Das Schamgefühl und dessen Äusserungen.
Unbeirrt von dogmatischen Einwänden habe ich den Nachweis zu führen
versucht, wie die menschlichen Gefühle in wenn auch sehr rudimentärem
Zustande schon im Tierreiche sich vorfinden. Unter diesen ist indes
eines, welches dem Anscheine nach eine unüberbrückbare Kluft zwischen
Mensch und Tier herstellt und das wegen seiner engen Beziehungen zum
Geschlechtsleben vor allen eine genauere Betrachtung erheischt. Ich
meine die +Schamhaftigkeit+, womit der Mensch alle natürlichen
Leibesverrichtungen zu umgeben gewohnt ist. Bei stark materialistisch
zugeschliffenem Verstande mag man es zwar ziemlich lächerlich finden,
sich Handlungen oder Dingen zu schämen, die ganz natürlich sind,
ja die gradezu sein müssen, und doch kann der zur Selbsterkenntnis
gekommene Kulturmensch dieses Gefühl nicht loswerden. Noch mehr,
dieses Gefühl ist so stark, dass es sogar einen besonderen physischen
Ausdruck besitzt: das +Erröten+, von dem manche meinen, es sei
dem Geschöpfe vom Schöpfer als eine Art Talisman, als ein Hemmnis
seine Gebote zu überschreiten, eingepflanzt. Indes zeigt diese
von den Dichtern gepriesene Blüte edelster Menschlichkeit, diese
Verräterin des Gewissens und der leisesten Regungen des Gefühls,
gewisse Eigentümlichkeiten, welche beweisen, dass die Möglichkeit der
Entfaltung dieser psychischen Vorgänge schon im Tierreiche gegeben
war, und das Vermögen die Farbe zu wechseln, ist kein Vorzug des
Menschen vor den übrigen Geschöpfen. „Medizinische Beobachtungen der
neueren Zeit,“ sagt +Carus Sterne+, „hatten nämlich ergeben, dass
die Einzelheiten, aus denen sich diese Erscheinung zusammensetzt, die
Beschleunigung des Herzschlages, die geistige Verwirrung und die Röte,
welche sich gleichzeitig über Antlitz und Brust ergiesst, auch sehr
schnell beim Einatmen von Amylnitrit eintreten, einer zu medizinischen
Zwecken benützten Ätherart. +Darwin+ hatte schon vor Jahren auf
die Ähnlichkeit dieser künstlichen Scham mit der natürlichen die
Aufmerksamkeit gelenkt, und +W. Filehne+ zeigte vor kurzem, dass
beide gleichmässig dadurch entstehen, dass eine Gehirnpartie, welche
die Blutgefäss-, Atmungs- und Herznerven gleichzeitig beeinflusst,
ihre regelnde Thätigkeit vorübergehend einstellt. Es wurde ferner
nachgewiesen, dass die meisten Säugetiere in denselben Zustand versetzt
werden konnten, dass also die +Anlage+, unter Herzklopfen zu
erröten und in Verwirrung zu geraten, schon bei den Tieren vorhanden
ist, wenn diese Erscheinungen auch für gewöhnlich nicht eintreten,
weil von der minder feinfühlig entwickelten Psyche kein Antrieb
zur Abspielung dieses interessanten Vorganges gegeben wird. Diese
Nachweisungen scheinen aber, wie ihr Urheber mit Recht hervorhob, ein
Verständnis dafür anzubahnen, wie sich beim Menschen im Verlaufe seiner
Veredlung jener eigentümliche Verräter seiner inneren Empfindung mit
all seinen Begleiterscheinungen hat ausbilden können.“[55]
Das Erröten ist mithin keineswegs ein ausschliessliches menschliches
Vorrecht. Weder besitzen wir es allein, noch besitzen es die Menschen
alle im nämlichen Grade. +Charles Darwin+ gelangt allerdings zu
dem Schlusse, dass das Erröten „den meisten und wahrscheinlich
allen Menschenrassen gemeinsam zukommt;“[56] allein aus den von ihm
gesammelten Zeugnissen erhellt deutlich, dass dieses Vermögen doch
hauptsächlich den geistig entwickeltsten Stämmen eignet. Was er von
den Negern, den Kaffern und Australiern sagt, gestattet zwar auf das
Vorhandensein eines Schamgefühles zu schliessen, welches indes keinen
oder nur einen ungemein schwachen physischen Ausdruck findet. Und dies
ist auch recht erklärlich, denn um zu erröten, muss der Geist erregt
werden. Wo derselbe, wie bei rohen Völkern, seiner geringen Ausbildung
halber, nur selten und wenig erregbar ist, kann auch die Fähigkeit
des Errötens nicht besonders entwickelt sein. Selbst in unseren
gebildeten Kreisen erröten zartbesaitete Gemüter öfter und leichter
als rohere Naturen, denn es hängt die Empfindlichkeit des Schamgefühls
von dem Grade der angebornen oder anerzogenen Feinfühligkeit ab.[57]
Diese wächst aber mit steigender Geistesbildung und letztere ist ein
Erzeugnis der Gesittung. An einen etwaigen übersinnlichen Ursprung der
Schamröte zu glauben, muss uns schon der Umstand in Zweifel setzen,
dass eine und dieselbe Erscheinung, wie es das Erröten ist, bald den
Abglanz der Unschuld, bald das Kainszeichen der Schuld vorstellen
soll. Beim Kulturmenschen tritt als letzter Grund des Errötens die
Rücksichtnahme auf die Beurteilung durch andere auf; es zeigt sich
daher fast unausweichlich, wenn er in Gegenwart dritter eine die
Schamhaftigkeit verletzende Handlung begehen soll, eine solche sieht
oder auch nur davon hört. Es ist ein Gedicht, welches die Tugend mit
rosenfarbener Tinte auf die Wangen schreibt.
So wenig wie das Erröten kann auf ihrer untersten Stufe die Menschheit
die Schamhaftigkeit besessen haben. Unterscheidet man mit +Julius
Lippert+ ursprüngliche, ältere (primäre) Instinkte, d. h. solche,
welche allen Menschen von Haus aus unbedingt gemeinsam sind, und
jüngere (sekundäre), welche später und nicht von allen, auch nicht
von allen gleichmässig im Laufe ihrer Entwicklung erworben wurden, so
ist die Schamhaftigkeit unzweifelhaft ein solcher Instinkt jüngerer,
gesellschaftlicher Art. „Auf der ersten Stufe,“ so führt +Lippert+
überzeugend aus, „wird die möglichste Verstärkung des Geschlechtssinnes
von wohlthätigen Folgen für die Erhaltung der Art. Je feiner die
Sinne für die Wahrnehmung geschärft werden, je intensiver und
unmittelbarer auf die Sinnesempfindung der Antrieb folgt, desto weniger
besorgt braucht Mutter Natur um die Arterhaltung ihrer Geschöpfe zu
sein. Die Intensität dieses Instinktes ist in der That bei allen
Geschöpfen ausserordentlich gross; sie führt sie mit Ausserachtlassung
der grössten Gefahren für das Individuum dem Ziele zu. Seiner
Intensität nach nimmt dieser Instinkt auf höheren Entwicklungsstufen
+nicht ab+, je nach der Anzahl seiner Impulse +verstärkt er sich
noch+. Zu den Sinneseindrücken, welche im Tiere sowohl, als auch
im Urmenschen die entsprechenden Reflexerscheinungen, wie wir sie
wenigstens einer Analogie nach nennen können, auslösen, gesellt
sich auf einer höheren Stufe die willkürliche und unwillkürliche
Reproduktion des Gedächtnisses und der Einfluss einer entwickelteren
Vorstellungskraft. Um so notwendiger erscheint, sobald die Menschen
zu erweiterter Fürsorge auf der Basis der Gesellschaft fortschreiten,
ein zügelnder Instinkt.“[58] Dieser hat aber ursprünglich so wenig
bestanden, wie gegenwärtig auch beim Tiere; erinnert doch noch die
biblische Überlieferung an einen Urzustand, in welchem die Menschen
das Gefühl geschlechtlicher Scham nicht besassen. Der Standpunkt der
Schamhaftigkeit, auf dem wir heutigen Tages in Europa stehen, ist also
nicht etwas von Hause aus Gegebenes und ein- für allemal Unwandelbares,
sondern vielmehr ein sehr wandelbares Erzeugnis jener Kultur, welche
sich hauptsächlich in der Entwicklung allgemein menschlicher und auch
bei den Naturvölkern zu findenden Anlagen offenbart.[59] Der Neger z.
B. besitzt die gleiche Anlage zur Schamhaftigkeit wie wir, aber auf
den allerverschiedensten Stufen der Ausbildung. Thatsache ist, dass
es noch heute eine grosse Menge von Völkern giebt, bei welchen eine
+Schamhaftigkeit in unserem Sinne gar nicht vorhanden ist+. Brauch und
Sitte entscheiden eben allein über Verstattetes und Anstössiges, und
erst nachdem sich eine Ansicht befestigt hat, wird irgend ein Verstoss
zu einer verwerflichen Handlung.[60] Allerdings ist bei barbarischen
Stämmen vieles des Charakters des Herausfordernden entkleidet, das
einen solchen erst einem geübteren Verknüpfungs- (Kombinations-) und
Vorstellungsvermögen gegenüber gewonnen hat. So ist auf dem Standpunkte
der Bibel vieles als Thatsache längst unter das abwehrende Gesetz der
Scham gestellt, aber noch nicht das nackte, unverblümte +Wort+ dafür
und der nackte Bericht. Seither ist das Schamgefühl fortgeschritten,
indem es auch das Wort verbietet, welches die Vorstellung mit konkreter
Bestimmtheit oder gerade nach der Richtung hin hervorruft, in welcher
sich jener Instinkt bewegt. Dieser Fortschritt vollzieht sich noch in
unserer Zeit, und es ist noch nicht allzulange her, dass er angebahnt
wurde.[61]
So schämt der Kulturmensch sich jeder Handlung, wenigstens vor
andern, die aus Notwendigkeit hervorgeht, selbst der zur Erhaltung
des Organismus unbedingt unerlässlichen. Während er aber anstandlos
isst, trinkt, raucht, schnupft, dünken ihm alle Ausscheidungen
gleichsam unverdiente Erniedrigungen, die der Haushalt des tierischen
Leibes ihm auferlegt. Über sie vor allem trachtet das Schamgefühl
einen dichten Schleier zu werfen, um vor andern zu erscheinen, als
seien wir so rein und sehenswürdig, wie die Lilien in der Sprache
der Evangelien. An dieses unser Naturleben wollen wir nicht gemahnt
sein und verhüllen daher ängstlich die Organe und Körperteile, welche
diesem ausschliesslichen Zwecke dienen. In der gesitteten Gesellschaft
mit ihrer hochgradigen Scheu vor der Nacktheit existiert diese Seite
unseres Naturlebens scheinbar gar nicht, und in der Rede geschieht
von deren Vorhandensein keinerlei Erwähnung. Vollends aber wird das
Schamgefühl durch jede, auch die leiseste Anspielung auf das Erotische
empfindlichst beleidigt, freilich bei Völkern, wie bei Individuen nicht
immer im gleichen Grade. Und das kleine Kind des Kulturmenschen kennt
die Scham ebensowenig wie das Tier. Dieses kommt nie dazu, weil es
nicht zum Bewusstsein des Geistes gelangt, das Kind aber erst dann,
wenn es in sich den qualitativen Gegensatz zwischen Geist und Körper
zu fühlen beginnt. Ganz rohe Stämme, die auf dem Standpunkte des
Tieres oder richtiger auf jenem kleiner Kinder stehen, wissen deshalb
auch nichts von unserer Schamhaftigkeit. Ohne alle Scheu vollziehen
sie Verrichtungen, welche der Kulturmensch sorgfältig fremden Blicken
entzieht, und es ist nur zu beklagen, dass die meisten Reisenden,
welche uns mit fernen Völkern vertraut machen, über Dinge, die ihrer
Aufmerksamkeit unmöglich entgehen konnten, eine zwar erklärliche, aber
wissenschaftlich recht anfechtbare Zurückhaltung beobachten zu müssen
glauben. So sagt z. B. +Alfred Lortsch+ in einer sonst verdienstvollen
Studie über Neukaledonien: „Die Tracht der Neukaledonier ist eine
sehr sonderbare und keineswegs geeignet, hier speziell beschrieben zu
werden.“[62] Mit solcher Zurückhaltung wird der Wissenschaft herzlich
schlecht gedient. Hunderte von Reisewerken wird man deshalb enttäuscht
aus der Hand legen, ehe man auf eine jener Mitteilungen stösst, welche
einen direkten Schluss auf das Schamgefühl der beschriebenen Völker
gestatten würden.
