Ich fügte mich also dem Willen meines väterlichen Geliebten. Ah, teure
Eugenie, wie gut habe ich daran getan! Nach der neunzehnten oder
zwanzigsten derartigen Soiree verließ uns zu unserem Kummer unsere teure
Lucette. Ihr Vater, der in der Provinz weilte, rief sie zu sich. Eine
gefährliche Krankheit ließ ihn ihre Rückkehr vor seinem Tod ersehnen. Ihre
Abreise verursachte uns einen leidenschaftlichen Schmerz, und unsere Tränen
mischten sich mit den ihren. Ich für meinen Teil konnte mein Schluchzen
nicht zurückhalten. Nur die Hoffnung, sie bald wieder zu sehen, konnte mich
trösten. Aber kurz nach dem Tod ihres Vaters verfiel sie selbst in eine
langwierige Krankheit, die ihr viele Schmerzen verursachte. Ihr Vater hatte
gewisse Heiratspläne mit ihr gehabt, und auch ihre Verwandtschaft redete
ihr zu, doch sie wollte nichts davon hören. Sie schrieb, der Unterschied
zwischen meinem Vater und den Männern, die ihr den Hof machten, sei zu
groß. Sie wollte nicht in eine Hochzeit willigen und sehnte sich danach, zu
uns zurückzukehren. Doch ihre Mutter und ihre Verwandtschaft überredeten
sie schließlich, und sie stimmte zu, nachdem sie meinen Vater, dem sie in
allen Dingen ihr Vertrauen schenkte, um Rat gefragt hatte. Er riet ihr zu,
eine an sich günstige Partie nicht auszuschlagen. Mein Vater fühlte sich
immer verpflichtet, den Vorteil derer im Auge zu haben, die ihm vertrauten.
Er hätte es ohne Zweifel für ein Zeichen der Schwäche gehalten, wenn er
anders gehandelt hätte. Doch diesmal brachte sein Rat Unheil. Lucette starb
an den Folgen ihrer ersten Niederkunft.
Indes, ich greife den Ereignissen voraus. Lucettes Abreise hatte mich
melancholisch gestimmt, doch tröstete ich mich rasch in den Armen meines
väterlichen Geliebten. Die Krankheit, in die Lucette verfiel, brachte ihn
dazu, meine Gesundheit mit der größten Aufmerksamkeit zu überwachen. Ich
hielt mich in allem an seine Ratschläge, denn ich setzte das allergrößte
Vertrauen in ihn. Er entfernte sich kaum je von mir und überwachte mich
dauernd, weil er wußte, daß mir mein leidenschaftliches Temperament zu
schaffen machte.
Bald nach Lucettes Abreise traf er einige Veränderungen in seinem
Appartement. Man konnte nur noch in mein Zimmer gelangen, indem man das
seine durchquerte. Er hatte der Dienerschaft ernsthaft eingeprägt, daß sie
keinen anderen Eingang benutzen durfte. Unsere Betten standen an derselben
Wand, die er durchbrechen und durch eine Art von Paravent hatte ersetzen
lassen. Dieser konnte jederzeit entfernt werden, doch das war unser kleines
Geheimnis, und nur wir kannten den Trick, der die scheinbare Wand,
zurückweichen ließ. Den Schlüssel zu meinem Zimmer hatte eine Frau, die er
an Lucettes Stelle aufgenommen hatte, die uns aber in allem nur eine
Dienerin war.
Wenn wir sicher sein konnten, nicht mehr gestört zu werden, schob ich die
Spanische Wand zurück und eilte in seine Arme. Dann verbrachte ich eine
süße und glückliche Nacht mit ihm, die von einem zumeist erfreulichen Tag
abgelöst wurde.
Während einer dieser bezaubernden Nächte lehrte er mich eine neue Art des
Vergnügens kennen, von der ich bisher keine Ahnung gehabt hatte.
