FUSSNOTEN:

[21] =Rakonitz=, Städtchen in Böhmen, Regierungsbezirk Prag.

[22] =Alphonsus=, Alfons X., König von Leon und Castilien,

reg. 1252 bis 1282, genannt der Weise. Er war Gelehrter, Philosoph,

Astronom. Von ihm sind die Alfonsinischen Tafeln. Alfons V. von

Aragonien, gest. 1458, wie H. Kurz glaubt, ist nicht gemeint.

[23] =Iylau=, Iglau, Mähren, Regierungsbezirk Brünn.

[24] =Trebitz=, =Trebitsch=, =Trzebicza=, Flecken,

Fähren, Kreis Iglau.

[25] =mundirte=, montirte, ausrüstete.

[26] =schnellen=, in die Höhe, wieder zu stehen kommen.

[27] =Filz=, Schelte, Strafrede.

[28] =verzwicken=, zweideutig ausdrücken.

[29] =wagen=, Gefahr laufen.

[30] =Zeiger=, =Zieger=, Käse.

Das vierte Capitel.

Courage wird darum eine Ehefrau und Rittmeisterin, weil sie gleich

darauf wieder zu einer Wittib werden muste, nachdem sie vorhero den

Ehestand eine Weile lediger Weise getrieben hatte.

Also lebte ich nun mit meinem Rittmeister in heimlicher Liebe und

versahe ihm beides die Stelle eines Kammerdieners und seines Eheweibs.

Ich quälte ihn oft, daß er dermalen eins[31] sein Versprechen halten

und mich zur Kirchen führen solte; aber er hatte allzeit eine

Ausrede, vermittelst deren er die Sach auf die lange Bank schieben

konte. Niemalen konte ich ihn besser zu Chor treiben, als wann ich

eine gleichsam unsinnige Liebe gegen ihn bezeugte und darneben

meine Jungfrauschaft wie des Jephthae Tochter[32] beweinte, welchen

Verlust ich doch nicht dreier Heller werth schätzte. Ja ich war

froh, daß mir solche als ein schwerer unträglicher Last entnommen

war, weil mich nunmehr der Fürwitz verlassen. Doch brachte ich mit

meiner liebreizenden Importunität so viel zuwegen, daß er mir zu Wien

ein toll[33] Kleid machen ließe auf die neue Mode, wie es damalen

das adeliche Frauenzimmer in Italia trug, so daß mir nichts anders

manglete als die Copulation, und daß man mich einmal Frau Rittmeisterin

nennete, wormit er mir eine große Hoffnung machte und mich willig

behielte. Ich dorfte aber drum dasselbig Kleid nicht tragen, noch

mich vor ein Weibsbild, viel weniger aber vor seine Gespons ausgeben.

Und was mich zum allermeisten verdrosse, war diß, daß er mich nicht

mehr Janco, auch nicht Libuschka, sondern Courage nante. Denselben

Namen ähmten andere nach, ohne daß sie dessen Ursprung wusten, sondern

vermeinten, mein Herr hieße mich dessentwegen also, weil ich mit einer

sonderbaren Resolution und unvergleichlichen Courage in die allerärgste

Feindsgefahren zu gehen pflegte. Und also muste ich schlucken, was

schwer zu verdauen war. Darum, o ihr lieben Mägdchen, die ihr noch euer

Ehr und Jungfrauschaft unversehrt erhalten habt, seid gewarnet und

lasset euch solche so liederlich nicht hinrauben, dann mit derselbigen

gehet zugleich euere Freiheit in Duckas[34] und ihr gerathet in ein

solche Marter und Sclaverei, die schwerer zu erdulden ist als der Tod

selbsten. Ich habs erfahren und kan wol ein Liedlein darvon singen. Der

Verlust meines Kränzleins thät mir zwar nicht wehe, dann ich hab niemal

kein Schloß darum zu kaufen begehrt; aber dieses gieng mir zu Herzen,

daß ich mich noch deswegen foppen lassen und noch gute Wort darzu geben

muste, wolte ich nicht in Sorgen leben, daß mein Rittmeister aus der

Schul schwatzen und mich aller Welt zu Spott und Schand darstellen

möchte. Auch ihr Kerl, die ihr mit solcher betrüglichen Schnapphahnerei

umgehet, sehet euch vor, daß ihr nicht den Lohn euerer Leichtfertigkeit

von denen empfahet, die ihr zu billicher Rach beweget, wie man ein

Exempel zu Paris hat, allwo ein Cavalier, nachdem er eine Dame betrogen

und sich folgends an ein andere verheuraten wolte, wiederum zum

Beischlaf gelockt, des Nachts aber ermordet, elend zerstümmelt und

zum Fenster hinaus auf die offene Straß geworfen wurde. Ich muß von

mir selbst bekennen, wann mich mein Rittmeister nicht mit allerhand

herzlichen Liebsbezeugungen unterhalten und mir nicht stetig Hoffnung

gemacht hätte, mich noch endlich ohne allen Zweifel zu ehelichen, daß

ich ihm einmal unversehens in einer Occasion ein Kugel geschenkt hätte.