In der Beurteilung der Frage, ob einem Volke der Sinn für
Schamhaftigkeit abgehe oder bis zu welchem Grade derselbe etwa
vorhanden sei, werden häufig, ja sogar gewöhnlich ganz verschiedene
Regungen vermengt und insbesondere Sittsamkeit oder Anstandsgefühl und
Keuschheit mit Schamhaftigkeit verwechselt. Keuschheit (_Castitas_)
oder, was das Nämliche ist, Züchtigkeit erheischt zunächst strenge
Eindämmung der geschlechtlichen Verrichtungen innerhalb der von
der Sittenlehre vorgeschriebenen Schranken. Sie paart sich mit der
Sittsamkeit, dem äusseren Anstande, welcher seinerseits jeglichen
Hinweis auf das Geschlechtsleben, sei es in Wort oder Gebärde,
verbietet. Auf der obersten Stufe steht die geschlechtliche Scham
(_Pudor_), welche vor der leisesten Andeutung dieser Prozesse
zurückbebt und daher vor allem die tierische Seite des menschlichen
Körpers fremden Blicken zu entziehen beflissen ist. Zwischen ihr und
der Sittsamkeit walten feine psychologische Unterschiede, die nur
selten die gebührende Beachtung finden. Mit der Keuschheit im obigen
Sinne hängt das Schamgefühl dagegen nur lose zusammen. Die Keuschheit
betrifft das verborgene, die Schamhaftigkeit das augenscheinliche
Thun und Lassen. Niemand schämt sich vor sich selbst, stets nur vor
dritten; die Keuschheit wird bewahrt oder verletzt auch ohne Zeugen.
Daraus ergiebt sich, wie sehr wohl Unkeuschheit mit Schamgefühl,
Schamlosigkeit mit Keuschheit vereinbar ist. Die feinen Lebemänner
unserer Grossstädte, wie die eleganten Damen der sogenannten Halbwelt
lassen sich kaum einen Verstoss gegen die Sittsamkeit zu Schulden
kommen, während die Unzüchtigkeit ihres Wandels keinem Zweifel
unterliegt und wahres Schamgefühl höchstens in Gegenwart unberufener
Dritter sich ihrer wohl bemächtigen würde. Umgekehrt fehlt es nicht
an geschlechtlicher Zurückhaltung, an Keuschheit, bei einzelnen, wie
bei ganzen Völkern, die im Punkte der Schamhaftigkeit, wie wir sie
auffassen, unendlich viel, fast alles zu wünschen übrig lassen.
Aus dem Gesagten erhellt, dass wenn man vielleicht mit „Schamlosigkeit“
den Mangel an Keuschheit, Sittsamkeit und Schamgefühl zusammenfassend
bezeichnen darf, doch nur für letzteres, nicht auch für Anstand und
Züchtigkeit, +in der grösseren oder geringeren Entblössung des Körpers
ein Massstab+ zu suchen ist. Nur die Vermengung dieser verschiedenen
Begriffe verleiht dem Schamgefühl eine viel grössere Ausdehnung,
als ihm thatsächlich zukommt. Auf verschiedenen Stufen und unter
verschiedenen Gestalten ist das Schamgefühl fast unter allen Wilden
zu finden, sagt +A. de Quatrefages+.[63] Und erst unlängst verkündete
auch ein deutscher Gelehrter wieder: „Das Schamgefühl ist allgemein
in der heutigen Menschheit; wo es aber zu fehlen scheint, ist sein
Mangel ein zufälliger oder vorübergehender Zustand.“[64] Das ist nun
freilich ein weiter Sack, in den man bequem die ganze Unzahl von
Beispielen des Gegenteiles stecken kann. Man sollte aber nicht als
wissenschaftliches Ergebnis einführen, was bloss persönliche Ansicht
sein kann; denn der Zeugnisse moderner Beobachter für einen völligen
Mangel des Schamgefühls, der weder zufällig noch vorübergehend ist,
sind zu viele, um sie so kurz von der Hand weisen zu dürfen. Weder für
die Zufälligkeit, noch für den bloss vorübergehenden Charakter dieses
Mangels ist auch nur der entfernteste Beweis zu erbringen, und so muss
es denn wohl bis auf weiteres unerschüttert stehen bleiben, dass es
wirklich schamlose Völker giebt, Völker, bei welchen keine Spur von
Schamhaftigkeit vorhanden ist. Der grosse italienische Anthropologe
+Paul Mantegazza+ hat daher, diesen Thatsachen Rechnung tragend, den
sehr vernünftigen Vorschlag gemacht, die Völker -- stillschweigend
will ich hinzudenken: die Menschen aller Völker -- in +schamlose+,
+halbschamhafte+ und +schamhafte+ einzuteilen, um damit in groben
Umrissen eine aufsteigende Stufenfolge von Null bis zu einem äusserst
hohen Grade schamhafter Anforderungen zu bezeichnen[65] -- zweifelsohne
ein weit wissenschaftlicheres Vorgehen, als die oben besprochene
Verallgemeinerung.
Die Entblössung zum Massstabe nehmend, verweist man wohl mit Recht in
die unterste Klasse der Schamlosen alle jene Stämme, welche im Zustande
+völliger Nacktheit+ lebten oder noch leben. Auf diese Liste gehören
die Guantschen, d. h. die ausgestorbenen, angeblich halbgesitteten
Bewohner der Kanarischen Inseln, desgleichen, nach den Beschreibungen
der ersten spanischen Entdecker, die dahingeschwundenen Bewohner der
Bahamainseln, der Kleinen Antillen, sowie eine Anzahl von Küstenstämmen
des heutigen Venezuela und Guyana.[66] In letzterem Lande fand noch
+Alexander von Humboldt+ die meisten Völkerschaften, selbst solche
mit schon ziemlich entwickelten Geisteskräften, so nackt, so arm,
so schmucklos, wie die Neuholländer. Bei der ungeheuren Hitze, beim
starken Schweiss, der den Körper den ganzen Tag über und zum Teil
auch bei der Nacht bedeckt, ist jede Bekleidung unerträglich. Die
Putzsachen, namentlich die Federbüsche, werden nur bei Tanz und
Festlichkeiten gebraucht.[67] Vor hundert Jahren beobachtete +G. T.
Marlier+ die brasilischen Puri in völliger Nacktheit, und in solcher
ergehen sich heute noch die Trumai und Suya am Schingu, welche Dr.
+Karl von den Steinen+ erst 1884 besucht hat.[68] Desgleichen die
Engeräckmung oder Botokuden sowie die Pescheräh auf Feuerland. Zu
+Cooks+ Zeiten gingen bei vielen Australierstämmen beide Geschlechter
ganz nackt, und einige sind auch heute noch kaum weiter gekommen. So
nach +John Forrest+ die Westaustralier, die doch von der Witterung viel
zu leiden haben.[69] Am Kap York in Nordaustralien gehen nach +Frank
Jardine+ wenigstens die Männer völlig entblösst, die Frauen mit einem
blossen Laubgürtel, in den sie vorn ein paar Palmblätter einfügen.[70]
Dr. +Adolf Bernhard Meyer+ fand bei seiner Bereisung Neuguineas an der
Geelvinksbai ebenfalls Stämme, die Tarungareh, welche „ganz und gar
nackt gehen, ohne jede, auch die geringste Bekleidung“.[71] +Cañamaque+
sprach den philippinischen Tagalen alles Schamgefühl ab: „Männer wie
Weiber, besonders in der Provinz, lassen sich splitternackt erblicken,
ohne die geringste Verlegenheit zu zeigen.“[72] Ganz ähnlich benehmen
sich die Mincopies auf den Andamanen.[73] Afrika ist nicht minder reich
an solchen Beispielen. Splitternackt sind nicht bloss die Buschmänner
im Süden des schwarzen Erdteils, sondern auch die sanftmütigen Adiye
oder Bubi auf der Insel Fernando Po. +David Livingstone+ fand die Bawe
am Sambesi, Sir +Samuel White Baker+ etliche Stämme am Weissen Nil, wie
die Latuka, ganz nackt, und das nämliche bestätigt +Georg Schweinfurth+
für die Schilluk, Nuer und Dinka, +John Petherik+ für die Dschangar.
Von den ostafrikanischen Wataweta, die erst jetzt bekannt werden, sagt
einer ihrer Erforscher, +H. H. Johnston+: „Beide Geschlechter entbehren
jedes Begriffs und jeder Vorstellung von Scham. Die Männer besonders
sind sich völlig unbewusst, dass Nacktheit unschicklich sei.“[74] Auch
den Wadschagga schreibt dieser Forscher „fast tierische Unbewusstheit
des Schamgefühls“ zu.[75] Ja, die Neukaledonierinnen gehen soweit, dass
sie Abortus treiben, geradezu aus Buhlkunst, nämlich um das Welken
von Reizen zu verhüten, welche die Schamhaftigkeit der Europäerinnen
sorgfältig verbirgt, sie aber der Öffentlichkeit preisgeben.[76] Bei
allen diesen Menschen ist die Nacktheit +buchstäblich+ zu nehmen.
In die Klasse von +Mantegazzas+ halbschamhaften Völkern darf man
vielleicht die grosse Reihe jener einstellen, bei welchen der
aufkeimende Instinkt des Schamgefühls das vormannbare Alter noch nicht
einschliesst. Viele Menschenstämme legen nämlich die Bedeckung erst
mit der Altersreife an, lassen also die Kinder, Knaben wie Mädchen,
bis zur Pubertät noch völlig nackt. Diese Sitte findet sich bei den
Aschira in Westafrika, den Gamergu im mittleren Sudan, den Chaymas in
Mittelamerika, den Neuhebrideninsulanern und vielen andern. Als ich
in den sechziger Jahren die ungarische Tiefebene durchritt, war der
Anblick völlig nackter Zigeunerkinder, darunter selbst halbwüchsiger
Mädchen mit bronzefarbener Haut, durchaus keine Seltenheit. Ägyptische
Bildwerke, die Häuslichkeit der Pharaonen darstellend, zeigen selbst
die Prinzessinnen im Königshause bis zu jenem Lebensalter noch gänzlich
unbekleidet. Diese Sitte reicht, Knaben und Mädchen umfassend, sehr
allgemein noch in ziemlich hohe Epochen herauf. Viele Stämme lassen
endlich die Mädchen unbekleidet, und zwar bis zur Verheiratung, andere
dagegen bloss die verheirateten Frauen, die Mädchen nicht. Letzterer
Fall ist allerdings der weit seltenere, doch huldigen einige Afrikaner
auch diesem Gebrauche. Bei manchen Völkerschaften geht nur eines der
Geschlechter, ohne Rücksicht auf Alter und Stand, bekleidet, das
andere gar nicht. Die Männer der Dinka z. B. sind geradezu stolz auf
ihre Nacktheit; sie erachten Kleidung für entehrend und als eine
ausschliessliche Sache der Weiber, daher sie den Reisenden +Georg
Schweinfurth+ ironisch bloss „das Weib der Türken“ nannten.[77] Ich
möchte es dahingestellt sein lassen, ob diese Völker überhaupt schon zu
den Halbschamhaften gerechnet zu werden verdienen.
