dem bewaldeten tiefsandigen Hochplateau, welches etwa 30 englische
Meilen lang, einen Theil des südlichen Durstlandes bildet. Bei der
Wasserlosigkeit der zu durchziehenden Gegend, empfahl es sich so rasch
als möglich vorwärts zu kommen, weshalb wir auch bis in die finstere
Nacht unsere Fahrt fortsetzten, einige Stunden ausruhten und mit
anbrechender Morgendämmerung die Fahrt bis in die späten
Vormittagsstunden fortsetzten. Nach einer fünf- bis sechsstündigen Rast
während der heißesten Tageszeit brachen wir neuerdings auf. Diese Art
und Weise des Reisens ist in den wasserarmen, tiefsandigen, bewaldeten
Gegenden dringendst geboten. Das enge Weggeleise, der schlangenförmig
sich hin- und herwindende Weg, die wasserarme Gegend und die Anstrengung
der Zugthiere in dem tiefen Sande machen das Reisen zur heißen Tageszeit
vollkommen unmöglich. Abends hatten wir die von Mapanibäumen bewachsene
Tiefebene von Maque erreicht und fanden überall zahlreiche Spuren des
gestreiften Gnus, der Zebras, der Giraffen, und selbst im Weggeleise
äußerst zahlreiche Löwenspuren. Wir stießen auch auf einige Masarwa's,
welche uns jedoch ein einige Meilen zur Rechten vom Wege liegendes
Sumpfwasser zu zeigen verweigerten, da sie die ihnen in diesem Falle
drohende Züchtigung durch die Bamangwato's fürchteten. Die gesammte
Maque-Ebene, nach Westen von Tafelbergen begrenzt und nach Norden gegen
das Salzseen-Bassin abfallend, ist ein einziger Humusboden, der in der
nassen Jahreszeit gänzlich aufgeweicht, in der Trockenzeit durch seine
Dürre das Reisen unendlich erschwert. Unter den Händen eines
europäischen Landwirths würden die gegenwärtig noch Jagdgründe der
Bamangwato's bildenden Flächen dieser Ebene bald von Weizen- und
Baumwollpflanzungen bedeckt sein.
Mit gänzlich erschöpften Zugthieren gelangten wir endlich am folgenden
Abende zu den gesuchten Wasserlöchern, an denen bereits die Händler vor
mir angekommen waren. Am folgenden Tage holte uns ein Bote des Königs
Khama hier ein, welcher den Auftrag hatte, die Bamangwato-Gehöfte auf
dieser Strecke zu besuchen und den Insassen derselben den Befehl des
Königs bekannt zu geben, unter keiner Bedingung einem Jäger einen
längeren als dreitägigen Aufenthalt an einem Gewässer zu gestatten.
Dieser Befehl wurde durch die Handlungsweise der holländischen Jäger
veranlaßt, welche in übermüthiger Weise alles Wild, dessen sie nur
habhaft werden konnten, des Felles halber erlegten und das Fleisch den
Geiern zum Fraße überließen. Obgleich wir keine Jäger waren, kam uns
dieser Zwischenfall sehr ungelegen, da die Eingebornen uns für solche
hielten und ihr Benehmen ziemlich unangenehm wurde. Die Stelle, an der
wir eben gelagert hatten, war erst vor etwa zwei Monaten von den Boers
verlassen worden, wir fanden auch den gabelförmigen Schleifschlitten,
mit dem sie das geschossene Wild zu ihren Wägen herbeischleppten.
Nördlich der Maque-Ebene treten Boas häufiger auf, während sie in Natal
keine Seltenheit sind und auf den Höhen der südlichen Betschuanaländer
nur stellenweise und vereinzelt angetroffen werden. Mit dem Mapanibaum,
dessen Blätter sich durch ihre Oelhaltigkeit, dessen Stamm sich durch
die Porosität des Holzes und Brüchigkeit auszeichnet, treten in der
Flora auch andere, den tropischen genäherte Pflanzenarten und Formen
auf, doch ist die Winterkälte hier noch immer recht empfindlich, wenn
auch nicht in dem Maße wie am Vaal- und Oranje-River, zudem liegt die
Maque-Ebene etwa 1200 Fuß tiefer als jene Hochebene an den genannten
Flüssen. Am Morgen des 14. waren die Löcher mit einer über 1 Cm. starken
Eisdecke überspannt.
Am Nachmittage des 13., als ich eben einige hundert Schritte vom Wagen
entfernt, in einem dichten Gebüsch eine Boa verfolgte, entstand am Wagen
ein Geschrei, das mich zur Umkehr bewog. Ich fand Anderson in nicht
geringer Aufregung. Ueber den Grund derselben befragt, theilte mir der
Jäger mit, daß eben eine Heerde wilder Strauße im vollen Laufe auf die
Lachen zur Tränke herangestürmt sei, daß die Thiere jedoch durch die
Wägen erschreckt, sich in den nahen Mimosenwald geworfen hätten und nun
von den Wagenlenkern und den übrigen Dienern verfolgt würden. -- Nach
einer halben Stunde kehrten diese abgehetzt und abgemüdet zurück, ohne
einem Strauß auch nur auf Schußweite nahegekommen zu sein.
Den zum Wagen rückkehrenden Dienern folgte bald eine Schaar von
Eingebornen nach und eröffneten eine überlaute Discussion mit uns. Sie
erklärten, daß wir keine friedlichen Reisenden, sondern Jäger wie die
Boers wären, die kein Wild verschonen, denn kaum hätten wir die Strauße
gesehen, als wir ihnen auch schon nachstellten. Schließlich drängten sie
zur baldigsten Abreise und wollten von einer Fristerstreckung nichts
wissen.
[Illustration: Das Lualabett.]
An diesen Maque-Lachen hatten sich in den letzten Jahren vor meiner
Ankunft einige interessante Löwenabenteuer zugetragen, von denen ich
eines im weiteren Verlaufe meiner Reiseschilderung wiedergeben will. Wir
verließen am folgenden Morgen die Lachen und zogen in Gesellschaft
Andersons in nördlicher Richtung, in welcher eine von den Boers
»Bergfontein« benannte Quelle in 65 bis 71 Meilen Entfernung liegen
sollte. Hochbegraste und bebuschte Lichtungen wechselten auf dieser
wasserlosen Strecke mit lichten Mapaniwäldern ab, zahlreiche den Weg
kreuzende Spuren zeugten für den Wildreichthum der Gegend. Während des
Marsches wurden wir von zahlreichen Eingebornen eingeholt, welche mit
Assagaien bewaffnet (es waren Makalahari's und Masarwa's) auf die
Elandsjagd ausgezogen waren.
[Illustration: Straußenheerde am Wagen.]
Von allen Antilopen ist das Eland die wohlgenährteste, namentlich die
Stiere, deren Herz in einem bis zu 25 Pfund schweren Fettsack
eingebettet ist, der sie an schneller Flucht hindert. Die Thiere werden
so kurzathmig, daß sie von den behenden Masarwa's im vollen Lauf
eingeholt und gespeert werden. Die Nachfolgenden stoßen ihm die Assagaie
von rechts und links in die Brusthöhle, um die Lungen oder das Herz zu
verletzen. Berittene Jäger (Holländer und Engländer) jagen die Elande
(auch die Giraffen) bis an den Wagen heran, um sie erst hier
niederzuschießen und sich so den Transport des Fleisches und Felles zum
Wagen zu ersparen. Nach den Berichten der Eingebornen und Jäger glaube
ich, daß man ohne Schwierigkeiten das Eland zähmen und zum Tragen und
Ziehen kleiner Lasten verwenden könnte.
Am selben Tage stießen wir auf zwei mit Musketen bewaffnete und von fünf
Masarwa's begleitete Bamangwato's, welche zwei mit Fleisch beladene
Ochsen vor sich hertrieben; jeder der Masarwa's trug etwa 50 bis 60
Pfund Fleisch. Die Leute gingen nach Schoschong, um sich von Khama
Verhaltungsmaßregeln geben zu lassen, da ein Theil der aus dem Reiche ob
ihrer verrätherischen Handlungsweise verbannten Makalaka sich im
nördlichen Bamangwato-Lande umhertrieb, von den Masarwa's bedienen ließ
und dieselben an jeder Dienstleistung für ihre Herren (die Bamangwato's)
hinderte.
Am 17. Früh gelangte ich nach Bergfontein, einer an einem bewaldeten
Abhange liegenden, von den Eingebornen als jene des zur Regenzeit nach
Norden fließenden Nokaneflüßchens angesehene Quelle. Der Abhang, ein
zerklüftetes, dicht bebuschtes und von üppiger Vegetation bedecktes
Hügelland ist der Abfall der Maque-Ebene zu den Lachen der großen
Salzseen. Dicht bei einander stehende Fächerpalmen grüßen etwas abseits
vom Ufer des Nokane-Spruit den vom Süden kommenden Wanderer und bereiten
ihn, der noch nie die Wunder der tropischen Pflanzenwelt erschaut, auf
jene vor; die Gebüsche und Bäume der ganzen Gegend hoch überragend, sind
sie vielleicht die südlichsten Repräsentanten der Königin der Palmen im
centralen Südafrika. Da sie eben reiche Früchte trugen, schoß ich mir
einige herab, um sie meiner Sammlung einzuverleiben. Um die vier
schlanken, von den schönsten Kronen geschmückten Stämme wucherte
reichliches Palmengebüsch, welches aus den herabgefallenen Früchten
emporgekeimt war. Schon an diesen waren die Blätter riesig groß und und
begannen sich fächerförmig zu entfalten. In einem kahlen, seichten, doch
breiten, über eine allmälig abfallende Felsenwand sich hinziehenden
Spruitbette fand ich einen Strauch, der mich an die baobabartigen
erinnerte. Der untere Theil des etwa 4 bis 5 Fuß hohen Strauches war
unförmlich verdickt, bis zu 40 Zoll stark und fleischig, von einer
gelblichen Rinde bedeckt, etwa 1 bis 1½ Fuß über dem Boden verengte er
sich zu 2 bis 3 Zoll dünnen Aestchen, gleich Fortsätzen, die einer
fleischigen, oberflächlichen Wurzel entsteigen. Manche dieser Stöcke
waren mehrere Centner schwer und ich hoffe einen oder zwei das nächste
Mal fortbringen zu können.
Von den am Maque und hier ansässigen Makalahari's und Masarwa's erstand
ich einige aus Holz und Bein gefertigte Schmucksachen und Utensilien,
die ich jedoch später durch einen Unfall einbüßte. Die einzelnen Höhen
des Hügellandes sind dicht bewaldet, durch den Wald führen nur äußerst
wenige Wege und dies meist Wildpfade nach der Nokanequelle. Diese
wenigen Pfade macht sich nächtlich das Wild, aber auch die in der Nähe
wohnenden Eingebornen zu Nutzen, indem sie vergiftete Fall-Assagaien
über diesen Pfaden aufhängen. Rechts und links von dem betreffenden
Baume wird das Gestrüpp flügelartig aufgeschüttet, um die in dem Pfade
oder nahe an demselben schreitenden Kudu's zum Einhalten desselben zu
zwingen. Einen Fuß über dem Boden wird quer über den Pfad eine
Grasschnur gezogen, welche an einem Holzpflöckchen, doch nur so lose
befestigt ist, daß sie sich bei einem mäßigen Rucke von demselben
loslöst. Am gegenüberliegenden Pfadrande stehen zwei Holzstäbchen, mit
einem Querstäbchen verbunden. Die Schnur führt unter diesem hindurch und
wird so in ihrer horizontalen Lage erhalten und dann empor zu den ersten
über den Weg reichenden Queraste geführt, von dem sie mit dem
Fallassagai beschwert, über dem Pfade und senkrecht über der darüber
ausgespannten Schnur herabhängt. Die Waffe ist im Allgemeinen sehr roh
gearbeitet und besteht aus einem drei bis vier Fuß langen,
ungeglätteten, schweren und armdicken Holzstücke, in welches eine
stumpfe, kaum zwölf Zoll lange, rostige mit Gift getränkte Eisenwaffe
eingelassen ist. Die Waffe verwundet das Thier am Nacken nur leicht, das
Gift wirkt rasch, trotzdem wird das Fleisch von den Eingebornen benützt
indem sie das die Wunde umgebende Fleischstück ausschneiden. Die Pfade
werden von den Jägern zu bestimmten Zeiten, in denen das Wild in den
Wintermonaten häufiger das Wasser aufsucht, abgesucht, um so rasch wie
möglich nach dem Eindringen der vergifteten Waffe der Beute habhaft zu
werden. Andersons Genosse war bei der Verfolgung einiger Kudu's auf
einen solchen Pfad gerathen und in demselben fortgestürmt, als ihn sein
ihm unmittelbar folgender Diener noch rechtzeitig auf die drohende
Gefahr aufmerksam machte. Ich selbst fand mehrere Wege in der Nähe des
Wassers in dieser Weise abgesperrt.
Am Nachmittage zog ich in Gemeinschaft mit den beiden Elfenbeinhändlern
nach Norden bergabwärts, mehrmals den Nokane und später zwei andere
trockene Spruits kreuzend. In dem dichten Grase der Thäler beobachtete
ich ungewöhnlich entwickelte hohe Aloë-Pflanzen und zahlreiche
Tigerschnecken.
Am 18. Früh langten wir am Südostufer eines Salzsees an, der den
südlichsten (auf meiner Tour) von einer Unzahl von kleineren, und den
kleinsten von drei riesigen Salzseen bildete. Diesen nach Westen
unabsehbaren Salzsee durchschritt ich an seiner größten Ausdehnung von
Süden nach Norden an seinem Ostufer in zwei Stunden. Er stellte eine
gleichmäßig seichte, kaum zwei Fuß tiefe, weißlichgraue, von steifem
Salzgras umrahmte und von dichtem Waldgebüsch umschlossene Fläche dar,
welche kaum einmal im Jahre mit Wasser vollgefüllt ist. Um ihn herum,
hauptsächlich jedoch im Bereiche des Grases befinden sich zahllose
kleinere, ebenso seichte Salzlachen. Von allen Seiten strömen
Regenflüsse nach heftigen Regengüssen ein, die jedoch in der Regel nicht
bis in den Salzsee einmünden, sondern vertieft mit einem um drei bis
sechs Fuß tieferem Bette nahe am Ufer desselben stagniren. Das von ihnen
geführte Wasser tritt über und füllt in dieser Weise den See. Dieser
südlichste Salzsee heißt Tsitani, ebenso der bedeutendste Fluß an seinem
Ostufer und die Höhe zu unserer Linken, durch welche der Abfall des
Hochplateaus nach dem Salzseebecken als zungenförmiger Ausläufer markant
hervortrat. Ein großer Theil des Bodens am Grunde der Salzseen ist von
einer Felsenplatte gebildet, die theils von dem durch die Regenzuflüsse
angeschwemmten Erdreich überlagert ist, oder frei und nackt da liegt.
