IX.

Geschlechtsgenossenschaft und Muttergruppe.

So wenig ein mehr oder weniger dauernder Weiberbesitz den Namen einer

Ehe verdient, so wenig stellt er die erste Stufe dar, auf welche die

Menschheit aus der ursprünglichen Ungebundenheit sich emporschwang.

Dazwischen lagen vielmehr noch verschiedene Durchgangsstufen, die im

Vorstehenden unbeachtet blieben, da es sich zunächst darum handelte,

das Irrtümliche jener Ethnologenschule zu beleuchten, welche durch

geradezu sinnverwirrende Dehnung der Begriffe den modernen Wilden in

den Kreis unserer Gesittungsmarken einzubeziehen strebt, ein Beginnen,

das um so überflüssiger ist, als die Einheit unseres Geschlechtes

keinem Zweifel begegnet. Auch wird ja nicht die Befähigung selbst der

rohesten Menschen zur Kultur bestritten, sondern nur, dass sie sich

dieses oder jenes ihrer Elemente schon angeeignet hätten. Auf die

übersprungenen Entwicklungsstadien ist nunmehr zurückzukommen.

Die urzeitlichen Geschlechtsgenossenschaften, auf welche der

ungebundene Verkehr beschränkt gedacht werden muss, sind

vielleicht einem Rudel Hirsche vergleichbar, die mitunter

paarweise sich zusammenfinden, die Gefährten wechseln und wieder

auseinander laufen. Unmöglich aber kann man sich dieselben

besonders kopfreich vorstellen.[293] Weil aber noch keine zweite

Gruppe mit der Geschlechtsgenossenschaft in irgend einer Art

Organisationsverband stand, vielmehr um jede einzelne sich noch die

Grenze der Fremdfeindlichkeit zog, so war jede Gruppe betreffs der

geschlechtlichen Bedürfnisse auf sich selbst angewiesen; es herrschte

+Endogamie+ als der natürliche, weil einzig mögliche Zustand der

Dinge bei dieser Art von Menschenrudeln, welche das Fehlen jeglicher

gesellschaftlichen Gliederung, sowie des Eigentumsbegriffes zur

Voraussetzung hat. Innerhalb dieser Geschlechtsgenossenschaften stand

das Weib dem Manne gleich selbständig und unabhängig gegenüber. Auch

war das Weib der Urzeit, wenngleich körperlich dem Manne niemals

überlegen, doch keineswegs das schwache Geschöpf, zu dem es mit der

steigenden Gesittung geworden. Vorgeschichtliche Knochenfunde verraten,

dass der Unterschied zwischen männlicher und weiblicher Kraft dereinst

ein verhältnismässig geringerer gewesen sein müsse als in unseren

Tagen, daher denn auch das Weib für sich allein im stande war, sich und

ihr Kind zu erhalten. In jener Zeit, als es noch keine Werkzeuge und

Waffen gab, in deren Gebrauch er grössere Fortschritte machen konnte,

war der Mann in betreff des Nahrungserwerbes dem Weibe in nichts

voraus; er konnte einem vorstellbaren Haushalte nichts bieten, was die

Frau nicht selbst -- eine kurze Unterbrechung abgerechnet -- zu sammeln

vermochte; das Leben niederer Stämme zeigt heute noch, dass die Mutter

durch die Bürde des Kindes von keiner Arbeit zurückgehalten wird.[294]

+Mutter und Kind+, das waren auch, wie +Lippert+ sehr richtig

betont,[295] die einfachsten Elemente der ältesten Urorganisation. Das

Verhältnis von Mutter und Kind +allein+ ist von der Natur gegeben,

das Band zwischen beiden wird durch den Zwang aller Umstände einer

einfachen Lebensweise und durch die mehr oder weniger entwickelte

+Mutterliebe+ geknüpft, jenen +natürlichen+ Instinkt, der durch die

Jungenbeschützung die Art sichert, welche allen übrigen Interessen

stets vorangeht. Anfänglich hat allerdings auch diese ursprünglichste

aller Gefühlsregungen beim Menschen wahrscheinlich in keinem wesentlich

höheren Grade bestanden, als in der Tierwelt, nämlich so viel als

erforderlich ist, das Aufkommen der Brut zu sichern; aber dies genügte.

Neuerdings hat man sich wieder erschrecklich viel Mühe mit dem

Nachweise gegeben, dass das naturgemässeste aller Gefühle, die

Mutterliebe -- im Sinne des heutigen Mutterbegriffes -- den niedrigeren

Stämmen der Gegenwart in gleicher Stärke innewohne, wie den Gesitteten.

Bei sehr vielen trifft dies auch zu, was nicht überraschen kann, wenn

man erwägt, dass auch sie schon eine vieltausendjährige Vergangenheit

hinter sich haben, in welcher die ursprünglichen Instinkte sich stärker

und in immer schärferer Ausprägung vererben konnten. Um so mehr

Gewicht gewinnen die glücklicherweise seltenen Beispiele, welche die

Gegenwart von nur schwacher Ausbildung der Mutterliebe bietet. So hat

der schon mehrfach erwähnte +Wilfred Powell+ gesehen, dass bei einem

Kampfe eine verfolgte Neubritannierin, welche mit einem Säugling und

einem Bündel „Tabu“ belastet war, um zu entkommen, lieber ihr Kind als

ihr Muschelgeld fallen liess;[296] ähnliches erwähnt auch ein neuerer

Beobachter[297]. Bei den Miranha-Indianern am Japura in Brasilien

giebt die Mutter eine Tochter für ein paar Ellen Kattun, ein Halsband

von Glasperlen und etwas Messingtand fort, ebenso wie der Mann sein

Kind gern und willig für zwei bis drei Beile verkauft.[298] Bei sehr

vielen Völkern erstreckt sich die Mutterliebe nicht über die ersten

Lebensjahre der Kinder hinaus; das als Instinkt vorhandene Gefühl

der Fürsorge für die Jungen ist noch nicht veredelt durch Erziehung,

Schrifttum und Überlieferung. So hat der italienische Seeoffizier

+Giacomo Bove+ sichergestellt, dass bei den Feuerländern, welche

nach +Wallis+ ihre Kinder doch liebkosen und mit ihnen spielen, die

Mutterliebe nur etwa so lange dauert, als das Kind an der Brust liegt.

Mit sieben bis acht Jahren hört der elterliche Einfluss bald ganz auf,

denn sobald der Sohn im stande ist die Eltern zu entbehren, trennt

er sich von ihnen. Das einzige Gefühl, welches sie leitet, ist Liebe

zum eigenen Ich.[299] Auch die Zärtlichkeit vieler Australierinnen

erstreckt sich bloss auf die erste Jugendzeit ihrer Kinder, also etwa

bis in deren drittes Lebensjahr. Später hört jeder familienartige

Zusammenhang auf und dies geht bei einigen Stämmen soweit, dass Eltern

und Kinder ihr gegenseitiges Verhältnis entschieden vergessen, und in

dieser Beziehung das Ganze sich also nicht über den Standpunkt der

Tierwelt erhebt. So berichtet +Richard Oberländer+,[300] der nicht

weniger denn vierzehn Jahre in Australien zubrachte, und neuerdings hat

+A. W. Stirling+, ein ganz moderner Reisender, die geringe Mutterliebe

der Australierinnen in Nordqueensland bestätigt.[301] Ähnlich verhält

es sich bei den doch ungleich höher stehenden Kariben Südamerikas.

Hat der Knabe das Alter der Mannbarkeit erreicht, dann bekümmert

sich die Mutter nicht weiter um ihn und er ist für sie ein Fremdling

geworden.[302]

Solche Beispiele liessen sich noch häufen. Das Gesagte genügt indes um

darzuthun, dass auf sehr niedrigen Stufen der urwüchsige Instinkt der

Mutterliebe das für die Erhaltung der Art notwendige Mass noch nicht

überschreitet. Empfindsamkeit ist unbekannt in diesen embryonalen

Gesittungskreisen und die im Menschen schlummernde Bestialität noch

nicht im Zaume gehalten durch Moral, Achtung und Strenge der Satzungen.

Wohl liebt und herzt auch der Naturmensch seine Kinder, wenn nicht der

Hunger zu laut spricht, vor allem aber gilt ihm der Heischesatz: _Primo

vivere_.[303] Innerhalb dieser Grenzen erscheint aber die Mutterliebe

überall, und wohl zu allen Zeiten von Urbeginn an, stärker und früher,

als die Neigung zum Manne, und bleibt auch für das Kind eines wenig

oder gar nicht geliebten Vaters die gleiche, wie denn auch in unseren

Kreisen eine Mutter den geliebtesten Gatten rascher vergisst, als

das durch den Tod entrissene Kind. In der Urzeit vereinigte aber

noch kein Band der Liebe das Weib mit dem Manne, welcher seinen und

ihren erotischen Trieben Befriedigung brachte. Das Kind selbst war

die blosse Frucht mütterlicher Lust, welche je nach Laune den Kindern

verschiedene Väter gab. So bildete denn Mutter und Säugling von

Natur aus die +erste+, wenn auch winzige Gesellschaftsgruppe, die

freilich nicht nur keinen Vater, sondern auch keine Dauer besass,

weil das Bewusstsein der Zusammengehörigkeit zwischen Mutter und

Kind beiderseits schon frühzeitig erlosch, die Kinder gewissermassen

in der Horde sich verloren oder darin aufgingen. Will man auf diese

Gruppe nun die Bezeichnung „Familie“ anwenden, so ist in diesem Sinne

ihr Begriff allerdings älter als der der Ehe. „Die Familie spielt

ihre kulturgeschichtlich bedeutsame Rolle lange vor dem Ehebunde, und

obgleich jene sekundäre Vergesellschaftung auf einem ganz anderen

Prinzipe beruht, so ist es doch der +Thatsache+ nach vorzugsweise

die Familie, welche jene Gesellschaften gleichsam dem Materiale nach

schafft.“[304] Freilich wäre es besser und verständlicher, diese erste

Grundlage unserer späteren geschichtlichen Familienformen von dieser

durch ein eigenes Wort zu unterscheiden, weshalb ich jene erste, auf

Mutter und Kind beschränkte Gruppierung als +Muttergruppe+ bezeichne.

