Du hast sicher noch zuviel des verkehrten europäischen Spleens im
Kopf. Eugen! Eugen! sei klug! Ich helfe gern, doch hilf Du auch.
Verschiedenen Arbeiten einen verschiedenen Rang beilegen und nicht das
für das Höchste halten, was just der Zweck erfordert -- ohne weitere
Rücksicht --, das ist ein heilloser europäischer Spleen, der noch
von der alten Gewohnheit herrührt, das Volk in Herren und Knechte
einzuteilen. Ich merke, Du bist unwillig und räsonierst in Dir über
Dinge, die doch gar natürlich sind und nicht anders sein können. Daß K.
seinen Sohn protegiert und ihm mehr glaubt wie Dir, auch dessen Fehler
leichter übersieht wie die Deinigen, ist gar zu natürlich. Du läßt
Dich zuviel von Deinen Sympathien und Antipathien mitnehmen. Dem muß
man widerstehen. Wenn K.s Sohn auch mürrisch und launisch ist, laß ihn
sein; es ist nicht Deine Aufgabe, ihn zu ändern, sondern zu ertragen
und das möglichst Beste daraus zu machen.
Du scheinst auch überempfindlich zu sein. Denke doch, daß die Leute
uns nichts schuldig sind und es immerhin für den Anfang angenehmer
für Dich ist, unter Bekannten als unter Wildfremden zu sein. Ist K.
einsilbig und verschlossen, nun, das ist eben seine Weise; die legt er
ja nicht an, Dich zu verletzen, und kannst nicht verlangen, daß er sie
um Deinetwillen ablegt. Ich weiß, die Amerikaner sind übermäßig von
sich eingenommen und sehen auf Europa und speziell auf die Deutschen
übermütig herab. Das kränkt anfangs, aber Du mußt überwinden und das
Heilmittel in Dir, nicht an anderen suchen. Stolz und selbstbewußt,
das ist recht und dabei doch zart sein. Dir selber nichts vergeben und
anderen alles.
Das kleine mobile Vermögen, das ich noch besitze, sind Blutstropfen,
die wohl müssen zu Rat gehalten werden. Wenn Du von K. aufbrichst,
darf es nicht im Trotz geschehen; nicht Dich überwerfen mit K.,
kein unartiges Wort: ~suaviter in modo, fortiter in re~! Wenn Du
so handelst, bin ich bei Dir bis zum letzten Cent. Aber nur nicht
rappelig! Versuch es noch ernstlicher mit dem jungen K. als bisher.
Nimm Dir vor, durch ein hartes Wort Dich nicht aus dem Konzept bringen
zu lassen. Ist er unartig, die Unartigkeit fällt auf ihn zurück -- sei
Du deshalb doppelt artiger. Zeige Dich immer unabhängig, dabei nie
beleidigt; Du mußt Deinen Stolz demütigen um der Sache willen, und ihn
doch behalten und ihn gebrauchen, +wenn Du die Macht hast+; aber nie
etwas wollen, was man nicht kann. Das Recht ist nur ein Begriff, aber
das Faktum die Wahrheit -- also immer nach dem Faktischen handeln, nie
nach Gefühlen und Reizbarkeiten. Sprich Dich mit K. aus. Sage ihm
alles, was Du auf dem Herzen hast, mit Abwälzung alles Kleinlichen.
Strebe unabhängig und selbständig nach Deinem Zweck, welcher vorerst
nur dahin geht, eine Stellung zu haben, worin Du 6 oder 8 Dollar
wöchentlich verdienst; kannst Du das nicht beim jetzigen Prinzipal,
bei K. erreichen, dann gebe Dir wohl den Anschein der Geduld, aber
strebe ungeduldig danach, anderweitig Dein Heil zu versuchen, und
benachrichtige mich zur rechten Zeit, daß ich Dir Geld schicke.