Dieses Kap sollen wir morgen gegen Mittag umsegeln. --

Wir lehnen an der Reeling der Kommandobrücke, machen, gleichmäßig das

Schwergewicht des Körpers von einem Bein auf das andere legend, die

langen Schwingungen des Schiffes mit und starren auf die mondbeglänzte

See.

Deutschland hat mobil gemacht -- unser gewaltiges Volk ist zu den

Waffen gerufen. Wird es zum Krieg kommen? -- Um diesen Punkt kreisen

dauernd alle Gedanken; schon über zwei Stunden unterhalten wir uns

darüber -- mein Wachoffizier und ich.

Unsere Verbindung mit der Welt ist so gut wie abgerissen. Sämtliche

Kabel sind ja in Englands Händen! Nur der Funke spricht noch zu uns,

aber er spricht nur wenig und das Wenige undeutlich, denn er hat einen

weiten Weg zu machen.

Von Nauen überspringt er ganz Europa, das Mittelmeer und die weite

Sahara, bis er in Togo aufgefangen wird. Dann macht er einen gewaltigen

Satz über ganz Afrika nach Muansa am Viktoriasee, um von dort

nach Daressalam weitergeschickt zu werden. Die Hauptstadt unseres

Schutzgebietes sendet ihn dann uns -- wieder hat er einige tausend

Meilen zu durchmessen.

Wir glauben nicht an den Krieg, die Völker werden vor dem letzten

entscheidenden Schritt zurückschrecken!

[Illustration: Copyright Walther Dobbertin.

Der kleine Kreuzer »Königsberg« im Hafen von Daressalam Juli 1914]

[Illustration: Copyright Walther Dobbertin.

Der Kilimandscharo]

[Illustration: Copyright Walther Dobbertin.

Der Meru. Die beiden Wahrzeichen Deutschostafrikas]

Der Mond steigt höher und höher. Der Wachoffizier übergibt mir das

Kommando, er geht in die Funkenbude, denn um diese Zeit soll, wie

ausgemacht, Daressalam uns geben.

Wir steuern genau nach Norden! Wie ein Pferd bäumt sich ab und zu der

Bug, wird von einer rundanlaufenden See emporgehoben, daß der fast am

Horizont stehende Polarstern verschwindet, und wuchtet dann wieder in

die Tiefe, als ob die Erde unter ihm wiche, nach beiden Seiten Berge

weißschäumenden Wassers schleudernd.

Der Rudergänger sieht schweigend auf die hellerleuchtete Scheibe

des Kompasses, die in ihren zweiachsigen Aufhängungsringen hin- und

herpendelt. Mit starken, knochigen Händen hält er das Ruder, er legt es

einige Drehungen nach Backbord, dann wieder Steuerbord, um das stark

gierende Schiff zu stützen. Der klirrende Klang des Rudergestänges ist

der einzige Laut auf der Brücke -- alle Posten, der Ausguck und die

Scheinwerferleute, stehen schweigend da und sehen auf die brausende

See. Auf der Laufbrücke, die die Hütte mit der Back verbindet und sich

eng und schmal an den drei Schornsteinen vorbeiklemmt, kommt eine weiße

Gestalt gegen den Wind ankämpfend nach vorn -- irgendein Offizier, den

die Hitze noch nicht schlafen läßt.

Er leistet mir Gesellschaft -- wir stehen zusammen auf der äußersten

Nock der Kommandobrücke, die frei in die Luft hinaushängend über dem

weißen Gischt schwebt.

Wir sprechen vom Krieg -- vom Krieg, der nicht kommen wird.

Soll man ihn wünschen? Soll man nicht? Wir sind wohl auf verlorenem

Posten -- verloren -- Tausende von Meilen um uns kein Freund, nur

Feinde. -- --

Aber man ist jung, voll Tatendrang, voll Lust, die Kräfte zu messen, zu

zeigen, daß man der Stärkere ist.

Denkt der Baum, der kraftstrotzend emporwächst und seine Nachbarn

erdrückt, daran, daß er Leben vernichtet -- oder das Tier, das doch nur

ein Gesetz kennt -- das des Stärkeren?

Soll man gegen die Natur kämpfen?

Gewiß, gewaltig würde die Übermacht der Feinde sein, unermeßlich schwer

würde es werden, hoffnungslos für uns hier! -- Trotzdem! --

Es dauert lange! Bereits halb 11 Uhr -- -- der Funkenoffizier ist noch

immer nicht zurück.

»Gehen Sie nach unten und sehen Sie nach, ob Daressalam gegeben hat,

ich werde solange hier fahren!«

Ich stolpere über das Mitteldeck nach achtern, alle paar Schritte über

Leinen kletternd, die gespannt sind, um bei dem starken Schlingern

einen Halt zu geben.

Ein mächtiger Brecher kommt über und wirft mich wie einen Sack auf das

nasse Deck!

In der Messe ist Licht!

Ich öffne die schmale Tür -- dahinten in der Ecke sitzt der

Funkenoffizier, krumm über Chiffrierbücher gebeugt, mit hochrotem Kopf.

In Monsun und Pori · 第 9 / 68 题