Vermöge dieser schärferen Unterscheidung ist auch leichter eine

Verständigung möglich in dem übrigens ziemlich müssigen Streite, ob

die Familie oder der Staat das Urspüngliche gewesen. Für die letztere

Annahme, der auch +Kautsky+ beistimmt, indem er im „Stamm“ die erste

Menschenvereinigung erblickt,[305] spricht der Umstand, dass die Wahl

einer zeitweiligen Gefährtin seitens des Gefährten oder, umgekehrt,

einen schon irgendwie beschaffenen „Haufen“ Menschen voraussetzt,

der den beiden Geschlechtern ihre gegenseitige Ergänzung bot. Schon

aus dieser Annahme folgt, wie +Frerichs+ bemerkt, dass die Familie

erst in zweiter Linie sich bilden konnte.[306] In einer lebhaften

Begeisterung für die Familie hat man, wie +Frerichs+ meint, ihre

Bedeutung gar oft überschätzt, indem man sie für die Grundlage aller

geselligen und sittlichen Ordnung ausgab. Der wahre Verlauf sei aber

der entgegengesetzte gewesen. Es musste sich zuerst die Gesellschaft,

der Staat ausbilden, und erst nachdem dieser letztere feste Formen

angenommen hatte, konnte aus ihm und durch ihn die Familie werden.

Seine rechtlichen und sittlichen Anschauungen, seine geselligen

Ordnungen übertrugen sich auf die Familie, nicht aber bestimmte diese

umgekehrt jenen.[307] Für die geschichtliche Familie ist dies wohl

zuzugestehen, aber ohne die Muttergruppe -- diese Urfamilie, wie

unvollkommen sie uns bedünken mag, -- ist ein Zustand der Menschen

auf Erden überhaupt nicht denkbar, und +Lippert+ hat an dem Beispiele

der Bienen und Wandervögel gezeigt, dass man in gleichem Sinne auch

beim Menschen die Familie als die Grundlage aller gesellschaftlichen

Organisation, als Ausgangspunkt aller gesellschaftlichen Fürsorge

betrachten dürfe.[308] Die Muttergruppe, wie ich fortfahren will sie

zu nennen, war zweifellos schon bei Bildung des Stammes vorhanden,

aber die Muttergruppe deckt in keiner Weise den Begriff der

vollen Familie späterer Zeit, und +diese+ war wirklich noch nicht

vorhanden, als die Stammesbildung sich vollzog. In der Muttergruppe,

diesem gesellschaftlichen Erstlingszustande der Menschheit, ist

die +Mutterfolge+, d. h. die Bedingung der Zugehörigkeit durch die

Abstammung von derselben Mutter, das aufbauende Grundprinzip, und

da nun das Kind ein Teil der Mutter selbst ist, so hat diese an

ihm auch ein +Recht+, so unzweifelhaft, wie es noch kein zweites

Rechtsverhältnis der Urzeit bietet.[309] Das Kind ist das unbedingte

Eigentum der Mutter, ihre „Sache“.[310]

Die Muttergruppe erwuchs also inmitten des ungebundenen

Geschlechtsverkehres der Horde; da diese mit der Familie in weiterem

Sinne zusammenfiel, so bildete auch Blutsverwandtschaft noch kein

Hindernis des Verkehrs; die Natur der Sache verbot noch den die Wahl

beschränkenden Begriff der Blutschande. Vielmehr war die Muttergruppe

auf die engere Inzucht in der Geschlechtsgenossenschaft angewiesen.

Man sieht, dieser Urfamilie fehlt alles und jegliches, um sie nach

unseren Begriffen zur „Familie“ zu stempeln. Nun lassen sich in der

Entwicklung derselben wiederum zwei Stufen, eine ältere und eine

jüngere wahrnehmen, sofern es sich wenigstens um das Mutter+recht+

handelt. Erst in der zweiten, jüngeren Periode erscheint dasselbe in

strengerem Sinne ausgebildet. Nach dem Vorgange des niederländischen

Forschers +Wilken+, welchem die Aufhellung der Anfänge der Familie

schon so vielfache Förderungen verdankt, lege ich ihr die Benennung

„Matriarchat“ bei, während ich der älteren Stufe der Mutterfolge

die Bezeichnung „Muttergruppe“ bewahre. Nicht immer wird zwischen

diesen beiden Stufen scharf unterschieden, und so kommt es, dass

manche Gelehrte das Mutterrecht gänzlich in Abrede stellen, andere

das Matriarchat für eine notwendige Durchgangsstufe +aller+ Völker

erklären. In Wahrheit lässt sich mit +Bachofen+ und Dr. +Lothar

Dargun+[311] behaupten: jeder Volksstamm müsse notwendig eine Zeit

durchleben, wo ihm alle Verwandtschaft allein durch mütterliches Blut

vermittelt ward. Diese Zeit war aber jene der Muttergruppe.

Oben ward bemerkt, dass die Urzeit, in welcher die Muttergruppe ein

von Natur aus Gegebenes war, auch das Eigentum noch nicht kannte. Der

Begriff des +Eigentums+ ist in der That der Menschheit eben sowenig

angeboren, als sich die Einrichtung überall und zu allen Zeiten findet.

Ja, es lässt sich noch mehr behaupten und +Lippert+ hat es erfolgreich

bewiesen: die Ansammlung von Eigentum widerstrebt dem Urmenschen, und

die ganze Einrichtung stösst auf so viele Hindernisse, dass sie sich

nicht ohne harten Kampf gegen die mächtigsten Einflüsse endlich doch

behaupten kann. Soweit von Gütern in jenen entfernten Epochen die

Rede sein kann, herrschte naturgemäss allgemeine Gemeinschaft. Alles

auf der Erde gehörte noch allen in gleicher Weise, beziehungsweise

jedem, der es ergriff -- nur die Werkzeuge waren ausgesondert.[312]

So sehen wir den ersten Anfang zu einem persönlichen Eigentum darin,

dass einzelne Gegenstände des beweglichen Vermögens, welche eine

hervorragende Beziehung zu einem einzelnen Geschlechtsgenossen

haben, als diesem allein angehörig betrachtet werden. Unser Wort

„Leib“-Waffe bezeichnet noch recht natürlich die auserlesen enge

Verbindung dieser Gegenstände mit dem Menschen; sie sind ein Teil

von ihm. Persönliches Eigentum entsteht also zuerst am beweglichen

Vermögen, während beim unbeweglichen Besitze noch lange die ältere

Gütergemeinschaft bestehen bleibt. Noch heute ist die Gemeinsamkeit des

Grundeigentums bei niedrigen Stämmen über die ganze Erde verbreitet;

bei Völkerschaften, die ein Jäger- oder Nomadenleben führen, kann

man von einem „Grundeigentum“ überall nicht sprechen; es finden sich

an dessen Stelle nur abgegrenzte Jagd- und Wanderungsbezirke, wie

solche z. B. in Brasilien und Australien vorkommen. Da alle heutigen

Wilden ausnahmslos -- es kann dies nicht genug oft erinnert werden --

dem Urzustande schon weit entrückt sind, so ist bei ihnen „absoluter

Kommunismus“ nirgends mehr zu finden, und sie gegen diesen in Schutz zu

nehmen, wie Dr. W. +Schneider+ thut, heisst offene Thüren einrennen.

Mit diesem siegreichen Beweise wird aber die Thatsache nicht beseitigt,

dass ein starker kommunistischer Zug noch durch diese Völkerschaften

weht,[313] wie die von den verschiedensten Reisenden aufgezeichneten

„Anekdoten“ -- womit Dr. +Schneider+ diese Angaben zu entwerten

versucht -- deutlich darthun. Wenn er den Australiern nachrühmt, die

Rechte des Eigentümers an Grund und Boden würden so sehr geachtet,

dass niemand daselbst ohne Erlaubnis einen Baum fällen oder ein Feuer

anmachen dürfe,[314] so verschweigt er, dass „der Eigentümer“ kein

einzelnes Individuum, sondern der ganze Stamm oder die Horde ist. Die

Australier haben eben nur den Gemeinbesitz (Kollektiveigentum), die

älteste Form des Eigentums, in welcher der Kommunismus wurzelt. Jagd

und Fischfang werden gemeinsam betrieben, das persönliche Eigentum

an beweglichen Dingen auf wenige Geräte und Gegenstände beschränkt.

Jede einem Einzelnen zugedachte Gabe wird sofort unter allen

Hordenmitgliedern verteilt,[315] und an diesem kommunistischen Zuge

scheitert jeder Versuch, auf das _divide et impera_ sich stützend, die

Australier durch eine ungleiche Auszeichnung leichter zu beherrschen.

