[52] =befriedet=, wo Frieden ist.
[53] =schrei=, schrie (mhd. ~schrei~, ~part.~ von
~schrien~).
[54] =gepartet=, getheilt (von der Beute).
[55] =Bursch=, Gesellschaft, Haufen.
[56] =Weidhausen=. Vgl. die Einleitung.
[57] =bescheiden=, verständig, discret.
[58] =apart=, abgesondert, allein.
[59] =Plümage=, Federbusch.
[60] =öffnen=, in etwas eindringen, verwunden.
[61] =zusammenhebig=, haushälterisch, wirtschaftlich.
Das siebente Capitel.
Courage schreitet zur dritten Ehe und wird aus einer Hauptmännin eine
Leutenantin, triffts aber nicht so wol als vorhero, schlägt sich mit
ihrem Leutenant um die Hosen mit Prügeln und gewinnet solche durch
ihre tapfere Resolution und Courage; darauf sich ihr Mann unsichtbar
macht und sie sitzen läßt.
Mein Mann war kaum kalt und begraben, da hatte ich schon wiederum
ein ganz Dutzend Freier und die Wahl darunter, welchen ich aus ihnen
nehmen wolte, dann ich war nicht allein schön und jung, sondern hatte
auch schöne Pferd und ziemlich viel alt Geld, und ob ich mich gleich
vernehmen ließe, daß ich meinem Hauptmann sel. zu Ehren noch ein halb
Jahr trauren wolte, so konte ich jedoch die importune Hummeln, die
um mich wie um einen fetten Honighafen, der keinen Deckel hat, herum
schwärmten, nicht abtreiben. Der Obriste versprach mir bei dem Regiment
Unterhalt und Quartier, biß ich mein Gelegenheit anders anstellte;
hingegen ließe ich zween von meinen Knechten Herrendienste versehen,
und wann es Gelegenheit gab, bei deren ich vor mein Person vom Feind
etwas zu erschnappen getraute, so sparte ich meine Haut so wenig als
ein Soldat, allermaßen ich in dem anmuthigen und fast lustigen Treffen
bei Wimpfen einen Leutenant und im Nachhauen unweit Heilbrunn einen
Cornet samt seiner Standart gefangen bekommen. Meine beide Knechte aber
haben bei Plünderung der Wägen ziemliche Beuten an baarem Geld gemacht,
welche sie unserem Accord gemäß mit mir theilen musten. Nach dieser
Schlacht bekam ich mehr Liebhaber als zuvor, und demnach ich bei meinem
vorigen Mann mehr gute Täge als gute Nächte gehabt, zumalen wider
meinen Willen seit seinem Tod gefastet, sihe, so gedachte ich, durch
meine Wahl alle solche Versaumnus wieder einzubringen, und versprach
mich einem Leutenant, der meinem Bedunken nach alle seine Mitbuhler
beides an Schönheit, Jugend, Verstand und Tapferkeit übertraf. Dieser
war von Geburt ein Italianer und zwar schwarz von Haaren, aber weiß von
Haut und in meinen Augen so schön, daß ihn kein Maler hätte schöner
malen können. Er bewiese gegen mir fast eine Hundsdemuth, biß er
mich erlöffelt, und da er das Jawort hinweg hatte, stellte er sich
so Freuden voll, als wann Gott die ganze Welt beraubt und ihn allein
beseligt hätte. Wir wurden in der Pfalz copuliert und hatten die Ehre,
daß der Obriste selbst neben den meisten hohen Officiern des Regiments
bei der Hochzeit erschienen, die uns alle vergeblich viel Glück in eine
langwürige Ehe wünschten.
