VII.

Kuss und Liebe.

Es ist ganz unerlässlich für den Gang der späteren

Auseinandersetzungen, zuvor noch einige Punkte zu erörtern, die wie die

Schamhaftigkeit mit dem Geschlechtsleben der Völker und dem Gegenstande

unserer Untersuchungen in augenscheinlichem Zusammenhange stehen. Der

vornehmste dieser Punkte betrifft jenes Gefühl, welches der europäische

Kulturmensch als +Liebe+ empfindet. Über dieses müssen wir uns zunächst

verständigen. Forscht man vom ethischen Standpunkte nach dem wirklichen

Wesen der Liebe, so trifft man schon bei +Aristoteles+ die Auslegung:

„Lieben ist, dass wir für jemand das wollen, was er für gut hält und

zwar seinetwegen, nicht unsertwegen.“[160] Der uns bedeutend näher

gerückte +Leibniz+ erklärt die Liebe als „die Empfänglichkeit für die

eigene Freude an der Vollkommenheit, dem Wohl oder Glück des geliebten

Gegenstandes.“[161] Den in diesen Sätzen verkappten Egoismus, der

darin besteht, dass jene fremde Lust doch schliesslich nur Ziel und

Ursache unserer eigenen Lust ist, bringt +Spinoza+ sehr richtig, aber

nur nicht scharf genug zum Ausdruck, indem er die Liebe „als eigene

Lust, begleitet von der Vorstellung der diese Lust bewirkenden Ursache“

betrachtet. Dies gilt wohl von allen Arten von Liebe, der Freundes-,

Kinder-, Eltern- und Geschlechtsliebe. Letztere, die uns hier allein

angeht, darf man insbesondere, alles in allem genommen, wohl mit

+Karl Bleibtreu+ bezeichnen als: „das Gefühl, die Sinnlichkeit bis

zur Aufopferung derselben auf ein Einzelwesen zu übertragen.“[162]

Aber Liebe ist nicht bloss Sache des Gefühls, sondern sie wohnt auch

auf dem tiefsten Grunde des Willens. Liebe heisst: nicht sich selbst

wollen. Liebe ist Selbstverleugnung und dadurch der gerade Gegensatz

der Selbstsucht, vom Lebensprinzip des Egoismus aus betrachtet, auf

welchem doch schliesslich alles menschliche Thun und Lassen beruht,

also ein +anormaler Zustand+, freilich nur scheinbar; denn obwohl

diese Liebe sich dem andern völlig unterordnet, weshalb auch Mitleid

und Bewunderung so mächtige Nährgefühle derselben sind; obwohl sie

sich völlig vergisst über dem Du und auch nicht zerstört wird durch

das Leid, das etwa der Liebende vom Geliebten erfährt; obwohl sie

nicht der Rausch der Sinne, sondern die ruhige Entschlossenheit der

Seele ist, woran der Geist einen sehr hervorragenden Anteil hat: so

ist die Liebe, unbestreitbar die höchste menschliche Leidenschaft,

welche der Ansporn zu allem Schönen und Hässlichen im moralischen

Sinne des Wortes werden kann, doch sich augenscheinlich Selbstzweck

und Selbstlust und erwägt den Fortpflanzungstrieb erst in zweiter

Linie, welcher, wie schon früher betont, mit der fleischlichen

Begierde und gar +mit der Liebe+ gar nichts zu thun haben braucht;

denn es unterliegt keinem Zweifel, dass es einer solchen psychischen

Regung wenigstens seitens des weiblichen Teiles für die Fortpflanzung

des Geschlechtes gar nicht bedarf.[163] So sehr indes sinnliche

Begierde und Liebe an sich auseinander zu halten sind, so haben sie

doch einen gemeinsamen Berührungspunkt darin, dass +ohne sinnliche

Beimischung Liebe durchschnittlich kaum denkbar ist+. Wie krystallhell

die Quelle, wie rein ihr Wesen auch sei, immer strebt doch die Liebe

nach dem nämlichen groben Endzweck.[164] Jedes Wesen fühlt wohl das

Lieben als eine Notdurft der Natur, aber erst durch Beimischung des

sinnlichen Elements erhält das Liebebedürfnis jene bittere Schärfe,

welche den ganzen Organismus durchzittert. Die Sinnlichkeit selbst und

insbesondere +der Gattungstrieb ist aber darum weder Liebe, noch hat er

bestimmenden Einfluss darauf+. Er ist bloss, wie schon +Hyrtl+ vor mehr

denn dreissig Jahren bemerkte, veredelbar durch die Dazwischenkunft des

Geistigen, und das ist die Liebe. Sehr richtig sagt ein scharfsinniger

Schilderer menschlicher Leidenschaften, +Leopold von Sacher-Masoch+:

„Von der Sinnlichkeit geht jede noch so tiefe Neigung aus, ohne

sie giebt es keine Liebe, kein Glück, -- +aber es darf nicht dabei

bleiben+.“[165]

Es ist also immerhin die Rolle der Sinnlichkeit selbst in der idealsten

Liebe, die sich ausschliesslich und heroisch einem einzigen Gegenstande

opfert, nicht zu unterschätzen. Sogar die selbstloseste Liebe, welche

unter Umständen völlige Entsagung zu ihren leidenvollen Freuden

zählt, verzichtet ungern auf die Liebkosung des geliebten Wesens,

worunter das Küssen obenansteht. Uns europäischen Menschen erscheint

der +Kuss+ als der natürliche Ausdruck der Liebe, und zwar nicht nur

der geschlechtlichen. „Jedenfalls,“ sagt +Steele+, „war die Natur

die Erfinderin desselben und der erste Kuss entstand mit der ersten

Bewerbung.“ Niemand wird mir aber wohl darin widersprechen, dass der

Kuss ein durchaus +sinnlicher+ Genuss ist, hervorgerufen durch die

fremde Berührung mit den in den Lippen auslaufenden feinen Nervenenden

und unterstützt durch die Nähe des ebenso feinfühligen Riechorganes.

Mit Recht fragt man wie der erste Kuss „schmeckt“, wenn man auch nicht

die von einer jungen Dame darauf erteilte überschwängliche Antwort

gelten zu lassen geneigt sein dürfte.[166] Unter Verliebten gilt der

Kuss gewissermassen als eine Vorstufe der Liebeslust, und obwohl ein

altdeutscher Spruch meint:

Einen Kuss in Ehren

Soll Niemand wehren,

so traut man dem Kuss „in Ehren“ doch nur sehr wenig, betrachtet

vielmehr ziemlich allgemein die Gewährung eines Kusses seitens

des Mädchens an einen Fremden als Ausdruck der Geneigtheit zu

schliesslicher Hingabe, die dann oft nicht lange auf sich warten

lässt, und behütet es daher sorgsam vor der Gefahr des Küssens.

„Wenigstens“ einen Kuss! erfleht der unerhörte Jüngling, sozusagen als

Ersatz für den entgangenen vollen Sinnengenuss. Der erste Kuss der

Jungfrau gehört deshalb bei uns erst dem Verlobten, der ja ohnehin

die gutgeheissene Anwartschaft auf die höchsten Wonnen besitzt. Aber

auch wo geschlechtliche Beziehungen nicht im Spiele sind, z. B. beim

Kusse unter Verwandten, unter Freunden, liegt demselben stets auch ein

sinnliches Moment zu Grunde.