+Darwin+ meldet desgleichen von den Pescheräh, es werde selbst ein

Stück Tuch, was dem einen gegeben wird, in Streifen zerrissen und

verteilt, und kein Individuum wird reicher als das andere.[316] Mag

immerhin Dr. +Schneider+ auf +Georg Forster+ sich berufen,[317] der

den Wilden zu sehen begehrt, welcher, ohne blödsinnig zu sein, von

Mein und Dein gar keine Begriffe habe, was ohnehin niemand behauptet,

so viel ist unumstösslich, dass die Begriffe der Menschen über das

Mein und Dein sehr verschieden sind. Die Indianer achten z. B. kein

Besitzrecht eines andern an Lebensmitteln; sie brechen überall ein,

wo Mais oder sonst ein Lebensmittel wächst, und „stehlen“ -- nach dem

Begriffe der Europäer; sie selbst haben diesen Begriff nicht. Ebenso

lernten die Weissen die meisten Südseeinsulaner als die frechsten

Diebe kennen; sie suchten sich alles anzueignen, was ihnen gefiel,

und wenn sie ertappt wurden, ärgerten sie sich sehr. Aber dieser

Ärger führte nicht zur Entwicklung eines Schamgefühls, denn sie

ärgerten sich nicht über ihre That, sondern über deren Misslingen. Den

arabischen Beduinen sind Geben, Betteln und Plündern wechselseitige und

notwendig zusammenhängende Handlungen, die der Hauptsache nach aus dem

vollständigen Mangel eines Begriffes von Eigentum hervorgehen.[318] Ein

gewisser kommunistischer Zug kennzeichnet sogar noch solche Völker,

welche das Einzeleigentum schon sehr wohl kennen. Hat der Bergkalmyk

keine Kleidung oder keine Speise, so erhält er sie vom reicheren

Nachbar, denn sämtliche Bewohner einer Gegend bilden gleichsam eine

Familie, und der Reiche ist nur reich, um alle ihn umgebenden ärmeren

Faullenzer mitzufüttern.[319]

In der eigentumslosen und jedenfalls lange hindurch eigentumsarmen

Urzeit brauchen wir uns die Geschlechtsgenossenschaften auch nicht

notwendig unter der Gewalt irgend eines Oberhauptes zu denken; sehr

wahrscheinlich fehlte es in den meisten Fällen an einem solchen und

keinesfalls kam demselben, wenn vorhanden, eine grössere Bedeutung als

dem Leittiere in der Herde zu. Zweifelsohne entwickelte sich indes

allmählich aus dieser Führerschaft das Häuptlingstum, welches zuerst in

den allgemeinen Kommunismus Bresche legt und dadurch der Grundpfeiler

aller späteren Gesittung wird. „So lange,“ sagt +Charles Darwin+,

„nicht im Feuerland irgend ein Häuptling aufsteht, welcher Kraft genug

hat, irgend einen erlangten Vorteil, wie z. B. domestizierte Tiere,

zu bewahren, scheint es kaum möglich, dass der politische Zustand des

Landes verbessert werden kann“.[320] In der ersten Zeit war aber der

spätere Häuptling nichts weiter als ein Gleicher unter Gleichen.

Fasst man das über die älteste Urzeit Gesagte zusammen, so darf man

wohl mit +Moriz Wagner+[321] behaupten: Der Mensch war in seiner

frühesten Entwicklung während der vergangenen geologischen Perioden

den gleichen Faktoren der Naturzüchtung unterworfen, wie die übrigen

Organismen. Die ältesten Menschenrassen bildeten sich, analog der

ihnen somatisch am nächsten verwandten Typen der Säugetiere, durch

fortgesetzte Inzucht vereinzelter Gruppen in räumlich gesonderten

Wohnbezirken oder Kolonieen. Die Fortbildung seines Sprachvermögens

ermöglichte dem Menschen indes den Übergang vom Zustande der

geselligen Horde, die wir auch bei anderen Tierarten sehen, der

Geschlechtsgenossenschaft, in den Zustand der sich besser schützenden,

organisierten und für ihre Bedürfnisse sorgenden Horde oder des

+Stammes+.[322] Auch durch den Druck der äusseren Verhältnisse,

der auf die Horde wirkt, wird diese zu einer langsamen Entwicklung

getrieben. So können wir etwa annehmen, dass die eine oder die

andere Geschlechtsgenossenschaft gewisse Listen oder Fertigkeiten

erwirkt, die ihr vielleicht für die Erjagung des Wildes oder für die

Bereitung der Waffen nützlich sind. Diese bleiben ihr Eigentum und

werden als wichtige Hilfsmittel sorgfältig gewahrt. Durch dieselben

aber ist die Besitzerin anderen gegenüber im Vorteil. Sie erhält sich

leichter und besser und wird dadurch zahlreicher. Mit der Zahl ihrer

Mitglieder aber wachsen ihre Kräfte, mit diesen wiederum ihre Fähigkeit

sich zu erhalten, zu gedeihen und weiter zu wachsen. Die grössere

Genossenschaft ist kräftiger als die kleine, sie unterdrückt diese oder

nimmt sie in sich auf. Auf diese oder auf irgend eine andere Art der

natürlichen Entwicklung bilden sich allmählich aus den vielen kleinen,

wenige grössere Horden, die nun in den Stamm übergehen.[323]

Auf diesem langen Wege der Entwickelung der Horde zum Stamme musste in

einer schon etwas jüngeren, aber immer noch ehelosen Zeit mit ihrer

Muttergruppe, Mutter und Kind, eine erste kindliche Spekulation das

Band befestigen, welches den werdenden Stamm zusammenhielt. Sie gehört

ohne Zweifel zu jenen, welche der gesamten Menschheit ohne Ausnahme

eigen waren, also wohl in frühester Zeit erworben sein mussten. Dem

Urmenschen stellte sich nämlich fest, dass es die Gleichheit oder

vielmehr die +Einheit des Blutes+ in ganz wörtlichem Sinne ist, welches

dasjenige begründet, was wir +Verwandtschaft+ oder genauer, von der

alten Auffassung selbst noch Zeugnis gebend, die Blutsverwandtschaft

nennen, und dass diese Gleichheit des wesentlichsten Stoffes in der

Mutter und nur in dieser ihre Quelle habe. Alle sonach, die, in

welcher Generation immer, von derselben Urmutter stammten, natürlich

stets nur in mütterlicher Linie gerechnet, waren im Besitze ein und

desselben Blutes; sie waren alle Blutgenossen, im wirklichen Sinne

„blutsverwandt“.

+Lippert+, welcher diese sehr richtigen Ansichten ausspricht,[324] so

sehr richtig, dass selbst die eingefleischten Gegner aufsteigender

Entwicklung trotz ihrer gewundenen Deutungen zu ziemlich

übereinstimmenden Endergebnissen sich gedrängt sehen,[325] weist zu

deren Bekräftigung mit Recht auf die dermalen noch weitverbreitete

Sitte der „Blutbruderschaft“ hin. „Dass Blut die Seele und das Leben

sei, darauf bauen sich noch sämtliche Kultformen des Alten Testamentes

auf. Brüder sind nur deshalb Brüder, weil in ihren Adern dasselbe Blut

fliesst, und echte Verwandte sind _consanguinei_. Nicht Redensarten

drehten sich den Alten darum; sie nahmen es genau und bewiesen das

durch Thaten. Wenn ein Zusatz von Blut die Verwandtschaft begründet, so

können auch Wildfremde Brüder werden -- durch Blutmischung. Läge dieser

seltsame Gedanke nicht in so notwendiger Folgerichtigkeit, so wäre es

undenkbar, dass derselbe Brauch der Blutmischung und Blutbrüderschaft

in allen Teilen der Erde, deren Bevölkerung kaum je in irgend eine

Art gegenseitiger Berührung kommen konnte, Verbreitung gefunden

hätte.“ Nirgends aber ist diese Sitte vielleicht fester eingewurzelt

als in Afrika, was, um es vorneweg zu bemerken, an sich nicht ohne

Bedeutung ist. Noch in der Gegenwart wird bei den Schwarzen jenes

Erdteiles die Blutbrüderschaft für ein Unterpfand des freundlichen

und friedlichen Verkehres betrachtet. „Im Frieden stehen wir uns

einander bei, im Kriege schonen wir uns gegenseitig,“ so lautete der

Wahlspruch der Vertragschliessenden im Bezirke Nabanda-Juru des

Niamniamlandes, wo +Georg Schweinfurth+ zum ersten Male Zeuge dieser

Sitte wurde, die er eine barbarische nennt.[326] Zu solchen Schutz-

und Trutzbündnissen verhilft nur ein Blutaustausch. Auch +Stanley+ auf

seiner Kongofahrt stiess allenthalben auf den eigentümlichen Brauch,

welchem sich mehrere seiner Begleiter, darunter der Europäer +Pocock+

unterwerfen mussten. Ja +Stanley+ selbst trank Blutbrüderschaft mit

dem gefürchteten Araberfeind und Ruga-Rugaführer +Mirambo+, dem

„Mars von Afrika“. Nachdem +Manwa Sera+, der eingeborene Führer der

+Stanley+schen Expedition beide einander gegenüber hatte niedersetzen

lassen, machte er in ihre rechten Beine einen kleinen Einschnitt, aus

dem er das Blut entnahm, und indem er dies unter ihnen austauschte,

rief er laut aus: „Wenn einer von euch beiden diese jetzt zwischen euch

geschlossene Brüderschaft bricht, so möge der Löwe ihn verschlingen,

die Schlange ihn vergiften, möge Bitterkeit in seiner Nahrung sein,

mögen seine Freunde ihn verlassen, möge seine Flinte in seinen

Händen zerspringen und ihn verwunden und alles Böse ihm widerfahren,

bis dass er stirbt.“[327] Darauf wurden zwischen den neuen Brüdern

Geschenke ausgetauscht. In Rubunga, bemerkt +Stanley+, ist das

Blutbrüderschaftschliessen eine viehisch-kannibalische Zeremonie, die

aber doch sehr eifrig begehrt wird, sei es nun um den Blutdurst zu

befriedigen, oder weil damit ein Austausch von Geschenken verbunden

ist, bei dem die Rubungaleute notwendigerweise den grössten Vorteil

hatten. Nachdem ein Einschnitt in jeden der beiden Arme gemacht war,

beugten beide Brüder ihre Köpfe nieder und man konnte bemerken, wie

der Eingeborne mit der grössten Gier das Blut einsog; es dürfte aber

schwer zu entscheiden sein, ob ihn Blutliebe oder ein Übermass der

Freundschaft dazu veranlasste.[328] Die Entscheidung kann indes nicht

schwer fallen. Manche Schwarze ersetzen nämlich beim Trinken der

Blutbruderschaft das Blut durch Milch. Es ist also nicht Blut+durst+,

sondern lediglich die Vorstellung des an die Zeremonie sich knüpfenden

neuen Verwandtschaftsbandes Anlass der seltsamen Sitte. Es wird in

solchem Falle auf die Milch die Rolle übertragen, welche ältere

Vorstellungen dem Blute beimassen.[329]

An der Vorstellung festhaltend, dass Blut allein die erste

Verwandtschaft der Menschen unter einander begründe, war in dieser

Verwandtschaft eigentlich ihrem Grundprinzipe nach keine weitere

Abstufung denkbar; jedes erste wie letzte Glied besass, in welcher

Ableitung immer, dasselbe Blut; den ganzen Stamm umschloss ein

und dasselbe Verwandtschaftsband, und nur die +Unterschiede der

Altersstufen+ konnten sich geltend machen. Denn wer nicht stammfremd

war, der gehörte zur Geschlechtsgenossenschaft, und weil es darin nur

+ein+ Blut gab, so war auch jeder dem ersten wie dem letzten derselben

in +gleicher+ Weise verwandt oder, wenngleich mit einem Fremdworte,

richtiger ausgedrückt: +konsanguin+, „gleichen Blutes“, „ebenblütig“

möchte ich sagen. Noch heute stehen manche Völker auf dieser Stufe der

Anschauung, wie namentlich des Amerikaners +Lewis H. Morgans+ grosse

Arbeit[330] ganz unwiderleglich dargethan. Ihre Sprachen haben keinen

Anlass gehabt, Lautformen zur Bezeichnung von Ebenblütigkeits+graden+

d. h. von Verwandtschaftsgraden in unserem Sinne zu entwickeln.

