»Zu viel! zu viel!«
Diese Strafe ist überstanden. Emma wurde wieder frei. Sie fing das alte
Treiben aufs Neue an; doch -- wie man hört, und es ihre Jahre vermuthen
lassen -- für sich mit schlechtem Erfolg. Dagegen hat sie eine Art von
Pflanzschule um sich --
»Genug! Beim Himmel, genug!« -- Ich riß mich von Wilhelminen weg, und
eilte zu meinem Lager, wo ich aber die ganze Nacht keine Ruhe fand. Eine
mehrtägige Krankheit folgte den Gemüthsbewegungen an dem schrecklichen Tag.
Dann ergriff ich meinen Entschluß, und sagte der Schwester: »Meine Liebe
ist dahin! Ohne Liebe noch zu heirathen, wäre Thorheit. -- Wie hoch
belaufen sich die Schulden des Vaters und Deines Mannes?«
Seufzend erwiederte sie: Wohl auf viertausend Thaler.
»Die bezahle ich.«
Bruder! -- O Bruder!
»Von den Zinsen meines übrigen Vermögens will ich Deine Kinder erziehen
helfen, sie mögen einst meine Erben seyn. Ich will mich auch um ein Amt
hier bewerben, so kann ich desto mehr thun, und finde Zerstreuung in den
Geschäften.«
Wilhelmine umarmte mich mit Freudenthränen. Es wurde mir doch etwas
leicht, daß ich solche Thränen fließen sah. Gott, rief ich, so frommen also
Schönheit, Talente, Bildung und andre beneidete Vorzüge nicht, wenn das
Glück nicht auch lächelt! O Jugend, auf das Unglück schicke Dich an, und
wahrlich am meisten, wenn Dir solche Vorzüge eigen sind!
Mit einer edlen Fühlbarkeit sagte Wilhelmine nach einigem Schweigen:
Und -- Emma?
»O die Verworfne!«
Auch die am tiefsten gefallen sind -- bleiben Menschen.
»O gute Schwester!«
Du hast sie geliebt.
»Ich gebe ihr ein kleines Jahrgeld.«