2. Kapitel

Wir erwachten und begrüßten einander zärtlich. Da wurde die Frau gemeldet,

die am Vormittag bei mir auf so seltsame Weise Maß genommen hatte. Sie

legte mir zu meinem nicht geringen Erstaunen eine Art von Seidenhose an,

die sich nur bis zur Mitte der Schenkel abstreifen ließ. Sie war gut

gearbeitet und genierte mich nicht. Nur, der Gürtel, der sie in der Taille

zusammenhielt und von dem eine Art Riemenzeug zwischen meinen Schenkeln

hindurchführte, war ein wenig knapp. Dieses Riemenzeug hatte vorn und

hinten je eine Öffnung, und in dieser befestigte mein Vater zu meinem

Unbehagen mittels eines kunstvoll gearbeiteten Kettchens eine samtbezogene

Metallplatte, die an zwei Stellen durchbrochen war, um den natürlichen

Bedürfnissen Genüge zu tun. Er verschloß das Ganze mittels eines kleinen,

sehr kostbar gearbeiteten Schlüssels.

»Meine teure Laura, geliebtes Kind«, sagte mein Vater und schloß mich in

seine Arme, »glaube nicht, daß andere Regungen als die meiner Liebe zu Dir

mich leiten. Der Zufall hat Dich Dinge gelehrt, die Du vor deinem

achtzehnten Lebensjahr gar nicht kennen solltest. Ich muß deshalb darüber

wachen, daß Dir daraus kein Schaden erwächst. Noch bist Du nicht imstande,

die Regungen der Natur richtig einzuschätzen. Ich werde Dich von Zeit zu

Zeit mehr darüber lehren, doch wirst Du kein Mittel finden, meine Ansichten

zu durchkreuzen.«

Ich war recht verärgert und vermochte meine üble Laune nicht zu verbergen.

Und ich hatte wirklich allen Grund, unzufrieden zu sein. Meine kleine

Grotte war gänzlich eingeschlossen. Zwar hinderte mich dieser unerfreuliche

Gegenstand, den mir die Fürsorge meines Vaters aufgezwungen hatte, nicht,

die Bedürfnisse der Natur zu verrichten, doch es war ganz und gar

unmöglich, einen Finger in die kleine Furche zwischen meinen Schenkeln

einzuführen oder sie gar durch Reibung zu erhitzen. Gerade dies hatte mein

Vater ja auch zu verhindern beabsichtigt. Du kannst Dir wohl vorstellen,

daß mir die so aufgezwungene Entbehrung wenig behagte. Ich habe mir später

oft gedacht, es wäre ganz nützlich, auch den jungen Burschen solch ein

Geschirr umzuhängen, um sie daran zu hindern, daß sie ihre Kräfte

vergeuden, ehe sie das richtige Alter erreicht haben. Auf diese Weise

könnte man eine vorzeitige Erschöpfung ihrer Kräfte leicht verhindern. Doch

läßt unsere Gesellschaft ihnen alle Freiheiten, während sie unsere nach

Kräften unterdrückt.

Während der nächsten fünf Jahre trug ich dieses Geschirr jeden Tag. Mein

Vater entfernte es jeden Abend, und Lucette wusch es sorgfältig. Er

untersuchte, ob ich mich nicht wundgescheuert hätte, und legte es mir

darauf wieder an. So habe ich diesen höchst unerfreulichen Gegenstand bis

ich sechzehn Jahre alt war ununterbrochen getragen.

Während dieser Zeit entwickelte sich mein Verstand, und ich lernte alle

möglichen nützlichen Dinge. Meine natürliche Neugier ließ mich unaufhörlich

nach dem Grund alles dessen forschen, was war. Mein Vater konnte mit mir

zufrieden sein. Von Jahr zu Jahr vergrößerte sich mein Wissen, und ich

wurde nicht müde zu lernen. Ich gewöhnte mich an das körperliche Gefängnis,

in dem ich mich befand, und als man mich schließlich daraus befreite, war

ich so weit gekommen, daß ich es für ganz natürlich hielt. Ich war von der

Nützlichkeit dieser Einrichtung überzeugt.

Vermutlich hätte ich ohne dieses Instrument meine Kräfte vorzeitig

vergeudet, denn das Beispiel, das mein Vater und Lucette mir gaben, hätte

mich angespornt. Diese beiden genierten sich nämlich nicht im Geringsten

vor mir. Doch je erwachsener ich wurde, desto mehr beschäftigte mich die

Frage, warum mein Vater solche Vorsichtsmaßnahmen mir gegenüber gebrauchte.

Ich war in meinem sechzehnten Lebensjahr, als er mir die Antwort auf meine

immer dringenderen Fragen schließlich gab. Als er mir das quälende

Instrument schließlich für immer abnahm, sagte ich zu ihm:

»Nach all diesem, mon cher papa, sagen Sie mir doch, was hat Sie dazu

veranlaßt, mich dieses ärgerliche Instrument tragen zu lassen, obwohl Sie

mir doch immer beteuert haben, wie zärtlich Sie mich lieben? Meine

Gouvernante ist viel besser daran als ich. Bedeutet Ihnen diese etwa mehr

als ich? Erklären Sie mir doch heute, was Sie dazu bewogen hat, so zu

handeln, wie Sie es taten!«

Mein Vater zog mich in seine Arme.

»Meine Zärtlichkeit und Fürsorge für Dich, mein Kind, erlauben es mir nicht

mehr, Dich als ein Kind zu betrachten. Du bist heute in einem Alter, da man

Dir so gut wie alles sagen kann, und das will ich nun tun.

Die Natur fördert bis zum fünfzehnten oder sechzehnten Lebensjahr eines

Menschen dessen Wachstum. Sie braucht dazu einmal länger, einmal kürzer, je

nach den Anlagen des Individuums. Doch im Allgemeinen reicht dieses Alter

für Dein Geschlecht aus. Im Alter von siebzehn oder achtzehn Jahren kann

man eine Frau als erwachsen ansehen. Bei den Männern braucht die Natur

länger, um ihre Vervollkommnung zu erreichen. Wenn man diese Zeit des

Reifens mißbraucht und Empfindungen und Handlungen vorwegnimmt, die einer

späteren Epoche angemessen sind, kann daraus ein beachtlicher Schaden

entstehen.

