XVII. Durch die Colonie zur Küste.

Abreise von Bultfontein. -- Straußenzucht auf der Farm Ottersport. --

Straußenzucht im Allgemeinen. -- Meine erste Vorlesung in Colesberg. --

Cradock. -- Ein Unfall bei diesem Orte. -- Der Zulu-Krieg. -- Die

Ursachen der Mißerfolge in der Behandlung der südafrikanischen

Eingebornen. -- Meine Artikel über den Zulu-Krieg. -- Kampfweise der

Zulu. -- Grahamstown. -- Reiche paläontologische Funde. -- Ankunft in

Port Elizabeth. -- Eine Löwenjagd. -- Ausflüge in die Umgebung. -- Meine

marinen Sammlungen. -- Meine Sammlungen in Gefahr. -- Die letzten Tage

auf afrikanischem Boden. -- Heimfahrt nach Europa, Projecte für die

Zukunft

Inhalt des Anhangs.

1) Die Roiwater-siekte

2) Chirurgische Erfahrungen

3 u. 4) Meine Behandlung des Fiebers

5) Zwei Züge von Kindesliebe bei den Eingebornen

6) Eine Löwenjagd Cowley's

7) Originaltext einer Stelle aus meiner Broschüre: ^A few words

on the Native Question^

8) Die Dürre-Perioden in der Cap-Colonie

9) Die Straußenzucht in Süd-Afrika

10) Originaltext eines meiner Artikel über die Zulu's

11) Die Maschona

12) Zweck und Ziel meiner nächsten Forschungsreise

Karten.

Specialkarte (Nr. 1) des von Dr. Holub bereisten centralen Theiles

von Ost-Bamangwato und West-Matabele.

" (Nr. 2) Die Victoriafälle des Zambesi.

" (Nr. 3) Dr. Holubs Bootfahrten im centralen Laufe des

Zambesi von der Malumba-Bucht bis zum

Nambwe-Katarakt (Süd-Barotse).

Verzeichniß der Illustrationen.

1. Titelbild zur dritten Reise in das Innere von Süd-Afrika

2. Batlapinen auf der Bläßbockjagd

3. Weiher bei Coetze's Farm

4. Gräber unter den Kameeldornbäumen bei Mamusa

5. Wildgansschießen an Moffats Salzsee

6. Tauschhandel bei Konana

7. Rauchender Betschuana

8. Felsenpartie bei Molema's Town

9. Pavianfelsen

10. Bootfontein

11. Newport-Farm

12. Welsfang im Marico

13. Im Sumpfe am Matebe-Flüßchen

14. An der Löwenfurth im Marico

15. Krokodile im Limpopo

16. Kampfesscene auf den Bamangwato-Höhen

17. Das Lualabett

18. Straußenheerde am Wagen

19. Jagd auf Eland-Antilopen durch Masarwa's

20. Verfolgende Matabele

21. Jagd auf Zulu-Hartebeeste

22. Die Soa-Salzpfanne

23. Im Baume

24. Nachtreise bei Fackelschein

25. Von Löwen aufgescheucht

26. Pit, schläfst Du?

27. Heimkehrende Elephantenjäger

28. Ein muthiges Weib

29. Unterricht im Elephantenjagen

30. Nächtlicher Ueberfall durch einen Löwen

31. Elephantenheerde auf der Flucht

32. Bootfahrt im Zambesi

33. Impalera

34. Grab eines Masupia-Häuptlings

35. Am Tschobe-Ufer

36. Wildebene bei Blockley's Kraal

37. Nilpferdjagd

38. Im Papyrusdickicht

39. Empfang bei Sepopo

40. Hafen von Schescheke

41. Uebersiedlung nach Neu-Schescheke

42. Musik-Instrumente der Marutse

43. Kischitanz

44. Kischitänzer-Maske

45. Am Ufer des Zambesi

46. Jagd auf Bushvaarks

47. Zusammentreffen mit Giraffen

48. Leben und Weben am Grunde der Süßwassertümpel

49. Die Victoriafälle

50. Der Löwe kommt

51. Jagd auf Sporngänse

52. König Sepopo

53. Kaïka, König Sepopo's Tochter

54. Der prophetische Tanz der Masupia

55. Besuch der Königinnen

56. Meine Hütten in Neu- und Alt-Schescheke

57. Krokodilangel

58. Jagd auf Wasser-Antilopen

59. Büffeljagd

60. Löwenjagd bei Schescheke

61. Maschukulumbe an Sepopo's Hofe

62. Sepopo's Arzt

63. Mabunda. Makololo

64. Mankoë

65. Marutse-Typen

66. In den Manekango-Stromschnellen

67. Mambari. Matonga

68. Zambesi aufwärts

69. Verlust meines Bootes

70. Sioma von Löwen angegriffen

71. Fischotterjagd am Tschobeflusse

72. Masupia. Panda

73. Das Speeren der Fische

74. Gang durch Schescheke

75. Ertränken arbeitsunfähiger Personen

76. Sepopo's Capellmeister

77. Korb aus Bast und Kalebassen-Korngefäße bei den Mabunda

78. Schöpflöffel und Kalebassen-Korngefäße bei den Mabunda

79. Ein Marutse-Elephantenjäger

80. Kalebassen für Honigbier und Korn bei den Marutse und Mabunda

81. Tabaks- und Dachapfeifen der Marutse und Mabunda

82. Dachapfeifen der Mabunda, Marutse und Masupia

83. Scene am Zambesiufer in Schescheke

84. Lager im Leschumo-Thale

85. Wana Wena, der neue König der Marutse

86. Ruinen von Rocky-Schascha

87. Ruinen von Tati

88. Begegnung mit einem Löwen am Tatiflusse

89. Der Leopard im Hause Pit Jacobs

90. Rückreise nach den Diamantenfeldern

91. Koranna-Gehöfte bei Mamusa

92. Platberg bei Rietfontein

93. Fingoknabe

94. Mein Haus in Bultfontein

95. Felsen-Gravirungen der Buschmänner

96. Grabstichel der Buschmänner

97. Jagd auf Erdferkel

98. Colonel Warren

99. Bella

100. Jacobsdaal im Jahre 1872

101. Unfall bei Cradock

102. Kampfweise der Zulu

103. Masarwadorf

104. Fingodorf bei Port Elizabeth

105. Mainstreet in Port Elizabeth

106. Schlußvignette

Errata.

[Anmerkung zur Transkription: Die Errata wurden im nachfolgenden Text

korrigiert.]

Seite 3 Zeile 6 von oben lies: _Weltevreeden_ statt

Weltufrede.

" 27 " 17 " " " "

" 111 " 1 " unten " 98 statt 28 Fuß.

" 127 " 1 " oben " _Manansa_ statt Masarwa.

" 141 (Illustrations-Unterschrift) lies: _Grab eines

Masupia-Häuptlings_ statt Masupia-Grab.

" 202 Zeile 3 von oben lies: _Brauneisenstein_ statt

Braunstein.

" 249 (Illustrations-Unterschrift) lies: _Kaïka_ statt Moquai.

" 253 Zeile 6 von oben lies: ^_Merops_ Nubicus^ statt

^Herops Nubicus^.

" 299 " 16 " " " _Thari-_ statt Luchs-.

" 341 " 15 " unten " nach dem Worte Matschuku:

_Tabak_ einzuschalten.

" 395 " 17 " oben " ^_Anthiae thoracicae_^

statt ^Carabi

venatores^.

[Illustration]

Dritte Reise in das Innere

von

Süd-Afrika.

[Illustration]

I.

Von den Diamantenfeldern an den Molapo.

Aufbruch von Dutoitspan. -- Uebergang über den Vaal. -- Korannagräber im

Hart-Riverthale. -- Mamusa. -- Wildgansjagd am Moffat's Salzsee. -- Ein

Nest des Königskranichs. -- Ein Löwenabenteuer Taylor's. -- Molema's

Town. -- Barolongen-Hochzeit. -- Beschwörungsmittel. --

Eine Gerichtssitzung. -- Kalte Tage. -- Das Malmanithal. --

Weltevreeden-Farm.

[Illustration: Batlapinen auf der Bläßbockjagd.]

Nach fast dreijährigem Aufenthalte auf dem heißen Boden des schwarzen

Erdtheils, der Ruhmes- aber auch schweren Leidensstätte so vieler von

froher Begeisterung für ihren Beruf erfüllter Männer, stand ich nun an

der Schwelle meiner eigentlichen Aufgabe. Die verschiedensten Gefühle

durchwogten meine Seele, konnte und durfte ich hoffen, das ferne Ziel zu

erreichen, um dessentwillen ich die Heimat und meine Lieben verlassen

hatte, war ich den Schwierigkeiten der geplanten Reise auch gewachsen?

-- Die gesammelten Erfahrungen auf meinen zwei vorhergegangenen Uebungs-

und Recognoscirungs-Touren schienen mir diese Frage zu bejahen, ich

hatte die verschiedenen Tücken und Gefahren der afrikanischen Natur, die

zahllosen widrigen und störenden Zufälligkeiten im Verkehre mit den

Eingebornen, ihre Behandlungsweise, die Tragweite und den Werth treuer

und verläßlicher Begleiter und Diener kennen gelernt, und nach diesen

Erfahrungen mich nach besten Kräften auf diese, meine dritte Reise,

welche eine Forschungsreise im eigentlichen Sinne werden sollte,

vorbereitet; -- doch wo und wann ließ sich in Afrika der Erfolg selbst

der ausdauerndsten und energischesten Bestrebungen beschränkter

Menschenkraft mit Zuversicht vorherbestimmen!

Aus dem Widerstreite aller dieser Gedanken und Gefühle tauchte zuletzt

das Bild des atlantischen Oceans bei Loanda auf und belebte meinen Muth,

stärkte mein Vertrauen; in so manchen schwierigen Fällen war mir das

Glück als treuer Bundesgenosse beigestanden, vielleicht lächelte es mir

auch diesmal und half mir das Unberechenbare, an dem Forschungsreisen in

Afrika so reich sind, überwinden.

* * * * *

Am 2. März 1875 verließ ich Dutoitspan und begab mich vorerst zu einem

Freunde nach Bultfontein, um hier bis zum 6. zu verweilen und den Rest

meiner Geschäfte zu besorgen. Im Plane meiner eben anzutretenden Reise

lag es, Süd-Central-Afrika zu erforschen und da ich deshalb kaum nach

der Capcolonie zurückzukehren glaubte, hatte ich diesmal bei meinem

Scheiden aus den Diamantenfeldern mehr und wichtigeres zu besorgen, als

dies bei den zwei vorhergegangenen Versuchsreisen der Fall war.

Von Bultfontein am 6. aufbrechend legte ich etwa 11 Meilen zurück und

hielt bei einer von einer sandigen, schon von den Diamantenfeldern aus

sichtbaren Bodenerhebung umschlossenen Regenlache die erste Rast. Wir

schliefen in dem tiefsandigen, auf einige Meilen hin den nach dem

Transvaal-Gebiete führenden Weg begleitenden Mimosengehölze, dessen

Durchzug jedem Gefährte so widerlich wird.

[Illustration: Weiher bei Coetze's Farm.]

Am 7. passirte ich die beiden Farmen Rietfley und Keyle. Die erstere

liegt auf einem stark salzhaltigen Grunde und unmittelbar vor dem auf

einem nackten Felsenabhange liegenden unschönen Farmgebäude breitet sich

einer der bekannten Salzseen aus. Zwischen dieser Farm und Keyle steht

eine Lehmbaracke -- eines der vielen Uebel jener Gegenden, eine Cantine.

Der nächste Tagemarsch brachte uns an den Farmen Rietfontein und

Pan-Place vorüber und wir schlugen unser Nachtlager auf Coetze's Besitz

auf. Auf den Grasebenen der ersten Farmen tummelten sich

Springbockheerden, und als wir uns der zweiten, am Fuße des für

Griqualand-West bedeutungsvollen und weithin sichtbaren Platberges

gelegenen Farm näherten, erbeutete ich einiges Federwild, darunter ein

Rebhuhn. Wir begegneten mehreren Haufen nothdürftig bekleideter

Transvaal-Betschuana's, die je von einem Weißen (Diamantengräber)

angeführt, von diesem in ihrem Lande zum Diamantengraben geworben worden

waren. Der mir interessanteste Punkt der bisherigen Reise war ein Sumpf

an Coetze's Farm. Ein rings von Schilf umsäumter, buchtenreicher und von

kleinen Inseln bedeckter Weiher, der ein zahlreiches Wassergeflügel

beherbergte, namentlich Wildenten, Bläßhühner und Taucher.

Als ich am Abend Mynheer Coetze besuchte und auf die vogelreichen Weiher

zu sprechen kam, überraschte er mich mit der Antwort: »Ja, die Vögel

brüten auch da und wir stören sie nicht, noch gestatten wir, daß dies

Fremde thun, wir haben an den Thieren unsere Freude!« Mich erfreute

diese Antwort sehr und ich hatte auch später Gelegenheit, öfters unter

holländischen Farmern ähnlichen Gesinnungen zu begegnen.

Auf dem theilweise bewaldeten Gebiete dieses Farmers, das sich über

Theile von Griqualand-West und des Oranje-Freistaates ausbreitet, findet

sich unter anderem Hochwilde auch noch eine zahlreiche Heerde der

gestreiften Gnu's vor.