»Meine liebe Laura«, sagte er, »Du hast mir Deine Erstlingsblüte geschenkt,
aber Du hast noch eine andere Jungfernschaft, und die wirst Du mir nicht
verweigern, wenn Du mich noch immer liebst.«
»Ah, und wie ich Dich liebe! Was ist es, mon cher? Laß es mich wissen! Wie
glücklich bin ich, daß ich Dir noch etwas geben kann!«
»Mein reizendes Kind -- wie sehr du mich glücklich machst. Die Natur und
die Liebe selbst haben all Deine Grazie geschaffen und Dich mit den
wollüstigen Empfindungen erfüllt, die uns beiden so teuer sind. Sie haben
Deinem Körper die liebenswürdigsten Reize verliehen und all seine Teile zum
Gegenstand unseres Begehrens gemacht. Glaube mir, für einen Mann, der eine
schöne Frau anbetet und sich von ihr wieder geliebt weiß, wird ihr Mund,
werden ihre Hände, ihre Brüste, ja selbst ihre Achselhöhlen und ihr Hintern
genauso wie ihre Vagina zum Sitz der Wollust.«
»Ah, ich verstehe. Nun, wohl. Du bist mein Meister, und ich folge in allem
deinen Begierden. Wähle also!«
Er ließ mich auf meiner linken Seite liegen, und zwar so, daß ich ihm meine
Lenden zuwandte. Dann führte er den Kopf seines erigierten Gliedes
vorsichtig an die kleine Öffnung und begann ganz sanft einzudringen. Der
Weg war eng, aber die ungewohnte Berührung verursachte mir doch ein
Vergnügen besonderer Art.
Ich stützte mein rechtes Bein auf sein Knie, und er kitzelte mich und ließ
seinen Finger von Zeit zu Zeit in meiner Liebesgrotte spielen. So empfand
ich einen höchst leidenschaftlichen und wirkungsvollen Kitzel. Als er
merkte, daß ich mich dem Gipfel der Lust näherte, beschleunigte er seine
Anstrengungen, und ich tat desgleichen. Ich fühlte mich tief in meinem
Innern von einer heißen Quelle benetzt, und dies verursachte mir eine
leidenschaftliche Wollust. Ich empfand ein köstliches und unbeschreibliches
Gefühl, das allen empfindsamen Teilen meines Körpers zu entquellen schien.
Ah, all diese Wonnen verdankte ich diesem herrlichen, starken und doch
vorsichtigen Instrument, das dem Mann gehörte, den ich so leidenschaftlich
liebte.
Er teilte meine Wonnen.
»Welch ein wundersames Vergnügen, meine liebste Laurette! Und Du -- sag,
wie fühlst Du dich? Wenn ich der Leidenschaft glauben darf, die Du mir eben
bewiesen hast, hast Du nicht weniger als ich empfunden.«
»Gewiß nicht, mon cher. Welch unendliche, unaussprechliche und neue Wonnen
habe ich eben kennen gelernt! Nie habe ich geglaubt, daß sich die
wollüstigen Empfindungen so vervielfältigen lassen.«
»Gut, mein Kind. Beim nächsten Mal werde ich Dir noch mehr Wonnen bereiten
und mich gleichzeitig eines Godmiche bedienen.«
»Was ist ein Godmiche?« fragte ich neugierig.
»Das wirst Du sehen, mein Kind. Aber wir müssen damit bis zum nächsten Mal
warten. Für heute ist es genug.«
Am folgenden Tag sprach ich von nichts anderem. Ich wollte diesen
rätselhaften Gegenstand gar zu gern sehen. Ich drängte ihn, mir diesen zu
zeigen, und schließlich stimmte er zu. Ich war recht verwundert, denn ich
hatte gehofft, daß er ihn noch am selben Abend ausprobieren und mir so eine
neue Lektion der Lust erteilen würde.
Meine liebe Eugenie, ich werde eines Tages mit dir dasselbe tun, was mein
väterlicher Geliebter schließlich mit mir getan hat. Doch ich kann Dir das
nicht beschreiben, ohne daß ich wieder eine unserer intimen Szenen vor
Deinen Augen ausbreite. Ich bedaure, daß ich dieses prächtige Instrument
bisher nicht für unsere Zärtlichkeiten verwendet habe. Ich würde dann mit
großem Vergnügen die Rolle eines zärtlichen Liebhabers bei Dir gespielt
haben. Aber ich werde nicht vergessen, eines mitzubringen, wenn ich wieder
in Deine Arme eilen kann.
Trotz der langen Pausen, die mein Vater zwischen unsere Vergnügungen legte,
gab es keine Variation der Wollust, die er mir nicht gezeigt hätte. Er
hatte es dabei leicht, denn ich liebte ihn mit aller Leidenschaft, deren
ich fähig war, und ich war bereit, auf all seine Wünsche einzugehen.
