Wir erwachten und begrüßten einander zärtlich. Da wurde die Frau gemeldet,
die am Vormittag bei mir auf so seltsame Weise Maß genommen hatte. Sie
legte mir zu meinem nicht geringen Erstaunen eine Art von Seidenhose an,
die sich nur bis zur Mitte der Schenkel abstreifen ließ. Sie war gut
gearbeitet und genierte mich nicht. Nur, der Gürtel, der sie in der Taille
zusammenhielt und von dem eine Art Riemenzeug zwischen meinen Schenkeln
hindurchführte, war ein wenig knapp. Dieses Riemenzeug hatte vorn und
hinten je eine Öffnung, und in dieser befestigte mein Vater zu meinem
Unbehagen mittels eines kunstvoll gearbeiteten Kettchens eine samtbezogene
Metallplatte, die an zwei Stellen durchbrochen war, um den natürlichen
Bedürfnissen Genüge zu tun. Er verschloß das Ganze mittels eines kleinen,
sehr kostbar gearbeiteten Schlüssels.
»Meine teure Laura, geliebtes Kind«, sagte mein Vater und schloß mich in
seine Arme, »glaube nicht, daß andere Regungen als die meiner Liebe zu Dir
mich leiten. Der Zufall hat Dich Dinge gelehrt, die Du vor deinem
achtzehnten Lebensjahr gar nicht kennen solltest. Ich muß deshalb darüber
wachen, daß Dir daraus kein Schaden erwächst. Noch bist Du nicht imstande,
die Regungen der Natur richtig einzuschätzen. Ich werde Dich von Zeit zu
Zeit mehr darüber lehren, doch wirst Du kein Mittel finden, meine Ansichten
zu durchkreuzen.«
Ich war recht verärgert und vermochte meine üble Laune nicht zu verbergen.
Und ich hatte wirklich allen Grund, unzufrieden zu sein. Meine kleine
Grotte war gänzlich eingeschlossen. Zwar hinderte mich dieser unerfreuliche
Gegenstand, den mir die Fürsorge meines Vaters aufgezwungen hatte, nicht,
die Bedürfnisse der Natur zu verrichten, doch es war ganz und gar
unmöglich, einen Finger in die kleine Furche zwischen meinen Schenkeln
einzuführen oder sie gar durch Reibung zu erhitzen. Gerade dies hatte mein
Vater ja auch zu verhindern beabsichtigt. Du kannst Dir wohl vorstellen,
daß mir die so aufgezwungene Entbehrung wenig behagte. Ich habe mir später
oft gedacht, es wäre ganz nützlich, auch den jungen Burschen solch ein
Geschirr umzuhängen, um sie daran zu hindern, daß sie ihre Kräfte
vergeuden, ehe sie das richtige Alter erreicht haben. Auf diese Weise
könnte man eine vorzeitige Erschöpfung ihrer Kräfte leicht verhindern. Doch
läßt unsere Gesellschaft ihnen alle Freiheiten, während sie unsere nach
Kräften unterdrückt.
Während der nächsten fünf Jahre trug ich dieses Geschirr jeden Tag. Mein
Vater entfernte es jeden Abend, und Lucette wusch es sorgfältig. Er
untersuchte, ob ich mich nicht wundgescheuert hätte, und legte es mir
darauf wieder an. So habe ich diesen höchst unerfreulichen Gegenstand bis
ich sechzehn Jahre alt war ununterbrochen getragen.
Während dieser Zeit entwickelte sich mein Verstand, und ich lernte alle
möglichen nützlichen Dinge. Meine natürliche Neugier ließ mich unaufhörlich
nach dem Grund alles dessen forschen, was war. Mein Vater konnte mit mir
zufrieden sein. Von Jahr zu Jahr vergrößerte sich mein Wissen, und ich
wurde nicht müde zu lernen. Ich gewöhnte mich an das körperliche Gefängnis,
in dem ich mich befand, und als man mich schließlich daraus befreite, war
ich so weit gekommen, daß ich es für ganz natürlich hielt. Ich war von der
Nützlichkeit dieser Einrichtung überzeugt.
Vermutlich hätte ich ohne dieses Instrument meine Kräfte vorzeitig
vergeudet, denn das Beispiel, das mein Vater und Lucette mir gaben, hätte
mich angespornt. Diese beiden genierten sich nämlich nicht im Geringsten
vor mir. Doch je erwachsener ich wurde, desto mehr beschäftigte mich die
Frage, warum mein Vater solche Vorsichtsmaßnahmen mir gegenüber gebrauchte.
Ich war in meinem sechzehnten Lebensjahr, als er mir die Antwort auf meine
immer dringenderen Fragen schließlich gab. Als er mir das quälende
Instrument schließlich für immer abnahm, sagte ich zu ihm:
»Nach all diesem, mon cher papa, sagen Sie mir doch, was hat Sie dazu
veranlaßt, mich dieses ärgerliche Instrument tragen zu lassen, obwohl Sie
mir doch immer beteuert haben, wie zärtlich Sie mich lieben? Meine
Gouvernante ist viel besser daran als ich. Bedeutet Ihnen diese etwa mehr
als ich? Erklären Sie mir doch heute, was Sie dazu bewogen hat, so zu
handeln, wie Sie es taten!«
Mein Vater zog mich in seine Arme.
»Meine Zärtlichkeit und Fürsorge für Dich, mein Kind, erlauben es mir nicht
mehr, Dich als ein Kind zu betrachten. Du bist heute in einem Alter, da man
Dir so gut wie alles sagen kann, und das will ich nun tun.
Die Natur fördert bis zum fünfzehnten oder sechzehnten Lebensjahr eines
Menschen dessen Wachstum. Sie braucht dazu einmal länger, einmal kürzer, je
nach den Anlagen des Individuums. Doch im Allgemeinen reicht dieses Alter
für Dein Geschlecht aus. Im Alter von siebzehn oder achtzehn Jahren kann
man eine Frau als erwachsen ansehen. Bei den Männern braucht die Natur
länger, um ihre Vervollkommnung zu erreichen. Wenn man diese Zeit des
Reifens mißbraucht und Empfindungen und Handlungen vorwegnimmt, die einer
späteren Epoche angemessen sind, kann daraus ein beachtlicher Schaden
entstehen.