Zwei Tage später bewerkstelligten wir die recht mühselige Ueberfahrt

über den Vaal bei Blignaut's Pont. Einige Vogelbälge sowie zahlreiche

Blattkäfer (^Platycorynus^) Arten wurden meine Beute an beiden

Vaalufern. An der Ueberfuhr befand sich am diesseitigen Ufer ein Complex

von windschiefen, allseitig gestützten Lehmhäuschen -- ein Hotel

darstellend -- und am jenseitigen hie und da zerstreute Korannahütten,

deren Bewohner Fährmannsdienste zu versehen hatten. Für die Ueberfahrt

hatten wir an ihren Brodherrn 25 Shillinge zu bezahlen.

Nach einer in dem vom Regen stark aufgeweichten Boden beschwerlichen

Fahrt gelangten wir am 10. in das dem Leser schon von früher her

bekannte Transvaalstädtchen Christiana und zu der schon erwähnten

Hallwaterfarm (fälschlich Monopotapa genannt), und erstanden von den

hier weilenden Koranna's (von Mamusa) unseren Bedarf an Kochsalz.

Am 12. schlug ich eine nördliche Richtung ein und passirte

Strengfontein, Mynheer Webers Farm.[1] Auf der Weiterfahrt betrat ich

ein schön begrastes Buschland, auf dessen Fläche ich mehrere Farmen

gewahrte, und das von den Koranna's, von Gassibone, von Mankuruana,

sowie auch von der Transvaal-Regierung gleichzeitig beansprucht,

factisch keinen Landesherrn besaß. Die Gehölze beherbergten Deuker,

Hartebeest-Antilopen, gestreifte und schwarze Gnu's, die Grasflächen

Springbock- und Steenbock-Gazellen, Trappen und eine zahlreiche

Vogelwelt kleinerer Art.

[Fußnote 1: Die Farm liegt östlich von dem Gebiete der unabhängigen

Koranna's.]

Wir zogen an einer kurz zuvor von den an den nahen Höhen umwohnenden

Eingebornen eingeäscherte Farm (Drie- und Vierfontein genannt) vorbei

und lagerten auf der etwas weiter ab liegenden Houmansvley. An der

erstgenannten standen in der Nähe des Farmgebäudes einige Korannahütten,

deren weibliche Insassen in ihrem Betragen im schroffsten Gegensatze zu

zwei Batlapinenmädchen, die sich scheu zurückzogen, sich sehr

zudringlich geberdeten. Nahe an Houmansvley liegt ein sumpfiger Weiher

(Vley), in dem ich einige Wildenten, den grauen Reiher und langbeohrte

Sumpfeulen (^Otus Capensis^) fand. Mit Houmansvley verließen wir die

letzte der Farmen und betraten das Gebiet der Koranna's von Mamusa.

Am Abend des 15. langten wir im Hart-Riverthale an. Bei der Abfahrt zum

Flusse fuhren wir über einen hochbegrasten, von hundertjährigen

Kameeldornbäumen bestandenen Abhang, in deren Schatten wir mehrere zum

Theil noch erhaltene Batlapinen- und Korannagräber trafen. Das

Ueberschreiten des Flusses wurde uns an diesem Tage durch die starke

Strömung des oft vollkommen trockenen, gegenwärtig aber durch den

letzten Regen bedeutend angeschwollenen Flusses unmöglich, auch war der

Abhang eine zu anziehende Partie, als daß wir ihn so bald verlassen

hätten können. Die zungenförmig von dem im Hintergrunde bewaldeten

Hochplateau in das Hart-Riverthal hereinragende und steile Mamusahöhe

lag uns -- etwas zur Rechten, am rechten Hart-River, etwa 1200 Schritte

entfernt -- gegenüber.

Wir besuchten Mamusa und lagerten an dem kleinen Flüßchen »Prag«, unweit

der unter dem östlichen Felsenabhange der Höhe erbauten Handelsstation.

Mamusa, das noch vor wenigen Jahren einer der meist bevölkertsten Orte

des Hottentotten-Elementes in Süd-Afrika bildete, war zur Zeit meines

Besuches bis auf einige Sprößlinge des ergrauten Königs Maschou und

ihrer Diener verlassen. Die Bewohner waren theils mit ihren Heerden auf

die Weide gezogen, theils hatten sie die Stadt verlassen, um sich an den

Nebenflüßchen der Mokara und des Konana, auf den nach Norden gegen den

Molapo sich erstreckenden Wildebenen anzusiedeln. Dies kleine

selbstständige Fürstenthum der Koranna's von Mamusa ist eine Enclave in

den südlichen Betschuana-Gebieten, doch sein Bestand für die Nachbarn

nicht besonders segenbringend, da der häufige Contact zwischen dem

Hottentotten- und dem Banthu-Elemente stets nur die Decadenz der Stämme

der letzteren Familie zur Folge hatte.

[Illustration: Gräber unter den Kameeldornbäumen bei Mamusa.]

Bei dem Händler fand ich gefälliges Entgegenkommen. Herr Mergusson war

ein Thierfreund und beschäftigte sich mit der Zähmung seines zahlreichen

Wildgeflügels. Er zeigte mir mehrere meterhohe Stöße von Antilopen-,

Gnu- und Zebrafellen, die er nach Bloemhof zum Verkaufe zu

bringen gedachte. Er und sein Bruder hatten schon zweimal ihre

Tauschhandelsreisen bis zum N'Gami-See ausgedehnt. Während meines

Aufenthaltes im Weichbilde der Stadt hörte ich auch von jenen

diebischen, auf meiner zweiten Reise in Musemanjana gemietheten Dienern.

[Illustration: Wildgansschießen an Moffat's Salzsee.]

Am 17. verließ ich Mamusa und langte Abends in dem südlichen Theile der

grasreichen Quaggaebenen an, nachdem wir das bebuschte, hie und da durch

Korannagehöfte belebte Hochland erstiegen hatten. Durch den Regen

aufgeweicht, war die Wildebene theilweise in einen förmlichen Sumpfboden

umgewandelt. An den wenigen trockeneren Partien wurden weißliche

Pünktchen wahrnehmbar, die sich in der Nähe als Springbock-Gazellen

entpuppten. Die schönen melodischen Töne der gekrönten Kraniche grüßten

den Wanderer von allen Seiten und sie selbst -- minder scheu als

anderwärts -- gestatteten ihm sogar die Pracht ihres Gewandes aus

ziemlicher Nähe beobachten zu können. Das Gegacker der bespornten und

der egyptischen Gänse lockte bald dahin, bald dorthin, während

zahlreiche größere Ketten oder einzelne Pärchen von Wildenten über uns

hin- und herschwärmten.

Die Fahrt der nächsten Tage bot uns vielfach Gelegenheit, unserer

Jagdlust zu genügen und lohnte unsere Mühe durch ergiebige Beute, unter

welcher sich ein Silberreiher, Regenpfeifer und Schnepfen befanden. An

einem weiten, mit salzigem Wasser gefüllten See ließ ich unser Lager

aufschlagen und beschloß hier einige Tage zu verweilen, da das reiche

Thierleben für unseren Tisch, als auch für meine Sammlungen manch'

werthvolle Acquisition versprach. Schon mit frühester Stunde des

nächsten Morgens brach ich in Begleitung Th.'s zur Jagd auf.

Da es in der Nacht geregnet hatte, war der Morgen recht kühl und

vergnügt begrüßte ich die ersten Vorboten des Himmelgestirns, die sich

vor mir in das Thal des Salzsee's ergossen und sich in den Fluthen

tausendfach widerspiegelten. Am jenseitigen Ufer entdeckten wir einen

stattlichen Haufen des wunderlichsten der Stelzenvögel, des

dunkelcarminrothen, braunschnäbligen Flamingo und nahebei graste eine

Schaar von schwarzen Gänsen. Nach uns zu watete laut schreiend eine

Doppelreihe der grauen Kraniche, während von einigen aus dem Gewässer

hervorragenden Felsenblöcken aus, Fischreiher Rundschau hielten. Dazu

schallte das schön klingende, langgezogene Mahem-Geschrei vom See

herüber und zwischen den Gruppen der genannten größeren Vögel watschelte

und schwamm eine Unzahl kleinerer Wasservögel, Enten und Bläßhühner. Ein

Pfiff meines Gefährten riß mich aus diesen Betrachtungen und hieß mich

auf der Hut sein; rasch einen Blick auf den See werfend sehe ich, wie

sich eben eine Schaar Wildgänse aus dem Gewässer erhob. Schweren

Schlages, doch ziemlich rasch, kommt es von Süden an mich herangebraust,

denn mächtig verstehen es die dunkelbraunen Gänse, die Luft mit ihren

bespornten Fittigen zu schlagen. Ein Doppelschuß bringt zwei der Thiere

in die Binsen herab. Rasch wendet sich der Rest nach links, Th. zu und

laut klagend eilt er nach den Grasebenen im Westen. Mit den beiden

Schüssen war neues Leben unter die auf dem See ein Asyl suchenden,

befiederten Schaaren gekommen. Die grauen Kraniche an unserem, die

gekrönten am jenseitigen Ufer erhoben sich rasch aus der seichten (kaum

zwei Fuß tiefen) Fluth; die Flamingo's liefen hin und her, nur

zeitweilig flog einer auf, um sich wiederum rasch niederzulassen -- bis

sie durch mein Erscheinen aufgeschreckt, laut schreiend aufflogen und

kaum rabengroß scheinend, lange Zeit hindurch über dem See kreisten.

Ihre Nachbarn, die schwarzen, grasenden Gänse suchten Schutz in den

Fluthen, während sich Schaaren kleinerer Wasservögel aus den

Binsendickichten des Ufers nach der Mitte des See's flüchteten. Als wir

einige Stunden später beim Frühstück saßen, bemerkten wir mit Staunen,

daß sich am jenseitigen Ufer im Sattel zweier Höhen eine mindestens 250

Stück zählende Bläßbockheerde eingefunden, bei deren Anblick wir unser

Mahl -- leider vergeblich -- im Stiche ließen. Als Ersatz gelang es mir,

einen schönen grauen Kranich zu erbeuten. Auch Pit schoß an diesem Tage

mehrmals Vögel an der Pfanne und überraschte mich Nachmittags mit der

Nachricht, daß er an einer kleinen dichtbeschilften Lache ein Nest der

Königskraniche gefunden habe.

Etwa 2000 Schritte nördlich von unserer Lagerstätte, hoch am Ufer des

Moffat'schen See's fand ich im Sumpfe eine kahle Stelle und in ihrer

Mitte eine künstliche aus Binsen errichtete, 2½ Quadratmeter umfassende

Insel, in deren Mitte sich eine Vertiefung -- das Nest mit zwei

faustgroßen, weißen, länglichen Eiern befand. Die eigentliche Nesthöhle

hatte 30 Zoll Durchmesser und war etwa sechs Zoll tief.

An einem der nachmittägigen Ausflüge, als ich in einer Schlucht an dem

Höhensattel lag -- beobachtete ich einen schon auf der zweiten Reise

wahrgenommenen Umstand, daß bei dem Aufsuchen der Tränke die

Springbock-Gazellen die Pionniere bilden und die Bläßböcke und Gnu's

erst dann folgen, nachdem die ersteren die Annäherung gefahrlos gefunden

haben.

Wir verließen am 23. das von mir Moffat's Salzsee benannte Gewässer,

dessen Ufer vorzügliche Schlupfwinkel des ^Canis mesomelas^ sind und

zogen an einigen tiefen Weihern vorüber, in denen es von Bläßhühnern und

Tauchern wimmelte. Auf einer naheliegenden bebuschten Höhe trafen wir

Makalahari's, welche damit beschäftigt waren, das Fleisch eines erlegten

Bläßbockes in schmale Streifen zu schneiden; auch stießen wir auf eine

Reihe von Fanggruben. Sie waren 1--1½ Meter breit und 8--15 Meter lang

und gegenwärtig zum größten Theile ihrer ursprünglichen Tiefe mit Sand

ausgefüllt. Abends passirten wir ein Gehölz, in welchem eine

Batlapinen-Jagdgesellschaft (Mankurnana's Leute) lagerte und uns bald im

bittenden, bald im befehlenden Tone um Branntwein bestürmte. Am 25.

wurden die Gebüsche dichter und das Wild, das am 24. an Zahl abgenommen,

wieder häufiger. Eine etwa 400 Stück zählende Springbockheerde weidete

vor uns, quer über den einspurigen, vom Grase überwucherten Weg, stob

jedoch bei unserer Annäherung auseinander, Th. gelang es indeß, eine

ausgewachsene Gais zu erlegen. Wir kamen nun in ein dichtes Buschfeld

und das Land zeigte einen merklichen Abfall nach Nordwest, wir waren im

Gebiete des Maretsane-Flüßchens angelangt. Wir passirten mehrere

Regenschluchten und seichte, ziemlich breite Thäler mit üppiger

Buschvegetation, von welchen ich eines Hartebeest-Thal nannte.

Nachmittags langten wir im tiefen Thale des Maretsane-Flusses an; an dem

rechten Abhange war ein Barolongen-Makalahari-Dorf erbaut, dessen

Bewohner die Heerden von Molema's Town hüteten. Das Thal selbst war

stellenweise dicht bebuscht und schien mir reich an kleinen

Wildgattungen, während die zwei bis acht Fuß tiefen Tümpel im Bette des

Flusses, der hier mehr den Charakter eines Spruit besitzt, Fische des

Orange-Rivers, Leguane, Krabben und zwei Entenarten beherbergten.

[Illustration: Tauschhandel bei Konana.]

Bei der Schilderung meiner zweiten Reise in dieser Gegend erwähnte ich

der sich im Unterlaufe der Flüßchen Konana, Maretsane und Setlagole

aufhaltenden Löwen. Gegenwärtig kommen sie in nur sehr dürren Wintern,

in denen das Wild die wasserarmen Partien des Kalahari-Buschlandes

verläßt, nach den oberen Thalpartien dieser Spruits. Um so häufiger

waren sie vor einigen Jahren, als hier das Wild noch in großen Rudeln

weidete und auf den Quaggaflats Straußenheerden ebenso häufig waren, als

es heutzutage die Gnu's sind.

