12. Szene

amphio allein

amphio. Wo weilst du heute, hohe Phantasie, daß sich dein

Bild noch nicht auf blauem Äther malt und mit den

bunten Schwingen zu mir niedertaucht? So wie der

Arzt den Kranken jeden Tag besucht, so schwebst du

jeden Morgen zu mir nieder, zu heilen meinen

liebekranken Geist. Durch dich begeistert sang ich

jene Lieder, die mir das Herz der Königin errangen;

dir verdanke ich die schöne Hoffnung, an Hermionens

Hand zu herrschen über dieses Reich. Ihre Liebe

nenn’ ich mein, sie selbst gestand es mir. Nun will ich

meinen Rang entdecken, um heimzuführ’n die

königliche Braut; doch dir muß ich’s vorher vertrauen,

hohe Phantasie, du hast den wilden Mut in mir

gezähmt, zum stillen Hirten mich gemacht, und nur

dein Rat soll mich bestimmen, ob ich den Schleier

ziehen darf von dieser Täuschung Bild. Doch, was seh’

ich? Eine andre Sonne strahlt mir dort entgegen,

Hermione ist’s, die über jene Hügel eilt. Ist’s Freude,

ist es Angst, die ihre Schritte so beflügelt?

Die gefesselte Phantasie · 第 19 / 55 题