Während der Aufnahme der Breite des Salzsees in seinem östlichen Theile,
stieß ich auf eine Heerde gestreifter Gnu's, leider ohne eines der
Thiere habhaft werden zu können. An dem salzigen Gewässer des Flusses
Tsitani (es fanden sich noch einige Lachen davon an seiner Mündung) traf
ich ziemlich häufig Löffelreiher und Enten. Unter dem übrigen
Wildgeflügel sah ich nach längerer Zeit Knurrhähne wieder.
Am folgenden Morgen beendete ich die Kartenskizze der Tsitani-Pfanne und
schoß in den Bäumen des Ufers einen großen Uhu. Der Boden rings um die
kleinen Salzpfannen ist namentlich an allen den geringen Senkungen sehr
salzhaltig. Bleibt hier das Regenwasser auch nur kurze Zeit stehen, so
wird schon die Vegetation in der Entwickelung gehemmt. In Folge der
raschen und mächtigen Verdunstung bildet sich eine ½ bis 1 Zoll starke,
2 bis 6 Zoll vom Boden abstehende Kruste auf weite Flächen hin, welche
bei dem Betreten unter jedem Schritt einbricht. Der Rand des Sees wird
von kleinen Chalcedonen und Milchkieseln bedeckt, welche das Regenwasser
herabschwemmt. Zur Zeit heftiger Winde wird das sich an dem Rande
bildende Salz sowie der feine salzhaltige Boden der trockenen oberen
Rasenfläche in hohen, weißlichgrauen Staubwolken aufgewirbelt.
Am 21. verließen wir gemeinschaftlich das Ufer der Tsitanipfanne,
trennten uns jedoch bald darauf, da ich von den Eingebornen vernahm, daß
weiterhin Wasser anzutreffen sei und ich es nicht für nöthig hielt, das
Reisetempo der beiden Handelsleute einzuhalten. Wir trafen bei der
nächsten Wasserstelle wieder, zwei Wochen später im Thale des Panda ma
Tenka-Flüßchens zum zweiten Male und etwa ein Jahr später in Schoschong
nochmals zusammen.
An der Salzpfanne bemerkte ich auch den ersten Baobab, eines der
südlichsten Exemplare in der von mir eingeschlagenen Richtung (die zwei
südlichsten im centralen Süd-Afrika wurden von Mauch im westlichen
Transvaal-Gebiete am rechten Ufer des Limpopo angetroffen); er hatte bei
25 Fuß Höhe einen Umfang von 52 Fuß. Auf meinem Wege nach Norden hatte
ich zuerst einige der beschriebenen kleineren, am Ostufer der Tsitani
liegenden zahlreichen Salzpfannen, sowie den Tsitanifluß selbst zu
überschreiten, dann hielt ich durch das Becken der großen Salzseen eine
fast nördliche Richtung ein. Dichter Niederwald, in dem die Bäume zum
großen Theile mehr oder weniger verkrüppelt waren, wechselten nun mit
Wiesen ab, die mit saftigem Süßgras und einem reichen Blumenflor
bewachsen waren. An den salzhaltigen Stellen und am unmittelbaren Rande
der Pfannen und seichten Flüßchen und Bäche nahm die Vegetation einen
stachlichen Charakter an. Springbock- und Deukergazellen,
Zulu-Hartebeeste und gestreifte Gnu's, nach den Spuren zu urtheilen auch
Löwen, belebten die Scenerie an der Tsitanipfanne und in den umliegenden
Wäldern.
Die Fahrt führte uns in den nächsten Tagen an einer Reihe von
umfangreichen Bodenvertiefungen vorüber, deren Mitte von kleinen
Salzseen eingenommen werden, ich zählte auf der Strecke bis zu unserem
Nachtlager, dem ersten nach dem Verlassen der Tsitanipfanne, nicht
weniger als 42. An einem derselben, dem kleinen Schoni-Salzsee hielten
wir unsere Mittagsrast. Außer diesen Salzseen stießen wir auf
Süßwasserlachen, die an ihrer Binsenumrahmung leicht zu erkennen sind.
Am Morgen des 22. stand ich am Ostufer eines den Tsitani an Größe weit
übertreffenden, tiefer liegenden und von den Eingebornen Karri-Karri
genannten Salzsees, dessen Ufer zahlreiche Baobabbäume schmückten. Von
besonderem Interesse schien mir die geologische Formation am Ostufer des
Karri-Karri, welcher ebenso wie der Tsitani-Salzsee ein ziemlich
gleichschenkeliges Dreieck bildet, dessen Spitze nach Westen gekehrt ist
und dessen Fläche von Osten nach Westen sich unabsehbar ausdehnt. Im
Westen steht der Karri-Karri-Salzsee und der Tsitani- mit dem nördlicher
gelegenen Soa-See durch den Zuga-River in Verbindung.
Masarwa's, deren Unterschenkel an der Vorderfläche die bekannten rothen
Krusten zeigten, boten uns die Früchte des Baobabs zum Kaufe an und
begehrten für dieselben etwas Mais und Tabak. Drohender Regen trieb uns
zur Eile an und gestattete uns nicht, länger an dem Ufer des Sees zu
verweilen, welcher mir in naturhistorischer Hinsicht sehr reiche
Ausbeute versprach.
Ich überschritt am Nordostende an einer der Hauptbuchten des See's den
Mokhotsifluß, dessen Gefälle nach Nordost gerichtet ist und der das
überschüssige Wasser aus dem seichten See nach dieser Richtung hin
abzuführen scheint. Der Weg führte während des nächsten Tages durch
einen dichten Mapaniwald und später über einen trockenen, etwa 60 Fuß
breiten, 10 bis 16 Fuß tiefen Fluß, der ein deutliches Gefälle nach
Osten zeigte und von den Masarwa's der mit hohen Bäumen bestandenen Ufer
halber, Tschaneng oder der schöne Fluß genannt wird. Mit ihm parallel
läuft ein Spruit (von den holländischen Jägern Mapanifontein genannt),
in welchen zahlreiche Quellen münden und dadurch, daß auch der Tschaneng
bei Hochwasser einen Theil seines Wassers an ihn abgibt, in seinen
tieferen Partien das ganze Jahr hindurch Wasser führt. Ich bin der
Ansicht, daß der Tschaneng ein Abflußarm des Zuga-River oder ein Abfluß
der größten der drei Salzseen, der Soa ist, und sich in den
Matloutse-River oder einen seiner Nebenflüsse ergießt. Auf der Fahrt
nach dem Tschaneng erlegte ich einen auf der Jagd nach Eidechsen
begriffenen großen Raubvogel (Buteo Jackal), welcher den Colonisten
unter dem Namen Schakalvogel bekannt ist. Ich verließ den Tschaneng am
Nachmittage des 23. und zog mit Anderson, der mich eingeholt hatte,
einige Meilen gemeinschaftlich nach Norden. Wir zogen durch den Khori
genannten Wald und an einem verlassenen Masarwadorfe nahe der Furth über
den Tschaneng vorbei und erblickten in den Frühstunden des nächsten
Tages den Spiegel eines dritten großen, Soa genannten Salzsees, in
dessen Nähe wir holländischen Jägern begegneten, welche auf der
Straußen- und Elephantenjagd begriffen waren.
[Illustration: Jagd auf Eland-Antilopen durch Masarwa's.]
Wir konnten Dank dem trockenen Wetter mehrere lange mit ein- und
ausfließenden Spruits in Verbindung stehende Buchten der Soa, welche bei
Regen unpassirbar sein mußten, übersetzen und übernachteten im Thale des
sumpfigen Tsiriflüßchens, in dem ich bis zum 27. verblieb. Im nahen
Walde fanden wir nahe an einem verlassenen Masarwadorfe in einigen im
Flußbette des Momotsetlani (nach einer Baumart von den Masarwa's so
benannt) gegrabenen Löchern vortreffliches Trinkwasser. Ich unternahm
während dieses Aufenthaltes mehrere Ausflüge in die Umgebung und erlegte
auf einem solchen fünf Enten, zwei Perlhühner, die hier in zahlreichen
Ketten anzutreffen sind, sowie einen braunen Storch, das erste Exemplar
dieser Art, das ich bis zu diesem Tage in Süd-Afrika beobachtet.
Die Soa ist der größte, der in dem großen bis über den N'gami-See nach
Westen sich hinziehenden, und durch den Tschaneng mit dem Limpopo-System
zusammenhängenden Pfannenbecken liegenden Salzseen; gleich der Tsitani
und Karri-Karri ist auch die Soa eine seichte, ein bis vier Fuß tiefe,
weißlichgraue, nur kurze Zeit im Jahre theilweise, selten vollkommen
gefüllte Pfanne. Es wäre sehr wichtig, durch ein ganzes Jahr in der
trockenen wie in der nassen Jahreszeit dieses Salzseebecken zu
beobachten, um dessen Verhältniß zum Zuga und zum N'gami-See studiren zu
können; wenn dies bisher nicht geschah, so mag der Grund dieses
Versäumnisses wohl darin liegen, daß das Reisen zur Regenzeit in dieser
Gegend ungemein erschwert und nebstbei auch sehr gesundheitsschädlich
ist. Daß der Zuga manchmal nach Westen und manchmal nach Osten
fließt, läßt sich aus der ziemlich gleichen Höhe dieses großen
central-süd-afrikanischen Beckens erklären. Ist der N'gami-See durch
seine zahlreichen westlichen und nördlichen Zuflüsse gespeist, und sein
flaches Becken gefüllt worden, so gibt er seinen Ueberschuß nach Osten
durch den Zuga an die Pfannen ab, aus denen wieder derselbe durch den
Tschaneng, deren natürlichen Abzugskanal, abfließt. Zeigt der N'gami-See
niederes Wasser, so gibt der Zuga den Ueberschuß aus seinem tiefen Bette
an ihn ab, da sich in ihm durch die reiche Beschilfung auch das Wasser
längere Zeit zu halten vermag und er außerdem zahlreiche Quellen
aufnimmt. Auch mag er zuweilen von dem überschüssigen Wasser der
Westhälfte der Salzseen gespeist werden.
Am 27. Früh verließ ich den Tsiri und zog durch drei Stunden mit meinem
Ochsengespann durch eine Unzahl von Buchten und kleinen Salzpfannen
stets am Ufer des See's hin. Erst gegen Mittag nahmen diese ab und wir
betraten eine nach Norden unübersehbare, nach Westen durch den See und
nach Osten durch ein Mapani-Gehölz begrenzte Grasebene, auf welcher sich
allenthalben zahlreiches Wild in kleinen Rudeln herumtummelte. Hie und
da sichtbare Schilfrohrdickichte ließen Süßwasser vermuthen, wir
täuschten uns nicht und lagerten bald an einer solchen Lache. Von einem
kleinen Ausfluge heimgekehrt und eben damit beschäftigt, meine letzthin
gesammelten naturhistorischen Objecte zu ordnen, vernahm ich plötzlich
zu meiner Linken das Hilfsgeschrei meines Dieners Meriko und als ich
mich rasch am Wagenbrette emporrichtend nach ihm umsah, bot sich mir ein
eigenthümlicher Anblick, eine Scene dar, wie ich sie vorher nie gesehen.
Durch das hohe Gras kam Meriko herangerannt, und schrie in der
Setschuana: »sie tödten mich, ich bin todt, sie tödten mich.« Er
setzte wie ein flüchtiges Wild über die sich ihm stellenweise
entgegenstellenden Zwergbüsche und hatte im Laufe sein aus Gras
geflochtenes Hütchen und seine Khamacarosse verloren. Hinter ihm kamen,
die nächsten etwa 150, die entferntesten 500 Schritte weit, andere laut
schreiende und ihre Kiri's hoch schwingende Eingeborne dahergestürmt.
Endlich kommt Meriko zum Wagen herangekeucht, er umfaßt meine Füße und
weist flehenden, verzweifelnden Blickes auf die ihm folgende Schaar,
seine ersten Worte, die er zu stammeln vermochte, belehrten mich über
die Scene. »Matabele, Herr, Matabele-Zulu wollen mich todtschlagen.«
Mir war es unerklärlich, wie sie hierher auf das Gebiet Khama's gekommen
waren und ich dachte schon, daß vielleicht ein Krieg zwischen beiden
Nachbarstaaten ausgebrochen sei. Was beabsichtigen diese Männer? War das
ein Angriff auf den Wagen und seine Insassen? Sie schienen mir, wie sie
so gellend dahergesaust kamen, wahrhaft Wölfe in Menschengestalt zu
sein. Von den Waffen Gebrauch zu machen, schien mir ein gefährliches
Wagniß und zudem kannte ich nicht ihre eigentlichen Absichten. Ich mußte
also das Weitere ruhig abwarten, nur Meriko wartete ihre Ankunft nicht
ab, sondern sprang über die Deichsel und setzte nach der
entgegengesetzten Seite seine Flucht fort, nur daß er nicht mehr schrie,
um sich wahrscheinlich, wenn er die günstige Gelegenheit dazu ersah, in
dem hohen Grase zu verbergen. Ich rief ihm zu, am Wagen zu bleiben, und
daß die Löwen in dem vier Fuß hohen Grase gefährlicher als die Zulu's
seien, doch mein Mahnruf verhallt ungehört. In den anstürmenden Matabele
sah er seinen sicheren Tod und diesem wollte er entrinnen. Endlich waren
sie da, die berüchtigten Zulukrieger. Sie umringten den Wagen, schrieen
und schwangen ihre Kiri's. Das waren nicht die Vertreter eines Stammes,
das war ein Gemisch verschiedener Stämme, »die gestohlenen Knaben der
unter Moselikatse gemordeten und geplünderten Stämme,« welche zu
Kriegern auferzogen, ebenso roh wie die zwei eigentlichen Zulu's
geworden waren, die sie anführten. Bis auf einen kleinen Lappen von
Leder und Wollfranzen -- einige trugen nur eine Kürbißschale oder ein
cylindrisches Geflechte -- nackt, waren sie beinahe sämmtlich mit einem
aus schwarzen Straußenfedern oder anderen Wildhuhnfedern gearbeiteten
ballonförmigen und auf der Stirnhöhe sitzenden Kopfschmucke versehen.
Das wild rollende Auge gepaart mit dem Ausdrucke von ungewöhnlicher
Rohheit in der Physiognomie, waren beredte Belege, daß sie einem
kriegerischen Eingebornenstamme angehörten, der nur »gebieten« wollte
und konnte. Die meisten der Anwesenden waren wohl schon
Menschenschlächter gewesen, und dies nur einzig des Raubes halber. Der
eine der beiden schwärzesten in der Schaar, die sich als Anführer
kenntlich zu machen suchten, schwang sich auf die gestützte Deichsel und
gab mir in einem gebrochenen Holländisch zu verstehen, daß sie die
Krieger »^La Bengulas^« wären, daß sie gewohnt seien, auf ihren
Streifzügen alle Diener der Weißen zu tödten, wenn man diese nicht
loskaufe, deshalb seien sie gekommen, auch jenen Hund, der zu mir
herangelaufen wäre, todtzuschlagen, wenn ich nicht sofort für ihn
bezahlen würde. -- »Bezahlen will ich nichts,« entgegnete ich, gute
Miene zum bösen Spiele machend, »allein den Matabelekriegern will ich
etwas schenken, wenn sie dann den Wagen verlassen.« Ich hoffte auf diese
Art nicht nur allen möglichen Streitigkeiten und gefährlichen
Situationen auszuweichen, sondern auch der allbekannten Stehlsucht der
Matabele zuvorzukommen. Obwohl Th. und Pit unsere Utensilien mit
Argusaugen bewachten, konnten sie es nicht verhindern, daß einer der
Matabele besonderes Wohlgefallen an einem neben mir liegenden Messer
fand, das er indeß, von mir ^in flagranti^ ertappt, wieder im Stiche
ließ.