Die Frauen zum Beispiel, die allzu frühe Erfahrungen gemacht haben, die
ihrem Reifegrad nicht entsprechen, sterben früh oder bleiben klein,
schwächlich und anfällig, oder sie leiden an einer Schwindsucht, die vor
allem ihre Brust befällt und deren Opfer sie in Kürze werden. Manchmal
hindert sie auch eine Erkrankung des Blutes, ihre monatliche Regel
pünktlich und ausreichend zu bekommen. Daraus resultieren dann Vapeurs,
Hysterie und Nervenzufälle sowie die Qualen einer unersättlichen
Geschlechtsbegierde. All das beeinträchtigt die Tage eines solchen
unglücklichen Geschöpfes. Bei den jungen Männern ist es ganz ähnlich. Sie
erleiden die unglücklichsten Tage, wenn sie nicht gar vor der Zeit
sterben.«
Meine teure Eugenie, Du kannst dir wohl vorstellen, wie mich diese
Eröffnung erschreckte. Ich wurde mir in diesem Augenblick seiner
Freundschaft und der Sorge, die er um mein Wohlergehen trug, doppelt
bewußt. Es war nur seine Güte gewesen, die mir das verwehrt hatte, was ich
als ein hervorragendes Vergnügen zu betrachten geneigt war. Das Leben
erschien mir wieder recht angenehm, und wenn ich künftig ein Verlangen nach
einer gewissen Art von Vergnügen verspürte, würde ich aus Rücksicht auf
meine Gesundheit und mein Leben gern darauf verzichten.
»Ich habe diese Neigung in Dir wohl erkannt«, fuhr mein Vater fort, »und
bei Deiner Jugend hätten dich alle Gründe der Welt nicht davon zurückhalten
können. Deshalb habe ich diese Vorsichtsmaßregel getroffen, die Dir so
wenig gefallen hat. Doch nun werde ich darauf verzichten. Es wäre gut, wenn
man solche Schutzmaßnahmen bei allen jungen Leuten anwenden würde, die
durch unvorhergesehene Zufälle oder durch unkluge Personen zu früh über
Dinge unterrichtet wurden, die nicht für ihr jugendliches Alter bestimmt
sind.«
Die Furcht vor einer zerrütteten Gesundheit oder gar vor einem frühen Tod
war von nun an zwar in meiner Phantasie sehr lebendig. Doch andererseits
hatte ich gesehen, was mein Vater mit Lucette tat, und die Art, wie er mit
ihr lebte, hob die Wirkung dieser Furcht wieder auf. Ich konnte mich nicht
zurückhalten, ihm eines Tages meine Zweifel zu eröffnen.
»Warum, mein teurer Vater, haben Sie bei Lucette nicht dieselben
Vorkehrungen getroffen? ja, noch mehr: Warum tun Sie mit ihr laufend, was
Sie mir verweigern?«
»Aber mein liebes Kind, bedenke doch, Lucette ist völlig erwachsen. Sieh
nur den Überfluß der Natur in ihrem Körper. Sie ist schon imstande, andere
Lebewesen zu ernähren. Dieser Zustand, mein liebes Kind, kündigt sich durch
das pünktliche Auftreten, der monatlichen Regel an. Ich kann Dir nicht
verschweigen, daß es in ihrem Alter gefährlich wäre, wenn ein gewisser
Überfluß von Samen aufgestaut und in ihr zurückgehalten würde und so in
ihre Blutbahnen geriete. Dadurch würde in ihr ein gefährliches Feuer, eine
Art von sinnlicher Raserei entfacht werden.
Ihre Stimmungen und ihr Temperament würden darunter leiden, ja selbst die
Zirkulation der Säfte in ihrem Körper könnte dadurch ernsthaft gestört
werden. Das könnte ihre Gesundheit untergraben, Vapeurs und frenetische
Anfälle sowie viele andere Übel verursachen. Haben wir nicht genügend
Beispiele dafür in den Klöstern, wo die Frömmelei zum Despotismus wird und
wo es nichts gibt, was den unglücklichen Eingeschlossenen ihre Lage
erleichtern könnte? Man mischt Lotosabsud und Salpeter in ihre Getränke, um
die Anlagen eines lebhaften Temperaments zu unterdrücken. Doch nach einiger
Zeit bleiben diese Mittel ohne Wirkung oder sie zerstören den Magen, so daß
diese Gefangenen des Aberglaubens, die wie weiße Blumen dahinwelken, für
den Rest ihres Lebens von Verdauungsstörungen und inneren Schmerzen geplagt
sind, ja, an manchen dieser Schreckensorte werden sogar die Pensionärinnen
auf diese Weise behandelt, so daß sie schließlich alle möglichen Leiden und
Nervenanfälle davontragen, die eine Folge der gewaltsamen Unterdrückung
ihrer natürlichen Vitalität sind. Selbst Eltern, die ihre Kinder lieben,
beachten diesen Punkt viel zu wenig.
Du mußt wissen, meine liebe Laurette, daß sich das natürliche Temperament
in einem gewissen Alter bemerkbar macht. Das geschieht bei den einen früher
als bei den andern, und zwar durch die Verschiedenheit der natürlichen
Anlagen und der Qualität der Säfte, die in uns sind, aber auch durch eine
Veränderung in den Organen. Wenn diese Körpersäfte nicht rechtzeitig zum
Fließen kommen, strömen sie in die Blutbahn zurück. Manchmal verursachen
sie dann eine vollkommene Unterdrückung der natürlichen Impulse und damit
ein geradezu monströses Anschwellen des Leibes. Personen, die keine
natürliche Geschlechtsvereinigung kennengelernt haben, werden unter solchen
Umständen völlig gleichgültig und sind meist empfängnis- und
zeugungsunfähig.
Aber, mein teures Kind, in dem Alter, in dem die Säfte des Lebens zu
strömen beginnen, in dem das Feuer des Temperaments sich bemerkbar macht,
soll man diesem auch Genüge tun, und zwar sowohl, weil es für die
Gesundheit nützlich und notwendig ist, als auch, weil es die Schönheit und
Frische eines solchen glücklichen jungen Geschöpfes steigert. Es gibt
verschiedene Mittel dazu.
Stell Dir eine Frau in den Armen eines leidenschaftlichen Mannes vor. Wie
erregt ist sie allein vom Gegensatz der Geschlechter! Was bedeutet ihr mehr
als die Leidenschaft, die er für sie empfindet und die auch sie in sich
verspürt? Schon die bloße Gegenwart des Mannes wird für sie erregend.