Daran ändert der Umstand nichts, dass der Kuss vielfach zum

leeren Gebrauch herabgesunken, rein zeremoniell geworden ist. An

altisraelitischen Kultstätten, an welchen Götterbilder sich befanden,

begegnet uns schon als Gebärde huldigender Anbetung auch der Kuss,[167]

ohne dass wir jedoch erfahren, ob wirklicher Kuss oder Kusszuwerfung

oder beides sich fand,[168] wie es bei den alten Hellenen weit

verbreitet war. An dem schwarzen Stein der Kaaba zu Mekka wird es heute

noch geübt, und im Christentume hat sich das Küssen des Kruzifixes

sowie der Heiligenbilder erhalten. Seinen europäischen Verehrern ist

ferner der Kuss ein uraltes Zeichen, nicht bloss der Liebe, sondern

auch der Versöhnung, des Friedens und der Freundschaft. Im Märchen

bewirkt er einerseits Vergessenheit und ruft andererseits Vergessenes

ins Gedächtnis zurück; ein Kuss löst den Bann der zum Drachen,

zur Schlange oder Kröte verzauberten Jungfrau. Der altchristliche

Friedenskuss lebt noch fort in dem Osterkuss der griechischen Kirche.

Bei Übernahme des Lehens küsste im deutschen Mittelalter der Vasall

den Lehensherrn. Der Kuss kam ferner in Anwendung nach Abschluss eines

Vertrages, zur Besiegelung eines Versprechens, daher noch heute unsere

Redensart „mit Kuss und Hand“. Im feineren (höfischen, hoflichen, d.

h. ursprünglich hofartigen) Verkehr des Mittelalters wird von dem

berühmten steirischen Ritter und Sänger +Ulrich von Lichtenstein+

(gest. 1275 oder 1276) unterschieden zwischen dem Kuss der Minne, der

Freundschaft und der Sühne. Der Sühnekuss hat als Pfand und Siegel

aufgehobener Feindschaft und wiederkehrender Zuneigung ernstere

Bedeutung. Der Judaskuss ist der Kuss des Verräters. Dem Herzenskuss

steht der Kuss der höfischen Sitte gegenüber. Der Ankommende küsst die

Herrin, wenn er ihr an Rang wenigstens gleichsteht. Meist ersuchte

die Frau den Vorgestellten um den Kuss oder bat der Geringere den

Vornehmeren, seiner Gattin oder Tochter den Willkommenkuss zu bieten.

Auch beim Abschied küsste man sich, und zwar auf Mund, Wangen oder

Augen; die erstere Form bildet immer eine Auszeichnung. Bei den

Franzosen kam dazu noch der Kuss auf Nase, Kinn und Hals. In dem

Heldengedicht Titurel werden sogar dem Sieger im Turnier die Küsse

von achtzig Jungfrauen in Aussicht gestellt. Der Kuss der Geliebten

aber, schon gewährt oder erst ersehnt, begeistert heute noch die

Dichter zu Dithyramben voll himmlischer Verzückung, und selbst

ein so leichtfertiger Schriftsteller wie +Adolphe Belot+ hat sich

veranlasst gefunden, in die Physiologie und Philosophie des Kusses

sich zu vertiefen,[169] worin ihm sein Landsmann +H. de Molière+

längst vorangegangen war.[170] Dass trotz des +Scheffel+schen Katers

Hiddigeigei tiefsinniger Frage:

Warum küssen sich die Menschen?

's ist nicht Hass, sie beissen sich nicht,

Hunger nicht, sie fressen sich nicht,

's kann auch kein zweckloser, blinder

Unverstand sein, denn sie sind sonst

Klug und selbstbewusst im Handeln;

Warum also, frag' umsonst ich,

Warum küssen sich die Menschen?[171]

Dass Küssen den Kulturmenschen als ein Genuss gilt, bezeugen unter

anderen die strengen Sonntagsgesetze, wie sie vor zweihundert Jahren

in manchen Teilen der Vereinigten Staaten bestanden. Für den Sonntag

war nicht nur Spazierengehen, das Kochen, Bartscheren u. dgl. verboten,

sondern auch den Müttern untersagt, ihre Kinder zu küssen. Der

Geschichtsschreiber +Mac Cabe+ erzählt, dass diesem Kussverbote im

Jahre 1654 bei einem Prozesse in Connecticut die weiteste Ausdehnung

gegeben wurde, indem ein Liebespaar -- Sarah Tuttle und Giacobbe Newton

-- wegen Übertretung desselben mit hoher Geldstrafe belegt ward.

Es spricht nun, glaube ich, für meine im ersten Kapitel entwickelte

Vermutung, wonach die Geschlechtsfreuden des Urmenschen geringer

bemessen gewesen seien, dass selbst heute noch, der poetischen

Auffassung +Steeles+ zum Trotz, das Küssen durchaus nicht allerorten

Brauch ist, namentlich das Küssen auf den Mund. Der Kabyle küsst ins

Gesicht, oft auch auf den Mund, während der Araber, nach +Heinrich von

Maltzan+, meist nur die Schulter küsst.[172] Das Küssen ist natürlich

von vorne herein ausgeschlossen bei allen Völkern, welche die Lippen

aufschlitzen und kleine Hölzer einsetzen, wie es die Stämme an der

Küste des Beringsmeeres und ihre Nachbarn, die Koljuschen, ferner die

Botokuden in Brasilien und die mittel- und südafrikanischen Schwarzen

thun, deren Frauen das „Pelele“ tragen.[173] Aber auch wo solche

materielle Hindernisse fehlen, verschmäht man den Kuss in Afrika wie

in Amerika und Ozeanien. Der Weltreisende Dr. +Otto Kuntze+, welcher

manchen tieferen Einblick in die Lebensgeheimnisse der verschiedensten

Völker nahm und darüber mit anerkennenswerter Offenheit berichtet,

weiss vom Küssen gar nichts zu erzählen; ja, ich glaube, das Wort

kommt in seinem umfangreichen Werke gar nicht vor. +Winwood Reade+

erregte das Entsetzen eines Negermädchens, als er sie küsste, denn

in ganz Westafrika sind solche Liebkosungen völlig ungebräuchlich,

was neuerdings auch wieder +Hugo Zöller+ bestätigte.[174] Desgleichen

in Ostafrika, bei den Somal. Von den Kariben Guyanas bemerkt +Karl

Ferdinand Appun+, vom Küssen sei bei ihnen gar nicht die Rede und

diese angenehme Beschäftigung ihnen völlig unbekannt.[175] Weder

Feuerländer noch Eskimo kennen diesen Ausdruck der Zärtlichkeit und

sogar im europäischen Lappland stiess +Bayard Taylor+ bei den Frauen

auf eine entschiedene Abneigung gegen jede derartige Berührung. Kusslos

sind auch nach +Darwins+ Ermittlungen die Südseevölker, wie die Maori

Neuseelands, die polynesischen Tahitier, die Papua und endlich die

Australier.[176] Die Nervenempfindsamkeit aller dieser Völker ist eben

noch nicht genügend entwickelt, um den Kuss als einen Sinnengenuss zu

erkennen. Während mit fortschreitender Gesittung und Nervenverfeinerung

das Lustgefühl bei uns sich ungemein ausgebildet hat, schärfte aber das

Leben des Urmenschen, wie heute noch das der Wilden, die übrigen Sinne:

Gesicht, Gehör und Geruch, daher bei ihnen das Riechorgan vielfach

die Stelle des Mundes vertritt. Dafür zeugt der noch bei einzelnen

Rassen und Völkerfamilien verbreitete „Nasengruss“,[177] wobei der

Geruchssinn, nicht die Berührung, die Hauptrolle spielt, indem der

Freund vom Freunde einen Teil von dessen individueller Ausdünstung

durch den Nasengruss in sich aufzunehmen sucht. Die Hügelstämme von

Tschittagong sagen nicht: „küsse mich“, sondern „rieche mich“. Die

Maori Neuseelands reiben sich die Nasen zum Zeichen der Liebe und

Freundschaft, oder, wie man in Neuseeland sagt: „Die Maori schnäbeln

sich.“[178] Auch die ungleich höher stehenden Malgaschen gebrauchen

statt des Kusses ein Drücken oder Reiben der Nasen: _manóraka_. Jetzt

fangen sie wohl an, sich an den ihnen bisher unbekannt gewesenen

Lippenkuss zu gewöhnen, doch kommt ein solcher heute noch sowohl

zwischen alten als auch jungen Malgaschen nur höchst selten einmal

vor.[179]