Ein Jäger Namens Wilhelm Taylor, den ich einige Tage nachdem ich

Molema's Town verlassen zum erstenmale und später noch zweimal an den

Salzseen und den Klama-Klenjana-Quellen im nördlichen Theile des

Bamangwatolandes traf, erzählte mir folgendes interessante, ihm

zugestoßene Abenteuer.

»Im Jahre 1863 gab es noch so viele des werthvollsten der Riesenvögel an

den obgenannten Flüßchen, daß häufig Partien von bis zu 20 Jägern die

genannten Gegenden zwischen dem Hart-River und Molapo aufsuchten. Taylor

jagte in jenem Jahre immer in Gesellschaft eines Holländers, der

gegenwärtig am Malmanispruit residirt. Die Jäger kamen von Osten her und

hielten an den Quellen des Maretsane Rast, vor Allem, um das Fleisch

eines erlegten Zebra's zu zerschneiden und zu trocknen. Obgleich sie an

den beiden letzten Tagen keinen Löwen erblickten, trafen sie doch die

nöthigen Vorsichtsmaßregeln, um sich gegen die Raubthiere zu schützen.

Sie errichteten um den Wagen aus dürren Aesten eine leichte Umzäunung

und banden die Zugthiere an die Räder des Wagens an. Das gewohnte

Pfeifchen schmauchend, hatten sich Taylor und sein Genosse Abends unter

den Wagen gelegt, während der Hottentotten-Diener am Bocke saß und Wache

hielt. Die Unruhe, das starke Umherspähen desselben, fiel jedoch Taylor

auf und zwang ihn, denselben über die Ursache seiner Unruhe zu fragen.

Der Diener machte hierauf seinen Herrn auf einen Gegenstand aufmerksam,

der wenige Schritte vor dem Zugtaue seit längerer Zeit herumschlich und

den er für eine Hyäne hielt. Taylor beruhigte indeß den Diener, nachdem

er scharf ausgelugt und meinte, es wäre nur ein vom Winde bewegter

Busch. Kaum zu seinem Ruheplätzchen unter dem Wagen zurückgekehrt, hörte

er schon den Ruf des Dieners: »Herr, es ist kein Busch, nein Herr, Du

irrst Dich.« Taylor stand zum zweiten Male auf, betrachtete den

Gegenstand, der sich nun genähert, etwas genauer und erkannte einen --

Löwen, der wahrscheinlich durch das aufgehangene Zebrafleisch angelockt,

den Wagen und dessen Insassen einer genauen Musterung zu unterziehen

schien. Taylor ersuchte den Diener ihm aus dem Wagen sein Gewehr zu

reichen, doch schon bei der ersten Bewegung, die der Bursche machte,

stand der Löwe auf und kam direct an den Wagen heran, um sich etwa neun

Schritte vor dem Feuer zwischen zwei Büschen niederzukauern. In

demselben Momente aber als Taylor etwas zur Seite trat, um dem

blendenden Feuerscheine auszuweichen, riß sein unvorsichtiger Gefährte

dem Hottentotten das Gewehr aus der Hand, legte auf den Löwen an, schoß

und fehlte. Sofort erhob sich das Raubthier und kam während die Weißen

retirirten, rasch auf das Feuer los. Schon wähnten ihn die Jäger mit

einem Satze innerhalb der Umzäunung zu sehen, als sich der an demselben

Tage durch einen Schuß verwundete Hund, der unter dem Wagen lag, erhob

und sich, seitlich über das Feuer springend, dem Löwen entgegenwarf. Der

Löwe sprang erschrocken zurück und verschwand im Dunkeln, aber nur, um

nach einigen Stunden in Begleitung mehrerer seiner Familie

zurückzukehren und die Jäger förmlich zu belagern. Um nicht durch das

Tödten oder Verwunden des einen die Uebrigen zum unmittelbaren Angriffe

zu reizen, beschränkte sich Taylor darauf, die Thiere scharf zu

beobachten und das Feuer in gleicher Mächtigkeit zu unterhalten. Gegen

Morgen zogen die Löwen ab und die Jäger fanden das Gras förmlich

niedergestampft. »^You could'nt go so far as two yards without not to

tap in to a lions-track,^« meinte Taylor.

[Illustration: Rauchender Betschuana.]

Am folgenden Tage begegneten wir, durch einen Mimosenwald ziehend,

zweien Barolongen, welche mich auf die Nähe von Molema's Town aufmerksam

machten und mir mittheilten, daß König Montsua daselbst zu Besuch weile

und in einem Vergiftungsprocesse den Vorsitz führe. Meinem ursprünglich

gefaßten Plane entgegen, entschloß ich mich darauf wieder Molema's Town

zu besuchen und den König wie seinen Bruder Molema zu begrüßen.

[Illustration: Felsenpartie bei Molema's Town.]

Am 28. März langte ich, das Thal des Lothlakane-Flüßchens, in dem König

Montsua eine neue Residenz gründen wollte, hinabfahrend, in Molema's

Town an. Der Molapo floß etwas reichlicher als zur Zeit meines ersten

Besuches: bald nachdem ich seine steinige Furth passirt, schlug ich auf

derselben Stelle wie im Jahre 1873 das Lager auf. Mein erster Besuch

galt Herrn Webb, dessen Wohnung nur noch baufälliger geworden, kaum mehr

bewohnbar war. Mein Freund theilte mir mit, daß der König mit dem

Unterhäuptling die Verhandlungen in dem erwähnten Vergiftungsprocesse

leite.

Am 29. begab ich mich nach beendeter Gerichtssitzung zu Molema, um die

Vornehmsten des Barolongen-Landes zu begrüßen. Ich traf den König sowie

Molema und die anwesenden Häuptlinge auf der Erde, oder auf kleinen

Holzstühlchen sitzend, beim Mahle. Der König gab seiner ungeheuchelten

Freude Ausdruck, ebenso Molema und ich mußte ihnen wiederholt die Rechte

reichen. Montsua begann sofort von meinen Moschanenger Curen zu sprechen

und ersuchte mich ein oder zwei Tage hier zu verweilen. Nach einem

kurzen Aufenthalte in Molema's Höfchen begaben wir uns in das im

europäischen Style aufgeführte Häuschen seines Sohnes, um Kaffee zu

trinken, der in Blechbechern herumgereicht wurde. Molema litt noch immer

an seinem Asthma, doch lief er rüstig umher und bat mich, ihm dieselbe

Medicin wieder verabreichen zu wollen. Seine Erkenntlichkeit ging so

weit, daß er mir zu zwei kräftigen Zugthieren verhalf, von denen mir

sein Sohn Matjes eines für einen englischen Sattel abtrat.

Molema, ein Mann von mittlerer Statur, mager, ist durch eine

Habichtsnase ausgezeichnet, welche mit dem durchdringenden etwas

unstäten Augenpaare, dem Gesichtsausdruck etwas Scharfes verleiht. Er

ist streng, doch gegen manche seiner Unterthanen, die blindlings seinen

Willen thun, sehr nachsichtig, wovon mich auch das Urtheil in dem

erwähnten Gerichtsprocesse überzeugte. Obgleich stets kränklich, ist er

doch ein treuer und helfender Genosse seiner kranken Frau und trotz

seines Alters sehr behend. Während einige seiner Söhne, sowie die

wohlhabenderen Einwohner in der Stadt in europäischen Häuschen wohnen,

bleibt Molema seinem herkömmlichen treu.

Am 29. hatte Herr Webb eine interessante Zeremonie auszuüben, nämlich

drei Pärchen zu trauen, einer der neuen Ehegatten führte den

auffallenden Namen »Er liegt im Bette«; diese und ähnliche Namen

erhalten die Kinder der Betschuana's im zarten Alter nach Eigenschaften,

die ihrer Umgebung besonders auffallen. Als ich am Abend desselben Tages

einen Spaziergang durch die Stadt machte, hörte ich aus einem der

reinlicher ausstatteten Gehöfte einen anmuthigen vielstimmigen Gesang

von Hymnen in der Setschuana-Sprache, der von vier Männern und zehn

Frauen angestimmt wurde, womit die Hochzeitsfeier schloß.

Auf meinen häufigen Gängen durch die Stadt konnte ich beobachten, daß

neben europäischen Kleidungsstücken namentlich Carossen aus den Fellen

der grauen Wildkatze, des grauen Fuchses, der Deukergazelle und der

Ziege getragen wurden. Knaben hatten in der Regel ein Ziegen- oder ein

Schaffell über die Schulter geworfen, Mädchen trugen ein ähnliches, doch

meist aus Gazellenhaut, und nebstdem aus gedrehten Lederstückchen

gearbeitete Schürzen; einige der Knaben prangten sogar mit den Fellen

junger Löwen.

Die Streitigkeiten zwischen der Regierung der Transvaal-Republik und den

Barolongen schienen etwas nachgelassen zu haben, und dies, weil Montsua

gedroht hatte, bei etwaigen Uebergriffen von Seite der Boers das

englische Banner in seinen Dörfern aufzupflanzen.

Zwei Tage später erkrankte mein Gefährte T. schwer an der Ruhr,

wahrscheinlich in Folge des seit mehr denn zwei Wochen anhaltenden

Regenwetters, doch gelang es mir, ihn bald wieder herzustellen; am

folgenden Tage kamen auch kranke Barolongen aus der Umgebung an den

Wagen, um meine ärztliche Hilfe in Anspruch zu nehmen. Da es sich an

diesem Tage endlich etwas aufzuheitern begann, wurde es in der Umgebung

der Stadt lebendig, das Thal des Molapo wiederhallte von dem Geschrei

und Gesange der dunklen Frauen und Knaben, welche aus der Stadt

ausgezogen waren, um die in die Kafirkorn- und Maisfelder einfallenden

Schaaren der langschwänzigen Witwen, Feuerfinken und Webervögel zu

verscheuchen. Die aus den Felsenritzen allerorten emportreibenden Kari-

und Olivenbäume, die, wenn auch zuweilen niedrig, stets eine

umfangreiche, wahrhaft prachtvolle Krone entwickelten, verliehen auf

einer felsigen Erhebung in der Stadt emporwachsend, dem nach Norden von

einer bewaldeten Bodenerhebung begrenzten Thale, einen dem Auge

wohlthuenden Schmuck.

[Illustration: Pavianfelsen.]

In Molema's Town erfuhr ich, daß die Barolongen die getrockneten Blätter

einer bestimmten Pflanzenart zu einem braunen Pulver rösten und dasselbe

sowohl als Gift, wie auch als Beschwörungsmittel gebrauchen; so bedienen

sie sich z. B. desselben, um mit dem zu Brei angerührten Pulver die

höchsten Aehren eines Kornfeldes zu bekleben. Eine Berührung dieses

Zaubermittels von Seite des Diebes würde dessen sofortigen Tod nach sich

ziehen. In ähnlicher Weise sehen wir mit Hilfe desselben Materials,

Striche, Wellenlinien etc. auf der Innenseite der Umzäunungen der

Barolongen-Gehöfte angebracht, »um die Feinde des Haushaltes« fern zu

halten. Als einige Tage vor meiner Ankunft einem der Bekehrten in

Molema's Town allnächtlich etwas Tabak aus seinem Gärtchen zu

verschwinden pflegte, rieth Herr Webb dem Bestohlenen, einen in der

Tabakpflanzung errichteten Pfahl mit Wagenfett zu übertünchen, und siehe

da, der Dieb blieb aus.

Bevor ich noch am 12. April Molema's Town verließ, erfuhr ich das

Urtheil, welches König Montsua in dem bereits erwähnten Proceß gefällt

hatte. Ich will hier die Episode schildern, um den Leser mit der

Gerichtsbarkeit der Betschuana's näher vertraut zu machen.

Ein ältlicher Barolonge hatte auf eine 15jährige Barolongen-Jungfrau

(eine vaterlose Waise) in Molema's Town sein Auge geworfen; da sie ihm

jedoch nicht als Weib in seine Hütte folgen wollte, und er sie auch

nicht kaufen konnte, sann er auf ein anderes Mittel, um seinen Wunsch

erfüllt zu sehen. Er bot der Mutter des Mädchens seine Hand an, welche

sie auch nicht verschmähte und nun, mit dem Mädchen seiner Neigung im

selben Gehöfte wohnend, glaubte er ihre Zuneigung gewinnen zu können;

allein da weder sein Aeußeres, noch seine Conversation, welche sich

meist um Khomo (Vieh) und Mabele (Korn) drehte, bei dem Mädchen einen

guten Eindruck hervorzurufen vermochten, nahm er seine Zuflucht zu einem

Beschwörer. Das Mädchen sah wohl den Beweggrund dieser Heirat ein, und

vermied alles, was ihrem Stiefvater als Zeichen der geringsten Gunst

hätte erscheinen können. Als sie eines Tages zeitlich Morgens wie

gewohnt, zur Feldarbeit ging, ward sie von ihrem Stiefvater eingeholt

und es entspann sich nach ihrem eigenen Geständniß anderen Frauen

gegenüber folgendes Gespräch. »Ich weiß, daß mich Dein Herz haßt.« Ein

»^E-He^« belehrte ihn, daß er sich nicht irre. Vor Zorn zitternd, stieß

der Alte seinen langen Stab heftig in den Boden und sagte. »Ich weiß es,

es soll auch so bleiben, dann aber mußt Du mir versprechen, keinen

anderen Mann zu nehmen.« Das Mädchen konnte sich eines lauten Auflachens

nicht erwehren, und gab ihm frank und frei mit einem ^na-ja^ eine ebenso

bestimmte abschlägige, wie zuvor eine bejahende Antwort. Mit vor Wuth

entstellten Zügen eilte der alte Mann mit den Worten. »Du versprichst es

nicht? dann vergifte ich Dich!« von dannen, während das Mädchen zu den

Gärten am Flusse eilte und der dort arbeitenden Mutter und einer

Nachbarin unter Schluchzen das Geschehene erzählte. Die Frauen suchten

es der Gekränkten auszureden und meinten, es wäre alles nur ein Scherz,

den sich der Stiefvater erlaubt hätte. Am selben Abend wurde sie,

während sie ihr einfaches Mahl von gekochten Wassermelonen genoß, von

ihrem Vater in's Häuschen gerufen und unter einem Vorwande zu einer

Nachbarin gesendet; von ihrem Gange zurückgekehrt, beendete sie ihr

Mahl. Kurze Zeit darauf fing sie an über Unwohlsein zu klagen,

Magenkrämpfe stellten sich ein, die sich so steigerten, daß sich die

Arme laut schreiend auf der Erde rollte. Von den zur Hilfeleistung

herbeigeeilten Nachbarn umringt, klagte sie, die Mutter an das ihr

erzählte Zwiegespräch erinnernd, ihren Stiefvater laut der Vergiftung

an. Gegen Mitternacht war sie eine Leiche und allgemein wurde ihr

Stiefvater als der Mörder bezeichnet. Männer und Frauen, welche

denselben Nachmittag den alten Mann Pflanzen am Flusse sammeln, andere,

meist Nachbarsleute, die ihn Blätter und Zwiebeln im Höfchen kochen

gesehen hatten, meldeten sich freiwillig zur Zeugenschaft.

