[339] =Ankunft=, Abkunft.
[340] =zohe=, altes ~præt.~ zu ziehen, zog.
[341] =aufrecht=, ~adv.~, aufrichtig, ehrlich.
[342] =Wossen=, Bosnien.
[343] =aufheben=, erheben, einnehmen.
[344] =Histria=, Istria.
[345] =schätzen=, in Contribution setzen, brandschatzen.
[346] =blößlich=, bloß, nur.
[347] =Reide=, Rhede.
[348] =Nache=, Boot.
[349] =Gestuosität=, Beweglichkeit; ~gestuosus~ kommt bei Apul. vor.
Das elfte Capitel.
Von dreien merkwürdigen Verschwendern wahrhafte Historien.
»Es gehet gemeiniglich denen, so in den Krieg kommen, wie denjenigen,
so hexen lernen; dann gleichwie dieselbige, so einmal zu solcher
unseligen Congregation gelangen, schwerlich oder wol gar nit mehr
darvon kommen können, also gehets auch dem mehrentheils[350] von
den Soldaten, welche, wann sie gut Sach haben, nicht aus dem Krieg
begehren, und wann sie Noth leiden, gemeiniglich nicht draus kommen
können. Von denen, welche sich im Krieg wider ihren Willen ferners
gedulden müssen, biß sie entweders durch eine Occasion[351] bleiben
oder sonst crepirn, verderben und gar Hungers sterben müssen, könte man
darvor halten, daß es ihr Fatum oder Verhängnus so mit sich brächte;
von denen aber, so reiche Beut machen und gleichwol solche wieder
unnützlich verschleudern, kan man gedenken, daß ihnen der gütige
Himmel nicht gönne, sich ihr großes Glück zu nutz, sonder vielmehr das
Sprichwort wahr zu machen:
So gewonnen,
So zerronnen.
und: Was mit Trommeln erobert wird, gehet mit Pfeifen wieder fort.«
»Ich weiß von dreien gemeinen Soldaten auch drei unterschiedliche
denkwürdige Exempel, welche solches bestätigen, und derselbigen muß
ich hier weitläufiger gedenken. Des ersten, der berühmte Tilly,
nachdem er die Stadt Magdenburg ihres jungfräulichen Kränzels, seine
Unterhabende[352] aber dieselbe ihrer Zierd und Reichthum beraubt
gehabt, erfuhr, daß ein gemeiner Soldat von den Seinigen eine große
Beut von Baarschaft, so in lauter Geldsorten bestanden, erobert
und alsogleich wieder mit Würfeln verloren hätte. Die Wahrheit zu
erfahren, ließe er solchen vor sich kommen, und nachdem er von diesem
unglückseligen Spieler selbsten verstanden, daß die gewonnene und
wieder verschwendete Summa größer gewesen, als er von andern vernommen
(etliche sagten wol von 30000, andere von weit mehrern Ducaten), sagte
der Graf zu ihme: Du hättest an diesem Geld die Tag deines Lebens genug
haben und wie ein Herr darbei leben können, wann du dirs nur selber
hättest gönnen wollen; dieweil du aber dir selbsten nichts nutzen noch
zu gut thun wollen, so kan ich nicht sehen, was du meinem Kaiser nutz
zu sein begehrest. Und damit erkante dieser General, der sonst den Ruhm
eines Soldatenvatters gehabt, daß dieser Kerl als eine unnütze Last
der Erden in freien Luft gehenkt werden solte, welches Urtheil auch
alsobalden vollzogen worden.«
»Des andern, als der schwedische Königsmark die kleine Seit[353] der
Stadt Prag überrumpelt und gleichmäßig ein gemeiner Soldat über
20000 Ducaten ~in specie~ darin erwischt, solche aber bald hernach
auf einen Sitz wiederum verspielt hatte, wurde solches dem Königsmark
gleichfalls zu Ohren getragen, welcher auch diesen Soldaten vor sich
kommen ließe, um ihn erstlich zu sehen und ihm alsdann nach Erkundigung
der Wahrheit ebenmäßig obenangeregten Tillyschen Proceß machen zu
lassen, wie er ihm dann auch auf eben dieselbige Manier zusprach[354].
Als aber dieser Soldat seines Generals Ernst vermerkte, sagte er mit
einer unerschrockenen Resolution: Euer Excellenz können mich mit
Billichkeit um dieses Verlusts willen nicht aufhängen lassen, weil ich
Hoffnung hab, in der Altstadt noch wol eine größere Beute zu erhalten.