Die Frauen zum Beispiel, die allzu frühe Erfahrungen gemacht haben, die

ihrem Reifegrad nicht entsprechen, sterben früh oder bleiben klein,

schwächlich und anfällig, oder sie leiden an einer Schwindsucht, die vor

allem ihre Brust befällt und deren Opfer sie in Kürze werden. Manchmal

hindert sie auch eine Erkrankung des Blutes, ihre monatliche Regel

pünktlich und ausreichend zu bekommen. Daraus resultieren dann Vapeurs,

Hysterie und Nervenzufälle sowie die Qualen einer unersättlichen

Geschlechtsbegierde. All das beeinträchtigt die Tage eines solchen

unglücklichen Geschöpfes. Bei den jungen Männern ist es ganz ähnlich. Sie

erleiden die unglücklichsten Tage, wenn sie nicht gar vor der Zeit

sterben.«

Meine teure Eugenie, Du kannst dir wohl vorstellen, wie mich diese

Eröffnung erschreckte. Ich wurde mir in diesem Augenblick seiner

Freundschaft und der Sorge, die er um mein Wohlergehen trug, doppelt

bewußt. Es war nur seine Güte gewesen, die mir das verwehrt hatte, was ich

als ein hervorragendes Vergnügen zu betrachten geneigt war. Das Leben

erschien mir wieder recht angenehm, und wenn ich künftig ein Verlangen nach

einer gewissen Art von Vergnügen verspürte, würde ich aus Rücksicht auf

meine Gesundheit und mein Leben gern darauf verzichten.

»Ich habe diese Neigung in Dir wohl erkannt«, fuhr mein Vater fort, »und

bei Deiner Jugend hätten dich alle Gründe der Welt nicht davon zurückhalten

können. Deshalb habe ich diese Vorsichtsmaßregel getroffen, die Dir so

wenig gefallen hat. Doch nun werde ich darauf verzichten. Es wäre gut, wenn

man solche Schutzmaßnahmen bei allen jungen Leuten anwenden würde, die

durch unvorhergesehene Zufälle oder durch unkluge Personen zu früh über

Dinge unterrichtet wurden, die nicht für ihr jugendliches Alter bestimmt

sind.«

Die Furcht vor einer zerrütteten Gesundheit oder gar vor einem frühen Tod

war von nun an zwar in meiner Phantasie sehr lebendig. Doch andererseits

hatte ich gesehen, was mein Vater mit Lucette tat, und die Art, wie er mit

ihr lebte, hob die Wirkung dieser Furcht wieder auf. Ich konnte mich nicht

zurückhalten, ihm eines Tages meine Zweifel zu eröffnen.

»Warum, mein teurer Vater, haben Sie bei Lucette nicht dieselben

Vorkehrungen getroffen? ja, noch mehr: Warum tun Sie mit ihr laufend, was

Sie mir verweigern?«

»Aber mein liebes Kind, bedenke doch, Lucette ist völlig erwachsen. Sieh

nur den Überfluß der Natur in ihrem Körper. Sie ist schon imstande, andere

Lebewesen zu ernähren. Dieser Zustand, mein liebes Kind, kündigt sich durch

das pünktliche Auftreten, der monatlichen Regel an. Ich kann Dir nicht

verschweigen, daß es in ihrem Alter gefährlich wäre, wenn ein gewisser

Überfluß von Samen aufgestaut und in ihr zurückgehalten würde und so in

ihre Blutbahnen geriete. Dadurch würde in ihr ein gefährliches Feuer, eine

Art von sinnlicher Raserei entfacht werden.

Ihre Stimmungen und ihr Temperament würden darunter leiden, ja selbst die

Zirkulation der Säfte in ihrem Körper könnte dadurch ernsthaft gestört

werden. Das könnte ihre Gesundheit untergraben, Vapeurs und frenetische

Anfälle sowie viele andere Übel verursachen. Haben wir nicht genügend

Beispiele dafür in den Klöstern, wo die Frömmelei zum Despotismus wird und

wo es nichts gibt, was den unglücklichen Eingeschlossenen ihre Lage

erleichtern könnte? Man mischt Lotosabsud und Salpeter in ihre Getränke, um

die Anlagen eines lebhaften Temperaments zu unterdrücken. Doch nach einiger

Zeit bleiben diese Mittel ohne Wirkung oder sie zerstören den Magen, so daß

diese Gefangenen des Aberglaubens, die wie weiße Blumen dahinwelken, für

den Rest ihres Lebens von Verdauungsstörungen und inneren Schmerzen geplagt

sind, ja, an manchen dieser Schreckensorte werden sogar die Pensionärinnen

auf diese Weise behandelt, so daß sie schließlich alle möglichen Leiden und

Nervenanfälle davontragen, die eine Folge der gewaltsamen Unterdrückung

ihrer natürlichen Vitalität sind. Selbst Eltern, die ihre Kinder lieben,

beachten diesen Punkt viel zu wenig.

Du mußt wissen, meine liebe Laurette, daß sich das natürliche Temperament

in einem gewissen Alter bemerkbar macht. Das geschieht bei den einen früher

als bei den andern, und zwar durch die Verschiedenheit der natürlichen

Anlagen und der Qualität der Säfte, die in uns sind, aber auch durch eine

Veränderung in den Organen. Wenn diese Körpersäfte nicht rechtzeitig zum

Fließen kommen, strömen sie in die Blutbahn zurück. Manchmal verursachen

sie dann eine vollkommene Unterdrückung der natürlichen Impulse und damit

ein geradezu monströses Anschwellen des Leibes. Personen, die keine

natürliche Geschlechtsvereinigung kennengelernt haben, werden unter solchen

Umständen völlig gleichgültig und sind meist empfängnis- und

zeugungsunfähig.

Aber, mein teures Kind, in dem Alter, in dem die Säfte des Lebens zu

strömen beginnen, in dem das Feuer des Temperaments sich bemerkbar macht,

soll man diesem auch Genüge tun, und zwar sowohl, weil es für die

Gesundheit nützlich und notwendig ist, als auch, weil es die Schönheit und

Frische eines solchen glücklichen jungen Geschöpfes steigert. Es gibt

verschiedene Mittel dazu.

Stell Dir eine Frau in den Armen eines leidenschaftlichen Mannes vor. Wie

erregt ist sie allein vom Gegensatz der Geschlechter! Was bedeutet ihr mehr

als die Leidenschaft, die er für sie empfindet und die auch sie in sich

verspürt? Schon die bloße Gegenwart des Mannes wird für sie erregend.

