt, das Ganze leicht, geschmeidig wie eine Spielerei
in der Hand eines Erwachsenen, und doch eine tüchtige Waffe im
Handgemenge.
Die gewählteren Formen der Messer, die zumeist zum Holzschneiden und
sonstigem Gebrauch, in seltenen Fällen zur Vertheidigung benützt werden,
übertreffen die gewöhnlichen Küchenmesser an Länge und feiner Arbeit.
Die sanft sichelförmig gekrümmte Klinge hat einen auffallend starken
Rücken und zeigt oft eingeschlagene Zierrathen mannigfacher Art. Sie
sitzt tief im plattgedrückten, oft recht anmuthig geschnitzten,
bisweilen durchbrochenen und dunkelbraun polirten Stiele.
Die Kiri's sind kurze rundliche, an einem Ende dick-kugelförmig
angeschwollene Stöcke. Im Marutse-Reiche werden sie aus verschiedenen
harten Holzarten und aus der Waffe des Nashorn's gearbeitet; die aus dem
ersteren Material sind mannigfacher, die kugelförmige Anschwellung des
oberen Endes hühnerei- bis faustgroß, oft ausgeschnitzt, der Stock
vierzig bis siebzig Centimeter lang, mit einem Stärke-Durchmesser von
zwei bis vier Centimeter, oft polirt, das untere Ende gespitzt,
abgerundet oder scharf abgestutzt, seltener mit einem Eisenreifchen
versehen.
Zu den Schutzwaffen gehören vor Allem die Schilde, in deren Verfertigung
die Stämme des Marutse-Reiches keine so hervorragende Stellung einnehmen
als die südlich vom Zambesi wohnenden Eingebornenvölker. Ihre Schilde
gleichen denen der Betschuana, sind größer als jene der Zulu-Race und
der Masarwa und meist aus schwarzweiß-gescheckter Rindshaut verfertigt.
Ich schließe die Besprechung der Schutzwaffen und der Waffen im
Allgemeinen mit den zur Abwehr üblichen Langstöcken; diese sind 1¾ bis
2½ Meter lang, 1 bis 1½ Centimeter stark (im Durchmesser) und meistens
an beiden Enden mit spiralgewundenen Eisenreifchen versehen.
Zur Zeit meines Aufenthaltes im Marutse-Reiche bezifferte sich die
Zahl der von Westen und Süden eingeführten Gewehre auf 500
Feuerstein-Musketen, 1500 gewöhnliche Percussions-Musketen,
80 Percussions-Gewehre auf Elephanten, 150 Rifles, 30
Percussions-Doppelgewehre aller Art, 10 Hinterlader und 3 Revolver. Nach
meiner Abreise wurden sehr viele und zwar die besseren Gewehre von den
Aufständischen in den Zambesi geworfen und da seitdem nur eine
unbedeutende Anzahl neu erstanden wurde, so mag sich die gegenwärtige
Zahl der Schußwaffen auf eilf- bis zwölfhundert belaufen.
[Illustration: Kalebassen für Honigbier und Korn bei den Marutse und
Mabunda.]
Die Bekleidungs-Industrie steht bei den Völkern des Marutse-Reiches
nicht auf jener Stufe, welche andere Industriezweige einnehmen. Wohl ist
der Schnitt an den Carossen und übrigen Kleidungsstücken ein gewählterer
und zweckentsprechenderer, allein die Fertigkeit, gleichfarbige Felle,
so anzureihen, daß die Farben selbst in sanfteren Nuancen ohne das Auge
zu beleidigen zu einander passen, ja oft so geschickt zusammenzustellen,
daß man sie beim Ansehen der behaarten Fläche gar nicht als Felle
verschiedenartiger Thiere beurtheilen würde; ferner die Kunst,
beschädigte Stellen an den Fellen (Schußlöcher, Bißwunden) mit genau
entsprechend gefärbten und lang behaarten Einsätzen so auszubessern, daß
dies in der Regel nur beim Ansehen der haarlosen Fläche erkannt wird,
ist ihnen _nicht_ eigen.
[Illustration: Tabaks- und Dachapfeifen der Marutse und Mabunda.]
Während der Betschuana zu Bekleidungsstücken oder um einen guten
Verkaufsartikel zu gewinnen, nur gleichartige Thiere ihrer Felle
beraubt, ja, wo er z. B. viele Felle einer Art sammelt, dieselben in
lichtere und dunklere, in dicht- und spärlich behaarte, oft sogar noch
in große und kleine sortirt, und nur die in der Farbe, Behaarung und
Größe einheitlichen Felle zu einer Carosse verarbeitet, finden wir im
Marutse-Reiche zumeist die Felle verschiedener Thiere unsymmetrisch
in einer Carosse zusammengeworfen, von Farben-Nuancen und
Größen-Verhältnissen gar nicht zu reden. Auch vermißte ich an ihren
Carossen die aus den Fellabfällen (wie Füße, Schwänze etc.) bei den
Betschuana verfertigten Fransen und Umsäumungen werthvoller Stücke. In
der Näharbeit, die mit der Ahle und gefaserter Thiersehne ausgeführt
wird, stehen sich die Stämme nördlich und südlich des Zambesi gleich.
Bezüglich der Bearbeitung der Felle habe ich Folgendes beobachtet: die
glattgar zu bearbeitenden, zu Schürzen, Sandalen, Riemen, Säcken etc.
verwendeten Felle werden befeuchtet und einige Zeit hindurch eingerollt
gehalten, dann die Haare mit der Hand oder mit einem stumpfen Messer
abgekratzt und das Fell mit dieser Fläche nach abwärts gekehrt, auf
einer glattgescheuerten Stelle ausgespannt und mit Holznägeln längs des
Randes an den Boden befestigt. Mit Hilfe eines keilförmigen, vertical in
einen daumendicken Stab eingelassenen Eisens oder eines Schabbeilchens
»Pala« genannt, an schwächeren, an dicken Fellen mit Hilfe von zehn bis
zwanzig in ein Bündel zusammengebundenen, zehn bis fünfzehn Zentimeter
langen vierkantigen und scharfspitzigen Nägeln wird die Innenseite des
Felles von allen noch etwa ihr anhaftenden Fleischresten, Sehnenfasern
etc. freigeschabt, das Fell beiderseits mit fettigen oder öligen
Substanzen gut eingerieben und der Proceß damit geschlossen, daß zwei
bis sechs Männer in hockender Stellung im Tacte und unter Gesang, das
Fell mit ihren Händen pressen, Stelle an Stelle an einander reiben, bis
sich das Fell trocken und geschmeidig anfühlt.
