Fünf lange Minuten feuern wir noch weiter -- da ertönt eine Stimme: er
zeigt die weiße Flagge!
Ein englisches Kriegsschiff -- die weiße Flagge? Ungläubig suchen
wir mit den Gläsern seine Masten ab -- der Kommandant läßt das Feuer
einstellen.
Wir sind ganz nahe an die Küste gekommen, dicht vor uns rauschen die
hohen schlankstämmigen Kokospalmen, fliehende Eingeborene jagen vorbei.
Auf dem Engländer scheint sich nichts zu rühren. Die Entfernung ist nur
etwa sechs Kilometer -- eine masthohe dunkelschwelende Rauchwolke zieht
von achtern her über sein Mitteldeck und entzieht unseren Augen die
weiße Flagge, die am Großmast weht. Hätten wir sie erkannt, so wäre der
Besatzung Gnade gewährt.
So muß weiter gekämpft werden.
»Salve, Feuer!«
Von neuem hageln die Granaten auf ihn ein.
Er verteidigt sich nicht mehr. Langsam neigt er sich auf die
Backbordseite und zeigt seinen grünbewachsenen Boden.
Wir lassen jetzt von ihm ab, er ist erledigt.
Lange Rauchschwaden ziehen über ihn hin. -- Die leichte Brise ist
eingeschlafen, matt hängt die rote Fahne des Propheten am Sultanspalast.
Rauchend liegt unter Land eine Dampfbarkasse. Sie wollte sich uns
nähern, da wurde sie vernichtet.
Die Sonne hat sich über der Stadt erhoben. Weiß leuchten die Paläste,
Häuser und Minarets von Sansibar.
Kaum tausend Meter vor den Toren des Sultanspalastes liegt der
untergehende englische Kreuzer -- es ist der »Pegasus«!
Auf den Kais sind Menschengruppen zu erkennen. Wir drehen langsam nach
Süden -- verlassen den Hafen! Einige Schuß noch auf die englische
Funkenstation, krachend stürzen zwei von ihren Masten zusammen, sie
schweigt. Sansibar ist ohne Funkenverbindung mit der Außenwelt. --
* * *
Wiegend empfängt uns die weite Dünung der freien See -- im Westen
tauchen die bewaldeten Höhenzüge der afrikanischen Küste auf -- die
hohen weißen Rauchsäulen der Steppenbrände schlängeln sich in den
azurblauen Himmel.
Hinter uns versinken langsam die grünen Palmenhaine Sansibars. Grell
von der Sonne beschienen, leuchtet der rotfarbene Leuchtturm, hellgelb
und weiß das Felsengestade und die Riffe seiner Südküste.
Mehr und mehr verschwinden seine Konturen, werden von der weiten Kimm
des Ozeans verschlungen.
Die Sonne hat noch nicht den zehnten Teil ihres Weges vollendet, da
versinken auch die letzten Höhenzüge der einstigen Perle des Ostens
unter dem Horizont -- -- -- Unguja ist verschwunden.