Der Geschlechtsverkehr in der Urzeit.
Zweifellos hat von allem Anfange an der Mensch zu den geselligen
Geschöpfen gehört. Sind doch gerade diese Triebe bei seinen nächsten
Verwandten im Tierreiche besonders stark entwickelt. Wohl darf man
daher schon den sprachlosen Urmenschen zu Herden vereinigt denken,
die bei dem Mangel natürlicher Waffen in der Eintracht ihre Stärke
suchten,[222] wie ja auch die Vierhänder thun. Lange über die Periode
der Sprachlosigkeit hinaus mochte der nur langsam von Errungenschaft zu
Errungenschaft sich forttastende Urmensch ausschliesslich in den Banden
gröbster Sinnlichkeit liegen, während die seelischen Prozesse, welche
das höher gestiegene Menschentum bewegen, zuerst gar nicht vorhanden
waren und später noch, bei ihrer sehr allmählichen Entwicklung,
bloss eine höchst untergeordnete Rolle spielten. Und dies trifft
selbst heute noch zu bei ganz niedrigen Rassen, welche thatsächlich
in ordnungs- und zusammenhangslosen Haufen oder Horden leben, wie
die südamerikanischen Pescheräh. Von einer Gliederung in Sippen oder
Stämme ist auf urzeitlicher Stufe nichts zu bemerken, noch viel weniger
Spuren von dem, was wir mit einem fremden Worte und im weitesten,
noch unbestimmtesten Sinne die „Familie“ nennen. Ein Bedürfnis, eine
Veranlassung zur Bildung einer Familie besteht für den einzelnen
nicht, und auch die Gesellschaft hat noch keinen Anlass, auf jene
hinzuleiten. Keiner hat etwas, das er den Kindern mitteilen könnte;
er besitzt weder ein geistiges, noch ein materielles Eigentum, das er
den Seinen vererben möchte. Alle sind gleich, alles ist gemeinsam;
die Horde bildet eine in sich völlig gleichförmige Einheit, +sie
ist selber die Familie+, die in ihrem Innern noch keine besonderen
Trennungen erträgt.[223] Natürlich wäre es ein schwerer Irrtum,
wollte man darunter etwas auch nur im Entferntesten den dermaligen
Vorstellungen von der Familie Annäherndes verstehen. Es beruht auf
einem beklagenswerten Mangel an sprachlichen Unterscheidungen, dass man
genötigt ist, mit dem nämlichen Worte zwei einander nicht im mindesten
denkende Begriffe zu bezeichnen.
In den Geschlechtsgenossenschaften der Urzeit, wie man nach dem
Vorgange +Albert Posts+[224] die ältesten Menschenvereinigungen nennen
kann, hat die Familie in unserem Sinne also nicht bestanden und konnte
auch nicht bestehen. Auch die mosaische Überlieferung, welche in die
Urzeiten zurückführt, weiss nichts von der Familie. Nirgends meldet die
Bibel, dass die vorsintflutlichen Menschen Familien gebildet hätten.
Gen. 4 und 5 geben allerdings Geschlechtsregister, die aber keineswegs
unsere Familie zwingend voraussetzen. Ebensowenig ist darin von der
„Ehe“, noch welcher Art diese gewesen, die Rede. Auch diese hat es
in den Urzeiten nicht gegeben. Durchaus zutreffend sondert +Lippert+
scharf die Paarung oder den Geschlechtsverkehr von der Ehe als
Gesellschaftsform im engsten Sinne; der Geschlechtsverkehr beruht auf
einem Antriebe des allerursprünglichsten Instinktes und hat daher seit
jeher stattgefunden; die Ehe als Grundlage der Familienorganisation
welcher Art immer ist eine Schöpfung gesellschaftlicher Fürsorge,
wie sie die Urzeit noch nicht kannte. Beide, Paarung und Ehe, stehen
nach Entstehung und Zweck weit auseinander.[225] Der folgenschweren
Verwechslung dieser beiden Begriffe scheint sogar +Darwin+ nicht
entronnen zu sein, insofern er davon spricht, dass in der Urzeit „alle
Erwachsenen sich verheiratet oder gepaart haben“ werden.[226] Letzteres
ist sicher, ersteres aber um so weniger, als sogar im heutigen Kreise
grösster Kulturarmut die Ehe fast unbekannt und nur die Paarung unter
den Schutz gewisser, oft sehr wenig drückender Sitten gestellt ist.
Die nämliche Verwechslung der Begriffe „Geschlechtsverkehr“ und „Ehe“
begeht auch Dr. +Wilhelm Schneider+, der doch „Missverständnisse“ und
„Missdeutungen“ in der Völkerkunde beseitigen will. Nur indem er beides
vermengt, kann er versuchen, die Ehe als eine allgemeine Einrichtung
(göttlichen Ursprungs) zu verteidigen.
Mag man übrigens betreffs der lebenden Rassen sich zu dieser
Frage stellen wie man wolle, für die Urzeit kommt wohl nur der
Geschlechtsverkehr in Betracht. Wie hat sich dieser gestaltet, das
ist die Frage. Selbstredend waren viele Verhältnisse, in denen der
Urmensch lebte, verschieden von denen, welche jetzt bei Wilden
anzutreffen sind. Nach Analogie mit niederen Tieren, urteilt
+Darwin+, dürfte er damals entweder mit einem einzigen Weibe oder
als Polygamist gelebt haben.[227] Der britische Forscher stützt
diese seine Ansicht auf die Lebensgewohnheiten der Vierhänder, die
allerdings in einem ungemein weit gespannten Rahmen sich bewegen
und dabei der freiesten Auffassung Spielraum gönnen. Beachtenswert
ist indes, dass gerade die menschenähnlichsten unter ihnen, die
_Troglodytes_-Arten, welche sich auch durch den Bau eines künstlichen
Obdaches uns nähern, in grösserer „Sittenreinheit“ glänzen. Dass sich
auch bei anderen Tieren strenge Paarung findet, ist schon an gehöriger
Stelle erwähnt. Mit Unrecht werden aber zu diesen auch Huftiere und
Wiederkäuer gezählt, welche in Rudeln oder Herden leben und damit
den urzeitlichen Geschlechtsgenossenschaften sozial ziemlich nahe
stehen. Dieserhalb und aus verschiedenen andern Gründen hat eine
nicht unbeträchtliche Reihe angesehener Forscher geschlossen, dass
Weibergemeinschaft, allgemeine Vermischung, oder Promiskuität, die
urwüchsigste Form des Geschlechtsverkehres gewesen sei. Alle Weiber
einer Horde seien Gemeingut aller Männer gewesen. J. J. +Bachofen+,
dem trotz mannigfacher Irrtümer das unbestreitbare Verdienst gebührt,
die schwierige Frage der Ehe- und Familienentstehung zuerst beleuchtet
zu haben,[228] hat für den „hässlichen Gedanken“,[229] wie +Peschel+
ihn nannte, die Bezeichnung „Hetärismus“ vorgeschlagen. Trotz der
gegen diesen Ausdruck vorgebrachten, nicht ungegründeten Bedenken[230]
würde derselbe indes, meines Dafürhaltens, noch weitaus jenem der
„Gemeinschaftsehe“ (_Communal marriage_) vorzuziehen sein, welchen der
verdiente Erforscher der Urzeit, Sir +John Lubbock+, dafür gewählt
hat.[231] Er scheint mir ganz besonders deshalb unzutreffend, weil er
durch die Herbeiziehung des Wortes „Ehe“ die Vorstellung erweckt, als
ob irgend etwas wie eine Ehe, wenn auch in schnödester Ausdehnung des
Begriffes, ursprünglich existiert habe.