Die schon früher erwähnten baumwollenen Tücher und Decken sind eine der
besten industriellen Arbeiten des Marutse-Reiches. Das Gewebe ist ein
gutes, d. h. ein festes und durchaus nicht grobes zu nennen, ja es zeigt
sogar etwas Kunstfleiß, da wir oft dunklere Streifen symmetrisch in das
hellere Gewebe eingewoben finden.
Das Ackergeräthe ist zwar sehr einfach, da wir es eigentlich nur in
einer Grabhacke vertreten finden; allein dieser einzige Gegenstand
übertrifft an Brauchbarkeit beinahe alle südlich vom Zambesi
angewendeten Geräthe. Das Eisen am gewöhnlichen Holzbeil ist
ungewöhnlich stark, ähnelt in Form einigermaßen dem Schlachtbeile und
ist zuweilen mit erhabenen, ausgefeilten Zierrathen im Längendurchmesser
versehen. Der Stiel ist 50 Centimeter lang, stark und gerade. Zum
Aushöhlen der Canoë's und Töpfe, zur Bereitung von brettförmigen
Holzstücken bedient man sich der Beile, die in Form mit der »Pala«
übereinstimmen, in der Größe je nach dem Gebrauchszwecke variiren.
Auffallend gut fand ich Eisen an den Hämmern, welche an Brauchbarkeit
jene der Betschuana weit übertreffen. Meißelartige Geräthe für weiches
Material wie für Metall, sind klein oder größer, von viereckiger oder
rundlicher Nagelform.
Bohrinstrumente werden mit Hilfe von mit Fidelbögen getriebenen
Drehwalzen, in welche sie eingesetzt werden, gehandhabt. Hieher gehören
auch uns nachgeahmte spiralförmig gearbeitete Kugelzieher, Schrauben
etc., die wieder mit eigens gestalteten Feilen erzeugt werden. Zangen
sind zwar sehr primitiver Natur, doch entsprechen sie ihrem Zwecke
vollkommen. Nägel erzeugt man in der mannigfachsten Form und bedient
sich dabei wie bei den Schmied- und Schlosserarbeiten überhaupt eines
einfachen Ambosses.
An Rudern fand ich drei Arten vor: lange, kurze und Jagdruder; die
letzteren sind ausschließliches Eigenthum des Königs und bilden mit dem
größten Theile der beiden anderen Arten Tribut-Artikel. Die langen sind
drei, die kurzen zwei Meter lang und stets aus hartem, astlosem Holze
gearbeitet. Sie sind an ihrem breiteren Ende schmäler als die kurzen und
hier gerade abgeschnitten, die kurzen schiffchenförmig in eine Spitze
zulaufend, beide mit eingebrannten Zeichnungen und Schnitzereien, doch
nicht so häufig wie bei den Jagdrudern versehen. Diese letzteren sind an
ihrem unteren Ende gabelförmig gespalten, über der Spaltspitze geht quer
eine Drahtklammer durch den Ruderstock, um das Bersten zu verhindern.
Die Jagdruder sind in der Regel drei Meter lang und werden bei den
während der Zambesi-Ueberschwemmungen unternommenen Letschwe- und
Puku-Jagden gebraucht.
Die Tabakspfeifen sind in doppelter Form gearbeitet, die einfachere ist
in der westlichen Hälfte des Reiches, die zweite im Süden vorherrschend.
Die erstere ähnelt im Allgemeinen den türkischen Pfeifen und besteht aus
einem einfachen bis einen Meter langen, daumendicken, geraden, zuweilen
mit eingebrannten Zeichnungen versehenen Rohrstück und einem aus
gebranntem Thon gearbeiteten, meist schwärzlichen oder grauen, mit
eingebrannten Linien, Kreisen, Arabesken bedeckten, verhältnismäßig
kleinen Pfeifenkopfe. Die zweite Form der Tabakspfeifen ist im Stiele
abweichend, der aus einer länglichen, oft eingeschnürten Calebasse
verfertigt ist; das obere, dünne Kalebaß-Ende dient als Mundstück. Auf
kurzen Ausgängen vergißt der Eingeborne nie seine Tabakspfeife,
namentlich dann nicht, wenn er in Gesellschaft des Weißen reist. Der
Tabak wird in kleinen Tuch-, Calico-, meist jedoch Lederlappen an der
Carosse oder am Gurte befestigt.
Als unzertrennlicher Genosse auf längeren Reisen gilt jedoch die
Dachapfeife, die in ihrem Wasserbehälter eine große Mannigfaltigkeit
zeigt. Dacha -- sind die getrockneten Blätter einer Hanf-Art, die in
ganz Süd-Afrika von den Eingebornen um ihre Behausung gepflanzt, als ein
leicht berauschendes Mittel durch eine Wasserpfeife geraucht wird. Die
Dachapfeifen bestehen aus drei Theilen, dem Kopfe, einem Rohrstab und
dem das Wasser enthaltenden Horn, durch das der Rauch gezogen wird,
wobei der Raucher mit dem Munde die breite Oeffnung umfaßt und so den
Rauch anzieht. Dies erzeugt einen Hustenreiz und je heftiger derselbe,
desto höher hält der Eingeborne den Genuß.
Obgleich wir Schnupftabakdosen bei allen südafrikanischen Eingebornen
sowohl als eigene Fabrikate als auch in von den Weißen erhandelten
Stücken zahlreich vertreten finden, so habe ich doch in keinem
Eingebornen-Reiche eine solche Auswahl eigener Arbeit in diesem Artikel
gefunden wie bei den Marutse. Man verwendet zu Tabakdosen Elfenbein- und
Nilpferdhauer, Säugethier- und Vogelknochen (Röhrenknochen); Geweihhorn,
Nashorn; Thierklauen; die Haut von Schlangen, Leguanen; Leder
(Säckchen), Holz in mannigfacher Form; Rohr; Fruchtschalen von
Kürbissen; Fruchtschalen kleiner, rundlicher oder länglicher Busch- und
Baumfrüchte; Rinde und endlich von den Weißen eingeführte Metalldosen.
Die Dosen aus Elfenbein sind im Allgemeinen mit kleinen, ringförmigen
eingebrannten Zeichnungen versehen und werden an Glasperlen-, Bast- oder
Riemenschnüren befestigt, am Gurte oder an den Armringen getragen. Ich
fand sie nur bei den Wohlhabenderen im Gebrauche. An Gestalt ihnen
nächstverwandt sind die aus dem Horn des Rhinoceros verfertigten
Schnupfdosen; beide Arten Dosen haben nur eine kleine Halsöffnung,
während die Betschuana's noch eine zweite Oeffnung an der Basis
anbringen.
