So angenehm, wie unter guten Umständen das Leben in einem kleinen
deutschen Landstädtchen ist, so heillos verpestet ist die Luft darin,
wenn der »Kampf ums Dasein« gefordert wird.
Du schreibst, daß Du gern an das ideale Leben zurückdenkst, das Du hier
geführt. Es wäre schade, wenn es anders wäre, doch auch schade, wenn
eine krankhafte Sehnsucht Dir den Reiz der Gegenwart verkümmerte und
Dein Streben erschlaffte. Muß gestehen, ich habe in diesem Punkte so
etwas Furcht und Sorge um Dich und freue mich deshalb ungemein, wenn
ich aus Deinen Briefen zuweilen sehen kann, daß Dein Gemüt heiter und
Deine Stimmung durchgehends energisch ist. Sentimentale Augenblicke
hat jeder. Du mußt Dir einmal klar vorstellen, worin der Reiz des
hiesigen Lebens denn eigentlich besteht. Von den Leuten nach Herkommen,
Stand und Aufführung gekannt zu sein und dadurch Achtung, Vorzug,
Teilnahme und Entgegenkommen zu genießen, das ist gleichsam eine Würze
des Lebens, die einen Pulsschlag hineinbringt, der gewiß nicht zu
verachten ist. Aber solche Ingredienzien sind auch nur wirksam, wenn
der +Stoff+ gut ist, dem sie beigemischt werden. Um diesen Stoff zu
erhalten -- erhalten im Sinne von konservieren +und+ erwerben -- bist
Du hinausgegangen, und wenn Du nun auch von der Würze einstweilen viel
entbehren mußt, so sollst Du doch nicht verkennen, daß man, wenn nur
der Lebens+stoff+ gegeben ist, sich das andere auch anderswo leicht
verschaffen kann.