Phantasie und Natur weisen ihr den Weg zu den wollüstigsten Empfindungen.
Daraus kannst Du ermessen, warum ich mich gegen Lucette anders verhalte als
gegen Dich.«
»Ah ja, mon cher papa! Weil ich Sie immer bei diesem Namen genannt habe,
werde ich mich auch jetzt Ihrer Erfahrung und Weisheit unterordnen. Aber
sagen Sie mir, in welchem Alter werden Sie mit mir tun, was Sie mit Lucette
so häufig getan haben? Ach, dieser Augenblick fehlt noch zu meinem Glück,
denn ich empfinde es schmerzlich, daß ich nicht all Ihr Verlangen zu
stillen imstande bin, daß ich Ihre Wünsche nicht in jeder Hinsicht
befriedigen kann.«
»Mein reizendes Kind, die Natur selbst spricht zu uns in einer leicht
verständlichen Sprache. Noch sind Deine Brüste nicht voll entwickelt, und
das Pelzchen, das Deine hübsche kleine Grotte bedeckt, ist noch recht
schütter. Kaum, daß Du die ersten Blüten Deiner Reife hervorgebracht hast.
Laß uns also noch etwas warten. Dann, geliebte Laurette, Du Kind meines
Herzens, werde ich dieses Geschenk von Deiner Zärtlichkeit empfangen. Du
wirst mich die Blüte pflücken lassen, die ich so sorgsam gepflegt habe.
Doch laß uns diesen glücklichen Augenblick nicht durch unsere Ungeduld
zerstören. Glaube nicht, daß ich Dich bis zu diesem Zeitpunkt Dir selbst
überlasse. Bei einer robusten Natur ist es nicht notwendig, diesem
Augenblick besondere Aufmerksamkeit zu schenken oder mit den Kräften des
Körpers besonders haushälterisch umzugehen. Aber bei einem sensiblen
Temperament muß man vorsichtig sein und bis zum siebzehnten oder
achtzehnten Jahr warten. Das ist der Zeitpunkt, an dem eine Frau völlig
erwachsen ist und sich ohne Schaden ihren Begierden überliefern kann.«
Alles, was er mir bei dieser Gelegenheit sagte, meine liebe Eugenie, hat
sich meinem Gedächtnis unauslöschlich eingeprägt. Du kannst Dir das wohl
denken. Seine Gründe erschienen mir sehr vernünftig und einleuchtend, und
seine Bereitwilligkeit, auf meine Fragen einzugehen, ermutigte mich,
weitere an ihn zu stellen.
Ich erinnerte mich, daß Lucette bei jenem ersten Mal, als ich die beiden
entdeckt hatte, in einem tiefen Schlaf zu liegen schien, und das war ein
Rätsel, das ich nur zu gern enthüllt gesehen hätte.
»Aber warum, teurer Papa, war Lucette an dem Abend, da ich euch zuerst
beobachtet habe, so tief entschlummert, daß sie nichts von dem zu bemerken
schien, was Sie mit ihr taten? Schlief sie wirklich oder spielte sie nur
die Schlafende?« wollte ich wissen.
»Ganz und gar nicht, meine Liebe«, versicherte mein Vater. »Sie hat
wirklich geschlafen. Aber das ist mein kleines Geheimnis. Soll ich es Dir
sagen? Ja, denn dieses Beispiel kann für dich nützlich sein. Ich muß dir
gestehen, daß mich mein Verlangen damals heftig quälte. Ich sah Lucette,
sie gefiel mir, und ich versprach mir ein gewisses Vergnügen von ihr. Doch
als ich bemerkte, daß sie zögerte, sich meinem Begehren auszuliefern,
ergriff ich die Initiative. Ich habe etwas Schlafpulver in ihren Liqueur
gemischt. Du hast die Wirkung gesehen. Doch habe ich mich nicht damit
begnügt. Denn ich fürchtete, daß sie erwachen und zornig werden könnte,
sich von mir in eine derartige Lage gebracht zu sehen. Um das zu
verhindern, habe ich ein gutes Mittel gefunden, das die Natur erregt und in
einen Zustand versetzt, in dem ihr die Zärtlichkeiten eines Mannes höchst
erwünscht erscheinen.
Das ist eine Art Zaubertrank. Nachdem ich sie also auf das Bett gelegt
hatte, rieb ich damit ihre Liebesgrotte, ihre Klitoris und ihre Schamlippen
ein. Diese Flüssigkeit hat die Eigenschaft, sogar einen impotenten Mann zu
leidenschaftlichem Leben zu erwecken, wenn man gewisse Partien seines
Körpers damit einreibt. Lucette schlief etwa eine Stunde lang, ehe sie
erwachte. Dann aber zeigte sie eine Leidenschaft und ein Feuer, das sich
kaum löschen ließ. Sie war ganz und gar nicht erstaunt, sich in meinen
Armen zu finden, sondern umschlang mich im Gegenteil zärtlich mit den
ihren. Weit davon entfernt, meiner Begierde Widerstand zu leisten, öffnete
sie -- angespornt von ihrem eigenen Verlangen -- ihre Schenkel und
bereitete mir so das lebhafteste Vergnügen, an welchem ich sie -- ganz und
gar nicht egoistisch -- teilnehmen ließ. Doch als vorsichtiger Mann dachte
ich daran, was geschehen könnte, wenn ich mich meiner Wollust völlig und
bedenkenlos hingab. Also zog ich mich in dem Augenblick, in dem ich das
Nahen der Lust spürte, ein wenig zurück und ergoß das lebenspendende Naß in
die Oberfläche ihrer Grotte und auf ihren Leib. Von diesem Tag an hat
Lucette sich immer meinen Wünschen überlassen, und ich habe nur meine
Unvorsichtigkeit und Deine Neugier zu beklagen, die Dich ein Geheimnis
enthüllen ließ, daß ganz und gar nicht für Dich bestimmt war. Sie weiß
übrigens nicht, daß ich Dir alles darüber gesagt habe, und Du mußt
Stillschweigen bewahren. Nicht wahr, Du wirst mein Vertrauen nicht
enttäuschen?«
»Bestimmt nicht, mein teurer Vater. Aber sagen Sie mir alles darüber.