Die aus Rohr und Vogelknochen gearbeiteten gehören zu den einfachsten
und werden meist von Knaben und Mädchen gebraucht. Die aus den Hörnern
von Hausthieren und Wild geschnitzten sind von einfacher Form, oft
jedoch durch Schnitzereien verziert, am häufigsten bei den Makalaka's
anzutreffen. Die gewöhnlichste Form haben jene aus Fruchtschalen,
während andere zu drei bis fünf an einem Riemchen hängend, meist von
Frauen an ihren Carossen befestigt werden; außerdem trachten die
schwarzen Schönen diese kleinsten der Tabakdosen dunkel zu poliren,
wodurch sie recht nett und glänzend schwarz, dunkelviolett oder
bräunlichviolett erscheinen. Die meisten Schnitzereien und eingebrannten
Zeichnungen verwendet man an den hölzernen, doch scheinen diese mehr den
ärmeren Stämmen, wie den Mamboë's, Manansa etc. eigen zu sein, die sich
auch in vielen Fällen einfacher Tuch- und Lederläppchen bedienen. Ist
eine Dachapfeife für einen reisenden Bewohner des Marutse-Reiches
unentbehrlich, nimmt er bei kleineren Ausgängen einen Kiri, Stock etc.
mit, so muß seine Tabakdose sein treuester Gefährte bei Tag und Nacht,
beim Ruhen und Arbeiten, bei seinen kurzen Besuchen und langen Reisen
genannt werden.
Als Schmucksachen gelten Gegenstände, die nebenbei einem anderen Zwecke
dienen, wie Amulete, Kapseln, Schnupftabakdosen, Dosen für Heil- und
Beschwörungsmittel und am Körper getragen werden. Das Material zu
denselben liefern Metalle, massive und Röhrenknochen, Elfenbein, Zähne
verschiedener Thierarten, ebenso Hautstücke und hornige Bestandtheile,
Hörner, Krallen, Klauen und Schuppen größerer Amphibien,
Schildkrötenplatten, Schuppen vom Schuppenthiere etc., Federn,
Muschelschalen, Talg, Holz, Gras, Bast, Rohr, Früchte, Fruchtschalen und
Samen.
Unter den aus Metall erzeugten Toilette-Gegenständen fand ich Ringe
(Fingerringe), Armbänder, Fuß- und Wadenringe, sowie unbedeutende kleine
Ohrringe aus Eisen, Kupfer und Messing; Gold vermißte ich vollständig.
Die Eisen- und Kupfersachen waren theils aus eigenen Schmelzhütten
hervorgegangen, theils waren sie aus von den Weißen erkauftem Eisen- und
Kupferdraht, die messingenen nur aus dem von den Weißen erstandenen
Messingdraht gearbeitet. Die eingeführten Toilette-Artikel werden sehr
selten in ihrer ursprünglichen Form benützt, sondern ihr Material
zumeist umgeschmolzen und dem Landesgebrauch entsprechend umgearbeitet.
Unter den aus eingeführtem Metalle erzeugten Objecten stehen die
fingerdicken und von den Frauen der Wohlhabenderen, z. B. von den
Königinnen, zu zwei bis acht auf einem Fuße getragenen Fußringe im
größten Ansehen. Ringe aller Art (Fuß-, Armringe etc.) aus heimischem
Eisen und erhandeltem Eisendraht werden meist von den niederen Ständen
getragen; ihre Menge ist jedoch geringer als jene der aus Messing
verfertigten, am seltensten sind Armringe aus Kupfer. Gewöhnlich trägt
man einen bis zwei, die Frauen der Koschi und Kosana zwei bis drei,
selten vier je an einem Fuße. Da der Herrscher den besten und stärksten
Draht selbst kauft, den Unterthanen nur die weniger gute Sorte zu
erstehen möglich ist, so finden sich auch die meisten und ansehnlichsten
metallenen Schmuckringe in der Residenz und in der Barotse, sowie im
Makalaka- und Matonga-Lande (Tributzahler) und nehmen nach dem Norden
und Nordosten des Reiches rasch ab, wo sie einigermaßen durch aus
selbstgewonnenem Eisendraht verfertigte Objecte vertreten werden. Die
einfachen, aus dünnem Messing-, Kupfer- oder Eisendraht gearbeiteten
unansehnlichen Ohrringe weichen nur unbedeutend von denen der
Betschuana's ab.
Mannigfach sind die aus Bein, namentlich aus Elfenbein verfertigten
Artikel; die wichtigsten sind jedoch die fingerdicken Arm- und Fußringe.
Die Elfenbeinringe werden gedrechselt, passen genau den Stellen an, an
denen sie getragen werden, sind stets fein, ich möchte sagen fehlerfrei
gearbeitet, und wenn sie auch der Schnitzereien und eingebrannt
Zierrathen entbehren, eine elegante Arbeit. Es kostete mich auch nicht
geringe Mühe, einiger dieser Objecte habhaft zu werden. Außer den
Bracelets verfertigt man aus Elfenbein allerlei kleine, längliche
Kapseln, cylindrische Stäbchen, Plättchen mit eingebrannten Ringelchen
und Linien, die man durchbohrt und mittelst feiner Bastschnüre in das
Haar befestigt. Ziemlich häufig finden wir Haarnadeln vertreten, die
gleich den vorigen Gegenständen auch aus den Röhrenknochen der Thiere
und häufig aus Nilpferd-Elfenbein verfertigt, in ihrer oberen, stärkeren
Hälfte mit eingebrannten Zeichnungen und Schnitzereien verziert werden.
Mannigfach sind die kleinen Schmuckgegenstände, die aus Holzstäbchen und
Plättchen, Fasern und kleinen Gazellenhörnern oder aus den Spitzen der
Hörner größerer Thiere gearbeitet werden. Meist werden sie mittelst
Baststrängen an das wollige Haar befestigt oder an Schnürchen gefädelt
und als Bracelets getragen. Man sieht Miniaturstäbchen, cylindrische
oder kleine Kegelchen, Zöpfchen etc. Als unerreichtes Product der
Holzschnitzerei unter den südafrikanischen Stämmen, können die dünnen,
anmuthig geschnitzten, langzähnigen Haarkämme der Marutse gelten.
