[62] =dürmeln=, türmeln, taumeln.
[63] =Lavor=, ~lavoir~, Waschbecken.
[64] =Hegel=, Hag, Zuchtstier.
[65] =Vortheil=, List.
[66] =Gegentheil=, Gegenpartei, Feind.
[67] =Caracole=, Schwenkung einer Schwadron auf die linke
oder rechte Seite.
[68] =verhümpelt=, verpfuscht.
[69] =Strahlhexe=, wie Blitzhexe, Wetterhexe.
Das neunte Capitel.
Courage quittiert den Krieg, nachdem ihr kein Stern mehr leuchten will
und sie fast von jederman vor einen Spott gehalten wird.
Also kam es nach und nach dahin, daß ich mich je länger je mehr
leiden[70] muste. Meine Knechte wurden mir verführt, weil zu ihnen
gesagt wurde: »Pfui Teufel, wie möcht ihr Kerl einer solchen Vettel
dienen!«
Ich hoffte, wieder einen Mann zu bekommen; aber ein jeder sagte: »Nim
du sie! Ich begehr ihrer nicht.«
Was ehrlich gesinnet war, schüttelt den Kopf über mich, und also
thäten auch beinahe alle Officier; was aber geringe Leut und schlechte
Potentaten waren, die dorften sich nicht bei mir anmelden, so hätte
ich ohnedas auch keinen aus denselbigen angesehen. Ich empfande zwar
nicht am Hals, wie mein Mann, was unser närrisch Fechten ausgerichtet;
aber doch hatte ich länger daran als er am Henken zu verdauen. Ich wäre
gerne in eine andere Haut geschloffen[71], aber beides die Gewohnheit
und meine tägliche Gesellschaften wolten mir keine Besserung zulassen,
wie dann die allermeiste Leute in Krieg viel eher ärger als frömmer
zu werden pflegen. Ich putzte mich wieder und richtete dem einen
und andern allerhand Netz und Strick, ob ich etwan diesen oder jenen
anseilen und ins Garn bringen möchte; aber es half nichts; ich war
schon allbereit viel zu tief im Geschrei; man kante die Courage schon
allerdings bei der ganzen Armee, und wo ich bei den Regimentern vorüber
ritte, wurde mir meine Ehre durch viel tausend Stimmen offentlich
ausgerufen, also daß ich mich schier wie ein Nachteule bei Tage nicht
mehr dorfte sehen lassen. Im Marschieren äußerten[72] mich ehrliche
Weiber; das Lumpengesindel beim Troß schuhriegelte[73] mich sonst; und
was etwan vor ledige Officier wegen ihrer Nachtweid mich gern geschützt
hätten, musten bei den Regimentern bleiben, bei welchen mir aber durch
ihr schändlichs Geschrei mit der allerschärfsten Laugen aufgegossen
ward, also daß ich wol sahe, daß meine Sach so in die Länge kein Gut
mehr thun werde. Etliche Officier hatte ich noch zu Freunden, die
aber nicht meinen, sondern ihren Nutzen suchten. Theils suchten ihre
Wollüste, theils mein Geld, andere meine schöne Pferd. Sie alle aber
machten mir Ungelegenheit mit Schmarotzen, und war doch keiner, der
mich zu heurathen begehrte, entweder daß sie sich meiner schämten, oder
daß sie mir eine unglückliche Eigenschaft zuschrieben, die alle meinen
Männern schädlich wäre, oder aber daß sie sich sonst, ich weiß nicht
warum, vor mir förchteten.
Derowegen beschlosse ich mit mir selbsten, nicht nur diß Regiment,
sondern auch die Armada, ja den ganzen Krieg zu quittirn, und konte
es auch um so viel desto leichter ins Werk setzen, weil die hohe
Officier meiner vorlängst gern los gewesen wären. Ja ich kan mich auch
nicht überreden lassen, zu glauben, daß sich unter andern ehrlichen
Leuten viel gefunden haben, die um meine Hinfahrt viel geweinet, es
seien dann etliche wenige junge Schnapper ledigs Stands unter den
mittelmäßigen Officiern gewest, denen ich zu Zeiten etwan ein paar
Schlafhosen gewaschen. Der Obriste hatte den Ruhm nicht gern, daß
seine schöne Gutsche durch die Courage vom Feind erobert und ihm
verehrt worden sein solte. Daß ich den verwundeten Obristleutenant aus
der Battalia und Todsgefahr errettet und zu den Unserigen geführt,
darvon schriebe er ihm so wenig Ehr zu, daß er mir meiner Mühe nicht
allein mit »Potz-Velten« dankte, sondern auch, wann er mich sahe,
mit griesgramenden Minen erröthet und mir, wie leicht zu gedenken,
lauter Glück und Heil an den Hals wünschte. Das Frauenzimmer oder die
Officiersweiber hasseten mich, weil ich weit schöner war als eine unter
dem ganzen Regiment, zumalen theils ihren Männern auch besser gefiele,
und beides hohe und niedere Soldaten waren mir feind, um daß ich trutz
einem unter ihnen allen das Herz hatte, etwas zu unterstehen und ins
Werk zu setzen, das die gröste Tapferkeit und verwegneste Hazarde
erfordert, und darüber sonst manchen das Kalte Wehe[74] angestoßen
hätte.