Der Beschuldigte war Molema's Leibeigener, ein Mann, der durch ein

halbes Jahrhundert hindurch seinem Herrn treu gedient hatte; obgleich im

Vorhinein entschlossen, ihn zu retten, sandte Molema sofort Boten an

seinen Bruder, den König, nach Moschaneng, um ihm den Fall zu berichten.

Montsua versprach selbst den Fall zu untersuchen. So kam es, daß er nur

wenige Tage vor meiner Ankunft in Molema's Town eingetroffen war und

sofort die Leitung der Verhandlungen in die Hand nahm. Inzwischen befand

sich der Beschuldigte auf freiem Fuße, machte seine gewohnten

Spaziergänge, auf denen ihm Alles scheu auswich. Er hielt sich von

Molema's Weichherzigkeit überzeugt und glaubte sich ohne Mühe mit

einigen Ochsen oder Kühen loskaufen zu können. Nach des Königs Ankunft

in der Stadt, begann der Proceß und beschäftigte durch zwei volle Tage

die hervorragendsten Häuptlinge der nördlichen, freien Barolongen. Nach

jeder Sitzung (zwei am Tage) wurden die Anwesenden von Molema mit

Bochobe (Mehlbrei) bewirthet.

[Illustration: Bootfontein.]

Der Verurtheilte, dessen Schuld klar zu Tage lag und der von allen

Anwesenden als schuldig befunden wurde, fand, wie er es gehofft, an dem

Häuptling Molema den wärmsten Vertheidiger. Des Dieners Schuld

anerkennend, um nicht seinen Bruder, den König, durch Widerspruch zu

reizen, wußte doch Molema so viele Milderungsgründe anzuführen, daß der

König angesichts der Haltung der Unterhäuptlinge von Molema's Town und

der Umgebung, sich erweichen ließ und von einer Verurtheilung zum Tode

absah. Der König, dem schon die zweitägige Gerichtssitzung zu

anstrengend vorkam und der es wohl zu verstehen schien, daß sein Bruder

eine Gefälligkeit von ihm fordere, überließ demselben die Bemessung der

Strafe. Molema bedeutete dem Verurtheilten sich sofort zu entfernen, um

dem König den Proceß so rasch wie möglich vergessen zu machen und als

dieser später einen Spaziergang durch die Stadt unternahm, ließ Molema

den Schuldigen holen und sprach das Urtheil. Es war die gelindeste

Strafe für ähnliche Vergehen: Der Beschuldigte mußte ein Rind an die

nächsten Verwandten (in diesem Falle waren er und seine Frau die

nächsten Verwandten) der Gemordeten als Blutsühne bezahlen.

[Illustration: Newport-Farm.]

Als ich mich am 2. zur Abreise rüstete und vor derselben noch einmal

Herrn Webb besuchte, erschien plötzlich eine dunkle Gestalt in der

schmalen Thüröffnung. Es war Montsua. Lächelnd kam er auf mich

zugeschritten, faßte meine Rechte und drückte mir fünf englische

Shillinge in die Linke, indem er mich bat, ihm einen Vorrath desselben

Medicamentes zu bereiten, von dessen günstiger Wirkung an seinem Weibe

er schon während meines ersten Besuches in Moschaneng sich überzeugt

hatte.

Am Nachmittag des 2. April verließ ich die Stadt der oberen Barolongen

und zog im Thal des Molapo aufwärts. Am folgenden Morgen passirte ich

den letzten nach dieser Richtung hin bewohnten Kraal, über den als

Unterhäuptling Linku (ein Schaf), der Bruder Molema's gebietet. Der

Morgen des 3. April war empfindlich kalt, ein eisiger Südostwind

nöthigte uns, »Winterröcke« anzulegen. Auf der westlichsten, der

sogenannten, zu dem Jacobsdaler Bezirk gehörenden Molapo-Farmen,

Riet-Vley, deren Besitzer ein Boer Namens P. C. van Zyl[2] ist, hielten

wir Rast.

Von hier ziehen sich die Farmen dicht aneinander liegend, bis an die

Molapo-Quellen. Das Thal des Flusses erstreckt sich noch etwa 22

englische Meilen nach Osten, es behält zwar stromaufwärts seinen

sumpfigen Charakter bei, doch wird es allmälig enger, seine Ufer

hügelig, steil und bewaldet, und sind diese Partien nicht nur im

Allgemeinen unter die anziehendsten der westlichen Transvaal-Grenze zu

zählen, sondern auch für den Forscher, sei er nun Ornithologe,

Entomologe, Botaniker oder Mineraloge, in jeder Beziehung des Besuches

werth.

Die Wagenspur, der wir bisher gefolgt waren, führte an einer der letzten

Farmen direct nach dem Baharutsen-Kraal Linokana, den ich jedoch über

Jacobsdal und Zeerust zu besuchen gedachte. Ich zog jedoch am Abhange in

der eingeschlagenen Richtung so weit, bis mich Baumdickichte nöthigten,

an Mr. Taylors Farm (deren ich am Maretsane-Flusse gedachte),

Oliv-wood-dry, der steilen Abhänge halber das Thal zu verlassen und die

Hochebene wieder aufzusuchen. Oliv-wood-dry ist unstreitig eine der

schönsten Farmen am oberen Molapo, sie besitzt einen guten Garten und

eine der wasserreichsten Quellen, die den Molapo speisen, der

Pflanzenwuchs der Thalsohle, vor den kalten Winden geschützt, bildet

eine Oase auf dem westlichen Transvaal-Plateau. Um so dürftiger und

eintöniger fand ich die Farm Bootfontein, auf welcher die Insassen

derselben mehr zu vegetiren, denn zu arbeiten schienen.

Abends überschritten wir in dieser Gegend die Wasserscheide zwischen dem

Oranje-River und dem Limpopo und übernachteten an den Quellen eines

kleinen Spruit, den ich Burgerspruit benannte, und der ein linker Zufluß

des Malmani ist. Im landschaftlich anziehenden Thale des Malmani, an

dessen von üppiger Vegetation bedeckten Abhängen zahlreiche Farmen

gelegen sind, trafen wir am nächsten Tage ein.

[Fußnote 2: Ein Bruder des von mir erwähnten Damara-Emigranten.]

Am Morgen des 5. verließ ich das Malmanithal und zog an der Newport-Farm

vorüber über das Hochplateau, eine mit niederen sauren Gräsern

bewachsene Ebene, weiter nach Osten. Nach dieser Richtung hin und nach

Nordost wurden zahlreiche Höhen, die Ausläufer des Marico-Höhennetzes,

und zwar jene des Khama- oder Hieronymusthales sichtbar, die mit diesem

eine der schönsten Partien des genannten südafrikanischen Höhencentrums

bilden. Die Einsenkung zu dem Seitenthale, in das wir hinabfahren

mußten, um zu dem Hauptthale zu gelangen, ist durch eine felsige

Doppelhöhe gekennzeichnet, welche ich Rohlfsberg nannte, weiter nach

abwärts fiel mir ein sattelförmiger Hügel auf, den ich Zizkasattel

taufte. Die Abfahrt zum Thale war ziemlich beschwerlich, denn wir fuhren

über steile Felsenplatten herab. Für die Mühen dieser Fahrt waren wir

durch die Scenerie im Hieronymusthale reichlich entlohnt; die schönste

Stelle bietet unstreitig die Partie an der Farm Büffels Huck, in deren

Hintergrund sich die anziehenden Staarsattel-Höhen malerisch vom

Horizonte abhoben. Abends hatten wir die Mündung des Hieronymusthales in

jenes des kleinen Maricoflusses und die Farm Weltevreeden erreicht.

Diese Farm gehörte einem der wohlhabendsten Boers des Marico-Districtes,

einem Mynheer van Groonen, dessen Söhne durch längere Zeit

Elephantenjäger gewesen und denen es ausnahmsweise gelungen war, sich

damit ein Vermögen zu erwerben. Im Farmgarten sah ich eine junge

Giraffe, eines der Beutestücke, die sie von einem Jagdausfluge

heimgebracht hatten.

II.

Von Jacobsdal nach Schoschong.

Jacobsdal. -- Zeerust. -- Ankunft in Linokana. -- Schieferlager. --

Ernteerträgnisse. -- Die Krokodile im Limpopo und seinen Nebenflüssen.

-- Erzlagerstätten im Bushveldt. -- Damara-Emigranten. -- Die Löwenfurth

über den Marico. -- Welsfang im Marico. -- In Lebensgefahr. -- Das

Buffadderthal. -- Ankunft in Schoschong.

[Illustration: Welsfang im Marico.]

Von der Farm Weltufrede schon konnten wir das Städtchen Jacobsdal

erblicken, einige wenige Gebäude an den Ufern eines Baches und ein

nettes Kirchlein war alles, was damals dies werdende Städtchen des

westlichen Transvaal-Gebietes aufzuweisen hatte. Von Jacobsdal änderten

wir unsere Richtung in eine nördliche und nordöstliche, um nach Zeerust,

dem wichtigsten Flecken des Marico-Districtes zu gelangen. Auf der Fahrt

dahin passirten wir eine der ergiebigsten Farmen dieses Bezirks, jene

des D. Bootha, an welcher der Malmani einen niederen, felsigen Höhenzug

durchbricht, um sich dem Marico zuzuwenden.

Wir trafen am nächsten Tage in Zeerust ein, nachdem ich zuvor die das

Städtchen beherrschenden Höhen besucht. Zeerust hat eine größere

Ausdehnung als Jacobsdal und ein längerer Aufenthalt in der Umgebung des

Städtchens wird dem Entomologen, Botaniker und Geologen reichlich seine

Mühe lohnen.[3] Noch bevor wir am folgenden Tage das freundliche

Linokana betraten, begegneten wir Rev. Jensen, der eben im Begriffe war,

die Post aus dem Innern nach der Stadt zu bringen. Unser Zusammentreffen

war ein herzliches und dankbaren Herzens nahm ich die Einladung an,

während der nächsten 14 Tage sein Gast zu sein. Mir war diese

Erholungszeit doppelt willkommen, denn sie bot mir nicht nur

Gelegenheit, die Umgegend naturhistorisch zu erforschen, sondern war

auch meinen Gefährten nöthig.

Die schönen großen eisenhaltigen Schieferlager, die wir in der Umgebung

von Zeerust und Linokana vorfanden, würden in einer europäischen Stadt

sehr gute Verwendung finden, doch werden sie auch von den Bewohnern des

Marico-Districts bei ihren Bauten, namentlich ihren Einfriedigungen und

Pflasterungen in Anwendung gebracht. Die Höhen von Zeerust waren mit dem

Waggonbaum bewachsen, dessen Rinde zum Gerben verwendet wird.

Im Jahre 1875 wurden von den Baharutse in Linokana 800 Säcke Weizen (à

200 Pfund) gewonnen, und werden von Jahr zu Jahr immer größere Flächen

Landes cultivirt. Die Baharutse bauen Mais, Sorghum, Melonen, Tabak etc.

an, und bringen den Ueberschuß über ihren Bedarf nach dem

Transvaal-Gebiete und den Diamantenfeldern zu Markte. Doch sind ihre

Gehöfte minder fleißig und gut gearbeitet als jene der Barolongen. Die

Baharutse haben ihr Ländchen an die Boer-Regierung abgetreten und sich

nur das Gebiet einiger Farmen behalten.

Am 9. unternahm ich einen Ausflug zu den Quellen des Matebeflüßchens und

auf die erzreichen Höhen der Umgebung. Die nächsten Tage waren theils

der Bearbeitung meiner Routen-Aufnahmen, theils dem Besuche der Gärten

und Pflanzungen und der Missionskirche gewidmet. Der Gottesdienst in der

letzteren wurde mit dem Absingen einer Hymne eröffnet. Dann wurde das

Evangelium vorgelesen, worauf abermals Gesang folgte, woran sich die

Predigt des Missionärs anschloß. Der Eindruck des Gottesdienstes auf die

auf ihren kleinen Holzstühlchen kauernden Neophiten war ein sichtlich

guter. In seiner Einfachheit war dieser Gottesdienst erhebender als

viele der mit Pomp celebrirten Feierlichkeiten in den Cathedralen der

Großstädte.