Sklaven verfertigen sich Arm- und Fußringe, sowie Bracelets und sogar
Halsringe aus ungegerbten Gnu-, Zebra- und Büffelfellen, die Masarwa
erzeugen die Stirnbänder aus Zebra-Mähnen. In allen Fällen wird die
Haarseite nach Außen getragen. Vielerlei Zierrath wird auch aus den
feinen wie gröberen Haaren und aus den Borsten der Säugethiere
verfertigt. Aus den feineren Haaren, sowie den steifen Widerrist-Haaren
arbeitet man Büschelchen, Fransen, Quasten, kreisrunde Scheiben,
einfache oder zwei bis drei aufeinander ruhend, von einem Durchmesser
von drei bis fünfzehn Zentimeter, ferner Ballen und Wülste, an welche
man Riemen befestigt, um sie beim Tanzen um das Kinn zu binden. Die
meisten dieser Schmuckgegenstände werden mit Riemchen und Strängen
versehen und zur Ausschmückung des Kopfhaares benützt. An diese Formen
schließe ich den Kopfputz aus Vogelfedern an. Viele schmücken ihr Haupt
mit zwei bis drei schönen Einzelnfedern. Diese Federbüsche werden bei
der Ankunft in des Herrschers Residenz, ferner bei Tänzen, Jagdausflügen
und während eines Raubzuges oder Krieges aufgesetzt. Bei den Matabele
bilden sie einen wesentlichen Theil des Nationalschmuckes und ich erwarb
einen, der größere Dimensionen aufwies, als der Kopf des Trägers.
Aus Gras, feinen Holzfasern, Bast und Stroh, werden nette Armbänder etc.
geflochten, bei weitem kunstvoller von den Stämmen des Marutse-Reiches,
als sie sich z. B. bei den Menons und Makalaka's südlich vom Zambesi
vorfinden, wo diese Industrie doch ziemlich im Schwunge ist. Der
Masupia- und Marutse-Knabe ist schon in der Wahl des Grases vorsichtig;
es muß nur bestimmten Grasarten angehören, zu bestimmter Zeit gesammelt
und entsprechend zubereitet werden, um in dem einen Falle eine stechend
gelbe, im andern eine carminrothe Farbe zu zeigen, dann wird auch die
Flechtarbeit sorgsam ausgeführt -- all' dies kümmert die Makalaka-Knaben
wenig, wenn sie auch so manche Stunde der Grasflechterei für Schmuck-
und Haushaltungszwecke widmen.
[Illustration: Dachapfeifen der Mabunda, Marutse und Masupia.]
Die Säugethier- und Vögelklauen werden aufgefädelt als Bracelets
getragen oder je zwei an einer Schnur aufgefädelt, an der
Hinterhauptwolle befestigt. Von kleinen Wasserschildkröten bedient man
sich der Gesammtschalen, um von diesen eine in der Scheitelhöhe oder
drei in Reihenfolge auf der Längsmittellinie des Kopfes zu befestigen.
Kleine Muscheln, wie sie die Portugiesen von der Westküste bringen,
kleine runde Tarsus- und Carpusknöchelchen, dunkel bis glänzend schwarz
polirt, Samen und kleine hartschalige Früchte werden an Roßhaar- und
Gras-Schnürchen gefädelt, und als Bracelets, als Fußringe und als
Haarschmuck getragen.
[Illustration: Scene am Zambesiufer in Schescheke.]
Die von den Händlern eingeführten Toilette-Artikel (insbesondere
Glasperlen) cursiren als Geldmünzen, dabei herrscht bei diesem oder
jenem Stamme der Geschmack für bestimmte Farben vor; manche, wie z. B.
die hell- und dunkelvioletten, gelben und blaßrothen, werden gar nicht
beachtet. Die gesuchtesten sind die himmel- und dunkelblauen, dann
folgen zinnober- und rostrothe, weiße, schwarze, grüne, sämmtlich klein
mit einem Längendurchmesser von etwa 1½ Millimeter. Unter den
mittelgroßen (Längendurchmesser etwa drei bis vier Millimeter) strebt
man meistens nach den hellblauen, rostrothen, und unter den großen
(sechs Millimeter bis einen Centimeter im Längendurchmesser) nach den
mehrfach gefärbten (mehrere Farben in einer Perle), weißgefleckt auf
schwarzem, dunkelviolettem Grunde, hauptsächlich aber nach
schwefelgelben und grünen. Die Form der Glasperlen ist den Stämmen
gleichgiltig.
Wäre man noch so krank nach einer Reise im Marutse-Reiche, und hätte man
noch so viele Träger nothwendig, man wird mit einem genügenden Vorrathe
schöner blauer Glasperlen nie an Mangel leiden; weder Herrscher, Koschi
und Unterthan, weder Frau und Kind, noch Freier und Sklave könnten
dieser Verlockung widerstehen.
Die Ueberlegenheit der Völker des Marutse-Reiches über jene südlich des
Zambesi in der Verwendung dieser Schmuckgegenstände besteht darin, daß
die Glasperlen in richtiger Menge und geschmackvoll in Ringen, Strängen
etc. über den Körper vertheilt werden; in richtiger Menge, d. h. über
Glieder und Rumpf so vertheilt, daß sie den Körper nicht belasten, nicht
überladen, was wir z. B. in Bezug auf die unteren Extremitäten bei den
Bakwena's, Bamangwato's etc. und bezüglich der Arme, des Halses und
Rumpfes bei den Menon's, Makalaka's südlich vom Zambesi beobachten
können.
Als Anhang zu den Toilette-Artikeln will ich noch einige Worte über die
Behandlung des Kopfhaares folgen lassen. Daß die meisten Stämme auch auf
die Pflege des Kopfhaares viel Sorgfalt verwenden, konnte ich wiederholt
beobachten, ja ich fand sogar sehr viele, die sich regelmäßig kämmten,
während andere, wie z. B. der Stamm der Mankoë, von Natur aus ein
längliches Wollhaar besitzend, dieses wie aufgepudert tragen, was diesem
stattlichen Menschenschlage zur Zierde gereicht. Manche der Marutse
flechten ihr kurzes Wollhaar in Zöpfchen, je zwei bis vier Stränge zu
einem Zopfe vereinigend. Ich vermißte bei den Stämmen des Reiches,
sowohl das bei den Betschuana übliche Betünchen der Haare mit
Eisenstein, als auch die Ring- und Kronenfrisur der Zulu's.
Spielsachen bestehen meist in Thongebilden, in deren Erzeugung sich die
aufwachsende Jugend recht geschickt zeigt. Die zumeist gearbeiteten
Figuren stellen Kischi-Tänzer in ihren Verzerrungen, Männer als Jäger
und Reiter, gehörnte Thiere, ferner Elephanten, Nashorn und Nilpferde
dar. Meist wird dazu dunkler Thon gewählt, und die menschlichen Figuren
fünf bis zwölf Centimeter hoch, die thierischen fünf bis zehn Centimeter
hoch und fünf bis zwölf Centimeter lang, gemodelt. Andere Spielsachen
werden aus Holz ebenfalls in Figurenform geschnitzt, dies meist von den
Mabunda's, oder mit Figuren versehene Holzlöffel und Stücke den Kindern
zum Spielen gegeben.