[Illustration: Verfolgende Matabele.]
Der Zulu rief seinen Genossen, theilte ihm seine Meinung mit und dieser
damit zufrieden, rief mit lautem Gekreisch alle die Anwesenden zusammen,
um ihnen meinen Entschluß mitzutheilen. Die Nachricht wurde mit gleich
heftigem Geschrei und Grinsen beantwortet. Nun hieß ich alle an der
Deichsel antreten. Meine unerwarteten Gäste im Auge behaltend langte ich
in den Wagen und holte einen Becher Schießpulver und ein Stück Blei
(etwa zwei Pfund) hervor, womit ich die beiden Anführer beschenkte.
»^Lapiana^«, rief der eine der Führer aus, er zeigte auf mein Sacktuch
und ahmte die Bewegung des Zerreißens nach; dabei suchte er mir zu
verstehen zu geben, daß solch eine Lapiana als Gurt um den Leib oder als
Stirnverzierung, wie der mit Riemchen an dem Kopfe befestigte
Vogelfedernschmuck getragen werden solle. Ich begriff nun seinen Wunsch
und brachte zwei Meter Calico hervor, die ich in dünne Lappen riß und
sie dann den Einzelnen reichte; dieselben wurden auch sofort in der
angedeuteten Weise verwendet. Das Geschenk fand bei ihnen so sehr
Gefallen, daß sie um weitere zwei Stücke für ihre Führer baten, welchem
Ansuchen ich auch willfahrte, dann aber vom Wagen herabsprang und mich
zu meinen Gefährten wendend, den lärmenden Gesellen den Rücken kehrte.
Ihren Führern folgend, die langsam den Rückzug eröffneten und die
Geschenke in der Luft schwangen, entfernte sich die Truppe und wir alle
fühlten uns nun etwas weniger beengt als eine Stunde zuvor, da wir von
dem schweißtriefenden Merico vernommen, welch' ehrenvoller Besuch uns
bevorstand. Manche der Matabele hatten von Th. Tabak für Salz
eingetauscht.
Von Meriko erfuhr ich, daß wir uns bereits am Ufer des Nata, des
wichtigsten Zuflusses der Soa befanden, und daß in seinem Bette leicht
Salz zu gewinnen sei und daß die Matabele jährlich von ihren Königen
oder von ihren Häuptlingen hierher gesendet werden, um Salz zu holen;
unsere Matabele-Gäste waren eben auf einem solchen Zuge begriffen
gewesen. Der Bamangwato-König weiß wohl von diesen Raubzügen,
allein er hindert die Matabele nicht, die zuweilen den ihnen
begegnenden Bamangwato's die Waffen abnehmen und den Masarwa's die
Unterschenkelknochen entzweischlagen.[6]
[Fußnote 6: Ich möchte auf diesen Umstand besonders Reisende aufmerksam
machen, welche eingeborne Diener im Gefolge haben und diese Gegenden
berühren sollten. Für sie ist es am angezeigtesten, sich vorher durch
Kundschafter die Gewißheit zu verschaffen, ob die Ufer des Nata
gefahrlos zu passiren sind.]
[Illustration: Jagd auf Zulu-Hartebeeste.]
Zur großen Beruhigung unseres wackeren Bamangwato-Dieners fuhren wir
noch am selben Tage weiter nach Norden, nach dem Ufer des nahen
Nataflusses. Das Wild nahm zu, größere Heerden von Springbockgazellen,
die ich so weit im Norden nicht anzutreffen dachte, mehrere Trupps von
Zulu-Hartebeesten, gestreiften Gnu's, Straußen und Zebra's wurden
sichtbar. Meriko, der wieder vergnügt mit Niger neben dem Wagen
einherlief, sprang zuweilen auf das Wagenbrett, um sich von dem Abzuge
der Matabele zu versichern; bei Gelegenheit einer solchen Umschau bat er
mich, in der Fahrt inne zu halten. Ich folgte der mir angegebenen
Richtung, in welcher etwa 600 Schritte vom Wagen und zur Rechten im
Grase, Meriko auf eine Heerde großer »Polocholo« (Wild), »Sesephy«
(Zulu-Hartebeest) hinwies. Ich konnte mit bestem Willen nichts sehen,
desto besser Pit und Th., die beide mehrere Stücke zählten. Rasch wurde
Kriegsrath gehalten und die Verfolgung der Thiere in folgender Weise
beschlossen: Ich sollte mich schußbereit halten, der Wagen jedoch die
Fahrt fortsetzen, auf etwa 300 Schritte nahegekommen, sollte ich auf der
den Thieren entgegengesetzten Seite (sie befanden sich etwa 200 Schritte
vom Wege) vom Wagen gleiten und im Grase gegen die Thiere bis auf 150
Schritte anschleichen, aus welcher Entfernung ich dann, durch einen
Hardekoolebaum gedeckt, feuern konnte. Es war nicht schwer, diesen Plan
zur Ausführung zu bringen, und bald fand ich mich im Grase und kroch
langsam vorwärts, während der Wagen die Fahrt fortsetzte.
[Illustration: Die Soa-Salzpfanne.]
Bevor ich jedoch noch den schützenden Baum erreichte, machte mich ein
Pfiff von Th. darauf aufmerksam, daß die Thiere durch den Wagen
aufgescheucht worden wären und sich eben zur Flucht wandten. Um so
rascher kroch ich nach dem Baume, spannte den Hahn und als ich eben
vorschaue, erscheint eines der Thiere (der Führer) von einem zweiten
Thiere gefolgt, etwa 150 Schritte im vollen Laufe in meinem
Gesichtskreise. Ich lege auf das erste an und feuere. Meine Gefährten
schreien laut auf und eilen, sich um Wagen und Gespann nicht weiter
kümmernd, von den Hunden gefolgt, alle nach der Stelle, die eben das
Wild eingenommen. Ich sehe vier Thiere flüchten und da ich nicht wußte,
daß es fünf waren und der Pulverrauch den Führer der Heerde meinen
Blicken entzog, staunte ich nicht wenig über meine Gefährten. Ich dachte
zuerst an das Gespann, das die Leute im Stiche gelassen, doch der Weg
war mit üppigem Gras überwuchert, das Gespann stand still und graste im
Joche, so gut es ging. Ich eile den Uebrigen nach und wer beschreibt
mein Erstaunen, als ich vor mir einen schönen Sesephy verendet liegen
sehe. Sanct Hubertus war mir diesmal ungewöhnlich hold und verhalf mir
zu einer ebenso schönen als wichtigen Acquisition.
Am Nata-Spruit angelangt, mußte ich, abgesehen von der verlockenden
Gelegenheit, meine Sammlungen zu bereichern, den ermüdeten Zugthieren
einige Tage Rast gönnen. Unsere nächste Sorge galt der Auffindung von
Trinkwasser, im Flußbette selbst waren alle Lachen salzhaltig. Da uns
jedoch zwei Tage zuvor von einem Masarwa die Möglichkeit, frisches
Wasser im Bette des Nataflusses zu finden, in Aussicht gestellt wurde,
folgten wir zwei dem Fluß aufwärts. Das Flußbett war 100 bis 150
Schritte breit, bis an 20 Fuß tief und schien nach Regengüssen bis an
das Gras am oberen Rande gefüllt zu sein. Ein Freudenschrei Th.'s
kündigte mir an, daß unser Suchen nicht vergebens war, es war ein
glücklicher Fund, denn schon die nächste Lache zeigte wieder
salzhaltiges Wasser.
An unserem Wege im Flußbette hatten zahllose Wildspuren gekreuzt, unter
denen jene der an der Soa erwähnten Wildarten die häufigsten waren, doch
fielen uns auch namentlich sehr zahlreiche, frische Löwenspuren auf. Der
von Pit vorgeschlagene, von mir und Th. gutgeheißene, nur von Meriko
wegen der nur zwei Stunden entfernt lagernden Matabele mißtrauisch
betrachtete Lagerplatz ward sofort bezogen. Der zahlreichen frischen
Löwenspuren halber hielt ich es für angemessen, die Zugthiere in
unmittelbarer Nähe des Lagers zu halten und befahl dem mit einem
Hinterlader bewaffneten Meriko Wache zu halten. Bald war auch die
Umzäunung des Lagers fertig gestellt, welche diesmal hoch und breit
gearbeitet war. Außerdem wurden vier Feuer errichtet und bis zur vollen
Dunkelheit unterhalten, so daß sie durchwegs bis gegen 1 und 2 Uhr
Nachts ungeschwächt fortbrannten.
Der arme Niger hatte schwere Arbeit und bewies sich vortrefflich. Jene
vom königlichen Geblüte machten uns wiederholte Besuche, noch häufiger
fanden sich die beiden Schakalarten, der Schabrackenschakal und der
graue ein, auch die gefleckte und die braune Hyäne ließen sich
vernehmen, schließlich »der lieben Thiere so viele,« daß ich von nichts
als schönen Löwen- und Hyänenbälgen, die vor mir ausgestopft im lustigen
Reigen tanzten, träumte. Schakalgekläffe in zwei Modulationen bildete
die »Ouverture« zu jenem Concert, das Löwengebrüll den »dramatischen«
Theil der Vorstellung, die mit dem unharmonischen Hyänengeheule gegen
Morgen ihren Abschluß fand.
Am 28. unternahm ich mit Pit mehrere Ausflüge an beiden Nata-Ufern. Da
die Partien stellenweise sehr dicht bebuscht waren und wir häufig den
Fluß und die in denselben mündenden Regenschluchten zu passiren hatten,
deckten wir uns gegenseitig gegen unerwartete Angriffe. Zahlreiche
Löwenspuren von respectabler Größe nöthigten uns zur Vorsicht und
scharfem Auslugen. Die längs des Flusses und so hoch oben am Ufer
führenden Wildpfade, von welchem aus das Raubthier eine gute Uebersicht
über das breite und von den Antilopen ob seines Salzgehaltes häufig
besuchte Bett haben konnte, waren von zahllosen Löwenspuren bedeckt.
Neben diesem Wildpfade einhergehend, kamen wir zu einem am Rande einer
kleinen Regenschlucht stehenden, etwa 20 Fuß hohem Baume, der deutliche
Spuren der Löwenklauen trug. Hier pflegten die in der Nachbarschaft
hausenden Thiere ihre Klauen zu schärfen und auf den Hinterpfoten
hockend die Vordertatzen an der Rinde zu wetzen. Der Baum, dessen Aeste
etwas armleuchterförmig gestaltet waren, schien mir für den Anstand wie
geschaffen. Schon vor Sonnenuntergang war ich von Pit und dem Hunde
begleitet, zur Stelle, ich trachtete mir wo möglich die bequemste Lage
zu wählen, da ich in derselben 10 bis 14 Stunden zubringen mußte. Ich
drängte Pit zur raschen Rückkehr, damit er noch bei vollem Tageslicht
den Wagen erreichen konnte. Sowie ich mich allein befand, besah ich mir
die nächste Umgebung rings um mich her; zu meiner Rechten standen in
einer Entfernung von 20 bis 30 Fuß höhere Bäume als jener, auf dem ich
Posto gefaßt. Der Boden war stellenweise hoch, doch schütter begrast, so
daß man überall den lichten Sand, welcher den interessanten Blätterkalk
an den Salzseen bedeckt, durchschimmern sah. Unter mir befand sich eine
runde Stelle, welche außer meinen Fußstapfen und denen des Dieners nur
Löwenspuren zeigte. An meiner Linken führte eine mit dichtem und hohen
Gras überwachsene, etwa 6 Fuß tiefe und 20 Fuß breite Regenmulde, welche
in den nahen, kaum 20 Schritte entfernten Nataspruit mündete. Am
jenseitigen Ufer stand ein dichtes Gehölz, durch welches einer der
Löwenpfade führte, von diesen zweigte sich ein Nebenpfad zu meinem Baume
ab. Da die Nächte äußerst kalt waren, welcher Temperaturfall nach der
bedeutenden Tageshitze um so empfindlicher war, hielt ich es für
angezeigt, mich an einem der stärksten Aeste festzubinden, um nicht vom
Schlummer überrascht mit den Löwen unter mir in nähere und unliebsame
Berührung zu kommen. Mein Sitz ließ sonst nichts zu wünschen übrig, ich
saß bequem in einer dreifachen Astgabel.
Unterdessen war die goldene Scheibe allmälig am westlichen Horizonte
untergegangen, nur ein glühend rother Streifen schimmerte hie und da
durch das lichte Gezweige der höheren Baumkronen. Ohne es vorher zu
ahnen, war es mir in dieser Nacht möglich, so manche Scene aus dem
Thierleben beobachten zu können. Schon bei Sonnenuntergang ließen sich
aus den Grasebenen die Zebrahengste hören, welche mit lautem Quag-ga,
Quag-ga ihre Wachsamkeit über die unter ihrer Führung stehenden Heerden
zu erkennen gaben. Der nächste Laut, der dann und wann von allen
Richtungen her zu mir drang, war das klagende Gebelle der
Schabrakenschakale, aus dem man das mißtönende Einzelgeheul ihres grauen
Bruders gut unterscheiden konnte. Es war zu erwarten, daß das
ausgehängte Wildfleisch seine Pflicht thun werde und sie dem Wagen einen
Besuch abstatten würden, was auch geschah, denn das anfangs
verschwommene Gebelle wurde immer deutlicher und deutlicher, so daß ich
mir sogar gegen Mitternacht einbildete, die Zahl der Concertisten
bestimmen zu können. Bei einbrechender Dunkelheit fesselte ein
eigenthümliches Geräusch, eine Art Kratzen und Scharren, meine
Aufmerksamkeit; es waren Scharrthiere, welche in dem sandigen Boden nach
Würmern und Puppen fahndeten. Diese kleinen Raubthiere arbeiteten die
ganze Nacht hindurch; so oft sich ein Geräusch in der nächsten Umgebung
vernehmen ließ, stellten sie ihre Arbeit sofort ein.
Etwas später, gegen 10 Uhr, verließen die Gazellen und Antilopen ihre
Weideplätze, um noch vor der gewöhnlichen Ausgangszeit der großen
Raubthiere den salzhaltigen Schlamm im Bette des Nata zu belecken und in
die freieren unbebuschten Partien, von woher sie gekommen, zurückkehren
zu können. Der anmuthige Steenbock, einer der anmuthigsten unserer
südafrikanischen Gazellen, kam bedächtig den Löwenpfad herangegangen.