Was innerhalb derselben ebenblütigen Geschlechtsgenossenschaft

unterscheidbar war, das waren bloss die Generationsstufen, und so

entstand, im Gegensatze zu der in unserer Kulturwelt üblichen

beschreibenden, die +klassifikatorische+ Ebenblütigkeitsbezeichnung.

Mit Unrecht wird dieselbe als jene eines +Verwandtschaft+systemes

aufgefasst. Die Wahrheit ist, dass es auf der Stufe +dieser+

Bezeichnungen den Begriff der Verwandtschaft in unserem Sinne gar nicht

giebt. Die Namen, mit denen wir jetzt vielleicht mit Recht unser Vater,

Mutter, Kind u. s. f. übersetzen, hatten ursprünglich gewiss keinen

solchen Sinn, sondern bezeichneten lediglich die Generationsstufen

innerhalb der allgemeinen und gleichen Ebenblütigkeit.[331] So nennt

der Mortlockinsulaner einen Bruder oder Schwester _Pui_ (_Puim_, _Puin_

u. s. w.) und betrachtet einen jeden Menschen für seinen Puin, wenn

die Mutter des letzteren von demselben Blute war, wie seine eigene.

Durch _Puipui_ bezeichnet er das Verwandtschaftsverhältnis selbst und

dann die ganze Gesamtheit seiner Verwandten von mütterlicher Seite. Die

Verwandten von väterlicher Seite gehören nicht zu dem Puipui. Letzteres

entspricht also dem Begriffe „Stamm“ und ist die eigentliche Basis,

von welcher alle Erscheinungen des mortlockschen Lebens ihren Ursprung

nehmen.[332]

Das einfachste dieser Systeme findet sich noch auf Hawaii und

fast identisch auf den Kingsmill-Inseln. Beide kennen bloss fünf

Abstufungen: Geschwister, Grosseltern, Eltern, Kinder und Enkel.

Die Bezeichnungen Oheim, Muhme, Neffe, Nichte, Vetter, Base sind

dort unbekannt. Es gelten aber die aufgezählten Verwandtschaftsgrade

nicht bloss für diejenigen Verwandten, für die sie bei uns gelten,

sondern für ganze Klassen von Personen. Alle Geschwister von Egos

Grosseltern oder deren Vorfahren sind ebenfalls Egos Grosseltern.

Alle Geschwister von Egos Eltern sind seine Eltern, also die Brüder

seines Vaters und die seiner Mutter seine Väter, die Schwestern

seines Vaters und die seiner Mutter seine Mütter. Alle Kinder seiner

Geschwister sind Egos Kinder. Alle Kinder und weiteren Nachkommen

seiner Kinder, ob wirklicher oder Geschwisterkinder, sind Egos Enkel.

Alle Kinder von Geschwistern sind wieder Geschwister, ebenso deren

Kinder _in infinitum_. Es sind also z. B. die Urenkel des Bruders von

Egos Urgrossenkel seine Brüder. Deren Söhne sind demnach auch Egos

Söhne und zugleich die Brüder seiner leiblichen Söhne.[333] Diese

Eigentümlichkeiten sind nicht etwa durch Wortarmut der Kanakensprache

zu erklären, denn in derselben werden genaue Unterschiede in

Verwandtschaftsbezeichnungen gemacht, die sich bei uns nicht finden.

So heisst z. B. auf Hawaii, wenn der Sprechende ein Mann ist, der

ältere Bruder _Kaikuaana_, der jüngere _Kaikaina_, die Schwester

_Kaikuwahina_. Spricht dagegen eine Frau, so nennt sie ihren Bruder

_Kaikunana_, die ältere Schwester dagegen _Kaikuaana_, und die jüngere

_Kaikana_.[334]

Sehr ähnlich sind die Verwandtschaftsbenennungen der +Hova+ auf

Madagaskar. Die Wörter für Vater: _Ray_, und Mutter: _Rény_ haben

eine sehr weite Bedeutung und werden nicht nur für die eigentlichen

Eltern, sondern auch für den Stiefvater und die Stiefmutter, sowie

für Oheim und Muhme und deren Gatten und Gattinnen angewendet. Es

giebt demzufolge im Madagassischen keine einzelnen Wörter, die unserem

„Onkel“ und „Tante“ entsprächen; man sagt Vaterbruder, Vaterschwester,

Mutterbruder, Mutterschwester. Hieraus folgt dann weiter, dass

Sonderbezeichnungen für „Neffe“ und „Nichte“ ebenfalls nicht vorhanden

sind; diese heissen sämtlich _Zánaka_ d. i. „Kinder“ und werden zur

genaueren Bestimmung in Kinder der Brüder oder Schwestern des Vaters

oder der Mutter unterschieden. _Ray_, Vater, scheint im Madagassischen

nicht, wie in vielen semitischen Sprachen, in dem Sinne von Schöpfer,

Macher oder Verfertiger einer Sache gebraucht zu werden, sondern im

weiteren Sinne jeden Älteren oder Höhergestellten zu bezeichnen; wohl

aber nimmt _Rény_, Mutter, häufig die Bedeutung „Urheberin einer

Sache“ an. Ein gleichwertiger Ersatz für unser Wort „Eltern“ ist nicht

vorhanden. Die Zusammensetzung _Ray-aman-drény_ d. i. „Vater und

Mutter zusammen“ wird für alle Höherstehenden, Älteren oder Gönner

beiderlei Geschlechts gebraucht, das Wort _Zánaka_ dient aber auch als

Bezeichnung und Anredeform für jüngere Personen, gerade wie _Ray_ und

_Rény_ für ältere. In den Bezeichnungen für „Bruder“ und „Schwester“

finden sich dagegen Unterscheidungen, die unsere Sprache nicht

besitzt; _Rahalaky_ bedeutet nämlich „Bruder eines Bruders“, _Anadahy_

„Bruder einer Schwester“, _Rahavany_ „Schwester eines Bruders“ und

_Anabavy_ endlich „Schwester einer Schwester“. Dieselben Wörter

werden auch für Vettern und Basen gebraucht, für welche ebenfalls

keine Sonderbezeichnungen vorhanden sind. Die Verwandtschaft zwischen

Geschwisterkindern wird aber als so nahe und diejenige zwischen

wirklichen Geschwistern so gleichstehend betrachtet, dass es auch aus

diesem Grunde ohne genaue Erkundigungen meist nicht möglich ist, die

Verwandtschaftsgrade zu erkennen, in denen die einzelnen Mitglieder

einer Hovafamilie zu einander stehen. Für Enkel oder Grosskinder hat

man die Bezeichnung _Afy_ oder _Zafy_, die man auch für „Nachkommen“

im weiteren Sinne gebraucht. Die Wörter für Grossvater und Grossmutter

sind den unserigen fast gleichbedeutend: _Raibé_ (_Be_=gross) und

_Renibé_. Es scheint jedoch keine besonderen Bezeichnungen für höher

hinaufreichende Verwandtschaftsgrade zu geben; dieselben werden

sämtlich mit dem allgemeinen Ausdrucke _Razana_ d. i. „Vorfahren“

bezeichnet.[335]

Dieses klassifikatorische System steht in mancher Hinsicht in schroffem

Gegensatze zu unserem heutigen Verwandtschaftssystem, welches

einfach die Verwandtschaftsgrade als solche nach ihren Abstufungen

bezeichnet und worin der Vetter ungefähr den fernsten Grad bildet,

der noch bestimmt wird. Darüber hinaus fängt die Familie an sich aus

den Augen zu verlieren. Das klassifikatorische System, welches die

Geschlechtsfolgen gruppenweise in den Bezeichnungen zusammenfasst,

strebt dagegen dahin, die vermeintliche Einheit des Geschlechts

festzuhalten, die Geschlechtsgenossenschaft zusammenzuhalten und zu

verengen, indem sie die nach unseren Begriffen entfernten Grade auf

nähere zurückführt und unsere Seitenverwandten immer wieder in die

direkte Linie der auf- und absteigenden Geschlechtsfolge hineinzieht.