Fürchten Sie nicht, ein Kind zu zeugen, wenn Sie sich einmal nicht früh
genug zurückziehen? Ist es möglich, daß Sie sich in diesem Punkt völlig auf
Ihre Selbstbeherrschung verlassen, können? Könnte es nicht sein, daß die
Macht der Begierde die Furcht, eine Unvorsichtigkeit zu begehen, auslöscht
und Sie weitergehen läßt, als Sie dies eigentlich möchten?«
»Ah, meine Kleine, wohin sich Deine neugierige Phantasie versteigt! Ich
sehe wohl, ich kann Dir nichts verbergen. Wenn ich Dir nicht die ganze
Wahrheit enthülle, werde ich bald die Torheit beklagen müssen, überhaupt
etwas gesagt zu haben. Aber ich glaube, damit nichts zu riskieren, denn
Deine Vernunft ist Deinem Alter weit voraus.
Wisse also, daß dieser Samen, wenn er nicht in die Matrix gelangt, an und
für sich gar nichts ausrichten kann. Auch kann er sich dort nicht
festsetzen, wenn man seinen natürlichen Fluß hemmt. Aus diesem Grund
versuchen manche Frauen, durch eine innere Bewegung den Samen in dem Moment
zurückzustoßen, in dem sie ihren Liebhaber in der Wonne des Genusses
glauben.
Doch das bedeutet für sie selbst eine arge Verkürzung des Vergnügens und
ist ganz und gar kein sicheres Mittel. Manche Männer haben geglaubt, sie
hätten nichts zu fürchten, wenn sie sich nahe an den Eingang zurückziehen.
Doch sie täuschen sich darin. Denn die Matrix ist eine recht lebhafte Pumpe
und versucht, sich auch des Samens zu bemächtigen, der nicht unmittelbar zu
ihrer Öffnung gelangte. Hinzu kommt noch, daß viele Männer sich im
Augenblick der Wollust über ihre eigene Selbstbeherrschung täuschen und so
den richtigen Moment versäumen. Ungewißheit und Furcht vor den möglichen
Folgen behindern also häufig das Vergnügen. Doch das Mittel, das ich bei
Lucette anwende, ist ziemlich sicher. Es gibt einem die Freiheit, sich ohne
alle Furcht dem Feuer seiner Leidenschaft überlassen zu können. Ich habe
deine hübsche Gouvernante am Tag, nachdem Du uns bemerkt hast, gebeten,
sich für unsere Liebesgefechte mit einem Schwamm zu bewaffnen, der in eine
bestimmte Flüssigkeit getaucht wurde. Dieser wird unmittelbar vor der
Matrix am Muttermund angebracht. Mittels einer dünnen Seidenschnur kann man
ihn ohne Schwierigkeiten wieder hervorholen. Selbst wenn die
Samenflüssigkeit in diesen Schwamm einzudringen vermag, würde doch die
Flüssigkeit, mit der er getränkt ist, seine Zeugungsfähigkeit vernichten.
Man weiß ja, daß selbst die Luft genügt, seine Kraft zu vernichten. Also
ist es ganz unmöglich, daß Lucette in unserer Verbindung je ein Kind
empfangen könnte.«
Ich habe nichts von diesen nützlichen Gesprächen je vergessen, meine liebe
Eugenie, und ich habe Dich zu deinem Nutzen davon unterrichtet, so daß auch
Du Dich ohne Furcht den Umarmungen Deines Liebsten überlassen kannst. Im
Übrigen machte meine Bildung gute Fortschritte. Ich bekam alle möglichen
Bücher in die Hand. Es gab in dieser Hinsicht nichts, was für mich verboten
gewesen wäre. Doch mein Vater lenkte meinen Geschmack besonders auf jene,
die der Wissenschaft dienten und somit weit von allem entfernt waren, woran
unser Geschlecht im Allgemeinen Gefallen findet. Ich will Dir nur ein
kleines Beispiel dafür berichten.
Er fragte mich eines Tages: »Kannst Du, meine geliebte Laura, in der
Unendlichkeit des Universums, das unseren Erdball umgibt, einen festen
Punkt finden? Zu welch unermeßlichen Dimensionen wird Deine Phantasie dabei
gelangen? Die Elemente der Natur und ihre Zahl sind noch immer unbekannt,
und es ist unmöglich zu erkennen, ob unsere Vorstellungen von der Welt und
vom Universum auch nur im Entferntesten der Wirklichkeit entsprechen. Wir
wissen nicht einmal, ob diese Elemente, welche die Bausteine der Welt und
des Lebens zu sein scheinen, absolut unveränderlich sind oder ob es möglich
ist, ihnen eine andere Form der Existenz zu geben und sie dadurch zu
verändern.
Inmitten dieser allgemeinen Unwissenheit erscheint es höchst lächerlich,
daß der Mensch es versuchen sollte, die Zahl dieser Elemente festzulegen.
Diese Wahrheit verdient es, daß man über sie nachdenkt, um in allem den
Willen der ewigen Ordnung zu erkennen. Gleichgültig, ob es sich nun um
eines oder um mehrere Elemente handelt, so bildet ihre Gesamtheit die
Körper, und sie finden sich im Feuer wie in der Materie vereint, welche die
törichten und voreingenommenen Geister unbewegt nennen.
Was hältst Du denn von jenen strahlenden Feuern, die wir Sterne nennen?
Weißt Du nicht, mein Kind, daß sie nichts sind als wüste feurige
Himmelskörper? Nimm nur die Sonne her, diesen gewaltigen Feuerball, der
dazu da zu sein scheint, einer Vielzahl von erdenklichen Himmelskörpern
Licht und Wärme und damit das Leben zu geben. Es ist gut möglich, daß viele
dieser entfernten Welten so wie unsere eigene bevölkert sind. Früher hat
man geglaubt, daß die Sterne nur dazu dienten, uns die Nacht zu erhellen.
Die Eigenliebe des Menschen hat ihn glauben lassen, er sei der Mittelpunkt
des Universums. Doch wozu sollten uns diese Himmelskörper dienen, wenn
Nebel und Wolken sie vor unserem Blick verbergen? Der Mond ist noch am
ehesten imstande, die hindernde Wolkendecke mit seinem Strahl zu
durchbrechen. Er erhellt uns das Dunkel der Nacht, aber das ist nicht seine
einzige Bestimmung. Man kann bis heute nicht feststellen, ob er nicht
selbst eine Welt für sich darstellt, eine Welt, deren Bewohner ebenso an
unserer Existenz zweifeln wie wir an ihrer, und die im Grunde ebenso
töricht sind wie wir zu glauben, daß sie allein alle Herrlichkeit des
Himmels bedeuten. Vielleicht sind sie ebenso anmaßend, vielleicht sind sie
aber auch erfinderischer als wir und haben ein gesünderes Urteil über die
Probleme des Lebens.
