FUSSNOTEN:

[494] =fast geistlich=: München.

[495] =Das Bild auf der Säulen=, die Marianische Säule auf

dem Schrannenplatz, von Kurfürst Maximilian ~I.~ zum Gedächtniß der

Prager Schlacht 1638 errichtet.

[496] =Salve= (~regina~), Gesang am Schluß des

Abendgottesdienstes.

[497] =Sol=, die Sonne, =Luna=, der Mond, als Zeichen der edeln

Metalle.

[498] =luck=, =lucker=, locker.

[499] =Daus-Es.= Siehe oben S. 24.

[500] =ungestiegelfritzt=, wie ungestriegelt.

[501] =Pfisterei=, Klosterbäckerei (~pistorium~).

[502] =Beck=, Bäcker.

[503] =Agnus Dei=, Gotteslamm, ein Medaillon von Wachs, dem

das Lamm mit der Siegesfahne aufgedrückt ist, von einem Papste geweiht

und deshalb natürlich wunderthätig.

Das fünfundzwanzigste Capitel.

Was und wie Springinsfeld in Candia kriegt, auch wie er wieder in

Teutschland kam.

»Also nahmen wir, die wir unser Leben verkauft hatten und dannoch zu

Erhaltung desselbigen ritterlich zu fechten gedachten, unsern Weg über

den Zirlberg[504] auf Inspruck, folgends über den Brenner auf Trient

und dann ferners nach Treviso, alwo wir alle ganz neu gekleidet und von

dannen vollends nach Venedig geschickt, daselbst armirt und, nachdem

wir ein paar Tag ausgeruhet, zu Schiff gebracht und nach Candia geführt

wurden; in welchem ellendem Anblick[505] wir auch glücklich anlangten.

Man ließe uns nicht lang feiren oder viel Schimmel unter den Füßen

wachsen, dann gleich den andern Tag fielen wir aus und wiesen, was wir

konten oder vermochten, unseren armseligen Steinhaufen beschützen zu

helfen. Und dasselbe erste mal glückte es mir selbsten so wol, daß ich

drei Türken mit meiner halben Pique spießte, welches mich so leicht und

gering ankame, daß ich mir noch bis auf diese Stund einbilden muß, die

armen Schelmen seien alle drei krank gewesen. Aber Beute zu machen, war

ferne von mir, weil wir sich gleich wieder heim retiriren musten. Den

andern Tag gieng es noch toller her, und ich brachte auch zween Männer

mehr als den vorigen um, doch solche Tropfen, von welchen ich nicht

glaubte, daß sie alle fünfe ein einzige Ducat vermöcht haben; dann mich

dunkte, sie seien solche Gesellen gewesen, dergleichen es oft bei uns

auch geben hat, die nämlich mit Darsetzung ihres Lebens die, so Thaler

hatten, beschützen, bewachen und noch darzu mit ihren arbeitsamen

Händen und ritterlichen Fäusten die Ehr der erhaltenen Ueberwindung

erobern und ihnen noch drüberhin beides die Ehr, die Beut und die

Belohnung darvon überlassen musten; dann mir wurden niemal kein Beg

oder Beglerbeg[506], viel weniger gar ein Bassa[507] unter denjenigen

zu sehen, die vorhanden waren, ihr Blut an das christliche zu setzen.

Doch mag wol sein, daß der Antreiber hinter den Troupen von solchem

Stoff mehr gewesen seien als der Anführer vornen an der Spitzen.«

»Solche Art zu kriegen machte mich unwillig und verursachte, daß ich

mitten in Candia der Schweden erkantliche[508] Manier loben muste, die

ihre ohnedle[509] Soldaten, sie wären gleich fremder oder heimischer

Nation gewesen, höcher als ihre edle und doch ohnkriegbare Landsleut

ästimirt; wannenhero sie dann auch so großes Glück gehabt haben. Doch

ließe ich mich ein als den andern Weg zu allem demjenigen gebrauchen,

was einem redlichen Soldaten zustehet. Ich folgte auf der Erden wie

ein ehrlicher Landsknecht, und unter derselbigen beflisse ich mich,

auch die Künste der Maulwürfe zu übertreffen, und erwarbe doch nichts

anders darmit als bißweilen eine geringe Verehrung. Und als kaum der

zehende Mann von denen mehr lebte, die mit mir aus Teutschland kommen

waren, wurde der ellende Springinsfeld über den noch ellenderen Rest

seiner kranken Cameraden zu einem Sergiant gemacht, gleichsam als wann

sein abgematter Leib und achzender Geist hierdurch wieder in die vorige

Kräfte und Courage hätte gesetzt werden können.«

»Hierdurch nun bekame ich Ursach, mich noch besser abzumerglen.