Diese Antwort, welche vor ein Omen gehalten wurde, erhielte dem guten
Gesellen zwar das Leben, aber gleichwol nicht die eingebildte Beut,
vielweniger den Schweden die Stadt, welche damals von deren Exercitu
hart bedrängt wurde.«
»Des dritten, wer bei der kurbairischen Armada unter dem Holtzischen
Regiment[355] zu Fuß bekant gewesen ist, der wird ohne Zweifel den
sogenannten Obristen Lumpus entweder gesehen oder doch wenigst viel
von ihm gehöret haben. Er war bei besagtem Regiment ein Musquetierer,
und kurz vorm Friedensschluß trug er eine Pique, wie ich ihn dann in
solchem Stand und zwar sehr übel bekleidet, also daß ihm das Hemd
hinten und vornen zu den Hosen heraushieng, unter währendem Stillstand
der Waffen bei selbigem Regiment selbst gesehen. Diesem geriethe in
dem Treffen vor Herbsthausen in einem Fäßlein voller französischen
Duplonen ein solche Beut in die Hände, daß er selbige schwerlich
ertragen, weniger zählen und noch weniger aus ihrer Zahl die Substanz
seines damaligen Reichthums wissen und rechnen konte! Was thät
dieser liederliche Lumpus aber, da er den übermäßigen Anfall[356]
seines großen Glücks nicht erkante? Er verfügte sich in eine Stadt
und Vestung[357] der Baiern, über welche ehemalen der große Gustavus
Adolphus die Zähne zusammen gebissen, daß er sie nach so viel
erhaltenen herrlichen Siegen ungewonnen muste liegen lassen; daselbst
staffirte er sich heraus wie ein Freiherr und lebte täglich wie ein
Prinz, der jährlich etliche Millionen zu verzehren hat; er hielte zween
Kutscher, zween Laquaien, zween Page, ein Kammerdiener in schöner
Liberei, und nachdem er sich auch mit einer Kutschen und sechs schönen
Pferden versehen, reiste er auch in die Hauptstadt desselbigen Landes
über die Donau hinüber, allwo er in der besten Herberg einkehrte,
die Zeit mit Essen, Trinken und täglichem Spatzierenfahren zubrachte
und sich selbsten mit einem neuen Namen, nämlich den Obristen Lumpus
nennete. Solches herrliche Leben währete ungefähr sechs Wochen,
in welcher Zeit sein eigner und rechter Obrister, der General von
Holtz[358] auch dorthin kam und eben in derselbigen Herberg einkehrte,
weilen er ein sonderbares lustigs Zimmer darin hatte, in welchem er
zu seiner Hinkunft zu logieren pflegte. Der Wirth sagte ihm gleich,
daß ein fremder Cavalier sein gewöhnlich Logement einhätte, welchem
er zu weichen nicht zumuthen dörfte, weil er ein ansehenlich Stuck
Geld bei ihm verzehrte. Dieser tapfere General war auch viel zu
discret, solches zu gestatten. Demnach ihm aber besser als dem großen
Atlante[359] sowol alle Weg und Steg, Wälder und Felder, Berge und
Thäler, Päß und Wasserflüsse, als auch alle adeliche Familien des
Römischen Reichs bekant waren, als fragte er nur nach dieses Cavaliers
Namen. Als er aber verstunde, daß er sich den Obristen Lumpus nennete
und sich weder eines alten adelichen Geschlechts noch eines Soldaten
von Fortun von solchem Namen zu erinnern wuste, bekam er ein Begierde,
mit diesem Herrn zu conversirn und sich mit ihm bekant zu machen. Er
fragte den Wirth um seine Qualitäten, und da er verstunde, daß er
zwar sehr gesellig, eines lustig Humeurs, gleichsam die Freigebigkeit
selber, doch aber von wenig Worten wäre, wurde seine Begierde desto
größer. Derowegen verfügte[360] er mit dem Wirth, des Lumpi Consens
zu erhalten, daß er denselben Abend mit ihm über einer Tafel speisen
möchte.«
»Der Herr Obriste Lumpus ließe ihm solches wol gefallen und bei dem
Confect in einer Schüssel 500 neue französische Pistolen und eine
göldene Ketten von 100 Ducaten auftragen. «Mit diesem Tractament»,
sagte er zu seinem Obristen, «wollen euer Excellenz verlieb nehmen
und meiner dabei im besten gedenken.» Der von Holtz verwundert sich
über diß Anerbieten und antwortet, daß er nicht wisse, womit er
ein solch Präsent um den Herrn Obristen verdienet oder ins künftig
würde verdienen können, derowegen wolte ihm nicht gebühren, solches
anzunehmen. Aber Lumpus bat hingegen, er wolte ihn nicht verschmähen;
er hoffte, es würde sich die Zeit bald ereignen, in deren ihr Excellenz
selbst erkennen würden, daß er diese Verehrung zu thun obligirt sei,
und alsdann verhoffe er hinwiederum von seiner Excellenz eine Gnad
zu erhalten, die zwar keinen Pfenning kosten würde, daraus er aber
erkennen könte, daß er diese Schankung nit übel angelegt. Gleichwie nun
dergleichen göldene Streich viel seltener ausgeschlagen als jemanden
versetzt werden, also wehrete sich auch der von Holtz nicht länger,
sonder acceptirte beides Ketten und Geld, weil es Lumpus überein[361]
so haben wolte, mit courtoisen[362] Promessen, solches auf begebende
Fäll zu remeritirn.«
»Nach seiner Abreis verschwendete Lumpes immerfort; er passirte nie bei
keiner Wacht verüber, da er nicht der Soldatesca, die ihm zu Ehrn ins
Gewehr stunde, ein Dutzet oder wenigst ein halb Dutzet Thaler zuwarf,
und also machte ers überall, wo er Gelegenheit hatte, sich als ein
reicher Herr zu erzeigen. Alle Tag hatte er Gäst und zahlte auch alle
Tag den Wirth aus[363], ohne daß er ihm jemals den geringsten Heller
abgebrochen oder über eine allzu theure Rechnung sich beschwert hätte.