Die Halbschamhaftigkeit reicht übrigens bis zu ganz ansehnlicher
Kulturhöhe hinauf. Bildhauereien auf alten indischen Tempeln beweisen
deutlich, dass ein Volk bis zu einer bedeutenden Gesittungsstufe sich
erheben und deshalb füglich nicht mehr zu den Schamlosen gezählt
werden kann, ohne dabei die leiseste Notwendigkeit einer Bekleidung
einzusehen. Dies ist aber der Fall bei den Frauen, die dem predigenden
Buddha lauschen, und selbst Buddhas Weib, sowie seine Mutter, Maya,
werden in der Regel nackt dargestellt. +Fergusson+ behauptet sogar,
dass bis zur muhammedanischen Eroberung in Indien Nacktheit durchaus
nicht das Anstandsgefühl verletzt habe.[78] Jedenfalls duldet dasselbe
auch heute noch in Benares, gelegentlich auch sonst in Hindustan bis
nach Assam, den Anblick der scheusslichen Aghori oder Aghorpunts, einer
Sekte, deren Mitglieder, splitternackte Zweifüssler, den cynischen
Ausdruck des menschlichen Pessimismus darstellen.[79]
Es ist vielleicht hier der Hinweis am Platze, dass auch die längst gut
bekleideten klassischen Alten in ihren Bildwerken eine auffallende
Schaustellung des Nackten übten, was gewiss nicht sein könnte, hätte
nicht wirklich das Nackte noch in ihre Gesittung hineingeragt, wäre
ihr Schamgefühl so ausgebildet gewesen als das unserige. Ich rede
nicht von so archaistischen Darstellungen wie jene der behelmten, sonst
aber ganz nackten Äginatenkrieger, denn sie stammen aus einer Zeit,
in welcher man trotz der schon erreichten Kunsthöhe die hellenische
Gesittung noch als keine beträchtliche sich denken darf. Ich rede auch
nicht davon, dass viele, ja die meisten Götterstandbilder der Griechen
und auch der Römer in geringerem oder grösserem Masse der Bekleidung
entbehren;[80] denn diese Bildnisse knüpfen an uralte, barbarische
Vorstellungen an, welche der Kult für lange Zeiten befestigt hat, wie
ja auch das christliche Kruzifix uns heute noch den entblössten Leib
des Erlösers zeigt, ohne Anstoss zu erregen.[81] Ungemein kennzeichnend
ist dagegen die augenscheinliche Freude am Nackten, welche die weit
fortgeschrittenere und uns viel näher gerückte römische Kaiserzeit in
Dingen bekundet, wo unser heutiges Schamgefühl das Nackte geradezu
ausschliesst. Wie wäre ohne geringere Feinfühligkeit in dieser Hinsicht
es sonst zu erklären, dass die auf uns gekommenen Standbilder so
vieler hervorragender Persönlichkeiten dieselben gewandlos zeigen?
Die nackten Kaiser+büsten+ mag man allenfalls hingehen lassen, es am
Ende auch noch begreiflich finden, wenn unter die Götter versetzte
Imperatoren in +dieser+ Eigenschaft nackt erscheinen.[82] Zahlreiche
Standbilder gefallen sich aber in halben oder ganzen Entblössungen ohne
jeglichen für unser heutiges Empfinden ersichtlichen Grund. Germanikus
ging zu seinen Lebzeiten gewiss nicht so halbnackt einher, wie ihn
sowohl die zu Frascati, als die 1792 in den Ruinen der Basilika von
Gabii ausgegrabene Statue (jetzt im Louvre) zeigt; auch Augustus,
Claudius und Nero nicht, wie sie, zum Teil in sitzender Stellung, in
den Museen von Neapel, des Louvre und des Vatikans zu schauen sind.
In ähnlicher, unbegründeter Halbnacktheit sitzt der ehrwürdige Kaiser
Nerva und steht der mit Eichenlaub bekränzte Antoninus im Vatikan.
Allein nicht genug daran, auch im „heroischen Kostüm“ wurden die
Herrscher verewigt. Dieses heroische Kostüm bestand darin, gar keines
zu sein. Ein solches „trägt“ z. B. der zu Otricoli gefundene Caligula,
welchen eine andere Statue (im Palast Farnese zu Rom) ebenfalls nackt,
bloss einen nichts verhüllenden Mantel über die Achsel geworfen, gar
aufs Pferd setzt! Im Palaste Grimaldi zu Venedig befindet sich eine
ähnliche „heroische“ Statue des Agrippa, und auf dem Kapitol zu Rom
sieht man das zu Ceprano aufgefundene Standbild des Kaisers Hadrian,
bloss mit Helm und kurzem Armschild bekleidet, weiter nichts. Sein
Adoptivsohn L. Aelius Verus steht im Louvremuseum in fröhlicher
Nacktheit, und noch geringere Ansprüche verrät der die Viktoria
tragende Lucius Verus der Jüngere im _Braccio nuovo_ des Vatikans.
Was er etwa an Gewandung besass, hat er sorgsam zur Seite gelegt und
buchstäblich splitternackt trägt Marc Aurels Schwiegersohn die -- ein
seltsamer Kontrast -- von wallenden Gewändern umflossene Viktoria. Am
drastischsten wirkt aber wohl das Standbild des Königs Ptolemäos auf
dem Kapitol, welches diesen Herrscher im vollkommensten Naturzustande
vorführt. Diese Beispiele könnte ich noch sehr beträchtlich vermehren.
Die mitgeteilte Blumenlese genügt indes, den Geist der damaligen
Zeit zu kennzeichnen. Erwägt man, dass alle diese Standbilder der
Öffentlichkeit preisgegeben waren, so muss man annehmen, dass deren
Anblick das Schamgefühl der in Toga und Tunika einherschreitenden Römer
und Römerinnen nicht sonderlich verletzt habe. Die Römer der Kaiserzeit
waren nun gewiss ein schon hohes Kulturvolk; dass aber neben den vielen
Bildsäulen der Imperatoren, welche diese im vollen Schmucke ihrer
Amtstracht zeigen, so zahlreiche Abbildungen sie auch in einem Zustande
verherrlichen konnten, der dem sittlichen Geschmacke einer schon sehr
bald darauf folgenden Epoche nicht mehr entsprach, berechtigt uns
gewiss, sie trotz ihrer Gesittungshöhe nur zu den Halbschamhaften zu
zählen.
Zu den letzteren gehören auch eine Menge von Stämmen, um welche die
europäische Gesittung der Gegenwart wirbt und die ihr erst zum Teil
gewonnen sind. Auf mehreren Südseeinseln haben die christlichen
Missionäre den Frauen und Mädchen ein kurzes, bis zum Nabel reichendes
Busenhemdchen, „Pinnafore“, aufgenötigt; doch machen diese meist nur
in der Kirche damit Staat, sonst tragen sie diese Hemdchen fast immer,
aus den lästigen Ärmeln geschlüpft, über die Schultern zurückgeworfen.
Selbst auf Hawaii, wo doch schon europäische Kleidung üblich ist, wird
auch bei den Vornehmen zu Hause schnell alles ausgezogen, um frei
und nackt sich es so viel wie möglich bequem zu machen und von dem
erlittenen Zwange gehörig auszuschnaufen. Die dortigen Damen aber, die
Kanakinnen, obwohl sie mit den europäischen Kulturformen schon vertraut
sind, legen sogar von ihren in der That staunenswerten Schwimmkünsten
den Vorübergehenden alltäglich die bereitwilligsten Proben ab, wobei
diese bronzenen Aphroditen, völlig nackt, um die Preisgebung ihrer
Reize sich wenig besorgt zeigen -- wie +Max Buchner+ berichtet, bei
dem man eine gelungene Schilderung dieser in unseren Augen wenig
schicklichen Schwimmvergnügungen nachlesen kann.[83] Selbst einem
so hochgestiegenen Volke wie die Japaner ist das gemeinsame Baden
beider Geschlechter[84] in geschlossenem Raume sowie im Freien erst
neuerlich von den Behörden untersagt worden. Das Gleiche beobachtet
man bei den spanisch-indianischen Mischlingen, welche dermalen den
Grundstock der zivilisierten Bevölkerung in den Freistaaten Südamerikas
ausmachen. Bezüglich der Cholos in Ekuador wurde der moderne Reisende
+Hugo Zöller+ mehrfach darauf aufmerksam gemacht, „wie sich Männer
und Weiber gemeinschaftlich mit einer Unverfrorenheit im Flusse
herumtummelten, die selbst den naiven Südseeinsulanern fremd ist.“[85]
Von den schon im Alltagsleben nach europäischen Begriffen nicht sehr
züchtig gekleideten Paraguitinnen erzählt ein Berichterstatter aus
der Zeit des grossen Krieges von 1864-1870: „Die Weiber wuschen die
wenigen Kleidungsstücke, welche sie noch besassen, häufig. Viele
hatten nur noch einen Anzug, und während sie diesen auf dem Grase zum
Trocknen ausbreiteten, standen sie selbst in adamitischem Kostüme
dabei und rauchten ihre Zigarren.“[86] Und +Mantegazza+ erzählt
bestätigend: „Auf meiner Reise in Paraguay habe ich in den Strassen
der Hauptstadt Kinder beiderlei Geschlechts nackend gesehen, und in
einem Dorfe sah ich ein schon mannbares Mädchen nackt wie Eva, die,
ohne sich im geringsten zu schämen, einem meiner Begleiter Feuer gab,
um seine Zigarre anzuzünden.“[87] In der argentinischen Stadt Mendoza
baden die spanischen Damen jeden Morgen und Abend völlig nackt und
gemeinsam mit den Herren in einem Bache, welcher der „Alameda“, dem
öffentlichen Spaziergange, entlang fliesst. Dazu kann ich Seitenstücke
sogar aus Europa anführen. Ausserhalb der Stadt Jassy tummeln sich in
den Fluten des Bahlu neben Pferden und Ochsen jüdische Knäblein und
Mägdlein, weiterhin Männer und Weiber Israels, alle in unverfälschtem
Adamskostüm und nicht die geringste Notiz von dem verblüfft dastehenden
Fremden nehmend.[88] Auch in Russland, längs den Flüssen, in den
Städten und Dörfern am Don und an der Wolga ist es nichts Seltenes,
namentlich am Samstag, Mädchen oder Frauen ohne jegliche Bekleidung
sich scharenweise an wenig abgelegenen Orten, mitunter sogar unter
den begangensten Brücken, baden zu sehen.[89] Ebensowenig lässt das
Innere einer finnischen „Badstube“ im entferntesten eine schamhafte
Scheu der beiden Geschlechter erkennen,[90] ja selbst vor der Badstube,
im Freien, sitzen, wie die photographischen Aufnahmen beweisen, die
streng protestantischen Leute in starker Entblössung. Auch ein rein
germanischer Stamm, die christliche, des Lesens durchweg kundige
Bevölkerung Islands, ist noch nicht bis zu der Erkenntnis gelangt,
welche die biblischen Eltern des Menschengeschlechts schon in Eden sich
erwarben, denn sie ziehen sich vor dem Schlafengehen, um die Kleider zu
ersparen, splitternackt aus.[91]
Bei den ganz schamhaften Völkern, obenan bei den gesitteten Nationen
Europas, hat sich die Schamhaftigkeit vornehmlich in der Kleidung
befestigt, welche in den gebildeten Ständen den Körper bis auf
Antlitz und Hände vollkommen verbirgt, während die nackten Füsse
der Gassenjungen oder mancher ländlichen Bevölkerung schon an die
Grenze des Geduldeten streifen. Jede weitere Entblössung des Körpers
verbietet unser Schamgefühl, völlige Nacktheit aber fällt unter
das Strafgesetz.[92] Da die Weissen Europas auch die klimatisch
weniger begünstigten Erdräume innehaben, so hat bei ihnen das
Schutzbedürfnis die Bekleidung naturgemäss gefördert, und die in
unserem Erdteile nachweislich seit der sogenannten „Rentierzeit“
andauernde und zunehmende Entwöhnung an den Anblick des Nackten hat
sehr wahrscheinlich unendlich viel zur Ausbildung dieser schamhaften
Scheu vor ungewohnter Entblössung beigetragen. „Nackte oder kaum
bekleidete Menschen zu sehen,“ sagt der vielgewanderte Dr. +Otto
Kuntze+, „fällt ja einem Weltreisenden nicht besonders auf, aber es ist
mit solchen Erscheinungen stets der Eindruck eines rohen Naturzustandes
oder von Hässlichkeit verbunden.“[93] Gleichwohl bleibt es wahr, dass
selbst europäische Augen von der Nacktheit dunkelfarbiger Völker nicht
beleidigt werden, während sie bei Weissen meist anstössig erscheint.