Dann nachdem wir nach der ersten Nacht bei Aufgang der Sonnen beisammen
lagen, zu faulenzen, und uns mit allerhand liebreichem und freundlichem
Gespräch unterhielten, ich auch eben aufzustehen vermeinte, da rufte
mein Leutenant seinem Jungen zu sich vors Bette und befahl ihm, daß
er zween starke Prügel herbei bringen solte. Er war gehorsam, und
ich bildete mir ein, der arme Schelm würde dieselbe am allerersten
versuchen müssen, unterließe derowegen nicht, vor den Jungen zu bitten,
biß er beide Prügel brachte und auf empfangenen Befelch auf den Tisch
zum Nachtzeug legte. Als nun der Jung wieder hinweg war, sagte mein
Hochzeiter zu mir: »Ja, Liebste, ihr wißt, daß jederman davor gehalten
und geglaubt, ihr hättet bei euers vorigen Manns Lebzeiten die Hosen
getragen, welches ihme dann bei ehrlichen Gesellschaften zu nicht
geringer Beschimpfung nachgeredet worden. Weil ich dann nicht unbillich
zu besorgen habe, ihr möchtet in solcher Gewohnheit verharren und
auch die meinige tragen wollen, welches mir aber zu leiden unmüglich
oder doch sonst schwer fallen würde, sehet, so liegen sie dorten
auf dem Tische und jene zween Prügel zu dem Ende darbei, damit wir
beide uns, wann ihr sie etwan wie vor diesem euch zuschreiben und
behaupten woltet, zuvor darum schlagen könten; sintemal mein Schatz
selbst erachten kan, daß es besser gethan ist, sie fallen gleich jetzt
im Anfang dem einen oder andern Theil zu, als wann wir hernach in
stehender Ehe täglich darum kriegen.«
Ich antwortete: »Mein Liebster!« -- und damit gab ich ihm gar einen
herzlichen Kuß -- »ich hätte vermeint gehabt, diejenige Schlacht, so wir
einander vor dißmal zu liefern, seie allbereit gehalten. So hab ich
auch niemalen in Sinn genommen, euere Hosen zu prätendirn; sondern,
gleich wie ich wol weiß, daß das Weib nicht aus des Manns Haupt, aber
wol aus seiner Seiten genommen worden, also habe ich gehofft, meinem
Herzliebsten werde solches auch bekant sein, und er werde derowegen
sich meines Herkommens erinnern und mich nicht, als wann ich von seinen
Fußsohlen genommen worden wäre, vor sein Fußtuch, sondern vor sein
Ehegemahl halten, vornehmlich, wann ich mich auch nicht unterstünde,
ihme auf den Kopf zu sitzen, sondern mich an seiner Seiten behülfe, mit
demüthiger Bitte, er wolte diese abenteurliche Fechtschul einstellen.«
»Ha ha«, sagte er, »das sein die rechte Weibergriffe, die Herrschaft zu
sich zu reißen, ehe mans gewahr wird. Aber es muß zuvor darum gefochten
sein, damit ich wisse, wer dem anderen künftig zu gehorsamen schuldig.«
Und damit warfe er sich aus meinen Armen wie ein anderer Narr. Ich aber
sprang aus dem Bette und legte mein Hemd und Schlafhosen an, erwischte
den kürzsten, aber doch den stärksten Prügel und sagte: »Weil ihr mir
je zu fechten befehlet und dem obsiegenden Theil die Oberherrlichkeit,
an die ich doch keine Ansprach zu haben begehrt, über den Ueberwundenen
zusprecht, so wäre ich wol närrisch, wann ich eine Gelegenheit aus
Händen ließe, etwas zu erhalten, daran ich sonst nicht gedenken dörfte.«
Er hingegen auch nicht faul, dann nachdem ich also seiner wartete
und er sein Hosen auch angelegt, ertappete er den andern Prügel und
gedachte mich beim Kopf zu fassen, um mir alsdann den Buckel fein mit
guter Muße abzuraumen. Aber ich war ihm viel zu geschwind, dann ehe er
sichs versahe, hatte er eins am Kopf, davon er hinaus dürmelte[62],
wie ein Ochs, dem ein Streich worden. Ich raffte die zween Stecken
zusammen, sie zur Thür hinaus zu werfen, und da ich solche öffnete,
stunden etliche Officier darvor, die unserem Handel zugehöret und zum
Theil durch einen Spalt zugesehen hatten. Diese ließe ich lachen, so
lang sie mochten, schlug die Thür vor ihnen wieder zu, warf meinen Rock
um mich und brachte meinen Tropfen, meinen Hochzeiter wolte ich sagen,
mit Wasser aus einem Lavor[63] wieder zu sich selbst. Und da ich ihn
zum Tische gesetzt und mich ein wenig angekleidet hatte, ließe ich die
Officier vor der Thür auch zu uns ins Zimmer kommen.