Die Planeten sind Welten wie die unsere und ohne Zweifel von Pflanzen und
Tieren belebt, die wir nicht kennen. Denn in der Natur scheint alles
möglich. Doch welche Rolle spielt, von diesem Gesichtspunkt aus gesehen, in
diesem unermeßlichen Universum unsere Welt? Ist sie etwa mehr als ein
belebter Punkt unter anderen belebten Punkten? Und wir selbst? Wie wäre es
möglich, daß wir angesichts unserer Bedeutungslosigkeit inmitten der
Unendlichkeit des Universums uns für Anfang und Ziel der Schöpfung halten
könnten?«
Auf diese Weise versuchte mein Vater Tag um Tag, Gedanken der Philosophie
in mich hineinzulegen und mich zum Denken anzuregen.
Ich fragte ihn eines Tages: »Was ist das schöpferische Sein, aus dem alles
hervorgegangen ist?«
Denn ich dachte bei mir, daß ich allzuwenig über dieses wunderbare, alles
belebende Wesen wisse. Mein Vater antwortete mir: »Dieses wunderbare
höchste Wesen ist unfaßbar! Man fühlt es, aber man kann es nicht erkennen.
Es entzieht sich unseren Spekulationen. Wenn es die verschiedenartigsten
Elemente gibt, so ist es seine Hand, aus der sie hervorgegangen sind. Er
hat sie durch seinen Willen und seine Kraft geschaffen. Es ist die Seele
des Universums, ohne die nichts von all dem bestehen könnte, was ist.
Kennen wir etwa die Quelle seiner Macht? Sehen wir nicht tagtäglich, wie
sich die Materie unter seinem Einfluß verändert, ohne daß wir die Ursache
dieser Veränderungen erkennen könnten? Und kann etwa das, was für eine
beschränkte Zeit geschaffen ist, nicht noch viel wunderbarer für die
Ewigkeit geschaffen sein? Doch genug für heute, mein Kind. Wenn Du etwas
älter geworden bist, werde ich versuchen, soweit ich es kann, dir die ewige
Wahrheit zu enthüllen, die sich für uns Menschen immer unter dem Schleier
des Geheimnisvollen verbirgt.«
Mein Vater gab mir häufig moralische Schriften zu lesen, welche die Dinge
nicht unter den gewöhnlichen Gesichtspunkten behandelten, sondern sie
vielmehr vom Standpunkt ihrer natürlichen Existenz aus betrachteten. So
lernte ich in allem die Gesetze der Natur zu erkennen, die dem menschlichen
Herzen unauslöschlich eingeprägt sind. Er lehrte mich in diesen Gesetzen
die einzige Norm des menschlichen Handelns zu erkennen. Denn alle anderen
Gesetze sind nur Verfremdungen von diesen. Die Regeln, die er mir gab,
waren ebenso einfach wie verständlich: »Tu für die anderen das«, sagte er,
»was Du möchtest, daß sie für Dich tun, und füge ihnen niemals etwas zu,
das Dir selbst unerwünscht wäre. Du siehst, meine Teure, daß diese
Wissenschaft, von der alle Welt in so hohen Tönen spricht, eigentlich ganz
einfach zu beherrschen ist. Und wenn jedermann sich an diese sittlichen
Grundsätze hielte, wäre das Glück aller Menschen auf dieser Welt
gesichert.«
Romane verbannte mein Vater fast gänzlich aus meinem Gesichtskreis. Ich
lernte es, dank seiner Bemühungen, in ihnen eine Ansammlung von
Gemeinplätzen und menschlicher Dummheit zu sehen. Es gab nur ganz wenige
Ausnahmen von dieser Regel. Zumeist erlaubte mir mein Vater jene, die einen
moralischen Hintergrund hatten. Nur wenige von ihnen zeichneten die
Menschen in ihren natürlichen Farben, mit ihren Fehlern und Vorzügen. Die
meisten Romanautoren scheinen pausenlos damit beschäftigt, ihre Helden in
den anziehendsten Farben zu malen.
Ach, meine Liebe, wie weit sind sie von der Wirklichkeit entfernt!
Betrachtet man die einen und die anderen, wie viel Unwirklichkeit entdeckt
man in diesen Darstellungen. Ich finde viel mehr Gefallen an den Büchern
der großen Weltreisenden, denn in ihnen lerne ich den Charakter und die
Sitten anderer Völker kennen. Ich begriff bald, daß sie im Grund nur ein
Spiegel unserer eigenen sind. Ich fing an, die Menschheit in ihrer
Gesamtheit zu verstehen, aber auch die Rolle zu begreifen, welche die
Gesellschaft bei der Bildung der einzelnen Charaktere spielt. Sodann
beschäftigte ich mich auch mit historischen Schriften. Indem diese die
Sitten und Gebräuche der Antike wiedergaben, erkannte ich aus ihnen, wie
nach und nach ein bestimmtes Weltbild entstanden ist, um nach einer Weile
neuen Erkenntnissen zu weichen. Am meisten liebte ich allerdings die Werke
unserer Poeten. Diese erschienen mir sehr amüsant, und einige von ihnen
sind für ewige Zeiten in meinem Gedächtnis haften geblieben.
Dann eines Tages gab mir mein Vater ein Buch, das seine besondere
Aufmerksamkeit erregt zu haben schien. »Lies es, meine liebe Laura«, sagte
er. »Ein Genie, wie unsere Zeit nur wenige hervorbringt, hat es
geschrieben. Es wird leicht in Deinem Gedächtnis haften. Seine Philosophie
und elegante Sprache wird Dir gefallen. Der Mann, der es geschrieben hat,
ist ein Meister seines Fachs, und die Ideen, die er unter dem Vorwand einer
Fabel zu Papier gebracht hat, werden Dich faszinieren.«
Zu welchem Irrtum führt uns unsere Eigenliebe und Eitelkeit doch oft! Dies
kann nur ein aufmerksamer und gedankenvoller Beobachter erkennen. Dabei ist
es doch eine ebenso einfache wie unveränderliche Wahrheit, daß sich alles
in diesem Leben zu einer Kette fügt, um einer gewissen Ordnung zu folgen,
die sowohl für die Gesamtheit des Seins als auch für den einzelnen gilt.