[Fußnote 3: Siehe Anhang 1.]

Spät Abends am 15. kam der eingeborne Postbote von Molopolole an. Er

hatte drei Tage gebraucht, um die Strecke zurückzulegen und blieb nun

bis zum nächsten Tage hier, um die in Zeerust von Klerksdorp erwartete

europäische Post wieder in's Innere nach Molopolole zu bringen. Mich

überraschte die letztere mit einem freundlichen Schreiben des

allbekannten Geographen A. Petermann aus Gotha. Auch kam ein englischer

Major aus dem Banquaketsen-Lande hier an, der das Land nach Edelmetallen

durchforschte, er war im Begriffe nach Kolobeug und Molopolole zu reisen

und erzählte mir und Rev. Jensen eine interessante Geschichte, die ihm

und Capitän Finlason zugestoßen und ihn bewogen hatte, das nordöstliche

Transvaal-Gebiet aufzusuchen.

Die regnerischen Tage, und an solchen war die Zeit meines Aufenthaltes

in Linokana reich, brachte ich in der gastlichen Wohnung Rev. Jensens

zu. Er benutzte diese Tage, um mir verschiedene, nützliche und

interessante Mittheilungen zu machen und Erlebnisse auf seinen

Missionsreisen zu erzählen. Unter anderen betätigte er die Thatsache,

daß die Krokodile aus dem Limpopo unglaublich weit in dessen Nebenflüsse

hinaufschwimmen und erzählte mir, daß er selbst vor einiger Zeit am

Flüßchen Taung auf Krokodile stieß, welchen sein Hund bald zum Opfer

gefallen wäre. Diese Stelle am Ufer des Taung, der ein Nebenfluß des

Notuany ist und daher ein linker Zufluß des Limpopo, ist von dem

letzteren zwei starke Tagreisen entfernt. Als noch Herr Wehrmann,

ebenfalls ein Mitglied der Hermannsburger Missionsgesellschaft bei den

Makhosi wohnte, lag nahe an seiner Wohnung ein kleiner Tümpel am Ufer

des Kolobengspruit. Hier wurde eine Kuh an der Tränke von einem Krokodil

im Spruit ertränkt.

Allnächtlich hörten wir den Gesang der Baharutse-Mädchen und Männer aus

den umliegenden Stadtgebieten, denn die Baharutse lieben den Tanz. Einer

der landschaftlich schönsten und des Besuches werthen Punkte in der Nähe

von Linokana ist das Thal des Notuany etwa drei Meilen unterhalb seiner

Vereinigung mit dem Matebe-Flüßchen. Felsige Bergabhänge hie und da von

üppigen Triften und dichten Wäldern bedeckt, engen es ein

und beherbergen zahlreiches Federwild, in den zahlreichen

Schilfrohrdickichten des Matebe finden Wildkatzen bis zur Größe eines

Leoparden die geeignetsten Schlupfwinkel und reiche Beute.

Am 23. verließ ich Linokana, überschritt den Notuany, an dem mir die

halbzerfallene Brücke über denselben noch mehr Sorgen als auf der

zweiten Reise verursachte und deren Passirung über zwei Stunden in

Anspruch nahm.

In der Buysport-Schlucht, wo wir diesmal im Fischfang in den Tümpeln des

Marupa-Flüßchens eine lohnende Beschäftigung fanden, verlebte ich einen

angenehmen Tag; nicht minder ergiebig war unsere Jagdbeute. Die höher

liegenden Tümpel sind fisch- und leguanreicher, als die nach der

Oeffnung der Schlucht zu gelegenen, indem die höheren tiefer und mehr

beschattet sind und daher weniger leicht austrocknen. Manche der den

Fluß überschattenden Bäume (meist Weiden und Mimosen) waren bei einem

Durchmesser von 4 Fuß, bis 60 Fuß hoch.

Am nächsten Tage, den 25. passirten wir die im Bushveldt liegenden

Farmen Wit- und Sandfontein. Die Bewohner der ersteren rüsteten sich zu

einem großen Jagdzug nach dem Innern, und hofften mich dort wieder zu

finden. Zwarts Farm fand ich verlassen, der Eigenthümer war acht Tage

zuvor nach denselben Gegenden abgegangen. Sein vorjähriger Jagdzug hatte

ihm einige Strauße und Eland-Antilopen eingebracht. Von vorüberfahrenden

Boers erfuhr ich, daß van Zyl, dem Damara-Emigranten, fortwährend neue

Zuzügler aus dem Transvaal-Gebiete Gebiete an den Krokodil-River folgten

und daß sich diese Emigranten bald hinreichend stark fühlen würden, um

ihren Marsch nach Nordwesten fortzusetzen. Das linke Ufer des mittleren

Krokodil-Riverlaufes zwischen dem Notuany und Sirorume war ihr

Sammelplatz.

[Illustration: Im Sumpfe am Matebe-Flüßchen.]

Am Nachmittag selben Tages langte ich auf Fouriers schon bekannter Farm

Brackfontein an. Hier stieß ich auf zwei aus dem Jacobsdaler District

kommende Boers, die mit ihren gebrechlichen Wägen, von einem elenden

Gespann, Kühen und jungen Ochsen gezogen, auf die Jagd in's »Innere«

ausgingen. Das Arbeiten behagte ihnen nicht und so zogen sie das

kostspielige Vergnügen des Elephantenjagens vor, um damit noch das

wenige, das sie besaßen, einzubüßen und krank und mittellos in die

Heimat zurückzukehren. Fourier zeigte mir Quarz, der reichliche

Schwefelkies-Einschlüsse enthielt und theilte mir mit, daß er eine

Stelle kenne, an welcher große Mengen dieses und eines anderen weniger

glänzenden und mehr ockergelben Metalls zu finden sei, wollte mich aber

durchaus nicht zu dem betreffenden Fundorte führen. Auch berichtete mir

Fourier, daß die Batloka von Tschuni-Tschuni vier Wochen vor meiner

Ankunft am Fuße der Dwarsberge einen Löwen erlegt hatten.

Ich verließ am Morgen des 28. die Farm und lagerte am Schweinfurth-Passe

in den Dwarsbergen. Abends gelangten wir zu den in Felsen aufgegrabenen

Quellen an den Ausläufern der Tschuni-Tschunihöhen, umfuhren am

folgenden Tage die schon auf der letzten Reise besuchte Batlokastadt

Tschuni-Tschuni, und lagerten, nachdem wir den Kessel an dem

Betschuanaspruit durchzogen, am nördlichen Abhange der Ausläufer der

Bertha-Höhe. Am Ufer des Betschuanaspruit beobachtete ich ein

verlassenes Barwadorf, aus 15 Hütten bestehend, welche frei auf einer

Wiese lagen und in Nachtmützen-Form aus je vier in ihren oberen Enden

miteinander verbundenen, vier Fuß hohen Pfählen, sowie einigen über

dieselben geworfenen Grasbündeln errichtet waren.

[Illustration: An der Löwenfurth im Marico.]

Am Nachmittag des 30. langten wir am großen Marico an und lagerten an

einer Stelle, an der eine Stromschnelle und zwei kleine Felseninseln das

Uebersetzen des sonst der Krokodile halber nicht gefahrlos zu

durchwatenden Stromes ermöglichten. Da mir die Stelle gefiel und das

jenseitige Ufer wildreich war, entschloß ich mich, zwei oder drei Tage

an der Furth zuzubringen. Etwa 100 Schritte unterhalb derselben wählte

ich mir im jenseitigen Ufergehölze ein Plätzchen aus, an welchem ich

mich auf den Anstand zu legen beschloß, und blieb auch trotz der

Warnungen Pits dabei, der an der Furth frische Löwenspuren gefunden

hatte. Zur Vorsicht versah ich den gewählten Platz mit einer niederen

Hecke und bezog denselben nach Sonnenuntergang. Der Uebergang über den

ziemlich reißenden Strom in der Dämmerung war beschwerlich und ermüdend.

Allmälig, und zwar je unangenehmer mir meine Lage mit der zunehmenden

Dunkelheit erschien, desto mächtiger schlich sich in mein Denken eine

lange zuvor nicht gleich innige Sehnsucht nach der Heimat und

insbesondere nach meiner Mutter ein. Ich sah das Bild der treuen

Pflegerin meiner Kindheit so treu vor mir, als stünde sie an meiner

Seite. Diese spontan auftauchenden Gedanken und Vorstellungen erfüllten

mich mit einer gewissen Bangigkeit. Wäre es nicht besser den Ort zu

verlassen und zum Wagen zurückzukehren? Nein, mußte ich mir sagen, denn

zur Stunde hatten die Krokodile bereits ihre Spaziergänge am Ufer

begonnen, um die Stromschnellen zu umgehen.

Die Dunkelheit nahm indeß immer mehr zu, dichte Wolkenmassen hingen vom

Himmel herab und ich kam zur Erkenntniß, daß mein Aufenthalt hier

zwecklos und meine Lage keine beneidenswerthe war, ich konnte kaum auf

zehn Schritte Entfernung Gegenstände unterscheiden, mein Gewehr bot mir

daher keinen Schutz; das lange Jagdmesser war die einzige Waffe, auf die

ich mich im Falle der Noth verlassen konnte. Krampfhaft faßte ich mein

Messer mit der Rechten und hockte mich nieder. Ich trachtete mit dem

Gesichte die Dunkelheit um mich zu ergründen und strengte das Auge an,

doch ich sah nichts, nichts als tiefe Nacht um mich. Allmälig fieng es

mir vor den Augen zu flimmern an, bläuliche Sterne schienen sich zu

bilden und das Auge glaubte in ihnen das Bild der Mutter zu sehen. Diese

wiederholte Vision versetzte mich in Aufregung, ich konnte das Gefühl,

daß mir hier Gefahr drohe, nicht unterdrücken und beschloß das Wagniß zu

unternehmen, in dieser Finsterniß zum Wagen zurückzukehren. Ich legte

den einen Fuß auf die trockenen Aestchen und brach unter lautem Krachen

durch, erhob mich jedoch wieder, faßte das Gewehr in die eine, das

Messer in die andere Hand, um die Stelle zu verlassen. Doch was nützte

mir das Gewehr im Gebüsch und in der Finsterniß -- ich warf es zurück.

In demselben Momente vernahm ich ein Kratzen und Scharren, vielleicht

das einer Mangusta, doch deutlich davon unterscheidbar. Ich blieb

stehen, der Laut wiederholt sich und schien von einem Brummen begleitet.

War es ein Raubthier und so nahe, waren jene rostigen Gegenstände, die

ich im Zwielicht in den Büschen drüben gesehen, auch in der That Löwen

gewesen? Als ich die Hecke überschritten hatte, fühlte ich den Schlag

des Herzens stürmischer werden. Mit dem Jagdmesser vor mir herumtastend,

suchte ich den herabhängenden Aesten und den Baumstämmen auszuweichen.

Nach jedem Schritte hielt ich einen Augenblick inne, um jedes etwa

hörbare Geräusch möglichst deutlich und sofort aufnehmen und begreifen

zu können. Ungeachtet der äußersten Vorsicht konnte ich es nicht

verhindern, hie und da mit den Aesten in Collision zu gerathen;

pochenden Herzens wartete ich dann mehr denn zwei Minuten, ob kein

Geräusch ein anschleichendes Raubthier ankündige.

Es war nur eine kurze Strecke, die ich zurückzulegen hatte, nur 100

Schritte, doch nahm sie mir viel Zeit in Anspruch. Endlich langte ich,

durch das Zischen des Wassers geleitet, an der Stelle an, wo die enge

Regenrinne den Abstieg zum Flusse ermöglichte. In dieser herabgleitend,

stand ich eine Minute später am Rande des Gewässers. Mit der

gespanntesten Aufmerksamkeit setzte ich einen Fuß vor den andern und

trachtete nach dem stärkeren oder schwächeren Brausen des Wassers vor

mir die Furth zu erkennen; wie oft ich auch ausglitt und sogar der

ganzen Länge nach in's Wasser fiel, war ich doch immer wieder im Stande,

mich rasch aufzurichten und die Richtung einzuhalten. So gelangte ich

unter unsäglicher Mühe auf die erste der kleinen Inseln, ließ mich dann

wieder in's Wasser herab, durchschritt den engen Mittelarm, durch den

die Hauptströmung zog, schwang mich auf die nächste Insel und gönnte mir

hier einige Minuten Rast, bevor ich den Uebergang vollendete. In Schweiß

gebadet, stieg ich zum dritten Male in das zischende Element herab und

über die schlüpfrigen Steine balancirend, hatte ich endlich glücklich

das diesseitige Ufer erreicht, ohne mit den Kinnladen der Ungeheuer

Bekanntschaft gemacht zu haben. Obwohl ich noch nicht jeder Gefahr

entronnen war, fühlte ich doch meine Brust bedeutend erleichtert, als

ich den Fuß auf festen Boden setzte. Ich war so ermüdet, daß ich mich am

Flußrande niedergesetzt hätte, wenn mich nicht der Gedanke, daß eben das

unmittelbare Ufer an den Stromschnellen die von den Krokodilen zur

Nachtszeit besuchteste Stelle ist, an der sie dann dem zur Tränke

kommenden Wilde aufzulauern pflegten, davon abgeschreckt hätte. Ich war

eben im Begriffe an den Büschen auf das hohe Ufer emporzuklimmen, als

ich ein starkes Geräusch ober meinem Kopfe vernahm; im Aufstiege

innehaltend, unterschied ich, wie dasselbe sich dem Flusse näherte. Ich

kniete nieder und hielt mich am Stamme des Busches fest, um mich desto

ruhiger verhalten und lauschen zu können. Wenige Minuten später erkannte

ich die Ursache des Geräusches; es war eine Heerde der schönbehörnten

Pallah-Antilopen, welche in den Fluthen unter mir ihren Durst stillen

wollte. Ich erkannte sie an dem Anschlagen ihrer Hörner an die Büsche

und dem eigentümlichen Brummen. Meine ganze Kraft aufbietend, zog ich

mich an den überhängenden Aesten der Bäume auf den hohen Uferrand. Jetzt

athmete ich freier auf, der Weg zum Wagen führte über eine Lichtung, auf

diese eben heraustretend, schlug das Gekläffe der Hunde an mein Ohr,

welche die Pallah's gewittert hatten. Ein Pfiff brachte Niger in wenigen

Momenten an meine Seite und bald darauf hatte ich den Wagen erreicht, um

welchen lichterlohe Feuer brannten.

