Der Herr fragte: »Wer bist du?«

Jener antwortet: »Ich bin der Oberst Bärnhäuter, ein Soldat von

Fortun[544], und hab mich neulich im Krieg wider den Türken brauchen

lassen.«

Weil nun diß ein neuer und noch kein schandlicher Namen war, fragte

ihm der Herr auch nicht weiter nach, sonder sagte: »Ich habe drei

Töchter von gleicher schöner Gestalt, welche auch ihre Mutter ihrer

Aehnlichkeit wegen oft selbst vor einander nicht kennet. Ich wil

dich solche sehen lassen; wirst du nun wissen, welches die Aelteste,

Mittlere und die Jüngste sei, so wil ich dir eine davon zum Weibe

geben, welche du unter ihnen haben wilst; wo nicht, so solst du samt

deinem Vermögen mir zum Eigenthum verfallen sein.«

Da der Bärnhäuter dessen zufrieden, nahm ihn der edle Herr mit heim,

ihn seine Töchter zu solchem Ende sehen zu lassen.

Der Geist aber erschien ihm wieder und sagte zum Bärnhäuter: »Wisse,

dieser Herr pflegt auf solche Fäll die Jüngste in die Mitte und die

Aelteste auf der linken, die Mittlere aber auf ihre rechte Seite zu

stellen.«

Als er nun auf solchen Unterricht sagen konte, welches die Erst, die

Ander und Dritte war, zumalen die Jüngste zum Weib begehrt, schwur der

Herr alsobalden, er wolte seine Parole halten, wie es einem ehrlichen

Cavalier gebühre, Gott geb was[545] die Mutter darzu sagte, und wie

sich sein Kind darzu bequemte; er wolle auch die Hochzeit gleich für

sich gehen lassen, ehe ein ander Gewirr[546] drein käme.

Aber der Bärnhäuter wolte nicht, sonder wendet andere Geschäften vor,

doch mit Versprechen, bald wieder zu kommen, und da er einen kostbaren

Ring, der hierzu gemacht war, von einander geschraubt und ein Theil

darvon seiner Braut gegeben hatte, gieng er seines Wegs.

Die Jungfrau Hochzeiterin aber kleidet sich vor Traurigkeit schwarz

und wünschte vergeblich, lieber allein zu leben, als sich mit dem

abscheulichen Bärnhäuter zu verehlichen. Aber was halfs? Ihr Herr

Vatter wolts also haben. Ihre Schwestern gönneten ihr diese Heurath;

sie vexierten sie täglich mit ihrem schönen Hochzeiter und erneuerten

damit stündlich und täglich die Wunden ihres ohnedas traurigen Herzens,

welches sie doch alles durch Geduld überwande.

Der Geist kam hingegen wieder und führte den Bärnhäuter in den Rhein

ins Bad; er richtet[547] ihm seine Haar und beschor selbige samt dem

garstigen Bart auf die neue Mode und zieret ihn dergestalt auf durch

besondern Anstrich, daß er sich[548] dem schönsten Cavalier vergliche.

»Jetzt gehe hin nach N.«, sagte er zu ihm, »und montiere dich wie ein

rechter ehrlicher Obrister und lebe wie ein Herr; ich wil meine Schätze

aufthun, die ich hierum vergraben habe, und dir Gelds genug hierzu

geben.«

Weil nun dem Bärnhäuter kein erwünschterer Befehl hätt kommen können,

war er desto gehorsamer.

Er hielte sich mit schönen Pferden, herrlichen Gutschen, köstlichen

Kleidern und vielen Dienern in[549] Livree wie ein Großvezier, und da

es dem Geist Zeit sein däuchte, stellte er sich wieder ein und sagte zu

ihm: »Jetzt fahr hin und vollziehe deinen Heurath«, und damit er desto

reicher erscheinen konte, füllete er ihm beide Gutschenkisten voller

Gold, welches er ihm beides zur Beschuldigung[550] und zum Heurathsgut

mitgab.

Also machte er sich auf die Reis und schickte einen Trompeter voran,

seinem künftigen Schwähr neben Vermeldung seines Dienstes und Grußes

anzuzeigen, daß ein stattlicher Cavalier auf dem Weg begriffen wäre,

ihme zuzusprechen und seinem Frauenzimmer gebührend aufzuwarten, mit

einem Wort, eine aus seinen Töchtern zum Gemahl zu begehren, wofern er

anderst gelitten werden möchte und keine Ungelegenheit machte.

Als er nun die höfliche Antwort bekam, daß er ein lieber Gast sein

würde, ist er mit seiner Suite prächtig eingezogen und wol empfangen,

auch zu Bezeugung mehrerer Willfährigkeit oben an die Tafel zwischen

die beide älteste Töchter gesetzt worden, welche sich auch ihm zu

gefallen, weil ihn jede zu bekommen verhofft, trefflich geschmückt

hatten.

Die Jüngste aber behalf sich unten an der Tafel wie ein Turteltäubchen,

das seinen Gemahl verloren, sintemal sie als eine Versprochene keine

Hoffnung schöpfen dörfte, diesen ansehnlichen Herrn zu bekommen,

wessentwegen ihr die Schwestern mit den Augen manchen höhnischen Blick

und mit Worten manchen empfindlichen und verächtlichen Stich gaben,

welches ihr tief ins Herz geschnitten.

Als nun der Bärnhäuter nach Vorweisung seines vielen Golds das Jawort

und unter den Töchtern von Vatter und Mutter die Wahl bekam, zumalen

noch jede von den ältesten Schwestern ihn zu bekommen festiglich

verhoffte, offenbarte er sich der Jüngsten durch ein Stück des von

einander geschraubten Rings, davon er ihr hiebevor ein Theil zugestellt.

So hoch nun diese hierdurch erfreut wurde, so sehr erschraken hingegen

jene beide, als sie sich ihrer Hoffnung so gähling beraubt sahen.

Sie wurden so bestürzt, daß sie nicht mehr wusten, was sie thäten,

und ihre Eltern wurden so erfreut über der einen Tochter Glück, daß

sie der andern beiden Anliegen nicht wahrnahmen, welche zugleich von

Schamhaftigkeit und dem Neid gegen ihrer Schwester angefochten wurden,

also daß sich die eine selbst erhenkt, die ander aber in einen Brunnen

stürzte.

Also sagte der Geist, der dem Bärnhäuter ganz fröhlich erschiene: »Nun

haben wir mit einander[551] ausgefischt[552]; du hast eine und ich zwo

von den Töchtern bekommen, die hiebevor ihr Vatter manchem ehrlichen

Cavalier versagt.«

* * * * *

=Mein hochgeehrter und ~respective~ großgünstiger lieber Leser= nehme

vor dißmal hiermit verlieb und urtheile aus dieser Erzählung, was er

will; alsdann werde ich verhoffentlich mit der Erläuterung hernach

kommen.

=Ende.=

Simplicianische Schriften, Erster Theil (von 2) · 第 79 / 92 题