Phantasie und Natur weisen ihr den Weg zu den wollüstigsten Empfindungen.

Daraus kannst Du ermessen, warum ich mich gegen Lucette anders verhalte als

gegen Dich.«

»Ah ja, mon cher papa! Weil ich Sie immer bei diesem Namen genannt habe,

werde ich mich auch jetzt Ihrer Erfahrung und Weisheit unterordnen. Aber

sagen Sie mir, in welchem Alter werden Sie mit mir tun, was Sie mit Lucette

so häufig getan haben? Ach, dieser Augenblick fehlt noch zu meinem Glück,

denn ich empfinde es schmerzlich, daß ich nicht all Ihr Verlangen zu

stillen imstande bin, daß ich Ihre Wünsche nicht in jeder Hinsicht

befriedigen kann.«

»Mein reizendes Kind, die Natur selbst spricht zu uns in einer leicht

verständlichen Sprache. Noch sind Deine Brüste nicht voll entwickelt, und

das Pelzchen, das Deine hübsche kleine Grotte bedeckt, ist noch recht

schütter. Kaum, daß Du die ersten Blüten Deiner Reife hervorgebracht hast.

Laß uns also noch etwas warten. Dann, geliebte Laurette, Du Kind meines

Herzens, werde ich dieses Geschenk von Deiner Zärtlichkeit empfangen. Du

wirst mich die Blüte pflücken lassen, die ich so sorgsam gepflegt habe.

Doch laß uns diesen glücklichen Augenblick nicht durch unsere Ungeduld

zerstören. Glaube nicht, daß ich Dich bis zu diesem Zeitpunkt Dir selbst

überlasse. Bei einer robusten Natur ist es nicht notwendig, diesem

Augenblick besondere Aufmerksamkeit zu schenken oder mit den Kräften des

Körpers besonders haushälterisch umzugehen. Aber bei einem sensiblen

Temperament muß man vorsichtig sein und bis zum siebzehnten oder

achtzehnten Jahr warten. Das ist der Zeitpunkt, an dem eine Frau völlig

erwachsen ist und sich ohne Schaden ihren Begierden überliefern kann.«

Alles, was er mir bei dieser Gelegenheit sagte, meine liebe Eugenie, hat

sich meinem Gedächtnis unauslöschlich eingeprägt. Du kannst Dir das wohl

denken. Seine Gründe erschienen mir sehr vernünftig und einleuchtend, und

seine Bereitwilligkeit, auf meine Fragen einzugehen, ermutigte mich,

weitere an ihn zu stellen.

Ich erinnerte mich, daß Lucette bei jenem ersten Mal, als ich die beiden

entdeckt hatte, in einem tiefen Schlaf zu liegen schien, und das war ein

Rätsel, das ich nur zu gern enthüllt gesehen hätte.

»Aber warum, teurer Papa, war Lucette an dem Abend, da ich euch zuerst

beobachtet habe, so tief entschlummert, daß sie nichts von dem zu bemerken

schien, was Sie mit ihr taten? Schlief sie wirklich oder spielte sie nur

die Schlafende?« wollte ich wissen.

»Ganz und gar nicht, meine Liebe«, versicherte mein Vater. »Sie hat

wirklich geschlafen. Aber das ist mein kleines Geheimnis. Soll ich es Dir

sagen? Ja, denn dieses Beispiel kann für dich nützlich sein. Ich muß dir

gestehen, daß mich mein Verlangen damals heftig quälte. Ich sah Lucette,

sie gefiel mir, und ich versprach mir ein gewisses Vergnügen von ihr. Doch

als ich bemerkte, daß sie zögerte, sich meinem Begehren auszuliefern,

ergriff ich die Initiative. Ich habe etwas Schlafpulver in ihren Liqueur

gemischt. Du hast die Wirkung gesehen. Doch habe ich mich nicht damit

begnügt. Denn ich fürchtete, daß sie erwachen und zornig werden könnte,

sich von mir in eine derartige Lage gebracht zu sehen. Um das zu

verhindern, habe ich ein gutes Mittel gefunden, das die Natur erregt und in

einen Zustand versetzt, in dem ihr die Zärtlichkeiten eines Mannes höchst

erwünscht erscheinen.

Das ist eine Art Zaubertrank. Nachdem ich sie also auf das Bett gelegt

hatte, rieb ich damit ihre Liebesgrotte, ihre Klitoris und ihre Schamlippen

ein. Diese Flüssigkeit hat die Eigenschaft, sogar einen impotenten Mann zu

leidenschaftlichem Leben zu erwecken, wenn man gewisse Partien seines

Körpers damit einreibt. Lucette schlief etwa eine Stunde lang, ehe sie

erwachte. Dann aber zeigte sie eine Leidenschaft und ein Feuer, das sich

kaum löschen ließ. Sie war ganz und gar nicht erstaunt, sich in meinen

Armen zu finden, sondern umschlang mich im Gegenteil zärtlich mit den

ihren. Weit davon entfernt, meiner Begierde Widerstand zu leisten, öffnete

sie -- angespornt von ihrem eigenen Verlangen -- ihre Schenkel und

bereitete mir so das lebhafteste Vergnügen, an welchem ich sie -- ganz und

gar nicht egoistisch -- teilnehmen ließ. Doch als vorsichtiger Mann dachte

ich daran, was geschehen könnte, wenn ich mich meiner Wollust völlig und

bedenkenlos hingab. Also zog ich mich in dem Augenblick, in dem ich das

Nahen der Lust spürte, ein wenig zurück und ergoß das lebenspendende Naß in

die Oberfläche ihrer Grotte und auf ihren Leib. Von diesem Tag an hat

Lucette sich immer meinen Wünschen überlassen, und ich habe nur meine

Unvorsichtigkeit und Deine Neugier zu beklagen, die Dich ein Geheimnis

enthüllen ließ, daß ganz und gar nicht für Dich bestimmt war. Sie weiß

übrigens nicht, daß ich Dir alles darüber gesagt habe, und Du mußt

Stillschweigen bewahren. Nicht wahr, Du wirst mein Vertrauen nicht

enttäuschen?«

»Bestimmt nicht, mein teurer Vater. Aber sagen Sie mir alles darüber.