Am folgenden Tage besuchte ich gemeinschaftlich mit Pit den

Rendezvousplatz und fand die Stelle, an der ich gelegen, sowie die

nächste Umgebung von Löwenspuren bedeckt und die niedere Umzäunung aus

trockenem Gezweige vollkommen zertreten. Der Aufenthalt an dieser Stelle

kostete einem meiner Hunde in Folge des Stiches einer Fliege, welche

schaarenweise die Thiere überfällt, und sich an Nase, Augen und Ohren

festsaugt, das Leben.

Am 1. Mai unternahm ich mit Pit einen größeren Ausflug landeinwärts.

Schon früher hatte ich gehört, daß man sich hie und da in der Colonie

den Muth nimmt, in die geräumigen unterirdischen Hyänenbauten

hineinzukriechen, um sich von der Anwesenheit des Raubthieres zu

überzeugen. Ist die Hyäne »eingefahren« so wird in dem äußersten Theile

ihres Baues aus gewissen Sträuchern ein Feuer angezündet, um das Thier

auszuräuchern. Beim Entweichen wird sie erschossen oder mit Knitteln

erschlagen. Ich machte nun auch mit Pit einen Versuch und forderte ihn

bei einem Hyänenbau angelangt, auf, hineinzukriechen, und siehe da, er

wiederholte auch hier, was er schon oft daheim gethan, diesmal leider

ohne Erfolg, da der Ausräucherungsproceß nicht recht von Statten gehen

wollte.

Am selben Tage trat ich die Weiterfahrt an und traf einige Meilen

flußabwärts einen Elfenbeinhändler aus dem Matabelelande an, der im

Auftrage des Königs der Matabele dem englischen Gouverneur in Griqualand

(Kimberley) mittheilen sollte, daß ein weißer Forscher an der Ostgrenze

seines Reiches unter den Maschona's getödtet worden war.

Die überaus reiche Ausbeute des Tages, Vogelbälge, Reptilien, Insecten,

Pflanzen und Mineralien bewog mich, mein Glück auch im Fischfange zu

versuchen. Mit den nöthigen Werkzeugen ausgerüstet stand ich bald an dem

hohen Flußufer und senkte meine Angel in die Fluth. Es gelang mir,

mehrere Welse zu fangen, drei große, etwa sechs Pfund schwere Stücke

vermochte ich nicht an's Ufer zu schnellen, die Thiere brachen die Angel

oder entschlüpften und fielen rasch über das steile Ufer in den Fluß

zurück. Bei den Anstrengungen, die ich machte, um einen vierten zu

landen, verlor ich das Gleichgewicht und fiel kopfüber das Ufer herab,

blieb aber glücklicher Weise an den Dornen eines Wartebichi-Strauches

hängen.

An den Perlhühnern am Marico beobachtete ich, daß sie sich überall da,

wo Gebüsche bis an den Fluß herantraten, häufiger zeigten und daß sie

ihre Bäume nicht vor dem Abtrocknen des schweren Morgenthaues verließen.

Im Laufen leisten diese Geschöpfe Unglaubliches.

Gegen den Abend fuhren wir weiter und begegneten einer größeren Anzahl

von Betschuana-Familien, dem Makhosistamme angehörend, welche nahe an

den Ruinen von Kolobeng auf Seschele's Gebiete wohnten. Sie waren aus

ihren bisherigen Wohnsitzen ausgewandert und wollten sich an der

Transvaal-Grenze am Fuße der Dwarsberge ansiedeln, da sie von Seschele

zuviel geplagt wurden. Seschele bereitete sich vor, die Makhosi und die

Bakhatla mit Waffenmacht zu überfallen, doch wurde dies den letzteren

verrathen und sie trafen sogleich alle Vorkehrungen, um ihn gebührend zu

empfangen, auf welche Nachricht hin aber Seschele von dem geplanten

Ueberfalle abstand. Für den Reisenden und Händler, wie auch für die

nachbarlichen Colonien ist es in jeder Hinsicht besser, wenn die Einheit

der gegenwärtigen sechs Betschuana-Reiche aufrecht erhalten bleibt. Die

Zersplitterung derselben in kleinere Staaten würde dieselben Nachtheile

zur Folge haben, unter denen die europäischen Colonien und Reisende an

der Ostküste nördlich der Delagoabai zu leiden hatten.

Am 4. beobachteten wir eine Wasserbockgaiß im hohen Grase des gegen

seine Mündung leicht bewaldeten Maricothales. Th. beschlich das Thier

ganz vortrefflich, doch das Unglück wollte, daß ihm die Patrone versagte

und bevor ihm Pit eine zweite reichen konnte, hatte das Thier die Flucht

ergriffen. Der Morgen war ausnahmsweise schön, doch hatten wir seit dem

2. täglich Fröste. Ich durchzog das bewaldete Dreieck zwischen dem

unteren Marico und dem Limpopo, indem ich mich von dem ersteren

entfernte, um ihm erst an seiner Mündung zu begegnen. Wir begegneten

einem aus dem Westmatabele-Lande über 500 englische Meilen weit

herkommenden Haufen Makalaka-Männer, welche zu Skeletten abgemagert nach

den Diamantenfeldern zogen, um sich hier auf sechs Monate zu verdingen

und sich ein Gewehr und Schußbedarf zu erwerben; leider konnten wir

ihren Bitten um Fleisch nicht willfahren, da wir in den letzten Tagen

kein Hochwild erlegt hatten.

Am folgenden Morgen fand ich mich am Ufer des Limpopo; da ich hier

einige Tage zu verweilen gedachte, machten wir uns sofort daran, unseren

Lagerplatz mit einer hohen Umzäunung aus Mimosenästen zu umgeben und die

Zugthiere in Sicherheit zu bringen. Am Nachmittage unternahm ich mit Th.

einen Ausflug am Marico-Ufer aufwärts und schoß zwei Meerkatzen und vier

kleine Nachtaffen (^Galakae^), welche sich durch ein sehr feines

seidenartiges Fell und ihre schönen großen Augen auszeichnen. Sie

bringen in der Regel den Tag schlafend zu und beginnen erst mit der

Nacht als wahre Sprungthiere das Leben in den Zweigen der Bäume in denen

sie nach Motten und Insecten jagen, Beeren suchen, und den Gummisaft der

Mimosen belecken. Mit den Krokodilen, welchen der Fluß seinen Namen

verdankt, machte unser Diener am folgenden Tage Bekanntschaft. Mit

Waschen am Ufer beschäftigt, tauchte plötzlich vor ihm ein dunkler

Gegenstand aus der Fluth, bei dessen Anblicke ihm das Kleidungsstück

entfiel und er es nur dadurch wieder gewann, daß er laut aufschreiend

einen Stein dem nach dem eben versinkenden Gegenstande schnappenden

Krokodile an den Kopf warf. Da ich den Limpopo etwas unterhalb der

Vereinigung mit dem Marico blos etwa drei Fuß tief fand, versuchte ich

es, den Strom an dieser Stelle zu überschreiten. Wir fällten mehrere

große Mimosenstämme und bauten daraus ein Floß, doch das frische

Mimosenholz war so schwer, daß es unter mir zwei Fuß tief einsank und

als ich, das Floß im Stiche lassend, auf das Ufer zu springen im

Begriffe war, hatte sich am gegenüber liegenden Floßende ein Krokodil

angeklammert; diese unliebsame Erscheinung veranlaßte mich, vorläufig

auf den Besuch des jenseitigen Ufers zu verzichten.

Am 7. verließen wir unsern Lagerplatz, zogen stromabwärts weiter und

hatten auf der nächsten Strecke 15 enge und tiefe Regenschluchten zu

überschreiten. Die Gegend war ein ununterbrochener Wald, in dem uns

einige sehr schöne und umfangreiche Hardekoolebäume auffielen; das Land

zur Linken gehörte Seschele, dem Bakwenakönig, das jenseitige der

Transvaal-Republik.

Wir setzten an den folgenden Tagen die Reise fort und gelangten zur

Mündung des Notuany, die Reise ging etwas langsam von statten, da das

Thal des Limpopo und die an seinem Ufer befindlichen, höher liegenden

und mit dem Strome nur bei Hochwasser communicirenden Sumpflachen

mannigfache Gelegenheiten zur Jagd und zur Vermehrung meiner Sammlungen

boten. Bevor wir noch den Notuany erreicht hatten, stießen wir auf das

erste der beiden Lager, welche die Damara-Emigranten bezogen hatten, um

sich zu ihrem Zuge nach Nordwesten zu sammeln. Das Lager bestand aus

etwa 30 Wägen und eben so vielen Zelten. Große Vieh- und Schafheerden

weideten von Bewaffneten beschützt ringsum. Die Leute saßen in Gruppen

beisammen, die einen tranken den unentbehrlichen Kaffee, während andere

emsig an der Completirung des Reisematerials arbeiteten. Mir fiel es

auf, daß die meisten der Frauen schwarz gekleidet waren. Die Männer

fragten uns, ob wir nicht einigen Boerwägen begegnet wären, und als wir

es bejahten, daß wir zahlreiche Damara-Emigranten überholt hätten, da

zeigte sich bei allen eine unverhohlene Freude, sie hofften, daß die

Zeit nahe sei, wo sie hinreichend stark an Zahl, ihren Zug nach dem

Damaralande antreten konnten, wobei sie hinzufügten, daß sie sich, im

Falle ihnen von den Königen der östlichen und westlichen Bamangwato der

Durchzug verwehrt würde, denselben erkämpfen wollten. Ich machte die

Leute darauf aufmerksam, daß sie die trockenen, an Wasser so überaus

armen Strecken des westlichen Theiles des nächst anliegenden

Bamangwato-Reiches mit ihren zahlreichen Heerden kaum passiren könnten,

oder dabei mindestens die Hälfte ihrer Thiere einbüßen würden. Doch

sowohl hier als auch im zweiten Lager, in Schoschong und auf meiner

Rückreise, auf welcher ich den Emigranten begegnete, war man gegen meine

Vorstellungen taub und wollte von einer Umkehr nichts wissen, sie

zeigten ein unbegrenztes Selbstvertrauen, besonders wenn man sie auf die

Widerstandsfähigkeit der östlichen Bamangwato aufmerksam machte. Nach

den Gründen ihrer Auswanderung befragt, klagten sie über die Regierung

und die Person des Präsidenten, welcher ganz verkehrte Begriffe über die

Auslegung gewisser Stellen in der Bibel hätte, während u. a. die

Regierung bestrebt sei, Neuerungen einzuführen, die weder gut noch an

der Zeit wären. Ihre Vorfahren südlich vom Oranje-River, sagten sie,

waren grau geworden, ohne je mit solchen, mit großen Kosten verbundenen

Neuerungen geplagt worden zu sein, deshalb wären auch jetzt diese nicht

nöthig und dies um so weniger, als sie einen Zuzug von Fremden,

namentlich von Engländern verursachten. Diese Neuerungen bezogen sich

namentlich auf Verbesserungen, welche Präsident Burgers im Staate

einzuführen bestrebt war, obgleich sie bei Weitem noch nicht die

Abschaffung aller der Krebsschäden, an denen die Republik litt, erzielen

konnten. Von allen diesen Neuerungen wurde mir das vom Präsidenten

Burgers entworfene Eisenbahnproject, welches die Delagoabai mit der

Transvaal-Republik verbinden sollte, als das abscheulichste bezeichnet.

Es ist wirklich staunenswerth und unglaublich, daß Menschen, die sich

mühevoll ihren Besitz, ihre Farmen erkämpfen mußten, in Folge der oben

angeführten Gründe und den Vorspiegelungen eines Mannes Glauben

schenkend, ihre Heimatsstätte verließen, um eine Irrfahrt nach dem

Innern anzutreten. Im Ganzen zählte der erste Trupp ohne Nachzügler etwa

70 Wägen. Sie wollten von den schönen Weideplätzen der Damara's Besitz

ergreifen und im Falle eines Widerstandes die Damara's aus ihrem Lande

vertreiben. Schon auf der Strecke Krokodil-River -- Schoschong hatten

sie sehr an Wassernoth zu leiden und so große Schwierigkeiten, ihre

Heerden weiter zu bringen, daß sie, in Schoschong angekommen,

entschlossen waren, nach dem Limpopo zurückzukehren, um hier so lange zu

verharren, bis häufige Regen auf der Strecke Schoschong-Damaraland

gefallen wären. Unter der Voraussetzung, daß die Boers das nöthige Land

von den Damara's käuflich erstehen wollten, versprachen ihnen der König

Khama der östlichen Bamangwato's, sowie jener der westlichen

Bamangwato's freien Durchzug durch ihre Gebiete. Als dem Ersteren jedoch

die Nachricht zu Ohren kam, daß sie im Nothfalle zu den Waffen greifen

würden, zog er sein Versprechen zurück, da er eine Invasion seines

eigenen Landes befürchtete. Auf dieses hin erklärten die Boers offen,

daß sie im Falle anhaltender Dürre das Königreich der Zulumatabele

erobern, andernfalls aber sich mit Waffengewalt ihren Weg durch das Land

der östlichen Bamangwato bahnen würden.