Hätte ich nicht zufällig hingeblickt, so hätte ich seine Annäherung gar
nicht wahrgenommen; im Ganzen waren es drei Thiere, die ich erspähen
konnte. Ein flüchtiger doch leiser Schritt, dem ein Moment Ruhe folgte,
spornte meine Sehkraft zum Aeußersten an, doch konnte ich das Thier
nicht erkennen. Abermals folgten einige flüchtige Sätze und dasselbe,
gewiß eine größere Gazelle oder Antilope, verhielt sich ruhig, es
wiederholte noch dreimal seine Sätze, um in der Zwischenzeit abermals zu
lauschen.
Es mochte 10 Uhr sein, als eine Heerde von Thieren, nicht bedächtig und
lauschend, doch langsam und in großer Zahl längs dem jenseitigen Ufer
der Regenmulde herabstieg. Die Mündung dieser Mulde ermöglichte es den
Thieren, bequem das kleine salzhaltige und einen Süßwasser-Tümpel
enthaltende Flußbett zu erreichen. Die letzterwähnte Thierheerde war an
einem besonderen Geräusche, das dem Anschlagen von Knitteln gegen die
Baumstämme ähnelte, leicht zu erkennen. Es waren die durch ihr
prachtvolles Geweih ausgezeichneten Kudu-Antilopen. Während ich diese
Thiere noch später in dem Flußbette herumarbeiten hörte, näherte sich
dem vom Flusse abwärts längs des Ufers führenden und die Regenmulde
kreuzenden Wildpfade herab, ein kurzer etwas schwerer Tritt, und bald
darauf gewahrte ich ein schwarzes, etwa kalbgroßes Thier, das ich als
eine braune Hyäne erkannte. Das Thier ging langsam durch die Schlucht
und schnupperte wiederholt beinahe bei jedem seiner Schritte, blieb dann
auf einige Secunden stehen und fiel, auf das jenseitige Ufer der Mulde
gelangt, sofort in ein rascheres Tempo ein.
Es schien mir, als sollte ich diese Nacht vergebens den König der Thiere
erwarten. Als sich mir schließlich diese Befürchtung immer mehr
aufdrängte, erscholl aus einer Entfernung von etwa 1000 Schritten das
mir wohlbekannte, tiefe Gebrüll. Ich war jetzt sicher, daß das Thier
seiner Gewohnheit gemäß den Pfad herunter und zu seinen Lieblingsbäumen
kommen werde. Ich suchte nun meine Aufmerksamkeit von allem Anderen,
namentlich von dem lauten Gebelle, mit dem meine beiden Hunde die an den
Wagen drängenden Schakale abzuschrecken suchten, abzulenken. Mehr denn
eine halbe Stunde verrann, bevor sich das Gebrüll des Löwen, diesmal in
der Nähe, wiederholte. Nach etwa 15 weiteren Minuten vernehme ich den
ersten Laut des herantrabenden Thieres, es kam näher und näher, doch
deutlich nehme ich auch wahr, daß es nicht in seinem gewohnten Pfade am
jenseitigen Mulden-Ufer, sondern mitten durch die hochbegraste Mulde
selbst einherschritt.
Nach einigen raschen Schritten hielt das Thier inne, lauschte einen
Moment, um sich wieder zu nähern. So war es bis auf 15 Schritte nahe
gekommen -- doch mir bei der in der Tiefe der Mulde herrschenden
Dunkelheit und dem hohen Grase noch immer unsichtbar geblieben. Auf's
Gerathewohl in's Gras zu feuern, hielt ich aus dem Grunde nicht
gerathen, weil es den Löwen in die Flucht jagen konnte. Der Löwe mußte
jetzt an dem Zweigpfade angelangt sein, der zu meinem Baume führte, er
blieb jedoch volle 15 Minuten, in der Muldensohle, ohne sich zu rühren,
er mußte mich wohl gewittert haben und schien sich für den Angriff oder
die Flucht zu entscheiden. Da höre ich den Schritt wieder, dann eine
Pause, um im nächsten Augenblicke zu hören, wie der Löwe einen Satz in
das jenseitige Gebüsch machte und darinnen verschwand. Bald darauf
belehrte mich Niger's wüthendes Gebell, welche Richtung der Löwe
genommen und ich bereute es, nicht gefeuert zu haben. An allen Gliedern
steif, mußte ich nichtsdestoweniger auf meinem Posten ausharren, bis Pit
und Niger bei Tagesanbruch sich bei mir eingefunden hatten.
[Illustration: Im Baume.]
IV.
Vom Nataspruit nach Tamasetse.
Die Salzlager im Nataspruit. -- Ein Capitalschuß. -- Von Löwen
aufgeschreckt. -- Das sandige Lachenplateau. -- Strauße am Wagen. --
Nachtreise bei Fackelschein. -- Ein Löwenabenteuer. -- Die
Klamaklenjana-Quellen. -- Vereitelte Elephantenjagd. -- Begegnung mit
Elephantenjägern. -- Die Madenassana's. -- Gebräuche und Sitten
derselben. -- Der Yoruha-Weiher und die Tamafopa-Quellen. -- Nächtliches
Thierleben im Walde. -- Eine verunglückte Löwenjagd. -- Pit schläft auf
dem Anstande.
[Illustration: Nachtreise bei Fackelschein.]
Am Vormittage des 29., nach jenem angenehmen Zeitvertreib, der im
Löwenbaume durchlebten Nacht, unternahm ich einen Ausflug, um die
Formation an den Nata-Ufern zu untersuchen. Zwei Riesenstörche
(Sattelstorch-Species ^Mycteria senegalensis^) zogen ihre weiten Kreise
über den Fluß; mich rasch niederduckend, störte ich sie nicht beim
Einfallen, beschlich sie dann und es gelang mir, einen für meine
Sammlungen zu erbeuten. Die Thiere stellten den zahlreichen Fischen
nach, welche sich in einer der flacheren Salzlachen des Flußbettes unter
dem Gesteine zu verbergen suchten. Am Nachmittage machte ich einen
längeren Ausflug durch die südliche Ebene, um nach der Matabelehorde zu
sehen, und um die Stelle, an welcher sie das Salz zu gewinnen pflegten,
näher zu untersuchen. Schon 1200 Schritte vom Wagen jagten wir eine
Zebratruppe (von der dunklen Art) auf, welche in wilder Flucht dem
Flusse zueilte, so rasch und in solcher Hast, daß ich schon die ganze
Heerde über das steile Ufer herabstürzen zu sehen wähnte, als die Thiere
ebenso plötzlich stille hielten und dann zur Rechten einbiegend, durch
eine schmale Abflußrinne hinabgelangten. Es dröhnte laut auf und eine
dichte Staubwolke erfüllte die Luft, als die Thiere das trockene Bett
kreuzten, noch einige hundert Schritte hinübereilten, um dann an einer
weniger steilen Stelle unfern meines Wagens auf das jenseitige Ufer
emporzuklimmen. In der Ferne erschienen die Thiere größer als sie sind,
ihre Hauptstärke liegt in dem gewaltigen Kopfe und dem Halse, und da sie
sehr gut genährt sind, ist es nicht schwer, sie mit Pferden einzuholen.
Die Masarwa und Makalahari nennen sie mit Rücksicht auf ihr Wiehern, das
durch »Quag-ga«, wobei die erste Silbe bedeutend kürzer als die zweite
klingt, deutlich wiedergegeben werden kann, Quaggas. Je näher ich dem
Matabele-Lager kam, desto mehr Vorsicht hielt ich für nöthig, da ich
jedoch auf der Ebene wenig Deckung fand, wandte ich mich nach Westen und
kam hier in eine Flußvertiefung, die nach dem Nata zuführte, so daß ich
selbe als einen Arm des unteren Nata ansehen möchte, der nach der Soa
führt. Ich folgte ihm geraume Zeit, er hatte denselben Charakter wie der
Nata und entschloß mich dann, durch das hohe Gras nach dem vermuthlichen
Lager, d. h. bis auf eine englische Meile Entfernung von demselben
anzuschleichen. Doch wie staunte ich, als dieser Arm nach einer Stunde
Wegs, wobei wir rechts und links von uns Zulu-Hartebeest-Heerden
beobachteten, nach Osten in der von mir angestrebten Richtung abbog und
ich ihn verfolgend, das verlassene Matabele-Lager vor mir sah.
Ich stand an einigen mit rosa- und dunkelcarmin gefärbter, stark
salzhaltiger Flüssigkeit gefüllten, ziemlich umfangreichen, in der Mitte
des Bettes liegenden Lachen; rings war der Boden von weißlichem
Salzniederschlage bedeckt, und zerstreute Salzstücke, schöne auf einer 1
bis 2 Zoll dicken harten Thonlage ruhende Krystalle, lagen überall
umher, auch Pfähle, mit denen das Salz aus den Lachen herausgebrochen
worden sein mochte. Die Matabele hatten also die Stelle schon verlassen,
ich hatte die Störenfriede nicht mehr zu fürchten und konnte eine genaue
Besichtigung der Lachen vornehmen. Bei normalem Winterwasserstand sind
dieselben 1 bis 1½ Fuß tief, 30 bis 45 Fuß breit, 30 bis 900 Fuß lang.
Der Niederschlag am Boden ist 1 bis 3 Zoll stark und verbindet die Ufer
einige 6 bis 10 Zoll unter der Oberfläche der Flüssigkeit wie eine
starke Eisdecke, schlägt man diese durch, so kommt man einige Zoll bis
einen Fuß tiefer auf den eigentlichen Boden des Gewässers. Tritt man
hinein, so glaubt man auf Nadelkrystallen zu stehen, und die Füße
bedecken sich mit einem deutlich sichtbaren Niederschlage. Diese stark
salzhaltigen Lachen sind weder von Vögeln noch anderen Thieren besucht.
Die schönen rosarothen Krystalle, mit denen jeder in die Lache geworfene
Gegenstand bald inkrustirt und an der Salzdecke festgepicht wird,
erblassen leider so wie sie der Lache entnommen werden. Wir schleppten
mit, so viel wir konnten, und ich sandte am folgenden Tage Pit und
Meriko zur selben Stelle, um Salz für unseren Gebrauch zu gewinnen. Um
es von seinem Kalkgehalte zu befreien, wird das Salz gekocht und dann
zerschlagen. Ich bediente mich seiner zum Einsalzen des Wildfleisches.
Auf dem Heimwege von diesen Salzlachen (ich folgte dem Bette, indem sie
liegen, bis in den Nata, es ist also ein von ihm abzweigender und sich
wieder mit ihm vereinigender Arm) beobachtete ich die letzten
Springbockheerden nach Norden und Heerden des gestreiften Gnu's, das
hier das schwarze Gnu vertritt, welches ich nicht nördlicher als über
Schoschong zu beobachten Gelegenheit hatte.
Am 29. schoß mein Freund Th. eine Steinbockgazelle, auf der östlichen
Grasebene, es war ein Capitalschuß auf 250 Meter. In der Nacht am 29.
legte ich an mehreren Stellen mit Strichnin vergiftete Stücke Fleisch
aus, um einige Schakalbälge zu gewinnen, am nächsten Morgen fand ich
vier Cadaver dieser Thiere; das Fleisch des abgezogenen Thieres wird
schon in der folgenden Nacht von seinen Genossen verspeist, und man wird
dann in den nächsten Tagen jene, die an dem Mahle theilgenommen, todt in
dem Gebüsche wiederfinden. Die Umgegend des unteren Nataflusses ist
durch zahlreiche Baobabbäume, welche in dem salzhaltigen Boden ebenso
gut gedeihen, wie im Humus, so wie durch dichtes Palmengebüsch
ausgezeichnet.
Meine Sammlungen hatten nun schon derart an Umfang gewonnen, daß ich
mich entschließen mußte, das bisher Gewonnene mit dem ersten, nach dem
Süden zurückkehrenden Elfenbeinhändler oder Jäger zu Rev. Mackenzie nach
Schoschong zu senden. Am 3. Juli verließ ich den Lagerplatz im
Mimosengehölz, den ich trotz der nächtlichen Löwenbesuche liebgewonnen
hatte und zog am linken Nata-Ufer den Fluß nach aufwärts. Der Weg führte
am Rande der östlichen Ebene und war theilweise tiefsandig. Während
unserer Fahrt sahen wir eine Heerde von Zebra's in einer Entfernung von
500 Schritten grasen. Th. wollte seine Kunst als Schütze an den Thieren
erproben, schlich sich auf 50 Schritte an und feuerte aus dem hohen
Grase auf eines der Pferde. Der Schuß traf, das Thier fiel sofort
nieder, sprang auf, lief noch etwa zehn Meter, fiel abermals nieder und
verendete nach 15 Minuten. Wir eilten alle hinzu, Pit faßte
unvorsichtiger Weise das Thier am Kopfe, doch dieses, obwohl in den
letzten Zügen, biß nach ihm, ohne ihn glücklicher Weise zu erhaschen,
andernfalls hätte der Diener eine tiefe Bißwunde davongetragen. Wir
machten uns sofort an das Abhäuten der Beute und nahmen mit Ausnahme des
Brust- und Halsfleisches, alles übrige mit, um Beltong zu bereiten. Etwa
2½ englische Meilen weiter fand ich in einem dichten Gehölze die
geeignete Stelle zu einem neuen Lagerplatz, um hier vollends die Haut
des Thieres zu präpariren.
Während Pit und Th. damit beschäftigt waren, das Fleisch der Zebrastute
in Stücke zu schneiden, um es aufzuhängen, arbeitete ich an dem Felle
und dem Schädel. Meriko wachte mit einer Muskete bei den grasenden
Zugthieren. Am Nachmittag besah ich mir die nächste Umgebung und fand
die Büsche dicht, den Baumwuchs spärlicher, doch stellenweise schöne
Baobabbäume. Das Ufer des Nataspruits, in dem sich hie und da schöne
bewaldete Inseln befanden, war hier hoch und steil und das Bett enthielt
eine mehrere hundert Fuß lange und ziemlich tiefe Lache, welche von
Wasserschildkröten und Fischen wimmelte. Doch auf sie hatten wir nicht
viel Zeit zu verwenden, denn es schien mir geboten, bis Ende dieses
Monats, wenn möglich, den Zambesi überschritten zu haben und bis zum
December in das weniger ungesunde Hochland an seiner nördlichen
Wasserscheide gelangt zu sein.
Da wir keine Löwenspuren bemerkten, errichteten wir eine ziemlich
niedrige Umzäunung -- es war uns bisher nicht bekannt, daß die Löwen oft
Tagereisen weit Streifzüge von ihren gewohnten Schlupfwinkeln aus
unternehmen; die Nacht war kalt, ein eisiger Südsüdwest-Wind hieß uns
die Nähe des Feuers suchen und da die Nacht dunkel zu werden versprach,
bereute ich es, keine höhere Umzäunung gemacht zu haben; ich vertröstete
mich damit, daß das Zebrafell morgen trocken sein und ich den Ort
verlassen konnte. Schon um 8 Uhr war die Finsterniß vollständig
hereingebrochen, zeitweilig fielen Regentropfen und verkündeten im
Vereine mit dem durch die Wipfel der niederen Bäume streichenden Winde
eine unangenehme Nacht.