Wie wir einander allerseits angesehen, mag jeder bei sich selbst
erachten. Ich merkte wol, daß mein Hochzeiter diese Officier
veranlaßt, daß sie sich um diese Zeit vorn Zimmer einstellen und seiner
Thorheit Zeugen sein solten; dann als sie den Hegel[64] gefoppet, er
würde mir die Hosen lassen müssen, hatte er sich gegen ihnen gerühmt,
daß er einen sonderbaren Vortheil[65] wisse, welchen er den ersten
Morgen ins Werk setzen und mich dardurch so geschmeidig machen wolte,
daß ich zittern würde, wann er mich nur schel ansehe. Aber der gute
Mensch hätte es gegen einer anderen als der Courage probirn mögen;
gegen mir hat er so viel ausgerichtet, daß er jedermans Gespött worden,
und ich hätte nicht mit ihm gehauset, wann mirs nicht von Höheren
befohlen und auferlegt worden wäre. Wie wir aber miteinander gelebet,
kan sich jeder leicht einbilden, nämlich wie Hund und Katzen. Als er
sich nun anderer Gestalt an mir nicht revangirn und auch das Gespött
der Leute nicht mehr gedulden konte, rappelte er einsmals alle meine
Baarschaft zusammen und gieng mit den dreien besten Pferden und einem
Knecht zum Gegentheil[66]
Das achte Capitel.
Courage hält sich in einer Occasion trefflich frisch, haut einem
Soldaten den Kopf ab, bekommt einen Major gefangen und erfährt, daß
ihr Leutenant als ein meineidiger Ueberlaufer gefangen und gehenket
worden.
Also wurde ich nun zu einer Halbwittib, welcher Stand viel elender
ist, als wann eine gar keinen Mann hat. Etliche argwohneten, ich
würde ihm folgen und wir hätten unsere Flucht also mit einander
angelegt. Da ich aber den Obristen um Rath und Befelch fragte, wie
ich mich verhalten solte, sagte er, ich möchte bei dem Regiment
verbleiben, so wolte er mich, so lang ich mich ehrlich hielte, wie
andere Witweiber verpflegen lassen. Und damit benahme ich jederman
den gedachten Argwohn. Ich muste mich ziemlich schmal behelfen, weil
mein Baarschaft ausgeflogen und meine stattliche Soldatenpferd fort
waren, auf denen ich auch manche stattliche Beut gemacht; doch ließe
ich meine Armuth nicht merken, damit mir keine Verachtung zuwüchse.
Meine beide Knechte, die Herrndienste versahen, hatte ich noch samt
einem Jungen und noch etlichen Schindmären oder Bagagepferden; davon
und von meiner Männerbagage versilberte ich, was Geld galte, und
machte mich wieder trefflich beritten. Ich dorfte zwar als ein Weib
auf keine Partei reiten, aber unter den Fouragierern fande sich nicht
meines gleichen. Ich wünschte mir oft wieder eine Battalia wie vor
Wimpfen, aber was halfs? Ich muste der Zeit erwarten, weil man mir zu
Gefallen doch keine Schlacht gehalten, wann ichs gleich begehrt hätte.
Damit ich aber gleichwol auch wiederum zu Geld kommen möchte, dessen
es auf dem Fouragieren selten setzte, ließe ich, beides um solches zu
verdienen und meinen Ausreißer um seine Untreu zu bezahlen, mich von
denen treffen, die spendierten; und also brachte ich mich durch und
dingte mir noch einen starken Jungen zum Knecht, der mir muste helfen
stehlen, wann die andere beide musten wachen. Das trieb ich so fort,
biß wir den Braunschweiger über den Mayn jagten und viel der Seinigen
darin ersäuften, in welchem Treffen ich mich unter die Unserige mischte
und in meines Obristen Gegenwart dergestalt erzeigte, daß er solche
Tapferkeit von keinem Mannsbild geglaubt hätte; dann ich nahme in der
Caracole[67] einen Major vom Gegentheil vor seinem Troupen hinweg, als
er die Charge redoupliren wolte; und als ihn einer von den Seinigen
zu erretten gedachte und mir zu solchem Ende eine Pistol an den Kopf
losbrennete, daß mir Hut und Federn darvon stobe, bezahlte ich ihn
dergestalt mit meinem Säbel, daß er noch etliche Schritte ohne Kopf mit
mir ritte, welches beides verwunderlich und abscheulich anzusehen war.