Obwohl +Darwin+ zugiebt, „dass eine beinahe allgemeine Vermischung
einmal äusserst verbreitet auf der ganzen Erde war,“[232] so scheint
ihm doch allgemeine Vermischung der Geschlechter im Naturzustande
äusserst unwahrscheinlich, ganz besonders nach dem, was wir von der
Eifersucht aller männlichen Säugetiere wissen.[233] Ganz abgesehen
von der grossen Schar der durch dogmatische Anschauungen mehr oder
weniger beeinflussten Gelehrten, hat aber auch +Karl Kautsky+,
dem wir ein scharfsinniges Werk über Volksvermehrung verdanken,
die Weibergemeinschaft verworfen und als urwüchsigste Form des
Geschlechtsverkehrs die Monogamie erklärt, wofür er den Grund in der
ursprünglichen Gleichheit zwischen Mann und Weib sucht.[234] Dabei
ist jedoch, wie er selbst sofort beifügt, an Ehen in unserem Sinne
nicht zu denken. Sowie die Geschlechtsverbindungen im Urzustande
formlos eingegangen wurden, so waren sie auch ohne Umstände jederzeit
wieder löslich und zwar sehr leicht löslich. Solche Verbindungen nennt
+Kautsky+ hetäristische, seine Monogamie fällt also mit Hetärismus
zusammen und solche Bündnisse als Monogamie zu bezeichnen, scheint
mir ebenso unstatthaft als die Bezeichnung derselben als Ehen, wie
seitens +Kautskys+ geschieht. Derselbe trägt auch dem Liebemangel
der Urzeit viel zu wenig Rechnung oder vielmehr er schlägt, wie ich
glaube, die zarteren Regungen jener Urmenschen viel zu hoch an, wenn
er ihre geschlechtlichen Vereinigungen den Freundschaftsbündnissen
unserer Tage gleich erachtet. Freundschaftsbündnisse sind allerdings
nicht unlöslich, aber doch ihrer Natur nach +nicht leicht+ löslich,
weil sie eben sonst keine +Freundschafts+bündnisse wären. Erwägt man,
dass der Eifersucht der männlichen Individuen deren unbestreitbaren
und stark ausgeprägten +polygamen+ Triebe gegenüberstehen, welche
weder +Darwin+ noch +Kautsky+ und andere genügend berücksichtigen,
so wird man weniger geneigt sein, +Kautskys+ idealerer Auffassung
des Hetärismus zuzustimmen. Für eine ursprüngliche Ungebundenheit
des Geschlechtsverkehrs beim Urmenschen (Promiskuität) sprechen
sich auch die Mehrzahl der mit dem Gegenstande vertrauten Forscher
aus, unter andern der in Deutschland noch so gut wie unbekannt
gebliebene Niederländer G. A. +Wilken+,[235] dessen Arbeiten ich
einen grösseren Wert als allen übrigen zuerkennen muss, weil er
von allen „Urstandsphilosophen“, wie Dr. +Schneider+ sie spöttisch
nennt, der einzige ist, dem ein jahrelanger Aufenthalt und genaue
persönliche Beobachtungen inmitten barbarischer Völkerschaften zur
Seite stehen. Freilich, eine +schrankenlose+ Vermischung, wie sie
etwa Sir +John Lubbock+ und schon vor ihm Mc +Lennan+, +Bachofen+
und +Morgan+ annahmen, wonach jeder Mann physische Rechte über alle
Weiber gehabt hätte, jedes Weib dem Manne unterschiedslos zu Willen
gewesen wäre, eine solche Vermischung hat gewiss niemals bestanden.
Dem widerspricht schon das Beispiel der Herdentiere, das Vorbild
der urzeitlichen Geschlechtsgenossenschaften. Niemals findet da
Verkehr zwischen den Gliedern verschiedener Herden statt, und wenn
dies ausnahmsweise geschieht, so wird der abtrünnige Teil durch
Ausstossen aus der Herdengemeinschaft bestraft. Der Hetärismus
war also sicherlich auch beim Urmenschen zunächst auf die eigene
Geschlechtsgenossenschaft beschränkt, und diese müssen wir uns
anfänglich als ziemlich wenig zahlreich denken. Obendrein verhielten
sich die einzelnen Herden, wie dies der Kampf ums Dasein eben mit
sich bringt, meist feindlich gegen einander. Die Paarung konnte also
nur innerhalb der Geschlechtsgenossenschaft und auf friedlichem
Wege vor sich gehen. +Darwin+ und +Kautsky+, deren Anschauung auch
+Mantegazza+ sich anschliesst, haben also unzweifelhaft Recht, die
angebliche Weibergemeinschaft der Urzeit zu verwerfen, denn in einer
menschlichen Gesellschaft konnte sie nie als dauernder Zustand
existieren.[236] Ursprünglich, d. h. von Natur aus war das Weib sicher
nicht Sklavin, sondern wenn auch der körperlich schwächere Teil, doch
die freie Genossin des Mannes, der um ihre Gunst buhlen musste,[237]
wie überall in der Natur. Wahr, der innere Trieb ist fast bei allen
Männern der Erde polygam und fast bei allen Weibern polyandrisch;[238]
immerhin lässt der urzeitliche Hetärismus nicht anders sich auffassen,
als dass einfach noch keine Normen aufgestellt waren, welche das
Paaren regeln sollten, dieses vielmehr ausschliesslich von dem
Willen der betreffenden Individuen während der Herrschaft dieser
Gesellschaftsform abhing. Schon vor +Kautsky+ hat M. +Kulischer+ in
Kijew, dem wir wertvolle Untersuchungen über die geschlechtlichen
Urzustände verdanken, wahrscheinlich gemacht, dass die Zeitdauer des
Zusammenlebens zweier Individuen unbestimmt war, dass dasselbe nach
Belieben gelöst und von denselben Personen mit andern aus der nämlichen
Gemeinschaft aufgenommen werden konnte.[239]
Derart umgrenzt und eingeschränkt verliert die Ungebundenheit der
Urzeit sehr viel von dem gesitteten Begriffe des Widerwärtigen,
wogegen so heftig die Milch frommer Denkungsart eifert. Eine
weitere Einengung erfährt dieselbe dadurch, dass +das Paaren+, wie
+Kulischers+ Ausführungen ungemein glaubhaft erscheinen lassen, +nur
zu einer gewissen Zeit im Jahre stattfand+.[240] Nicht wie später
erstreckte sich dasselbe auf alle Zeiten des Jahres; wenn auch der
Urmensch gleich uns das menschliche Vorrecht gehabt haben mag, in
jedem Klima und jeder Jahreszeit seine Lust befriedigen zu können,
so stellte sich der Paarungstrieb doch vornehmlich in jener Zeit
ein, als er auch in der Tierwelt erwacht, nämlich im Frühjahre und
zur Erntezeit. Vielleicht klingt eine Erinnerung an jene entfernten,
längst entschwundenen Zustände in der hellenischen Sage von den
Amazonen nach, welche der Erhaltung ihres mythischen Staates wegen
nur im Frühjahre mit den Männern der Nachbarländer Umgang pflogen.