Fürchten Sie nicht, ein Kind zu zeugen, wenn Sie sich einmal nicht früh

genug zurückziehen? Ist es möglich, daß Sie sich in diesem Punkt völlig auf

Ihre Selbstbeherrschung verlassen, können? Könnte es nicht sein, daß die

Macht der Begierde die Furcht, eine Unvorsichtigkeit zu begehen, auslöscht

und Sie weitergehen läßt, als Sie dies eigentlich möchten?«

»Ah, meine Kleine, wohin sich Deine neugierige Phantasie versteigt! Ich

sehe wohl, ich kann Dir nichts verbergen. Wenn ich Dir nicht die ganze

Wahrheit enthülle, werde ich bald die Torheit beklagen müssen, überhaupt

etwas gesagt zu haben. Aber ich glaube, damit nichts zu riskieren, denn

Deine Vernunft ist Deinem Alter weit voraus.

Wisse also, daß dieser Samen, wenn er nicht in die Matrix gelangt, an und

für sich gar nichts ausrichten kann. Auch kann er sich dort nicht

festsetzen, wenn man seinen natürlichen Fluß hemmt. Aus diesem Grund

versuchen manche Frauen, durch eine innere Bewegung den Samen in dem Moment

zurückzustoßen, in dem sie ihren Liebhaber in der Wonne des Genusses

glauben.

Doch das bedeutet für sie selbst eine arge Verkürzung des Vergnügens und

ist ganz und gar kein sicheres Mittel. Manche Männer haben geglaubt, sie

hätten nichts zu fürchten, wenn sie sich nahe an den Eingang zurückziehen.

Doch sie täuschen sich darin. Denn die Matrix ist eine recht lebhafte Pumpe

und versucht, sich auch des Samens zu bemächtigen, der nicht unmittelbar zu

ihrer Öffnung gelangte. Hinzu kommt noch, daß viele Männer sich im

Augenblick der Wollust über ihre eigene Selbstbeherrschung täuschen und so

den richtigen Moment versäumen. Ungewißheit und Furcht vor den möglichen

Folgen behindern also häufig das Vergnügen. Doch das Mittel, das ich bei

Lucette anwende, ist ziemlich sicher. Es gibt einem die Freiheit, sich ohne

alle Furcht dem Feuer seiner Leidenschaft überlassen zu können. Ich habe

deine hübsche Gouvernante am Tag, nachdem Du uns bemerkt hast, gebeten,

sich für unsere Liebesgefechte mit einem Schwamm zu bewaffnen, der in eine

bestimmte Flüssigkeit getaucht wurde. Dieser wird unmittelbar vor der

Matrix am Muttermund angebracht. Mittels einer dünnen Seidenschnur kann man

ihn ohne Schwierigkeiten wieder hervorholen. Selbst wenn die

Samenflüssigkeit in diesen Schwamm einzudringen vermag, würde doch die

Flüssigkeit, mit der er getränkt ist, seine Zeugungsfähigkeit vernichten.

Man weiß ja, daß selbst die Luft genügt, seine Kraft zu vernichten. Also

ist es ganz unmöglich, daß Lucette in unserer Verbindung je ein Kind

empfangen könnte.«

Ich habe nichts von diesen nützlichen Gesprächen je vergessen, meine liebe

Eugenie, und ich habe Dich zu deinem Nutzen davon unterrichtet, so daß auch

Du Dich ohne Furcht den Umarmungen Deines Liebsten überlassen kannst. Im

Übrigen machte meine Bildung gute Fortschritte. Ich bekam alle möglichen

Bücher in die Hand. Es gab in dieser Hinsicht nichts, was für mich verboten

gewesen wäre. Doch mein Vater lenkte meinen Geschmack besonders auf jene,

die der Wissenschaft dienten und somit weit von allem entfernt waren, woran

unser Geschlecht im Allgemeinen Gefallen findet. Ich will Dir nur ein

kleines Beispiel dafür berichten.

Er fragte mich eines Tages: »Kannst Du, meine geliebte Laura, in der

Unendlichkeit des Universums, das unseren Erdball umgibt, einen festen

Punkt finden? Zu welch unermeßlichen Dimensionen wird Deine Phantasie dabei

gelangen? Die Elemente der Natur und ihre Zahl sind noch immer unbekannt,

und es ist unmöglich zu erkennen, ob unsere Vorstellungen von der Welt und

vom Universum auch nur im Entferntesten der Wirklichkeit entsprechen. Wir

wissen nicht einmal, ob diese Elemente, welche die Bausteine der Welt und

des Lebens zu sein scheinen, absolut unveränderlich sind oder ob es möglich

ist, ihnen eine andere Form der Existenz zu geben und sie dadurch zu

verändern.

Inmitten dieser allgemeinen Unwissenheit erscheint es höchst lächerlich,

daß der Mensch es versuchen sollte, die Zahl dieser Elemente festzulegen.

Diese Wahrheit verdient es, daß man über sie nachdenkt, um in allem den

Willen der ewigen Ordnung zu erkennen. Gleichgültig, ob es sich nun um

eines oder um mehrere Elemente handelt, so bildet ihre Gesamtheit die

Körper, und sie finden sich im Feuer wie in der Materie vereint, welche die

törichten und voreingenommenen Geister unbewegt nennen.

Was hältst Du denn von jenen strahlenden Feuern, die wir Sterne nennen?

Weißt Du nicht, mein Kind, daß sie nichts sind als wüste feurige

Himmelskörper? Nimm nur die Sonne her, diesen gewaltigen Feuerball, der

dazu da zu sein scheint, einer Vielzahl von erdenklichen Himmelskörpern

Licht und Wärme und damit das Leben zu geben. Es ist gut möglich, daß viele

dieser entfernten Welten so wie unsere eigene bevölkert sind. Früher hat

man geglaubt, daß die Sterne nur dazu dienten, uns die Nacht zu erhellen.

Die Eigenliebe des Menschen hat ihn glauben lassen, er sei der Mittelpunkt

des Universums. Doch wozu sollten uns diese Himmelskörper dienen, wenn

Nebel und Wolken sie vor unserem Blick verbergen? Der Mond ist noch am

ehesten imstande, die hindernde Wolkendecke mit seinem Strahl zu

durchbrechen. Er erhellt uns das Dunkel der Nacht, aber das ist nicht seine

einzige Bestimmung. Man kann bis heute nicht feststellen, ob er nicht

selbst eine Welt für sich darstellt, eine Welt, deren Bewohner ebenso an

unserer Existenz zweifeln wie wir an ihrer, und die im Grunde ebenso

töricht sind wie wir zu glauben, daß sie allein alle Herrlichkeit des

Himmels bedeuten. Vielleicht sind sie ebenso anmaßend, vielleicht sind sie

aber auch erfinderischer als wir und haben ein gesünderes Urteil über die

Probleme des Lebens.

