voriger. hermione.
amphio (eilt ihr entgegen und sinkt zu ihren Füßen). Gebieterin!
hermione (spricht die ganze Szene schnell und unruhig). Heut
bin ichs nicht; ich hab die Herrschaft abgetreten an
die Zeit, ein Sklave bin ich meiner Eile.
amphio. Mir bangt um dich. Was kämpft in dir?
hermione. Vertrauen gegen Furcht. Mein Volk, der
Zaubernymphen Wut, Apollo selbst befiehlt, daß ich
mein Herz noch heute binden muß.
amphio. Dein Herz? Ist es noch dein?
hermione (sanft). Du weißt es ja.--Doch meine Hand--
amphio. Weh mir!
hermione. Sei ruhig, Amphio! Ein schöner Sieg winkt
deinem Geist. Von dem Gedicht, das du mir gestern
überreicht, aufs neue überzeugt, daß du gegen alle
Dichter meines Reichs ein Krösus bist an Phantasie,
hab ich, dich heute abend noch Gemahl zu nennen,
den kühnen Schwur gewagt: "Wer bis zur siebenten
Stunde mir die schönste Dichtung liefert, erhält noch
heute meine Hand und dieses Reich."
amphio. O wie beglückst du mich! (Beiseite schnell.) Ha,
Wink der Phantasie! Die Dichtkunst soll allein den
hohen Preis erringen! Nein, ich entdecke mich noch
nicht. das höchste Glück soll durch mich selbst mir
werden.
hermione. Was vertrauest du den Lüften deine Worte?
Bist du verwirrt?
amphio. Verzeih, die Freude tanzt mit meinen Sinnen.
Vertrau auf mich und meiner Liebe Kraft! Mein wird
der Sieg, ich kämpfe ja um dich, darum ist das Gefühl
der Dichter deines Landes ein Tau gegen das Meer
meiner Empfindungen.
hermione. Ja, ich vertraue dir. Die Hoffnung schwingt die
goldne Fahne! Doch jetzt leb wohl; ich eile in den
Tempel, um zu bekräftigen den Schwur, und wenn die
Sonne sinket in des Meeres Silberschloß, so sink ich
dir, dem Sieger, dankend an die Brust. Doch jetzt
entflieh, man suchet mich; dann eile nach dem
Tempel hin, dort wird durch des Orakels Mund des
Preisgedichtes Stoff dir kund.
amphio. Leb wohl, vertrau auf mich! (Entfernt sich schnell.)