Selbst ein Kulturvolk vom Range der Chinesen kennt den Kuss nicht,

und +Gustav Kreitner+, welcher das Innere des Himmlischen Reiches mit

scharf beobachtendem Auge bereist hat, sagt es geradezu heraus: Dem

Chinesen +ekelt+ es vor dem Kusse. „Derselbe Mandarin, welcher sich

so angelegentlich um die Grösse der Damenfüsse in Europa erkundigte,

war es, der, als er vernahm, dass man weit im Westen seine Zuneigung

oft durch einen Kuss auszudrücken gewohnt sei, mit einem der ganzen

Welt verständlichen Worte antwortete: Brr!“.[180] Und in der höchst

interessanten Sammlung von Volksliedern und poetischen Theaterstücken,

welche auf das vertrauliche Leben der Chinesen Bezug nehmen und von

+Jules Arène+ zusammengetragen worden sind,[181] ist vom Kusse niemals

die Rede. Auch in der japanischen Familie ist der Kuss eine unbekannte

Zärtlichkeitsäusserung. Dies bezeugen übereinstimmend sowohl Professor

+Rein+,[182] als +Georges Bousquet+, welch letzterer beifügt, dass

um das Küssen sprachlich auszudrücken, die Japaner, in einer brutalen

Metapher, kein anderes Wort kennen als jenes, welches in ihrer

Sprache „saugen“ (_nameru_) bedeutet.[183] Dagegen scheint der Kuss

den Mincopies nicht fremd zu sein. Wenigstens wird berichtet, dass

Mincopiesträflinge in Port Blair ihren Gefangenwärter so lieb gewannen,

dass sie ihm beim Abschiede die Hand küssten, und als einer derselben

das erste englische Frauenzimmer zu Gesicht bekam, wollte er sie

sogleich küssen.[184]

Im allgemeinen wird man kaum fehl gehen, wenn man hauptsächlich die

Europäer und insbesondere die Gruppe der sogenannten Arier bis zu

den Zigeunern[185] herab, für Liebhaber des Kusses hält. Ausnahmen

kommen gleichwohl vor. Beim kleinrussischen Bauern ist der Kuss nicht

_Sawedenje_ (Gebrauch), und ein Beobachter, der vierzehn Jahre am

untern Dnjepr zubrachte, sah in dieser Zeit niemals einen Bauer,

ausser in der Trunkenheit, Jemanden küssen.[186] Auch dem Bewohner

des norddeutschen Flachlandes sind Zärtlichkeitsbeweise jeder Art,

darunter das Küssen, meist im höchsten Grade zuwider.[187] Aber schon

die klassischen Völker des Altertums kannten den Kuss. Dass die der

Liebe holden Hellenen auch Kussverständige waren, lässt sich erwarten.

Doch findet sich bei ihnen das Wort für küssen gleichbedeutend mit dem

für lieben: φιλεῖν, auch verstärkt zu καταφιλεῖν. Andere Ausdrücke

für küssen sind ἀςπάζεσθαι und κυνεῖν. Der Kuss ist φίλημα, was

freilich auch Liebkosung bedeutet; φιλεῖν τινα τῷ στόματι hiess aber

unbedingt: jemanden einen Kuss geben. Das ernste Volk der Römer hatte

für Kuss die Worte _osculum_, _basium_ oder _suavium,_ welch letzteres

wohl ziemlich klar auf die Süssigkeit des Genusses hindeutet. _Meum

suavium_ gebraucht +Terenz+ für: meine Liebste. +Ovid+ geizt nicht mit

Küssen und selbst der keusche +Vergil+ kennt die Redewendung: _alicui

osculum libare_. Von den küssenden Europäern ging die Mode später auch

auf ihre Mischlinge mit farbigen Rassen in fremden Erdteilen über. Die

amerikanischen Mulatten küssen und lassen sich küssen; desgleichen die

Schwarzen, welche in Amerika unter dem Einflusse der Weissen zu einer

gewissen Gesittungshöhe aufgestiegen sind. +Hugo Zöller+ beobachtete

einen solchen Fall.[188]

Die Geschichte des Kusses ist in gewisser Beziehung auch die Geschichte

der Liebe, worunter ich ausschliesslich die in den höheren Sphären

der Menschheit die Geschlechter beherrschende, bis zur wahren

Leidenschaft steigerungsfähige Herzensneigung verstehe, im Gegensatze

zum gewöhnlichen erotischen Triebe, den man gerne euphemistisch als

„sinnliche Liebe“ bezeichnet. Es ist in hohem Grade beklagenswert,

dass diese verschiedenen Zustände sprachlich nicht scharf auseinander

gehalten und dem Worte Liebe ganz verschiedene Bedeutungen unterschoben

werden, woraus eine heillose Verwirrung entsteht. Man spricht von einer

„wahren“ oder „idealen“, von einer „romantischen“ oder „platonischen“

Liebe gerade so wie von einer „sinnlichen“ oder „fleischlichen“ Liebe,

und beschönigt mit dem höhere Vorstellungen erweckenden geistigen

Begriffe der Liebe die einfache Begierde der Sinne. Aber nur die

auf Herzensneigung beruhenden Gefühle verdienen die Bezeichnung

„Liebe“; alles was darunter bleibt, ist einfach Begierde, Freude an

der Befriedigung der Sinnenlust mit einem oder mehreren bestimmten

Wesen des andern Geschlechtes. Die überwiegende Mehrzahl hat nun

Verständnis bloss für den tierischen Genuss, für die Wollust, sehr

wenig oder keines für die Liebe. Diese spriesst vornehmlich im Gehirn

der Idealisten, denn in ihr überwiegt das Geistige derart, dass

nur in Menschen der höchsten Entwicklungsstufen die erforderlichen

Grundbedingungen dazu vorhanden sind. Auch unter uns Europäern vermögen

nur feiner organisierte Naturen wärmer zu empfinden. Wenigstens malen

unsere Dichter Gluten und Liebesqualen, von welchen der Alltagsmensch

sich nichts träumen lässt. Sicherlich, wenn wir auch die von +Feodor

Wehl+ in seinen „Herzensgeheimnissen“ erzählten Geschichten für

bare Münze nehmen wollten, wird doch jedermann zugeben, dass solche

ins Übersinnliche gesteigerte Weissglut der Leidenschaft zu den

allergrössten Seltenheiten gehört, jedenfalls für die grosse Menge

nicht massgebend ist. Sie bleibt Neunhundertneunundneunzig unter

Tausend +vollständig unbekannt+, -- bei wenigen, weil kein günstiger,

oder richtiger ungünstiger, Zufall sie weckte, bei der Mehrzahl, weil

sie zu einer solchen Liebe überhaupt unfähig sind.