Bei einzelnen Völkern hat sich die Sitte der Paarung im Frühlinge
und zur Erntezeit sogar noch bis in unsere Tage bewahrt, und auch
wo sie untergegangen, weisen mitunter symbolische Handlungen auf
jenen Urzustand zurück. Dies hat +Kulischer+ sogar für vorgerücktere
Zeiten bei den gesitteten Nationen unseres Erdteiles sehr schön
nachgewiesen.[241] Sicher ist auch, dass wir mitten im Kulturbereiche,
ebenso wie die Menschen der vormetallischen Zeit, den Stachel der
Sinne im Frühjahre und Sommer schärfer empfinden,[242] und statistische
Erhebungen lassen darüber keinen Zweifel, dass eben um diese Zeiten
der Paarungstrieb am stärksten thätig ist. Um wie viel mehr erst in
der Urzeit, als der Mensch der Tierwelt noch um so viel näher gerückt
war! Wie in dieser war die Paarung damals kein Geheimnis, die ganze
Geschlechtsgenossenschaft vollzog sie öffentlich, aber nur in den
gedachten Zeiten. Man sieht, wenn auch bei noch fehlender Zügelung
durch geistige Thätigkeit in den Banden grösster Sinnlichkeit gefangen,
frönte der Urmensch nicht etwa heftiger oder leidenschaftlicher dem
erotischen Triebe als seine fortgeschritteneren Nachkommen. Eine
Verstärkung dieser Ansicht läge in meiner Vermutung, wonach dem
Urmenschen bei gröber organisiertem Nervensystem auch die physischen
Freuden geschlechtlicher Umarmungen in bescheidenerem Grade zugemessen
waren. Giebt es doch in der Gegenwart Völker, welche, wenigstens
weiblichen Teils, nur geringen Hang zu erotischen Genüssen haben,
wie z. B. die im Geschlechtsakte phlegmatischen Karibinnen,[243] ja
die sich sogar unendlich kalt und eisig bezeigen, wie nach Dr. +Otto
Finschs+ Mitteilungen die Frauen und Mädchen auf der Karolineninsel
Ponape.[244] Dem Manne der Urzeit konnte hinwieder das Weib, körperlich
wie physisch von ihm wenig differenziert, ihm ähnlicher, nicht anders
begehrenswert erscheinen als in dem, was jede gewähren konnte,
während auch dem Weibe, dessen Urtrieb es ohnehin im allgemeinen
unwiderstehlich zum Gewöhnlichen, zum Dutzendmenschen hinzieht, ein
besonderes männliches Individuum kaum beglückenswerter erscheinen
mochte, als ein anderes, sofern nicht Gesundheit und Körperkraft in
Frage kamen. Zu gleichem Ergebnisse gelangt wohl auch +Darwin+ in
Bezug auf die Urzeit. „Wenn,“ so sagt er, „den Frauen ebenso wie den
Männern gestattet wurde, irgend welche Wahl auszuüben, so werden
beide Geschlechter sich ihren Gatten gewählt haben, und zwar nicht
um geistige Reize oder grossen Besitz oder soziale Stellung, sondern
beinahe einzig und allein der äusseren Erscheinung nach.“[245]
Der grosse britische Forscher, der alle seine bisherigen Gegner
um Haupteslänge überragt, urteilt weiter, dass in der Urzeit alle
Bedingungen für geschlechtliche Zuchtwahl viel günstiger gewesen
sein dürften, wie in einer späteren Periode, als der Mensch, in
seinem geistigen Vermögen vorgeschritten, aber in seinen Instinkten
zurückgegangen war.[246]
Aus dem Gesagten lässt sich, denke ich, schliessen, dass es nicht
gut angeht, monogame Zustände an der Wiege unseres Geschlechts
vorauszusetzen, nicht einmal wenn man sie mit +Kautsky+ zu
„hetäristischen Ehen“ abschwächt, ebensowenig einfache Vielweiberei,
wenn darunter die mehr oder weniger geregelte Polygamie der Gegenwart
verstanden wird. Was Platz griff, war wohl ungeregelte Polygamie,
welche aber ziemlich naturgemäss Polyandrie nach sich zieht und aus
dieser Vermischung jenen ehelosen Geschlechtsverkehr schuf, für welchen
noch die richtige Benennung fehlt. Das Wort „Hetärismus“ brandmarkt
den „ausserehelichen“ Verkehr der Geschlechter. Von solchem kann man
aber nicht reden, so lange es noch keine „Ehe“ giebt. Versteht man
unter „Ehe“ mit Professor +Friedrich Ratzel+ „das stillschweigende
oder vertragsmässig formulierte Übereinkommen zwischen Mann und Weib,
einen gemeinsamen Hausstand zu begründen und in demselben ihre Kinder
aufzuziehen“,[247] so ist sogar innerhalb dieser weiten Grenzen
in der Urzeit davon keine Rede. Mit Recht besteht daher +Lippert+
darauf, dass der Name „Ehe“ in dem angedeuteten Sinne einer jüngeren
gesellschaftlichen Schöpfung vorbehalten bleibe.[248] So müssen wir
denn ehelose Geschlechtsgenossenschaften für die ältesten geselligen
Menschenvereinigungen halten, in welchen, wie sich von selbst ergiebt,
man weder von +Blutschande+ noch von +Keuschheit+ wusste. Auch diese
beiden Begriffe gehören einem jüngeren Zeitalter an. Dass den Ehezeiten
eine solche Periode grösserer Ungebundenheit, wenn auch keineswegs
schrankenloser Vermischung, voranschritt, leuchtet wohl auch durch die
Worte der Bibel hindurch, wo es heisst: „Da sahen die Kinder Gottes
nach den Töchtern der Menschen, wie sie schön waren, und nahmen zu
Weibern, +welche sie wollten+.“[249]
Nirgends mehr in unseren Tagen trifft man eine völlige Ungebundenheit
als Grundlage einer Gesellschaft oder als tägliche Gewohnheit in den
geschlechtlichen Beziehungen, selbst nicht auf den niedersten Staffeln
der menschlichen Stufenleiter. Dürften wir indes geschichtlichen
Nachrichten trauen, so hätte es im Altertume an Völkern nicht gefehlt,
welche in gänzlicher Vermischung lebten, und bei welchen die Weiber
einen Gemeinbesitz des Stammes bildeten. +Strabo+ erzählt dies von den
Massageten und den afrikanischen Troglodyten, was +Diodor von Sizilien+
bestätigt; +Mela+, +Plinius+, +Solinus+ und +Martianus Capella+ von
den Garamanten, +Xenophon+ endlich von den Mösinöken, welche den
Kriegern des Kyros durch die Öffentlichkeit ihrer Umarmungen Ärgernis
gaben. +Nikolaus von Damaskus+ bezeugt die Weibergemeinschaft bei
den Liburnern und den Galaktophagen. +Sextus Empirius+ behauptet das
Nämliche von einigen indischen Stämmen, ohne jedoch deren Namen zu
nennen. Von den Mäaten berichtet +Dio Cassius+, dass sie ebenfalls
ihre Frauen in Gemeinschaft besassen und alle Kinder gemeinschaftlich
auferziehen liessen.[250] Die Agathyrsen, die südlichen Nachbarn der
Skythen, lebten, alles nach +Herodot+, mit den Weibern insgemein,
damit sie alle Brüder untereinander seien und als Verwandte keiner
wider den andern Neid oder Feindschaft hegten.[251] Von den Nasamonen
berichtet der nämliche +Herodot+: „Weiber hat jeder in grosser Zahl,
aber den Umgang mit ihnen pflegen alle Männer insgemein. Wer zu einer
Frau will, der stellt seinen Stab vor ihre Thüre und wohnt ihr bei,
ähnlich wie bei den Massageten. Freiet ein Nasamone sein erstes Weib,
so ist es Brauch, dass sich die junge Frau in der ersten Nacht allen
Hochzeitsgästen der Reihe nach hingiebt und jeder der ihr beiwohnt,
giebt ihr ein mitgebrachtes Geschenk.“[252] Und von den äthiopischen
Ausern am Tritonissee sagt er gar: „Die Weiber sind alle gemein; Ehen
kennen sie nicht, sondern sie kommen zusammen, wie das Vieh. Hat ein
Weib ihr Kind aufgenährt, so kommen im dritten Monat hernach die Männer
zusammen, und welchem Manne das Kind ähnlich sieht, der gilt für den
Vater.“[253] Bei aller Ehrfurcht vor dem Vater der Geschichte möchte
ich diese Angaben, so bestimmt sie auch klingen, doch durchaus nicht
an sich für beweiskräftig erklären, denn Völkerkunde ist niemals die
starke Seite der Alten gewesen und wenn wir uns vergegenwärtigen, welch
unsinnige Fabeln noch vor wenigen Jahrhunderten über entfernte Völker
bei uns in Umlauf waren, so dürfen wir dies den Alten um so weniger
verargen; dafür haben wir das Recht, ihnen gegenüber misstrauisch zu
sein, zumal ihre Berichte ausnahmslos solchen Völkern gelten, welche am
äussersten Rande der damals bekannten Erde, abseits vom Weltgetriebe
standen.