Indessen marschierten wir unter des Buquoy Commando in Ungarn und

nahmen zum ersten Preßburg ein, allwo wir auch unsere meiste Bagage und

beste Sachen hinterlegeten, weil sich mein Rittmeister versahe, wir

würden mit dem Bethlen Gabor eine Feldschlacht wagen müssen. Von dannen

giengen wir nach S. Georgi[35], Possing, Moder und andere Ort, welche

erstlich geplündert und hernach verbrennt wurden. Tyrnau, Altenburg

und fast die ganze Insul[36] nahmen wir ein, und vor Neusoll[37]

kriegten wir einige Stöße, allwo nicht allein mein Rittmeister tödtlich

verwundet, sondern auch unser General, der Graf Buquoy, selbsten

niedergemacht wurde, welcher Tod dann verursachte, daß wir anfiengen zu

fliehen, und nicht aufhöreten, biß wir nach Preßburg kamen. Daselbst

pflegte ich meinem Rittmeister mit ganzem Fleiß, aber die Wundärzte

prophezeiten ihm den gewissen Tod, weil ihm die Lung verwundet war.

Derowegen wurde er auch durch gute Leute erinnert und dahin bewegt, daß

er sich mit Gott versöhnet, dann unser Regimentscaplan war ein solcher

eiferiger Seelensorger, daß er ihm keine Ruhe ließ, biß er beichtet und

communicirte. Nach solchem wurde er beides durch seinen Beichtvatter

und sein eigen Gewissen angespornt und getrieben, daß er mich mit ihme

im Bette copuliren ließe, welches nicht seinem Leib, sondern seiner

Seelen zum besten angesehen war. Und solches gieng desto ehender, weil

ich ihn überredet, daß ich mich von ihm schwanger befände. So verkehrt

nun gehets in der Welt her; andere nehmen Weiber, mit ihnen ehelich zu

leben; dieser aber ehelichte mich, weil er wuste, daß er solte sterben.

Aus diesem Verlauf musten die Leute nun glauben, daß ich ihn nicht als

ein getreuer Diener, sondern als seine Matreß bedient und sein Unglück

beweinet hatte. Das Kleid kam mir wol zu der Hochzeitceremonien zu Paß,

welches er mir hiebevor machen lassen; ich dorfte es aber nicht lang

tragen, sondern muste ein schwarzes haben, weil er nach wenig Tagen

mich zur Wittib machte. Und damals gieng mirs allerdings wie jenem

Weib, die bei ihres Manns Begräbnis einem ihrer Befreundten, der ihr

das Leid klagte[38], zur Antwort gab: Was einer zum liebsten hat, führt

einem der Teufel zum ersten hin.

Ich ließe ihn seinem Stand gemäß prächtig genug begraben, dann er mir

nicht allein schöne Pferd, Gewehr und Kleider, sondern auch ein schön

Stück Geld hinterlassen, und um alle diese Begebenheit ließe ich mir

von dem Geistlichen schriftlichen Urkund geben, der Hoffnung, dardurch

von seiner Eltern Verlassenschaft noch etwas zu erhaschen. Ich konte

aber auf fleißiges Nachforschen nichts anders erfahren, als daß er zwar

gut edel[39] von Geburt, aber hingegen so blutarm gewesen, daß er sich

elend behelfen müssen, wann ihm die Böhmen keinen Krieg geschickt oder

zugericht hätten. Ich verlore aber zu Preßburg nicht allein diesen

meinen Liebsten, sondern wurde auch in selbiger Stadt vom Bethlen Gabor

belägert. Dieweil aber zehen Compagnien Reuter und zwei Regiment zu

Fuß aus Mähren durch ein Strategema die Stadt entsetzet, Bethlen an

der Eroberung verzweifelt und die Belägerung aufgehoben, habe ich mich

mit einer guten Gelegenheit samt meinen Pferden, Dienern und ganzer

Bagage nach Wien begeben, um von dannen wiederum in Böhmen zu kommen,

zu sehen, ob ich vielleicht meine Kostfrau zu Bragoditz noch lebendig

finden und von ihr erkundigen möchte, wer doch meine Eltern gewesen.

Ich kützelte mich damals mit keinen geringen Gedanken, was ich nämlich

vor Ehr und Ansehens haben würde, wann ich wieder nach Haus käme und so

viel Pferd und Diener mitbrächte, das ich alles laut meiner Urkund im

Krieg redlich und ehrlich gewonnen.

Simplicianische Schriften, Erster Theil (von 2) · 第 17 / 92 题