Plötzlich, so plötzlich, daß wir alle vor Schrecken aufsprangen, wurden
wir durch das heftige Zusammenfahren und Gebrülle der Ochsen in der
Umzäunung aufgeschreckt. Nur zu leicht konnten wir deutlich hören, daß
einige derselben flüchtig geworden und beim Uebersetzen der meist aus
trockenen Aesten errichteten Umzäunung in derselben eingebrochen waren.
Um unsere Ueberraschung noch zu erhöhen, sprang Niger laut bellend nach
den Gebüschen, während sich der kleinere Hund winselnd unter dem Wagen
zu verbergen suchte. Wir drei am Feuer dachten natürlich, daß ein oder
mehrere Löwen über den niederen Zaun in den Kraal eingedrungen waren,
dies um so mehr, als wir die zurückgebliebenen Zugthiere sich in einen
Klumpen aneinanderpressen sahen und uns ein ununterbrochenes, gedämpftes
Blöken beunruhigte.
Von Th., der wenige Augenblicke vorher eben damit beschäftigt war, die
Zugthiere etwas kürzer anzubinden, konnten wir, so weit uns der
Feuerschein etwas in der Dunkelheit zu sehen gestattete, nichts
erblicken. Während sich Meriko und Pit jeder mit einem Feuerbrand
bewaffneten, sprang ich auf den Bock, um meinen Hinterlader zu
ergreifen, und ließ die Diener ihre Leuchten hochhalten, um hinreichend
Licht in den Kraal zu werfen. Ich konnte jedoch nichts von einem Löwen
in demselben erblicken. »Theunissen, können Sie den Löwen sehen,« rief
ich, doch statt einer bejahenden Antwort drang ein wimmerndes. »Helft
mir, helft!« aus dem Knäuel der Zugthiere, aus deren Mitte sich zugleich
das ängstliche Blöken vernehmen ließ. Wir sprangen herbei und fanden,
daß die Zugthiere durch einige sich anschleichende Löwen in Aufregung
versetzt, das in der Erde befestigte Ziehtau losgerissen und sich in der
Verwirrung in dasselbe verwickelt hatten, wobei Th. und zwei Zugthiere
niedergeworfen wurden, während andere zwei über die Umzäunung setzten.
Dank der Wachsamkeit Nigers hatten sich die Löwen zurückgezogen, und
während wir Th., der glücklicher Weise unverletzt war, aus seiner
unerquicklichen Lage befreiten, kehrten auch die beiden entlaufenen
Zugthiere zum Wagen zurück. Ich ließ, nachdem die Thiere am Wagen
entsprechend befestigt waren, rasch fünf Feuer um den Wagen und die
Umzäunung anzünden, und unter ihrem Schutze fällten wir mehrere
Mapanibäumchen und erhöhten damit die Umzäunung.
Erst am 5. konnte ich die Weiterfahrt, und zwar unter strömendem Regen
antreten, der mir indeß diesmal willkommen war, da er den tiefen Sand
compacter machte und den Zugthieren die Arbeit erleichterte. Ich
passirte die durch tiefe Sandmassen ziemlich schwer passirbare Furth des
Nataspruits und traf jenseits derselben auf einem verlassenen Jagdplatze
die Reste eines Boerwagens. Von Wild beobachteten wir blos
Deukergazellen, zwei gestreifte Gnu's, einige Zebra's und Perlhühner,
von denen letzteren ich eines erlegte. Nachmittags traten wir aus den
bewaldeten Partien heraus und zogen über eine hochbegraste Ebene, die
stellenweise mit einzelnen Mapanibäumen oder kleinen Mapani- und
Mimosengehölzen bestanden war. Obgleich ich sehr dagegen war, das
Gespann in von Löwen bewohnten Gegenden Abends oder Nachts weiden zu
lassen, war es diesmal nicht zu vermeiden; wir machten die Thiere frei
und trachteten sie in der Nähe des Wagens zu halten. Doch kaum hatten
sie etwa 150 Schritte weit sich entfernt, als sie durch ein Thier scheu
geworden, in wilder Flucht nach rechts über die Ebene dahinjagten. Mit
Hilfe des braven Nigers, der den Störenfried, eine Hyäne, rasch entdeckt
und verfolgt hatte, gelang es Th. und Pit, die Thiere nach einer Weile
wieder einzufangen. Die Nacht hindurch hatten wir das Vergnügen, ein von
gefleckten Hyänen gegebenes Concert anzuhören.
Am 6. durchzogen wir Vormittags ein Terrain, das dem des vorigen Tages
sehr ähnlich war, während wir am Nachmittage eine ausgedehnte wiesige,
vom Niederwalde rings umschlossene Lichtung passirten, auf welcher sich
zahlreiches Wild tummelte. Ein heftiger Regenguß spendete uns reichlich
das ersehnte Trinkwasser, das uns der Boden nicht finden ließ. Wir sahen
Strauße auf der Ebene, Deukergazellen, gestreifte Gnu's und Löwen im
Anschleichen der Zebra's begriffen. Gegen Abend kamen wir an ein Gehölz,
an welchem ich zu übernachten beschloß.
Am Abende des 8. Juli betraten wir einen Wald, der einen Theil des
»sandigen Lachenplateaus« bildet und sich etwa 100 englische Meilen nach
Norden erstreckt. Der Boden auf dieser Strecke ist mit Ausnahme einiger
Lichtungen, welche Lachen aufweisen, tiefsandig und ist der westliche
Theil des Gebietes, den Mohr das Land der »tausend Teiche« genannt hat.
Ich belege mit diesem Namen nur jene Strecke, welche keinen merklichen
Abfall zeigt und dem Regenwasser keinen Abfluß nach den Flüssen
gestattet. Jene Lachen charakterisiren diese Gegend und werden zumeist
(95 Percent derselben) nur vom Regen gespeist. Sie sind klein und dicht
begrast und enthalten während 2 bis 8 Monaten reichliches Regenwasser.
Nur eine verschwindend kleine Anzahl wird von Quellen gespeist und
solche das ganze Jahr hindurch wasserhaltige Stellen sind von den
Madenassa's, die den wiesigen Niederwald bewohnen, benannt worden.
Andere, die nur zeitweise im Jahre Wasser enthalten, haben von den
holländischen und englischen Jägern und Elfenbeinhändlern
Gelegenheitsnamen erhalten. Dieses Lachengebiet liegt zwischen der Soa
und dem Nata (gegen Süden), den Zambesi-Zuflüssen nach Norden, dem
Mababi-Veldt nach Westen und dem Nata- und Uguaj-River nach Osten. Es
ist im Innern Süd-Afrika's jenes Land, in welchem die riesigen
Säugethiere, wie Elephanten, Nashorne, Giraffen noch häufiger zu finden
sind, und von welchem aus sie sich dann nach Osten und Westen, sowie
nach Norden über den Zambesi ausbreiten. Seiner Wasserarmuth in der
Trockenzeit halber, ist es nicht nur mit großen Opfern zu passiren und
nicht geringere fordert zuweilen im Beginne des Sommers vom October bis
December eine aufsprossende Giftpflanze, die das Gras im Wachsthume
überholt und den Ochsen sehr schädlich wird. Aus diesem Grunde wählen
auch oft die Elfenbeinhändler, welche mit dem am Zambesi wohnenden
Stämmen in Verkehr zu treten suchen, den sogenannten östlichen, d. h.
einen durch Westmatabele und das Gebiet der Makalaka führenden Weg, doch
hat auch dieser zahlreiche Schattenseiten und Nachtheile, welche
namentlich in der Unzuverlässigkeit und Stehlsucht der Eingebornen auf
dieser Strecke begründet sind.
Während der Fahrt am Nachmittage des 7., bevor wir noch in den dichten
Wald einfuhren, und als wir eben die letzte Lichtung passirten, schrie
Meriko, der vor den Ochsen einherging, auf, und wies mit der Hand nach
links, indem er sich eines Ausdrucks bediente, den ich nicht verstehen
konnte. Ich saß neben Th. am Bocke und war natürlich sehr begierig, den
Grund der Aufregung meines in jeder Hinsicht hin braven
Bamangwato-Dieners zu erfahren. Es waren zwei Strauße, die kaum 250
Schritte vom Wege entfernt, seine Aufmerksamkeit erregt hatten. Ich sah
nur einen, der nahe an einem Gebüsche stand; nicht der Beute halber, die
dem Könige der Bamangwato's gehörte, sondern bloß des Jagdvergnügens
halber sprang ich herab, um mich im hohen Grase anzuschleichen. Der
zweite Strauß, den ich bisher nicht bemerkte, saß auf der Erde, lugte
nur mit dem Kopfe über das Gras und ergriff bei meiner Annäherung sofort
die Flucht, während mich einige Büsche am Gebrauche des Gewehres
verhinderten. Als ich wieder freieres Terrain gewann, waren die Vögel
eben im Begriffe, in einen Niederwald einzudringen und rannten so
ziemlich auf einen und denselben Baum zu. Ich feuerte aus einer
Entfernung von 450 Schritten und hörte die Kugel in den Stamm des Baumes
einschlagen. Die größte Freude über den verunglückten Jagdversuch zeigte
Meriko, weil ich das Eigenthum seines Herrn, des Königs Khama, nicht
geschmälert hatte, und versprach, nach seiner Rückkehr nach Schoschong
es dem Könige selbst zu berichten.
[Illustration: Von Löwen aufgescheucht.]
Da ich alles aufbieten wollte, um die erste der Quellen auf dem
genannten Plateau noch an diesem Tage zu erreichen (wir hatten den Tag
über kein Trinkwasser für die Zugthiere gefunden) blieb mir nichts
übrig, als unsere Reise trotz mannigfacher Schwierigkeiten und Bedenken
Nachts fortzusetzen. Voran lief Niger, selbst ohne erst dazu
aufgemuntert worden zu sein, ihm folgte Pit mit einem Hinterlader, dann
Meriko, der die Leitochsen am Riemen führte, mit einem tüchtigen
Feuerbrande, Th. trieb die Ochsen, und ich saß am Bocke, das Gewehr
schußgerecht in der Hand haltend, ein zweites lag hinter mir, um es
nöthigenfalls dem neben mir schreitenden Th. sofort reichen zu können.
Gegen 11 Uhr Nachts langte ich an der erwähnten Quelle an, welche den in
den Wäldern ringsum wohnenden Madenassana's unter dem Namen der
südlichsten der Klamaklenjana-Quellen bekannt ist. Hier traf ich mehrere
Elephantenjäger, denen ich einige Wochen zuvor, und andere, welchen ich
an der Soa-Salzpfanne begegnet hatte, sie alle klagten über den
Mißerfolg ihrer Jagd.
Ich will hier eines interessanten Löwenabenteuers gedenken, das sich
einige Tage vor meiner Ankunft an der Stelle, an der mir, wie erwähnt,
die Hyänen mein Gespann scheu gemacht hatten, zugetragen, und das mir
den Tag nach meiner Ankunft an den genannten Quellen berichtet wurde.
Die Herren Daniel Jakobs, ein Boer-Jäger, Frank, ein Engländer, der der
Jagd halber diese Gegend aufsuchte, und Kurtin, ein Elfenbeinhändler,
sind die Helden dieser Jagdepisode. Sie hatten eben ausgespannt, als
ihnen die Diener die Nachricht brachten, daß eine Giraffenheerde einige
Meilen vom Wege ab in Sicht sei. Da Herr Frank noch nie zuvor Giraffen
in der freien Natur gesehen, verabredete man sich, ihm den ersten Schuß
zu gönnen. Rasch wurden die Pferde gesattelt und man eilte dem Wilde
entgegen. Obgleich dieses sofort die Flucht ergriff, wurde es doch schon
nach kurzem Wettlauf eingeholt und Jakobs beeilte sich sofort vom Pferde
herab eines der Thiere niederzuschießen. Die Gesellschaft sattelte ab
und war eben damit beschäftigt, das Thier zu zerlegen, als einer der
nachgeeilten Diener die Jäger auf eine andere, etwa 2000 Schritte
entfernt grasende Giraffe aufmerksam machte. Man suchte auch diese auf
und Herr Frank feuerte gleich zwei Schüsse ab, ohne ihr jedoch ein Leid
anzuthun, dann schoß Kurtin und fehlte ebenfalls, Jakobs folgte als
dritter und obgleich er das Thier förmlich mit seinem Pferde
zusammenrannte und sein Doppelgewehr abschoß, entkam die gehetzte
Giraffe unverwundet. Da er sah, daß die beiden anderen Jäger
zurückgeblieben waren, wollte er schon dem Thiere die Freiheit schenken
und von der Verfolgung ablassen, als es ihm einfiel, es mit dem Pferde
zu überholen, zu wenden und in dieser Weise Herrn Frank noch eine
Gelegenheit zum Schusse zu geben. Von neuem jagte er der Giraffe nach
und hatte sie beinahe schon erreicht, als er unmittelbar vor sich, ein
wenig zur Linken, eine sprungbereite Löwin im Grase liegen sah. Sich
nach seinen Begleitern umkehrend, um sie herbeizurufen, sieht er, daß er
an einer zweiten Löwin und einem Löwen vorbeigeritten war, ohne die
Raubthiere vorher bemerkt zu haben. Aus dieser unangenehmen Lage suchte
er sich dadurch zu befreien, daß er rasch nach rechts abbog, einige 30
Schritt in dieser Richtung hin galoppirte, dann auf den Löwen, der ihn
mit seinen Blicken verfolgte, anschlug und feuerte. Er schoß zu hoch,
verfehlte den Löwen und traf die Löwin in's Schulterblatt. Darauf
feuerte der herbeigerittene Kurtin zweimal und fehlte, ohne daß sich die
Löwen in ihrer Ruhe stören ließen. Jakobs schoß nun zum zweitenmal und
verwundete den Löwen schwer, so daß sich dieser in ein nahes Gebüsch
zurückzog. »Da ich dachte, daß uns die beiden Löwinnen, die in das tiefe
Gras so weit hineingekrochen waren, daß wir sie nicht sehen konnten,
bekriechen, d. h. sich zum plötzlichen Sprunge bereit machen würden, gab
ich,« so berichtete mir Daniel Jakobs, »den wohlmeinenden Rath, uns
lieber eiligst zurückzuziehen, als den Kampf mit den Löwen fortzusetzen.
