Am Bumba-Arm

Gleich hinter dem Liegeplatz der »Königsberg« -- nach Westen, der

weiten Steppe zu -- kommen die beiden großen Biegungen, wo der Rufiji

in zwei langen Schleifen beinahe zweimal um sich selbst fließt.

Dort, an der konvexen Seite der ersten Schleife, mündet der

interessantere Flußarm: der Bumba.

Interessant, weil er einmal in grotesken Windungen und Biegungen sich

auf weiten Umwegen zwischen seinen engen Mangrovenufern der Küste

zuschlängelt und dann wegen seiner Schlupfwinkel, schweigsamen Buchten

und tiefen Kreeks ein Sammelplatz für zahlreiche Flußpferdherden ist.

Fährt man im schlanken Einbaum unter dem weit überhängenden Dach

der bewaldeten Ufer, sich lautlos von der Strömung treiben lassend,

flußabwärts, entrollen sich die seltsamsten Bilder urwüchsigen

Urwaldlebens.

In nächster Nähe, so daß man oft mit einem etwas zweifelhaften Blick

die schwache Nußschale betrachtet, taucht plötzlich ein breites,

borstiges Riesenmaul auf, öffnet mit tiefem Schnauben seine riesigen

Kinnladen -- einen Anblick bietend wie die gähnende Leere eines offenen

Möbelwagens -- und verschwindet glucksend in einem Wasserschwall.

Drei, vier, fünf, zehn, zwanzig tauchen auf, unter, spritzen Wasser,

grunzen und schnauben. --

In einer verschwiegenen Bucht des Flusses, dort, wo sich eine weite,

flache Muttstrecke aus dem Wasser hebt, war ich einmal Zeuge der

Begattung von zwei gewaltigen Flußpferden.

Wie ein Blockhaus türmten sich die mächtigen Fleischmassen, dröhnend

erzitterte die Luft von ihrem Brunstgebrüll! -- --

Unter Tags, flußabwärts sich treiben lassend, kehren sie abends mehr

nach dem Oberlauf des Armes zurück, um dann bei Dunkelheit in der Nähe

des Hauptstromes an Land kletternd, die feste, grasbewachsene Steppe

vor sich zu haben.

Dort, keine zweitausend Meter oberhalb der »Königsberg«, habe ich manch

kräftigen Bullen erlegt, dessen mächtige Zähne an Bord auf den glühend

heißen Skylights und Ventilatorköpfen im Sonnenlicht bleichen.

Mancher dickgedunsene Kadaver ist dort den Krokodilen eine willkommene

Beute geworden. Kein Wunder, daß sich auf der breiten Sandbank an

der Innenseite der Flußbiegung bei Niedrigwasser Dutzende dieser

scheußlichen Echsen aller Größen träge blinzelnd die Sonne auf den

Panzerrücken brennen lassen. Den gezackten Schwanz meist noch halb

im Wasser, um immer zum blitzschnellen Rückzug klar zu sein, auf die

kurzen greulichkrummen Füße mit der hellgrünen Unterseite gestützt,

lassen sie den langen, scheußlichen Schädel faul auf dem weichen,

warmen Sande ruhen.

Manche haben wie in träger Erstarrung den Rachen weit offen stehen, so

daß die ungleichmäßigen Spitzzähne in der Sonne funkeln.

Bei sehr alten Tieren -- solchen, die über fünf bis sechs Meter Länge

haben -- kann man mit dem Glase sogar die gähnenden Zahnlücken erkennen

und die braunen oder gelbschwarzen Stümpfe, die vom jahrzehntelangen

Aasfressen verfault zu sein scheinen.

So viel dort auch Tag für Tag, unbekümmert darum, daß beinahe in

Schußweite ein moderner Kreuzer mit dreihundert Menschen liegt,

sich die schuppigen Leiber sonnen, so schwer ist es doch, eines von

ihnen zu treffen, so daß man die Beute auch bekommen kann. Denn ein

Anpirschen auf näher als hundert Meter ist unmöglich, da sich hier

die tellerglatte, deckungslose Sandbank erstreckt, dort der an dieser

Stelle außerordentlich breite Wasserspiegel ausdehnt.

Ein Näherkommen, sei es im unhörbar gleitenden Einbaum oder Stück für

Stück im Sande kriechend ist unmöglich -- eines von den vielen Bestien

hat immer seine falschblickenden, gelbgrünen Äuglein zufällig in

derselben Richtung. Ein kurzes Zucken in den Körpern und alle sind im

aufspritzenden Wasser verschwunden.

Den Schuß auf weite Entfernung habe ich hier oft gewagt, aber es ist

mir an dieser Stelle nie gelungen, eines der alten Tiere zu bekommen,

denn mit einigen Windungen -- und ist es auch noch so schwer getroffen

-- erreicht es immer den schützenden Fluß und verschwindet.

[Illustration: Copyright Walther Dobbertin.

Trocknen der aus dem gesunkenen Kreuzer heraufgetauchten Munition]

[Illustration: Copyright Walther Dobbertin.

Verladen der abmontierten 10,5-cm-Geschütze]

[Illustration: Askarischützenlinie kurz vor dem Gefecht]

[Illustration: Trägerlager]

Nur eine Stelle gibt es, die, getroffen, das Tier wie vom Blitze

erschlagen, bewegungslos liegen läßt: der Ansatz des Rückgrates gleich

hinter dem Schädelknochen.

In Monsun und Pori · 第 48 / 68 题