In noch weit strengerem Sinne gilt dies von den ausserhalb unserer

Gesittung sich bewegenden Völkern. +Dr. Ploss'+ fleissige Forschungen

gestatten keinen Zweifel, dass -- wie das Küssen -- die Liebe (ich

gebrauche das Wort fernerhin nur noch in seinem idealen Sinne) einer

grossen Anzahl von Völkern durchaus unbekannt ist, wofür eine ganze

Reihe von Zeugnissen vorliegen. Von den Schwarzen im oberen Nilgebiet

sagt der erfahrene Sir +Samuel White Baker+ ausdrücklich: Das was wir

als Liebe bezeichnen, ist ein Gefühl, welches man in diesen Ländern

nicht kennt und versteht; es existiert gar nicht. In dieser Beziehung

ist alles handgreiflich, praktisch, ohne eine Spur von romantischer

Zuthat.[189] „Eines der schönsten Geschenke des Schöpfers,“ sagt

+Appun+, der jahrelang unter den Karibenstämmen Guyanas gelebt hat,

„ist dem Indianer nicht zu teil geworden: die leidenschaftliche Liebe

zum Weibe; unbekannt mit der schönsten und zartesten der Neigungen

bleiben alle ihre Empfindungen dieser Art kalt und matt, und nur

die physische Liebe ist ihnen bekannt. Während meines langjährigen

Aufenthaltes unter den Indianern sind mir nur äusserst wenige Fälle

vorgekommen, in welchen Ehepaare sich mit allen jenen Liebkosungen

überschütteten, deren ein Europäer fähig ist. Ebenso wenig habe ich

eine Liebkosung bei jungen unverheirateten Leuten bemerkt.“[190] Bei

den Dualla Westafrikas hat +Zöller+ wohl gesehen, dass ein Neger sein

Kind, aber er hat nie gesehen, dass er sein Weib geliebkost hätte.[191]

Ja sogar weniger rohe oder schon gesittete Völker wissen von keiner

zarteren Neigung. Im Orient ist die Ehe rein sinnlicher Natur, und der

Türke, sagt Feldmarschall +Moltke+, geht über das ganze „Brimborium“

von Verliebtsein, Hofmachen, Schmachten und Überglücklichsein als

eben so viele _faux frais_ hinweg zur Sache.[192] In ganz Ostasien --

Japan, China, Java -- werden die Ehen wohl nie aus Liebe geschlossen;

immerhin kommt doch Liebe sporadisch vor.[193] Selbst unter Wilden

finden sich unleugbar Beispiele von Herzensneigungen mehr oder weniger

ausgeprägter Art. Von einzelnen Fällen, dass auch ein australisches

Herz in einem jener poetisch-zarten Gefühle erglühte, welchen man die

Benennung Liebe zugestehen muss, erzählen Hr. +Thomas+[194] und Dr.

+Mücke+,[195] welch letzterer in den Roman solch einer wilden Liebe

selbst handelnd eingriff. Auch unter den Negern kennt man einzelne

Beispiele grosser Beständigkeit unter ungünstigsten Verhältnissen und

wunderlicher Aufopferungsfähigkeit. +Brodie Cruickshank+ teilt zwei

Fälle dieser Art mit.[196] +Davis+ erzählt von einem Neger, der nach

vergeblichen Versuchen seine Geliebte aus der Sklaverei loszukaufen,

sich entschloss, lieber selbst Sklave zu werden, als die Trennung von

ihr zu ertragen.[197] Auch von den Sulukaffern weiss man ein Beispiel

romantischer Liebe.[198]

Alle diese Fälle sind indes so sehr vereinzelt, dass aus ihnen kein

gültiger Beweis gegen das Fehlen der über Sinnlichkeit hinausgehenden

Liebe bei den Wilden zu schöpfen ist. Höchstens gestatten sie zu

schliessen, was nicht erst des Beweises bedarf: dass die +Anlagen+

zur Entwicklung höherer Gefühle bei allen Menschen vorhanden sind.

Diese Ausbildung hat aber eben bei der Allgemeinheit noch nicht

stattgefunden, daher alle Versicherungen des Gegenteiles mit einem

gewissen Misstrauen aufzunehmen sind. So versichert z. B. +R. Smyth+

nach +Bunce+, dass bei den Australiern die festeste Liebe bestehe

zwischen Mann und Weib,[199] was nach der dort üblichen Behandlung

der Frau ganz unglaubhaft erscheint, sich also höchstens auf einzelne

Ausnahmen beziehen kann. Desgleichen meint +H. H. Johnston+, die

Unsittlichkeit der Bakongo und anderer Anwohner des unteren Kongo

entspringe eher aus übertriebener Liebe zu ihren Frauen, als aus

Neigung zum Laster,[200] fährt aber in einem Atem fort zu berichten,

dass Ehebruch nicht ungewöhnlich sei. Die Weiber gäben wenig auf ihre

eigene Tugend vor und nach der Verheiratung, und ohne die Eifersucht

der Männer würde ungehinderter Verkehr unter den Geschlechtern die

Regel bilden.[201] Ausnahmen sind natürlich zuzugestehen; für

die grosse Masse der Wilden und Barbaren gilt indes sicherlich

als allgemeine Regel, was +Hugo Zöller+ von den Westafrikanern

beobachtete: Niemals, thatsächlich niemals hört man dort von einer

Liebesgeschichte. Die Negerin besitzt niemals einen „Schatz“, weder

in ganz jungen Jahren, noch nach der sogenannten Verheiratung. Das

Verliebtsein ist auf den untersten Staffeln der Menschheit ein

unbekanntes Ding, auf den folgenden kennt man darin dann gar viele

Stadien und Abstufungen. Zwischen den beiden äussersten Grenzen, der

blossen Sinnenlust und der vergeistigsten Liebe, läuft unverkennbar,

sowohl individuell innerhalb der gesitteten Welt als ethnisch von

Volksgruppe zu Gruppe, eine unabsehbare Reihenfolge feiner, oft kaum

unterscheidbarer Zwischenstufen jenes geistigen Anteils, welcher

ein unerlässlicher Bestandteil der Liebe ist und in der poetischen

Verklärung der Geschlechtsbeziehungen gipfelt. Es ist mir ganz aus

der Seele gesprochen -- weil ich längst zur gleichen Überzeugung

gelangte -- wenn +Hugo Zöller+ schreibt: „Die Liebe in dem Sinne, wie

wir sie auffassen, +ist eine Frucht unserer Kultur+. Sie entspricht

einer höheren Entwicklungsstufe der in unserer Natur schlummernden

Anlagen, als die Negerrasse sie erreicht hat. Nicht bloss, dass jene

zahlreichen Funktionen des Geistes, des Gemütes und des Herzens, welche

wir unter den Begriff der Liebe zusammenfassen, dem Neger fremd sind;

nein, auch in rein körperlicher Hinsicht kann man behaupten, dass

sein Nervensystem nicht nur weniger reizbar, sondern auch weniger

gut entwickelt sei. Der Neger liebt, wie er isst und trinkt. Aber

ebenso wenig wie einen schwarzen Feinschmecker habe ich jemals einen

Neger gesehen, welcher der Wollust eine idealere Seite abzugewinnen

vermocht hätte.“[202] Ungescheut darf man in obigem den Neger, an

welchen +Zöller+ anknüpft, durch den allgemeinen Begriff des Wilden

ersetzen, ohne sich irgendwie von der Wahrheit zu entfernen. Man darf

aber auch hinzufügen: +Die Liebe ist ewig wechselnd+. Jedes Zeitalter,

jede Geschlechtsfolge drückt ihr einen besonderen Stempel auf. So

oft Männer und Weiber sich lieben, lieben sie sich anders als ihre

Voreltern sich liebten, als ihre Nachkommen sich lieben werden. Heute

schon ist in unseren Kreisen die Liebe nicht mehr, was sie vor einem

Menschenalter war, und ebenso wechselt sie von Volk zu Volk. Der

Italiener, der Spanier liebt in seiner höchsten geistigen Erregung

immerhin anders als der Franzmann, der Deutsche anders als der Brite.

Es ist +nicht wahr+, dass das menschliche Herz überall und immer das

gleiche sei. Die menschlichen Leidenschaften sind die nämlichen,

aber sie erregen in verschiedenartiger Weise das Gemüt der einzelnen

Völker. Welches darunter Anspruch habe auf den höchsten Preis, ist

wissenschaftlich nicht zu ergründen. Jedes vermeint ihn zu besitzen,

wahrscheinlich gehört er keinem.