Während unseres Rückzuges sahen wir beide Raubthiere, das eine stark
hinkend, sich ebenfalls davonmachen. Alle diese Löwen gehören in den
Bereich des Nataflusses und finden namentlich in dem stellenweise sechs
bis sieben Fuß hohen Grase vortreffliche Schlupfwinkel.«
Die Klamaklenjana-Quellen bestehen (so weit sie nahe dem Wege liegen)
aus vier von einander getrennten, sumpfigen Gewässern, daher rührt auch
ihr Name »viermal hinter einander«; zwischen ihnen, sowie rechts und
links im Walde, liegt eine Unzahl von während kürzerer oder längerer
Zeit im Jahre gefüllter Regenlachen. Nahe an der ersten Quelle, die wir
am Abend des 7. erreichten, zweigt sich ein von den holländischen Jägern
geschaffenes Geleise nach dem Mababifelde ab. Hier stieß ich auf den
Diener Andersons mit Namen Saul; er reiste in Gesellschaft eines
Makalahari-Mannes, der vier Kinder mit sich führte, Saul hatte ihn am
Nataspruit gefunden und ihn aufgefordert, sich ihm anzuschließen. Er war
dessen sicher, daß sein Brodherr nichts dagegen einwenden werde und dies
um so weniger, da er ihn bei der Straußenjagd verwenden wollte. »Ich
weiß aber, daß Du kein guter Schütze bist, wie kannst Du Strauße
erlegen?« frug ich Saul. -- »Doch, Herr, ich treffe sie schon,«
antwortete derselbe. Wenn ich sie jagen will, nehme ich einige
Makalahari mit mir. Wir suchen hierauf die Spur der Strauße auf, und
streben namentlich nach solchen, welche von einem Pärchen herrühren. Mir
ist es hauptsächlich darum zu thun, daß ich das Nest der Thiere finde.
Beim Neste angelangt, wird ein Loch in die Erde gegraben und hier
verstecke ich mich, um den brütenden Thieren aufzulauern. Den ersten zum
Neste eilenden Vogel erlege ich mit Leichtigkeit aus unmittelbarer Nähe,
den zweiten dadurch, daß ich den Balg des ersteren auf einen Pfahl ziehe
und diesen vor dem Neste aufstelle, wenn mich nicht der zweite Vogel
schon bei dieser Arbeit überrascht, und sich auf Nimmerwiedersehen
empfiehlt. Doch geschieht dies selten und auf diese Weise gelang es mir,
schon viele Strauße sammt ihren Eiern zu erbeuten.«
An der südlichsten der Klamaklenjana-Quellen erfuhr ich die Bedeutung
der hie und da von den Masarwa's und Bamangwato's genannten Flüsse. So
z. B. bezeichnet Khori, das Land am Seitenflüßchen des Tschaneng, »eine
Trappe« und der Mokhotsi »eine starke Strömung«.
Am 9. kehrte der Genosse Andersons von den nächsten
Klamaklenjana-Quellen heim und berichtete, daß ein Boer in dem
anliegenden Walde eine Elephantenkuh geschossen habe, welche Nachricht
die an der Quelle lagernden Jäger in nicht geringe Aufregung brachte,
allein diese steigerte sich noch nach der Rückkehr Theunissens von einem
Ausfluge, den dieser in den Wald nach Osten unternommen, und auf dem er
auf fünf flüchtige Elephanten gestoßen war. Er rief dem ihm unmittelbar
folgenden Meriko zu, ihm rasch die Patronen zu reichen, und hätte
hinreichend Zeit gehabt, ein Dutzend Schüsse abzufeuern, wenn nicht
Meriko, um das dem Könige gegebene Versprechen, keine Elephanten zu
schießen, zu halten, die Jagd dadurch vereitelt hätte, daß er beim
Anblicke der flüchtenden Colosse das Weite suchte und Theunissen ohne
Munition zurückließ.
Auch ich machte zwei Ausflüge tiefer in den Wald hinein und entdeckte
Spuren von Giraffen, Harrisböcken, Kudu's, Elephanten und Büffeln. Den
Tag vor unserer Ankunft war eine Büffelheerde am Wasser beobachtet
worden, doch hatte sie sich so zeitlich nach Mitternacht entfernt, daß
sie die Jäger am Morgen nicht einholen konnten. Bevor ich noch die
Quellen verließ, traf ich hier mit Mr. Taylor zusammen, er klagte auch
über den Mißerfolg der Jagd. Einer der Jäger besuchte alljährig eine
Stelle in der Umgegend, welche ihm reichliche Beute sicherte; mehrere
tief im Walde wohnende Madenassana's waren seine ausgiebigsten Helfer.
Zwei andere Elephantenjäger, die dies vernommen, trachteten auch ihr
Glück an derselben Stelle zu versuchen, ein Versuch, der indessen ihr
gegenseitiges Freundschaftsbündniß nicht inniger gestaltete.
Am 10. verließ ich meinen Lagerplatz und langte nach einer zweistündigen
Fahrt durch den tiefsandigen Niederwald an den nächsten
Klamaklenjana-Quellen an. Ich traf hier einen Elephantenjäger mit Namen
Mayer, sowie einen Holländer, Mynheer Herbst, an; etwas weiter ab, an
einem zweiten Gewässer, einen anderen Holländer mit Namen Jakobs und den
Elfenbeinhändler Mr. Kurtin, dessen ich bei der zuletzt beschriebenen
Löwenjagd gedachte. Der Letztere theilte mir mit, daß er auf einem
seiner ersten Züge in dieses Gebiet nicht weniger als 66 Ochsen durch
die schon erwähnte von October bis December in diesen sandigen
Niederwäldern aufsprossende Giftpflanze verloren hatte. Jakobs theilte
mir einige seiner interessanten, sowie auch die nennenswerteren
Löwenabenteuer Pit Jacobs, des zweitberühmtesten Elephantenjägers
Süd-Afrika's mit. Mayer und Herbst jagten in Compagnie, Herbst schoß
hier eine Elephantenkuh und war noch immer ganz davon begeistert. Herr
Mayer hatte einige Makalaka's in Dienst genommen, welche auch mir einige
Tage zuvor ihre Dienste angetragen hatten, da ich jedoch von diesem
unter den Matabele's wohnenden Banthustamme eine sehr schlechte Meinung
habe und nebenbei die hier Betreffenden wahre Galgen-Physiognomien zur
Schau trugen, rieth ich Herrn Mayer an, sie aus seinem Dienste zu
entlassen. Er wollte nicht darauf eingehen und hatte es leider später zu
bereuen. Denn als ich ihn sieben Monate später wieder traf, da hatte der
arme und gute Mann, dem ich das Beste von Herzen wünschte, über zahllose
Diebstähle zu klagen, welche die Makalaka-Diener verübt, und darnach
verschwunden waren. Ich traf auch hier zum ersten Male die den
Bamangwato's unterthänigen Madenassana's an; es ist ein schöner
Menschenschlag, leider von ziemlich abstoßendem Gesichtsausdruck. Von
Hautfarbe fast dunkelschwarz, sind es meist hohe Gestalten von starkem
Knochenbau, namentlich die Männer. Um so mehr wunderte es mich, unter
den Frauen förmlich zarte Geschöpfe zu finden. Die Madenassana's haben
ein stärkeres und längeres Wollhaar, welches besonders an den Schläfen
und der Stirne oft bis einen Zoll tief herabhängt. Das Cranium ist dann
in der Regel oft kurz behaart.
Besucht ein Bamangwato das sandige Lachenplateau, so sucht er gewöhnlich
zuerst die Madenassana's, die Helfer bei seinen Jagden auf, um für
seinen König und sich Elfenbein zu erwerben. Diese wohnen aber in der
Regel so versteckt in den dichten Partien der Wälder, daß die Jäger ihre
Wohnungen kaum gewahr werden, wenn sie nicht von einem Madenassana
selbst zu denselben geführt werden. Der Aelteste in einer solchen
kleinen Niederlassung ist dann der kleine Stamm-Unterhäuptling; will man
als Blaßgesicht Diener unter den Madenassana's miethen, so ist es immer
das beste, sich an den ältesten des Dörfchens zu wenden. Miethet man sie
auf einige Monate, dann bezahlt man ihnen zwei bis vier Pfund
Glasperlen, oder auch einige Wolldecken, doch zuweilen wird auch
Schießpulver und Blei verlangt, auf die Dauer von sechs bis zehn Monaten
begehrten sie eine Muskete.
Im Gegensatze zu vielen anderen Banthustämmen wird bei ihnen die unter
einfachen Ceremonien vorgenommene Verehelichung respectirt und eheliche
Treue bei ihnen ziemlich hoch gehalten. Während bei manchen Stämmen das
Gefühl von Eifersucht nicht gekannt oder nur in einem schwachen Grade
vorhanden ist, kann sie nach dem, was ich von meinen Berichterstattern
über die Madenassana erfahren, bei ihnen selbst zu schweren Verbrechen
führen. Der Stamm wurde mir als genügsam geschildert und auch als Diener
sind sie besser als die Masarwa's und Makalahari's. Der weiten
Entfernung ihrer Wohnplätze von Schoschong wegen -- sie bewohnen den
nordwestlichen Winkel des östlichen Bamangwato-Landes -- und da sie
nicht gleich den Masarwa's über das Land zerstreut sind, ist ihr
Verhältniß den Bamangwato's gegenüber kein so drückend sklavisches wie
das der Masarwa's. Sie besitzen eigene Gewehre, und werden nur jährlich
von einigen von dem Könige von Schoschong aus abgesandten Bamangwato's
aufgesucht, welche von ihnen die Abgaben einsammeln, oder sie zu Jagden
verwenden. Im Jahre 1874 trafen drei Bamangwato's einen kleinen Haufen
der Madenassana's im Dienste des Elephantenjägers Zwart an, sie
forderten diese auf, den weißen Mann sofort zu verlassen und sich ihnen
anzuschließen, was diese indeß verweigerten. Darauf ergriffen die
Bamangwato's die Frau des Aeltesten (des Anführers) und fingen sie zu
schlagen an, um durch diese Züchtigung den Sinn der Vasallen zu
bekehren, doch der Mann der Geschlagenen ergriff einen ihm zunächst
liegenden Assagai, stürzte sich auf den Bamangwato und hätte auch den
nächsten von ihnen durchbohrt, wenn diese nicht zu ihren Gewehren
gegriffen und auf die Madenassana in Anschlag gebracht hätten.
Die Makalaka's, deren ich kurz vorher erwähnte und von denen ich eine so
geringe Meinung habe, trieben sich in den Jahren 1875 und 1876 recht
zahlreich zwischen dem Nata und dem Zambesi herum. Es waren meist
Flüchtlinge aus Schoschong, die ihrer verrätherischen Handlungsweise
halber aus der unmittelbaren Nähe der erzürnten Bamangwato's weichen
mußten.
Am Nachmittage desselben Tages (des 11.) durchschritt ich, von meinem
Diener Pit begleitet, den dichten Wald nach Nordost und traf ein
Kudupärchen, das jedoch trotz seines Riesengehörns so rasch in den
Büschen verschwand, daß wir keinen Schuß anbringen konnten. Diese
Antilope liebt meist hügelige Dickichte oder bewaldete Höhen und nur
dies kann es mir erklären, daß sie den Löwen, welche in Süd-Afrika
besonders den Rand der Lichtungen lieben, seltener als viele andere
Species zum Opfer fällt.
Am 12. verließ ich die zweiten (mittleren) Quellen und begab mich nach
den nächsten und dritten, wohin der Jäger Jakobs und der Händler Kurtin
schon vorher übersiedelt waren. An diesem Tage langte hier ein
Elfenbeinhändler (ich will ihn X. nennen) an, welcher den König des
Marutse-Reiches, Sepopo, auf welches ich lossteuerte, besucht hatte, er
empfahl mich an seinen guten Freund Z., den ich weiter nordwärts am
Panda ma Tenka-Flüßchen finden sollte. Ich ersuchte ihn, mir zwei Kisten
gesammelter Gegenstände nach Schoschong zu befördern, was er auch
versprach, ohne daß ich später je wieder etwas von denselben sah. Mr.
Kurtin verkaufte an ihn zwei Falben (einen derselben hatte ich im Jahre
1874 in Schoschong von der Dickkopsickte geheilt) für 800 Pfund
Elfenbein. Auf den beiden Wägen des Käufers waren circa 7000 Pfund
Elfenbein geladen, davon waren 5000 Pfund von Sepopo eingehandelt, den
Rest hatten die Diener des Händlers auf ihren Jagdzügen am südlichen
Zambesi-Ufer, zwischen den Victoriafällen und der Tschobemündung
erbeutet. X. berichtete auch, daß am Zambesi das Fieber gefährlich und
die noch zu bereisende Gegend sehr wasserarm sei. X. war so gütig, mir
den sechsten Theil einer geschlachteten Kuh zu senden, wofür ich mir
erlaubte, ihn mit Medicamenten zu versorgen.
Nachmittags reiste ich ab und zog in einer west- bei nördlichem Richtung
nach der nördlichsten der Klamaklenjana-Quellen; die durchreiste
Waldpartie zeigte schöne Kameeldornbäume, Mimosen und ahornartige, doch
auch Mochononobäume und Fächerpalmen-Gebüsche; durch eine ähnliche
Gegend führte uns der Weg am 13., wobei wir unser Mittagslager bei den
eben genannten Quellen aufschlugen. Ich zählte von den südlichsten bis
zu den nördlichsten Quellen 25 nach heftigen Regen gefüllte
Einsenkungen.
Auf einigen während der Fahrt durch den Wald unternommenen Abstechern
erblickte ich Büffel, gestreifte Gnu's, Zulu-Hartebeests und Zebra's im
Wechsel und zahlreiche Löwenspuren. An den nördlichsten
Klamaklenjanaquellen mündet ein von den Elfenbeinhändlern aus
Westmatabele gewählter Weg. Hier traf ich auch drei Elephantenjäger, die
Herren Barber, Frank und Wilkinson, von denen sich der erstere als Jäger
eines ausgezeichneten Rufes erfreut, ebenso wie seine hochgeehrte Mutter
nicht allein eine ausgezeichnete Künstlerin, sondern auch eine äußert
feine Beobachterin des Thierlebens ist, und über die Resultate ihrer
Betrachtungen auch schon mehrere kleinere Schriften veröffentlicht hat.
Mr. Barber zeigte mir sein Skizzenbuch, in dem er seine Jagdabenteuer
künstlerisch wiedergab.
Ich übernachtete einige Meilen weiter nordwärts im Walde. Der Baumwuchs
auf der am folgenden Tage zurückgelegten Strecke war ungleich besser
entwickelt und erreichten mehrere Stämme bis 60 Fuß Höhe; sie gehörten
einer Species an, welche von den Holländern die wilde, Syringa, von den
Bamangwato's »Motscha«, sowie eine andere, nicht minder häufige Art, die
»Monati« genannt wird. An manchen der Büsche bemerkte ich zahlreiche
rothblühende Orchideen.
[Illustration: Pit, schläfst Du?]
