Später haben wir ihn geöffnet und studiert. Es war ein englischer
Whitehead-Torpedo. Englische Gefangene erzählten uns dann, daß eine der
Barkassen, die die »Newbridge« in die Deltamündung begleitet hatte,
Torpedos mitführte, um notfalls die Versenkung zu beschleunigen, und
bei der raschen Rückfahrt einen davon verloren habe. Er muß dann vom
Hochwasser in die Mangroven getrieben worden und dort hängen geblieben
sein. --
So haben wir bei Simba-Uranga nicht nur keinen einzigen Torpedo
verschossen, sondern sogar noch einen dazubekommen.
* * *
Allabendlich stieg ich noch eine Woche lang auf meinen hohen
Kasuarinenausguck, allabendlich rauschten die grünen Palmen hier, die
blaue See dort -- lag träge und stumm ein grauer Kreuzer.
Wurde dann aber das Sonnenlicht röter und röter, die Strahlen schräger
und schräger, leuchteten sie karmin- und zinnoberfarben, dann kam
Bewegung in diesen grauen Leib -- er verschwand in den sich auf den
Indischen Ozean senkenden Schleiern der warmen Tropennacht.
Allabendlich aber erglühten auf den dunklen Bergen lodernde Feuer,
allabendlich sah ich lange durch die Nacht dort hinüber.
Eines war dabei, das uns verriet!
Waren es Schwarze -- waren es Inder -- Inder aus dem am Fuße des langen
Höhenrückens liegenden Dorfe Kikale, die dort in ihren viereckigen
Lehmhütten wohnen und Handel treiben? -- Wir wissen es nicht -- --
haben es nie erfahren! --
Aber nur der Jäger, der hartnäckig und zäh Abend für Abend seinen
Hochstand bezieht und scharfen Auges auf die im unsicheren Mondlicht
glänzende Lichtung späht, hat Erfolg. Urplötzlich teilen sich die
lichten, wallenden Nebelschleier und vor ihm steht wie ein Bild aus
Bronze das Ziel seiner Jägersehnsucht -- der König der Tiere. -- --
Nicht wankende, zielbewußte Ausdauer hat ihn diesen Augenblick erleben
lassen! -- --
Ein halbes hundertmal wohl versank die Sonne in der weiten Steppe, ein
halbes hundertmal tauchte sie strahlend aus dem Ozean -- der Mond nahm
zu, der Mond nahm ab -- -- er nahm wieder zu, er nahm nochmals ab
-- -- unverdrossen harrten wir unserer Beute!
* * *
Da -- am 6. Februar 1915 -- -- noch kaum erkennbar im frühen
Morgenlicht, schiebt sich ein grauer Leib in die Mündung zwischen
Simba-Uranga und Saninga. -- Schnell bewegt er sich westwärts, flußauf.
Es ist ein kleines Kanonenboot.
Aber schon hat ihn unser Auge erspäht -- die hinter Mangroven
versteckte Bootskanone der »Königsberg« und zwei Maschinengewehre
eröffnen ihr Feuer -- -- weithin hallend in der tropischen Morgenstille
über die spiegelnde, gleitende Wasserfläche.
Wie der Büffel im Blattschuß zeichnet und nach einem kurzen Hacken
blitzartig zusammenbricht, so stoppt das feindliche Späherschiff,
nachdem es sich kaum verteidigt, dreht scharf nach Steuerbord und läuft
in voller Kraft auf den Strand von Simba-Uranga, tief sich in den
weißen Küstensand wühlend.