Dein Gedanke, eventuell auch Anstreicher und Dekorateur werden zu
können, hat mich froh gemacht. Der Reichtum aller Länder entwickelt
sich stark und der Amerikas doppelt schnell; das sichert dem
dekorativen Bedürfnis eine steigende Zukunft. Die Kunst soll dem
Menschen dienen, mithin praktische Verwendung finden. Wenn Du Dich auf
solchem gleichsam handwerkmäßigem Wege zum Künstler ausbilden kannst,
das wäre ein rechter Weg. Aber nur ja nicht voreilig! Der kaufmännische
Weg, auf dem Du gegenwärtig wandelst, gehört mit dazu und würde auch
dazu später unberechenbare Vorteile gewähren. Ebenso der Umgang mit der
Färberei in K.s Fabrik.
Versäume nichts, wo es etwas zu lernen gibt. Auch den mechanischen,
maschinellen Teil betrachte nicht als außerhalb der Sphäre. In der
modernen Industrie hängt alles mit den Maschinen zusammen. Denke nicht,
ich mute Dir zuviel zu. Nur ein paar Handtäste, eben wissen, wie man
eine Sache angreift, ist oft von großem Wert.
Nun möchte ich Dir noch warm empfehlen, unter allen Umständen wahre
Bildung, nicht die mit Gänsefüßchen, nicht die »Bildung«, hochzuhalten
und besonders in Amerika nicht zu vergessen, daß man schachern soll für
das Leben, aber nicht leben für den Schacher. Auch im Urteil gegen
und über Deine Umgebung nie hart, sondern stets human zu sein. Um
liebenswürdig zu handeln, muß man liebenswürdig denken; Tugenden und
Fehler stecken immer ineinander; auch der Bösewicht ist ein guter Kerl,
und der Gerechte sündigt des Tages siebenmal.
Mich verfolgt seit früher Jugend ein logisches Problem, »die letzten
Fragen alles Wissens«. Das sitzt mir wie ein Stein im Kopf. Wenn im
Laufe meiner vergangenen Jahre die Not herantrat, konnte ich es auf
ein paar Jahre verlieren; aber nach hergestellter Ordnung der Dinge
kam es immer wieder, und immer verstärkter und klarer, so daß mir
erst in den letzten Jahren die Überzeugung gewachsen ist, es sei
meine Lebensaufgabe, sowohl innerer Seelenfriede wie die sittliche
Pflicht fordern Hingabe und Arbeit für dasselbe. Daher kommt es auch,
daß ich immer danach strebe, einen Associé zu finden, der mir helfen
soll, die ökonomische Bürde zu tragen. Daher meine Unfähigkeit, das
Detailgeschäft hier ohne Hilfe zu betreiben. Mein Sinnen geht überall
dahin, den Kopf leer zu halten, damit ich dem Problem nachhängen kann.
Seit den letzten Jahren bin ich gar übel daran, es steht mit mir auf
und geht mit mir schlafen, und die leiblichen Sorgen gestatten mir doch
keine Ruhe, um viel daran zu tun.