Gegen Mittag erreichte ich einen in einer unbedeutenden Vertiefung
liegenden Weiher, Yoruha, d. h. ein Sprung genannt, wo ich abermals den
Jägern, die ich an den letzten Quellen getroffen, begegnete. Der Händler
X. hatte ihnen diese Stelle als bleibenden Aufenthalt angerathen, weil
seine Diener in den Yoruhawäldern eine Unzahl von Elephanten
niedergestreckt hatten. Da nach den Spuren zu urtheilen eine
Elephantenheerde an dem Yoruhawasser zwei Tage zuvor zur Tränke gekommen
war, erwarteten die Jäger sie auch am heutigen Tage. Um keine Störung
durch meine Hunde zu verursachen, ging ich weiter und langte früh am 15.
an den Tamafopa-, d. h. den Skeleton-Quellen an. Etwa eine halbe
englische Meile nordwärts davon, an einigen gewöhnlich das ganze Jahr
hindurch wasserhaltigen Regenlachen entschloß ich mich, den Wagen tiefer
in den Wald zu bringen und hier zwei oder drei Tage zu verbleiben,
hauptsächlich um womöglich das Fell der Säbelantilope, der schönsten der
südafrikanischen Antilopen, zu gewinnen. Auf einem Ausfluge nach dem
Westen sah ich Steenbockgazellen und Zebra's und kreuzte mehrmals von
der vorhergehenden Nacht herrührende Spuren von Deukergazellen, Kudu's,
Giraffen, Büffeln und Elephanten, sowie von Schakalen, Hyänen, Leoparden
und Löwen. Nach den zahlreichen Spuren, die ich an der größeren der
beiden Regenlachen vorfand, zu schließen, mußte diese allnächtlich von
einer großen Anzahl von Thieren, namentlich Zebra's, Büffeln und
Harrisböcken besucht werden und ich entschloß mich, hier eine Nacht auf
dem Anstande zu liegen. Ich wählte mir diesmal Pit als Begleiter, der
mir wohl eine recht amüsante Nacht bereitete, meinen beabsichtigten
Zweck jedoch vereitelte. Bevor wir ausgingen, wurde um unseren Waagen
eine entsprechende Umzäunung errichtet und Th. versprach jedwede
Vorsicht zu gebrauchen, um einer etwaigen Löwenattaque würdig zu
begegnen. Eine Stunde vor Sonnenuntergang machten wir uns auf den Weg,
um die von mir gewählte Stelle zu besetzen. Der Leser stelle sich in
einem hochbegrasten Walde eine stellenweise mit fünf Fuß hohem
Riesengras bewachsene, etwa 400 Meter im Umfange messende und etwa 10
Fuß unter dem Niveau des Waldes liegende Lichtung vor, in deren Mitte
sich eine kleine, grasbewachsene Regenlache, der Rest des Gewässers
befand, das vor wenigen Monaten die ganze Einsenkung ausgefüllt haben
mochte. Am westlichen Rande der Lichtung stand ein mächtiger
Hardekoolbaum und in der Lichtung selbst, etwa 15 Schritte von dem
letzteren, ein etwa 30 Fuß hoher Baum der ^Acacia detinens^, unter
diesem erhob sich, theilweise durch ihn gestützt, einer der riesigen
Ameisenhügel, und da sich die Aeste des letztgenannten Baumes tief
neigten, schien die Stelle zu unserem Anstande wie geschaffen. Wir
sammelten einige Aestchen, die von dem Hardekoolbaume abgefallen waren,
um damit eine kleine, kaum zwei Fuß hohe Brustwehr zu errichten.
Zwischen uns und dem Grase ringsum befand sich eine etwa 2½ Meter breite
kahle Stelle, die wir beide für sehr günstig hielten. Da Pit noch nie
zuvor auf dem Anstande des Nachts gelegen hatte, frug ich ihn, ob er
sich auch stark genug fühle, die ganze Nacht durchzuwachen, er beeilte
sich, mich dessen zu versichern und so machten wir unsere Gewehre
schußbereit; als wir mit unseren Vorbereitungen fertig waren, hatte eben
die Sonnenscheibe den westlichen Horizont berührt. Einige der schönen
geschwätzigen Glanzstaare, von ihren weiten Ausflügen zurückgekehrt,
zwitscherten noch eine Weile lang in den Zweigen des Hardekoolbaumes,
bevor sie in die alljährlich bewohnten Nester hineinschlüpften. Bevor es
jedoch dunkel geworden war, verließen wir noch für einen Moment die
schon eingenommene Stelle, um dem Rathe meines Dieners nachgebend, von
dem Dornbaume über uns einige seiner dünnen, doch langen Aeste
abzuschneiden, um die Umzäunung damit zu bedecken. Aus der Ferne
ertönendes Schakalgekläffe belehrte uns darüber, daß die Zeit
herangekommen, zu welcher das den Tag über weidende Wild dem Wasser
näher komme und die von den nächtlichen Streifungen zurückkehrenden
Raubthiere sich an ihre gewohnten Raubzüge machten.
Wir nahmen unsere frühere Stellung ein. Pit wählte seine gewohnte
halbliegende, ich zog das Hocken vor, weil es mir für die Dauer noch das
Angenehmste schien; wir sprachen Anfangs mit gedämpfter Stimme, jedoch
hielt ich es für besser, auch davon abzulassen. Wir mochten eine halbe
Stunde lang gelauscht haben, als ich vorsichtig aufstehend auslugte,
doch konnte ich nichts sehen, und selbst über die Richtung, aus welcher
ein eigentümlich gedämpfter Ton zu mir drang, konnte ich mich anfangs
nicht orientiren, erkannte aber bald zu meiner Enttäuschung und
Entrüstung, daß es Schnarchtöne waren, die sich dem weitgeöffneten Munde
meines harmlos eingeschlafenen Dieners entrangen. Etwas unsanft geweckt,
fühlte sich Pit über meine Beschuldigung bitter gekränkt und versprach
den Anfechtungen Morpheus' zu widerstehen -- doch die Allgewalt des
Schlafgottes besiegte schneller als ich es gedacht, den schwachen Willen
des Schwarzen, dessen ganze Seligkeit eben der Schlaf war.
Gegen 10 Uhr, als das fahle Mondlicht über die Lichtung hinfluthete,
vermengten sich seine melodischen Kehlkopftöne mit einem dumpfen Laut,
wie wenn sich von Westen her ein Trupp Pferde dem Wasser nähern würde.
Ich ergriff mein Gewehr und an den Mimosenstamm angelehnt, lugte ich
zwischen diesem und dem an acht Fuß hohen Termitenhügel aus, der Laut
wurde mit jeder Minute stärker und rührte unstreitig von Zebra's her.
Ich sollte auch nicht lange darüber im Zweifel bleiben, denn etwa eine
Viertelstunde später, nachdem ich den Laut vernommen, erschienen auf der
grell vom Lichte des Mondes beschienenen freien Stelle zwei Zebra's,
welche vorsichtig nach allen Seiten Rundschau hielten und beinahe nach
jedem zweiten Schritte stehen blieben, um zu lauschen, wovon die sich
aufrichtenden Ohren deutlich zeugten; nach wenigen Augenblicken kam die
etwa 20 Stück zählende Heerde. Ich war unentschlossen, ob ich sofort
feuern oder vielleicht zuvor noch Pit in die Gegenwart zurückrufen
sollte, damit auch dieser zum Schuß käme. Die ganze Heerde stand nun auf
der Lichtung ruhig wie eine aus Stein gemeißelte Gruppe. Die Betrachtung
dieses schönen Bildes war mir kaum zwei Minuten lang vergönnt, denn aus
der Tiefe unter mir drangen zwei das Gehör, den Geist und die Seele tief
verletzende Mißtöne in die Stille der Nacht, laut genug, um von den kaum
sieben Schritte entfernten Zebra's gehört zu werden. Um die Thiere nicht
vollends zu verscheuchen, weckte ich den Unverbesserlichen. Diesmal
erhob er sich sofort, griff jedoch in seinem Schlaftaumel nach der
niederen Umzäunung, welche mit Ausnahme der obersten Lage aus trockenen
Zweigen bestehend, unter seinem Gewichte zusammenbrach, während ich nun
rasch nach ihm griff, um ihn vor dem Falle zu schützen, damit er die
Thiere nicht vollends vertreibe, wirft sich die Zebraheerde in
Blitzesschnelle herum und war verschwunden, bevor ich noch an's Feuern
denken konnte.
Bald darauf schnarchte Pit lustig weiter. Mitternacht kam und nichts
wollte sich hören lassen, doch gegen 1 Uhr, als sich der Mond wieder
gesenkt hatte, vernahm ich ein Blöken von Nordwest her, welches sich der
Lichtung zu nähern schien. Es war eine Büffelheerde, die Thiere hatten
jedoch unsere Witterung bekommen und waren an der Lichtung
vorübergegangen, und bei einer zweiten, die 500 Schritte nach Osten zu
lag, eingekehrt. Ich wollte auch dieses vorüberziehende Wild zur
Kenntniß meines wißbegierigen Dieners bringen und machte ihn auf das
Brüllen und Blöken aufmerksam. »Kühe, Kühe und Kälber,« meinte er, »Th.
hatte sie nicht fest gemacht.« Dann lehnte sich sein müder Oberkörper
wieder zurück und bevor ich noch mein Lachen über seine Antwort
unterdrückt, war er wieder eingeschlafen. Doch auch bei mir fing die
Müdigkeit an, merklich ihre Rechte geltend zu machen, und ich versank in
einen Halbschlummer, aus dem mich ein Geräusch, einem sich nähernden
Sturmwind nicht unähnlich, emporriß.
Mehr denn 20 Minuten hindurch konnte ich über die Ursache desselben
nicht klug werden, nicht eher, als bis ich dessen sicher war, daß es von
einer der beiden ostwärts von uns liegenden Regenlachen herkam, und ein
schnarrender trompetenartiger Ton mein lauschendes Ohr traf. Es war eine
zahlreiche Elephantenheerde, welche sich in dem größeren, mit Gras
reichlich durchwachsenen Gewässer gütlich that. Deutlich konnte man
zwischen dem trompetenartigen Geschnurre das Plätschern der Riesenthiere
im Wasser vernehmen. Durch diese Wahrnehmung aufgeregt, ergreife ich
Pits Hand und ihn aufrüttelnd, deute ich auf das Geräusch hin. »Ja,«
lallte er, »decken Sie sich nur zu, der Wind bläst heute gar stark«.
Nach wiederholtem Rütteln gelang es endlich, dem blöden Schläfer die
Situation begreiflich zu machen.
»Ich erinnere mich,« sagte ich, »an zwei kleinen Stellen trockenes Gras
gesehen zu haben, wir stecken dies in Brand, der die Thiere erschrecken
und uns einen Anblick bietet, wie wir ihn wohl nach jahrelangem Wandern
im Innern Süd-Afrika's nicht oft erleben werden.« Doch damit zeigte sich
mein Heldenjüngling nicht zufrieden. »Doctor, haben Sie heute Früh die
zahlreichen Löwenspuren gesehen, und dahin sollen wir gehen? Aus dem
hohen Gras können uns die Löwen auf den Rücken springen, bevor wir uns
nur umwenden können.« Der Mond neigte sich zum Untergange, die Nacht
fing an sich zu verdunkeln und nachdem ich mir die Sache reiflich
überlegt, beschloß ich diesmal dem Rathe meines Dieners nachzugeben. Wir
lauschten noch eine Weile und dann entschlummerte Pit, doch es dauerte
nicht lange und unwillkürlich folgte auch ich seinem Beispiele.
Wir mochten uns etwa eine halbe Stunde lang diesem Genusse hingegeben
haben, als ich plötzlich durch ein unmittelbar vor dem Anstande hörbares
Gebrülle zum Bewußtsein gebracht wurde, welches mich zum raschen Handeln
nöthigte und mir die nächtliche Kühle vergessen ließ; es war das
Gebrülle eines Löwen, dem ein schwächeres, mehr ein Brummen, jenes der
Löwin folgte. Das Gebrüll wiederholte sich dann etwa 30 Schritte vor
uns, worauf es sich zu nähern schien, ich kniete nieder und machte mich
schußbereit, doch konnte ich der Dunkelheit halber nichts sehen, weshalb
mir auch meine Lage etwas unangenehm vorkam, und dies um so mehr, als
ich dessen sicher war, daß wir schon lange von den Raubthieren
beobachtet wurden und meine Hände in Folge der Feuchtigkeit ziemlich
starr geworden waren. Doch da liegt ja Pit, gewiß ein Retter in der
Noth, doch konnte ich mich auf ihn verlassen?
Ich will zugeben, daß es ein etwas unsanfter Rippenstoß war, den ich ihm
nun versetzte, denn rasch hob er sich empor und weil sich zufällig in
diesem Augenblicke das Löwengebrülle wiederholte, war es nicht nöthig,
Pit eine Erklärung dieses Lautes geben zu müssen. Er sprang sozusagen
kerzengerade auf, und griff mit der Hand nach dem überhängenden Aste der
Mimose. Auch die Raubthiere mußten das Geräusch vernommen haben, wir
hörten, daß die Thiere näher kamen, nun schien mir auch zum zweiten Male
des Dieners Wink vortrefflich, und der Baum eine rettende Insel werden
zu wollen. Doch wie hinauf gelangen? Ich hatte eine von den schottischen
Flachmützen, so wie ein Paar hohe Stiefel und einen bis an die Kniee
reichenden Ueberzieher, so bewaffnet, war es vielleicht möglich, mir
einen Weg nach Oben durch das dichte Netz der mit Doppeldornen
versehenen Zweige zu bahnen, ich zog zum Ueberfluß den Ueberrock noch
über den Kopf und ließ mich von Pit hinaufschieben, um desto leichter
die Hindernisse zu bewältigen. Als ich den Fuß auf die ersten stärkeren
Zweige setzte, zog ich Pit nach, der mir zu gleicher Zeit die Gewehre
reichte. Trotzdem, daß wir endlich eine etwa drei Meter hohe Stelle über
dem Boden eingenommen hatten, war es uns doch nicht möglich, ob der
herrschenden Dunkelheit und des hohen Grases so viel von den Löwen zu
erblicken, daß wir auf sie feuern konnten. Sie blieben brüllend im
Hochgras der Lichtung hin und her rennend, bis gegen den Morgen, um
welche Zeit sie in der Richtung, aus welcher die Büffel gekommen waren,
verschwanden. Als wir nach ihrer freundlichen Entfernung auch zu unserer
Abreise schritten, besuchten wir das jenseitige Wasser, aus dem indeß
sowohl die Büffel als auch die Elephanten verschwunden waren. Hier
fanden wir, daß wenigstens 30 Elephanten, darunter auch Kälber, dasselbe
besucht hatten.
Da ich an den Thieren Beobachtungen anstellen wollte, so folgte ich
ihnen mit Pit nach, nachdem wir zuvor am Wagen einen Morgenimbiß
eingenommen und von Th. vernommen hatten, daß das Löwenpärchen auf einer
freien Sandstelle kaum einen Steinwurf weit vom Lagerplatze gebrüllt
habe. Doch gab ich die Verfolgung wieder auf, weil die Elephanten, nach
den Spuren zu urtheilen, einen Vorsprung von mehreren Meilen hatten.