Haben wir die schrankenlose Vermischung schon für die Urzeit als
unglaubwürdig zurückgewiesen, so wäre es selbstredend vergeblich, um
Beispiele derselben im heutigen Kreise der kulturarmen Menschheit sich
umzusehen. Immerhin kennt die letztere Verhältnisse, Zustände und
Sitten, welche die urzeitliche Ehelosigkeit sehr nahe streifen. Unter
dem Einflusse einer dem Glaubensbedürfnisse zugänglicheren Zeitströmung
hat sich indessen in Deutschland neuerdings eine Ethnologenschule
aufgethan, welche die Benutzung dieser Fingerzeige verwehren will und
es als leichtsinnig und unwissenschaftlich erklärt, von den heutigen
Wilden auf den Urmenschen zu schliessen. Diese Schule merkt nicht, dass
sie im Grunde ganz das Nämliche thut, indem sie sich bestrebt, von
den Barbaren der Jetztzeit jeden Makel möglichst zu entfernen, dort
aber, wo dies unthunlich, für eine örtliche Verirrung auszugeben,
welche eben keine Schlüsse zulässt. Auch die sogenannten „Rudimente
in Brauch und Sitte“, sowie die „Nachklänge in Mythe und Sage“ sollen
nichts beweisen, da sich die Entstehung derselben vielfach recht
wohl auf andere Weise erklären lasse. Uns diese andere Erklärung
mitzuteilen, damit befassten sich diese Völkerkundigen nicht; sie
sind mit dem Reinwaschen, mit dem Emporziehen ihrer Pfleglinge, der
Wilden und Halbwilden, vollauf beschäftigt. So stehen denn den älteren
Angaben über Barbarei, Grausamkeit, Hartherzigkeit, Sinnenlust und
Unkultur für ein und das nämliche Volk aus neuerer Zeit Zeugnisse
von Milde, Liebesgefühlen, Enthaltsamkeit, Treue und Sittsamkeit,
kurz einer bunten Musterkarte aller Tugenden entgegen. Die älteren
und auch die ungünstig lautenden Berichte Neuerer beruhen eben auf
ungenauen Beobachtungen, so sagt man, ohne für die Richtigkeit der
widersprechenden Angaben die geringste Bürgschaft zu bieten. Sie
bezwecken insgesamt, die Ungesitteten der Gegenwart in unserer Achtung
zu heben, weil ganz unabwendbar ein günstigerer Rückschluss auf ihre
vorgeschichtlichen Vorgänger damit verknüpft ist und der Abstand,
welcher diese von ihren tierischen Anfängen trennt, immer mehr
vergrössert wird, was schliesslich des Pudels Kern ist. Die Weisen
dieser Schule verzichten damit allerdings auf jegliche vernunftgemässe
Erklärung der Kulturerscheinungen, sie begnügen sich -- anspruchslos
wie sie überhaupt auch in der Auffassung und Deutung der physischen
und geistigen Thätigkeitsäusserungen beim Wilden sind -- mit der
einfachen Feststellung ihrer Beobachtungen und suchen Trost dafür in
der Ansicht, dass alles andere „Spekulation“, „gelehrte Dichtung“,
wenn nicht gar Märchen und daher unwissenschaftlich sei. Übersehen
wird dabei bloss, dass schon aus +Scheffels+ nach den Quellen
herausgearbeitetem Roman Ekkehard ein viel plastischeres Kulturbild
des zehnten Jahrhunderts gewonnen wird, als aus so manchem gelehrten
Geschichtswerke.
Unbeirrt durch das angedeutete Getriebe stelle ich im folgenden einige
der bemerkenswertesten einschlägigen Sitten oder „Unsitten“ Kulturarmer
zusammen, es dem geneigten Leser überlassend, ob und welche Schlüsse er
daraus ableiten will.
Ich wende mich zunächst nach jenem Erdteile, welcher seiner Entdeckung
nach der jüngste, doch in Wahrheit als einer der ältesten zu betrachten
ist, denn wir haben ihn als eine versinkende Weltinsel im Gewande
der Tertiärzeit uns zu denken, als einen Erdraum, dessen Geschöpfe
noch die Trachten der geologischen Vorzeit nicht abgelegt haben, da
die Beuteltiere Mode waren. Wo immer Australien von europäischen
Wanderern betreten wurde, begegneten sie Eingebornen oder ihren Spuren.
Diese Bewohner des australischen Festlandes, samt den Küsteninseln
und Tasmanien, bilden nun -- so wird allgemein angenommen -- ihrer
Körpermerkmale wegen eine scharf abgesonderte Menschengruppe, welche
als Verwandte den Papuanen, nicht den afrikanischen Negern am nächsten
steht,[254] wie +Robert Hartmann+ meint. An der Rasseneinheit der
Australier halten die meisten Forscher[255] fest, wiewohl sie zugeben,
dass zwischen den einzelnen Stämmen grosse Unterschiede in Körperbau
wie in Gesittung stattfinden und die Berührungen, welche der Nordrand
des Festlandes seit geraumer Zeit mit andern Völkerstämmen hatte,
nicht ohne Einfluss auf die dortigen Bewohner geblieben sind.[256]
Dr. +Paul Topinard+ hat es dagegen ungemein wahrscheinlich gemacht,
dass es in Australien zwei Rassen gebe.[257] Sei dem wie ihm wolle,
jedenfalls darf man mit Recht die heutigen Australier für die +ältesten
Menschen+ erklären, für die Überbleibsel einer uralten und ganz
besonderen Rasse, und in dieser sind wieder die westlichen Stämme den
ersten Anfängen der menschlichen Gesittung am nächsten geblieben,
somit die ältesten Australier.[258] Ihnen folgen dem Alter nach die
Südaustralier, während die Bewohner der Nordhälfte wohl am spätesten
den Boden des Kontinents betreten haben. Dort, besonders im hohen
Norden der Kolonie Queensland, finden sich heute die Eingeborenen noch
am zahlreichsten, dann von dort gegen die Flüsse Darling und Murray
hinunter, von wo sie öfters in kleinen Horden zwischen den grossen, von
den Europäern bewohnten Länderstrichen umherziehen. Kulturgeschichtlich
müssen indessen gerade diese jüngsten unter den Australiern nebst
jenen des Westens für die altertümlichsten gelten, denn im Süden
sind die Eingebornen zum grössten Teile ausgerottet, ihre spärlichen
Überbleibsel aber durch die mannigfachen Berührungen mit den Weissen
ihrem Urzustande entfremdet worden. Es ist demnach ganz unzulässig zu
generalisieren und von „Australiern“ im allgemeinen zu sprechen, wie
zumeist geschieht, denn es herrschen bei den verschiedenen Stämmen
die widersprechendsten Sitten, welche die grellen Abweichungen in den
Urteilen der Beobachter begreiflich machen. Dank denselben werden die
Australier nicht ohne Erfolg gerade so geschildert, wie man ihrer
jeweils bedarf. Wert besitzen aber bloss jene Angaben, die sich auf
bestimmte Stämme oder Landstriche beziehen. Im allgemeinen befestigen
auch die rohesten der australischen Stämme, welche von europäischen
Einflüssen noch unberührt geblieben, uns in der Überzeugung, dass
die Stufe der Urzeit schon weit hinter ihnen liegt. Immerhin ist es
bezeichnend, dass die Paarung meist während der wärmeren Jahreszeit, wo
die von der Natur dargebotene Nahrung in reichlicher Fülle vorhanden
und der Körper zu wollüstigen Regungen gestimmt ist, zu geschehen
pflegt und auch in vielen Fällen auf jene Jahreszeit beschränkt
bleibt.[259] Einzelne Stämme, wie die Watschandi am Murchisonstrome
in Westaustralien, feiern dann ein grosses Fest, das „Kaoro“, das in
Orgien ausartet. Die Männer umtanzen höchst unflätig eine Grube, die
Gebüsch umgiebt, springen mit geschwungenen Speeren[260] und wilden,
leidenschaftlichen Gebärden, welche ihre erregte Sinnlichkeit verraten,
umher und stossen die Speere in die Grube unter Absingung des Liedes:
_Pulli nira, pulli nira,
Pulli nira, wataka._[261]
Ein Seitenstück zu diesem Tanze der Watschandi besitzen die Eingebornen
des St. Vincentgolfes in Südaustralien.[262] +Augustus Oldfield+,
welcher den Stämmen Westaustraliens sein besonderes Augenmerk zugewandt
hat,[263] bemerkt, dass der Geschlechtsverkehr der Watschandi z. B.
