Die Königsberg taucht auf, wir gehen längsseit, die Blöcke werden
eingepickt -- ein schrilles, anhaltendes Pfeifen. Hoch fliegt der
Kutter. Wir klettern an Deck.
An Bord hat man alles mit Spannung aufs genaueste beobachtet.
An der Stelle, wo wir nach Wasser gegraben, sitzen jetzt die
Eingeborenen -- sie haben eine mächtige rote Fahne aufgepflanzt, in
deren Mitte ein weißer Halbmond leuchtet. --
In der zitternden Luft der westlichen Wüstenberge senkt sich
glühendrot, in Purpurschleier gehüllt, mit verschwimmenden Konturen
die Sonne, blauviolette Schatten fallen über die gelben Sandflächen,
ein wildes Durcheinander von grünblauen, karmin- und zinnoberfarbenen
und tiefvioletten Lichtern, und die blauschwarze Wüstennacht hat sich
hernieder gesenkt.
Die Schiffsbesatzung lehnt an der Reeling und starrt auf das wunderbare
Schauspiel. Unter der Back vorne klingen die Töne eines deutschen
Seemannsliedes auf.
* * *
Schwer mag diese Nacht dem Kommandanten geworden sein, dessen
gleichmäßiger Schritt noch spät vom Achterdeck herüber hallt.
Er hat einen Entschluß gefaßt -- eines deutschen Seemanns würdig, nur
der erste Offizier wird eingeweiht:
Sollte sich unsere schwache Hoffnung auf ein Kommen der Somali, unseres
Begleitdampfers, nicht erfüllen, so will er die Mannschaft retten --
durch den Funken die Engländer herbeirufen, die Besatzung in die Boote
gehen lassen, sich selbst und sein Schiff in die Luft sprengen. -- --
Die Nacht geht vorüber und die Morgennebel heben sich. Grell bestrahlt
die aufgehende Sonne die kahlen Sandflächen. Wimmelndes Leben beginnt
an Bord -- die langen Feuerlöschschläuche schießen hellblinkende
Wasserstrahlen über das Deck, fegen Staub und Schmutz der Nacht weg.
Eifrige Hände säubern Planken und Bordwände.