Übrigens können selbst schöngeistige Schriftsteller, welche in solchen

Dingen allein zu Rate zu ziehen sind, weil subjektive Empfindungen

nicht leicht Gegenstand wissenschaftlicher Untersuchung werden, sich

der Einsicht nicht verschliessen, dass die Liebe kein dem Menschen

als solchem von der Natur zugewiesenes Gemeingut sei. So sagt der

bekannte Roman- und Kriegsschriftsteller +Hans Wachenhusen+, dem

Reise-Beobachtungen in mannigfachen Länderstrichen zur Seite stehen,

vom gläubigen Standpunkte ganz logisch: „Als Gott die Welt erschuf,

legte er den ganzen Schwerpunkt seiner Schöpfung, um den sich

diese von Anbeginn bis zu Ende drehen sollte, in die Beziehungen

der beiden Geschlechter zu einander. Der Mann sucht das Weib, das

Weib den Mann, und wenn sie sich gefunden haben, ist der alle beide

verurteilende Seelenprozess zu Ende. Die Liebe ist also nichts als

eine ganz kurze Episode mit langem Vorspiel des Sehnens und endlosem

Nachspiel der Nüchternheit. Die Liebe hat auch an sich keine moralische

Berechtigung, nicht einmal eine historische. Moralisch nicht, weil

sie +nur bei Kulturvölkern durch Sublimierung eines von Hause aus

ganz untergeordneten Instinktes mit der Zivilisation einheimisch

geworden+ und sich naturgemäss in dieser wieder zu einer ganz ordinären

Spekulation verflacht. Historisch nicht, weil die Heil. Schrift uns

nicht sagt, dass Adam und Eva sich +geliebt+ haben, sie vielmehr als

zwei ganz untergeordneten Instinkten folgende Wesen hinstellt.“[203]

Unwillkürlich fragen wir nach Gründen, geeignet, die Lieblosigkeit der

Urzeit einigermassen zu erklären. Einer darunter mochte wohl darin

liegen, dass die Geschlechter von einander noch zu wenig differenziert,

einander noch in jeder Hinsicht zu ähnlich waren, um jene tiefere

Neigung des Gemütes zu erwecken, welche nicht zum wenigsten auf dem

„Anderssein“ des geliebten Gegenstandes beruht. So weit ich sehe,

ist der von mir schon im ersten Kapitel hervorgehobene Umstand noch

nicht gehörig gewürdigt worden, dass bei niedrigen Stämmen Mann und

Weib auch leiblich nur wenig unterschieden sind. Dies spricht sich

zunächst deutlich in der Bekleidung aus; beschränkt, wie sie ist,

zeigt sie fast gar keine Abweichung für die beiden Geschlechter. Die

Haartracht, auf welche namentlich Unbekleidete hohes Gewicht zu legen

pflegen, ist nicht selten bei Männern und Weibern eine sehr ähnliche,

und auch die Unterschiede in Lebensweise und Beschäftigung, obwohl sehr

frühzeitig auftretend, doch noch nicht gross genug, um die weibliche

Individualität in ihrer so anziehenden leiblichen und seelischen

Eigenart voll auszuprägen. Mit +einem+ Worte: das Weib ist noch zu

wenig Weib, um die Geistesthätigkeit des Mannes herauszufordern, sich

mit ihr zu beschäftigen, und in gleichem Masse ist auch der Mann unter

seinesgleichen noch zu wenig individualisiert. Klagen doch europäische

Reisende selbst bei höheren Rassen, wie bei Chinesen, Japanern oder

Mongolen, dass ein Einzelwesen aussehe wie das andere und dass es

langer Übung bedürfe, um die Physiognomien unterscheiden zu lernen.

Die wie in der Tierwelt nur schwach mit den Kennzeichen der

Weiblichkeit ausgerüsteten Wesen lassen auch in psychischer Beziehung

alles vermissen, was gesitteten Epochen als ureigentümlich gilt.

Von Natur ist der Mensch nicht +gut+ im modernen Sinne, und seine

Laster, wieder im modernen Sinne, sind keine Störungen einer

göttlichen Weltordnung, sondern umgekehrt die Ordnung der Welt,

die sich allerdings, aber langsam, zum Bessern entwickelt, ist

Mord, Raub und Unzucht. Insbesondere ist der Mensch ein +grausames

Geschöpf+, ein fleischfressendes Tier und somit vielfach mit Roheit

und Gleichgültigkeit gegen die Leiden anderer behaftet. Nährungsweise

und Erziehung vermögen eine Milderung zu bewirken,[204] aber bei

vielen Wilden und Halbwilden ist eine solche Veränderung noch nicht

eingetreten, und selbst in Mitte der gesitteten Gesellschaft giebt es

bekanntlich noch, wie +John Stuart Mill+ mit Recht betont, „Personen,

welche von Charakter oder, wie man zu sagen pflegt, von Natur aus

grausam sind, welche ein wirkliches Vergnügen daran empfinden, Schmerz

zu bereiten oder bereiten zu sehen. Diese Art von Grausamkeit ist nicht

blosse Hartherzigkeit oder Mangel an Mitleid oder Gewissensbissen; sie

ist eine ganz positive Erscheinung, eine Art von wollüstiger Erregung.“

Dies erklärt auch, wie ich schon an einem andern Orte[205] bemerkte,

warum sie in der Regel stärker aufzutreten scheint bei männlichen als

bei weiblichen Individuen, und in warmen Himmelstrichen intensiver

als in kälteren. Bemerkenswert bleibt auch, worauf ich bei den uns

beschäftigenden Untersuchungen besonderes Gewicht legen möchte,

dass, obwohl so nahe verwandt mit der Leidenschaft der Liebe, +die

Grausamkeit weit früher in der Lebensgeschichte des Individuums sich

entwickelt+. In der That sind die Kindheit und das Jünglingsalter,

wenigstens in der gesitteten Gesellschaft, jene Stadien, worin die

Grausamkeit am auffallendsten sich äussert. Die Ursache dafür liegt

wohl darin, dass in jenem Lebensalter die einschränkende Kraft, welche

in späteren Jahren die Überlegung ausübt, noch nicht zur Thätigkeit

wachgerufen ist. Ebenso sind die das Jugendalter der Menschheit

darstellenden Naturvölker deshalb grausam, weil die die Reflexion

vertretende Kultur an ihnen noch nicht wirksam gewesen ist. Dass die

Grausamkeit eine positiv tierische Seite der menschlichen Natur

bildet, dürfte kaum irgend jemand in Zweifel zu ziehen gesonnen sein,

und es ist interessant zu wissen, dass dieselbe am ähnlichsten beim

Affen sich äussert.[206] Insbesondere von den Anthropomorphen hat

+Broderip+ in seinen _Zoological recreations_ nachgewiesen, dass

sie andere Tiere prügeln, ja selbst töten, obwohl sie selbst keine

Fleischfresser sind.