Unvorhergesehene Umstände zwingen die Ideen und Handlungen der Menschen.
Entfernte und daher kaum bemerkbare Ursachen führen zu einer Kette von
Beziehungen, die fast immer willkürlich erscheinen. Der einzelne meint, daß
alles von seiner Entscheidung abhänge, von der Wahl, die er für sich oder
andere trifft, doch in Wirklichkeit entwickelt sich alles fast ohne sein
Zutun. Natur, Charakter und Temperament sind nur das Material, aus dem der
Ewige Beweger die Rollen formt, die er jedem einzelnen von uns zugedacht
hat.
Wenn man manche unerfreulichen Ereignisse verhindern kann, so ist das
nichts anderes als ein gewisser Weitblick, eine Klugheit, die den Blick für
diese Kette von Umständen schärft, die man doch nicht ändern kann und die
selbst für jene eine unwiderstehliche Macht ist, die das Übel schaffen. Am
weisesten ist jener, der sich dem natürlichen Lauf der Dinge überläßt. Dir,
meine liebe Eugenie, läßt Dein Geist alles leicht erscheinen. Deine
Sanftheit wird Dich glücklich erhalten, und Du verstehst es, Deine Freiheit
zu bewahren, trotz der Fesseln, die man Dir auferlegt. Du genießt die
Vergnügungen, die Du Dir erfindest und beklagst Dich nicht über jene, die
Dir fehlen. Doch höre meine Geschichte weiter!
Ich wurde älter, und gegen Ende meines sechzehnten Jahres veränderte sich
meine Situation. Ich sah damals schon recht erwachsen aus. Meine Formen
waren voller geworden, meine Brüste hatten an Umfang zugenommen, und ich
bewunderte ihre reizenden Rundungen jeden Tag. Auch Lucette und meinen
Vater ließ ich diese wundervolle Entwicklung bestaunen. Sie küßten die
knospenden Hügel um die Wette, ich nahm ihre Hände und führte sie an meinen
Busen, damit sie sich von der schwellenden Herrlichkeit überzeugen könnten.
So gab ich ihnen tausend Zeichen meiner Ungeduld.
Ohne jedes Vorurteil aufgewachsen, hörte ich nichts anderes als die Stimme
der Natur. Sie allein lehrte mich. Selbst wenn ich in Lucettes Gegenwart
badete, fühlte ich mich erregt. Ich lebte in einer sehr intimen
Gemeinschaft mit ihr. Meistens schlief ich mit ihr; immer tat ich dies,
wenn mein Vater abwesend war. Dann übernahm ich bei ihr seine Rolle, so gut
dies eben möglich war. Ich umarmte sie, saugte an ihrer Zunge und ihren
Brustspitzen, ich küßte ihre Lenden und ihren Schoß, ich liebkoste und
kraulte ihre Liebesgrotte. Meine Finger nahmen die Stelle jenes wunderbaren
Werkzeugs ein, mit dem ich ihr nicht dienen konnte. Dennoch gelang es mir,
sie durch diese Bemühungen in jene lange währende wollüstige Agonie zu
stürzen, in der sie mir so schön erschien.
Meine Liebenswürdigkeit und die Zärtlichkeiten, die ich ihr erwies,
erfüllten sie mit einer lebhaften Zuneigung für mich, die ich nur mit jener
vergleichen kann, die Du für mich empfindest. Sie hat mich während dieser
Zärtlichkeiten oft auf das leidenschaftlichste erregt gesehen und
versicherte mir immer wieder, daß sie brennend gern für mich dasselbe tun
würde, wenn es nur möglich wäre, mich ohne Gefahr für mich selbst an diesen
Vergnügungen teilnehmen zu lassen. Sie wünschte leidenschaftlich, daß mein
Vater sich endlich entschließen würde, mich zu nehmen, und sie malte mir
diesen köstlichen Augenblick in den glühendsten Farben aus.
»Oh, meine liebe Laurette«, sagte sie, »wenn dieser Augenblick gekommen
ist, werden wir ein Fest feiern. Ich erwarte ihn mit Ungeduld, aber ich
glaube, es wird nicht mehr lange dauern. Deine Brüste sind schon gerundet,
und Deine Kleine ist hübsch behaart und von einem schönen Rot. Ich sehe es
an Deinen Augen, die Natur wird bald eine Frau aus Dir machen.«
Es dauerte tatsächlich nicht lange, so fühlte ich mich reichlich
unbehaglich. Mein Kopf war benommen, meine Augen hatten ihre Lebhaftigkeit
verloren, und ich litt an heftigen Krämpfen, die mir etwas völlig Neues
waren. Endlich, nach acht oder neun Tagen, war alles vorbei, und ich fühlte
mich so heiter wie zuvor und strahlte vor Gesundheit.
Wie freute ich mich über dieses Ereignis. Ich war ganz verrückt und umarmte
Lucette.
»Meine Liebe, wie glücklich werde ich sein!« Ich fiel meinem Vater um den
Hals und bedeckte ihn mit Küssen:
»Ach, endlich«, rief ich, »befinde ich mich in dem Zustand, in dem Du mich
so gerne sehen wolltest. Wie glücklich bin ich, daß ich Dein Verlangen
endlich befriedigen kann! Mein einziges Glück wird es sein, Dir ganz zu
gehören. Deine Liebe und deine Zärtlichkeit werden meine Seligkeit sein.«
Er nahm mich in seine Arme und zog mich auf seine Knie, um mir die
Zärtlichkeiten, die ich ihm erwies, wiederzugeben. Er preßte meine Brüste
und küßte sie. Er sog an meinen blühenden Lippen, seine Zunge vermählte
sich mit der meinen. Meine Schenkel, mein Hinterteil, ja selbst meine
kleine Spalte, alles war der brennenden Berührung seiner Hände
ausgeliefert.