„Sie sind so schwarz, man bemerkt es ja kaum, dass sie nackt sind,“
sagte eine Dame zu +Hugo Zöller+ von den Negern in Dakar.[94]
Gewiss ist es nun von hohem Interesse, den ersten Regungen des eine
so grosse Stufenleiter durchlaufenden Schamgefühles nachzuspüren.
+Peschel+ warnt aus diesem Anlasse vor der Annahme, dass sich dasselbe
früher beim weiblichen Geschlecht rege, als beim männlichen, weil
die Zahl solcher Menschenstämme, bei denen die Männer allein sich
bekleiden, keine unbeträchtliche sei.[95] In der That lassen sich
dafür viele Beispiele anführen. Am Orinoko klagten die Missionäre
unserm +Alexander von Humboldt+, dass Scham und Gefühl für das
Anständige bei den jungen Mädchen nicht viel entwickelter seien, als
bei den Männern,[96] und +Cristobal Colon+ fand bei seiner Ankunft
auf Trinidad die dortigen Frauen in völliger Nacktheit, während die
Männer den „Guayuco“, eine Art schmalen Lendenstreifens, trugen. Bei
den Obbonegern, nordöstlich vom Ausflusse des Nil aus dem Albertsee,
besteht die Bedeckung der Frauen in einem Laubbüschel, während die
Männer einen Fellschurz tragen. Die völlige Nacktheit der im schönsten
Ebenmasse gebauten Longofrauen bei Foweira am oberen Nil bezeugt Dr.
+R. W. Felkin+.[97] In Rohl darf ausser den arabischen Frauen kein
Weib irgend ein Kleidungsstück anlegen.[98] In dem merkwürdigen Staate
der Monbuttu am Uelle bedecken sich die Männer mit einem Gewande aus
Baumrinde, das von der Brust bis auf die Knie reicht, ihre Frauen
dagegen befestigen bloss ein handgrosses Stück Bananenlaub an der
Lendenschnur. Ausserordentliche Strenge in Bezug auf sittsame Kleidung
fand +Speke+ am Hofe Mtesas,[99] des Königs von Uganda, welcher mit
dem Tode jeden Mann bestrafte, der in seiner Gegenwart auch nur auf
Zollbreite sein Bein unbedeckt liess, während doch gleichzeitig völlig
nackte Frauen Kammerdienste verrichten mussten. Der arabische Reisende
+Ibn Batuta+ versichert, dass dem Könige des Mandingoreiches von Melli
Frauen, selbst Prinzessinnen, nur unbekleidet nahen durften. Dies
war freilich in der Zeit unseres Mittelalters, aber auch in unseren
Tagen empfing die Königin der südafrikanischen Balonda den Missionär
+Livingstone+ im Zustande völliger Nacktheit, und nicht anders
erschienen die Frauen der benachbarten Kissama bei Festlichkeiten.[100]
In der centralafrikanischen Stadt Lari gehen nach +Denham+ und
+Clapperton+ die Weiber gleichfalls splitternackt, obwohl die Bewohner
eher Barbaren als Wilde sind. Bei den Heidenstämmen im Süden von
Bagirmi sind die Männer mit dem einfachen Felle einer Ziege oder
Gazelle um die Hüften bekleidet, die Weiber eigentlich gar nicht.[101]
Die Männer der Tschumbuka und Tscheva im südlichen Afrika tragen einen
aus Bast selbstverfertigten Schurz, die sonst sehr keuschen Frauen aber
gehen meist völlig nackt und nehmen jeden Vorwurf darüber wie eine
Beleidigung auf.[102]
Auch bei den Apingi Westafrikas gehört Schamhaftigkeit zu den
geringsten Schwächen des schönen Geschlechts, denn als die Königin,
ein noch junges Weib, dem Reisenden +Duchaillu+ einen Besuch machte
und er ihr aus Erbarmen über ihre dürftige Bedeckung -- zwei an den
Hüften herabhängende Stückchen Zeug von Sacktuchformat -- ein Stück
Kaliko schenkte, war sie so vergnügt über diese Gabe, dass sie in
seiner Gegenwart auch das wenige noch ablegte, was sie besass, um ihre
Garderobe zu wechseln.[103] Die Weiber der Maravaneger in Mittelafrika
befestigen eine vier Finger breite Schürze vorn am Gürtel nebst zwei
kleinen Läppchen an den Hüften, und auch diese luftige Gewandung
entfernen sie, so oft sie sich gegen Ungeziefer wehren, mag sich dabei
befinden, wer da will.[104] Der britische Reisende +Joseph Thomson+ sah
sich bei den Wakawirondo in Ostafrika von einer Schar unbekleideter
Dämchen umgeben, deren einzige Tracht und Schmuck lediglich in einer
Perlenschnur bestand.[105] Der französische Reisende +Mage+ traf
zu Kita im Innern Senegambiens einen Marabut aus Wallata. Seine
Tochter, ein grosses schönes Mädchen von siebzehn Jahren, ging völlig
unbekleidet, denn einen drei Finger breiten Streifen von Baumwolle kann
man doch eben so wenig als Kleidung bezeichnen, wie einen Gürtel von
Glasperlen. „Als ich dem Marabut einige Bemerkungen darüber machte,“
erzählt +Mage+, „entgegnete er, das sei bei ihm zu Lande so der Brauch
und altes Herkommen. Und in der That erinnerte ich mich, dass ich die
Tochter Bakaos, des Königs der Duaïsch-Mauren, in ähnlicher Evakleidung
gesehen hatte; nur war sie noch mehr Eva als die Tochter des Marabut,
und eben so wenig wie diese verlegen.“[106]
Die Südseeinsulanerinnen entkleiden sich ohne jede Ziererei und
schwimmen den ankommenden Schiffen in vollkommen paradiesischem
Zustande entgegen.[107] „Es ist beinahe keine unanständige Stellung
zu denken,“ sagt +G. H. von Langsdorff+, „die sie uns nicht zum
besten gegeben hätten.“[108] Auf Tahiti machten noch nach der
Christianisierung der Insel die Damen ihre geheimste Toilette am
seichten Meeresstrande und mit Vorliebe an solchen Plätzen, wo
zahlreiche Fremde vorübergingen.[109] In früheren Zeiten war es noch
schlimmer. Die Frauen entblössten sich vom Gürtel abwärts aus reiner
Höflichkeit, wie +Cook+ versichert, welcher auch berichtet, wie eine
junge tahitische Prinzessin verlangte, sich durch den Augenschein
zu überzeugen, ob die Europäer eben so gebaut seien, wie die Männer
ihres Landes. Das Nämliche geschah dem französischen Reisenden +Joseph
Halevy+ in der südarabischen Stadt Scheub, wo die Weiber ganz ernstlich
sein Geschlecht untersuchten,[110] und von allen Dingen, die einem in
Westafrika zugemutet werden, klagt +Hugo Zöller+, sind ihm wenige so
schwer geworden, als sich vom Kopf bis zum Fusse umkleiden zu müssen
vor den Augen einiger Dutzend unverschämter und unzüchtiger Weiber und
Mädchen, die gerade darauf zu lauern pflegten.[111]
Die Wucht aller dieser Thatsachen ist nicht zu unterschätzen, und auch
+Lippert+ scheint der +Peschel+schen Ansicht beizupflichten; ja er
unterstützt dieselbe durch ein weiteres schwer wiegendes Argument. In
dem Umstande, dass bei vielen Völkern das Schamgefühl beim männlichen
Geschlechte entwickelter war, d. h. auf mehr Stellen des Leibes sich
erstreckte als bei der Frau, erblickt er einen trefflichen Fingerzeig
für den Hergang der Entwicklung, denn eben bei diesen Völkern ist
es auch nur der Mann, der sich in reicherem Masse schmückt[112] --
ganz wie auch im Tierreiche das Männchen meist als der von Natur aus
geschmücktere Teil erscheint. Nach +Mantegazza+ wäre es freilich ein
allgemeines Gesetz, dass die Frauen die Schamgegend mehr bedecken
als die Männer,[113] allein der italienische Gelehrte unterlässt es,
diese Behauptung genügend zu beglaubigen. Und trotzdem möchte ich
mich jenen anschliessen, welche, wie +Dr. Charles Letourneau+, die
ersten Regungen der Schamhaftigkeit dem +weiblichen+ Geschlechte
zuschreiben.[114] Dafür spricht die allgemeine Erfahrung, dass es dem
starken Geschlechte in der Regel in viel höherem Grade als dem zarten
gelingt, sich über das Urteil seines lieben Nächsten hinwegzusetzen
und nicht mehr über jede Kleinigkeit zu erröten, dann aber auch die in
der ganzen Schöpfung wiederkehrende Sprödigkeit der weiblichen Wesen.
