FUSSNOTEN:

[40] =genau=, sparsam.

[41] =Daus-Es=, =Daus-As=, 2 und 1 im Kartenspiel =

durchtriebenes Weib.

[42] =Hofbursch=, Bursch = Gesellschaft, die Hofleute.

[43] =sich enthalten=, sich aufhalten.

[44] =aufsetzen=, frisieren und coiffieren.

[45] =Amadis=, vgl. die Einleitung.

[46] =dörfen=, wagen.

[47] =Anwurf=, erster Angriff.

[48] An derselben Krankheit litten wie der Graf, ebenso

verliebt waren.

[49] =columbinen=, ~colombin~, ~couleur gorge de pigeon~,

taubenhalsfarbig

[50] =malzern=, malzen, figürlich Ausbeute machen.

[51] =Reise=, Dienst.

Das sechste Capitel.

Courage kommt durch wunderliche Schickung in die zweite Ehe und

freiete einen Hauptmann, mit dem sie trefflich glückselig und vergnügt

lebte.

Ich hätte zu Prag feine Gelegenheit gehabt, mein Handwerk ferners

zu treiben; aber die Begierde, meine Kostfrau zu sehen und meine

Eltern zu erkundigen, triebe mich, auf Bragoditz zu reisen, welches

ich als in einem befriedeten[52] Land sicher zu thun getraute. Aber

potz Herz, da ich an einem Abend allbereit den Ort vor mir liegen

sahe, da kamen eilf Mansfeldische Reuter, die ich, wie sonst jederman

gethan hatte, vor kaiserisch und gutfreund ansahe, weil sie mit rothen

Scharpen oder Feldzeichen mundirt waren. Diese packten mich an und

wanderten mit mir und meinem Calesch dem Böhmerwald zu, als wann sie

der Teufel selbst gejagt hätte. Ich schrei[53] zwar, als wann ich an

einer Folter gehangen wäre, aber sie machten mich bald schweigen.

Um Mitternacht kamen sie in eine Meierei, die einzig vorm Wald lag,

allwo sie anfiengen zu füttern und mit mir umzugehen, wie zu geschehen

pflegt, welches mir zwar der schlechteste Kummer war, aber es wurde

ihnen gesegnet wie dem Hund das Gras; dann indem sie ihre viehische

Begierden sättigten, wurden sie von einem Hauptmann, der mit dreißig

Dragonern eine Convoy nach Pilsen verrichtet hatte, überfallen und,

weil sie durch falsche Feldzeichen ihren Herren verläugnet, alle mit

einander niedergemacht. Das Meinige hatten die Mansfeldische noch nicht

gepartet[54], und demnach ich kaiserlichen Paß hatte und noch nicht 24

Stund in Feinds Gewalt gewesen, hielte ich dem Hauptmann vor, daß er

mich und das Meinige vor keine rechtmäßige Beuten halten und behalten

könte. Er muste es selbst bekennen, aber gleichwol, sagte er, wäre ich

ihm um meiner Erlösung willen obligiert, er aber nicht zu verdenken,

wann er einen solchen Schatz, den er vom Feind erobert, nicht mehr aus

Händen zu lassen gedächte; seie ich eine verwittibte Rittmeisterin, wie

mein Paß auswiese, so seie er ein verwittibter Hauptmann; wann mein

Will darbei wäre, so würde die Beut bald getheilt sein; wo nicht, so

werde er mich gleichwol mitnehmen und hernach erst mit einem jedwedern

disputirn, ob die Beute rechtmäßig sei oder nicht. Hiermit ließe er

genugsam scheinen, daß er allbereit den Narrn an mir gefressen, und

damit er das Wasser auf seine Mühl richtete, sagte er, diesen Vortheil

wolte er mir lassen, daß ich erwählen möchte, ob er die Beute unter

seine ganze Bursch[55] theilen solte, oder ob ich vermittelst der

Ehe samt dem Meinigen allein sein verbleiben wolte, auf welchen Fall

er seine bei sich habende Leute schon bereden wolte, daß ich mit

dem Meinigen keine rechtmäßige Beute, sonder ihme allein durch die

Verehelichung zuständig worden wäre. Ich antwortete, wann die Wahl bei

mir stünde, so begehrte ich deren keins, sondern meine Bitte wäre, sie

wolten mich in meine Gewahrsam passieren lassen. Und damit fienge ich

an zu weinen, als wann mirs gründlicher Ernst gewesen wäre, nach den

alten Reimen:

Die Weiber weinen oft mit Schmerzen,

Aber es geht ihn nicht von Herzen,

Sie pflegen sich nur so zu stellen;

Sie können weinen, wann sie wöllen.