Bei den Irokesen z. B. wird der Bruder der Mutter Vater genannt, sein

Sohn (der Vetter) wird dadurch zum Bruder und dessen Sohn zum eigenen

Sohn, Enkel zum Enkel u. s. w. Die Muhme heisst Mutter, ob väterlicher-

oder mütterlicherseits, während der Oheim, als Bruder des Vaters,

die Bezeichnung Oheim bewahrt. Bei den Kingsmill-Insulanern heisst

auch der väterliche Oheim Vater, die Muhme, ob mütterlicher- oder

väterlicherseits, Mutter, wogegen z. B. wieder bei den Tamulen die

mütterliche Muhme Mutter heisst, die väterliche aber Muhme. Es finden

sich nun noch eine Menge sonstiger Variationen. Bei den Delawaren

oder Leni-Lennape z. B. heisst der Vetter nicht Bruder, sondern nur

Stiefbruder, sein Sohn bei den Tschiroki heisst bereits Enkel; bei den

Japanern wurde der Oheim „kleiner Vater“, bei den Krih der mütterliche

Oheim älterer Bruder genannt. Die Bezeichnungen älter oder jünger

kommen überhaupt vielfach vor und beruhen eben auf genauer Scheidung

der Verwandtschaftsgrade. Die Geschwister unter sich bezeichnen sich,

wie z. B. bei den Chinesen, vielfach als ältere oder jüngere; so auch

bei den Magyaren, welche sehr genau den „_Batya_“, den älteren Bruder,

vom _Öcs_ oder _Öcse_, dem jüngeren Bruder, sowie die _Néne_, ältere

Schwester, von der _Hug_, der jüngeren Schwester, unterscheiden,

während bei uns die Bezeichnungen oft sehr lose und wechselnd sind. Im

allgemeinen sind bei den Indianern alle Nachkommen desselben Paares

_Consanguinei_ d. h. Blutsverwandte. Blut- und Heiratsverwandte werden

unter besonderen Bezeichnungen begriffen; die Nebenlinien gehen in der

geraden Linie auf. Die Kinder der Brüder sind Brüder und Schwestern

zu einander; die Kinder der Schwestern sind ebenfalls Brüder und

Schwestern zu einander; die Kinder der Schwestern und Brüder stehen

aber in entfernter Verwandtschaft. Die Bezeichnung Oheim ist auf der

Mutter Brüder und die Brüder der Scheinmütter beschränkt, desgleichen

die Bezeichnung Schwestern auf des Vaters Schwester. Neffe und Nichte

sind dem Manne Kinder der Schwester, nicht des Bruders, umgekehrt dem

Weibe Kinder des Bruders, nicht der Schwester; die Bezeichnung ist

wechselseitig. In der Linie folgen: Ururgrossvater, Ururgrossmutter,

Urgrossvater, Urgrossmutter, Grossvater, Grossmutter, alle zusammen als

„Ahn“. Dann Vater, Mutter, Tochter, Enkel, Enkelin, Urenkel, Urenkelin,

Ururenkel, Ururenkelin, älterer Bruder von Mannesseite, ältere

Schwester von Mannesseite, jüngerer Bruder, jüngere Schwester, Bruder,

Schwester.

Wenn wir uns in diesem Systeme, welches übrigens nur nach der einen

Richtung hin uraltertümlich ist, während es nach einer andern

Richtung schon die Verwandtschaft durch den Vater angenommen hat,

als „wir“ in die Mitte stellen wollen, so haben, wie +Lippert+ sehr

richtig bemerkt, die verschiedenen Benennungen einst zweifelsohne

nur bedeutet: die Ältesten, die Alten, wir, die Jungen, die Jüngeren

oder Kleinen, die Kleinsten. Alle auf unserer Geschlechtsstufe

Stehenden, die in „wir“ Eingeschlossenen, sind die „Brüder“. Solches

sind aber immer die Mitglieder derselben Geschlechtsstufe, alle

Grossmütter, alle Väter untereinander, während sich die übrigen

Bezeichnungen natürlich verschieben, je nach der Geschlechtsstufe,

auf welcher der Sprechende steht. Damit waren zugleich die einzigen

natürlichen Abhängigkeitsstufen der dem Blute nach Gleichgestellten

in der Geschlechtsgenossenschaft genügend gekennzeichnet, und unter

den Nordindianern ist es heute noch üblich, dass die Redenden

ihre gegenseitigen Titulaturen nach diesem Altersverhältnisse

wählen.[336] +Lippert+ befindet sich in dieser seiner Auffassung des

klassifikatorischen Systems durchaus in Übereinstimmung mit +Karl

Kautsky+, welcher schon vor ihm zu dem Schlusse gelangte, dass dasselbe

gar kein Verwandtschaftssystem in unserem Sinne sei, weil es nicht

auf der Abstammung beruht, dass daher auf der Kulturstufe, die es

hervorbrachte, eine Familie in unserem Sinne nicht existierte. Auch ihm

bedeuten die Bezeichnungen jenes Systems nicht Grade der Abstammung,

sondern der Generation. Es entstand zu einer Zeit, als weder der

Zusammenhang zwischen Vater und Kind, noch auch der viel klarere

zwischen Mutter und Kind eine Bedeutung hatte, so dass man diesen

Zusammenhang nicht beachtete und ihn nicht eigens bezeichnete.[337]

So bleibt denn kein Anhalt, rings um die Muttergruppe eine andere

Beschränkung des Verkehrs der Geschlechter sich vorzustellen, als wie

sie allenfalls die Natur selbst gebot. Nur insoweit +diese+ jeweilig

die jüngsten und die ältesten Geschlechtsfolger ausschloss, kann

sich der Verkehr immer nur innerhalb weniger der nächstliegenden

Generationsschichten bewegt haben. Innerhalb dieser Schichten und in

der Geschlechtsgenossenschaft verkehrte der Mann mit mehreren Weibern,

das Weib mit mehreren Männern. Ja, es haben sich sehr sprechende

Rudimente bis in späte geschichtliche Zeiten erhalten, aus denen

hervorgeht, dass diese Übung einst als ein Rechtszustand aufgefasst

wurde.[338]

Gegen diese Deutung, die er eine „verwegene“ nennt, wendet sich der

jüngste, glaubensstarke Anwalt der Naturvölker, Dr. +Schneider+, und

es verlohnt der Mühe, den Bocksprüngen eines von vorne herein in der

Entartungslehre befangenen Geistes zuzusehen. „Wir selbst,“ sagt

unser Kämpe, „gebrauchen die Bezeichnungen Onkel und Tante, Vetter

und Cousine, Neffe und Nichte ohne Rücksicht auf die Blutnähe, nennen

Schwager sowohl den Bruder der Frau, als den Mann der Schwester

der Frau, und Schwägerin die Frau des Bruders, wie die des Bruders

der Frau, und dennoch verbinden wir mit diesen Worten stets ein

bestimmtes Verwandtschaftsverhältnis. Aus dem Umstande, dass das

leibliche Band zwischen Eltern und Kindern durch die Sprache nicht

bezeichnet wird, folgt keineswegs, dass dasselbe überhaupt nicht

erkannt oder anerkannt wird.“[339] Bis dahin kann man dem Autor

folgen, da sich in der That aus dem Mangel sprachlicher Ausdrücke

nicht mit Sicherheit auf die gänzliche Abwesenheit der entsprechenden

Begriffe schliessen lässt. Kein vorurteilslos denkender Forscher

vermag ihm aber zuzustimmen, wenn er sagt: „Statt der empörenden

Annahme beizupflichten, welche darin einen Rückstand urzeitlicher

Gemeinschaftsehe verteidigt, würden wir lieber auf jede Erklärung

verzichten.“[340] Dass dieses Zurschautragen sittlicher Entrüstung

nicht die Sprache wissenschaftlicher Denkweise sein kann, bedarf

keiner Erörterung. Die Wissenschaft kennt keine „empörenden“ Annahmen,

wird durch nichts empört, durch nichts begeistert; sie sucht nach

Wahrheit, gleichgültig, wo und wie sie dieselbe findet. Die Wahrheit

ist aber an sich weder gut noch böse, weder schön noch hässlich, weder

sittlich noch unsittlich, sondern nichts als wahr. Dr. +Schneider+ ist

indes im Besitze einer in seinen Augen sehr befriedigenden Erklärung:

„Die in Rede stehenden Verwandtschaftssysteme hören auf, widersinnig

oder unverständlich zu sein“ -- (dies sind sie auch uns nicht) --

„sobald dieselben aus ihren Grundgedanken und Zwecken erklärt und

durch die gesellschaftlichen Bedürfnisse der urzeitlichen Menschheit

beleuchtet werden.“ Sehr richtig; den „Grundgedanken“, den „Zweck“

und die „gesellschaftlichen Bedürfnisse“ des Urmenschen erblickt Dr.

+Schneider+ aber in folgendem: „Denselben ist offenbar die Absicht zu

Grunde zu legen, das höhere Ansehen und mit ihm die Verantwortlichkeit

aller Glieder der älteren Geschlechterreihen über die der jüngeren zu

befestigen, die letzteren in der Ehrfurcht und im Gehorsam gegen das

Alter zu erhalten und endlich die Genossenschaft vor Zersplitterung

in Seitenzweige zu schützen. Dadurch, dass die Bezeichnungen Vater

und Sohn, Mutter und Tochter, Bruder und Schwester ohne Rücksicht auf

die Blutnähe angewendet wurden, bildeten die einzelnen Familien einer

Sippe in Wirklichkeit nur eine einzige, deren sämtliche Angehörige

sich als nächste Blutsverwandten betrachteten.“[341] Man sieht,

in seinem Eifer gelangt unser Gegner zur nämlichen Auffassung der

Geschlechtsgenossenschaft wie wir, nur erscheint diese ihm, statt als

Ausgangs-, als Endpunkt der klassifikatorischen Bezeichnungsweise.