Die Planeten sind Welten wie die unsere und ohne Zweifel von Pflanzen und

Tieren belebt, die wir nicht kennen. Denn in der Natur scheint alles

möglich. Doch welche Rolle spielt, von diesem Gesichtspunkt aus gesehen, in

diesem unermeßlichen Universum unsere Welt? Ist sie etwa mehr als ein

belebter Punkt unter anderen belebten Punkten? Und wir selbst? Wie wäre es

möglich, daß wir angesichts unserer Bedeutungslosigkeit inmitten der

Unendlichkeit des Universums uns für Anfang und Ziel der Schöpfung halten

könnten?«

Auf diese Weise versuchte mein Vater Tag um Tag, Gedanken der Philosophie

in mich hineinzulegen und mich zum Denken anzuregen.

Ich fragte ihn eines Tages: »Was ist das schöpferische Sein, aus dem alles

hervorgegangen ist?«

Denn ich dachte bei mir, daß ich allzuwenig über dieses wunderbare, alles

belebende Wesen wisse. Mein Vater antwortete mir: »Dieses wunderbare

höchste Wesen ist unfaßbar! Man fühlt es, aber man kann es nicht erkennen.

Es entzieht sich unseren Spekulationen. Wenn es die verschiedenartigsten

Elemente gibt, so ist es seine Hand, aus der sie hervorgegangen sind. Er

hat sie durch seinen Willen und seine Kraft geschaffen. Es ist die Seele

des Universums, ohne die nichts von all dem bestehen könnte, was ist.

Kennen wir etwa die Quelle seiner Macht? Sehen wir nicht tagtäglich, wie

sich die Materie unter seinem Einfluß verändert, ohne daß wir die Ursache

dieser Veränderungen erkennen könnten? Und kann etwa das, was für eine

beschränkte Zeit geschaffen ist, nicht noch viel wunderbarer für die

Ewigkeit geschaffen sein? Doch genug für heute, mein Kind. Wenn Du etwas

älter geworden bist, werde ich versuchen, soweit ich es kann, dir die ewige

Wahrheit zu enthüllen, die sich für uns Menschen immer unter dem Schleier

des Geheimnisvollen verbirgt.«

Mein Vater gab mir häufig moralische Schriften zu lesen, welche die Dinge

nicht unter den gewöhnlichen Gesichtspunkten behandelten, sondern sie

vielmehr vom Standpunkt ihrer natürlichen Existenz aus betrachteten. So

lernte ich in allem die Gesetze der Natur zu erkennen, die dem menschlichen

Herzen unauslöschlich eingeprägt sind. Er lehrte mich in diesen Gesetzen

die einzige Norm des menschlichen Handelns zu erkennen. Denn alle anderen

Gesetze sind nur Verfremdungen von diesen. Die Regeln, die er mir gab,

waren ebenso einfach wie verständlich: »Tu für die anderen das«, sagte er,

»was Du möchtest, daß sie für Dich tun, und füge ihnen niemals etwas zu,

das Dir selbst unerwünscht wäre. Du siehst, meine Teure, daß diese

Wissenschaft, von der alle Welt in so hohen Tönen spricht, eigentlich ganz

einfach zu beherrschen ist. Und wenn jedermann sich an diese sittlichen

Grundsätze hielte, wäre das Glück aller Menschen auf dieser Welt

gesichert.«

Romane verbannte mein Vater fast gänzlich aus meinem Gesichtskreis. Ich

lernte es, dank seiner Bemühungen, in ihnen eine Ansammlung von

Gemeinplätzen und menschlicher Dummheit zu sehen. Es gab nur ganz wenige

Ausnahmen von dieser Regel. Zumeist erlaubte mir mein Vater jene, die einen

moralischen Hintergrund hatten. Nur wenige von ihnen zeichneten die

Menschen in ihren natürlichen Farben, mit ihren Fehlern und Vorzügen. Die

meisten Romanautoren scheinen pausenlos damit beschäftigt, ihre Helden in

den anziehendsten Farben zu malen.

Ach, meine Liebe, wie weit sind sie von der Wirklichkeit entfernt!

Betrachtet man die einen und die anderen, wie viel Unwirklichkeit entdeckt

man in diesen Darstellungen. Ich finde viel mehr Gefallen an den Büchern

der großen Weltreisenden, denn in ihnen lerne ich den Charakter und die

Sitten anderer Völker kennen. Ich begriff bald, daß sie im Grund nur ein

Spiegel unserer eigenen sind. Ich fing an, die Menschheit in ihrer

Gesamtheit zu verstehen, aber auch die Rolle zu begreifen, welche die

Gesellschaft bei der Bildung der einzelnen Charaktere spielt. Sodann

beschäftigte ich mich auch mit historischen Schriften. Indem diese die

Sitten und Gebräuche der Antike wiedergaben, erkannte ich aus ihnen, wie

nach und nach ein bestimmtes Weltbild entstanden ist, um nach einer Weile

neuen Erkenntnissen zu weichen. Am meisten liebte ich allerdings die Werke

unserer Poeten. Diese erschienen mir sehr amüsant, und einige von ihnen

sind für ewige Zeiten in meinem Gedächtnis haften geblieben.

Dann eines Tages gab mir mein Vater ein Buch, das seine besondere

Aufmerksamkeit erregt zu haben schien. »Lies es, meine liebe Laura«, sagte

er. »Ein Genie, wie unsere Zeit nur wenige hervorbringt, hat es

geschrieben. Es wird leicht in Deinem Gedächtnis haften. Seine Philosophie

und elegante Sprache wird Dir gefallen. Der Mann, der es geschrieben hat,

ist ein Meister seines Fachs, und die Ideen, die er unter dem Vorwand einer

Fabel zu Papier gebracht hat, werden Dich faszinieren.«

Zu welchem Irrtum führt uns unsere Eigenliebe und Eitelkeit doch oft! Dies

kann nur ein aufmerksamer und gedankenvoller Beobachter erkennen. Dabei ist

es doch eine ebenso einfache wie unveränderliche Wahrheit, daß sich alles

in diesem Leben zu einer Kette fügt, um einer gewissen Ordnung zu folgen,

die sowohl für die Gesamtheit des Seins als auch für den einzelnen gilt.