Endlich scheinen mir mehrere von den oben angeführten Beispielen nicht
völlig beweiskräftig zu sein, so hauptsächlich die Frauennacktheit bei
festlichen Gelegenheiten, welche sehr wohl eine auf die Missachtung
des Geschlechtes gegründete Vorschrift der Etikette sein kann. So sah
z. B. +Hugo Zöller+ zu Mahin an der Küste von Oberguinea eine ganze
Anzahl erwachsener Mädchen pudelnackt einherspringen, und in Kamerun
beobachtete er das Nämliche. Dies ist aber dort „Trauertoilette“,
ebenso wie bei uns die Damen Schwarz anzulegen pflegen, und diese Sitte
scheint in Westafrika sehr weit verbreitet zu sein.[115] Auch wissen
wir von, freilich recht schwachen, Spuren des Schamgefühls bei ganz
rohen Wilden und zwar fast immer nur bei weiblichen Individuen. Die
gewöhnlich durchaus unbekleidete Tasmanierin achtete sorgfältig darauf,
wenn sie auf den Boden sich niedersetzte und dabei die Knie öffnen
musste, mit einem ihrer Füsse zu bedecken, was die elementarste Reserve
zu verbergen gebietet, und unter den so schamlosen Insulanerinnen der
Südsee rühmt +Hr. von Langsdorff+ doch jenen der Markesas eine gewisse
Schamhaftigkeit nach, „denn alle diejenigen, die ihre Blätter verloren
hatten, waren nicht wenig besorgt, man möchte einen Teil ihrer sonst
verborgenen Reize sehen, und um dieses zu vermeiden, gingen sie in
kleinen Schritten, kaum einen Fuss vor den andern setzend, gekrümmt,
mit eingezogenen und enge zusammengeschlossenen Knien und Schenkeln,
indem sie mit der Hand das Blatt zu ersetzen suchten, so dass sie in
dieser, der mediceischen Venus ähnlichen Stellung dem philosophischen
Beobachter des Menschen ein schönes Schauspiel gewährten. Diejenigen
hingegen, die noch ein Blättchen umhängen hatten, waren bei jeder
ihrer Bewegungen beschäftigt, demselben wieder die rechte Stelle
anzuweisen.“[116] Obschon die Ponapesinnen keinerlei Verlegenheit
oder Verschämtheit zeigen, gegen entsprechendes Entgelt den Augen
mehrerer zugleich sonst streng verhüllte Teile preiszugeben, machen
sie doch niemals irgend welche unzüchtige Gebärden oder Gesten und
überschreiten im Betragen niemals die Grenzen des Anstandes.[117]
Ähnlich geht es oder richtiger ging es in Ohinemotu zu, dem durch die
Erdbebenkatastrophe vom 10. Juni 1886 zerstörten beliebten Bade auf
Neuseeland, wo braune Maoriherren und -Damen kunterbunt herumschwammen.
Von einer Art Bekleidung ist dort natürlich nicht die geringste Rede,
die Weiber und Mädchen beobachten aber in der Regel die grösste
Sorgfalt, beim Hinein- und Herausgehen so wenig als möglich von ihren
Reizen den Blicken auszusetzen. „Es war mir auffallend,“ schreibt ein
moderner Reisender, +Dr. Max Buchner+, „dass ich im Bade niemals einen
gröberen Verstoss gegen die Decenz zwischen beiden Geschlechtern,
niemals eine Äusserung erotischer Triebe wahrnahm, obwohl doch die
Anschauungen der Maori in diesem Punkte sehr liberal sind.“[118]
Freilich ist eine solche Beobachtung des Anstandes nicht überall zu
finden und die oben besprochenen Schwimmvergnügungen der hawaiischen
Damenwelt lassen z. B. in diesem Punkte fast alles zu wünschen übrig.
Demnach genügen, wie ich glaube, die angeführten Beispiele, um die
Meinung zu begründen, dass die ersten Regungen der Schamhaftigkeit sich
weit eher beim weiblichen, als beim männlichen Geschlechte beobachten
lassen. Wenn übrigens Menschen, die zum vollen Bewusstsein ihres
Wesens gekommen sind, sich so kleiden, dass alles verdeckt ist, was
nur auf das Naturleben, besonders auf das Geschlechtsleben hindeutet,
so ist das Entstehen dieses Wunsches beim Weibe leicht begreiflich
und natürlich. Denn beim Weibe ist das Geschlechtsleben so scharf
und markiert, wie es beim Manne in solchem Grade nicht der Fall ist;
vielleicht deshalb erwacht auch das Schamgefühl im Weibe früher und
lebhafter als im Manne. Ich bleibe mit +Letourneau+ dabei, dass
es eine vorwiegend +weibliche+ Empfindung ist, von der die Männer
selbst im Banne der Gesittung nur wenig berührt werden, während sie den
Kulturarmen unter ihnen meistens völlig unbekannt ist.[119]
Wenn nun, wie im vorstehenden gezeigt wurde, die grössere oder
geringere Entblössung des Körpers mit dem Schamgefühle in so inniger
Verbindung steht, dass für dessen Entwicklung die +Bekleidung+ einen
gewissen Massstab abgiebt, so gilt es doch vor einem schweren Irrtum
zu warnen. Sowohl den Urgrund zur Bekleidung, den wir hier streifen
müssen, hat man im Schamgefühl entdecken wollen, als auch jenen zur
+Hautmalerei+, welche bei der Mehrzahl der Indianer Amerikas die
Kleidung ersetzte, sowie den zur +Tättowierung+, die an verschiedenen
Stellen der Erde üblich, am vollkommensten aber bei den Polynesiern
der Südsee entwickelt ist und in der That bis zu einem hohen Grade
den Eindruck der Nacktheit aufhebt. Die Menschen, welche diese Sitte
pflegen, so meinte man, seien sich zwar weder des Grundes, noch des
Zweckes klar bewusst, aber ein dunkles Gefühl treibe sie doch dazu,
wenigstens auf diese Art die rohe Natürlichkeit an sich zu verklären
und die Aufmerksamkeit des Beobachters von der Nacktheit auf die
künstlichen Figuren und Zeichen abzulenken. +Lippert+ tritt nun lebhaft
dafür ein, und es ist ihm darin nur beizustimmen, dass der erste
Anlass zur Bekleidung noch +nicht+ das Schamgefühl war.[120] Kein
Zweifel, dass der echte Urmensch nur völlig nackt zu denken ist und von
Schamhaftigkeit nichts wusste. Aber auch seine Nachkommen, die schon
mit Waffen ausgerüstet umhergingen, gehören noch in die Klasse der
schamlosen Völker. Zwar begannen sie ihren Leib in mannigfacher Weise
zu schmücken, aber sie trugen vorerst keine Kleider, und sogar als sie
solche erfunden hatten, benützten sie dieselben bloss als festtäglichen
Schmuck. Auf diesem Standpunkte bewegen sich auch heute noch manche
Völker, besonders dunkelfarbige, welche das Bedürfnis einer Umhüllung
weniger lebhaft empfinden als hellhäutige.
Längst hatte man erkannt, dass der Schmuck viel älter als die
Kleidung sei, und Hautmalerei wie Tättowierung sind lediglich als
Ausschmückungen des Körpers zu betrachten. Auch der Wilde frönt
schon in bedeutendem Masse der Eitelkeit. Der Einzelne will sich
nicht nur im allgemeinen als Persönlichkeit, sondern als eine an
sich bedeutende erhalten. Dazu dient ihm die Schmückung des eigenen
Ichs, besonders das Bemalen mit leuchtender Farbe, eine Sitte, welche
den Australier unserer Tage auf die Stufe des vorgeschichtlichen
Ureuropäers rückt, denn schon in den dereinst bewohnt gewesenen Höhlen
der Dordogne stiess man auf Knollen roten Ockers, der wohl nur zum
Bemalen des nackten Körpers gedient haben mochte. +Lipperts+
Verdienst bleibt es, überzeugend nachgewiesen zu haben, wie eine
natürliche Zuchtwahl des Schmuckes gerade jenen Platz auserwählte,
der zugleich oder wohl etwas später von einer ganz anderen Seite aus
der Bedeckung empfohlen wurde.[121] Fast alle nackten Wilden behängen
sich, wie die kannibalischen Fan im äquatorialen Westafrika, Arme
und Beine mit dem mannigfaltigsten Zierrat und wenden zumeist dem
Kopfputze eine erstaunliche Sorgfalt zu. Die merkwürdigen Haarkronen
der Papua sowie mancher Negerstämme gehen bei entwickelteren Völkern
in Kopfbinde, Kranz, Reif, Diadem und Krone über, an welch letzterem
Kopfschmuck nach einer älteren Anschauung das Recht der Herrschaft
hängt. So trat die Kopfzier gleichsam als Vertretung des gesamten
Leibschmuckes neben die Leibwaffen. Indes ist die Wahl der Vertretung
des gesamten Leibschmuckes nicht überall auf den Gürtel des Hauptes
gefallen. Der tragfähigere der Lenden ist da und dort als siegreicher
Nebenbuhler hervorgetreten.[122] Sobald die Faser zur Schnur geworden,
wird die Lendenschnur zum Hauptträger des urwüchsigen Geschmeides.
Sie wird zugleich in gutem Sinne der gemeinste Schmuckträger; wer
auch gar nichts zu seiner Auszeichnung zu verwenden vermag, er
würde für unanständig arm gelten, wenn nicht zum wenigsten von jenem
Lendengürtel ein Schmuckstück herabhinge, das die schreitenden Füsse
insbesondere der Mitte zuweisen.[123] Blätter oder Laubbüschel, auch
eine Handvoll langen Grases, werden in die Lendenschnur gesteckt.
Nicht viel besser ist der „Maro“, d. h. der Gürtel aus Gras oder
Palmengeflecht der Polynesier, und der afrikanische „Rahad“, der
Lederfransengürtel, welcher im ägyptischen Sudan vom weiblichen
Geschlechte getragen wird und von Unyoro bis zum letzten Katarakte
von Syene im Norden reicht. „Es wäre eine Verkehrung der Thatsachen,
wenn man den in tausendfältigen Variationen über die ganze Erde mit
nur sehr geringen Ausnahmen verbreiteten Lendengürtel von vornherein
einen ‚Schamgürtel‘ nennen wollte;“ Beweis dessen, dass Professor
+Karl Semper+ die Männer von Aibukit auf der Palauinsel Babelthaub
teilweise ganz nackt oder nur mit einem Lendengürtel bekleidet fand,
den sie oft genug auch in der Hand hielten.[124] Die Neukaledonier
gehen völlig nackt, mit Ausnahme einer höchst eigentümlichen Umhüllung
aus Bast oder grellfarbigem Kaliko, die weniger den Zweck zu haben
scheint zu verbergen, als vielmehr hervorzuheben.[125] „Ebenso wenig
ist der Lendengürtel ursprünglich ein Schurz; zu einem solchen wird
er erst in fast unausweichlicher Weise als Träger irgendwelchen
Schmuckgegenstandes, der, wiewohl nicht ohne Ausnahme, aber doch
meistenteils schon um deswillen nach vorn hin gehängt werden muss, weil
er ja wie jeder Schmuck gesehen werden will. Dann muss er aber an jene
Stelle zu liegen kommen, die eben +deshalb+ von frühester Kindheit
der Menschheit an der Bedeckung sich erfreut.“[126]
So erklärt sich denn sehr natürlich, wie +Peschel+ meint und ihm
vielfach nachgesprochen wird, dass die überwältigende Mehrzahl
der Völker „immer genau gewusst habe, was einer Hülle am meisten
bedürfe.“[127] Dieses „Wissen“ ist aber nur +Schein+ und mangelt
manchen Völkern vollständig. Die ostafrikanischen Massai z. B. halten
es geradezu für schändlich, die ausserordentlich grossen Attribute
ihrer Männlichkeit zu verbergen und tragen dieselben vielmehr prunkend
zur Schau.[128] Die Lendenschnur der Trumai Centralbrasiliens lässt
in gleicher Weise gerade das unverhüllt, was nach unseren Begriffen
zu verhüllen am nötigsten wäre.[129] Vielfach wird endlich der Gürtel
in einer Weise getragen, welche beweist, dass jene Gewöhnung eine
+Folge+, aber nicht der ursprüngliche Zweck solcher Schmuckverlegung
sein konnte, weil der damit angeblich angestrebte Zweck nur höchst
unvollkommen erfüllt wird. Daher ist auch diesem „Minimum einer
Toilette“ der Name einer „Kleidung“ gar nicht zuzugestehen und die sich
damit begnügenden Völker sind sittlich den völlig nackten beizuzählen.