Matten finden sich in großer Mannigfaltigkeit vor, einfach, aber nett
und mühevoll gearbeitet, oft mit dunkleren einfachen Bändern oder auch
mit Figuren von gleichem Material durchflochten, zuweilen sind diese
eingeflochtenen Zeichnungen von schwarzer, rother etc., von der
gelblichen Matte gefällig abstechender Farbe. Sie sind verschieden
geformt und werden zu verschiedenen Zwecken gebraucht, je nachdem sie
aus Binsen, Gras, Stroh oder Rohr verfertigt sind.
Von den hölzernen Kopfkissen sieht man sowohl primitive als gut
gearbeitete Exemplare; vorwiegend traf ich gefällige aus hartem Holz
gearbeitete Stücke. Die hölzernen Stühlchen sind in der Regel kurz,
zwanzig bis dreißig Centimeter hoch, zehn bis fünfzehn Centimeter im
Breitedurchmesser, stellen durchbrochen geschnitzte, seltener solide,
dann aber primitiv gearbeitete Holzcylinder dar, deren obere Fläche
seicht ausgehöhlt ist. Die durchbrochene Schnitzerei des Stockes ist
säulchenförmig, die Säulchen parallel zur Höhe laufend. Ein solcher wird
hohen Personen bei allen Ausgängen stets von einem Diener nachgetragen.
Als vierten in diese Kategorie gehörenden Gegenstand muß ich noch die
Fliegenwedel nennen. Sie bestehen aus zwei Theilen, dem Stiele und dem
Wedel; der Stiel wird aus Holz, Rohr, Nilpferd-, Nashorn- und
Büffelleder, in selteneren Fällen aus Gazellenhorn und dem Horn des
Rhinoceros, der Wedel aus langen Widerristhaaren der Thiere, aus Mähnen
und Roßhaar, aus den buschigen Schwänzen der hundeähnlichen Raubthiere
und aus Federn gearbeitet. Am häufigsten sind jene aus Ochsen-, Gnu- und
Schakalschwänzen. Der Wedel ist entweder in den Stiel eingelassen oder
über denselben mittelst Bastfäden, Grasschnüren, Roßhaar, Thiersehnen
etc. daran befestigt, der Stiel in der Mehrzahl der Fälle geschnitzt,
mit eingebrannten Zeichnungen versehen, oder mit breiten Messing- und
Kupferringen, mit aus Messing- und Kupferdraht und aus steiferem Roßhaar
geflochtenen Ringen, oder aber mit Binden aus Schlangen- und Leguanhaut
umspannt.
XIII.
Aufenthalt im Leschumo-Thale.
Abfahrt von Schescheke. -- Renitente Bootsleute. -- Ein treffliches
Schreckmittel. -- Die Fauna im Leschumo-Thale. -- Diamond's
Jagdausflüge. -- Der Häuptling Moja. -- Eine interessante
Naturerscheinung. -- Sepopo's Häscher. -- Kapella's Flucht aus
Schescheke. -- Schwere Gewitter. -- Gährung im Marutse-Reiche. --
Sepopo's Niedergang. -- Aufbruch nach Panda ma Tenka.
[Illustration: Lager im Leschumo-Thale.]
Wie ich bereits am Schlusse des eilften Kapitels erwähnt, mußte ich,
wenn auch mit innerstem Widerstreben, Schescheke verlassen, da ein
längerer Aufenthalt daselbst mein Leben ernstlich gefährdet hätte. Nach
einer Fahrt von einigen Stunden hielten die Bootsleute, die wohl wußten,
daß ich Sepopo auf immer verlassen habe und sich deshalb um mich wenig
kümmerten, an einigen Masupiahütten an. Ich ließ mich aus dem Boote
heben und zu der nächsten Hütte führen. Sie war nur provisorisch von
Masupia-Fischern errichtet worden, um die nöthige Abgabe an Fischen in
den marschigen Lagunen ringsum zu erwerben. Ich erstand fünf Fische, gab
jedem Diener einen und ließ einen für mich rösten.
Schon Nachmittags bemerkte ich, daß sich die Bootsleute unter keiner
Bedingung kräftiger in ihre Ruder zu legen bemühten, und als wollte mich
das Schicksal zu all' den Mühen des Tages verspotten, hatten die
Bootsleute eine Stelle für unser Nachtlager gewählt, welche nicht
unwirthlicher und ungesünder sein konnte. Es war dies an einer kleinen
hochbeschilften Insel unmittelbar vor einem Sumpfe, auf welcher sich
zwei elende, periodisch von den Masupia-Fischern bewohnte Hütten
befanden. Da mein Boot das letzte war, hatten die ersteren von den
Hütten Besitz genommen, und es blieb meinen Dienern nichts übrig, als
für mich eine Hütte zu erbauen. In 2½ Stunden war diese fertig, als sie
hierauf mit Hilfe der Bootsleute mein Gepäck aus den Booten heraus und
in die Grashütte geschafft hatten, zeigte es sich, daß diese zu klein,
namentlich zu niedrig errichtet worden war und daß man mich eben mit
Mühe hinein zerren und auf die Kisten zu legen vermochte. Mein Gesicht
berührte das Gras des Hüttendaches, welches noch vom vorigen Jahre vom
Hochwasser auf die Insel angeschwemmt, hier ringsum gesammelt worden
war; es war feucht und ein widerlicher Geruch entströmte demselben, der
sich mit der Ausdünstung des Sumpfes vermengte. An Schlaf war unter
diesen Verhältnissen nicht zu denken. Mein Bootunglück, die mißlungene
Weiterreise und zahllose andere folternde Gedanken ließen mich eine
höchst unerquickliche Nacht verleben. Die Nilpferde, wie auch die
Riesenreiher ließen sich mehrmals hören, die einzigen Laute, welche die
Stille der Nacht unterbrachen. Vor Mitternacht tauchten mehrere kleine
Wolken auf, die sich sehr schnell vermehrten und bald darauf den Himmel
so verdunkelten, daß ich auch nicht ein einziges Sternlein mehr
erblicken konnte. Mein durch die Krankheit ohnehin angegriffenes Gemüth
empfand die zunehmende Schwüle in der Atmosphäre um so schwerer.