Unvorhergesehene Umstände zwingen die Ideen und Handlungen der Menschen.

Entfernte und daher kaum bemerkbare Ursachen führen zu einer Kette von

Beziehungen, die fast immer willkürlich erscheinen. Der einzelne meint, daß

alles von seiner Entscheidung abhänge, von der Wahl, die er für sich oder

andere trifft, doch in Wirklichkeit entwickelt sich alles fast ohne sein

Zutun. Natur, Charakter und Temperament sind nur das Material, aus dem der

Ewige Beweger die Rollen formt, die er jedem einzelnen von uns zugedacht

hat.

Wenn man manche unerfreulichen Ereignisse verhindern kann, so ist das

nichts anderes als ein gewisser Weitblick, eine Klugheit, die den Blick für

diese Kette von Umständen schärft, die man doch nicht ändern kann und die

selbst für jene eine unwiderstehliche Macht ist, die das Übel schaffen. Am

weisesten ist jener, der sich dem natürlichen Lauf der Dinge überläßt. Dir,

meine liebe Eugenie, läßt Dein Geist alles leicht erscheinen. Deine

Sanftheit wird Dich glücklich erhalten, und Du verstehst es, Deine Freiheit

zu bewahren, trotz der Fesseln, die man Dir auferlegt. Du genießt die

Vergnügungen, die Du Dir erfindest und beklagst Dich nicht über jene, die

Dir fehlen. Doch höre meine Geschichte weiter!

Ich wurde älter, und gegen Ende meines sechzehnten Jahres veränderte sich

meine Situation. Ich sah damals schon recht erwachsen aus. Meine Formen

waren voller geworden, meine Brüste hatten an Umfang zugenommen, und ich

bewunderte ihre reizenden Rundungen jeden Tag. Auch Lucette und meinen

Vater ließ ich diese wundervolle Entwicklung bestaunen. Sie küßten die

knospenden Hügel um die Wette, ich nahm ihre Hände und führte sie an meinen

Busen, damit sie sich von der schwellenden Herrlichkeit überzeugen könnten.

So gab ich ihnen tausend Zeichen meiner Ungeduld.

Ohne jedes Vorurteil aufgewachsen, hörte ich nichts anderes als die Stimme

der Natur. Sie allein lehrte mich. Selbst wenn ich in Lucettes Gegenwart

badete, fühlte ich mich erregt. Ich lebte in einer sehr intimen

Gemeinschaft mit ihr. Meistens schlief ich mit ihr; immer tat ich dies,

wenn mein Vater abwesend war. Dann übernahm ich bei ihr seine Rolle, so gut

dies eben möglich war. Ich umarmte sie, saugte an ihrer Zunge und ihren

Brustspitzen, ich küßte ihre Lenden und ihren Schoß, ich liebkoste und

kraulte ihre Liebesgrotte. Meine Finger nahmen die Stelle jenes wunderbaren

Werkzeugs ein, mit dem ich ihr nicht dienen konnte. Dennoch gelang es mir,

sie durch diese Bemühungen in jene lange währende wollüstige Agonie zu

stürzen, in der sie mir so schön erschien.

Meine Liebenswürdigkeit und die Zärtlichkeiten, die ich ihr erwies,

erfüllten sie mit einer lebhaften Zuneigung für mich, die ich nur mit jener

vergleichen kann, die Du für mich empfindest. Sie hat mich während dieser

Zärtlichkeiten oft auf das leidenschaftlichste erregt gesehen und

versicherte mir immer wieder, daß sie brennend gern für mich dasselbe tun

würde, wenn es nur möglich wäre, mich ohne Gefahr für mich selbst an diesen

Vergnügungen teilnehmen zu lassen. Sie wünschte leidenschaftlich, daß mein

Vater sich endlich entschließen würde, mich zu nehmen, und sie malte mir

diesen köstlichen Augenblick in den glühendsten Farben aus.

»Oh, meine liebe Laurette«, sagte sie, »wenn dieser Augenblick gekommen

ist, werden wir ein Fest feiern. Ich erwarte ihn mit Ungeduld, aber ich

glaube, es wird nicht mehr lange dauern. Deine Brüste sind schon gerundet,

und Deine Kleine ist hübsch behaart und von einem schönen Rot. Ich sehe es

an Deinen Augen, die Natur wird bald eine Frau aus Dir machen.«

Es dauerte tatsächlich nicht lange, so fühlte ich mich reichlich

unbehaglich. Mein Kopf war benommen, meine Augen hatten ihre Lebhaftigkeit

verloren, und ich litt an heftigen Krämpfen, die mir etwas völlig Neues

waren. Endlich, nach acht oder neun Tagen, war alles vorbei, und ich fühlte

mich so heiter wie zuvor und strahlte vor Gesundheit.

Wie freute ich mich über dieses Ereignis. Ich war ganz verrückt und umarmte

Lucette.

»Meine Liebe, wie glücklich werde ich sein!« Ich fiel meinem Vater um den

Hals und bedeckte ihn mit Küssen:

»Ach, endlich«, rief ich, »befinde ich mich in dem Zustand, in dem Du mich

so gerne sehen wolltest. Wie glücklich bin ich, daß ich Dein Verlangen

endlich befriedigen kann! Mein einziges Glück wird es sein, Dir ganz zu

gehören. Deine Liebe und deine Zärtlichkeit werden meine Seligkeit sein.«

Er nahm mich in seine Arme und zog mich auf seine Knie, um mir die

Zärtlichkeiten, die ich ihm erwies, wiederzugeben. Er preßte meine Brüste

und küßte sie. Er sog an meinen blühenden Lippen, seine Zunge vermählte

sich mit der meinen. Meine Schenkel, mein Hinterteil, ja selbst meine

kleine Spalte, alles war der brennenden Berührung seiner Hände

ausgeliefert.