Aber es war meine Meinung, ihm hierdurch Ursach zu geben, mich zu

trösten, sich selbst aber stärker zu verlieben, sintemal mir wol

bewust, daß sich die Herzen der Mannsbilder am allermeisten gegen

dem weinenden und betrübten Frauenzimmer zu öffnen pflegen. Der Poß

gienge mir auch an, und indem er mir zusprach und mich seiner Liebe mit

hohem Betheuren versicherte, gab ich ihm das Jawort, doch mit diesem

ausdrücklichen Beding und Vorbehalt, daß er mich vor der Copulation

im geringsten nicht berühren solte, welches er beides verheißen und

gehalten, biß wir in die Mansfeldische Befestigungen zu Weidhausen[56]

ankamen, welches eben damals dem Herzogen aus Baiern vom Mannsfelder

selbst per Accord übergeben worden. Und demnach meines Serviteurs

heftige Liebe wegen unsers Hochzeitfests keinen längern Verzug gedulden

mochte, ließe er sich mit mir ehelich zusammen geben, ehe er möchte

erfahren, wormit die Courage ihr Geld verdienet, welches kein geringe

Summa war. Ich war aber kaum einen Monat bei der Armee gewesen, als

sich etliche hohe Officierer fanden, die mich nicht allein zu Wien

gekant, sondern auch gute Kundschaft mit mir gehabt hatten. Doch waren

sie so bescheiden[57], daß sie weder meine noch ihre Ehr offentlich

ausschrien. Es gieng zwar so ein kleines Gemurmel um, darüber ich aber

gleich wol keine sonderliche Beschwerung empfand, außer daß ich den

Namen Courage wiederum gedulden muste.

Sonst hatte ich einen guten geduldigen Mann, welcher sich eben so

hoch über meine gelbe Batzen als wegen meiner Schönheit erfreute.

Diese hielte er gesparsamer zusammen, als ich gerne sahe. Gleich wie

ich aber solches geduldete, also gab er auch zu, daß ich mit Reden

und Geberden gegen jederman desto freigebiger sein dorfte. Wann ihn

dann jemands vexierte, daß er mit der Zeit wol Hörner kriegen dörfte,

antwortet er auch im Scherz, es seie sein geringstes Anliegen; dann ob

ihm gleich einer über sein Weib komme, so lasse ers jedoch bei dem,

was ein solcher ausgerichtet, nicht verbleiben, sondern nehme Zeit,

dieselbe fremde Arbeit wieder anders zu machen. Er hielte mir jederzeit

ein trefflich Pferd, mit schönem Sattel und Zeug montirt. Ich ritte

nicht wie andere Officiersfrauen in einem Weibersattel, sondern auf

einem Mannssattel, und ob ich gleich überzwergs saße, so führte ich

doch Pistolen und einen türkischen Säbel unter dem Schenkel, hatte

auch jederzeit einen Stegreif auf der andern Seiten hangen und war

im übrigen mit Hosen und einem dünnen taffeten Röcklein darüber also

versehen, daß ich all Augenblick schrittling sitzen und einen jungen

Reuterskerl präsentirn konte. Gab es dann eine Rencontra gegen dem

Feinde, so war mir unmüglich, apart[58] nicht mit zu machen. Ich sagte

vielmalen, eine Dame, die sich gegen einem Mann zu Pferd zu wehren

nicht wagen dörfte, solte auch kein Plümage[59] wie ein Mann tragen.

Und demnach mir es bei etlichen Betteltänzen glückte, daß ich Gefangne

kriegte, die sich keine Bärnhäuter zu sein dunken, wurde ich so kühn,

wann dergleichen Gefecht angieng, auch einen Carbiner oder, wie mans

nennen will, ein Bandelierrohr an die Seite zu hängen und neben dem

Troupen auch zweien zu begegnen, und solches desto hartnäckiger, weil

ich und mein Pferd vermittelst der Kunst, die ich von vielgedachter

meiner Wirthin erlernet, so hart war, daß mich keine Kugel öffnen[60]

konte.

So giengs und so stund es damal mit mir; ich machte mehr Beuten

als mancher geschworner Soldat, welches auch Manchen und Manche

verdroß; aber da fragte ich wenig nach, dann es gab mir Schmalz auf

meine Suppen. Die Verträulichkeit meines sonst (gegen meiner Natur

zu rechnen) ganz unvermöglichen Manns verursachte, daß ich ihm

gleichwol Farb hielte, ob sich gleich Höhere als Hauptleute bei mir

anmeldeten, die Stelle seines Leutenants zu vertreten, dann er ließe

mir durchaus meinen Willen. Hingegen war ich nichts desto weniger

bei den Gesellschaften lustig, in den Conversationen frech, aber

auch gegen dem Feind so heroisch als ein Mann, im Feld so häuslich

und zusammenhebig[61] als immer ein Weib, in Beobachtung der Pferde

besser als ein guter Stallmeister, und in den Quartieren von solcher

Prosperität, daß mich mein Hauptmann nicht besser hätte wünschen

mögen. Und wann er mir zu Zeiten einzureden Ursach hatte, litte er

gerne, daß ich ihm Widerpart hielte und auf meinen Kopf hinaus fuhr,

weil sich unser Geld so sehr dardurch vermehrte, daß wir einen guten

Particul darvon in eine vornehme Stadt zu verwahren geben musten. Und

also lebte ich trefflich glückselig und vergnügt, hätte mir auch meine

Tage keinen anderen Handel gewünscht, wann nur mein Mann etwas besser

beritten gewest wäre. Aber das Glück oder mein Fatum ließe mich nicht

lang in solchem Stand, dann nachdem mir mein Hauptmann bei Wißlach todt

geschossen wurde, sihe, so ward ich wiederum in einer kurzen Zeit zu

einer Wittib.

Simplicianische Schriften, Erster Theil (von 2) · 第 19 / 92 题