Nach Sonnenaufgang verließen wir die Stelle, um unsere Fahrt flußabwärts
wieder aufzunehmen. Die Art und Weise, in der die Bootsleute die Kähne
luden, und sich während der Fahrt benahmen, mahnten mich, auf Aergeres
gefaßt zu sein. Je mehr ich auf rasche Fahrt drang, desto langsamer ging
diese von statten, ja als sich ein leichter Wind erhob, landeten die
Männer auf einer Sandbank und wollten sich nicht von der Stelle rühren;
die Androhung der von Sepopo zu erwartenden Strafe hatte keinen Erfolg.
Ich versprach Glasperlen, ich drohte, meine Diener schimpften, doch
alles vergeblich. Die Leute fingen an zu lachen, die einen legten sich
auf den Sand, um zu schlafen, die anderen, um sich an meiner Schwäche
und Hilflosigkeit zu ergötzen. Als ich sah, daß alle meine Versuche
erfolglos blieben, nahm ich meine Zuflucht zu einem Schreckmittel, um
mir bei diesen Menschen Respect zu verschaffen. Ich saß am Bug des einen
Kahnes, als es mir einfiel, den an die Musketen gewöhnten Marutse meinen
Hinterlader zu zeigen. Ich ließ mehrmals das Gewehr in der Sonne
blinzeln, wählte mir einen einzeln aus dem Wasser hervorragenden
Rohrhalm, der sich auf einem freien Raume zwischen zwei Gruppen der
widerspänstigen Bootsleute erhob und feuerte drei Schüsse auf denselben
ab. Der erste Schuß traf, die wirklichen und die sich verstellenden
Schläfer sprangen auf die Beine, rasch darauf fiel der zweite Schuß und
schlug nahe seinem Ziele ein, worauf die Leute in ihre Boote sprangen,
und als zufällig die dritte Kugel den übrig gebliebenen Stumpf rasirte,
hatten die ersten Kähne schon abgestoßen und meine Bootsleute hinderten
mich am abermaligen Gebrauche des Carabiners.
»Es saust zu viel in den Ohren, Herr! Wenn Du schießen willst, dann
bringen wir Dich nach Impalera, und dort findest Du auch viel Polocholo
(Wild).« Schon drei Stunden nachher landeten wir unter dem
Makumba-Baobab. Der Himmel hatte sich aufgeklärt und von den bewaldeten
Hügeln der Impalera-Insel wehte uns eine frische Brise entgegen, die auf
mich wie ein erfrischender Labetrunk wirkte. Ich erhob meinen Carabiner,
um einige der über mir hängenden Baobabfrüchte herabzuschießen. Während
die Bootsleute die Kähne entluden, eilten meine Diener in den Wald, um
Früchte für mich zu sammeln. Zu meinem freudigen Staunen traf ich
Blockley hier an, er war eben im Begriffe, mit Gütern nach Schescheke zu
gehen.
Am 13. gelang es mir, für sechs Meter Calico einen Miniatur-Ziegenbock
und eine größere Quantität Korn sowie siebenundzwanzig lebendige Finken
(verschiedener Art) zu erstehen, welch' letztere ich leider schon am
folgenden Morgen bis auf drei einbüßte. Als ich Morgens nach den Thieren
sah, fand ich alle bis auf drei todt, sie waren von einer rostrothen
Termite, die zu Tausenden in den Käfig gedrungen war, getödtet worden.
Ich hatte diese Termitenart früher nie beobachtet; der Kopf war beinahe
von der halben Körperlänge und die Fänge so stark, daß sie sich wie eine
Zecke einbeißen konnten.
Am 14., an dem Tage, an welchem Blockley nach Schescheke gehen und ich
nach Süden reisen wollte, kamen Masupia-Schiffer von der genannten Stadt
und riethen meinen Bootsleuten sowie den Bewohnern von Impalera ab,
Blockley nach Schescheke zu bringen, da der König sein Herz gegen
Dschorosiana Umutunja verschlossen habe.
Am 15. setzte ich über den Tschobe und hatte das dreifache an Fährgeld
zu bezahlen, um das Marutse-Reich verlassen zu dürfen. Da ich um keinen
Preis im sumpfigen Tschobe-Thale übernachten wollte, sandte ich meine
Diener mit einem Theile des Gepäcks sofort nach dem Leschumo-Thale ab,
wo Blockley zwei leere Wagen stehen hatte, um mich in diesen bis zu
Westbeech's Ankunft einzulogiren. Ob meiner Schwäche jedoch konnte ich
nicht sofort folgen, und als sich endlich einige Masupia's von Impalera
einfanden, um mich und den Rest meines Gepäckes nach dem genannten Orte
zu tragen, brach ein Gewitter über das Thal herein, welches mich die
Nacht in der elenden Grashütte zuzubringen nöthigte, in welcher der
wenige Tage zuvor in Panda ma Tenka verstorbene Bauren zuerst erkrankt
war. Wir machten uns gegen Mittag des nächsten Tages wieder auf den
Leidensweg und erreichten das nur drei Stunden entfernte Leschumo-Thal
erst nach zwölf für mich qualvollen Stunden. Ich mußte von hundert zu
hundert Schritte stets einige Minuten innehalten, dabei triefte der
Körper dennoch von Schweiß. Die Anstrengungen dieses Marsches zwangen
mich am nächsten Tage zur vollsten Ruhe.
Am 17. fühlte ich mich etwas leidlicher, doch wurde meine Absicht, in
der nächsten Nähe des Wagens zu botanisiren, durch ein heftiges, den
ganzen Tag hindurch währendes Gewitter vereitelt. Ich hatte schon
während der letzten drei Tage auf Westbeech's Ankunft gehofft, sein
Nichterscheinen vermehrte meine Aufregung, da mein kleiner, auf drei
Tage berechneter Vorrath an Salz, Zucker und Thee zu Ende war. Zu meiner
freudigen Ueberraschung kehrte der Diener Elephant von einem Gange durch
den Wald mit reichlichem Honig zurück. Meine Hände und meine Stirne
waren seit der am Tschobe-Ufer zugebrachten Nacht von besonders bissigen
Mosquito's zerstochen worden und jede dieser kleinen Verwundungen hatte
sich zu einer Eiterpustel verwandelt, deren Spuren ich noch monatelang
trug. In all' diesem Ungemach freute mich die erlangte Ueberzeugung, daß
ich zuverlässige und arbeitsame Diener besaß. Ich bedauerte nur, daß ich
sie nicht dazu bewegen konnte, sich meines Hinterladers zu bedienen und
etwas Wild für mich zu schießen, sie verstanden es nicht und fürchteten
sich zugleich, von demselben Gebrauch zu machen. Mit ihren Assagaien war
es ihnen nicht möglich, das Wild in dem sandigen Walde, durch den sich
das Leschumo-Thal schlängelt, zu erlegen, denn dieses Wild bestand
meistens in flüchtigen Gazellen, Büffeln, Nashorn und Elephanten. Zwei
Nächte zuvor hatte eine größere Elephantenheerde das Thal einige
Schritte unterhalb der Wägen gekreuzt.