Wessen Phantasie fähig ist, den Urmenschen mit den ihm vom Verfasser

unterschobenen Absichten und dem Begriffe von Verantwortlichkeit

und Fürsorge auszustatten, bringt am Ende wohl auch die weitere

Schlussfolgerung fertig. Die Verwandtschaftsbezeichnungen wurden bei

den Irokesen bekanntlich auf die einzelnen Nationen ihres Bundes

ausgedehnt, und dies belehrt uns nach Dr. +Schneider+ deutlich, „dass

das so übel missdeutete Verwandtschaftssystem innerhalb der Clanschaft

zu keinem andern Zwecke diente, als innerhalb des Staatenbundes,

nämlich zur Bezeichnung des Ranges, zur Sicherstellung der Autorität

und zur Stärkung des Stammesbewusstseins.“ Dass man, wenn z. B. die

Onondaga „die Väter“, die Cayuga „die Kinder“ hiessen, damit die Stämme

nach ihrem Alter einfach als ältere und jüngere bezeichnen wollte, wie

sie es in der That auch waren, -- daran scheint Dr. +Schneider+ gar

nicht gedacht zu haben. Ganz Köstliches leistet er aber in folgendem:

„Aus der instinktiven Bereitwilligkeit, mit welcher der einzelne

Naturmensch auf alle Sonderinteressen verzichtet und in der Familie

oder Sippe aufgeht“, -- (also doch!) -- „wird niemand folgern wollen,

das individuelle Bewusstsein sei in der Urzeit vom Kollektivbewusstsein

nicht“ -- -- „geschieden gewesen; ebenso wenig kann durch die

sprachliche und thatsächliche Verschmelzung mehrerer Familien zu einer

einzigen die begriffliche Abwesenheit der Einzelfamilie glaubhaft

gemacht werden.“[342] Was hierunter sich zu denken sei, ist nicht recht

verständlich. Unter Verschmelzung versteht man doch ein Einswerden

derart, dass die einzelnen Bestandteile als solche aufhören erkennbar

zu sein. Hat nun eine solche Verschmelzung thatsächlich stattgefunden,

wie sollte und könnte sich in der Geschlechtsgenossenschaft die

Einzelfamilie erkennen, wie könnte der Begriff einer solchen vorhanden

sein? Der Leser mag nach dem Gesagten entscheiden, ob den Ausführungen

Dr. +Schneiders+ und seiner Anhänger auch nur die geringste Spur von

Wahrscheinlichkeit innewohne.

Es ist also wohl ein durchaus vergebliches Bemühen, der Urzeit die

Ehe, die Verwandtschaft und die Familie in unserem Sinne retten zu

wollen. Ohne Begriffsvermischung kann innerhalb der urzeitlichen

Geschlechtsgenossenschaft von „ehelichen“ Verhältnissen nicht die

Rede sein. Wir kommen nicht über die auf Mutter und Kind beschränkte

Muttergruppe hinaus, die inmitten der liebeleeren Ungebundenheit stets

von der Natur gegeben war und in welcher die Mutterfolge herrschte,

herrschen musste, so lange es zu keiner bestimmten Vaterschaft

kam. Deswegen kann ich auf die Urzeit des sonst so gewiegten und

vorsichtigen +Edward Tylor+ Meinung nicht ausdehnen: „Selbst bei den

rohesten Völkern, vorausgesetzt, dass sie nicht durch Laster oder

Elend verkommen sind, finden wir eine Vorstellung von der sittlichen

Bedeutung des Familienlebens.“[343] Diese Voraussetzung bricht

zusammen, sobald man die Liebe aus dem Bereiche der niederen Kultur

hinwegräumt, wie sogar noch heute lebende, unberührte Menschenstämme zu

thun gestatten. Die Wahrheit ist, dass wo die Familie überhaupt noch

nicht vorhanden ist, es auch keine Vorstellung von ihrer sittlichen

Bedeutung geben kann.

In allen Weltteilen, bei den verschiedensten Völkern und durch

alle Zeiten ist das Vorhandensein eheloser Ungebundenheit des

Geschlechtsverkehrs und damit der Muttergruppe nachweislich. In diesen

allerältesten Zeiten liess sich die Vaterschaft natürlich nicht

feststellen, das Kind gehörte unzweifelhaft der Mutter, und zwar der

Mutter ganz allein. Freilich der römische Rechtssatz: _mater semper

certa est, etiamsi vulgo conceperit, pater vero is tantum, quem

nuptiae demonstrant_, konnte damals noch keine Geltung haben, und

es ist irrig, spätere Erscheinungen daraus abzuleiten, dass man den

Frauen keine Treue zutrauen konnte, da ja der Begriff der Treue noch

gar nicht bestand; immerhin ist anzuerkennen, dass die Unsicherheit

der Vaterschaft, was freilich niemanden interessierte, thatsächlich

vorhanden war. Wenn nun einige Forscher, wie +Post+ und +Wilken+,

meinen, dass in der ersten Urzeit selbst die dauernde Beziehung

zwischen Mutter und Kind so gut wie unbekannt war, und das Kind, keiner

bestimmten Person angehörend, in der Horde aufging,[344] von der es

einen Teil ausmachte, daher auch seiner natürlichen Mutter nicht näher

verwandt galt, als irgend einem andern Stammgenossen oder wenigstens

einer Klasse von andern Stammgenossen,[345] so kann doch dieser Zustand

begreiflicherweise nicht lange gedauert haben. Es lässt sich hören,

dass bei den indischen Naïr kein Sohn seinen +Vater+, kein Vater seinen

Sohn kennt; das von der Natur um +Mutter+ und +Kind+ geschlungene

Band musste jedenfalls sehr bald seine Rechte geltend machen, und

diese Naturwahl trug dazu bei, dasselbe immer inniger und fester zu

gestalten. Alle Beispiele rascher Entfremdung zwischen Mutter und Kind,

womit die moderne Völkerkunde uns versieht, betreffen auch stets nur

den ohnehin überall von der Familie sich frühzeitig ablösenden +Sohn+,

niemals die +Tochter+, welche bis zum mannbaren Alter fast ausnahmslos

bei der Mutter bleibt, ein Verhältnis, für das man sich in der ganzen

übrigen Welt der Lebewesen vergeblich nach einem Beispiele umsieht.

Aber auch beim männlichen Kinde kann die Entfremdung und das Aufgehen

in die Horde nicht allzurasch vor sich gehen.

Nichts in der That, bemerkt +Lippert+, ist hilfloser als das

neugeborene Kind; nicht Wochen und Monate, sondern Jahre bedarf

es seiner Mutter zur Ernährung, und somit ist schon ein dauerndes

Verhältnis zwischen Kind und Mutter begründet. Auch lange nach der

Entwöhnung bleibt selbst den Kindern in unseren Zivilisationskreisen

die Milch der wichtigste und hauptsächlichste Teil ihrer Nahrung.

Wir ersetzen diesen Mangel durch Kuhmilch; den Völkern, welche keine

milchspendenden Haustiere besitzen, wie z. B. die Amerikaner und

die Schwarzen Zentralafrikas, fehlt natürlich dieses Surrogat, und

zur Aufbringung des Kindes kennen sie kein anderes Mittel, als das

der möglichsten Erstreckung der natürlichen Ernährungsweise und ein

entsprechendes Hinausschieben der Zeit des Überganges. Damit trifft

zusammen, dass die Ernährung aus dem mütterlichen Busen für die Sitte

und Lebensweise der Urzeit wie der Unkultur zugleich die leichteste,

bequemste ist. Aus diesem Grunde erstreckt sich die Zeit des Nährens

bei allen Völkern niederer Kultur auf ungewöhnlich grosse Zeiträume.

Drei bis vier Jahre des Säugens und mehr sind nichts Seltenes,[346]

und es giebt Völker, bei welchen halb herangewachsene Buben ihre Spiele

unterbrechen, um nach der Mutterbrust zu verlangen, welche manche von

ihnen schon mit der glimmenden Zigarre vertauschen. +Lippert+ glaubt

nun, dass alle Völker einmal durch die Schule der langen Nährfrist

gegangen, weil eben die Erfindung der besten Ersatznahrung erst ein

spätes Ereignis sei. Allein die Richtigkeit der letzteren Behauptung

auch zugegeben, so kann dieselbe doch nicht der ausschliessliche

Grund der beregten Sitte sein, denn bekanntlich beschränkt sich die

Nahrung des Kindes bei jenen Völkern, welche die Säugezeit ungebührlich

lange ausdehnen, durchaus nicht auf die mütterliche Milch, sondern

es werden dem Säuglinge schon frühzeitig andere Stoffe zugeführt.

Im nordwestlichen Amerika gewöhnen die Tlinkit und Koljuschen ihre

Kinder schon nach zehn Monaten an den Genuss eines Seetieres, und

die Eskimokinder, welche noch nicht sprechen können, verzehren

mit ungeheurer Gefrässigkeit grosse Fett- und Fleischklumpen vom

Walross,[347] während die Kinder der Chippeway-Indianer beständig

mit dem Essen von Musetier- und Elenfleisch sich beschäftigen, wenn

sie nicht gerade am mütterlichen Busen saugen.[348] Es ist also bei

den Urvölkern, wie Dr. +Ploss+ mit grösserer Wahrscheinlichkeit

annimmt, die Bequemlichkeit, die Einfachheit und Billigkeit dieser

Ernährungsweise, dann die Gewohnheit, und endlich auch die Fähigkeit,

jahrelang ohne Nachteil stillen zu können, massgebend.[349]

Sei dem indes wie immer, Thatsache ist, dass die meisten Wilden

ungemein lange Nährfristen beobachten, und dies musste die Folge üben,

dass in der Urzeit das Kind selbst schon mit erwachenden Sinnen auch

des Bandes bewusst ward, das es an die Mutter knüpfte. So zeitigte die

Mutterliebe im Kinde die jüngere Frucht der Kindesliebe, der Liebe

zur Mutter.[350] Weil weit weniger erforderlich zur Erhaltung der Art,

ist dieses Gefühl auch weniger verbreitet und viel schwächer als die

Liebe der Eltern zu den Kindern. Den Tieren ist es völlig unbekannt;

der kulturarme Wilde empfindet es meist nur leise und selbst beim

Gesitteten vermag es in der Regel an Kraft sich mit der elterlichen,

besonders der mütterlichen Liebe nicht zu messen.[351] Immerhin dürfen

wir erwarten, dass in den Zeiten der Muttergruppe die Kinder der

nämlichen Mutter für längere Dauer eine der Art der Zusammengehörigkeit

sich bewusste Gemeinschaft um die Mutter bildeten und dass die

Töchter an dieser Gemeinschaft noch festhielten, wenn die Söhne der

Paarungstrieb oder der Hunger davonführte. Hingegen war der Einfluss

jener Grundsitte des jahrelangen Nährens auf das Verhältnis von Mann

und Frau, sowie auf dessen Dauer +nicht+ günstig. Darin muss man

+Lippert+ beistimmen, nicht aber in seiner Begründung der beobachteten

Thatsachen. Ihm zufolge gebietet nämlich ein physiologisches Gesetz

für die ganze Dauer der Muttersorge strenge Entsagung, wodurch der

Mann sich vollständig vereinsamt sah und der Bund durch Trennung der

beiden Erzeuger wieder gesprengt war. Frühzeitig soll die Erfahrung

dieses Gesetz der Enthaltsamkeit gelehrt haben, welches gar bald auch

zur menschlichen Satzung ward, auf deren Übertretung ein schwerer Fluch

lastete. Starb gar das Kind während der üblichen langen Säugeperiode,

so erweckte dies die Vermutung, dass die Frau die Gemeinschaft des

Mannes den Mutterpflichten vorgezogen habe. Das Entsagungsopfer,

welches für die Existenz des Kindes gebracht wurde, zerstörte aber für

die ferneren Zeiten der Urgeschichte die Möglichkeit einer dauernden

und einpaarigen Ehe.

