Ich fragte: »Ist er verheirathet?«

Gewesen, erwiederte Eduard; aber von seiner Frau geschieden. Sie war die

Tochter des Rektors. Durch ihn kam er noch endlich zu dem Amt, das er sonst

wohl nicht erlangt hätte.

Ich empfahl mich den alten Bekannten, ohne weitere Fragen zu thun, weil

ich vor der Hand genug hatte. Schwermüthig über Zeit und Menschenloos

nachsinnend, ging ich nach meinem Wagen, und fuhr in die Stadt.

Es sah artiger darin aus, als vordem. Einige neue, einige verschönerte

Häuser, mehr Aufwand im Anzug der Bürgersleute, die mir auf der Straße zu

Gesicht kamen, zeugten von vermehrter Wohlhabenheit. Doch späterhin erfuhr

ich: es wäre nur mehr als sonst üblich, um schimmernde Außenseiten bemüht

zu seyn; den alten ächteren Wohlstand habe der Krieg zerstört.

Ich ließ vor einem Gasthof halten. Als ich aus dem Wagen stieg, kam der

Advokat Sauer aus der Thür. Er hatte am wenigsten gealtert, auch sich

sonst eben nicht verändert; nur noch etwas grämlicher war das stets düstre

schwammichte Gesicht geworden. Augenblicklich erkannte ich ihn, sagte

ihm indeß nur eine flüchtige, kühle Höflichkeit; weil er mir ehedem nicht

gefallen hatte.

Schwager, fiel er mir ins Wort; Schwager, kommt Ihr einmal wieder zu uns?

Willkommen aus Sibirien.

Ich stutzte über die Anrede und den vertraulichen Ton. Nach einem

betroffenen Schweigen erwiederte ich: »Schwager?«

Mein Gott, rief er, wißt Ihr denn nicht einmal, daß ich Eure Schwester

geheirathet habe?

Kleine Lebensgemälde in Erzählungen · 第 2 / 8 题