»So ist er endlich gekommen, meine reizende Laura, jener beglückende
Augenblick, in dem Deine Zärtlichkeit und die meine sich im Strom der
Begierde vereinen werden. Noch heute werde ich Deine Jungfernschaft nehmen
und die Blume pflücken, die sich so herrlich entfaltet hat. Ich schulde es
Deiner Liebe. Du mußt allerdings wissen, daß die Wonnen, die unserer
Umarmung folgen werden, durch einige Augenblicke des Schmerzes erkauft
werden müssen. Ich werde Dir wehtun, wenn ich Deine Rose breche, mein
reizendes Kind.«
»Was macht das schon aus? Laß mich bluten, wenn Du willst, kein Opfer wird
mir zu groß sein. Ich begehre nichts so sehr, als Deine Lust und Deine
Befriedigung.«
Das Feuer der Leidenschaft brannte in seinen Augen wie in den meinen. Die
liebenswürdige Lucette, die an dem wunderbaren Opfer mitwirken wollte,
zeigte nicht weniger Rührung, als wenn sie das Opfer selbst an mir hätte
vollziehen sollen.
Sie führte mich in ein Gemach, das für den erhebenden Anlaß schon
vorbereitet worden war. Alles Tageslicht war daraus verbannt. Ein riesiges
Himmelbett, das ganz mit blauem Satin bezogen war, prangte inmitten der
Spiegel, von denen es umgeben war. In der Mitte des Bettes befand sich auf
den blauseidenen Decken ein Kissen, das gewissermaßen den Opferstein
darstellte.
Lucette verstand es ausgezeichnet, all die Vorzüge herauszustreichen,
welche die Natur mir gegeben hatte. Sie schmückte dieses freiwillige Opfer
mit feuerroten Strumpfbändern und einem Gürtel, der wie bei einer zweiten
Venus meine schlanke Taille zur Geltung brachte. Meine üppig fließenden
braunen Locken wurden gleichfalls durch ein rotes Band zusammengehalten. So
blieb ich ganz allein in dem Raum, in dem bald das köstlichste Opfer
stattfinden sollte. Ich betrachtete mich mit einer unbeschreiblichen
Zufriedenheit in den Spiegeln, die den blauseidenen Bettaltar umgaben. Mein
entblößter Körper schimmerte wie mattes Elfenbein. Meine jungen, zarten
Brüste erhoben sich wie strahlende Früchte, die von zwei Knospen in der
zartesten Rosenfarbe gekrönt wurden. Ein reizender goldfarbener Flaum
bedeckte den Ansatz meiner Schenkel und warf einen köstlichen Schatten auf
meine Liebesgrotte, die zwischen den beiden rosigen Lippen ein winziges
Ende der Klitoris erkennen ließ. Es war, als ob sich eine Zunge begehrlich
zwischen den beiden Lippen vorstreckte. Dazu meine schlanke Taille, meine
zierlichen Füße, meine schön geschwungenen Beine und wohl gerundeten
Schenkel, sowie ein Hinterteil, dessen rosige Rundungen zur Freude wie
geschaffen schienen!
Wirklich, selbst Amor hätte sich mit mir nicht messen können, wenn er mein
Geschlecht gehabt hätte. Das war in etwa der Tenor der Elogen, mit denen
Lucette meinem Vater gegenüber meine Schönheit pries. Ich fühlte mich
emporgetragen von einer Woge der Trunkenheit, von einem Liebesrausch
ohnegleichen. Wie glücklich war ich, den Mann, der mir so viel bedeutete,
mit meinem Überfluß zu beglücken.
Er prüfte und bewunderte all die Schätze, die vor ihm ausgebreitet waren.
Seine Hände, seine Lippen brannten auf meinem Körper. In uns beiden flammte
die Leidenschaft einer jungen Liebe auf, für die es keine Hindernisse gibt
und die endlich den Lohn ihrer Geduld und Sehnsucht zu pflücken hofft. Ich
hatte mir diesen Augenblick so lebhaft gewünscht und preßte den Urheber
künftiger Freuden mit einer Leidenschaft an mich, als wollte ich ihn nie
wieder aus meinen Armen entlassen.
Lucette entkleidete ihn vollständig. Er legte mich auf das Bett, so daß
mein Hinterteil auf dem Kissen zu liegen kam. Ich nahm die wundersame Waffe
in die Hand, durch die meine Jungfernschaft zerstört werden sollte. Oh, wie
liebkoste ich dieses schwellende Schwert, das nun bald gewaltsam meine Rose
durchbohren sollte, die mit solcher Sorgfalt viele Jahre hindurch gepflegt
worden war. Meine Phantasie brannte vor Verlangen nach diesem bedeutsamen
Augenblick. Meine Liebesgrotte verzehrte sich nach dem holden Eindringling,
dessen Nähe allein mich mit einem wundervollen Feuer der Begeisterung
erfüllte. Wir hielten uns umschlungen und lagen einer auf dem anderen.
Unsere Lippen, unsere Zungen vermählten sich. Ich wußte nicht mehr, was ich
tat, sondern schlang meine Beine um seine Lenden, und während ich ihm
entgegenkam, durchbohrte er mich mit einem einzigen schnellen Stoß. Der
heftige Schmerz, den ich in diesem Augenblick empfand, entriß mir einen
Schrei, der ihn von seinem Sieg überzeugte.
Lucette, die ihre Hand geschickt zwischen uns schob, begann mich zu
liebkosen, während ihre andere Hand meine Lenden streichelte. Der Schmerz
mischte sich mit Wollust, so wie sich der holde Tau der Lust mit meinen
Blutstropfen mischte. Ich fühlte eine zarte und unaussprechliche Wonne in
mir aufsteigen und versank in einen Abgrund der Lust. Kraftlos lag ich in
den Armen des Geliebten und fühlte mich sterben, während ich die
unaussprechlichsten Wonnen, eine subtile Art von Qual erlitt, die mir heute
noch unbeschreiblich erscheint.
Welch wundervoller Zustand! Neue Zärtlichkeiten riefen mich wieder ins
Leben zurück. Er küßte mich, seine Hand liebkoste meine Brüste und meine
Liebesgrotte, er spreizte meine Beine in die Luft, um sein Werk zu
besichtigen. Ich faßte währenddessen nach seinem Instrument, das unter
meinen Liebkosungen sofort seine ursprüngliche Festigkeit wieder annahm.
Und alsbald ging er wieder an meine Eroberung. Noch war das schmale
Pförtchen nicht leicht zu durchbrechen, doch die immer liebenswürdige
Lucette besänftigte mich durch ihre Liebkosungen, und ich versank von neuem
in jene wollüstige Apathie, die ich eben kennen gelernt hatte.
