11. Szene

narr allein, seinen Rücken reibend

narr. Das Schlachtfeld ist leer. Ah, das nenn’ ich ein

Treffen! Jeder hat getroffen, keiner hat g’fehlt. Aber

dem Verdienste seine Kränze, einer ist dabei, der

kann’s; wann das ein Dichter ist, der hat eine

shakespearische Kraft! (Überdenkend.) O Schicksal

eines Narren! Geboren auf Österreichs fetten Triften,

studiert bis an den Hals, dann Kammerdiener eines

span’schen Lords, vom Schiffbruch ausgespuckt an

diesen Strand der Feigheit und der Ochserie. Aus

Gnaden haben sie mich zum Hofnarren

aufgenommen, mich, der ich mehr Witz in meinem

Daumen hab’ als alle Köpfe dieses Fabellandes seit

hunderttausend Jahr’. Und nun zu euch, ihr gift’gen

Zauberkröten, denn Frauenzimmer seid ihr nicht;--

Respekt vor allen andern Frauenzimmern! Ehret die

Frauen, sie flechten und weben--Punktum! Das andre

fällt mir nicht mehr ein; aber das sind keine

Frauenzimmer, das sind Töchter des liebenswürdigen

Zerberus und der reizenden Hydra. Darum beschwör’

ich euch, ihr vier Winde des Himmels, blas’t mir alle

Krankheiten dieses schwindsüchtigen Jahrhunderts

auf einen Haufen zusammen und überlaßt sie mir zu

meiner Disposition. Herbei, ihr zwölf Monate dieses

tiefbeleidigten Jahres, ich will einen Kalender

zusammenfluchen und euch ein Neujahrsgeschenk

damit machen:

Ganz leicht beginn’ der Januar

Mit Schnupfen, Halsweh und Katarrh;

Des Abends sanftes Gliederreißen,

Daß sie vor Schmerz die Lippen beißen.

Dann werd’, weil beide eitel sind,

Die eine taub, die andre blind,

Und ihre niedlichen Gefriesel

Bedeck’ ein scharlachroter Riesel.

Dem Februar laß ich die Wahl,

Zu sinnen eine eigne Qual.

Die Gicht ist schön, doch wünscht’ ich lieber

Die Bleichsucht oder ’s gelbe Fieber.

März und April bringt Seitenstechen,

Der Mai muß sich durch Krämpfe rächen;

Im Juni Regen allenfalls,

So hab’ns die Wassersucht am Hals.

Im Juli ist Sommerszeit,

Wo man auf grüner Flur sich freut:

Nur ihnen blüh’ kein schönes Tal,

Die ganze Welt sei ihr Spital.

August, da werd’ ihr Hunger heiß,

Doch bleib’ ihr Magen kalt wie Eis;

Nichts hemme ihrer Eßsucht Lauf,

Vielleicht frißt eine d’andre auf.

September streu’ vergift’ten Tau,

Der färbe ihre Haare grau;

Oktober ruft das Blatt nach Haus,

Da brechen ihre Zähne aus;

November fällt ihr Namensfest,

Da schick’ zum Bindband ich die Pest,

Und bis Dezember kommt herbei,

Sind schon in Zügen alle zwei.

Doch noch ist nicht der Spaß verdorben,

Kaum glauben sie, sie sind gestorben,

So speien sie, der Welt zum Graus,

Aufs neu’ zwei gift’ge Drachen aus.

So drück’ auf ihre Qual die Zeit

Das Siegel einer Ewigkeit;

Den Wunsch bringt froh zum neuen Jahr

Mein gutes Herz den Schwestern dar.

(Ab.)

verwandlung

(Romantisches Tal. Weiße Lämmer weiden auf den Hügeln,

Amphio sitzt auf einem Steine und bläst ein sanftes Lied auf

seiner Flöte. Im Vordergrunde befinden sich zwei steinerne

Wassernymphen auf Postamenten, in Lebensgröße, welche auf

Wasserurnen ruhen.)

Die gefesselte Phantasie · 第 18 / 55 题