sich wenig über ein tierisches Beisammensein erhebe. Nebenbei bemerkt,
erinnern auch Art und Weise der Paarung an sehr niedrige Zustände,[264]
doch herrscht darin grosse Verschiedenheit unter den Stämmen
Australiens.[265] +M'Combie+ beschuldigt auch die Wilden im Innern der,
übrigens weit ins Land greifenden, Kolonie Neusüdwales fast völliger
geschlechtlicher Ungebundenheit.[266]
Die meisten Stämme der australischen Urbewohner befinden sich heute
auf einer Stufe des Geschlechtsverkehrs, welche auch sonst gar häufig
wiederkehrt. Sie kennen nämlich schon den +Besitz bestimmter Weiber+,
für deren Wahl strenge Gewohnheitsgesetze bestehen und von welchen
auch Treue gefordert wird, während die Jugend völlig ungebunden ist
und weder Mädchen noch Witwen Keuschheit auferlegt wird, da sie
gar nicht als Tugend gilt. Wer nicht absichtlich auf jede logische
Erklärung verzichtet, wird nicht umhin können, in diesen Verhältnissen
Spuren einstiger Schrankenlosigkeit zu erblicken. Wäre jemals in
der Urzeit Keuschheit als eine Tugend angesehen worden und allgemein
herrschend gewesen, wie es die Anhänger der Lehre vom Sündenfalle
annehmen müssen, so liesse sich platterdings nicht erklären, wie
dieselbe für den einen, sehr starken Bruchteil der Gesellschaft ihren
Wert verloren, für den andern, schwächeren, behalten haben sollte.
So weit die Leuchte der Geschichte der Zeiten Nacht erhellt, sehen
wir stets das Besondere aus dem Allgemeinen hervorgehen. Und ist es
nicht eine geradezu widersinnige Annahme, dass der Mensch von allem
Urbeginn her eine Tugend besessen habe, die ihm die Bändigung eines
der mächtigsten aller Triebe, gerade jenes Triebes zur Pflicht macht,
auf dem die Erhaltung seines Geschlechts beruht? Die nämliche Logik
könnte den alten Adam mit der Kraft ausstatten, seinem Hunger zu
gebieten, was doch noch niemandem beigefallen ist. Wenn das Beispiel
+aller+ Völker +ausnahmslos+ lehrt, dass der Mensch, wie natürlich,
seinen ursprünglichen Instinkten desto freier folgt, je gesittungsärmer
er ist, und umgekehrt die mit der zunehmenden Kultur schritthaltende
Lebensfürsorge jüngere gesellschaftliche Instinkte zeitigt, welche
erstere zu zügeln bestimmt sind, so ist es doch wahrlich aller Logik
bar, einen umgekehrten Verlauf der Dinge vorauszusetzen. Bis auf
weiteres, d. h. so lange nicht die Wahrscheinlichkeit urzeitlicher
Vollkommenheit des Menschen mit streng logischen Gründen gestützt wird,
halte ich die Annahme berechtigt, dass die Keuschheit eine allmähliche
Kulturerrungenschaft ist, an welcher die Wilden keinen oder nur einen
sehr schwachen Anteil haben. Dort wo dieselbe, wie in Australien,
nur auf einen Teil der Gesellschaft beschränkt ist, verdient sie
überhaupt noch kaum diesen Namen. Man +verwechselt nämlich Treue
mit Keuschheit+. Keuschheit (_Castitas_) ist eine in der Kulturwelt
durch langandauernde Vererbung gehäufter Selbstbeherrschung gewonnene
Eigenschaft, die infolge dessen gewissermassen reflexiv sich äussert;
Treue kann aber +erzwungen+ werden, also auch ohne Keuschheit vorhanden
sein. Und so verhält es sich auch in der That sowohl in Australien als
anderwärts. Obwohl willig zugestanden werden soll, dass vereinzelte
Beispiele von Liebe auch in Australien vorkommen, so ist es doch in
der Regel durchaus nicht diese, welche dem Manne das Weib gewinnt.
Solches erwirbt er zumeist durch rohe Gewalt, durch Tausch oder
Kauf, und die Behandlung, die er ihr angedeihen lässt, unglaubliche
Roheit, gepaart mit tiefster Verachtung, ist nicht geeignet, im Weibe
zärtliche Gefühle für den Gatten -- dies Wort gebraucht im physischen
Sinne -- zu erwecken. Wenngleich dies dennoch öfter geschieht, als man
vermuten sollte, so stimmen doch alle Beobachter darin überein, dass
die Treue nicht unter die Tugenden der Australierinnen zählt, wenn
sie auch strenge gefordert wird. Oft genug geschieht es, dass während
der Gatte mit seinen Freunden beim Feuer sitzt und arglos dem Gelage
sich hingiebt, auf ein Gewisper oder ein anderes Zeichen, welches
aus dem Gebüsche herübertönt, das Weib unter irgend einem Vorwande
sich entfernt, um dort mit einem jungen Galan dem Genusse einiger
seligen Augenblicke sich hinzugeben.[267] Der Treubruch wird freilich
blutig gerächt, d. h. mit dem Tode, der an den Schuldigen meist von
den eigenen nächsten Verwandten vollzogen wird,[268] denn die Männer
sind angeblich meist erstaunlich eifersüchtig und haben, je älter sie
sind, um so mehr Grund dazu. Nur muss man sich hüten, in der Liebe den
Grund zu dieser Eifersucht zu suchen, wie dies gar zu gerne geschieht.