Am 19. ließ ich mich in der nächsten Umgebung des Wagens herumführen und
sammelte mit Hilfe meiner Diener Pflanzen und Insecten. Meine letzten
zwei Bücher, welche ich aus dem Schiffbruche meiner Habe gerettet hatte,
wurden nun als Pflanzenpressen benützt. Da sie nur Octavformat hatten,
sah ich mich genöthigt, die Pflanzen zu zerlegen, um sie später wieder
zusammen zu setzen. Ich widmete den Kindern Flora's ein eigenes
Tagebuch, in welchem ich von den meisten gesammelten Pflanzen nebst
anderen Notizen, die Namen, die sie von den Masupia-Dienern oder den
Manansa- und Matonga-Gehilfen erhielten, verzeichnete. Pflanzen und
Pflanzentheile, die ich nicht pressen oder trocknen konnte, wurden
abgezeichnet (dies gilt besonders von Schwämmen und Pilzen, an denen das
Leschumo-Thal sehr reich war) und die Skizzen während der schlaflosen
Nächte weiter ausgeführt. Die Insecten wurden in eine mir von Westbeech
geschenkte weithalsige, mit einigen Papierstreifen gefüllte
Picklesflasche gethan und diese mehrmals in das kochende Wasser in
meinem Kaffeekessel eingetaucht, wodurch die Thiere getödtet wurden.
Die häufigsten unter den im Leschumo-Thale erworbenen Insecten waren
Käfer, Heuschrecken und Wanzen, besonders fielen mir die artenreichen
Lepidoptera auf, die ich zweimal zu sammeln versuchte. Leider mißglückte
dieses Bestreben, eine Ratte, welche im Wagen zwischen den
Gepäcksstücken hinreichende Schlupfwinkel gefunden haben mußte,
zerstörte die angelegten Sammlungen, und ich fand jedesmal die
Schmetterlinge bis auf die Stecknadeln aufgezehrt. Unter den Käfern
waren die häufigsten Laufkäfer (^Cicindela^, ^Mantichora granulata^,
^Carabus^) Scarabaniden, Blattkäfer, Rüsselkäfer und Klopfkäfer
(^Psammodes^). Die letztere Gattung findet man in zahllosen Varietäten,
und fielen sie selbst den für solche Thiere unempfänglichen
holländischen Farmern auf. Sie besitzen einen dicken, walzen- und
herzförmigen Hinterleib, welchen sie heben, um mit ihm in Zwischenräumen
von drei bis zehn Secunden einen leisen Schlag gegen die Erde oder den
Zimmerboden, auf dem sie sich zufällig befinden, auszuführen. Sie
»klopfen«, wie die Holländer meinen und rufen einer den andern heran.
Viel Vergnügen machte mir im Leschumo-Thale die Beobachtung der
^Mantichorae^ und ^Anthiae thoracicae^; diese leben paarweise in selbst
aufgescharrten, bis einen Fuß tiefen oder in verlassenen Erdlöchern. Die
selbst aufgescharrten sind höchstens 2½ Centimeter hoch, dagegen vier
bis sechs Centimeter breit, und es wunderte mich oft, wie die Thiere
diese Gänge im losen Sande graben konnten. Die Thierchen waren den
ganzen Tag auf den Beinchen, sie unterscheiden sich von anderen großen
Carabiden in ihrer Bewegung namentlich dadurch, daß sie sehr oft stille
und auf ihren hohen Beinen ziemlich hoch stehen, man mochte sagen,
förmlich Rundschau halten. Den Holländern sind sie durch eine
Eigenschaft, welche sich dem Neuling, wie es auch mir einige Jahre zuvor
geschah, schmerzlich fühlbar macht, aufgefallen. Trachtet man, diesen
Käfer zu fangen, und ist man im Begriffe, denselben, mit dem Hinterleibe
nach sich gekehrt, in die Sammelflasche unterzubringen, so spritzt das
Thier eine Ladung ätzenden Saftes aus, welcher, da man beim Fange der
Insecten meist gebeugt ist, in der Regel das Gesicht und oft die Augen
trifft.
Da ich mich am 6. etwas besser fühlte und ein von der Jagd
zurückkehrender Diener Westbeechs, »Diamond«, mit einigen Manansa bei
den Wägen eingekehrt war, so unternahm ich, auf einen Diener gestützt
einen kleinen auf sechs englische Meilen sich erstreckenden Ausflug. Es
war mir namentlich darum zu thun, Vogelbälge zu erbeuten, da ich jedoch
den Thieren weder nachlaufen noch sie beschleichen konnte, erbeutete ich
nur einen gabelschwänzigen schwarzen Würger; um so reicher war die
Ausbeute an Pflanzen und Insecten. Im Ganzen hatte mir mein Aufenthalt
im Leschumo-Thale gegen dreitausend der ersteren und etwas über
fünfhundert der letzteren eingetragen. Auf dem eben genannten Ausfluge
stieß ich auf Eisenschmelzöfen, sie waren bis zu einem Meter breit, zwei
Meter lang, niedrig und aus gebrannten Miniaturbacksteinen ausgeführt,
und mochten wohl vor vierzig bis sechzig Jahren von einem der den
Marutse unterthänigen Völkern gebaut worden sein, die vor der Gründung
des Räuberstaates der Zulu-Matabele am südlichen Zambesi-Ufer wohnten.
Am 21. kamen Masupia von Impalera und brachten Korn, welches sie mir zum
Kaufe anboten. Nachmittags kehrte der Jäger Diamond von einem
Jagdausfluge heim; seine Diener trugen das Fleisch einer Büffelkuh, die
er am Morgen erlegt hatte. Auch er klagte über die Unarten der
Büffelstiere, welche namentlich im Sommer in Folge der dichtbelaubten
Gebüsche des Waldes schwierig zu jagen sind. Der Genuß des
Büffelfleisches verschlechterte meine Krankheit, da meine Verdauung
durch die lange Entbehrung jeder Fleischnahrung sehr geschwächt war. Um
so größer war die Freude der Diener über die erwünschte Abwechslung im
täglichen Menu. Diamond erzählte mir bei dieser Gelegenheit die
Jagdabenteuer Pit's (meines früheren Dieners). Derselbe hatte vor
einiger Zeit zwei Rhinocerosse erlegt und kehrte nach diesem glücklichen
Jagdereignisse zu seinen Genossen (er war mit einer Truppe von
Westbeech's Leuten ausgezogen) zurück, um Träger zu holen; als er jedoch
zehn Stunden später wieder an Ort und Stelle anlangte, fand er nichts
als Knochen vor. Zufällig im Walde streifende Madenassana hatten die
erlegten Thiere aufgefunden, und nachdem sie ein herrliches Mahl
gehalten, die besten Stücke mitgenommen, während der Rest von Hyänen und
Schakalen verzehrt worden war.