Gleich wie ich nun leicht merkte, daß ich viel mehr Feinde als Freunde
hatte, also konte ich mir auch wol einbilden, es würde ein jedwedere
von meiner widerwärtigen Gattung gar nicht unterlassen, mir auf ihre
sonderbare[75] Manier eins anzumachen, wann sich nur die Gelegenheit
darzu ereignet.
O Courage, sagte ich zu mir selbst, wie wilst du so vielen
unterschiedlichen Feinden entgehen können, von denen vielleicht ein
jeder seinen besonderen Anschlag auf dich hat? Wann du sonst nichts
hättest als deine schöne Pferde, deine schöne Kleider, dein schönes
Gewehr und den Glauben, daß du viel Geld bei dir habest, so wären es
Feinde genug, einige Kerl anzuhetzen, dich heimlich hinzurichten.[76]
Wie, wann dich dergleichen Kerl ermordeten oder in einer Occasion
niedermachten, was würde wol für ein Hahn darnach krähen? Wer würde
deinen Tod rächen? Was, soltest du auch wol deinen eigenen Knechten
trauen dörfen?
Mit dergleichen Sorgen quälte ich mich selbst und fragte mich auch
selbst, was Raths, weil ich sonst niemand hatte, ders treulich mit mir
meinete. Und eben deswegen muste ich mir auch selbst folgen.
Demnach sprach ich den Obristen um einen Paß an in die nächste
Reichsstadt, die mir eben an der Hand stunde und wolgelegen war, mich
von dem Kriegsvolk zu retiriern. Den erlangte ich nicht allein ohne
große Mühe, sondern noch an Statt eines Abschieds einen Urkund, daß ich
einem Hauptmann vom Regiment, dann von meinem letzten Mann begehrte ich
keinen Ruhm zu haben, ehrlich verheurathet gewesen und, als ich solchen
vorm Feind verloren, mich eine Zeit lang bei dem Regiment aufgehalten
und in solcher währenden Zeit also wol, fromm und ehrlich gehalten,
wie einer rechtschaffnen ehr- und tugendliebenden Damen gebühre und
wolanständig seie, mich derowegen jedermänniglichen um solchen meines
untadelhaften tugendlichen Wandels willen bestens recommendirend.
Und solche fette Lügen wurden mit eigenhändiger Subscription und
beigedrucktem Sigill in bester Form bekräftigt. Solches lasse sich aber
niemand wundern, dann je schlimmer sich einer hält, und je lieber man
eines gerne los wäre, je trefflicher wird der Abschied sein, den man
einem solchen mit auf den Weg gibt, sonderlich wann derselbe zugleich
sein Lohn sein muß. Einen Knecht und ein Pferd ließe ich dem Obristen
unter seiner Compagnie, welcher trutz einem Officier mundirt war,
um meine Dankbarkeit darmit zu bezeugen; hingegen brachte ich einen
Knecht, einen Jungen, eine Magd, sechs schöne Pferd, darunter das eine
100 Ducaten werth gewesen, samt einem wolgespickten Wagen darvon,
und kan ich bei meinem großen Gewissen (etliche nennen es ein weites
Gewissen) nicht sagen, mit welcher Faust ich alle diese Sachen erobert
und zuwegen gebracht habe.
Da ich nun mich und das Meinige in bemeldte Stadt in Sicherheit
gebracht hatte, versilberte ich meine Pferd und gab sonst alles hinweg,
was Geld golte und ich nicht gar nöthig brauchte. Mein Gesind schaffte
ich auch mit einander ab, einen geringen Kosten zu haben. Gleich wie
mirs aber zu Wien war gangen, also gieng mirs auch hier; ich konte
abermal des Namens Courage nicht los werden, wiewol ich ihn unter allen
meinen Sachen am allerwolfeilsten hinweggeben hätte; dann meine alte
oder vielmehr die junge Kunden von der Armee ritten mir zu Gefallen
in die Stadt und fragten mir mit solchem Namen nach, welchen auch die
Kinder auf der Gassen ehender als das Vatterunser lerneten, und eben
darum wiese ich meinen Galanen die Feigen. Als aber hingegen diese
den Stadtleuten erzählten, was ich vor ein Daus-Es wäre, so erwiese
ich hinwiederum denselben ein anders mit Brief und Siegel und beredet
sie, die Officier geben keiner andern Ursachen halber solche lose
Stück von mir aus, als weil ich nicht beschaffen sein wolte, wie sie
mich gerne hätten. Und dergestalt bisse ich mich zimlich heraus und
brachte vermittelst meiner guten schriftlichen Zeugnis zuwegen, daß
mich die Stadt, biß ich meine Gelegenheit anders machen konte, um ein
gerings Schirmgeld in ihren Schutz nahm, allwo ich mich dann wider
meinen Willen gar ehrbarlich, fromm, still und eingezogen hielte und
meiner Schönheit, die je länger je mehr zunahm, aufs beste pflegte, der
Hoffnung, mit der Zeit wiederum einen wackern Mann zu bekommen.