Diese Eiferfurcht, wenn man sie überhaupt mit diesem Namen bezeichnen
darf, entspringt lediglich dem Gefühle des Besitzes. Tausende von
Beispielen sprechen dafür, dass dem Wilden das Weib eine einfache
Sache des Besitzes ist; jeder Besitz aber macht eifersüchtig auf die
Erhaltung desselben. Der Treubruch ist eine offenkundige Verletzung
des Eigentumsrechtes, welches der Mann am Weibe durch Gewalt oder
Vertrag erworben hat, und wird als solcher geahndet. Beweis dafür,
dass öfters Männer, welche mehrere Weiber besitzen, einem unbeweibten
Freunde eines derselben abgeben, ja dass in Victoria die Männer ihre
Weiber für eine bestimmte Zeit wechseln. Dies nennen sie _Be-ama_. Es
giebt Fälle, in welcher diese Frist einen Monat dauert.[269] Solches
Ausleihen und Vertauschen der Weiber kommt auch anderwärts, sogar bei
den christlichen Insulanern Hawaiis[270] vor und ist wohl überall ein
Beweis, dass die männliche Eifersucht nur im Besitzgefühle wurzelt, in
keiner höheren Regung. Andernfalls wären Zustände wie die angedeuteten
nicht möglich. Der Mann legt Wert auf die weibliche Treue nur insofern
als er selbst darüber nicht anders verfügt. Wer sie gegen seinen
Willen verletzt, begeht einfach einen Diebstahl. Und dass auch bei den
Verführern zumeist nicht Liebe, sondern sinnliche Gründe vorwalten,
geht aus mancherlei Thatsachen hervor. So hat in australischen Augen
z. B. ein sehr fettes Weib einen solchen Reiz, dass dasselbe beständig
in Gefahr schwebt, gestohlen zu werden, wäre es auch noch so alt und
hässlich.[271]
Gewiss ist der Geschlechtsverkehr der meisten australischen
Stämme, wie er sich für Victoria nach den neueren Forschungen von
+Brough Smyth+ darstellt,[272] schon weit entfernt von völliger
Ungebundenheit; immerhin steht derselbe in Bezug auf die Anbahnung
des Zusammenlebens auf ungemein niedriger Stufe. Noch handelt es sich
dort weder um „Ehe“, noch um „Ehebruch“, sondern einfach um Besitz
und Eigentumsverletzung. Das australische Besitzverhältnis mit der
Benennung „Ehe“ zu schmücken, den Bruch einseitig geforderter Treue
zum „Ehebruch“ zu stempeln, wie jetzt Mode wird, zeugt von einer
Genügsamkeit ethischer Ansprüche, die ich anzustaunen bereit bin, aber
nicht zu teilen vermag. Kulturgeschichtlich ist nach meinem Dafürhalten
scharf zu unterscheiden zwischen Beweibtsein und Ehe, welch letztere
sich unseren Begriffen nach an die Begründung der +Dauerfamilie+
knüpft. Von einer solchen ist aber, wie ich später zeigen werde, noch
keine Rede auf der Stufe der Australier. Erst unlängst sind wir über
die Sitten und Zustände der Kamilaroi im Gebiete des Darlingflusses
unterrichtet worden.[273] Darnach herrscht bei den Kamilaroi, sehr
wahrscheinlich aber unter den meisten Stämmen Australiens, das
ursprüngliche System, dass ein Mann nicht mit +einem+ bestimmten
Weibe lebt, sondern dass (in der Theorie) eine ganze Sippe Männer
einer gewissen Klasse, von Geburts wegen, mit einer ganzen Sippe
Weiber einer andern Klasse geschlechtlich verkehren. Heute ist dieses
Verhältnis ebenfalls schon weit von eigentlicher Vermischung entfernt,
denn in Wirklichkeit sind diese Verkehrsrechte schon beträchtlich
eingeschränkt, und zweifelsohne bekunden die jetzigen Sitten der
Kamilaroi einen entschiedenen Fortschritt gegenüber der ursprünglichen
ehelosen Geschlechtsgenossenschaft. Die Verkehrsrechte haben schon
sehr an Umfang verloren, aber die Nomenklatur der Urzeit hat sich
im Gebrauche erhalten. Begreiflicherweise kennt die urzeitliche
Geschlechtsgenossenschaft kein Individuum als solches, sondern bloss
als Teil einer Sippe. Das Nämliche gilt von den Kindern. Alle Kinder
einer Sippe sind untereinander Geschwister und zwar nicht bloss dem
Namen nach, sondern jedes einzelne Individuum einer Sippe anerkennt
seine Geschwisterpflicht gegen alle übrigen.
Beispiele eheloser Zustände oder was dem ungemein nahe kommt lassen
sich noch an verschiedenen Stellen unseres Planeten nachweisen.
Ziemlich gut beglaubigt ist durch +Azurara+ eine ausgedehnte
Vermischung bei den Guantschen der Kanarieninsel Gomera,[274] die nackt
in Höhlen hausten, wie der Venezianer +Aloisio Cadamosto+ berichtet,
welcher 1455 den Archipel besuchte. +Garcilaso de la Vega+ versichert
desgleichen, dass bei einigen peruanischen Stämmen vor der Inkazeit
kein Mann eine ihm allein gehörende Frau besessen habe. Ganz besonders
gilt dies von den barbarischen, völlig nackten Passau, welche weder
Götter, noch Kultus, weder Dörfer, noch Häuser hatten, sondern in den
hohlen Bäumen der dichten Waldungen ihres Landes lebten, keine eigenen
Weiber besassen, ihre eigenen Kinder nicht kannten und öffentlich
Sodomie begingen.[275] Da +Garcilaso+ selbst ein Abkömmling der Inka
und ein guter Kenner seines Volkes sowie dessen Geschichte war, so ist
sein Zeugnis wohl nicht ganz kurzer Hand abzuweisen. Die Engeräckmung
oder Botokuden Brasiliens werden zwar stark von Eifersucht geplagt
und besitzen sogar den Ausdruck _Hä-rang_ für Schamröte,[276] dennoch
ist ihre Polygamie nicht viel besser als ein wechselndes Konkubinat.
Ein Fehlen der Ehe wird in Amerika ferner bemerkt bei den Guaykuru,
Arawaken in der südlichen Hälfte des Kontinents, dann in Nordamerika
bei den Kutschin-Indianern und den Kuskokwim, sowie bei den Haidah und
manchen Kaliforniern. Von den letzteren bemerkt +Baegert+, sie hätten
„nicht viel acht auf die Freund- und Schwägerschaft, so dass sich auch
die eigene Tochter unter den Ehefrauen finden mochte.“ Das Wort für
„heiraten“ (_tikere undini_) wurde erst seit den Missionären gebildet,
das Wort „Ehemann“ dagegen „kann von einem jeden Mann, der ein
Weibsbild missbrauchet, in all seiner Bedeutung und Etymologie gesagt
werden“ (wie tägliches Ehebrechen vorkam, „ohne alle Furcht und ohne
alle Scham“). Mitunter besuchten sich die angrenzenden Völkerschaften,
um „etliche Täg in öffentlichem Luderleben unter einander zuzubringen,
bei welcher Gelegenheit alles Preis war“. Sobald die Einsegnung (oder
die Mission) vorbei ist, gehen Mann und Frau nach verschiedenen Seiten
auseinander, „ihr Essen, eines jedes für sich zu suchen“ und sahen sich
oft tagelang nicht, wie sie sich auch wenig um die Kinder kümmerten.
Ein treffenderes Bild eheloser Ungebundenheit konnte +Baegert+ gar
nicht liefern! Auch bei den Cayapo, dem zahlreichsten Volke auf den
centralen Tafelplatten Brasiliens, das jetzt etwa 10000 Köpfe zählt,
herrscht nach Dr. +Couto de Magelhaes+ so gut wie Weibergemeinschaft.
Das mannbar gewordene Mädchen kann sich jedem beliebigen Manne zum
Umgange hingeben. Sobald sie sich in anderen Umständen befindet und
so lange sie ihr Kind an der Brust hat, bleibt sie bei dem Vater des
letzteren; diesem aber ist es unverwehrt, mit andern, die auch noch in
derselben Hütte wohnen, die vertraulichsten Beziehungen zu unterhalten.
Die Verbindung mit dem Vater des Kindes hört auf, sobald das letztere
nicht mehr die Muttermilch bekommt, kann aber wieder angeknüpft werden.
Nimmt des Mädchen sich einen andern Mann, so hat dieser das Kind seines
Vorgängers zu erhalten.[277] Über die Geschlechtssitten der Pescheräh
wissen wir nichts Bestimmtes; Beobachtungen an den vor mehreren Jahren
nach Europa gebrachten Gruppen lassen aber auf das Fehlen jeglicher
ehelichen Bande schliessen.