Manchmal legte er sich auf mich, seinen Kopf zwischen meinen Schenkeln und
meinen zwischen seinen Knien.
Seine heißen Lippen liebkosten meine Liebesgrotte, sie saugten an meiner
Klitoris, und dann ließ er auch seine Zunge auf dem Weg unserer Wollust ein
wenig vordringen. Er kitzelte meine Klitoris, bis ich vor Wonne halb
bewußtlos war, und führte gleichzeitig seinen Finger oder den bewußten
Godmiche in meiner Lustgrotte spazieren, während ich den Kopf seines
Gliedes mit Zunge und Lippen liebkoste. Ich umschloß dieses herrliche
Instrument mit meinem Mund, ich kitzelte es mit meiner Zungenspitze und
nahm es im nächsten Moment so tief in mich auf, als ob ich es verschlingen
wollte. Ich kitzelte und preßte seine Hoden, seine Schenkel, sein
Hinterteil. Alles das ist höchst beglückend und wollüstig, vorausgesetzt,
daß es von einer so zärtlichen Liebe diktiert wird wie von der, die ich für
meinen Geliebten empfand.
So war also das Leben, das wir nach Lucettes Abreise zusammen führten.
Schon waren acht oder neun Monate seither vergangen. Die Erinnerung und der
unglückliche Zustand, in dem sich das liebenswürdige Mädchen befand, war
der einzige Schatten, der auf diese glücklichen Tage fiel, die angefüllt,
waren mit der Seligkeit einer ersten Liebe. Ich lebte von den kostbaren
Augenblicken, in denen ich in den Armen dieses zärtlichen und
liebenswürdigen Mannes lag und ihn unter meinen Küssen und Liebkosungen
hinschmelzen fühlte. Er liebte mich unbeschreiblich. Meine Seele war mit
der seinen vereint. Es ist mir unmöglich, die vollkommene Harmonie unserer
Gefühle auch nur annähernd zu beschreiben.
Aber, meine teure Eugenie, was wirst Du von Deiner Freundin denken, wenn Du
ihr folgendes Geständnis hörst? Welch neue Szenen wirst Du zu sehen
bekommen? Bis zu welchem Grad von Extravaganz vermag nicht die Phantasie
vorzudringen? Was sollte sich ihren Launen und Kaprizen in den Weg stellen?
Wenn das Herz immer dasselbe ist, wenn es von den beständigsten Gefühlen
belebt und erfüllt wird, wie ist es dann möglich, daß die
leidenschaftlichsten Begierden einem Phantom nachjagen, das wir uns selbst
geschaffen haben? Ist es möglich, daß unser Verlangen uns vorwärts treibt,
einem unbekannten Ziel entgegen, ohne daß wir uns zurückzuhalten
vermöchten? Ich bin ein erstaunliches Beispiel dafür. Soll ich Dir dieses
Geständnis überhaupt machen? Ja, ich will es tun, denn es gibt nichts, was
ich der Freundin meines Herzens verbergen möchte.
Zwar erröte ich dabei, doch immerhin! Du wirst daraus die tiefe Güte und
das lebhafte Verständnis ersehen können, das mein väterlicher Liebster für
mich hegte. Die Gerechtigkeit seines Geistes und seine Seelenstärke sind in
gleicher Weise bewundernswert. Ich habe erst damals begriffen, wie sehr
dieser wundervolle Mann meine Liebe und Zuneigung verdiente. In demselben
Haus, in dem wir lebten, vegetierte eine alte, verwitwete Betschwester, die
glaubte, sie könne ihre Tage nicht besser verbringen, als wenn sie
sämtliche Kirchen im Umkreis besuchte.
Sie hatte drei Kinder, zwei Söhne und eine Tochter. Der älteste war in der
schlechten Gesellschaft, in der er zu verkehren pflegte, ganz entartet. Wir
kannten ihn kaum vom Sehen. Er spielte mit dem, was er von seinem Vater
geerbt hatte, den Verschwender. Sein Bruder, der viel jünger war, hatte
sein sechzehntes Lebensjahr gerade vollendet, als er die Schule verließ, um
bei seiner Mutter zu leben. Er war ein hübscher Junge, frisch wie Amor
persönlich, dazu immer heiter und von einem liebenswürdigen Charakter. Die
beiden hatten eine reizende Schwester, die damals etwa fünfzehn Jahre alt
war.