Darnach wird es wohl niemanden in Erstaunen setzen, zu vernehmen,

dass das Weib des Wilden heute noch vielfach, wie die Tigerin, den

Instinkt der Grausamkeit besitzt und, wie die Löwin oft teilnimmt

an den blutigen Kämpfen der Männer. Ungesprochen ist für das Weib

des Wilden das schöne Frauenwort, welches +Sophokles+ seine Antigone

sagen lässt: „Nicht mitzuhassen, mitzulieben bin ich da!“ Die

französischen Schwestern der katholischen Mission in Weidah klagen,

dass der jugendliche Teil der weiblichen Bevölkerung Dahomehs aus

wahrhaften Tigerkatzen bestehe und weit schwerer zu erziehen sei als

die Knaben.[207] +Wilfried Powell+ erzählt von den entsetzlichen

Martern und Qualen, welche die Neubritannier ihren Kriegsgefangenen

aufzuerlegen pflegen. „Eine Art solcher Martern besteht darin, dass man

Hände und Beine des Opfers an Stöcke im Boden festbindet und ihm Feuer

auf den Leib legte. Diese teuflische Quälerei wird durch die Frauen

vorgenommen, welche weit grausamer sind, als die Männer; letztere

erlösen bisweilen den armen Gefangenen durch einen Speerstoss oder

Beilhieb von seiner Pein, aber die Weiber lachen und jubeln dabei,

stossen auch wohl den Dulder mit einem Speere, um ihn aufzustören,

falls er ihnen nicht genug zuckt und heult.“[208] Wer dächte dabei

nicht an die verschiedenen Sippen der Katzen, deren Weibchen an

Grausamkeit den Männchen nichts nachgeben! Sogar unter Kulturnationen

fehlt es nicht an Beispielen, dass Frauen blutgieriger sich zeigen als

Männer.[209] Zwar verfehlt die vorwiegendere Pflanzenkost, auf welche

das Weib sich im Laufe der Entwicklung bald angewiesen sieht, nicht,

eine grössere Differenzierung der Geschlechter zu bewirken und aus dem

Weibe im Durchschnitt eine immer schwächere Genossin des Mannes auf

seinen rauhen Lebenspfaden zu machen; dagegen sehen wir auf tieferen

Kulturstufen dasselbe ihn noch in den Krieg begleiten, Speere, Steine

u. dergl. tragend und durch Zuruf aufreizend. +Powell+ berichtet von

einem Kampfe mit den Eingebornen Neubritanniens, welche standhielten,

ermutigt durch die Weiber, die wie die Teufel herumsprangen und

tanzten und Hohn- und Schimpfreden der ekelhaftesten Art dem Feinde

entgegenschleuderten.[210] Das Gleiche berichtet der englische Forscher

+Joseph Thomson+ von dem bislang noch wenig bekannten Volke der wilden

Massai in Ostafrika. Auch dort spornen die mit ins Feld ziehenden

Weiber auf beiden Seiten die kämpfenden Krieger zu den kühnsten

Thaten an.[211] Wie die Frauen der alten Germanen reizen auch die

Kabylenweiber in Algerien durch Geschrei und Gesang zum Kampfe; bei

diesem kriegerischen Volke muss das Weib eben so viel wagen und dulden

als der Mann; ihr Scharfblick begleitet ihn in das Schlachtengetümmel,

um über sein Betragen zu urteilen und zu richten. Die Weiber der

Hesareh im Hindukusch, deren Männer keine Eifersucht kennen und welche

sich dies zu nutze machen, sind stolz darauf, ein Ross mit Gewandtheit

reiten und das Schwert mit gleicher Tapferkeit gebrauchen zu wissen,

wie ihre kriegerischen Brüder und Gatten;[212] ihre Gegner fürchten

sogar die Grausamkeit der Weiber mehr als jene der Männer.[213] Diese

kühnen Reiterinnen nehmen stets Anteil am Kampfe und kein Mädchen

heiratet, ehe es nicht eine Heldenthat vollbracht.[214] In der für

Muhammed so unglücklichen Schlacht am Berge Ochod erschienen die

ungeordneten aber frohmutigen Haufen der arabischen Heiden mit den

Scharen der Weiber vor sich, welche ihre Pauken schlugen und das alte

Kriegslied sangen:

Wir Kinder eines Recken

Ruhen auf weichen Decken,

Vordringende zu wecken,

Rückweichende zu schrecken.[215]

Solcher Beispiele liessen sich noch gar viele anführen.

Endlich ist es bekannt, dass heute noch in einem Reiche des

äquatorialen Afrika Weibersoldaten nichts Ungewöhnliches sind. Der

König der Dahomehneger, deren eigentlicher Name Ffons ist, besitzt

nämlich eine Leibgarde weiblicher Krieger, die früher 3000-8000 Köpfe

stark, jetzt bloss noch 1500 Köpfe zählt, immerhin aber noch den

Kern des mit Kanonen und Schiesswaffen versehenen Heeres bildet. Ich

habe nach +Richard Burton+ eine ausführliche Schilderung dieser

Weibertruppe an anderer Stelle[216] gegeben und begnüge mich hier auf

dieselbe zu verweisen. Dass diese Weiber tapfer sind und von ihren

Waffen einen tüchtigen Gebrauch zu machen wissen, das haben anfangs

der siebziger Jahre die Engländer erfahren, welche von der Meeresküste

nach Dahomeh mit einem kleinen Heere einzudringen versuchten, aber

von den schwarzen Weibersoldaten mit grossem Verluste zurückgeworfen

wurden. Meiner Ansicht nach sehr richtig erklärt +Zöller+ diese

Vereinigung des Weiblichen mit dem Kriegerischen aus der eigentümlichen

männlichen Bildung des Negerskelettes, dem nichts weniger als üppigen

Körperbau und besonders der Schmalheit des weiblichen Negerbeckens,

wozu dann noch das kurz geschorene Haar und die von jener der Männer

durchaus nicht abweichende Kleidung kommen.[217]

Dass es solche Weiberregimenter auch in Indien giebt oder wenigstens

noch bis in die Hälfte unseres Jahrhunderts gab, ist weniger bekannt.

Eine aus jener Zeit stammende Quelle sagt vom damals noch unabhängigen

Nizam von Haiderabad: „Ausser den gewöhnlichen prätorianischen Banden,

die man aus Misstrauen gegen die englische Herrschaft im Solde behielt,

hatte der Nizam noch vor wenigen Jahren und, so weit wir immer wissen,

noch jetzt eine eigentümlich zusammengesetzte, nämlich ganz aus Weibern

bestehende Wache. Diese Amazonen heissen Gardonis -- wahrscheinlich

aus dem europäischen Worte Garden verderbt -- und sind oder waren zu

der Zeit, von der wir sprechen, nämlich vor zwanzig oder dreissig

Jahren, wie Sipahis gekleidet, mit Musketen versehen und bis zu einem

gewissen Grade diszipliniert. Dass sie zum mindesten nicht schlechter

waren als andere Haustruppen des Nizam, ergiebt sich aus dem Umstande,

dass sie oft thätigen Anteil an den kriegerischen Operationen nahmen,

deren Schauplatz das Gebiet des Nizam so häufig gewesen. Während des

Krieges mit den Mahratten am Schlusse des vorigen Jahrhunderts nahm

der Nizam Ali, als er ins Feld zog, zwei dieser weiblichen Bataillone,

jedes tausend Köpfe stark, unter dem Namen _Zaffer Pultuns_, d. h.

Siegesbataillone, mit sich. Sie nahmen Teil an dem Gefecht von Kurdlah,

wo der Nizam von Daulet Rao Scindia geschlagen wurde und sie, wie die

Geschichte jener Zeit meldet, zum mindesten nicht schlechter fochten,

als der übrige Teil der Armee.“[218] Ja, selbst im Jahre 1885, als ein

englisch-russischer Krieg auszubrechen drohte, machte die verwittwete

Maharani von Baroda dem Vizekönig von Indien das Anerbieten, auf eigene

Kosten ein Amazonenkorps aus Maharattifrauen bestehend aufzustellen und

zu unterhalten.[219]

Wenden wir den Blick nach unserem eigenen Weltteile, so fällt selbst

in der Gegenwart dem Weibe des Tschernagorzen im Kriege noch eine

besondere Rolle zu, denn es wird zum Transport der Bagage, selbst

bis mitten ins Feuergefecht hinein, verwendet. Die Heldengesänge

der Südslaven vollends haben das Charakteristische, dass sie das

verherrlichte Weib immer auch als Heldin darstellen. Sie muss Türken

massakrieren und Köpfe abschneiden und auf das Schlachtfeld gehen wie

unsere Frauen auf den Marktplatz. Bei den Bulgaren vermag manches

junge Mädchen dem Drange zum Haidukentume nicht zu widerstehen.