Doch lässt sich der Lendenschmuck in seiner ferneren Ausbildung als
Hülle um den Mittelleib verfolgen, welche der darüber gezogene Gürtel
festhält, d. h. mit dem Aufkommen von Stoffen und Zeugen entsteht das
Lendentuch, dessen weitere Entwicklung zu einer Form von Kleidung
hinüberführt, die in den mannigfaltigsten Stadien überall in wärmeren
Himmelsstrichen den Grundstock der Bekleidung bildet.[130]
Die Schamhaftigkeit ist also nicht die Mutter der Bekleidung,
vielmehr schämt sich der Mensch, lediglich dem werdenden Instinkte
der Gewohnheit folgend, der Entblössung dessen, was die Gewohnheit
zu bedecken pflegt, oder, mit genauer Anpassung an die Thatsachen
bei den Naturvölkern: er schämt sich ungeschmückt zu zeigen, was
gewohnheitsmässig auch der Ärmste zu schmücken pflegt. Und er schämt
sich dessen auch nur in dem Masse, in welchem die Gewohnheit ihren
Einfluss übt. +Lippert+, dem ich auch hier unbedingt folge, bemerkt
sehr richtig: „Wir schämen uns nicht, dieses mit blosser Hand zu
schreiben, aber in einer Gesellschaft Behandschuhter schämen wir uns
derselben blossen Hand, und wenn wir die Blicke auf sie gerichtet
sehen, entsteht in uns dasselbe Gefühl, das wir als Schamgefühl
kennen.“ Ganz ebenso heftet sich das Schamgefühl der Naturvölker immer
an jene Stelle des Leibes, welche ein Gegenstand des Schmuckes zu sein
pflegt, ohne ursprüngliche Beachtung der betreffenden Teile an sich.
+Alexander von Humboldt+ hat gezeigt, dass der übliche Schmuck nicht
einmal in einer eigentlichen Bedeckung bestehen müsse, um Schamgefühl
für den betreffenden Teil zu erzeugen. Man drückte am Orinoko die
verächtliche Armseligkeit eines Menschen mit den Worten aus: „Der
Mensch ist so elend, dass er sich den Leib nicht einmal halb malen
kann.“[131] Es ist also ursprünglich niemals der Gegenstand, der nackte
Körperteil selbst, dessen man sich schämt, sondern der Mangel des
üblichen Schmuckes und dann jene Nacktheit, die dadurch entsteht.[132]
Ist die Sitte der Körperverhüllung also wohl nicht zum wenigsten der
Lust am Schmuck und der Prunksucht entsprungen, so kam ihr in rauheren
Gegenden das Bedürfnis nach Schutz des Leibes gegen die Unbilden
der Witterung zweifelsohne unterstützend zu Hilfe. Schon an den
Orang-Utan auf Borneo nimmt man die Neigung wahr, gern und anhaltend
mit Decken, alten Kleidungsstücken, Matten u. dgl. zu spielen; sie
ziehen dieselben über Kopf und Rücken, wickeln sich in sie ein oder
untersuchen mit grosser Aufmerksamkeit ihr Gewebe. „Mitunter, wenn ich
sie auf diese Weise beschäftigt sah,“ bemerkt +Dr. Mohnicke+, „stieg
der Gedanke in mir auf, als spreche sich hierin bei ihnen das erste,
freilich noch ganz dunkle und unbestimmte Verlangen oder Bedürfnis
nach Kleidung aus;“[133] und ich glaube, der nämliche Gedanke wird
sich bei den meisten einstellen, welche einmal in unseren Tiergärten
den in ganz menschlicher Weise sich in warme Decken hüllenden
Schimpanse beobachteten. Wo das Bedürfnis zur Kleidung zwingt, hat
die Schamhaftigkeit an ihr abermals keinen Anteil. Dies zeigt sich
an den gut verhüllten Maori Neuseelands,[134] wie an andern Völkern.
Die Eskimo, zu Winterzeiten bis zum Gesicht in Pelz gehüllt, legen
gleichwohl in ihren unterirdischen warmen Bauten ihre Kleidung völlig
ab, nach +Emil Bessels+ mit Ausnahme der kurzen Höschen; die Kleinen
gehen aber nicht selten splitternackt.[135] Von den meist völlig
nackten Feuerländern wissen wir, dass sie gegen die Kälte Pelze an
einer um den Hals gehenden Schnur auf einer Schulter tragen und
abwechselnd von einer Seite auf die andere werfen, wobei der übrige
Leib völlig unbedeckt bleibt. Ein Gefühl der Scham macht sich aber bei
keinem der Geschlechter bemerkbar.[136] Ebenso gelangen bei den nackten
Australiern manchmal Schürzen aus Baumrinde oder Fellen zur Anwendung,
aber nur zum Schutze beim Durchschreiten dorniger Gebüsche, niemals
aus Schicklichkeitsgründen. Den vor einigen Jahren in Europa gezeigten
Australiern aus Queensland sprechen aufmerksame Beobachter jegliches
Schamgefühl ab.[137] Im gleichen Sinne berichtet +Johnston+ von den
schon oben angeführten Wataweita in Ostafrika: „Alle Kleidung, die sie
tragen, dient nur als Zierrat oder zum Schutze gegen die Kälte in der
Nacht und am Morgen.“[138]
Geleugnet soll nicht werden, dass die Bekleidung ihrerseits zur
Erweckerin der Schamhaftigkeit wird oder werden kann, aber bloss
mittelbar, indem sie als Putz aufgefasst, die Eitelkeit und Prunksucht
aufstachelt. Je wohlhabender in Westafrika z. B. ein Neger ist und je
mehr er mit Europäern oder andern Kulturvölkern in Berührung kommt,
einen desto grösseren Wert pflegt er auf die ausgiebige Verhüllung
seines Körpers zu legen, bis schliesslich mit dem Christentume
oder dem Islâm auch die europäische oder orientalische Kleidung
ihren Einzug hält. Setzt der männliche Neger einen Cylinder auf
und verbreitert das Weib die Hüftenschnur zu einem Hüftentuch oder
zieht sogar das Hüftentuch bis über die Brust hinauf, so geschieht
das zunächst nur aus Prunksucht, die demnach als Vorläuferin der
Schamhaftigkeit zu betrachten ist und ihr die Wege ebnet.[139] Auch die
Marava-Negerinnen bedecken sich mitunter den Busen mit einem Tuche,
doch nur aus Eitelkeit und wenn sie mager sind, denn das afrikanische
Schönheitsgefühl verlangt, dass die Brüste der Weiber bis auf den Nabel
herabhängen.[140] Wie die Bekleidung die Schamhaftigkeit fördert,
lehrt das Beispiel jener zwei Baenda-Mädchen, welchen +Livingstone+
Kleider anlegte und die nach vierzehn Tagen schon sogar den Busen
bedeckten, wenn man durch ihr Schlafgemach ging. Ein junger Mincopie
(Andamaneninsulaner), welcher von den Engländern gefangen und in
Kleider gesteckt, eine Zeitlang in Kalkutta sich aufhielt, musste
sich dort einer photographischen Verewigung unterziehen. Als man ihm
dabei zumutete, sich in seinem nationalen Kostüm zu zeigen, d. h.
alle Kleider abzulegen, sträubte er sich anfangs, -- so rasch war
ihm das Schamgefühl anerzogen worden.[141] Freilich ist damit keine
Gewähr für die Dauerhaftigkeit dieses Gefühles gegeben, denn ungemein
zahlreich sind die Beispiele von +Rückfall+ in die frühere Nacktheit
und Barbarei bei etwaiger Rückkehr in die Heimat. Ich erinnere unter
anderen bloss an jene drei Pescheräh, welche Kapitän +Fitzroy+
nach England gebracht, wo sie auf Kosten der Regierung erzogen und
unterhalten wurden. Einer von ihnen, +Jemmy Button+ getauft, war sogar
eine Zeitlang in vornehmen Gesellschaften als Schosskind verhätschelt
worden, hatte in Europa stets Handschuhe und blankgeputzte Stiefel
getragen und sprach sogar englisch. In seine Heimat zurückgebracht und
mit seinen Verwandten vereinigt, wurde er aber bald wieder der frühere
nackte, ungewaschene und ungekämmte Feuerländer. +J. J. v. Tschudi+
berichtet von einem talentvollen Botokudenknaben, der sorgfältig
erzogen es zuletzt soweit brachte, dass er sich das Doktordiplom bei
einer medizinischen Fakultät Brasiliens erwarb, dann aber plötzlich
verschwand und nach längerer Zeit unter einer Botokudenhorde in seinem
ursprünglichen, völlig nackten Naturzustande wieder angetroffen wurde.
Ebenso lehrreich ist auch das Beispiel des neuerworbenen deutschen
Schützlings Manga Bell, Sohn des vielbesprochenen „König“ Bell in
Kamerun. Derselbe ist eigentlich Christ und in Bristol gut englisch
erzogen worden, macht aber, von seinem häufigen Briefschreiben etwa
abgesehen, keinen Gebrauch mehr von diesen Vorzügen.[142]
Unzweifelhaft bezeichnet das Erwachen des Bedürfnisses nach Kleidung
bei jeder Völkerschaft eine gewisse Erhebung; fraglich muss es
aber doch nach den bisherigen Ausführungen bleiben, ob wirklich,
wie +Peschel+ will, dieses Bedürfnis erst mit dem „Bewusstsein
einer höheren Würde“ erwache und namentlich ob es das „Bestreben“
verkünde, die Scheidewand zwischen Mensch und Tier zu erhöhen.[143]
Ein solches „Bestreben“ sollte doch in gesteigerter Sittsamkeit und
Keuschheit seinen nächsten Ausdruck finden. Dem ist aber nicht so,
und halb oder ganz bekleidete Völker thun es in dieser Beziehung
nackten Stämmen häufig gleich. Ja, die völlig nackten Wakawirondo in
Ostafrika sind z. B. wahre Engel der Keuschheit gegenüber den schamhaft
verhüllten Massai, ihren Nachbarn, bei denen die Zügellosigkeit in
der unverschleiertsten Form verbreitet ist.[144] Die gut bekleideten
japanischen Mädchen besitzen unter anderen Spielen auch das der
„Wunderschachtel“, aus der rosenrot gefärbte, erhobene Phallus
hervorspringen. Der gewissenhafte russische Naturforscher +Nikolaus v.
Miklucho-Maclay+, welcher so viel für die Entschleierung Neuguineas
geleistet, berichtet, dass die australischen Eingebornen, wenn von
Europäern aufgefordert und wenn Weiber bei der Hand sind, gegen eine
geringfügige Belohnung durchaus kein Bedenken finden, am hellen
Tage vor Zuschauern auszuüben, was selbst niedrige Rassen sonst mit
dem Schleier des Geheimnisses zu umhüllen pflegen. Europäer, beim
Zusammentreffen mit Eingebornen in fernen Bezirken, gönnen sich
nicht selten „zum Spass“ für ein Glas Gin dieses Schauspiel.[145]
Die Australier sind nun allerdings nackt, aber ein gleiches Beispiel
von Schamlosigkeit bewahrt auch von einem wohlgekleideten Volke kein
geringeres Buch als die Bibel, wo sie von den Juden erzählt: „Da
machten sie Absalom eine Hütte auf dem Dache, und Absalom beschlief die
Kebsweiber seines Vaters vor den Augen des ganzen Israel.“[146] Noch
vor einem Jahrhunderte wurden auf Tahiti, wie +Cooks+ Reisebegleiter
sahen, die Umarmungen öffentlich vor aller Augen vollzogen, unter gutem
Rat der Umstehenden, namentlich der Weiber, worunter die vornehmsten
sich befanden. Ähnliches erlebte +La Pérouse+ auf Samoa.[147] Bei den
Malayen der Philippinen geschieht dies nach +Cañamaque+ gleichfalls
angeblich ganz ungescheut auf offener Strasse; desgleichen heute noch
auf dem Eilande Peling, dem grössten in der Banggai-Gruppe östlich
von Celebes.[148] Auf den Andamanen verlangt endlich die Sitte, dass
die Frauen der nackten Mincopies gar öffentlich gebären müssen;[149]
aber auch in Kamtschatka, wo doch das Klima eine starke Bekleidung
erheischt, gebären die Frauen ohne jegliche Scheu in Gegenwart
der sämtlichen Ostrogbewohner, ohne Unterschied des Alters und
Geschlechtes. Man sieht, dass die Kleidung an sich keinen Unterschied
in dem sittlichen Verhalten der Völker bewirkt.
