Es kam an den Tag. Emma wurde auf vier Jahre ins Zuchthaus geschickt --

»Zu viel! zu viel!«

Diese Strafe ist überstanden. Emma wurde wieder frei. Sie fing das alte

Treiben aufs Neue an; doch -- wie man hört, und es ihre Jahre vermuthen

lassen -- für sich mit schlechtem Erfolg. Dagegen hat sie eine Art von

Pflanzschule um sich --

»Genug! Beim Himmel, genug!« -- Ich riß mich von Wilhelminen weg, und

eilte zu meinem Lager, wo ich aber die ganze Nacht keine Ruhe fand. Eine

mehrtägige Krankheit folgte den Gemüthsbewegungen an dem schrecklichen Tag.

Dann ergriff ich meinen Entschluß, und sagte der Schwester: »Meine Liebe

ist dahin! Ohne Liebe noch zu heirathen, wäre Thorheit. -- Wie hoch

belaufen sich die Schulden des Vaters und Deines Mannes?«

Seufzend erwiederte sie: Wohl auf viertausend Thaler.

»Die bezahle ich.«

Bruder! -- O Bruder!

»Von den Zinsen meines übrigen Vermögens will ich Deine Kinder erziehen

helfen, sie mögen einst meine Erben seyn. Ich will mich auch um ein Amt

hier bewerben, so kann ich desto mehr thun, und finde Zerstreuung in den

Geschäften.«

Wilhelmine umarmte mich mit Freudenthränen. Es wurde mir doch etwas

leicht, daß ich solche Thränen fließen sah. Gott, rief ich, so frommen also

Schönheit, Talente, Bildung und andre beneidete Vorzüge nicht, wenn das

Glück nicht auch lächelt! O Jugend, auf das Unglück schicke Dich an, und

wahrlich am meisten, wenn Dir solche Vorzüge eigen sind!

Mit einer edlen Fühlbarkeit sagte Wilhelmine nach einigem Schweigen:

Und -- Emma?

»O die Verworfne!«

Auch die am tiefsten gefallen sind -- bleiben Menschen.

»O gute Schwester!«

Du hast sie geliebt.

»Ich gebe ihr ein kleines Jahrgeld.«

Kleine Lebensgemälde in Erzählungen · 第 6 / 8 题