Vom Schlafe.
Was die Türken, nach ihren Grundsätzen der Prädestination, über die
Mäßigkeit sagen: daß nämlich im Anfange der Welt jedem Menschen die
Portion zugemessen worden, wieviel er im Leben zu essen haben werde,
und, wenn er sein beschieden Teil in großen Portionen verzehrt, er auf
eine desto kürzere Zeit zu essen, mithin zu sein, sich Rechnung machen
könne: das kann in einer Diätetik, als Kinderlehre -- denn im Genießen
müssen auch Männer von Ärzten oft als Kinder behandelt werden, -- auch
zur Regel dienen: nämlich daß jedem Menschen von Anbeginn her vom
Verhängnisse seine Portion Schlaf zugemessen worden, und der, welcher
von seiner Lebenszeit in Mannsjahren zu viel (über das Dritteil) dem
Schlafen eingeräumt hat, sich nicht eine lange Zeit zu schlafen, d. i.
zu leben und alt zu werden, versprechen darf. -- Wer dem Schlaf als
süßen Genuß im Schlummern (der Siesta der Spanier) oder als Zeitkürzung
(in langen Winternächten) viel mehr als ein Dritteil seiner Lebenszeit
einräumt, oder ihm sich auch teilweise (mit Absätzen), nicht in einem
Stück, für jeden Tag zumißt, verrechnet sich sehr in Ansehung seines
Lebensquantum, teils dem Grade, teils der Länge nach. -- Da nun
schwerlich ein Mensch wünschen wird, daß der Schlaf überhaupt gar nicht
Bedürfnis für ihn wäre, -- woraus doch wohl erhellet, daß er das lange
Leben als eine lange Plage fühlt; von dem, so viel er verschlafen,
ebensoviel Mühseligkeit zu tragen er sich ersparet hat -- so ist es
geratener, fürs Gefühl sowohl als für die Vernunft, dieses genuß- und
thatleere Drittel ganz auf eine Seite zu bringen und es der
unentbehrlichen Naturrestauration zu überlassen: doch mit einer genauen
Abgemessenheit der Zeit, von wo an und wie lange sie dauern soll(8).
(8) Die naturgemäßeste Einteilung des Tages bleibt gewiß diese: Acht
Stunden der Arbeit, acht Stunden der Ruhe und acht Stunden der
Nahrung, körperlichen Bewegung, Gesellschaft und Aufheiterung.