Aus dem Gesagten erhellt zur Genüge, dass die Schamhaftigkeit
nichts Ursprüngliches, sondern ein Erzeugnis der Erziehung des
Menschengeschlechts, und zwar sowohl der persönlichen wie der
allgemeinen im Laufe der Jahrtausende ist,[150] ein jüngerer,
gesellschaftlicher Instinkt und, wie alle zarten Gefühle, eine
moralische Zierde, welche der Mensch nur langsam und spät erworben
hat. Deshalb verschwindet sie auch wieder rasch und leicht, sowie
Gefahr, Krankheit oder dergleichen hereinbrechen. Nichts anderes als
die Ausgeburt einer von der Geisteskrankheit seiner Zeit angesteckten
Phantasie, als eine widernatürliche Ungeheuerlichkeit, vermag ich
daher in dem Gedanken +Bernardins de Saint-Pierre+ zu erblicken, der
in seinem vielgepriesenen Buche „Paul und Virginie“ die Heldin den
Untergang in den Wellen der Verletzung ihres Schamgefühls durch,
nebenbei gesagt, recht überflüssiges Entkleiden vorziehen lässt. Wie
wenig Schamhaftigkeit der menschlichen Natur als solcher eigen ist,
haben wiederum recht schlagend die modernen hypnotischen Versuche
dargethan, bei welchen die züchtigsten Frauenzimmer das Gefühl der
Schamhaftigkeit verlieren und, wenn man ihnen eine entsprechende
Idee suggeriert, Akte eines offenbaren geschlechtlichen Cynismus
begehen.[151]
Nur aus der sekundären Natur dieses Instinktes erklären sich endlich
die erstaunlichen Rösselsprünge, welche das mehr oder weniger
entwickelte Schamgefühl macht. Bei den sehr wenig bekleideten
Mortlockinsulanern geht die Wahrung des äusseren Anstandes so weit,
dass man in Gegenwart einer Frau, deren Stammesgenosse zugegen ist,
sich nicht erlauben darf, irgend welche freien Redensarten zu führen,
ja man darf dann nicht einmal das Wort Nabel, Bauch, den Namen des
Gürtels, „Kinsak“, oder des die Hüften deckenden „Arvar“ nennen. Ein
Europäer, durch das geschickte Muster des letzteren oder die gelungene
Ausführung des Kinsak zu einem Ausdruck der Bewunderung verleitet,
würde argen Anstoss erregen; die beiden Stammesgenossen würden sich
schamrot abwenden und den unschuldigen Fremdling verachten. Würden
die Gegenstände seines Lobes sich aber nicht an dem Leibe der Frau
befunden, sondern etwa auf der Erde gelegen haben, so würde deren
Nennung kein Vergehen gegen den Anstand gewesen sein.[152] Auf den
Markesas schämt man sich durchaus nicht nackt zu gehen, aber es gilt
für äusserst unanständig, das Praeputium nicht zuzubinden; ebenso auch
auf Neuseeland und auf vielen andern Inseln der Südsee, wo die sonst
ganz nackten Männer es schamlos fänden, sich ohne den Bambubehälter,
das zusammengerollte Blatt, den Kürbis oder die Muschel (_Bulla ovum_)
zu zeigen, in denen sie das Geschlechtswerkzeug verstecken. Dasselbe
gilt von den sonst ausschweifenden Patagonen. Die Tubariweiber in
Mittelafrika gehen ganz nackt bis auf einen schmalen Leibriemen, an
welchem ein nur nach hinten herabhängender Zweig befestigt ist, bei
dessen Verlust sie in Gesellschaft von der äussersten Scham ergriffen
werden.[153] Die sehr mässig bekleideten Hottentottinnen tragen stets
ein Tuch als Haube auf dem Kopfe und manche lassen sich durch nichts
bewegen, es zu entfernen; umgekehrt erachten es die Palauinsulanerinnen
für unanständig, einen Hut aufzusetzen. Der Schamhaftigkeit mancher
Malayenvölker ist Genüge geleistet, wenn nur der Nabel bedeckt ist. Für
eine grosse Frechheit wird es in dem alten Kulturlande China angesehen,
wenn eine Frau einem Manne ihren künstlich verkümmerten Fuss zeigt;
ja es ist sogar unschicklich von ihm zu sprechen und auf züchtigen
Gemälden bleibt er immer unter dem Kleide versteckt. Die Frauen der
germanischen Langobarden hielten sich ebenfalls für tötlich beschimpft,
wenn Männer ihre Füsse bis zu den Knieen sahen; feine Europäerinnen
denken heute über diesen Punkt viel weniger strenge.
Was aber einer grossen Reihe von Völkern am allermeisten der Verhüllung
bedürftig erscheint, das ist das Antlitz der Frau! In Maskat sieht
nicht einmal mehr die Mutter nach dem zwölften Jahre ihre Tochter
mit unbedecktem Gesichte, dagegen lassen die durchsichtigen Gewänder
Leib und Glieder deutlich erkennen.[154] Auch die häusliche Tracht
der Perserinnen lässt den Busen vollständig durchscheinen, den
Bauch und die Beine aber ganz frei und unbedeckt;[155] dagegen darf
sich das Weib nur vor ihrem Manne und einigen nächsten Anverwandten
unverschleiert sehen lassen; selbst dem Arzte ist das allerletzte,
was ihm die Kranke zeigt, ihr Gesicht, sie glaubt sich dadurch zu
prostituieren. Freilich weiss die wahre Tochter Evas auch dafür ein
Auskunftsmittel; sie hat zuerst an den Zähnen etwas zu verbessern
und hebt den Schleier bis zur Nase; dann findet sich ein Fleck auf
der Stirn und sie senkt die obere Hälfte des Schleiers, so dass der
Arzt nur zu addieren braucht, um die Totalsumme zu erhalten.[156]
Muhammedanerinnen zu Basra, ja selbst zu Konstantinopel, die im Bade
von Männern überrascht werden, verhüllen gleichfalls nur das Gesicht.
Ebenso entblössen sich in Ägypten die Frauen der Fellahin vor Männern
ohne Scheu, wenn nur das Antlitz verhüllt bleibt. Die Araberin, sagt
+Ebers+, wird Fuss, Bein und Busen ohne Verlegenheit sehen lassen,
dagegen gilt die Entblössung des Hinterhauptes für noch unanständiger
als die des Gesichtes, welches letztere jede ehrbare Frau sorgsam
verbirgt. Beleidigt der enganschliessende Anzug europäischer Frauen
das Anstandsgefühl des Chinesen, dem jene als nackt erscheinen, so
würde ein frommer Moslim aus Ferghana, wenn er auf unseren Bällen
die Entblössungen unserer Frauen und Töchter, die halben Umarmungen
bei unseren Rundtänzen wahrnähme, im Stillen nur die Langmut Allahs
bewundern, der nicht schon längst über dieses sündhafte und schamlose
Geschlecht Schwefelgluten habe herabregnen lassen. In der That liegt
keinerlei Logik darin, wenn dieselbe Dame, die Herrn So und So
vormittags nicht empfangen zu können meinte, da sie noch nicht --
angekleidet sei, ihm abends im hellerleuchteten Ballsaale oder in der
Opernloge ohne ein Zucken der Verlegenheit weit weniger bekleidet als
sie es morgens war, entgegentritt. Auch die sehr koketten Französinnen
stellen an öffentlichen Orten ihre allerdings anmutig geformten
Schultern und Arme, ihre feinen Knöchel und noch etwas darüber
bloss. Freilich, wollte man sich in ihrem Hause erlauben, auch nur
die Spitze ihres Ellbogens zu bewundern, Entrüstung würde ihnen das
Blut in die Wangen jagen.[157] Sie finden es ganz natürlich, ihre
Reize der Gesamtheit preiszugeben, um sie sodann jedem einzelnen zu
versagen. Gefallsucht und Buhlkunst veranlassen eben überall manchen
Verzicht auf die Schamhaftigkeit. Aus einem Beweggrunde, den man bei
uns Koketterie nennen würde, legen z. B. die schwarzen Mädchen von
Quitta in Westafrika an Stelle der sonst üblichen breiten, den grössten
Teil des Körpers bedeckenden Hüftentücher, lieber unverhältnismässig
schmale an.[158] Ein ganz ähnlicher sinnlicher Gedankengang schlummert
aber am Urgrunde der vorhin besprochenen Sitte, welche im Kreise der
schamhaften Kulturnationen widerspruchsvoll verlangt, dass eine Dame,
um salonfähig zu erscheinen, Arme und Büste entblösst tragen müsse --
eine beklagenswerte Versündigung gegen den guten Geschmack und den
ästhetischen Sinn, da nur in Ausnahmefällen die Schaustellung dem Salon
zur Zierde und den Beschauern zum Vergnügen gereicht!
Aus den Beispielen, welche ich hier angehäuft habe, ersieht man wohl
sattsam, dass das Schamgefühl an gar vielen Stellen des Körpers haften
kann, befestigt durch Sitte und Gewohnheit. Bei allem Schwanken
desselben in einzelnem darf man aber immerhin ein doppeltes behaupten:
+Das Erwachen des geschlechtlichen Schamgefühls bedeutet eine Erhebung
bei jeder Völkerschaft+;[159] und ferner: +Das Schamgefühl hält
gleichen Schritt mit der Kulturentwicklung der Menschheit+.
[55] +Carus Sterne.+ Werden und Vergehen. Eine Entwicklungsgeschichte
des Naturganzen in gemeinverständlicher Fassung. Zweite Aufl. Berlin,
1880. S. 483.
[56] +Charles Darwin.+ Der Ausdruck der Gemütsbewegungen bei dem
Menschen und den Tieren. Stuttgart, 1887. S. 293.
[57] +Carus Sterne.+ Die Krone der Schöpfung. Wien u. Teschen, o. J. S.
79.
[58] +Lippert.+ Kulturgeschichte. Bd. I. S. 16.
[59] +Hugo Zöller.+ Forschungsreisen in Kamerun. Bd. II. S. 86.
[60] +Oskar Peschel.+ Völkerkunde. Fünfte Aufl. Leipzig, 1881. S. 173.
[61] +Lippert.+ Kulturgeschichte. Bd. I. S. 17.
[62] +Globus.+ Bd. XLIV. S. 106.
[63] _Revue d'anthropologie._ 1872. S. 209.
[64] Prof. Dr. +Friedrich Ratzel+. Völkerkunde. Leipzig, 1885. Bd. I.
Grundzüge der Völkerkunde. S. 63.
[65] +Mantegazza.+ Anthropologisch-kulturhistorische Studien. S. 28.
[66] +Peschel.+ Völkerkunde. S. 173.