Teure Eugenie, stell Dir eine hübsche kleine Brünette vor, von lebhaftem
Teint und mit strahlenden Augen. Ein reizendes Näschen, ein lieblicher Mund
und eine schlanke Taille vervollständigen ihre Reize. Sie war, wie gesagt,
klein von Wuchs, aber von einer überquellenden Lebendigkeit, ein wenig
närrisch und unter einer sanften Oberfläche den Leidenschaften der Liebe
zugetan. Dazu war sie höchst diskret in allem, was ihr Vergnügen anging.
Sie machte sich jeden Tag über die Belehrungen lustig, die ihre
frömmlerische Mutter ihr gab. Ich hatte mich bald nach Lucettes Abreise mit
ihr angefreundet und dadurch auch die Bekanntschaft des jüngeren ihrer
Brüder gemacht. Die beiden begannen mich ziemlich regelmäßig zu besuchen,
und bald verging kein Tag, an dem wir nicht zusammen waren. Ihre Mutter
schien darüber recht zufrieden. Ich weiß, daß sie mich -- in Verkennung der
Tatsachen ihrer Tochter beständig als ein Beispiel hinstellte.
Es stimmt allerdings, daß ich dank der ausgezeichneten Erziehung, die ich
genossen hatte, einen recht gesetzten Eindruck machte. Es ist schon sehr
merkwürdig, meine teure Eugenie, aber unsere Leidenschaften vermindern
unsere Reputation, wenn die Unklugheit sie erraten läßt. Nichts schadet dem
guten Ruf einer Frau mehr als ihre Koketterie und Freizügigkeit. Hingegen
kann sich eine vorsichtige Frau, die nach außen hin die Fromme und Gesetzte
spielt, so gut wie alles erlauben. Sie wird ihren guten Ruf ohne jeden
Makel behalten, wenn sie ihre Liebesabenteuer mit dem Schleier des
Geheimnisses bedeckt. Noch besser, wenn sie ihrer Zunge einen Zaum anlegt
und sich über das Benehmen ihrer Mitschwestern ausschweigt. Kurz und gut,
nicht die Taten, sondern die Manieren einer Frau entscheiden darüber, ob
sie als ehrbar gilt oder nicht.
Ich bemerkte natürlich, daß mein Vater meine neuen Freunde mit
Aufmerksamkeit beobachtete, und zwar sowohl den jungen Vernol als auch
dessen Schwester.
Er sagte mir, daß Rose für ihr Alter viel zu wissen scheine. Wenn sie auch
unzweifelhaft noch keine Gelegenheit gehabt hatte, die Genüsse voll
auszukosten, die ich kennen gelernt hatte, so würde sie doch höchst
begierig sein, sie kennen zu lernen. Davon konnte ich mich leicht
überzeugen. Wir scherzten von da an häufig zusammen und trieben allerlei
Neckereien. Ich kam zu derselben Erkenntnis wie mein Vater, soweit es Rose
betraf. Über Vernol sagte er wenig.
Meine Talente hatten sich inzwischen immer mehr vervollkommnet. Ich war
musikalisch und verstand ausgezeichnet auf der Harfe zu spielen, ich sang
mit Geschmack, deklamierte mit Intelligenz und hatte einen geselligen Kreis
um mich, in den ich Rose und Vernol aufnahm. Der Junge fand
bezeichnenderweise zahlreiche Gelegenheiten, mir seine Vorliebe für mich zu
beweisen. Er suchte mich und folgte mir unablässig. Wir spielten Theater,
und er brachte seine Rolle mit Leidenschaft zu Gehör. Ich sprach mit meinem
Vater darüber, und ich machte mich ein wenig über ihn lustig, aber in einem
Ton und mit einem Lächeln, welches diesem großen Menschenkenner deutlich
verraten mußte, daß ich an meinem neuen Verehrer Gefallen fand.