So legt, anschliessend an +Lubbock+, der geistvolle +Lippert+ den

Sachverhalt dar.[352] Richtig ist, dass unter manchen kulturarmen

Völkern der Geschlechtsgenuss dem Weibe so lange untersagt ist,

als sie ihr Kind säugt. Allein diese Vorschrift hat durchaus nicht

allgemeine Gültigkeit. Bei den marokkanischen Arabern z. B. pflegen

die Mütter ihre Kinder zwei Jahre lang zu nähren und während dieser

Zeit leben sie zumeist allein; doch ist es ihrem Manne nach Ablauf von

drei Perioden gestattet, sie wieder zu besuchen und mit ihnen Umgang zu

pflegen.[353] Ferner ist es wohl eine durchaus +irrige+ Voraussetzung,

dass Entsagung ein physiologisches Gesetz und vollends, dass sie zur

Erhaltung des Kindes notwendig sei. Vielmehr ist in der überlangen,

sich nicht selten auf vier bis fünf, ja mitunter bis zu zehn und zwölf

Jahren erstreckenden Nährfrist eine der +Ursachen der übergrossen

Kindersterblichkeit+ zu suchen, während sie zugleich eine frühzeitig

eintretende Hinfälligkeit und Abgelebtheit der Mutter nach sich zieht.

Man kann also nur so viel sagen, dass unter günstigen Verhältnissen

die kräftigen Mütter wilder und halbwilder Völker ihren Kindern eine

nach unseren Begriffen ungemein lange Zeit die Milch ihrer Brust als

fast ausschliessliche Nahrung darreichen können, ohne dass sie selbst

oder ihre Sprösslinge dadurch besondern Schaden erleiden. Allerdings

beobachtet man auch vielfach, dass wilde Mütter durch ein mehrere

Jahre lang dauerndes Säugen frühzeitig welken und altern.[354] Von

einem „Entsagungsopfer“ ist vollends keine Rede. Es ist vielmehr die

blosse +Furcht vor der Geburt+, welche die Weiber so lange stillen

lässt, um einer frühzeitigen Wiederholung der Schwangerschaft zu

entgehen, denn in der That sind sie in der Lage, während des Säugens

geschlechtlich zu geniessen unter verringerter Gefahr des Empfangens.

Freilich hilft das Mittel nicht immer. Bei den Serben stillt die Mutter

so lange, als sie nicht von neuem schwanger wird, ein Beweis, dass sie

also in der Nährzeit den Geschlechtsgenuss sich nicht versagt. Alle

glauben aber, dass sie nicht schwanger werden könnten, so lange sie

säugen, ein Punkt, in dem sie sich freilich oft irren.[355] Wenn die

Arawakenfrauen die Kinder mehrere Jahre fortstillen, bis das nächste

Kind da ist, so ist damit gleichfalls ausgesprochen, dass das Säugen

die Empfängnis nicht hindert; auch bei den Negerinnen in Altkalabar

dauert das Säugen bis zu einigen Monaten in die nächste Schwangerschaft

hinein, es hat also während desselben Befruchtung stattgefunden. Im

allgemeinen darf man aber wohl annehmen, dass die Gefahr einer neuen

Schwangerschaft durch eine lange Säugeperiode verringert werde, ja

bei einigen Frauen ist die Meinung verbreitet, dadurch gänzliche

Unfruchtbarkeit herbeiführen zu können; wenn auch nicht diese, eine

Verringerung der Kinderzahl hat sie jedenfalls zur Folge, denn es

tritt durch lang fortgesetztes Säugen Atrophie des Uterus ein.[356]

Dr. +Ploss+, der diesen Fragen jahrelanges Studium gewidmet hat, hält

den thatsächlich unrichtigen Gedanken, dass Ausübung der Begattung

der Säugenden oder dem Säuglinge schaden könne, für einen den wilden

Völkern allzu ferne liegenden; ich glaube mit Recht, denn es lag sicher

nicht im Wesen des gedankenarmen Urmenschen, das Wohl des kommenden

Geschlechtes fürsorgend durch sein eigenes zu erkaufen. Wie der Zweck

der Natur mit dem Erscheinen des Kindes erreicht ist und dieselbe

sich nicht weiter um die Eltern bekümmert, welche sie oft grausam

ihrem Schicksale überlässt, so lebt als wirksames Gegengewicht in

jedes Menschen Brust der egoistische Erhaltungstrieb, der zuvörderst

auf das eigene Wohl bedacht ist. Die lange Säugezeit auf niedrigen

Gesittungsstufen bedeutet also nicht nur +kein+ Entsagungsopfer des

Weibes, sondern vielmehr das gerade +Gegenteil+, nämlich das Streben,

den Geschlechtsgenuss sich zu sichern mit thunlichster Vermeidung

seiner Folgen. Doch soll nicht geleugnet werden, dass in der That

Enthaltsamkeit während der Stillungsperiode vielfach auf niederen

Stufen geübt wird; nur liegen ihr nicht die von +Lippert+ vermuteten

Gefühle zu Grunde. Vielmehr darf man wohl mit Dr. +Ploss+ annehmen,

dass nach allgemeiner Volksstimmung die weibliche Person, so lange sie

+überhaupt+ in einer geschlechtlichen Verrichtung begriffen ist, als im

Ausnahmezustand befindlich gilt, der für +andere+ dann eine gewisse

Gefahr darbietet, wenn sie sich mit der darin Befindlichen in zu nahe

Berührung einlassen.[357] Die Enthaltsamkeit geht also nicht vom Weibe,

sondern vom Manne aus, und was diesen zurückhält, ist gemeine Furcht.

Zu Gunsten dieser Ansicht spricht, dass bei den meisten Wilden und

Halbwilden das Weib während der Katamenien als „unrein“ gilt und eine

unerschöpfliche Liste von Vorurteilen und darauf gegründeten Sitten

diese Momente des Geschlechtslebens in den dunkelsten Zeiten umgab

und noch umgiebt. Nur der hochgestiegene Europäer ächtet das Weib

weder in dieser Zeit, noch wenn sie schwanger oder gar Wöchnerin ist.

+Mantegazza+ erzählt von einem seiner Bekannten, welcher seine eigene

Frau so sehr liebte (?) dass er schon in der ersten Woche nach ihrer

Entbindung zu ihr kam. Drei Tage nach derselben war sie von neuem in

der Hoffnung und neun Monate darauf schenkte sie einem zweiten Kinde

das Leben.[358]