[Illustration: Krokodile im Limpopo.]

Ich nahm mir damals, nach den Diamantenfeldern zurückgekehrt (im Jahre

1877), die Freiheit, mich der Sache öffentlich anzunehmen um dem

Bamangwatostamm und seinem edlen Herrscher einen Vernichtungskampf und

den Holländern schwere Kämpfe zu ersparen und schloß den ersten der

diesbezüglichen in den »Diamond News« am 24. März veröffentlichten

Artikel mit den Worten. »Es wäre absurd, wenn Leute wie diese Boers,

welche weder im Stande waren, den Fortschritt in ihrem Mutterlande zu

begreifen, noch fähig ihm zu folgen, vielmehr auf jede noch so nützliche

Neuerung mit Verachtung herabblickten, einen neuen Staat gründen

wollten.«[4]

Zwei Monate später nachdem ich dies geschrieben, erhielt ich die

Nachricht, daß sich die Boers die Freundschaft Khamanes, der bei

Seschele wohnte und Khama feindlich gesinnt war, dadurch zu sichern

gedachten, daß sie ihn zum Könige der Bamangwato's erheben wollten. Als

ihnen dies nicht gelang, trachteten sie auch Matscheng, den Onkel

Khama's, in ähnlicher, aber auch vergeblicher Weise, gegen diesen als

Bundesgenossen zu gewinnen.

Im Jahre 1876, namentlich aber 1877, hatte sich die Lage der am Limpopo

der Entscheidung harrenden Damara-Emigranten bedeutend verschlechtert,

die Leute sprachen nicht mehr von einem gewaltsam erzwungenen Durchzuge,

im Gegentheile wollten sie jedem Kampfe ausweichen, denn viele von ihnen

waren fieberkrank geworden. Als das Fieber in ihren Reihen immer mehr um

sich griff, entschlossen sie sich zum Aufbruche, sie ließen von Khama

nochmals den freien Durchzug fordern und zogen unterdessen statt nach

Schoschong nach dem Mahalapsiflusse, um den König Khama irrezuführen.

Inzwischen hatte sich Khama auf einen möglicher Weise bevorstehenden

Kampf mit den Boers vorbereitet. Seine Leute mußten sich auf dem freien

Raum vor der Stadt täglich in der Führung der Waffen einüben, während er

die vom Limpopo abziehenden Boers mit zahlreichen Kundschaftern umgab,

um sich über jede ihrer Bewegungen zu orientiren. Die Nachrichten, die

er erhielt, bestärkten ihn immer mehr und mehr in der Ueberzeugung, daß

ihm die Weißen in keiner Weise gewachsen seien. Manch' anderer

Eingebornenfürst Süd-Afrika's hätte aus der schlimmen Lage derselben

Nutzen geschöpft und wäre über die durch Krankheiten und Entbehrungen im

Widerstande geschwächten, jedoch noch immer wohlhabenden Herdenbesitzer

hergefallen. Khama jedoch sandte den Missionär Rev. Hephrun an den

Mahalapsi, um sich über die hilflose Lage der Abenteurer zu

vergewissern. Als ihm der Prediger nach seiner Rückkunft ihre Lage

schilderte, gestattete ihnen Khama sofort freien Durchzug. Die

Emigranten waren seit 1875 derart herabgekommen, daß sie nicht nur an

keinen Kampf mit den Bamangwato's denken konnten, sondern Khama selbst

die Befürchtung hegte, daß sie kaum im Stande sein würden, in ihrem

hilflosen Zustande den Zuga-River zu erreichen. Bald nachdem sie

Schoschong verlassen und ihren Zug nach Nordwest angetreten hatten,

mehrten sich täglich und stündlich ihre Mühsale. Der erste Theil der

Strecke Schoschong -- Zuga-River ist ein einziger tiefsandiger Wald (von

den holländischen Jägern gewöhnlich das Durstland genannt) und besitzt

nur fünf Wasserstellen, wie den Letlotsespruit, die Wasserlöcher von

Kanne, Lothlakane, Nehokotsa etc., an denen man Thiere tränken kann. Die

meisten dieser Stellen sind im Sande oder ausgetrockneten Flußbetten

gegrabene Löcher, welche es kaum gestatten, ein Gespann Ochsen auf

einmal zu tränken; Abends aufgegraben, liefern sie am nächsten Tage

einige Eimer Wasser, woher sollten die Emigranten das nöthige Wasser für

ihre nach Tausenden zählende Rinder- und Schafheerde nehmen. So geschah

es, daß die Thiere durch Durst förmlich außer sich, truppweise

davonliefen und die Boers in elendem Zustande am Zuga anlangten.

[Fußnote 4: Diese Boers dürfen keinesfalls mit ihren gebildeten

Stammesgenossen in Süd-Afrika verwechselt werden.]

Die Noth an Dienern machte sich bei den Leuten sehr fühlbar, ich sah oft

Kinder die Leitochsen führen und Frauen, hier die Gattin, dort die

Tochter, die riesige Peitsche schwingen. Nach und nach durch Krankheit

decimirt und nachdem sie etwa 50 Percent ihrer Habe eingebüßt, langten

die Emigranten am N'gami-See an. Von da begann ein neuer beschwerlicher

Zug durch das Land der westlichen Bamangwato. Eine kleine Anzahl von

Familien, deren meiste Mitglieder am Fieber darniederlagen und

zahlreiche Waisen erreichten das Damaraland. Während meines Aufenthaltes

in London im Jahre 1880 erfuhr ich, daß die Ueberlebenden jener

bedauernswerthen Leute von allen Mitteln derart entblößt ankamen, daß

ihnen die englische Regierung durch freiwillige Gaben der opferwilligen,

englischen und holländischen Bevölkerung der Capstadt und anderer

südafrikanischer Städte, an Kleidung und Nahrung etc. unterstützt,

mehrere Sendungen per Dampfer ^via^ Walfischbai zugemittelt hatte. So

endete der Versuch jener starrköpfigen Menschen, die, sich gegen jeden

Fortschritt auflehnend, aus Nationalhaß und Unwissenheit mit offenen

Augen ihrem Verderben entgegen eilten.

Bevor ich noch den Notuany erreicht hatte, konnte ich wahrnehmen, daß

das Wild, welches während meiner zweiten Reise die Ufer des Limpopo so

dicht bevölkert hatte, durch das unausgesetzte Jagen von Seite der

Emigranten decimirt war. Ich fand nur Hippopotamus- und in einem dichten

Gebüsch einige Giraffenspuren und diese führten in einem engen Fußpfade

zum Flusse herab; doch hatte ich keine Muße den Giraffen zu folgen und

wollte sie auch den Boers nicht verrathen.

Auf einem dem Ufer entlang unternommenen Ausfluge schwebte ich in

Lebensgefahr. Wir folgten einer größeren Kette Perlhühner, die Thiere

liefen vor uns her, nur zeitweilig erhob sich eines, um sich nach uns

umzusehen; so kamen wir auf eine unseren Weg kreuzende, über und über

mit Gras überwucherte, etwa 12 Fuß tiefe und etwas breitere

Regenschlucht, ich machte den mir unmittelbar folgenden Th. auf sie

aufmerksam und stieg herab, um sie zu durchschreiten, mein Genosse hatte

jedoch meine Warnung nicht gehört, sondern seine ganze Aufmerksamkeit

auf die vor uns herlaufenden Perlhühner gerichtet und hielt den

Sniderstutzen schußbereit in der Hand. Bei dem Sturze in die Tiefe der

Schlucht fiel er nach vorne, wobei der Finger unwillkürlich den Drücker

berührt haben mußte, denn die Kugel streifte meinen Nacken; zwei

Centimeter mehr nach vorne gesenkt, hätte sie mir das Lebenslicht

ausgeblasen.

Am Notuany schlug ich für einige Tage mein Lager auf, um mich der

Durchforschung der nächsten Umgebung zu widmen. Mein erster Ausflug galt

dem südlichen Winkel an der Mündung des letzteren Flusses in den

Limpopo. Hier, im Schatten riesiger Mimosen, fand ich während meiner

zweite Reise zahlreiches Hoch- und Niederwild, diesmal spähte ich lange

vergebens nach Beute, bis endlich eine Gazelle aus dem hohen Ufergras

vor mir aufsprang. Ein wohlgezielter Schuß aus dem nur mit Hasenschrot

geladenen Gewehre hemmte für immer ihre zierlichen Sprünge. Einige in

dem Walde wohnende Masarwa's -- Seschele's Vasallen -- brachten uns

Pallahfelle zum Verkauf, die ich auch erstand.

Die Ufer am unteren Marico und dem Limpopo bestanden aus Granit, Gneis,

grauem und röthlichem Sandstein, der letztere oft mit zahlreichen

eingeschlossenen Kieseln und dann zuweilen recht groteske Hügelformen,

wie eine am Ufer des letztgenannten Stromes den »Cardinalshut« bildend;

stellenweise gesellt sich Grünstein und eisenhaltiger Kalkschiefer

hinzu. Den ersten oberhalb seiner Mündung in den Limpopo in den Notuany

einmündenden Spruit nannte ich Purkyne's Spruit. Die stärksten unter den

Mimosen, auf denen ich hie und da Geiernester bemerkte und die sonst der

Aufenthalt zahlreicher Vogelarten (^Bubo Vereauxii^ und ^maculosus^,

^Psittacus^, ^Coracias caudata^ und ^nuchalis^ etc. etc.) waren, hatten

einen Umfang bis zu zehn Fuß.

Gegen meine zuerst gefaßte Absicht verließ ich den Notuany schon am 12.

und zog das Limpopothal weiter abwärts. Da jedoch die Gegend meinen

Sammlungen viele und schöne Acquisitionen versprach, hielt ich schon

nach einer Tour von vier Meilen inne. Auf einem am 14. unternommenen

Ausfluge vermehrte sich meine Sammlung um zwei Cercopithecus, einen

Sciurus, zwei Perlhühner und zwei Francolinusbälge. An einem der

erlegten Affen, einem ausgewachsenen Männchen, fielen mir einige

krankhafte Auswüchse auf, die dem Thiere in Form von großen Geschwüren

sein Dasein recht unangenehm gemacht haben mußten. Aus den Fluthen des

Limpopo sah ich fast nach jeden 100 Schritten den Körper eines

erwachsenen Krokodils auftauchen, und ebenso rasch verschwinden.

Am folgenden Tage verließ ich den Limpopo, um die bewaldeten, auf dem

südlichen Abhange tiefsandigen, auf dem nördlichen felsigen Höhen zu

überschreiten und in das Thal des Sirorume zu gelangen. Niger machte

sich hier das Vergnügen, zwei über den Weg nach links laufende gefleckte

Hyänen zu jagen, ohne die unbeholfenen Thiere einholen zu können. Gegen

Mittag langten wir bei der schon erwähnten Lache auf dem Gipfel der

Erhebung an und begannen am Nachmittage dieselbe gegen den Sirorume

hinabzufahren. Die Benennung der nun erreichten Gegend als

Buffadder-Gebiet zeigte sich auch diesmal richtig, unmittelbar am Wege

fanden wir zwei zusammengerollte Schlangen, welche wir erlegten. Nach

Trinkwasser fahndend, kam ich, einem schon früher benützten Masarwapfade

folgend, zu einem etwa zehn Fuß tiefen, kleinen Loch, aus dem mir Wasser

entgegenblinkte. Ich band meinen Hut an den Gewehrriemen, um das

ersehnte Naß herauszuschöpfen; als meine Schöpfkanne beinahe den

Wasserspiegel erreicht hatte, sah ich einen schimmernden Gegenstand

theilweise am, theilweise über dem Wasser glänzen; den Gegenstand näher

beobachtend, erkannte ich eine Buffadder, die sich vergebens bemühte,

aus diesem Gefängnisse zu entschlüpfen. Ebenso häufig wie die

Buffadderschlangen sind im Sirorumethale Leopardenspuren. Dichte

Dorngebüsche, zerklüftete höhlenreiche Felsen an den Thalabhängen bieten

hier dieser Wildkatze die gewünschten Schlupfwinkel.

Auf der Fahrt am nächsten Morgen fand ich am Sirorume einen

Bamangwato-Posten. Sekhomo, der frühere Bamangwato-König, hielt hier

keinen, da er nicht hinreichend Leute zur Verfügung hatte, darum sah

auch zu jener Zeit Seschele diese Gegend als seinen Jagdgrund an. Die

Gegend war von Giraffen, Kudu's, Hartebeest- und Eland-Antilopen, sowie

von Gazellen und Wildschweinen, doch auch zahlreich von Hyänen und

Schakalen bevölkert.

Am 17. erreichte ich Khama's Salzsee, an welchem ich die durstigen

Zugthiere zu den Felsencisternen führen und tränken ließ. Von einigen

herbeieilenden Bamangwato's und Makalahari erhandelte ich einige

Curiositäten, darunter auch ein Schlachtbeil. An meinem Wege fand ich

Hornvipern (Giftschlangen), welche jedoch so gnädig sind, den ahnungslos

sich ihnen nähernden Menschen durch ein lautes Pfauchen zu warnen. Gegen

Abend kamen fünf Makalaka's, wahre Hünengestalten, an den Wagen, um sich

mir als Diener zu verdingen; da ich den Charakter dieses Stammes zu wohl

kannte, ging ich auf ihr Ansuchen nicht ein.