»Das habe ich vom ersten Augenblick an bemerkt«, sagte mein Vater, als ich
wieder einmal davon sprach. »Seine Augen, seine geröteten Wangen verraten
ihn, wenn er in Deiner Nähe ist. Nun, meine Liebe, aber wie steht es mit
Dir? Da Du weißt, daß er in Dich verliebt ist, welches Gefühl hegst Du für
ihn?«
Ich war mir darüber nicht ganz im Klaren und glaubte, daß ich für Vernol
keine anderen Gefühle hegte als jene, die für gewöhnlich mit dem hübschen
Namen Freundschaft bezeichnet werden. Doch die Frage meines Vaters machte
mich nachdenklich, und ich beobachtete mich schärfer. Bald fand ich heraus,
daß Vernols Gegenwart mich erregte und daß ich ihn vermißte, wenn er nicht
mit seiner Schwester gekommen war. Ich fragte dann Rose ganz unschuldig, wo
ihr Bruder geblieben sei. Ich wunderte mich selbst über diese Vorliebe, die
meinem Herzen so gar nicht entsprach.
Allerdings gefiel mir sein Äußeres, und ich muß gestehen, auch seine
Sanftheit und die Standhaftigkeit, mit der er mich bewunderte, schmeichelte
mir nicht wenig.
Aus der Miene meines Vaters hätte ich leicht bemerken können, daß er etwas
in mir entdeckt hatte, daß ich mir selbst nicht einzugestehen wagte. Er
sprach nicht darüber, und ich liebte ihn mehr denn je. Meine Leidenschaft
und meine Vorliebe für ihn verminderten sich nicht im Geringsten. Von
Kindheit an zur Wahrhaftigkeit erzogen, kannte ich nicht die mindeste
Verstellung.
Man sagt, daß die Frauen von ihrer Natur her falsch seien. Aber ich glaube,
daß diese vermeintliche Falschheit nur eine Folge ihrer Erziehung ist. Zu
guter Letzt entschloß ich mich, alles für diesen liebenswürdigen und
zärtlichen Freund zu opfern und die Nachstellungen dieses hübschen Jungen
in Zukunft zu vermeiden. Ich hatte die Übereinstimmung der Gefühle, die ich
für meinen Vater und auch für Vernol hegte, noch nicht begriffen. Doch die
zwiespältige Verfassung, in der ich mich befand, verriet mir wohl, daß
etwas in mir im Gange war. Du kannst Dir diesen inneren Zwiespalt schwer
vorstellen, meine Liebe. Man muß ihn fühlen, um ihn zu kennen. Mein Vater,
der meine Verfassung wohl bemerkt hatte und sich darüber Gewißheit
verschaffen wollte, stellte mich auf eine Probe, ohne daß ich es bemerkt
hätte.
»Laura, einige Deiner Freunde verursachen mir Unbehagen«, eröffnete er mir
eines Tages. »Ich möchte, daß Du Rose und ihren Bruder nicht wiedersiehst.«
Ich zögerte keinen Augenblick, sondern warf mich in seine Arme: »Ich stimme
dem gerne zu, mein Liebster. Komm, wir wollen dieses Haus aufgeben und auf
das Land ziehen, dann werden wir den beiden nicht mehr begegnen. Laß uns
morgen schon aufbrechen, Du wirst mich bereit finden!«
Ich beeilte mich tatsächlich, meine Koffer zu packen, und ich blieb damit
beschäftigt, bis er mich rief. Er nahm mich auf seinen Schoß und sagte,
während er mich umarmt hielt: »Meine liebe Laurette, ich bin von Deiner
Zärtlichkeit und Zuneigung sehr angetan. Deine trockenen Augen verraten
mir, daß Du sie ohne Schmerzen verlassen wirst. Doch gestehe mir, macht es
Dir wirklich nichts aus? Öffne mir Dein Herz, denn ganz bestimmt ist es
nicht die Furcht, die Deine Entschlüsse beeinflußt. Du hast keinen Grund,
mich zu fürchten.«
Immer wahrhaft und ehrlich gegen meinen Vater, verbarg ich auch diesmal
nichts vor ihm.
»Nein, ganz bestimmt ist es nicht die Furcht, die mich lenkt. Seit langem
schon empfinde ich keine Furcht vor Dir. Nur das Gefühl allein leitet mich.