Ich muss mich also von +Lippert+ etwas trennen in der Deutung der

urzeitlichen Entsagung und darin nicht so sehr einen Triumph der auf

die Erhaltung der Nachkommenschaft bedachten Mutterliebe, als einen

Ausfluss der auf Beschränkung der Brut abzielenden Eigenliebe erkennen,

eine Beschränkung, die derselben andererseits freilich wieder zum

unbeabsichtigten Vorteile gereicht. Für die Urzeit ist diese Deutung,

däucht mir, die weitaus glaubwürdigere, und vielleicht wird auch

+Lippert+ sich ihr anschliessen, wenn er die beigebrachten Gründe auf

ihre Wichtigkeit und Tragweite hin sorgsam prüft. Das Kind war für die

Mutter zuerst unter allen Umständen eine Last, und war sie auch in der

Lage, dasselbe selbständig aufzubringen, so erschwerte sich ihr doch

sehr erheblich der Kampf ums Dasein mit der wachsenden Kinderzahl. Der

allerursprünglichste Grad von Fürsorge für das Eigenwohl wies daher

das Weib auf deren Beschränkung hin, und die Entsagung mochte ihr

desto leichter fallen, als die Lust an Geschlechtsfreuden noch weniger

ausgebildet war. Die fürsorgende Entsagung während des Stillens im

Hinblick auf die Nachkommenschaft gehört wohl erst einer späteren

Epoche an, wie sie manche Barbaren der Gegenwart darstellen mögen. So

betrachten es auf den Vitiinseln z. B. die Angehörigen der Frau als

eine offenbare Beleidigung, wenn diese vor Ablauf der üblichen drei

bis vier Jahre wieder ein Kind bekommt, und halten es dann für ihre

Pflicht, sich in derselben offenkundigen Weise zu rächen. +Berthold

Seemann+, welcher 1860 den Vitiarchipel besuchte, erzählt von einem

Weissen, welcher auf die Frage der Eingebornen nach der Zahl seiner

Geschwister, offenherzig mit: „Zehn“ antwortete. „Aber das ist ja nicht

möglich,“ meinten die Insulaner, „eine Mutter kann kaum so viele Kinder

erzeugen.“ Belehrt, dass diese Kinder in jährlichen Zwischenräumen zur

Welt gekommen und dass dies ein in Europa häufiges Vorkommnis sei,

fanden die dem Kannibalismus huldigenden Naturkinder dies ungemein

anstössig und meinten, dies erkläre zur Genüge, warum so viele Weisse

blosse Knirpse seien.[359] Auf diesen fortgeschritteneren Stufen

ist übrigens die Beschränkung der Geburten gar nicht die Folge von

Entsagung, sondern künstlich bewirkt. Von den Chewsuren im Kaukasus

meldet Dr. +Gustav Radde+, selten werde man mehr als drei Kinder in

einer Familie finden, denn „es ist bei den verheirateten Chewsuren eine

grosse Schande, wenn dem jungen Paare vor Ablauf der ersten vier Jahre

ein Kind geboren wird. Aber später darf erst im Verlaufe von abermals

wieder drei Jahren eine zweite Geburt statthaben; die Leute meinen,

dass bei der raschen Aufeinanderfolge der Kinder das jüngere dem

älteren die nötige Pflege rauben würde. Die also mit dem zwanzigsten

Jahre eingegangene Ehe bleibt vier Jahre lang unfruchtbar und das

absichtlich“, nicht aber auf dem Wege der Enthaltung.[360] Immerhin

bleibt +Lipperts+ Folgerung zu Recht bestehen, dass die mit der langen

Nährfrist in irgend einer Weise zusammenhängende Enthaltsamkeit den

Wechsel der Frauen seitens der Männer bedinge; er hätte hinzufügen

können: wie jenen der Männer seitens der Frauen. Denn spätestens nach

der Geburt des Kindes schied der Mann, um seine Freuden in den Armen

eines andern Weibes zu suchen, die Mutter aber blieb während der langen

Nährzeit auf sich selbst angewiesen. Bei dem geringen Vorrate an

Zärtlichkeit, welcher den niederen Gesittungsstufen eignet, ist kaum

anzunehmen, dass die Neigung des Weibes zum nämlichen Manne die Probe

der Jahre zu bestehen vermochte. So lange sich das Weib nicht in den

Besitz eines einzigen Mannes gab, -- und bis dahin war noch ein weiter

Weg -- fiel sie leicht in den verschiedenen Zeiten ihrer Freiheit

Verschiedenen zu. Hatte sie doch, so lange sie frei für sich in ihrer

eigenen Gewalt stand, für niemanden ihre Unberührtheit zu wahren.[361]

Die wenigen Kinder, welche das Weib in langen Zeitabständen gebar,

dürften also nur selten vom gleichen Vater stammen. Denn der Trieb

nach Fortpflanzung verlangt eben so heftig nach Wechsel, wie der Trieb

nach Erhaltung der Gattung nach Dauer in dem Verhältnis von Mann und

Weib. So ist also schon in der Natur der Zwiespalt zwischen Begierde

und Familie gegeben, und nicht im Manne kann von Anfang an der Antrieb

gelegen sein, sich dem Weibe zuzugesellen, um der Versorger ihrer

Kinder zu werden.[362]

[293] +Lippert+. Kulturgeschichte. Bd. I. S. 88.

[294] +Lippert+. A. a. O. S. 73.

[295] A. a. O. S. 76. -- Geschichte der Familie. S. 20. -- Ferner:

+Lippert+. Die Kulturgeschichte in einzelnen Hauptstücken. Leipzig u.

Prag, 1886. II. Abteilung. S. 3.

[296] +Powell+. Unter den Kannibalen von Neubritannien. S. 123.

[297] +R. Parkinson+. Im Bismarck-Archipel. Erlebnisse und

Beobachtungen auf der Insel Neupommern. Leipzig, 1887. S. 105.

[298] Globus. Bd. XIII. S. 230.

[299] Globus. Bd. XLIII. S. 158.

[300] +Richard Oberländer+. Australien. Geschichte der Entdeckung und

Kolonisation. Zweite Aufl. Leipzig, 1880. S. 307-308.

[301] A. W. +Stirling+. _The Never, never Land. A ride in North

Queensland._ London, 1884. S. 87.

[302] Nach +Appun+.

[303] +Letourneau+. _Sociologie._ S. 138.

[304] +Lippert+. Kulturgeschichte. Bd. I. S. 76.

[305] +Kautsky+ im Kosmos. Bd. XII. S. 194.

[306] +Frerichs+. Zur Naturgeschichte des Menschen. S. 106.

[307] A. a. O. S. 103-104.

[308] +Lippert+. A. a. O. S. 76.

[309] A. a. O.

[310] +Letourneau+. _Sociologie._ S. 138.

[311] Dr. +Lothar Dargun+. Mutterrecht und Raubehe und ihre Reste im

germanischen Recht und Leben. Breslau. 1883. S. 3.

[312] +Lippert+. Kulturgeschichte. Bd. I. S. 281.

[313] „Es giebt kein kommunistisches Volk,“ sagt ziemlich gewagt

Professor +Ratzel+ (Völkerkunde. Bd. I. Grundzüge S. 85), setzt aber

hinzu: doch ist besonders bei nomadisierenden und daher dünn wohnenden

Naturvölkern der Eigentumsbegriff nicht nach allen Richtungen hin

gleich entwickelt.

[314] Dr. +Schneider+. Die Naturvölker. Bd. II. S. 90.

[315] Ausland. 1862. S. 594.

[316] +Darwin+. Reise eines Naturforschers um die Welt. Stuttgart,

1875. S. 263.

[317] +Schneider+. Die Naturvölker. Bd. I. S. 96.

[318] +Lippert+. Kulturgeschichte in einzelnen Hauptstücken. Abt. II.

S. 89-92.

[319] +Wilhelm Radloff+. Aus Sibirien. Leipzig, 1884. Bd. I. S. 287.

[320] +Darwin+. Reise eines Naturforschers. A. a. O.

[321] +Moriz Wagner+. Die Kulturzüchtung des Menschen gegenüber der

Naturzüchtung im Tierreich. (Kosmos 1886. Bd. I. S. 34.)

[322] +Wagner+. A. a. O. S. 24.

[323] +Frerichs+. Zur Naturgeschichte des Menschen. S. 107.

[324] +Lippert+. Kulturgeschichte. Bd. I. S. 79-81 und Geschichte der

Familie. S. 8.

[325] +Schneider+. Die Naturvölker. Bd. II. S. 477.

[326] +Georg Schweinfurth+. Im Herzen von Afrika. Bd. I. S. 574.

[327] +Henry M. Stanley+. Durch den dunklen Weltteil. Leipzig, 1878.

Bd. I. S. 535.

[328] A. a. O. Bd. II. S. 317.

[329] Erst 1885 trank Dr. +Jühlke+ auf solche Weise Blutbruderschaft

mit dem „Sultan“ Mandara von Dschagga, indem er mit demselben zusammen

von derselben Milch trank. Dr. +Jühlke+ zuerst aus seinem Munde und

der Sultan sodann aus jenem des deutschen Freundes. Und dies geschähe

deshalb, so erklärte der Ostafrikaner ausdrücklich, weil Kinder, wenn

sie klein seien, Milch tränken und zwei Brüder von +einer+ Mutter

eine und dieselbe. Wenn sie nun das thäten, so bedeute es, dass sie,

+Jühlke+ und der Sultan, ebenso Brüder seien, als wenn sie eine Mutter

gehabt hätten. (Schwäb. Merkur vom 21. Oktober 1885 nach Dr. +Jühlkes+

Bericht in der Kolonialpolitischen Korrespondenz.)

[330] +Lewis H. Morgan+. _Systems of Consanguinity and affinity of the

human family._ Washington, 1871.

[331] +Lippert+. Kulturgeschichte. Bd. I. S. 81-83.

[332] +Kubary+ in den Mitteil. d. Geograph. Gesellsch. zu Hamburg.

1878-1879. S. 245.

[333] +Morgan+. A. a. O. S. 454.

[334] A. a. O. S. 456.

[335] +Sibree+. Madagaskar. S. 273-279.

[336] +Lippert+. Kulturgeschichte. Bd. I. S. 83-84.

[337] +Kautsky+ im „Kosmos“. Bd. XII. S. 196-198.

[338] +Lippert+. Kulturgeschichte. Bd. I. S. 87.

[339] +Schneider+. Die Naturvölker. Bd. II. S. 475-476.

[340] A. a. O. S. 477.

[341] A. a. O.

[342] A. a. O. S. 480.

[343] Dr. +Edward B. Tylor+. Einleitung in das Studium der

Anthropologie und Zivilisation. Deutsche autorisierte Ausgabe von G.

+Siebert+. Braunschweig, 1884. S. 488.

[344] +Wilken+. _Primitieve vormen van het huwelijk en den oorsprong

van het gezin._ (_Ind. Gids._ 1881. S. 101.)

[345] +Post+. Geschlechtsgenossenschaft. S. 88.

[346] +Lubbock+. Die Entstehung der Zivilisation und der Urzustand des

Menschengeschlechts. S. 65. -- +Lippert+. Geschichte der Familie. S. 21.

[347] Dr. +Hermann Heinrich Ploss+. Das Kind in Brauch und Sitte der

Völker. Stuttgart, 1876. Bd. II. S. 123.

[348] A. a. O. S. 114.

[349] A. a. O. S. 92.

[350] +Lippert+. Die Geschichte der Familie. S. 23.

[351] +Letourneau+. _Sociologie._ S. 140.

[352] +Lippert+. Die Geschichte der Familie. S. 24-26.

[353] +Gerhard Rohlfs+ im: Globus, Bd. XXVII. S. 286.

[354] +Ploss+. Das Kind. Bd. II. S. 112-113.

[355] +M. Petrowitsch+, im: Globus, Bd. XXXIII. S. 348.

[356] +Ploss+. A. a. O. S. 92.

[357] +Ploss+. Das Weib. Bd. II S. 476.

[358] +Mantegazza+. Anthropologisch-kulturhistorische Studien. S. 76.

[359] Dr. +Berthold Seemann.+ _Viti: an account of a government mission

to the Vitian or Fijian Islands in the years 1860-1861._ Cambridge,

1862. S. 191.

[360] +Gustav Radde+. Die Chewsuren und ihr Land. Cassel, 1878. S. 88:

_coitu non perfecto semineque ejaculato usque ad determinationem non

perveniendo_.

[361] +Lippert+. Die Familie. S. 68-69.

[362] A. a. O. S. 24.

Die menschliche Familie nach ihrer Entstehung und natürlichen Entwickelung · 第 42 / 70 题