13. Szene

voriger. hermione.

amphio (eilt ihr entgegen und sinkt zu ihren Füßen). Gebieterin!

hermione (spricht die ganze Szene schnell und unruhig). Heut’

bin ich’s nicht; ich hab’ die Herrschaft abgetreten an

die Zeit, ein Sklave bin ich meiner Eile.

amphio. Mir bangt um dich. Was kämpft in dir?

hermione. Vertrauen gegen Furcht. Mein Volk, der

Zaubernymphen Wut, Apollo selbst befiehlt, daß ich

mein Herz noch heute binden muß.

amphio. Dein Herz? Ist es noch dein?

hermione (sanft). Du weißt es ja.--Doch meine Hand--

amphio. Weh’ mir!

hermione. Sei ruhig, Amphio! Ein schöner Sieg winkt

deinem Geist. Von dem Gedicht, das du mir gestern

überreicht, aufs neue überzeugt, daß du gegen alle

Dichter meines Reichs ein Krösus bist an Phantasie,

hab’ ich, dich heute abend noch Gemahl zu nennen,

den kühnen Schwur gewagt: "Wer bis zur siebenten

Stunde mir die schönste Dichtung liefert, erhält noch

heute meine Hand und dieses Reich."

amphio. O wie beglückst du mich! (Beiseite schnell.) Ha,

Wink der Phantasie! Die Dichtkunst soll allein den

hohen Preis erringen! Nein, ich entdecke mich noch

nicht. das höchste Glück soll durch mich selbst mir

werden.

hermione. Was vertrauest du den Lüften deine Worte?

Bist du verwirrt?

amphio. Verzeih’, die Freude tanzt mit meinen Sinnen.

Vertrau’ auf mich und meiner Liebe Kraft! Mein wird

der Sieg, ich kämpfe ja um dich, darum ist das Gefühl

der Dichter deines Landes ein Tau gegen das Meer

meiner Empfindungen.

hermione. Ja, ich vertraue dir. Die Hoffnung schwingt die

gold’ne Fahne! Doch jetzt leb’ wohl; ich eile in den

Tempel, um zu bekräftigen den Schwur, und wenn die

Sonne sinket in des Meeres Silberschloß, so sink’ ich

dir, dem Sieger, dankend an die Brust. Doch jetzt

entflieh’, man suchet mich; dann eile nach dem

Tempel hin, dort wird durch des Orakels Mund des

Preisgedichtes Stoff dir kund.

amphio. Leb’ wohl, vertrau’ auf mich! (Entfernt sich schnell.)

Die gefesselte Phantasie · 第 20 / 55 题