Dieser Vernol hat es verstanden, mir eine gewisse Vorliebe für ihn
einzuflößen, deren Ursache ich mir nicht erklären kann. Doch mein Herz, das
dir allein gehört, zögert keinen Augenblick, sich zu entscheiden. Ich will
ihn nicht wiedersehen!«
»Mein geliebtes Kind, ich kenne die Aufrichtigkeit Deiner Gefühle für mich,
und ich bin darüber sehr glücklich. Vernol erweckt in Dir gewisse
Vorstellungen, die Deine Phantasie bewegen. Du findest ihn deshalb
angenehm. Aber Du kennst meine Zärtlichkeit für Dich und weißt, daß Du
nicht aufhören kannst, mich zu lieben. Das ist alles, was ich von dir
erhoffe. Geh nur, ich bin nicht eifersüchtig auf dieses Herz, dessen Besitz
mir so sicher ist.«
Diese Worte beruhigten mich, und ich fühlte mich überströmen vor
Zärtlichkeit für diesen wundervollen Mann, der all meine Besorgnisse zu
zerstreuen verstand. Ich warf mich vor ihm auf die Knie und küßte seine
Hände, die ich mit meinen Tränen benetzte. Mein Schluchzen machte es mir
beinahe unmöglich, die rechten Worte zu finden.
»Mein Liebster, ich liebe Dich, ich bete Dich an, nichts und niemanden
liebe ich so wie Dich! Meine Seele, mein Herz, alles ist von Dir erfüllt!«
Er war von meinem leidenschaftlichen Ausbruch gerührt, hob mich auf, preßte
mich an sein Herz und bedeckte mich mit seinen Küssen.
»Beruhige Dich, mein allerliebstes Kind. Glaubst Du wirklich, daß ich die
Natur und ihre unabänderlichen. Gesetze so wenig kenne? O nein, ich bin
nicht so ungerecht. Erfahrung und Vergleichsmöglichkeiten haben in mir erst
diese zärtliche Zuneigung ermöglicht, die ich für Dich empfinde. Es ist
Zeit, daß auch Du es lernst, dir ein Urteil zu bilden. Ich verspreche Dir,
Du wirst die Gesellschaft dieses Vernol genießen. In meinen Grundsätzen
gefestigt und erfüllt von meinen Ideen, wirst Du auch nach meinen
Erkenntnissen handeln. Übrigens ist er hübsch und liebenswürdig, wie ich
zugeben muß. Und wenn Du diese gewissen Gefühle nicht für ihn empfändest,
nun, so wäre es irgendein anderer. Ich werde mich also dreinfügen.«
Doch nach diesem Gespräch war meine Vorliebe für Vernol abgeschwächt. Wenn
ich ehrlich sein will und Dir alles sagen soll, so war es mehr die
Zustimmung meines Vaters, die Neugier und mein leicht erregbares
Temperament, was meine begehrliche Phantasie lebendig hielt.
Diese wurde von meinem Vater übrigens noch begünstigt. Wenige Abende
später, als ich in seinen Armen lag, sagte er zu mir: »Liebe Laurette,
morgen wirst Du Roses Mutter besuchen und sie bitten, daß sie ihrer Tochter
erlaubt, den Tag mit Dir zu verbringen. Sag ihr, sie soll nicht beunruhigt
sein, wenn sie des Abends ausbleibt, ihr würdet einen Landausflug machen
und erst morgen zurückkehren.
In Wirklichkeit werdet ihr den Tag und den Abend hier verbringen. Du wirst
den ganzen Tag mit ihr allein sein und kannst Dir dann leicht ein Urteil
über die Ehrlichkeit ihrer Gedanken und über ihren Charakter machen. Sie
scheint zu Dir Vertrauen zu haben und Freundschaft für Dich zu empfinden.
Du wirst bald mehr darüber wissen und mir alles sagen.«
Ich glaubte in diesem Moment, daß er mit diesem Plan einen gewissen Zweck
verfolgte, doch ich hatte es gelernt, in allem seinen Ideen zu folgen und
mich allem, was er je plante, zu unterwerfen. Ich glaubte, daß Rose
ebensoviel wußte wie ich selbst.
Im Übrigen wurde alles so gemacht, wie wir es abgesprochen hatten. Sie kam,
und wir schlossen uns ganz und gar von der Welt ab. Wir verbrachten den Tag
mit all den reizenden kleinen Torheiten, welche zwei junge Mädchen, deren
Herz voll ist von unklaren Gefühlen, sich nur ausdenken können. Ich neckte
sie, und sie tat mit mir desgleichen. Ich enthüllte ihren Busen und ließ
meinen Vater ihre hübschen Brüste küssen. Ihr niedliches Hinterteil, ja
selbst ihre kleine Spalte wurde Gegenstand meiner Neckereien. Wir hielten
einander umschlungen. Sie kicherte und lachte, und jedes Mal, wenn ich mir
etwas Neues ausdachte, wehrt sie sich zunächst, aber ihre geröteten Wangen
und ihre lebhaft funkelnden Augen verrieten, wie erregt sie war.