Sie legen dann Männerkleider an, ergreifen die Waffen und teilen,

manchmal gekannt, manchmal auch nicht gekannt, mit ihren männlichen

Genossen getreulich Kampf und Ungemach, und manche von ihnen, wie

die heldenmütige Syrma aus dem bulgarischen Dorfe Tresanatz, schwang

sich durch hervorleuchtende Tapferkeit sogar zur Harambaschenwürde

empor.[220] Als letzte Ausläufer dieser dem Manne es gleichthuenden

kriegerischen Thätigkeit der Weiber mögen jene zwar sporadischen, aber

immerhin zahlreich genug auftretenden Beispiele von Frauen und Mädchen

sein, welche aus Begeisterung fürs Vaterland die Waffen ergriffen.

Spanien, Italien und Frankreich -- man darf nur an +Jeanne d'Arc+

erinnern -- haben mehrere solcher Heldinnen aufzuweisen. Weibliche

Soldaten der Fortuna fehlen auch bei den Deutschen nicht ganz und auch

hier hat die Zeit der Befreiungskriege die meisten und bekanntesten

der grösstenteils unter Verheimlichung ihres Geschlechtes kämpfenden

„Frauen in Reih und Glied“ hervorgebracht.[221]

Wenn wir in der Tierwelt Umschau halten, so zeigt sich gar bald, dass

in dieser den weiblichen Individuen es keineswegs an Mut gebricht, und

zwar nicht etwa bloss da, wo die Sorge um die Brut in Frage kommt. Im

Angriff wie in der Verteidigung steht das weibliche Tier dem Männchen

an Kampfeslust nur wenig nach. Das Weib des Wilden bewegt sich vielfach

noch auf dieser, von der Natur gegebenen Stufe. Wie die Liebe ist auch

der durchschnittliche Mut- und Tapferkeitsmangel des Weibes nichts

Ursprüngliches, sondern erst ein künstliches Erzeugnis, eine Folge der

Gesittung, welche, wie in so vielen anderen Dingen, schliesslich als

unweiblich brandmarkte und durch Vererbung unterdrückte, was meist

natürlich war, in der Heranbildung anderer, sekundärer Eigenschaften

Ersatz suchend und findend. Überbleibsel „barbarischer“ Sitten, wie

wir jetzt sagen, haben sich aber, wie das Vorstehende lehrt, selbst

noch zu höher stehenden Völkern und in uns nahe gerückte Epochen

hinübergeflüchtet, und zahlreiche Sagen weisen in den verschiedensten

Gegenden auf eine ähnliche Vergangenheit zurück. Weil die scheinbare

Umkehrung der Gesetze, welche die Geschlechtsverschiedenheit der

menschlichen Kulturentwicklung vorschreibt, immer lebhaft die Phantasie

beschäftigt hat, so haben schon die Alten einen Staat kriegerischer

Weiber erdichtet, dessen Heimat freilich nach Massgabe der Zunahme

geographischer Kenntnisse immer weiter zurückweicht, in welchem aber,

wie sich zeigen wird, wenn auch durch die Sage verhüllt und entstellt,

das Spiegelbild eines längst entschwundenen Gesellschaftszustandes sich

erkennen lässt. Bedenkt man nun, wie selbst Europäerinnen, die sich

männlichem Sport hingeben, dadurch an weiblicher Anmut verlieren, um

einigermassen _Viragines_ zu werden, bedenkt man, wie sehr und wie oft

dies der Annäherung hinderlich wird, so begreift sich, dass das vom

Manne körperlich noch wenig differenzierte Weib der Urzeit, kräftig,

mutig und grausam wie er, seinem geistig entwickelten männlichen

Genossen in keiner Weise begehrenswerter erschien, als es die Natur

zur Erfüllung ihrer Zwecke, hier wie im Kreise aller Lebewesen, gebot.

Damit erklärt sich aber auch, wie ich glaube, +die Liebelosigkeit der

Urzeit+.

[160] +Aristoteles.+ Rhetor. 2, 4.

[161] +Leibniz.+ _Nouv. Essais_ II. 20 § 4.

[162] +Karl Bleibtreu.+ Schlechte Gesellschaft. Realistische Novellen.

Berlin, 1886. S. 33.

[163] Dr. +H. Ploss+. Das Weib in der Natur- und Völkerkunde. Bd. I. S.

240.

[164] +Henri Rabusson+ in der _Revue des deux Mondes_ vom 15. Oktober

1883. S. 746.

[165] +Leopold von Sacher-Masoch.+ Vermächtnis Kains. Die Liebe.

Marzella. Stuttgart, 1870. Bd. II. S. 409.

[166] Dieselbe schrieb in ihrem Tagebuche: „Am 20. Mai küsste mich R.

zum erstenmale. Ich fühlte mich wie in einem Kübel mit Rosen, die in

Honig, +Eau de Cologne+ und Champagner schwammen; als ob etwas auf

Diamantenfüssen über meine Nerven liefe und viele kleine Gondeln mit

Engeln durch meine Adern strömten und als ob durch meinen ganzen Körper

ein magisches Regenbogenlicht sich ergösse!“ --

[167] Hosea 13, 2.

[168] +Bernhard Stade.+ Geschichte des Volkes Israel. Berlin, 1887. Bd.

I, S. 489.

[169] +Adolphe Belot+. _La bouche de Madame X._ Paris, 1883. S. 106-117.

[170] +H. de Molière+. _Code l'amour ou corps complet de définitions,

lois, règles et maximes applicables à l'art d'aimer et de se faire

aimer._ Brüssel, 1829. S. 14. Im Deutschen giebt es „Das Buch

vom Küssen“, ferner: „Der Kuss und das Küssen. Eine Studie von

+Liebrowicz+“, Schriften, die ich jedoch nicht selbst kenne. Eine

gelungene Charakteristik der Kussarten gewährt endlich +Lessings+

Gedicht: „Der Kuss“.

[171] Jos. +V. von Scheffel+. Der Trompeter von Säkkingen. Stuttgart,

1872. S. 195.

[172] +Globus+. Bd. XVII. S. 297.

[173] +Peschel+. Völkerkunde. S. 236.

[174] +Zöller+. Forschungsreisen in Kamerun. Bd. II. S. 60. Bloss an

einzelnen Orten, wie z. B. Lagos, Gabun u. s. w. ist durch den Einfluss

der Europäer die Sitte des Küssens auch unter den Schwarzen verbreitet

worden. A. a. O. S. 71.

[175] Ausland. 1871. S. 832-833.

[176] +Darwin+. Der Ausdruck der Gemütsbewegungen. S. 196.

[177] Siehe darüber: +Richard Andree+ im „Globus.“ Bd. XXXI. S. 151.

[178] Globus. Bd. XVIII. S. 64.

[179] +James Sibree+. Madagaskar. Geographie, Naturgeschichte,

Ethnographie der Insel. Autorisierte deutsche Ausgabe. Leipzig, 1881.

S. 233.

[180] +Gustav Kreitner+. Im fernen Osten. Reisen des Grafen Béla

Széchenyi in Indien, Japan, China, Tibet und Birma in den Jahren

1877-80. Wien, 1881. S. 522.

[181] +Jules Arène+. _La Chine familière._ Paris, 1883.

[182] +J. J. Rein+. Japan nach Reisen u. Studien. Leipzig, 1881. Bd. I.

S. 494.

[183] +Bousquet+. _Le Japon de nos jours._ Bd. I. S. 93.