In Afrika hat man die Saan oder Buschmänner, nach +Gustav Fritsch+
eine Urrasse,[278] höchst ungeordneter Sitten geziehen. Sie haben
aber in dem Engländer +Chapman+ einen warmen Verteidiger gefunden,
welcher ihre Sittsamkeit rühmt.[279] Seither sind die Buschmänner
die Lieblinge mancher Ethnologen geworden, welche sie gegen ihre
„Verleumder“ kräftig in Schutz nehmen.[280] Dem gegenüber laufen die
Zeugnisse Neuerer, darunter des in Südafrika geborenen Dr. +Theophilus
Hahn+[281], sowie des Missionärs A. +Merensky+,[282] welcher fünfzehn
Jahre dort verweilte, darauf hinaus, dass Ehe- und Familienbande bei
den Saan fast gar nicht vorhanden sind. Selbst gegen den Verkehr der
Weiber mit Fremden benehmen sie sich, wie +Alexander+ bezeugt,[283]
zum Teil ganz gleichgültig. Die bei überraschender Verstandesschärfe
unglaublich niedrige Gesittungsstufe des Buschmanns, dem das Weib
bloss Lasttier ist, hat man damit entschuldigen wollen, dass man ihn
als eine verkümmerte Wüstenpflanze schilderte, den Not und Entbehrung
so tief herabgebracht. +Gustav Fritsch+, einer der gründlichsten
Kenner der Verhältnisse, hat diesen Wahn zerstört und gezeigt, dass
das Volk der Saan jedenfalls Jahrtausende nahezu unverändert in seiner
Entwicklung geblieben sein muss.[284] Seine Sitten, zu welchen weder
gewohnheitsgesetzliche Monogamie, noch die Scheu vor Blutschande[285]
zählen, können deshalb wohl als Zeugen altertümlicher Zustände gelten.
Jedenfalls ist es auch bei ihnen ein unverdienter Euphemismus, von
einer „Ehe“ zu reden, da es sich im günstigsten Falle um den Besitz des
Weibes handelt.
Fortschreitend nach Asien stossen wir bei den Keriah, Kurumbar in
Indien, den Hügelstämmen Tschittagongs, dann in Hinterindien und im
malayischen Archipel auf verschiedene Beispiele starker Ungebundenheit.
So meldet +Miklucho-Maclay+ von den Orang Sakai im malayischen
Binnenlande: „Ein Mädchen, nachdem sie einige Tage oder einige Wochen
mit einem Manne verheiratet ist, geht mit dem Einverständnisse
desselben und freiwillig zu einem andern, mit welchem sie wieder
kürzere oder längere Zeit zubringt. So macht sie die Runde bei
sämtlichen Männern der Gesellschaft, bis sie zu ihrem ersten Gemahl
kommt, bei dem sie aber wiederum nicht bleibt, und setzt fort diese
durch Zufall und Wunsch regulierten Ehen zu schliessen.“ Die Lubu
auf der benachbarten Insel Sumátra, in der Landschaft Mandailing,
vermischen sich gar mit Müttern und Schwestern, und zwar ganz nach
den Eingebungen des Augenblicks; der nämlichen Gepflogenheit huldigen
ferner die Poggi- oder Pagehinsulaner, der Dayakenstamm der Olo Ot
und die Bewohner der Insel Paling, östlich von Celébes.[286] Die
Kalang auf Java wohnen gleichfalls ihren Müttern und Schwestern bei,
und der Volksglaube erblickt Glück und Reichtum im Gefolge solcher
Bündnisse.[287] Endlich sei noch verwiesen auf das, was +Lorimer
Fison+ von den „Manga“-Mysterien auf den Vitiinseln berichtet, mit
denen wir erst jetzt bekannt werden; es herrscht dabei in jeder
Beziehung der vollste Kommunismus und die unglaublichsten Szenen
spielen sich auf offener Strasse ab. Die allernächste Verwandtschaft,
selbst die zwischen Bruder und Schwester, scheint keine Schranke für
die allgemeine Ungebundenheit zu sein, deren Ausdehnung durch den
ausdrucksvollen Spruch eines alten Nandi-Häuptlings angedeutet wird.
Er sagte von dem Feste: so lange es währt, sind wir grade so wie die
Säue.[288]
Wenn man erwägt, dass unter den Indianern Guyanas heutzutage Ehen unter
Verwandten +ersten+ Grades nicht zu den Seltenheiten gehören, so
dass die Frau häufig auch die Tochter ihres Gatten ist,[289] so genügt
wohl der Hinweis auf diese Sitten, um eine gewisse Ungebundenheit
des Geschlechtsverkehrs für die Anfänge der Menschen in hohem Grade
wahrscheinlich zu machen. Bei vielen Stämmen fehlen die sprachlichen
Ausdrücke für Ehe, die Unterscheidung für Frau und Jungfrau; doch ist
daraus an sich noch nicht auf Gleichgültigkeit gegen geschlechtliche
Reinheit zu schliessen, da das Nichtvorhandensein eines Wortes in einer
Sprache nicht auch das Nichtvorhandensein des Begriffes beweist, den
das Wort ausdrücken soll. Auch ohne solch zweifelhafte Hilfstruppen
scheint die Ehelosigkeit und damit zusammenhängend die „Unkeuschheit“
der Urzeit zu hinreichender Wahrscheinlichkeit erhoben. Die rohen
Stämme der Gegenwart stehen fast alle schon auf dem Standpunkte des
Weiberbesitzes, der sich erst mit der Entstehung des Eigentumsbegriffes
entwickeln konnte. Diese roheste Form der Beweibung trenne ich, wie
bemerkt, von Ehe, in der eine höhere kulturgeschichtliche Stufe zu
erkennen ist. Der Weiberbesitz kennt keine Grenze. Ein Australier gilt
als in angenehmen häuslichen Verhältnissen lebend, wenn er drei bis
vier Weiber hat; zwei Frauen sind nicht selten, und nicht wenige halten
auch dafür, dass an einer Frau vollauf genug sei. Monogamie beweist in
solchem Falle gar nichts. Unzweifelhaft aber leitet der Weiberbesitz
zur „Ehe“ und zur Ausbildung der Keuschheit. Die am Besitze haftende
Eifersucht führt zur Einprägung der weiblichen Tugend, und da diese
dann geehrt wird, trägt sie auch dazu bei, sich auf noch ungefesselte
Weiber und Mädchen zu verbreiten. Wie langsam es geschieht, bemerkt
sehr richtig +Darwin+,[290] bis sie sich auch auf das männliche
Geschlecht verbreitet, sehen wir bis auf den heutigen Tag. Unsere
Urteile über die Sitten, sagt +Beaumarchais+, beziehen sich immer
auf das weibliche Geschlecht; das männliche wird nicht genug geschätzt,
um so viel von ihm in dieser heiklen Frage zu verlangen. Thatsächlich
ist auch von allen Tugenden, welcher die gesittete Menschheit einen
heuchlerischen Kult widmet, die Keuschheit im Grunde genommen jene,
welche die Frauen an einem Manne am wenigsten schätzen.[291] Die
Keuschheit bleibt also ein Instinkt zweiten, jüngeren Ranges, von
höchstem Werte für die Gesittung, nicht aber von der Natur gegeben.
Die in Australien und anderwärts zur Erhöhung der Geschlechtsfreuden
üblichen Massnahmen geben einen deutlichen Fingerzeig, wie einzig und
allein die Sinnlichkeit den Wilden beherrscht, lange noch nachdem
er dem Urzustande entronnen und seine Verstandeskräfte genügend
gestärkt hatte, um in dieser Hinsicht Verfeinerungen zu ersinnen, die
wir irrtümlich für beklagenswerte Auswüchse unserer Hypergesittung
zu betrachten gewohnt sind, Verfeinerungen, die selbst den Römern
unbekannt waren, als Tiberius auf Capri weilte, oder den Byzantinern
zur Zeit, wo +Theodora+, die Gemahlin des Kaisers Justinian, noch
mit Schauspielerbanden umherzog.[292]
[222] +Carus Sterne+. Werden und Vergehen. S. 481, und +Darwin+.
Abstammung des Menschen. Bd. II. S. 318.
[223] +Frerichs+. Zur Naturgeschichte des Menschen. S. 106.
[224] Dr. +Alb. Herm. Post+. Die Geschlechtsgenossenschaft der Urzeit
und die Entstehung der Ehe. Oldenburg, 1875. S. 3.