Der Mann, der mein Vater gewesen und nun mein Liebhaber war, nahm voller
Stolz über seine Eroberung und bezaubert von dem Opfer, das ich ihm
dargebracht hatte, das Kissen, auf dem dieses Opfer vollzogen worden war --
es zeigte die Spuren des vergossenen Blutes und betrachtete diese Trophäe
seines Sieges liebevoll.
»Meine Laura, geliebtes und liebenswürdiges Kind«, sagte er schließlich,
»Lucette hat Deine Lust gesteigert. Erscheint es Dir da nicht gerecht, daß
wir sie nun daran teilnehmen lassen?«
Ich umschlang ihren Hals und zog sie auf das Bett. Er nahm sie in die Arme
und zog mich an ihre Seite. Ich schürzte ihre Röcke und fand sie darunter
ganz feucht. »Ah, wie feucht Du bist, meine Liebe! Ich werde Dein Vergnügen
erhöhen, wenn ich es kann.« Ich nahm seine Hand und ließ ihn einen Finger
in ihre Grotte stecken, wo er Kommen und Gehen spielte, während ich sie
kitzelte. Sie zögerte nicht, in dieselbe wollüstige Ekstase zu verfallen,
die ich vorhin so glücklich an mir erfahren hatte.
O meine geliebte Eugenie, wie wundervoll war dieser Tag für mich! Ich
gestehe Dir, meine teure Freundin, es war der schönste Tag meines Lebens
und zugleich der erste, an dem ich die Wonnen der Liebe in ihrem vollen
Umfang erfahren habe. Selbst wenn ich heute daran denke, überkommt mich ein
wollüstiger Schauer, den ich Dir nicht beschreiben kann.
In dem Raum herrschte eine angenehme Wärme. Ich fühlte mich so, wie ich
war, unendlich wohl, und hatte kein Bedürfnis, mich wieder anzuziehen. Ich
befand mich in einer Art von süßem Wahnsinn und wollte, nackt wie ich war,
mit meinen beiden Lieben soupieren. Die wachsame Lucette hielt die
Dienerschaft fern. Sie war liebenswürdig genug, uns ganz allein zu
bedienen, nachdem sie die Türen sorgfältig verschlossen hatte. Ich wollte,
daß auch sie sich in diesem Zustand sehen ließ, und entkleidete sie
eigenhändig. Ah, wie reizend erschien sie mir. Wir setzten uns zu Tisch.
Mein Geliebter saß zwischen uns und wurde von uns beiden mit Zärtlichkeiten
verwöhnt, die er uns bereitwillig wiedergab.
Bald waren wir aufs Neue entflammt. In einem so erregten Zustand war es nur
verständlich, daß sich die geliebte Waffe, der ich mich vorhin so tapfer
unterworfen hatte, wieder in ihrer vollen Stärke aufrichtete. Die
Tafelfreuden verloren bald alles Interesse für uns, und wir eilten zu
unserem geliebten Bett. An diesem Tag, der einzig und allein mir gewidmet
war, empfand ich noch einmal die vollen Wonnen der Liebe.
Mein Geliebter legte sich an meine linke Seite, seine Schenkel unter den
meinen, die ich geöffnet hielt. Kräftig pochte seine Lanze an meinen
Eingang. Lucette nahm meinen Kopf zwischen ihre Knie. Ihre reizende Kleine
war direkt vor meinen Augen. Ich streichelte und kitzelte sie und liebkoste
ihr Hinterteil, das munter in die Luft ragte. Ihr Leib berührte meine
Brüste, ihre Schenkel waren zwischen meinen Armen. Wir glühten alle drei
vor Begierde. Sie öffnete meine Schamlippen, die von einem lebhaften Rot
waren, und versah mich mit jenem köstlichen Schwamm, der meinen Geliebten
in die Lage versetzen sollte, sich ohne alle Scheu in mich zu ergießen. Es
schmerzte mich ein wenig, als ihn Lucette mit behutsamen Fingern in mich
einführte, ich litt. Doch ertrug ich diesen Schmerz in der Hoffnung auf
eine höchst erfreuliche Sensation. Lucette selbst bahnte dem köstlichen
Instrument den Weg. Es drang mühelos ein, während sie mich kitzelte. Ich
leistete ihr währenddessen einen ähnlichen Dienst, während die Finger
meines Geliebten in Lucettes Grotte spielten. Er wiederholte dabei die
Bewegungen, die sein Instrument in mir vollführte. Ah -- all diese
Variationen, diese Stellungen, diese Vielfalt von Sensationen! Wir fühlten,
wie die Lust über uns zusammenschlug. Halb ohnmächtig vor Lust verströmten
wir uns beinahe gleichzeitig. Danach waren wir wohlig ermattet. Lucette
stand auf, um Ordnung zu machen, und als sie damit fertig war, legten wir
uns alle in ein Bett und schliefen aneinandergeschmiegt ein. Diese Nacht
war in meiner Vorstellung mehr als der festlichste Tag.
Ach, liebe Eugenie, warum übertrifft die Einbildungskraft die Wirklichkeit
immer wieder, wo diese allein doch unser Glück ausmachen kann? Ich glaubte
natürlich, daß nun alle Tage wie dieser eine sein würden, doch mein
väterlicher Geliebter, der weiterhin über meine Gesundheit wachte, machte
mir anderntags folgende fatale Eröffnung: »Meine teure Laurette, ich kann
Dir nicht verbergen, daß ich etwas tun muß, das uns allen schmerzlich sein,
wird. Dein Temperament ist noch nicht gefestigt genug, als daß ich Dich ihm
überlassen könnte, und Du bist mir viel zu teuer, als daß ich Dir nicht
alle Aufmerksamkeit widmen würde, deren ich fähig bin. Währenddessen wirst
Du nur unsere Zärtlichkeiten genießen. Du wirst in gewisser Weise an
unseren Vergnügungen teilnehmen, aber nur ab und zu wird Dir eine Nacht wie
diese vorbehalten sein; Du wirst sie ebenso angenehm finden wie die heutige
und wirst sie natürlich mit Ungeduld erwarten. Wenn Du mir gefallen willst,
wirst Du Dich diesen Entschlüssen widerstandslos und mit Freuden fügen.«
Diese Worte waren ein sicheres Mittel, zu erreichen, daß ich mich mit
meiner Lage ohne Murren abfand. Glaube nicht, meine Liebe, daß ich dabei
Eifersucht empfunden hätte.