25. November 1881.

Vivat der Stadtreisende! Soeben die briefliche Nachricht empfangen, daß

sich Deine Andeutungen per Postkarte bestätigt haben.

Jetzt, lieber Junge, sind wir wieder alle auf dem Damm. Wenn man weiß

zu erwerben, ist dies mehr wert als Vermögen.

Über den neuen Wirkungskreis, den Du errungen, freue ich mich noch

mehr wie über die Gehaltsaufbesserung, doch ist auch letztere ganz

erfreulich.

Was wird das für eine Freude sein, wenn Du einmal heimkehrst und wir

uns alle wiedersehen! Das Schönste aber, was ich mir denken kann, ist,

wenn Du uns alle mitnehmen kannst, ohne daß wir beladen sind mit einer

ängstlichen Sorge um die Zukunft. Aber auch jetzt bin ich schon froh.

Das Glück haben nicht viele Familien, daß sie stets zusammenbleiben

können.

Unser Gehilfe Knöfel ist nach der Heimat gewesen. Hat von dort

geschrieben, ob er zurückkehren könne. Ich habe ihm dann einen

annehmbaren Vorschlag gemacht. Er ist wiedergekommen, hat vier Tage

gesoffen und zwei gearbeitet, und sich nun entschlossen, nach Amerika

zu gehen. Wahrscheinlich wird er nach sechs oder acht Tagen von

hier abreisen. Wenn er nach New York kommt, wird er Dich jedenfalls

aufsuchen. Sein Geist ist stark, aber das Fleisch ist schwach. Ich

glaube, daß er drüben seine paar hundert Mark verduseln und dann ein

guter Arbeiter sein wird.

Josef Dietzgens philosophische Lehren · 第 45 / 78 题