Ich verließ am 19. Khama's Salzsee und langte spät in der Nacht in

Schoschong, der Residenz Khama's, an; ich fand die Stadt sehr verändert.

Nach seinem Siege hatte sie Khama angezündet, etwas mehr

zusammengedrängt und näher der Mündung der Schoschonschlucht in das

Franz Josefs-Thal erbaut, wodurch die Gehöfte der Weißen isolirt wurden.

Das Wiedersehen mit Rev. Mackenzie war ein sehr herzliches, mein Freund

lud mich wieder ein, für die Zeit meines Aufenthaltes, den ich auf 14

Tage bemessen hatte, sein Gast zu sein.

III.

Von Schoschong nach den großen Salzseen.

Geschichte der letzten Kämpfe zwischen Sekhomo und Khama. --

Erosions-Erscheinungen im Lualabette. -- Die Maque-Ebene. -- Frost. --

Wilde Strauße am Wagen. -- Jagdverbot des Königs Khama. --

Eland-Antilopen. -- Die ersten Palmen. -- Wildpfade und Fall-Assagaien

an den Nokane-Quellen. -- Im Gebiete der großen Salzseen. -- Die

Tsitani- und Karri-Karri-Pfanne. -- Am Tschaneng-Flusse. -- Matabele am

Wagen. -- Die Salzlager am Nata-Spruit. -- Jagd auf Zulu-Hartebeeste. --

Auf dem Anstande auf Löwen. -- Thierleben am Nata-Spruit.

Die Veränderungen im öffentlichen Leben und in den socialen Zuständen

der Bamangwato's seit meinem ersten Besuche der Stadt waren mir sofort

aufgefallen. Damals war Sekhomo, das verkörperte Hinderniß jedweder

Neuerungen, welche als Wohlthaten der Civilisation betrachtet werden

können, ein unermüdlicher Priester in der Pflege heidnischer Gebräuche

und Orgien, am Ruder; jetzt war es Khama, sein ältester Sohn, gerade das

Gegentheil seines Vaters. Da mit Khama der größte Theil derer, die ihm

in seine freiwillige Verbannung gefolgt waren, zurückkehrte, und da sich

ihm die meisten der unter Sekhomo hier lebenden Bamangwato's

unterwarfen, zählte die Stadt gegenwärtig dreimal so viel Bewohner als

zur Zeit meines ersten Besuches. Eine größere Ordnung und Sicherheit

machte sich in Allem und Jedem bemerklich und mit dem Verbote des

Branntwein-Verkaufes hatte Khama eines der wichtigen Beförderungsmittel

des Müßigganges und des Unfriedens außer Wirkung gesetzt. Er war aber

auch bestrebt, nach und nach allen den Sitten schädlichen, sowie den

Geist umnachtenden heidnischen Gebräuchen Einhalt zu thun.

Am 21. besuchte ich mehrere kranke Eingeborne in der Stadt, darunter

einen von Khama's Kriegern, dem das eine Schienbein durch eine Kugel

zersplittert worden war.[5] Ich besuchte Khama während meines

Aufenthaltes in Gesellschaft des Herrn Mackenzie mehrmals, und hatte

Gelegenheit, immer mehr und mehr den lobenswerthen Charakter dieses

Mannes kennen zu lernen. Ausflüge in die nächste Umgegend, die

Bearbeitung meiner Routen-Aufnahmen von Linokana nach Schoschong sowie

die ärztliche Praxis, in welcher ich durch Herrn Mackenzie und Hephrun

bei der Pflege der kranken Schwarzen unterstützt wurde, füllten die Tage

meines Aufenthaltes aus. König Khama war so gütig, mir einen Diener aus

dem Trosse seiner Leibdiener, einen Mann, der mich bis an den

Zambesistrom begleiten sollte, zu versprechen. Dieser Eingeborne sollte

auch, wenn ich nach der Westküste oder nach Norden weiterziehen sollte,

meinen Wagen mit den bis an den Zambesi gesammelten Objecten nach

Schoschong zurückbringen, als Lohn sollte ich dem Manne eine Muskete

geben. Freund Mackenzie beschenkte mich mit zwei schönen, von den

Maschona's gearbeiteten Holztöpfen, Rev. Hephrun mit zwei Unzen Chinin.

Am 27. brachte mir Khama den versprochenen Diener und hielt ihm in

meiner Gegenwart eine Rede, welche mit den folgenden Worten schloß.

»Dein neuer Herr ist ein Mann, und daß er ein Njaka (Doctor) ist, das

hab' ich Dir schon erklärt.«

Auf meinen in Gesellschaft Rev. Mackenzie's unternommenen Ausflügen

zeigte mir dieser alle jene Stellen, welche in der Geschichte der

Bamangwato's durch die letzten Kämpfe zwischen Khama und Sekhomo

Bedeutung erlangt hatten. Die folgenden Zeilen mögen meine gelegentlich

der Schilderungen meines ersten Aufenthaltes in Schoschong angeführten

Mitteilungen ergänzen. Ich erwähnte am Schlusse derselben, daß Khama

Schoschong verlassen, und ihm der größte Theil der Bamangwato's in diese

freiwillige Verbannung an den Zuga-River gefolgt war, als jedoch Khama

sah, daß das Fieber seine Leute in dem Sumpflande decimire, entschloß er

sich, nach Schoschong zurückzukehren, und sich zu seinem Rechte zu

verhelfen, wohl nicht heimlich seinen Vater und Bruder zu überfallen,

sondern diesen offen sein Kommen anzuzeigen; er that dies auch und

bezeichnete den Tag seiner Ankunft. Er drang von Nordwesten über die

Bamangwatohöhen vor, um die die Stadt beherrschenden und die

Schoschonschlucht bildenden Felsenabhänge zu gewinnen. Sekhomo hatte

seine Leute getheilt, um mit der schwächeren Abtheilung die Stadt zu

vertheidigen, während er die größere auf den Höhen postirte, um Khama an

seinem Vorhaben zu hindern; durch den Zuzug der Bewohner der im oberen

Thale des Schoschon gelegenen Makalakadörfer verstärkt, hatte Sekhomo

eine Khama's Truppen ebenbürtige Anzahl von Kriegern. So wie in den

früheren Kämpfen bewiesen sich diese Makalaka's, die sich aus dem

Matabelelande hierher geflüchtet hatten, auch in diesem Kampfe äußerst

unverläßlich und verrätherisch, sie waren diesmal Sekhomo's wirkliche

Bundesgenossen, allein sie hatten auch Khama, den ankommenden

Königssohn, ihrer Hilfe und Freundschaft versichert und sandten ihm die

Nachricht, daß sie ihn an der Schoschonkluft erwarten würden. Khama

schlug die sich ihm entgegenstellenden Krieger Sekhomo's so rasch, daß

diese versprengt den Rückzug nach der Stadt nicht mehr einschlagen

konnten, und da bald darauf der seinen Sieg möglichst rasch ausnützende

Feldherr mit der Vorhut auf dem Plateau erschien, auf welchem die

Makalaka's Posto gefaßt hatten, glaubten diese, daß es ihm in dem Kampfe

schlecht ergangen und er besiegt sei, und diese Richtung blos aus dem

Grunde eingeschlagen habe, um den Versuch zu machen, sich der in der

Schoschonkluft verborgenen Viehheerden zu bemächtigen. Während sich nun

seine Leute vertrauensvoll den Makalaka's näherten, eröffneten diese auf

die Ankommenden ein heftiges Feuer. Dies machte die Bamangwato's so

wüthend, daß die der Vorhut rasch folgende Haupttruppe nur ein einziges

Mal ihre Musketen auf sie feuerte, dann aber auf sie losstürzte, und die

meisten mit dem Kolben erschlug.

[Fußnote 5: Siehe Anhang 2.]

[Illustration: Kampfesscene auf den Bamangwatohöhen.]

Ich ließ bei Herrn Mackenzie eine Kiste mit gesammelten Gegenständen

zurück sowie Briefe, die er den Herrn Jensen nach Linokana abzusenden

versprach, auch wollte er mir etwaige mit der Kaffernpost angekommene

Briefe durch Eingeborene oder nach den Zambesi-Gegenden reisende

Elfenbeinhändler nachsenden. Während meines Aufenthaltes in Schoschong

langte hier eine Gesandtschaft, geführt von Kosi Lintschi, von

Rechtswegen dem eigentlichen Bakwena-Thronerben an. Er kam im Namen

Sekhomo's, der sich zu Seschele geflüchtet, um von Khama Sekhomo's

Mutter zu erbitten, zu gleicher Zeit kam aus dem Matabele-Lande die

Nachricht daß die Matabele-Zulus einen erfolgreichen Angriff auf die

Maschonas ausgeführt hatten.

Herr Mackenzie hielt in einem von ihm selbst aufgeführten Gebäude neben

seiner Wohnung durch fünf Stunden Schule, und zwar waren es schon

Männer, »Seminaristen«, verschiedenen Betschuanastämmen angehörend, die

er belehrte; einige dieser Männer hatten auch zwei Jahre später unter

der Anleitung des Rev. Hebern eine Missionsstation auf Wunsch der

Eingebornen-Bevölkerung am N'gami-See errichtet.

Hatten wir während unseres ersten Aufenthaltes in Schoschong über

fortwährenden Regen, so hatten wir diesmal über anhaltende Dürre zu

klagen, in Folge welcher meine Zugthiere etwas abgemagert waren. Am 4.

Juni verließ ich Schoschong, um meine Reise nach dem Zambesi anzutreten.

Im Franz Josefsthale aufwärts ziehend, schlugen wir am folgenden Tage

eine nördliche Richtung ein und überschritten den Unicornpaß und

gewannen, nachdem wir das Unicornthal passirt, die Hochebene. Die

Scenerie im Unicornthale ist eine sehr anziehende, isolirte Felsenhügel,

welche eine baumförmige, armleuchterförmig sich verzweigende

Euphorbiacea in ziemlich dichten Beständen schmückt, verengen ab und zu

das Thal. Vor wenigen Tagen hatte sich hier eine kleine Episode

zugetragen, deren Lösung Khama zur Ehre gereichte; einem Elephantenjäger

war durch die umwohnenden Bamangwato's ein Zugthier entwendet worden,

der Spur der Diebe folgend, war der nach Schoschong zurückkehrende Jäger

im Stande, dem Könige den Wohnort der Diebe zu bezeichnen. Der König

ließ diese vor sich bringen und befahl den Dieben, nicht allein den

Schaden sofort zu ersetzen, sondern dem Bestohlenen für die erlittene

Verzögerung der Reise zwei Ziegen zu übergeben.

Die Reise am 6. führte über ein tiefsandiges, waldiges Hochplateau, spät

Abends gelangten wir zum Letlotsespruit und lagerten nahe an dem Falle

dieses Spruit, der jedoch nur nach heftigem Regen sichtbar ist und

dessen Wasser dann über die Granitblöcke herabstürzt; die anliegenden

Höhen, von zahlreichem Niederwild belebt, zeigten in ihren obersten

Lagen rothen Sandsteinschiefer, darunter Quarzit, schwarzen

Kieselschiefer, und in den tiefsten Lagen Granit. Die Wasserlöcher von

Kanne waren das Ziel des nächsten Tagesmarsches. In einem Halbbogen zur

Rechten erheben sich mehr denn dreißig kegelförmige Höhenkuppen, welche

die Bamangwato- mit den Serotlehöhen verbinden. In der Nähe dieser

Wasserlöcher befand sich ein Viehposten, dessen Bewohner bei unserer

Annäherung rasch ihr Vieh zum Wasser trieben, um es zu tränken, so daß

wir keines mehr vorfanden und die Löcher neu ausgraben mußten. Am 8.

gelangte ich bis zu dem Thale des Luala-Spruits, dessen Vegetation und

nächste Umgebung ein anmuthiges Landschaftsbild gewährt. Besonderes

Interesse erregen die Gebirgsformation und die Erosions-Erscheinungen im

Flußbette. Hier waren es Grotten und Höhlen, dort Nischen, Bassins oder

gothische Gewölbe, welche das Wasser, obwohl nur kurze Zeit hindurch im

Jahre fließend, im Lualabette ausgewaschen hatte. An der sehr tiefen und

schwierig passirbaren Furth traf ich zwei Elfenbeinhändler an, von

welchen der eine, Herr Anderson, dem Namen nach als ein ehemaliger

Gold-Digger bekannt war. Sie lagen seit einigen Tagen hier, um durch

ihre Diener die Gegend bis an die Maque-Ebene, die ihnen als wasserlos

geschildert wurde, auszukundschaften. Der Luala wie seine Nebenflüsse

waren alle trocken und man mußte allmälig eine Stelle in dem

humusreichen Bette ausgraben, um Wasser gewinnen zu können. Nach den

Mittheilungen der von Herrn Anderson ausgesendeten Boten hatten wir zwei

Tage und zwei Nächte zur nächsten Wasserstelle zurückzulegen, ich ließ

deshalb mit Rücksicht darauf unsere Speisen für die nächsten zwei Tage

hier zubereiten, um an Wasser zu sparen. Da sich Herr Anderson erbot,

mir Gesellschaft zu leisten, so nahmen wir uns vor, die Reise bis an die

Salzseen gemeinschaftlich zu machen.

Sieben Jahre in Süd-Afrika. Zweiter Band. Erlebnisse, Forschungen und Jagden auf meinen Reisen von den Diamantenfeldern zum Zambesi (1872-1879) · 第 17 / 27 题