Wir soupierten, und selbst während des Essens schonte ich sie nicht. Ich
schürte das Feuer, das schon in ihr brannte, kräftig. Nachher setzten wir
unser Geplänkel fort. Ich bat sie, sich mit dem Gesicht nach unten auf
einen Diwan zu legen, und dann schob ich ihre Röcke nach oben. Ihr
entblößter Hintern bot uns einen höchst erfreulichen Anblick.
Mein Vater versetzte ihr einige leichte Schläge mit der Hand und ermutigte
mich, mich für die Neckereien zu rächen, die sie vorhin mit mir getrieben
hatte. Ich wollte mich von der Wirkung unseres Treibens überzeugen und fand
sie ganz feucht. Sie mußte ein heftiges Vergnügen empfunden haben.
Schließlich gingen wir in mein Zimmer, um uns für die Nacht vorzubereiten.
Kaum erblickte sie mich im Hemd, da zog sie es mir auch schon aus. Ich tat
mit ihr desgleichen, und lachend stürzten wir uns ins Bett. Sie küßte mich,
faßte nach meinen Brüsten und liebkoste meine Spalte. Ich begann ein höchst
reizvolles Fingerspiel, als ich merkte, wie sehr sie sich danach sehnte,
und ich täuschte mich nicht. Sie spreizte die Beine, und ihre Bewegungen
verrieten mir die Heftigkeit ihrer Empfindungen. Schließlich ließ ich
meinen Finger tiefer in sie gleiten, und die Leichtigkeit, mit der dies
geschah, überzeugte mich davon, daß sie -- in diesem zarten Alter! -- keine
Jungfrau mehr war.
Ich brannte natürlich vor Begierde zu erfahren, wie sie ihre Jungfernschaft
verloren hatte. Ich wollte sie gerade fragen, als mein Vater ins Zimmer
kam, um uns zu umarmen, ehe er seinerseits zur Ruhe ging. Rose warf mit
einer raschen Bewegung die Decken beiseite, die uns verhüllten. Er hatte
offenbar nicht erwartet, uns beide nackt zu sehen. Unsere Hände befanden
sich noch immer am Sitz aller Wollust. Sie schlang ihre Arme um seinen
Hals, hielt ihn fest und veranlaßte ihn, meinen Busen zu küssen. Ich blieb
meinerseits nicht untätig und sorgte dafür, daß er bei ihr dasselbe tat.
Ich faßte nach seiner Hand und ließ sie auf ihrem hübschen, entblößten
Körper spazieren gehen. Ich hielt diese liebenswürdige Hand in ihrer Grotte
fest, er geriet in Erregung, doch dann verließ er uns rasch und wünschte
uns viel Vergnügen.
Es ging schon gegen zehn, als er am anderen Morgen in unser Zimmer kam. Er
weckte uns mit Küssen und Zärtlichkeiten und fragte uns, ob wir eine
angenehme Nacht verbracht hätten. »Wir sind noch lange, nachdem Du uns
verlassen hast, wach geblieben. Du hast ja gesehen, in welcher Stimmung wir
uns befanden«, gab ich zur Antwort.
Rose, deren Wangen noch rosig vom Schlummer waren, errötete und legte mir
den Finger auf den Mund. Doch ich wehrte sie ab: »Nein, nein, meine Liebe,
Du kannst mich nicht hindern, meinem Vater alles zu erzählen, was wir
zusammen getan haben. Denn ich verberge niemals etwas vor ihm. Mein
Vertrauen zu ihm ist vollkommen, und das Deine sollte nicht weniger groß
sein.«
Sie schlang ihre Arme und Beine um mich und ließ mich gewähren.
