»Ich liebe sie noch, gute Wilhelmine! Hat sie keinen Mann -- wie auch ihre
Schönheit verblüht seyn mag, ich gebe ihr meine Hand!«
Dies -- kannst Du nicht!
»Warum nicht? Ihre Armuth soll mich nicht zurückstoßen. Sie hat einst
mein Herz reich an schönen Empfindungen gemacht, die im Zeitstrom nicht
untergegangen sind. Ich habe kein andres Hoffen mehr, als Emma noch mein zu
nennen.«
Dies kannst Du ... nein, frage mich nicht. Erkundige Dich bei Andern.
»Auch hier also warten entsetzliche Nachrichten auf mich? So gieb Du sie
mir. Wen an Einem Tage schon so viele Dolche trafen, der ist auf Alles
gefaßt.«
Ich möchte nicht gern ... mache Dich frei von dieser unglücklichen Neigung!
»Diese Neigung ist mein Glück. Ich will Emma mein nennen!«
Dies kannst Du -- wenn Du es denn durchaus hören willst -- um einen mäßigen
Preis --
»Was sagst Du, Schwester! Ich hoffe doch nicht ...«
Ihr blieb nach dem Tode ihres Vaters weiter nichts übrig, als sich mit
Putzarbeiten zu ernähren. Doch, an Hochleben und Müßiggang gewöhnt, wollte
sie sich in Spärlichkeit und Fleiß nicht fügen. -- Ihr Ruf ward zweideutig.
»Gott!«
Nach und nach sank Emma tiefer, und wurde zuletzt als öffentliche Buhlerin
bekannt. Da zog sie den Sohn eines reichen Kaufmanns an sich, plünderte
ihn aus, und verführte ihn, die Kasse seines Vaters um nahmhafte Summen zu
bestehlen ...
»Höre auf. Doch nein -- nein -- ende!«