Obgleich ich am selben Tage Tamafopa verlassen wollte, hatten mir doch
die Elephanten in der vorigen Nacht das Herz so warm gemacht, daß ich
noch einen Versuch allein unternahm, bei dem Gewässer, wo sie sich
herumgetummelt hatten, auf dem Anstande zu liegen. Ich besah mir genau
den Ort und wählte als den besten Observationspunkt einen etwa 50 Fuß
hohen, dicken schönen Haardekoolbaum, an dem jedoch die niedrigsten
Aeste so hoch begannen, daß es mich Wunder nahm, wie ich hinauf gelangen
sollte. Endlich fand sich auch das Mittel hierzu, ich band acht Stück
Ochsenriemen zusammen, nahm Pit und Meriko mit und ließ mich
hinaufziehen. Oben machte ich es mir zurecht, so wie ich konnte, um das
nächtliche Treiben bei dem Weiher so deutlich als möglich beobachten zu
können. Leider war mein Harren ein vergebliches, es kam die Nacht, in
diesem Theile der südafrikanischen Troppen von eigenthümlicher
winterlicher Kühle und Schönheit, ich fror ganz entsetzlich. Gegen
Mitternacht hörte ich zwar die herannahende Elephantenheerde, doch
zugleich auch das wohlbekannte Knallen der afrikanischen Riesenpeitsche,
und es währte nicht lange, daß das in den Büschen, von der
Elephantenheerde verursachte Knacken, schwächer wurde und endlich, je
näher der Wagen kam, gänzlich aufhörte. Wie ich später vernahm, war es
der Elfenbeinhändler Kurtin, der nach dem Panda ma Tenka-Thale zog, um
hier seinen mit einem Wagen vorausgesandten Bruder zu treffen.
Am 17. versuchte ich, ein Erdferkel (einen Termitenfresser) auszugraben.
In der Nacht auf den 18. tödteten wir zwei Fahlschakale und zogen durch
sehr tiefen Sand nach den Tamasetse- (d. h. sandiger Ort) Weihern, an
denen ich bis zum nächsten Morgen verblieb. Da ein kalter Wind über die
Lichtung, in der die Weiher liegen, herunter pfiff, zog ich meinen Wagen
in's Gehölz, um hier ein ruhigeres Nachtlager zu finden, und dies
deshalb, weil ich bis zum 20. hier zu verweilen gedachte, um einer
Säbelantilope habhaft zu werden. In der Nacht wurden wir plötzlich durch
einen Aufschrei Meriko's wachgerufen. Eine Schlange hatte sich auf
seinem Unterleibe eingenistet. Leider war Meriko über diesen Besuch so
erbittert, daß er das enteilende Thier schwer verletzte, bevor ich es
für meine Sammlungen retten konnte.
In Folge der Anstrengungen der letzten Tage und der schlaflosen Nächte
fühlte ich mich sehr unwohl, und war froh, mich an dem Lagerfeuer
erwärmen zu können. Ich war eben mit der Durchsicht meines Tagebuches
beschäftigt, als mich ein Aufschrei Th.'s dazu bewog, mich rasch
umzusehen. Ich war, ohne das Thier gesehen zu haben, neben einer
wahrscheinlich durch die Wärme des Feuers angelockten Buffadder
gesessen. Wenige Secunden später war diese Schlange meinen Sammlungen
einverleibt.
V.
Von Tamasetse zum Tschobeflusse.
Henry's-Pan. -- Leiden und Freuden der Elephantenjäger. -- Eine
Löwenjagd des jungen Schmitt. -- Makalaka's. -- Ein muthiges Weib. --
Nächtlicher Ueberfall durch einen Löwen. -- Die südafrikanischen
Löwenspecies. -- Leben und Gewohnheiten des Löwen. -- Seine
Angriffsmethoden. -- Ankunft in Panda ma Tenka. -- Blockley. -- Der
Elfenbeinhandel mit Sepopo. -- Elandstiere. -- Aerztliche Praxis am
Henry's Pan. -- Thier- und Pflanzenleben im Panda ma Tenka-Thale. --
Bienenschwärme. -- Westbeech's Handelsstation. -- Saddler's Pan. -- Der
Händler Y. -- Im Leschumothale. -- Gereizte Elephanten auf der Flucht
durch den Wald. -- Am Ufer des Tschobe.
[Illustration: Heimkehrende Elephantenjäger.]
Zeitlich Morgens verließ ich am 20. Juli mein Lager im Tamasetsewalde
und zog in der wiesigen Einsenkung weiter nach Norden. Spät am
Nachmittage holte uns zu Pferde ein ärmlich gekleideter holländischer,
etwa 14 Jahre alter Knabe ein. Als ich ihn, nicht wenig erstaunt, über
den Zweck der Reise befragte, erfuhr ich, daß seine Eltern in einer
Hütte an der nächsten Lache wohnten, und daß ihn der Vater unter
Begleitung von nur zwei Schwarzen mit einem Ochsenwagen nach dem
entfernten Makalakalande gesendet habe, um Kaffirkorn gegen Glasperlen
und Kattun einzutauschen.
Am folgenden Morgen langte ich an diesem Gewässer an, das nach dem
Diener eines Jägers mit Namen Henry, der hier eine Giraffe erlegt hatte,
Henrys-Pan genannt wurde. Ich fand hier drei Boerfamilien, drei
holländische Jäger, Schmitt und die Gebrüder Lotriet. Der erstere lebte
bereits in einer geräumigen Grashütte seit einem Monat hier und hatte
Tags vor meiner Ankunft eine Säbelantilope erlegt. Als einer der
erfahrenden Jäger bereicherte er meine Jagdskizzen mit einigen äußerst
interessanten Löwenabenteuern und Scenen aus den Elephantenjagden, von
denen ich die zwei überraschendsten hier mittheile.
Im laufenden Jahre (die halbe Jagdsaison war bereits vorüber) hatte er
neun Elephanten, während seiner gesammten, nahezu zwanzigjährigen
Jagdthätigkeit über 300 erlegt. Er hatte sich vor nicht langer Zeit mit
der Witwe eines Jägers, der im Matabele-Lande gestorben war, durch einen
der Herren Missionäre daselbst trauen lassen. Sein ältester Stiefsohn
ist der Held der beiden folgenden Begebenheiten. Vor zwei Jahren lag
Schmitt an der südlichsten Klamaklenjana-Quelle mit der Absicht, hier
seinen Stiefsohn mit den Elephanten und ihrer Jagd vertraut zu machen.
Als man eines Morgens gefunden, daß zahlreiche Elephanten eine der
Quellen während der Nacht besucht, machte er sich gegen Mittag von
seinem Sohne und dessen kleinem Leibdiener, einem Masarwa, begleitet auf
den Weg, um der Spur der Thiere zu folgen. Kaum eine Stunde weit vom
Wege entfernt, sah Schmitt, der beritten war, einen mächtigen männlichen
Elephanten Siesta halten. Das wohl kranke Thier war hinter seinen
Genossen zurückgeblieben. Schmitt wollte dem folgenden Knaben das Thier
nicht eher zeigen, als bis sie auf 50 Schritte nahegekommen waren,
worauf er sich mit ihnen dem Thiere behutsam und durch Büsche gedeckt
näherte, dann hieß er sie nach der bekannten Weise das Thier »kehren«,
d. h. sie hatten vor das Thier zu laufen, es durch einen Schrei zu
wecken, und nach der Richtung, woher sie gekommen waren, oder nach einer
anderen Seite hin zur Flucht zu bringen. Von der Beschaffenheit des
Windes hängt es nun ab, auf welche Seite des flüchtenden Elephanten sich
der Jäger zu stellen hat. Als jedoch die Nimrod-Aspiranten das
Riesenthier erblickten, nahmen sie Reißaus. Schmitt wandte jedoch sein
Pferd und jagte ihnen nach, löste seine Nilpferdpeitsche vom Sattel
peitschte beide zu dem Elephanten, und befahl ihnen, aus einer
Entfernung von 30 Schritten auf den Elephanten zu feuern. Beide Kugeln
schlugen in die Fleischmasse der Schenkel ein. Der Jäger befiehlt seinem
Gehilfen von Neuem zu laden, sprengt dann vor den Elephanten, der
aufstürzend mit dem Rüssel, aus dem Winde die Stellung seiner Gegner zu
ergründen sucht, um das Thier mit lautem Geschrei zu den Jägern zu
treiben, allein das verwundete Thier machte dem Jäger einen Strich durch
die Rechnung, denn es kehrte sich, sowie es den Reiter erblickte, gegen
diesen und jagte ihm laut brüllend, mit hochgehobenem Rüssel nach. Der
alte Jäger machte aber von seiner Flucht den besten Gebrauch, indem er
nach einem seiner kleinen Genossen zusprengte, um das Thier auf die
neuen Gegner aufmerksam zu machen. Obgleich der Elephant jetzt einen
anderen Anblick darbot als zur Zeit seines Schlummers, wichen doch die
kleinen Jäger, denen vielleicht noch von der vorhergehenden Züchtigung
ein unangenehmes Gefühl zurückgeblieben war, nicht von ihrem Posten und
sandten ihre beiden vierlöthigen Kugeln dem vorüber trabenden Thiere in
das Ohr, so daß sein Tod vor Ablauf von zwei Minuten erfolgte.
Ein Jahr vorher hatte Pit, der Stiefsohn Schmitts, mit seinem kleinen
Diener auf eigene Faust eine Elephantenkuh, einen Löwen, zwölf Giraffen,
sechs Strauße, eine Säbel-Antilope geschossen und zahlreich waren seine
Opfer unter den Zebra's, Eland- und Kudu-Antilopen. Vor drei Jahren, als
noch Pit ein Junge von 11 Jahren war, jagte sein Stiefvater im Matabele-
und Maschona-Lande. Auf dem Heimwege begriffen, war er bis zu dem
Ramakhobanflusse gelangt, wo er einige Tage auszuruhen gedachte. Hier
ritt er mit seinem Sohne Pit aus, um frisches Fleisch für die Seinigen
zu gewinnen. Eine Meile vom Wagen entfernt, wurden die Jäger von einem
tiefen Brummen überrascht, welches aus einem Gebüsche vor ihnen zu
kommen schien. Bevor sie sich noch genau überzeugen konnten, in welchem
Gebüsche das ihnen dem Laute nach wohlbekannte Raubthier liege, stürzte
dieses, eine ausgewachsene Löwin, mit fletschenden Zähnen auf die Jäger
los. »Vater,« ruft Pit, »soll ich zuerst feuern oder willst Du den
ersten Schuß haben?« Der alte Jäger, dem das Benehmen des Raubthieres
ungewöhnlich vorkam, und da es so zornig schien, es irgend verwundet
glaubte, behielt sich den letzten und entscheidenden Schuß vor. Darauf
feuert Pit beide Schüsse seines kleinen Doppelgewehres auf das Raubthier
ab, welches sich eben niedergelegt hatte, um auf seinen Vater den Sprung
zu wagen, beide Kugeln trafen das Thier, in den Schädel über dem linken
Ohre eindringend, daß es sofort zusammensank. Pit war, dem Befehle
seines Vaters Folge leistend, vom Pferde herabgestiegen, und hatte den
Zügel über den linken Arm geworfen, in stehender Stellung gefeuert. Bei
der Untersuchung des Thieres fand sich, daß die Löwin unter einen der
vergifteten Fall-Assagaie gerathen und am Rücken verwundet worden war.
Außer Schmitt befand sich noch ein Mann aus der Colonie an Henry's Pan,
der ebenfalls der Jagd halber hierher gezogen war und der an einem
Epitelialkrebs des Unterkiefers litt. Die beiden Familien der Lotriet,
die eine aus neun, die zweite aus drei Personen bestehend, waren
sämmtlich am Fieber erkrankt. Zwei nothdürftig aus Zweigen und Gras
errichtete Hütten, die weder gegen Regen, noch gegen die sengenden
Sonnenstrahlen hinreichenden Schutz boten, waren der Aufenthalt der
Armen. Hier lagen sie auf der Erde, hungernd und ohne jedwede Hilfe in
einem erbarmungswerthen Zustande. Sie beschuldigten einen Händler, sie
in diese Gegenden und bis zum Zambesi gelockt und sich ihrer dann auf
schnöde Weise entledigt zu haben. Als ich später sechs andere
Elfenbeinhändler darüber befragte, bestätigten mir diese nicht allein,
was die beiden Lotriets freiwillig gebeichtet, sondern berichteten mir
so viel über dieses Individuum, daß ich mich aus verschiedenen Gründen,
namentlich aber, damit sich nicht Aehnliches wiederhole, genöthigt sah,
die traurige Geschichte dieser Lotriets der Oeffentlichkeit zu
übergeben. Ich that dies in den »Diamond News« unter dem Titel »^Dark
Deeds^« und behalte mir weitere ähnliche Veröffentlichungen für später
vor.
Die meisten der kranken Lotriets schwebten in Lebensgefahr, sie trugen
nur zu deutlich an ihrem Körper die Spuren des Fiebers zur Schau und es
fehlte ihnen nicht allein an Kleidungsstücken, sondern auch an den
nöthigen Heilmitteln. Ich verabreichte ihnen diese, und erhielt von dem
einen der Lotriets einen acht Pfund schweren Elephantenzahn dafür,
dessen Werth jenem des verabreichten Chinins annähernd gleichkam. Drei
Tage zuvor hatten die Leute für etwa sechs Unzen Ricinusöl (^Castor
oil^) eine gleiche Entschädigung zahlen müssen.
[Illustration: Ein muthiges Weib.]
Auf einem in die Nähe unternommenen Ausfluge hatte ich die Gelegenheit,
Kudu-Antilopen in der Nähe beobachten zu können, leider hatte ich mich
dabei in dem endlosen Walde verirrt, mit Hilfe der Sonne jedoch spät
Nachmittags den Lagerplatz wiedergefunden. Auf einem anderen Ausfluge
kam ich zu zahlreichen von einer Elephantenheerde gegrabenen Löchern.
Sie waren meist kreisrund und hatten einen Durchmesser von 4 bis 6 Fuß
und waren etwa 1 bis 1½ Fuß tief; hat der Elephant mit dem Tastorgan
seines Rüssels die von ihm namentlich gesuchten Wurzeln und Knollen
gefunden, so läßt er sich auf die Knie nieder, um die beliebte Nahrung
mit den Stoßzähnen herauszugraben. Da jedoch die gesuchtesten solcher
Pflanzen zumeist am Abhange von Felsenhügeln an und zwischen dem Gestein
sich finden, zeigen die sich in diesen Gegenden aufhaltenden Elephanten
an den Spitzen stark abgeschliffene Hauer; daher rührt auch die
Ungleichheit der Elephantenzähne rücksichtlich ihrer Schwere welche
Gewichts-Differenz oft vier Pfund erreicht.
Mein über die Makalaka's gefälltes Urtheil fand ich hier wieder durch
einige Berichte bestätigt. Ich will vorläufig einen derselben im
Folgenden mittheilen. In der Abwesenheit ihres Gemahls hatten es zweimal
Makalakadiener versucht, Frau Schmitt die Gewehre aus dem Wagen zu
stehlen; in dem einen Falle hatte es das Weib des Jägers verhindert, in
dem zweiten kam sie zu spät und hatte nur noch das Nachsehen; da sie
jedoch um jeden Preis die beiden gestohlenen Gewehre wieder bekommen
wollte, ergriff sie den im Wagen verborgen gewesenen Hinterlader ihres
Mannes und eröffnete vom Bocke aus »Feuer« auf die flüchtigen Diebe,
welche dasselbe mit ihren Musketen erwiderten, ohne jedoch die Frau zu
verwunden.