[184] Ausland. 1862. S. 471. 472.

[185] In einem Hochzeitsgedichte der siebenbürgischen Zigeuner ist vom

„Kuss auf den weissen Mund“ die Rede. (Globus Bd. XXXVI. S. 91.) Auch

finde ich von ihnen ein Sprichwort verzeichnet, welches lautet: „Das

ist wie ein Kuss, nichtsnütz, wenn es nicht zwischen zweien geteilt

wird.“ (Beilage zur Wiener Abendpost vom 18. Juli 1876. S. 647)

[186] Globus. Bd. XVII. S. 170.

[187] +Friedrich Ewald+ im Globus Bd. IX. S. 267: Wie eigentümlich

lautet nicht z. B. die (buchstäblich wahre) Geschichte von jenem

Bauern, der gegen seinen Prediger sich über das schamlose Benehmen

seiner Frau beklagte und auf die Frage, worin sich denn dasselbe

äussere, zögernd zur Antwort gab: „Ja, sehn Se, neelich, als ick ruhig

in de Kök (Küche) seet, do geef si mi mit eenmal, mit Erlaubnis to

seggen, 'n Kuss!“

[188] +Zöller+. Pampas und Anden. S. 392.

[189] +Sir Samuel White Baker+. _The Albert Nyanza, great basin of the

Nile._ London, 1866. Bd. I. S. 219.

[190] Ausland. 1871. S. 832-833.

[191] +Zöller+. Forschungsreisen in Kamerun. Bd. II. S. 60.

[192] +Helmuth von Moltke+. Briefe über Zustände und Begebenheiten in

der Türkei aus den Jahren 1835-1839. Berlin, 1876. S. 34.

[193] +Kuntze+. Um die Erde. S. 253.

[194] Ausland. 1860. S. 64.

[195] Die Natur. Halle, 1866. S. 30 ff.

[196] +Brodie Cruickshank+. _Eighteen Years on the Gold Coast of

Africa._ London, 1853. Bd. II. S. 208-210: Ein Fantivater verweigert

seinem Sohne ein Mädchen, das ihm verpfändet war, und entschliesst

sich endlich sie selbst zum Weibe zu nehmen. Er quält sie nunmehr mit

Eifersucht hinsichtlich seines Sohnes, den er bevorzugt glaubt, und

infolge dessen lässt sich letzterer von seiner Stiefmutter bewegen,

ihrem Leben zugleich mit dem seinigen ein Ende zu machen: er erschiesst

sie und versucht sich selbst den Hals abzuschneiden; doch misslingt

ihm dies und er stirbt durch den Strang. Ein anderer erdolcht Weib und

Kind und bringt zuletzt sich selbst um, aus Verzweiflung darüber, jene

an seinen Gläubiger verpfänden zu müssen, den er nicht zu befriedigen

vermochte.

[197] +Davis+. _Evenings in my tent or wanderings in Balad Ejjareed._

London, 1854. Bd. I. S. 232.

[198] Ausland. 1857. S. 888.

[199] Globus. Bd. XLIII. S. 185.

[200] +H. H. Johnston+. Der Kongo. Reise von seiner Mündung bis Bolobo.

Leipzig, 1884. S. 375.

[201] A. a. O. S. 376.

[202] +Zöller+. Forschungsreisen in Kamerun. Bd. II. S. 69.

[203] H. +Wachenhusen+. Geschichten aus dem Badeleben. Stuttgart, 1875.

S. 165-166.

[204] Globus. Bd. XXI. S. 335.

[205] +Hellwald+. Kulturgeschichte. Dritte Aufl. Bd. II. S. 355-356.

[206] Londoner _Nature_. Bd. IX. S. 149.

[207] +Zöller+. Forschungsreisen in Kamerun. Bd. I. S. 28.

[208] +Powell+. Unter den Kannibalen von Neubritannien. S. 80.

[209] Als 1880 der amerikanische Sozialistenführer +Kearny+ an der

Spitze der „Arbeiterpartei“ in San Francisko eine wilde Chinesenhetze

zu Wege brachte und Geld sammelte für die Errichtung ständiger

Chinesengalgen auf den Sandlots, schien seine Parteigängerin +Anna

Smith+ selbstloser zu sein, denn sie forderte in öffentlicher Rede auf,

nicht bis zu Fertigstellung jener Galgen zu warten, sondern die schon

vorhandenen Laternenpfähle sofort zu benutzen. Frauen sind aber immer

auch sparsamer. Siehe: Newyorker Staatszeitung vom 6. März 1880.

[210] +Powell+. A. a. O. S. 122.

[211] +Thomson+. Durch Massailand. S. 391.

[212] +J. P. Ferrier+. _Caravan Journeys and Wanderings in Persia,

Afghanistan, Turkistan and Beloochistan._ London, 1857. S. 194.

[213] A. a. O. S. 237.

[214] A. a. O. S. 252.

[215] A. +Müller+. Der Islâm im Morgen- und Abendlande. Berlin, 1885.

Bd. I. S. 123.

[216] +Hellwald+. Naturgeschichte des Menschen. Stuttgart, o. J. Bd.

II. S. 149. Die neueste Schilderung der Dahomeh-Amazonen verdanken wir

+Hugo Zöller+. Forschungsreisen in Kamerun. Bd. I. S. 42-46.

[217] +Zöller+. Forschungsreisen in Kamerun. Bd. I. S. 43. Bd II. S. 82.

[218] _United Service Magazine_ vom April 1870.

[219] Schwäbischer Merkur vom 23. Mai 1885.

[220] Von ihr wird heute noch im Volke gesungen:

Ward dergleichen je vernommen,

Dass ein Mädchen siebzig sieben

Trotzigen Haiduken herrsche?

Dort auf jenen grünen Bergen

In den Forsten dort geschah's so!

Also zu den siebzig sieben

Männern sprach alsdort das Mädchen:

„Nicht bedarf es hier der Herbheit,

Nicht des Neides, nicht des Zornes!

Zieh' den Ring vom Finger einer,

Häng' ihn dort an jene Buche,

Und der Reih' nach, Freunde, mögt ihr

Alle nach dem Ringe schiessen!

Wer den Ring schiesst von der Buche,

Der fortan mag uns gebieten,

Ihm als Weib füg' ich mich selber!“

Und sie schossen nach dem Ringe

Und den Ring traf auch nicht einer.

Und das Mädchen drauf sprach weiter,

„Gebt das Rohr, dass ich nun schiesse!“

Schoss -- und von der Buche nieder

Fiel das Ringlein auf den Rasen.

Weiter sprach darauf das Mägdlein:

„Nehmt nun einen Stein und werfet!

Wer den bessern Wurf, denn ich, thut,

Gern als Weib will ich ihm dienen

Und fortan sei er uns Führer!“

Und sie warfen all' der Reih' nach,

Einer besser als der andre;

Doch den besten Wurf von allen,

Volle zehn Schritt über alle,

That das Mädchen. Und so blieb's denn,

Dass ein Mädchen siebzig sieben

Trotzigen Haiduken herrschte.

[221] Am bekanntesten ist vielleicht jene +Eleonore Prohaska+ (geboren

zu Potsdam am 11. März 1785), welche unter dem Namen +August Benz+

als freiwilliger Lützowscher Jäger diente und in der Schlacht bei der

Göhrde am 16. September 1813 tötlich verwundet mit dem Ausrufe fiel:

„Herr Lieutnant, ich bin ein Mädchen!“ Zahlreiche Beispiele solcher

Fälle finden sich gesammelt bei: Dr. +Wilhelm Stricker+. Die Amazonen

in Sage und Geschichte. Berlin, 1868.

Die menschliche Familie nach ihrer Entstehung und natürlichen Entwickelung · 第 40 / 70 题