[225] +Lippert+. Kulturgeschichte. Bd. I. S. 70.
[226] +Darwin+. Die Abstammung des Menschen. Bd. II. S. 347.
[227] +Darwin+. A. a. O. S. 346.
[228] J. J. +Bachofen+. Das Mutterrecht, eine Untersuchung über die
Gynaikokratrie der alten Welt nach ihrer religiösen und rechtlichen
Natur. Stuttgart, 1861.
[229] +Peschel+. Völkerkunde. S. 228.
[230] +Ploss+. Das Weib. Bd. I. S. 234.
[231] Sir +John Lubbock+. Die Entstehung der Zivilisation und der
Urzustand des Menschengeschlechts. Jena, 1875. S. 79.
[232] +Darwin+. Abstammung des Menschen. Bd. II. S. 341.
[233] A. a. O.
[234] +Karl Kautsky+. Die Entstehung der Ehe und Familie. (Kosmos. Bd.
XII. S. 205.)
[235] G. A. +Wilken+. _Over de primitieve vormen van het Huwelijk en
den Oorsprong van het Gezin._ (_Indische Gids_. Oktober 1880. Dezember
1880. Januar 1881.)
[236] +Mantegazza+. Anthropologisch-kulturhistorische Studien. S. 235.
[237] +Kautsky+. A. a. O. (Kosmos. Bd. XII. S. 205.)
[238] „In Europa zum Beispiel ruht die Gesellschaft auf der sehr
moralischen Basis der Monogamie, aber wie viele Männer giebt es, die
nur eine einzige Frau besessen haben, und wie viele Frauen, die keinen
anderen Mann als ihren legitimen einzigen Gatten begehrt und geliebkost
haben?“ (+Mantegazza+. A. a. O. S. 303.)
[239] M. +Kulischer+. Die geschlechtliche Zuchtwahl bei den Menschen in
der Urzeit. (Zeitschrift für Ethnologie. Berlin, 1876. S. 142.)
[240] A. a. O. S. 149.
[241] A. a. O. S. 152-156.
[242] Ich selbst hatte einmal Gelegenheit, aus dem Munde einer jungen,
nicht ungebildeten und durchaus nicht sinnlich veranlagten Deutschen
das naive Geständnis zu vernehmen, dass jedes Frühjahr ihr die
Sehnsucht nach Geschlechtslust erwecke.
[243] +Appun+ im: „Ausland“ 1871. S. 835.
[244] Zeitschrift für Ethnologie. 1880. S. 318.
[245] +Darwin+. Die Abstammung des Menschen. Bd. II. S. 347.
[246] A. a. O.
[247] +Friedrich Ratzel+. Völkerkunde. Leipzig, 1885. Grundzüge der
Völkerkunde. S. 79.
[248] +Lippert+. Kulturgeschichte. Bd. I. S. 71-72.
[249] Gen. Kap. 6, v. 2.
[250] +Dio Cassius+. _Hist. rom. lib._ LXXVI §. XII T. 10.
[251] +Herodot+. _lib._ IV. 104.
[252] +Herodot+. _lib._ IV. 172.
[253] A. a. O. _lib._ IV. 180.
[254] +Peschel+. Völkerkunde. S. 318-319.
[255] So +James Cowles Prichard+, +J. G. Wood+, +Theodor Waitz+, +Karl
Emil Jung+.
[256] +Karl Emil Jung+. Der Weltteil Australien. I. Abteilung. Leipzig,
1882. S. 83.
[257] _Revue d'anthropologie_ 1872. S. 313, und in seiner Schrift:
_Etude sur les races indigènes de l'Australie_. Paris, 1872.
[258] Ausland 1867. S. 1013.
[259] +Müller+. Allgemeine Ethnographie. S. 212-213.
[260] _Vaginae formam effingit fossa, virorum hastae penum simulacra._
[261] D. h.
_Non fossa, non fossa,
Non fossa, sed cunnus._
[262] +Köler+ in den Monatsberichten der geographischen Gesellschaft zu
Berlin. Bd. III. S. 53.
[263] +Augustus Oldfield+. _On the aborigines of Australia in den
Transactions of the Ethnological Society of London._ Bd. III. S.
215-298.
[264] _Propter intra conversorum positionem pedum plusculumque
retrocendentis vaginae causa aborigines a tergo coitum perficiunt._
Siehe +Waitz+. Anthropologie der Naturvölker. Bd. VI. S. 774.
[265] _In Australiae septentrionalis partibus Port Darwin circumjectis,
exempli gratia, aborigines copulam peragunt sidentes._ (Verhdl. d.
Berl. Gesellschaft f. Anthrop. 1880. S. 87-88.)
[266] +Thomas M'Combie+. _Arabin; or adventures of a colonist in New
South Wales, with an essay on the aboriginals of Australia._ London,
1845. S. 254.
[267] +Müller+. Allg. Ethnographie. S. 214.
[268] +Waitz+. Anthropologie der Naturvölker. Bd. VI. S. 774.
[269] _Revue d'anthropologie._ 1882. S. 376.
[270] Diese pflegen heute noch, wenn sie unter sich sind, ihre jungen
Weiber auszutauschen, was früher als ein Gebot der Gastfreundschaft
allgemeine Übung war; bei feierlichen Gelegenheiten kennt man hierin
auch heute noch keine Grenzen.
[271] A. a. O. S. 377.
[272] +Brough Smyth+. _The Aborigines of Victoria with notes relating
to the Habits of the Natives of other Parts of Australia and Tasmania._
London, 1878. 2. Bde.
[273] +Lorimer Fison+ & +A. W. Howitt+. _Kamilaroi and Kurnai:
Group-Marriage and relationship, and Marriage by elopement._ Melbourne,
1880.
[274] +Henry Richard Major+. _The Canarian, or book of the Conquest and
Conversion of the Canarians._ London, 1872. S. XXXII.
[275] +Ynca Garcilaso de la Vega+. _The Royal Commentaries of the
Yncas. Translated and edited by Clements R. Markham._ London, 1871. Bd.
II. S. 443.
[276] +Max Prinz zu Neuwied+. Reise nach Brasilien in den Jahren
1815-1817. Wien, 1825. Bd. III. S. 161.
[277] Globus. Bd. XXV. S. 298.
[278] Zeitschrift für Ethnologie. Berlin, 1880. S. 289-300.
[279] +Chapman+. _Travels in the Interior of South Africa._ London,
1868. Bd. I. S. 320.
[280] Z. B. Dr. +Schneider+. Die Naturvölker. Bd. II. S. 156. 434.
[281] Globus. Bd. XVIII. S. 122.
[282] A. +Merensky+. Beiträge zur Erkenntnis Südafrikas. Berlin, 1875.
S. 68.
[283] J. G. +Alexander+. _An expedition of discovery into the Interior
of Africa._ London, 1838. Bd. II. S. 23.
[284] Zeitschr. f. Ethnol. 1880. S. 300.
[285] Woher Dr. +Schneider+ (die Naturvölker. B. II. S. 156) weiss,
dass die Buschmänner aus Abscheu vor Blutschande die verschiedenen
Verwandtschaftsgrade sorgfältig beobachten, habe ich nicht ermittelt.
[286] G. A. +Wilken+. _Over de Verwandtschap en het
Huwelijks-en-Erfrecht bij de volken van den indischen Archipel._ S. 6-7.
[287] E. +Ketjen+. _De Kalangers._ (_Tijdschrift voor Indische
Taal-Landen Volkenkunde. Deel_ XXIV. Batavia, 1877. S. 427.)
[288] _Journal of the Anthrop. Institute._ Bd. XIV. S. 24, 28.
[289] Globus. Bd. XL. S. 276.
[290] +Darwin+. Die Abstammung des Menschen. Bd. I. S. 153.
[291] +André Theuriet+ in der _Revue des deux Mondes_ vom 15. Januar
1885. S. 267.
[292] Ausland. 1867. S. 867.