Ich half die noch wenig übrige Roß fressen und verrichtet hingegen

selbst größere als Roßarbeit. Indem mich nun in solchem Zustand kein

feindlicher Musquetenschuß fällen oder ein türkischer Säbel verwunden

konte, sihe, so schlug mir ein Stein aus einer springenden Minen so

unbarmherzig an meinen einen Fuß, daß mir das Gebein in den Waden wie

Sägmehl darvon zermalmet wurde und man mir den Schenkel alsobalden biß

über das Knie hinweg nehmen muste. Aber diß Unglück kam nicht allein,

dann als ich dort lag als ein soldatischer Patient, mich an meinem

Schaden curirn zu lassen, bekam ich noch darzu die rothe Ruhr mit einem

großen Hauptwehe, warvon mir der Kopf eben so sehr mit Fabeln[510], als

mein Liegerstatt mit Unlust[511] erfüllt wurde.«

»Nichts gesünder war mir damals, als daß mir Hoch und Nieder Zeugnus

gab, ich wäre ein Ausbund von einem guten Soldaten gewesen; dann auf

solches Lob wurden auch andere Medicamenten nicht gesparet, wiewol die

Venetianer ihre Soldaten so wol als ihre Besem pflegen hinzuwerfen,

wann sie solche ausgebraucht haben. Aber ich genosse[512] auch anderer

ehrlicher Kerl, die noch lebten und das Ihrig thäten, damit sie kein

Exempel hätten, das sie träg und verdrossen machen möchte. Als nun

solche auch so dünn wurden, daß wir auf die Letzte kaum einen oder

zween, die ihr völlige Gesundheit entweder bißhero erhalten oder doch

wieder erholet hatten, auf die Posten thun konten, sihe, da wurde

es unversehens Friede, als wir beinahe in letzten Zügen lagen. Nach

unserer Abführung, und nachdem ich viel Ungelegenheit auf dem Meer

ausgestanden, langten wir endlich zu Venedig wieder an. Viel von

uns und unter denselben ich auch, die da verhofft hatten, dorten mit

Lorberkränzen bekrönet und mit Gold überschüttet zu werden, wurden in

das Lazareth daselbst logirt, alwo ich mich behelfen muste, biß ich

gleichwol wieder heil wurde und auf meinem hölzernen Bein herummer

stelzen konte.«

»Folgends bekam ich meinen ehrlichen Abschied und etwas wenigs an

Geld, dann ich wurde nit so wol bezahlt, als wann ich den redlichen

Holländern in Ostindia gedient gehabt hätte. Hingegen wurde mir

zugelassen, daß ich von ehrlichen Leuten eine Steuer zur Wegzehrung

bettlen dorfte, und dergestalt completiret ich die Zahl meiner Ducaten,

die ich noch habe, weil mir mancher Signor und manche andächtige Matron

vor den Kirchen ziemlich reichlich mittheilten. Ich bedorfte vor keinen

Soldaten aus Candia zu bettlen, dann man kante uns ohne das, sintemal

wir fast alle, was übrig verblieben von uns, unsere Haar verloren

hatten, sehr mager und ausgehungert und so schwarz aussahen wie die

allerschwärzste Zigeuner. Weilen mir dann nun das Bettlen so wol

zuschlug, trieb ichs fort, biß ich von Venedig wieder in Teutschland

ankam, der Hoffnung, mein Weib wiederum anzutreffen und sie damit

zu freuen[513], daß ich das Handwerk so wol gelernet und auch einen

guten Werkzeug darzu, nämlich meinen Stelzfuß mitbrächte; dann ich

gedachte: diß Ding kan ihr nicht übel gefallen, weil sie selbst aus dem

vornehmlichsten Stammen der Erzbettler entsprossen.«

Simplicianische Schriften, Erster Theil (von 2) · 第 72 / 92 题