Darauf sagte jener: »Das ist schlimm.«

»O nein, nit so gar schlimm«, antwortet der Stelzer, »dann jetzt

freurt[244] mich nur an ein Fuß, und ich bedarf auch nur einen Schuch

und einen Strumpf.«

»Höre«, sagte der im schwarzen Rock ferner, »bistu nit der

Springinsfeld?«

»Vor Zeiten«, antwortet dieser, »war ichs, aber jetz bin ich der

Stelzvorshaus, nach dem gemeinen Sprichwort: Junge Soldaten, alte

Bettler! Aber wie kennet mich der Herr?«

»An deiner artlichen Music«, antwortet jener, »als welche ich bereits

vor mehr als dreißig Jahren zu Soest gehöret habe. Hastu nicht damals

einen Cameraden gehabt unter denen daselbst gelegenen Dragonern, der

sich Simplicius genennet?«

Da nun Springinsfeld solches bejahete, sagte der Schwarzrock: »Und eben

derselbe Simplicius bin ich.«

Hierüber sagte Springinsfeld vor Verwunderung: »Daß dich der Hagel

erschlag!«

»Wie«, sprach Simplicius zu ihm, »schämestu dich nicht, daß du

allbereit so ein alter Krüppel und dannoch noch so rohe, gottlos und

ungeheißen[245] bist, deinen alten Cameraden mit einem solchen Wunsch

zu bewillkommen?«

»Potz hundert tausend Sack voll Enten, du hasts gewiß besser gemacht«,

sagte Springinsfeld, »oder bistu seither vielleicht zu einem Heiligen

worden?«

Simplicius antwortet: »Wann ich gleich kein Heiliger bin, so hab ich

mich doch gleichwol beflissen, mit Aufsammlung der Jahr die böse Sitten

der unbesonnenen Jugend abzulegen, und bin der Meinung, solches würde

deinem Alter auch anständiger sein als Fluchen und Gottslästern.«

»Mein Bruder«, antwortet Springinsfeld gar ehrerbietig, »vergeb mir

vor dißmal und sei mit mir zufrieden. Ich begehr mit dir um nichts, es

seien dann etwan ein paar Kandel Wein, zu disputiren.«

Und indem er sich unter diesen Worten ganz ungeheißen zu uns an Tisch

gesetzt hatte, zog er einen alten Lumpen hervor, knüpfte denselbigen

auf, ferners sagende: »Und damit du nicht etwan vermeinen möchtest, der

bettelhafte Springinsfeld wolte bei dir schmarotzen, so sehe, hier hab

ich auch noch ein paar Batzen, die zu deinen Diensten stehen.«

Und damit schütte er eine Hand voll Ducaten auf den Tisch, welche ich

etwas mehr als 200 zu sein schätzte, und befahl dem Hausknecht, ihme

auch eine Maß Wein herzubringen, welches aber Simplicius nicht zugeben

wolte, sonder brachte ihm eins und sagte, was es des Geprängs mit

dem Gelde viel bedörfte; er solte es nur wieder einstecken, weil er

dergleichen wol mehr hätte gesehen.

Simplicianische Schriften, Erster Theil (von 2) · 第 46 / 92 题