Meine Hoffnung, daß das höher liegende Thal des Leschumo-Flüßchens sich
gesünder erweisen werde als das Tschobe-Thal, war eine trügerische.
Stundenlang war dasselbe am Morgen von dichtem Nebel erfüllt, die
Ausdünstung an manchen Tagen, namentlich nach heftigem Regen, höchst
unangenehm; am unwohlsten fühlte ich mich in den frühen Morgenstunden,
gegen Mittag besserte sich wohl mein Befinden, doch zitterte ich unter
dem Einflusse auch des unbedeutendsten Windhauches, so daß ich auch an
den heißesten Tagen in den Monaten Jänner, Februar und März nur mit
einem schweren Mentschikoff und einem zweiten Ueberrock angethan, meinem
Sammeleifer gerecht werden konnte.
Am 23. fand sich eine Truppe von Marutse-Männern bei mir ein, die zu
meiner Verwunderung vom Süden kamen. Es war Moja, ein Häuptling und
Bruder des Kommandanten Kapella, der von Sepopo ein Jahr zuvor zum Tode
verurtheilt wurde, mit seinen Leuten. Sepopo fand nämlich eines Morgens
eine Flüssigkeit vor seiner Thüre ausgegossen; er sah dies als Zauberei
an und die Feinde Moja's beschuldigten diesen der That. Da sich der
König zufällig um diese Zeit unwohl fühlte, war er von der Schuld Moja's
überzeugt, und so wurde auch dieser verurtheilt; allein Moja zog es vor,
sich durch Flucht dem Giftbecher und dem Feuertode zu entziehen, und
flüchtete nach Süden zum Könige der östlichen Bamangwato nach
Schoschong. Dieser nahm ihn freundlich auf und begriff auch wohl des
armen Mannes Heimweh; da er annahm, daß Sepopo ihm eher glauben würde,
sandte er Moja mit einem eigenhändigen Begleitschreiben, in welchem die
Unschuld des Marutse-Häuptlings nachgewiesen war, zurück. Ich zweifelte
daran, daß Sepopo Moja verzeihen würde, und rieth ihm ab, heimzukehren,
doch dieser konnte der Sehnsucht nicht widerstehen, seine Frauen, Kinder
und seine Heimat wiederzusehen.
Am 24. sandte ich zwei meiner Diener nach dem Zambesi, um die am
jenseitigen Ufer wohnenden Masupia's herüber rufen zu lassen und diese
zu bewegen, womöglich Manza, einen Ziegenbock und Kafirkorn nach
Leschumo-Thale zu bringen; leider verfehlten die Ausgesandten den Weg
und ich sah mich gezwungen, am folgenden Tage zwei andere Diener senden.
In den nächsten Tagen kamen Masupia's von Impalera mit Korn, wobei es
mir gelang, einige interessante ethnographische Objecte und einen
riesigen Stoßzahn eines Nilpferdes zu erwerben.
Am Abend des 24. beobachtete ich eine äußerst interessante Erscheinung
am Himmel. Die Sonne war eben im Untergange begriffen, über ihr und im
Süden je ein schmaler Streifen des blauen Firmamentes sichtbar, während
am östlichen Horizont ein Gewitter zog, aus dem zahlreiche Blitze
niederfuhren. Als eben nur noch ein Segment der Sonne sichtbar war,
erschien auf der gegenüberliegenden Stelle etwa fünfundvierzig Grad über
dem östlichen Horizont eine feurige Röthe, welche die obere Hälfte eines
Regenbogens zu decken schien, so daß nur sein nördlicher Schenkel in
Ostnordost, der südliche in Südost zu sehen war. Mit dem vollständigen
Untergang der Sonne erblaßte diese Röthe und verschwand dreißig Secunden
später, während nun der ganze Regenbogen sichtbar wurde, wobei sich das
Roth desselben intensiver zu färben begann, bis endlich ein sehr
intensives und prachtvolles Carmin die anderen Regenbogenfarben im
Zeitraume von einer Minute vollkommen deckte. Drei Minuten später
erblaßte das Roth, um aber nach wenigen Secunden wieder am östlichen
Horizont bis zu einer Höhe von etwa zehn Grad über demselben, von den
schweren Regenwolken im Hintergrunde sich deutlich abhebend, zwischen
den Regenbogenschenkeln zu erscheinen. Nach circa vier Minuten erblaßte
die Röthe und die Regenbogenschenkel und eine halbe Stunde später hatte
sich das Dunkel der Nacht über das Leschumo-Thal gelagert.
Am 25. erkrankten zwei meiner und einige der Diener Diamond's an
Kehlkopfkatarrh; eine verabreichte Dosis Brechmittel hatte sofortige
Besserung zur Folge. Die äußerst ungünstige Witterung hatte auch in
meinem Zustande wiederholte Rückfälle zur Folge, deren Heftigkeit ich
wohl bald mildern konnte, welche aber stets ein Schwächegefühl
zurückließen, das mich völlig arbeitsunfähig machte.
Wenige Tage darauf erkrankten zwei Diener Diamond's an Typhus. In diese
trüben Tage brachte die Jagd einige Abwechslung; auf einer solchen war
es dem bereits erwähnten Basuto April gelungen, einen feisten
Büffelstier zu erlegen, dessen Fleisch ins Lager geschleppt wurde. Die
folgende Nacht gab es nun ein förmliches Fest, es wurde gesungen und
getanzt und selbst die kranken Schwarzen sogen gierig an den
halbgerösteten Fleischstücken, nachdem sie selbe nicht zu schlucken
vermochten.
Am 2. Februar kehrte Diamond von einem zweitägigen Ausfluge an den
Zambesi zurück; er war in den dichten Waldpartien, die sich zum unteren
Laufe des Leschumo-Flüßchens erstrecken, auf eine Elephantentruppe
gestoßen und unter sie gerathen, was ihn so einschüchterte, daß er auch
nicht einen Schuß auf dieselben abzufeuern wagte.