Nachdem nun dieselbe Esquadron getrennet und in die Flucht gewendet
worden, mir auch der Major einen ziemlichen Stumpen Goldsorten samt
einer güldenen Ketten und kostbarlichen Ring vor sein Leben gegeben
hatte, ließe ich meinen Jungen das Pferd mit ihm vertauschen und
lieferte ihn den Unserigen in Sicherheit, begab mich darauf an die
zerbrochne Brucken, allwo es in dem Wasser an ein erbärmlichs Ersaufen
und auf dem Land an ein grausams Niedermachen gieng; und alldieweil
noch ein jeder bei seinem Troupen bleiben muste, so viel immer möglich,
packte ich eine Gutsche mit sechs schönen Bräunen an, auf welcher
weder Geld noch lebendige Personen, aber wol zwo Kisten mit kostbaren
Kleidern und weißem Zeug sich befanden. Ich brachte sie mit meines
Knechts oder Jungen Hülf dahin, wo ich den Major gelassen hatte,
welcher sich schier zu Tod kränkte, daß er von einem solchen jungen
Weib gefangen worden. Da er aber sahe, daß so wol in meinen Hosensäcken
als in den Halftern Pistolen staken, die ich samt meinem Carbiner
dort wieder lude und fertig machte, auch hörete, was ich hiebevor bei
Wimpfen ausgerichtet, gab er sich wiederum etwas zufrieden und sagte,
der Teufel möchte mit so einer Hexen etwas zu schaffen haben!
Ich gieng mit meinem Jungen, den ich eben so fest als mich und mein
Pferd gemacht hatte, hin, noch mehr Beuten zu erschnappen, fande aber
den Obristleutenant von unserem Regiment dort unter seinem Pferde
liegen, der mich kante und um Hülf anschriee. Ich packte ihn auf meines
Jungen Pferd und führte ihn zu den Unserigen in meine erst eroberte
Gutsche, alda er meinem gefangnen Major Gesellschaft leisten muste.
Es ist nicht zu glauben, wie ich nach dieser Schlacht so wol von
meinen Neidern als meinen Gönnern gelobt wurde. Beide Theil sagten,
ich wäre der Teufel selber; und eben damals war mein höchster Wunsch,
daß ich nur kein Weibsbild wäre. Aber was wars drum? Es war null
und verhümpelt[68]. Ich gedachte oft, mich vor einen Hermaphroditen
auszugeben, ob ich vielleicht dardurch erlangen möchte, offentlich
Hosen zu tragen und vor einen jungen Kerl zu passirn; hergegen hatte
ich aber durch meine unmäßige Begierden so viel Kerl empfinden lassen,
wer ich wäre, daß ich das Herz nicht hatte, ins Werk zu setzen, was
ich gerne gewolt, dann so viel Zeugen würden sonst ein anders von mir
gesagt und verursacht haben, daß es dahin kommen wäre, daß mich beides
Medici und Hebammen beschauen müsten. Behalfe mich derowegen, wie ich
konte, und wann man mir viel verweisen wolte, antwortet ich, es wären
wol ehe Amazones gewesen, die so ritterlich als die Männer gegen ihren
Feinden gefochten hätten. Damit ich nun des Obristen Gnad erhalten und
von ihme wider meine Mißgönstige beschützt werden möchte, präsentirte
ich ihm neben dem Gefangnen auch meine Gutsche mit samt den Pferden,
darvor er mir 200 Reichsthaler verehrete, welches Geld ich samt dem,
was ich sonst auf ein neues erschnappt und sonst verdienet hatte,
abermal in einer namhaften Stadt verwahrte.
Indem wir nun Mannheim eingenommen und Frankenthal noch belagert
hielten, und also den Meister in der Pfalz spielten, sihe, da schlugen
Corduba und der von Anhalt abermal den Braunschweiger und Mannsfelder
bei Floreack, in welchem Treffen mein ausgerissener Mann der Leutenant
gefangen, von den Unserigen erkant und als ein meineidiger Ueberläufer
mit seinem allerbesten Hals an einen Baum geknüpft worden, wordurch
ich zwar wieder von meinem Mann erlöst und zu einer Wittib ward. Ich
bekam aber so ein Haufen Feinde, die da sagten, die Strahlhex[69] hat
den armen Teufel ums Leben gebracht, daß ich ihm das Leben gern länger
gönnen und mich noch ein Weil mit ihm gedulden mögen, biß er gleichwol
anderwärts ins Gras gebissen und einen ehrlichern Tod genommen, wann es
nur hätte sein können.