Gleichwie aber ein Brunnen bald zu erschöpfen, also wurde er auch
mit seiner Baarschaft bald fertig, und zwar, wie ich schon erwähnet,
in sechs Wochen. Darauf versilbert er Kutschen und Pferd; das gieng
auch bald hindurch. Endlich musten seine stattliche Kleider samt
dem weißen Zeug daran; das jagte er alles durch die Gurgel. Und da
seine Diener sahen, daß er auf der Neige war, nahmen sie nacheinander
ihren Abschied, welche er auch gern passirn ließe. Zuletzt, da er
nichts mehr hatte, als wie er gieng und stunde, nämlich in einem
schlechten Kleid, ohne einigen Heller oder Pfenning, schenkte ihm
der Wirth 50 Reichsthaler, weil er so viel Geld bei ihm verzehret
hatte, auf den Weg; er aber wiche nicht, biß solche auch allerdings
wiederum verzehret waren. Der Wirth, entweder daß er sich bei ihm wol
begraset, oder ihn übernommen und sich deswegen ein Gewissen macht,
oder anderer Ursachen halber, gab ihm wieder 25 Reichsthaler, mit
Bitt, sich damit seines Wegs zu machen; aber er gieng nicht, biß er
selbe auch verzehrt hatte. Und als er nun fertig war, schenkte ihm der
Wirth wiederum 10 Reichsthaler zum Zehrpfennig auf den Weg; er aber
antwortet, weil es Zehrgeld sein solte, so wolte ers lieber bei ihm
als einem andern verzehren, hörete auch nit auf, biß solche wiederum
biß auf den letzten Heller hindurch waren, warüber sich der Wirth mit
wunderlichen Gedanken ängstigte und ihm gleichwol noch 5 Reichsthaler
gab, sich damit fort zu machen. Und den er zuvor ihr Gnaden genennet
und anfänglich unterthänlich willkommen sein heißen, den muste er damal
dutzen, wolte er anders seiner los werden; dann als er sahe, daß er
auch diese letztere 5 Reichsthaler verzehren wolte, verbote er seinem
Gesinde, daß sie ihm weder eins nochs ander darvor geben solten. Da er
nun solcher Gestalt gezwungen, dasselbe Wirthshaus zu quittirn, sihe,
da gieng er in ein anders und verlöschte in demselbigen das noch übrige
kleine Fünklein seines großen Schatzes vollends mit Bier. Folgends kam
er wiederum bei Heilbrunn zu seinem Regiment, allwo er alsobalden in
die Eisen geschlossen und ihm vom Henken gesagt worden, weil er bei
acht Wochen lang ohne Erlaubnus vom Regiment verblieben war. Wolte nun
der gute Obriste Lumpes seiner Band und Eisen wie auch der Gefahr des
Stricks entübrigt sein, so muste er sich wol seinem Obristen, den er
deswegen stattlich verehret, offenbaren, welcher ihn auch alsobalden
von beiden befreien ließe, doch mit einem großen Verweis, daß er
so viel Gelds so unnützlich verschwendet, worauf er anders nichts
antwortet, als daß er zu seiner Enschuldigung sagte, er hätt alle sein
Tag nichts mehrers gewünscht, als zu wissen, wie einem großen Herrn zu
Muth wäre, der alles genug hätte; und solches hätte er auf solche Weis
durch seine Beut erfahren müssen.«