»Nachdem du uns verlassen hattest«, berichtete ich meinem Vater, »fuhr die
lebhaft erregte Rose damit fort, meinen Mund zu küssen und an meinen
Brüsten zu saugen. Sie zog mich an sich, und unsere Schenkel und selbst
unsere intimsten Teile rieben sich gegeneinander. Meine Brüste drückten die
ihren, mein Leib lag auf dem ihren. Ihre Zunge liebkoste die meine, eine
ihrer Hände streichelte meinen Hintern, die andere kitzelte meine Klitoris,
und ich tat mit ihr desgleichen. Wir kosteten die Wonnen dieses Vergnügens
in ihrem vollen Ausmaß. Sie duldete es nicht, daß meine Hand sie verließ,
ehe sie viermal die unglaublichste Lust empfunden hatte.«
Während ich dies erzählte, schob Rose, durch meine Erzählung erhitzt, ihre
Hand zwischen meine Schenkel und wiederholte, was ich erzählte. Ich begriff
sogleich, was sie ersehnte. Wir waren beide nackt. Ich schob also unsere
Decken zurück und nahm die Hand meines Vaters, die sich flugs all ihrer
Reize bemächtigte. Er hatte nur seinen Morgenrock an, und dieser verschob
sich durch die Bewegung. Ich bemerkte dank meines Instinkts und infolge der
Ausbuchtung seines Hemdes, welchen Erfolg diese Liebkosungen bei ihm
hatten, und machte Rose darauf aufmerksam.
Ja, ich riet ihr sogar, ihm seinen Morgenrock auszuziehen und ihn dazu zu
bringen, daß er sich zu uns lege. Sie sprang sofort auf klammerte sich an
seinen Hals und nahm ihm unter vielen Neckereien seinen Morgenmantel weg.
Dann zog sie ihn auf das Lager nieder und fiel ihrerseits mit
ausgebreiteten Beinen auf ihren Rücken. Ich legte eines ihrer Beine auf
seine Schulter, und er tat mit dem anderen desgleichen. In dieser Stellung
fand sich sein prächtig schwellendes Instrument naturgemäß genau gegenüber
ihrer Grotte. Ich bereitete ihm den Weg, und als er eindrang, kam sie ihm
mit einer schnellen Bewegung entgegen. Ich kitzelte sie, und sie gab seine
Bewegungen lebhaft zurück. Gleichzeitig liebkoste sie mich, wie ich es mit
ihr tat, und seine leidenschaftlichen Anstrengungen, vereint mit den
unsrigen, ließen uns schließlich eine heftige Wonne erfahren.
Mein Vater vermochte sich kaum zurückzuhalten. Er beeilte sich, und ich
vollendete mit meinen Händen das Trankopfer seiner Lust, das er nicht in
sie zu ergießen gewagt hatte. Sie gestand mir später, daß es ihr
währenddessen fünfmal gekommen sei. Ihr Leib war besprüht vom Tau der
Wollust, mit dem er sie besprengt hatte, und selbst ihre Brüste waren noch
feucht davon.
Und doch hatte sie noch nicht genug. Sie beschäftigte sich leidenschaftlich
mit meiner Spalte, sie kitzelte und liebkoste mich, und diese reizenden
Spielereien setzten mich gleichfalls in eine heftige Begierde. Gar zu gern
hätte ich die Flammen, die mich durchzuckten, gelöscht. Sie schien meine
Wünsche zu erraten, denn sie ergriff die Hand meines Vaters und ließ seine
Finger in mich eindringen. Dann ließ sie mich durch ein ähnliches Spiel,
wie ich es mit ihr gespielt hatte, an den süßen Entzückungen teilhaben, die
ich ihr bereitet hatte.
Es dauerte eine Weile, bis wir uns beruhigten. Dann sagte ich zu meinem
Vater: »Du wirst vielleicht erstaunt sein über Roses Betragen. Ich selbst
war nicht weniger verwundert. Ich habe sie gebeten, mir zu erzählen, woher
sie ihr Wissen hat, und ich werde Dir alles darüber sagen. Oder nein, noch
besser sollst Du es aus ihrem Mund erfahren. Die Vertraulichkeit, die ihr
einander erwiesen habt, wird es ihr unmöglich machen, Dir etwas von dem zu
verbergen, was sie mir gestanden hat.«
Wir beruhigten ihre aufkeimenden Proteste durch Küsse und Liebkosungen.
»Nun gut«, sagte sie schließlich, »ich willige ein. Nachdem ich Laurette
schon alles gesagt habe, riskiere ich nichts durch meine Offenheit.
Schließlich habt ihr ein Recht darauf, alles zu erfahren. Mein Vertrauen
ist nicht kleiner als jenes, das ihr mir bewiesen habt. Wirklich, es ist
nur angemessen, daß ich euch alles erzähle.«