»So ist er endlich gekommen, meine reizende Laura, jener beglückende

Augenblick, in dem Deine Zärtlichkeit und die meine sich im Strom der

Begierde vereinen werden. Noch heute werde ich Deine Jungfernschaft nehmen

und die Blume pflücken, die sich so herrlich entfaltet hat. Ich schulde es

Deiner Liebe. Du mußt allerdings wissen, daß die Wonnen, die unserer

Umarmung folgen werden, durch einige Augenblicke des Schmerzes erkauft

werden müssen. Ich werde Dir wehtun, wenn ich Deine Rose breche, mein

reizendes Kind.«

»Was macht das schon aus? Laß mich bluten, wenn Du willst, kein Opfer wird

mir zu groß sein. Ich begehre nichts so sehr, als Deine Lust und Deine

Befriedigung.«

Das Feuer der Leidenschaft brannte in seinen Augen wie in den meinen. Die

liebenswürdige Lucette, die an dem wunderbaren Opfer mitwirken wollte,

zeigte nicht weniger Rührung, als wenn sie das Opfer selbst an mir hätte

vollziehen sollen.

Sie führte mich in ein Gemach, das für den erhebenden Anlaß schon

vorbereitet worden war. Alles Tageslicht war daraus verbannt. Ein riesiges

Himmelbett, das ganz mit blauem Satin bezogen war, prangte inmitten der

Spiegel, von denen es umgeben war. In der Mitte des Bettes befand sich auf

den blauseidenen Decken ein Kissen, das gewissermaßen den Opferstein

darstellte.

Lucette verstand es ausgezeichnet, all die Vorzüge herauszustreichen,

welche die Natur mir gegeben hatte. Sie schmückte dieses freiwillige Opfer

mit feuerroten Strumpfbändern und einem Gürtel, der wie bei einer zweiten

Venus meine schlanke Taille zur Geltung brachte. Meine üppig fließenden

braunen Locken wurden gleichfalls durch ein rotes Band zusammengehalten. So

blieb ich ganz allein in dem Raum, in dem bald das köstlichste Opfer

stattfinden sollte. Ich betrachtete mich mit einer unbeschreiblichen

Zufriedenheit in den Spiegeln, die den blauseidenen Bettaltar umgaben. Mein

entblößter Körper schimmerte wie mattes Elfenbein. Meine jungen, zarten

Brüste erhoben sich wie strahlende Früchte, die von zwei Knospen in der

zartesten Rosenfarbe gekrönt wurden. Ein reizender goldfarbener Flaum

bedeckte den Ansatz meiner Schenkel und warf einen köstlichen Schatten auf

meine Liebesgrotte, die zwischen den beiden rosigen Lippen ein winziges

Ende der Klitoris erkennen ließ. Es war, als ob sich eine Zunge begehrlich

zwischen den beiden Lippen vorstreckte. Dazu meine schlanke Taille, meine

zierlichen Füße, meine schön geschwungenen Beine und wohl gerundeten

Schenkel, sowie ein Hinterteil, dessen rosige Rundungen zur Freude wie

geschaffen schienen!

Wirklich, selbst Amor hätte sich mit mir nicht messen können, wenn er mein

Geschlecht gehabt hätte. Das war in etwa der Tenor der Elogen, mit denen

Lucette meinem Vater gegenüber meine Schönheit pries. Ich fühlte mich

emporgetragen von einer Woge der Trunkenheit, von einem Liebesrausch

ohnegleichen. Wie glücklich war ich, den Mann, der mir so viel bedeutete,

mit meinem Überfluß zu beglücken.

Er prüfte und bewunderte all die Schätze, die vor ihm ausgebreitet waren.

Seine Hände, seine Lippen brannten auf meinem Körper. In uns beiden flammte

die Leidenschaft einer jungen Liebe auf, für die es keine Hindernisse gibt

und die endlich den Lohn ihrer Geduld und Sehnsucht zu pflücken hofft. Ich

hatte mir diesen Augenblick so lebhaft gewünscht und preßte den Urheber

künftiger Freuden mit einer Leidenschaft an mich, als wollte ich ihn nie

wieder aus meinen Armen entlassen.

Lucette entkleidete ihn vollständig. Er legte mich auf das Bett, so daß

mein Hinterteil auf dem Kissen zu liegen kam. Ich nahm die wundersame Waffe

in die Hand, durch die meine Jungfernschaft zerstört werden sollte. Oh, wie

liebkoste ich dieses schwellende Schwert, das nun bald gewaltsam meine Rose

durchbohren sollte, die mit solcher Sorgfalt viele Jahre hindurch gepflegt

worden war. Meine Phantasie brannte vor Verlangen nach diesem bedeutsamen

Augenblick. Meine Liebesgrotte verzehrte sich nach dem holden Eindringling,

dessen Nähe allein mich mit einem wundervollen Feuer der Begeisterung

erfüllte. Wir hielten uns umschlungen und lagen einer auf dem anderen.

Unsere Lippen, unsere Zungen vermählten sich. Ich wußte nicht mehr, was ich

tat, sondern schlang meine Beine um seine Lenden, und während ich ihm

entgegenkam, durchbohrte er mich mit einem einzigen schnellen Stoß. Der

heftige Schmerz, den ich in diesem Augenblick empfand, entriß mir einen

Schrei, der ihn von seinem Sieg überzeugte.

Lucette, die ihre Hand geschickt zwischen uns schob, begann mich zu

liebkosen, während ihre andere Hand meine Lenden streichelte. Der Schmerz

mischte sich mit Wollust, so wie sich der holde Tau der Lust mit meinen

Blutstropfen mischte. Ich fühlte eine zarte und unaussprechliche Wonne in

mir aufsteigen und versank in einen Abgrund der Lust. Kraftlos lag ich in

den Armen des Geliebten und fühlte mich sterben, während ich die

unaussprechlichsten Wonnen, eine subtile Art von Qual erlitt, die mir heute

noch unbeschreiblich erscheint.

Welch wundervoller Zustand! Neue Zärtlichkeiten riefen mich wieder ins

Leben zurück. Er küßte mich, seine Hand liebkoste meine Brüste und meine

Liebesgrotte, er spreizte meine Beine in die Luft, um sein Werk zu

besichtigen. Ich faßte währenddessen nach seinem Instrument, das unter

meinen Liebkosungen sofort seine ursprüngliche Festigkeit wieder annahm.

Und alsbald ging er wieder an meine Eroberung. Noch war das schmale

Pförtchen nicht leicht zu durchbrechen, doch die immer liebenswürdige

Lucette besänftigte mich durch ihre Liebkosungen, und ich versank von neuem

in jene wollüstige Apathie, die ich eben kennen gelernt hatte.

Der Mann, der mein Vater gewesen und nun mein Liebhaber war, nahm voller

Stolz über seine Eroberung und bezaubert von dem Opfer, das ich ihm

dargebracht hatte, das Kissen, auf dem dieses Opfer vollzogen worden war --

es zeigte die Spuren des vergossenen Blutes und betrachtete diese Trophäe

seines Sieges liebevoll.

»Meine Laura, geliebtes und liebenswürdiges Kind«, sagte er schließlich,

»Lucette hat Deine Lust gesteigert. Erscheint es Dir da nicht gerecht, daß

wir sie nun daran teilnehmen lassen?«

Ich umschlang ihren Hals und zog sie auf das Bett. Er nahm sie in die Arme

und zog mich an ihre Seite. Ich schürzte ihre Röcke und fand sie darunter

ganz feucht. »Ah, wie feucht Du bist, meine Liebe! Ich werde Dein Vergnügen

erhöhen, wenn ich es kann.« Ich nahm seine Hand und ließ ihn einen Finger

in ihre Grotte stecken, wo er Kommen und Gehen spielte, während ich sie

kitzelte. Sie zögerte nicht, in dieselbe wollüstige Ekstase zu verfallen,

die ich vorhin so glücklich an mir erfahren hatte.

O meine geliebte Eugenie, wie wundervoll war dieser Tag für mich! Ich

gestehe Dir, meine teure Freundin, es war der schönste Tag meines Lebens

und zugleich der erste, an dem ich die Wonnen der Liebe in ihrem vollen

Umfang erfahren habe. Selbst wenn ich heute daran denke, überkommt mich ein

wollüstiger Schauer, den ich Dir nicht beschreiben kann.

In dem Raum herrschte eine angenehme Wärme. Ich fühlte mich so, wie ich

war, unendlich wohl, und hatte kein Bedürfnis, mich wieder anzuziehen. Ich

befand mich in einer Art von süßem Wahnsinn und wollte, nackt wie ich war,

mit meinen beiden Lieben soupieren. Die wachsame Lucette hielt die

Dienerschaft fern. Sie war liebenswürdig genug, uns ganz allein zu

bedienen, nachdem sie die Türen sorgfältig verschlossen hatte. Ich wollte,

daß auch sie sich in diesem Zustand sehen ließ, und entkleidete sie

eigenhändig. Ah, wie reizend erschien sie mir. Wir setzten uns zu Tisch.

Mein Geliebter saß zwischen uns und wurde von uns beiden mit Zärtlichkeiten

verwöhnt, die er uns bereitwillig wiedergab.

Bald waren wir aufs Neue entflammt. In einem so erregten Zustand war es nur

verständlich, daß sich die geliebte Waffe, der ich mich vorhin so tapfer

unterworfen hatte, wieder in ihrer vollen Stärke aufrichtete. Die

Tafelfreuden verloren bald alles Interesse für uns, und wir eilten zu

unserem geliebten Bett. An diesem Tag, der einzig und allein mir gewidmet

war, empfand ich noch einmal die vollen Wonnen der Liebe.

Mein Geliebter legte sich an meine linke Seite, seine Schenkel unter den

meinen, die ich geöffnet hielt. Kräftig pochte seine Lanze an meinen

Eingang. Lucette nahm meinen Kopf zwischen ihre Knie. Ihre reizende Kleine

war direkt vor meinen Augen. Ich streichelte und kitzelte sie und liebkoste

ihr Hinterteil, das munter in die Luft ragte. Ihr Leib berührte meine

Brüste, ihre Schenkel waren zwischen meinen Armen. Wir glühten alle drei

vor Begierde. Sie öffnete meine Schamlippen, die von einem lebhaften Rot

waren, und versah mich mit jenem köstlichen Schwamm, der meinen Geliebten

in die Lage versetzen sollte, sich ohne alle Scheu in mich zu ergießen. Es

schmerzte mich ein wenig, als ihn Lucette mit behutsamen Fingern in mich

einführte, ich litt. Doch ertrug ich diesen Schmerz in der Hoffnung auf

eine höchst erfreuliche Sensation. Lucette selbst bahnte dem köstlichen

Instrument den Weg. Es drang mühelos ein, während sie mich kitzelte. Ich

leistete ihr währenddessen einen ähnlichen Dienst, während die Finger

meines Geliebten in Lucettes Grotte spielten. Er wiederholte dabei die

Bewegungen, die sein Instrument in mir vollführte. Ah -- all diese

Variationen, diese Stellungen, diese Vielfalt von Sensationen! Wir fühlten,

wie die Lust über uns zusammenschlug. Halb ohnmächtig vor Lust verströmten

wir uns beinahe gleichzeitig. Danach waren wir wohlig ermattet. Lucette

stand auf, um Ordnung zu machen, und als sie damit fertig war, legten wir

uns alle in ein Bett und schliefen aneinandergeschmiegt ein. Diese Nacht

war in meiner Vorstellung mehr als der festlichste Tag.

Ach, liebe Eugenie, warum übertrifft die Einbildungskraft die Wirklichkeit

immer wieder, wo diese allein doch unser Glück ausmachen kann? Ich glaubte

natürlich, daß nun alle Tage wie dieser eine sein würden, doch mein

väterlicher Geliebter, der weiterhin über meine Gesundheit wachte, machte

mir anderntags folgende fatale Eröffnung: »Meine teure Laurette, ich kann

Dir nicht verbergen, daß ich etwas tun muß, das uns allen schmerzlich sein,

wird. Dein Temperament ist noch nicht gefestigt genug, als daß ich Dich ihm

überlassen könnte, und Du bist mir viel zu teuer, als daß ich Dir nicht

alle Aufmerksamkeit widmen würde, deren ich fähig bin. Währenddessen wirst

Du nur unsere Zärtlichkeiten genießen. Du wirst in gewisser Weise an

unseren Vergnügungen teilnehmen, aber nur ab und zu wird Dir eine Nacht wie

diese vorbehalten sein; Du wirst sie ebenso angenehm finden wie die heutige

und wirst sie natürlich mit Ungeduld erwarten. Wenn Du mir gefallen willst,

wirst Du Dich diesen Entschlüssen widerstandslos und mit Freuden fügen.«

Diese Worte waren ein sicheres Mittel, zu erreichen, daß ich mich mit

meiner Lage ohne Murren abfand. Glaube nicht, meine Liebe, daß ich dabei

Eifersucht empfunden hätte.

Der gelüftete Vorhang oder Lauras Erziehung · 第 4 / 10 题