[67] +Alex. von Humboldts+ Reise in die Äquinoktial-Gegenden des neuen
Kontinents. Bd. III. S. 96.
[68] +Karl von den Steinen.+ Durch Centralbrasilien. Expedition zur
Erforschung des Schingu im Jahre 1884. Leipzig, 1886. S. 192. 195.
[69] +Globus.+ Bd. XXIX. S. 207.
[70] Ausland 1867. S. 892.
[71] +Globus.+ Bd. XXV. S. 165.
[72] +Ferdinand Blumentritt.+ Versuch einer Ethnographie der
Philippinen. Gotha, 1882. S. 15.
[73] +Frederic J. Mouat.+ _Adventures and researches among the Andaman
Islanders._ London, 1863. S. 122.
[74] +H. H. Johnston.+ Der Kilima-Ndscharo. Forschungsreise im
östlichen Äquatorialafrika. Leipzig, 1886. S. 409.
[75] A. a. O. S. 412.
[76] +Victor de Rochas.+ _La Nouvelle Calédonie et ses habitants._
Paris, 1862. S. 237.
[77] +Georg Schweinfurth.+ Im Herzen von Afrika. Reisen und
Entdeckungen im äquatorialen Centralafrika. Leipzig, 1874. Bd. I. S.
163.
[78] +Sir John Lubbock.+ _Pre-historic Times as illustrated by ancient
remains and the manners and customs of modern Savages._ London, 1869.
S. 533.
[79] +Paul Mantegazza.+ Indien. Aus dem Italienischen von +H. Meister+.
Jena, 1885. S. 207.
[80] Merkwürdigerweise werden hauptsächlich +männliche+ Gottheiten
ganz nackt dargestellt, oder die Gewandung erscheint, wie beim Apoll
vom Belvedere, dort, wo sie nach unseren Begriffen überflüssig wäre.
Ganz ähnlich verhalten sich, um nur einige Beispiele zu nennen, die
Sylvanusstatue in der +Blundell+schen Sammlung, die Bronzestatue
von Herculaneum, der Eros im Pariser Louvre, der vatikanische
Apoll (im _Museo Pio-Clementino_) und das Marmorstandbild des erst
spät aufgekommenen Gottes Atys in der +Landsdowne+schen Sammlung.
Letzterer hat nicht die allergeringste Spur von Bekleidung, nur den
das Geschlechtswerkzeug verdeckenden üblichen Blätterschmuck, welcher
an sich schon ein Beweis ist, dass das Schamgefühl sich dessen
bewusst geworden, was der Verhüllung bedürftig. Der im Hause des
Augustus gefundene Apollo Sauroktonos verzichtet aber sogar darauf und
prangt als splitternacktes Menschenkind mit dem völlig unverhüllten
Wahrzeichen seiner Männlichkeit. Seltener sind ganz nackte Göttinnen.
Ausser Venus in ihren mannigfachen Gestalten und den Grazien erscheinen
die übrigen Göttinnen nicht leicht ohne irgend eine Gewandung.
Liegt in dieser auffallenden Bevorzugung des männlichen Körpers in
der Darstellung des Nackten durch die antike Kunst nicht etwa ein
Fingerzeig, dass die Alten das menschliche Schönheitsideal in der
männlichen und nicht in der weiblichen Gestalt erblickten?
[81] Ich will indess nicht unbemerkt lassen, dass die alten
byzantinischen Kruzifixe, wie z. B. jenes, welches im Dom zu
Braunschweig aufbewahrt wird, Christus in eine lange Kutte gekleidet
darstellen.
[82] So z. B. der Hermes-Augustus im Museum zu Rennes, die
Kolossalstatue aus Bronze, welche Augustus als Jupiter darstellt
(Museum zu Neapel), Britannikus als Bacchus, gefunden zu Tivoli. Ganz
nackt ist ein Mars Ultor, eine Marmorstatue, welche aber eher einen
Römer des ersten Jahrhunderts als Mars Ultor vorstellen dürfte, denn
gerade die Gottheit an sich.
[83] +Max Buchner.+ Reise durch den Stillen Ozean. Breslau, 1878. S.
352-354.
[84] +Georges Bousquet.+ _Le Japon de nos jours et les échelles de
l'extrème Orient._ Paris, 1877. Bd. I. S. 87.
[85] +Hugo Zöller.+ Pampas und Anden. Sitten- und Kulturschilderungen
aus dem spanisch redenden Südamerika mit besonderer Berücksichtigung
des Deutschtums. Stuttgart u. Berlin, 1884, S. 364.
[86] Ausland, 1870. S. 294.
[87] +Mantegazza.+ Anthropologisch-kulturgesch. Studien. S. 36-37.
[88] +Rudolf Bergner.+ Rumänien. Eine Darstellung des Landes und der
Leute. Breslau, 1887. S. 61.
[89] +Anatole Leroy-Beaulien.+ _L'empire des Tsars et les Russes._
Paris, 1881. Bd. I. S. 132.
[90] +Gustaf Retzius.+ Finska kranier jämte några Natur- och
Literatur-Studier inom andra områden af finsk antropologie. Stockholm,
1878. S. 119.
[91] +G. G. Winkler.+ Island, seine Bewohner, Landesbildung und
vulkanische Natur. Braunschweig, 1861. S. 107-111.
[92] Dies hindert freilich nicht, dass die Künstler, Maler wie
Bildhauer, sich mit Vorliebe das Nackte und insbesondere das nackte
Weib zum Vorwurfe ihrer Darstellungen wählen und dass solche
Kunstleistungen von Herren und Damen gemeinsam besichtigt und ohne
Erröten bewundert und besprochen werden, wie denn auch die Kunstläden
Nuditäten der Schaulust ausstellen, welche alt und jung mit Behagen
betrachten. Jedenfalls auch ein Widerspruch, den selbst das „Göttliche
in der Kunst“ nicht zu erklären vermag.
[93] Dr. +Otto Kuntze.+ Um die Erde. Reiseberichte eines
Naturforschers. Leipzig, 1881. S. 487.
[94] +Zöller.+ Pampas und Anden. S. 64. Treffend fügt der Verfasser
hinzu: „Es ist in der That seltsam, wie viel weniger die Nacktheit
eines Farbigen unserem Auge auffällt, als diejenige eines Europäers.
Erzählt man einem Mitreisenden, der noch niemals wilde oder
halbwilde Länder besucht hat, von der Nacktheit der sogenannten
Naturkinder, deutet man namentlich dem weiblichen Teil der Passagiere
dergleichen an, so denken sie sich darunter etwas Fürchterliches.
Naht der betreffende Augenblick, so ist es höchst interessant, jenen
eigentümlichen Kampf zwischen Zurückhaltung, Furcht, Übermut und
Neugierde zu beobachten, der stets mit dem Siege der letzteren endet.
Und lebt man nun gar in Ländern, wo die Mehrzahl der eingeborenen
Bevölkerung den grössten Teil des Körpers unbedeckt lässt, so gewöhnt
man sich so schnell daran, dass man schon nach wenigen Tagen die Sache
weit weniger komisch findet, als das gemeinsame Baden der Geschlechter
in belgischen, französischen und italienischen Seeplätzen. Ich habe auf
Timor, in den Bergen von Java, in Hinterindien u. s. w. junge Damen so
ungeniert und augenscheinlich so unschuldig und arglos einem Dutzend
nackter Eingeborener ihre Befehle erteilen sehen, als ob es europäische
Wäscherinnen oder Dienstmädchen gewesen wären.“
[95] +Peschel.+ Völkerkunde. S. 173.
[96] +Humboldts+ Reise nach den Äquinoktialgegenden des neuen
Kontinents. Bd. II. S. 19.
[97] +Wilson+ u. +Felkin+. Uganda und der ägyptische Sudan. Stuttgart,
1883. Bd. II. S. 33.
[98] A. a. O. S. 75.
[99] Gestorben am 10. Oktober 1884.
[100] +Peschel.+ A. a. O.
[101] Dr. +Gustav Nachtigal+. Sahara und Sudan. Ergebnisse
sechsjähriger Reisen in Afrika. Berlin, 1881. Bd. II. S. 574.
[102] Ausland 1858. S. 261.
[103] +Paul Duchaillu.+ _Explorations and adventures in equatorial
Africa._ S. 444.
[104] Ausland. A. o. O.
[105] +Joseph Thomson.+ Durch Massailand. Erforschungsreisen in
Ostafrika. Leipzig, 1885. S. 422.
[106] +Globus.+ Bd. XIV. S. 38.
[107] +Fenton Aylmer.+ _A cruise in the Pacific._ London, 1860. Bd. I.
S. 209.
[108] +G. H. von Langsdorff.+ Bemerkungen auf einer Reise um die Welt.
Frankfurt, 1813. Bd. I. S. 125.
[109] +Moerenhout.+ _Voyage aux îles du grand océan._ Paris, 1837. Bd.
I. S. 219.
[110] _Bulletin de la Société de géographie de Paris._ 1873. Bd. II. S.
252.
[111] +Zöller.+ Forschungsreisen in Kamerun. Bd. I. S. 133.
[112] +Lippert.+ Kulturgeschichte. Bd. I. S. 433.
[113] +Mantegazza.+ Anthropologisch-kulturhistorische Studien. S. 30.
[114] Dr. +Charles Letourneau+. _La Sociologie d'après l'éthnographie._
Paris, 1880. S. 48.
[115] +Zöller.+ Forschungsreisen in Kamerun. Bd. I. S. 79. 185.
[116] +Langsdorff.+ Bemerkungen auf einer Reise um die Welt. Bd. I. S.
127.
[117] Zeitschrift für Ethnologie. Berlin, 1880. S. 318.
[118] +Buchner.+ Reise durch den Stillen Ozean. S. 129.
[119] +Letourneau.+ Sociologie. S. 59.
[120] +Lippert.+ Kulturgeschichte. Bd. I. S. 18.
[121] A. a. O. Bd. I. S. 19.
[122] A. a. O. S. 407.
[123] +Lippert.+ A. a. O. S. 18.
[124] +Karl Semper.+ Die Palauinseln im Stillen Ozean. Reiseerlebnisse.
Leipzig, 1873. S. 35.
[125] +Globus.+ Bd. XLIV. S. 106.
[126] +Lippert.+ A. a. O. S. 408.
[127] +Peschel.+ Völkerkunde. S. 176.
[128] +Johnston.+ Der Kilima-Ndscharo. S. 389.
[129] Vgl. die Abbildung bei: Dr. +Karl von den Steinen+. Durch
Centralbrasilien. S. 195. Im Text bemerkt der Verfasser, dass diese
Indianer sich in sehr primitiver Weise gegen eindringende Insekten
schützen: _praeputium filo gossypii rubro ante glandem farciminis
instar constringunt_, was nicht nötig wäre, wenn eine Verhüllung die
Stelle schützte.
[130] +Lippert.+ A. a. O. S. 410.
[131] +Humboldts+ Reise in die Äquinoktialgegenden. Bd. III. S. 92.
[132] +Lippert.+ Kulturgesch. Bd. I. S. 432-433.
[133] Ausland 1872. S. 802-803.
[134] +Theodor Waitz.+ Anthropologie der Naturvölker. Zweite Aufl. von
Dr. +G. Gerland+. Leipzig, 1877. Bd. I. S. 356.
[135] +Emil Bessels.+ Die amerikanische Nordpolexpedition. Leipzig,
1879. S. 358.
[136] Verhandlungen d. Berl. Gesellsch. f. Anthropologie. 1880. S. 62.
[137] So die Herren +Houzé+ und +Jacques+, welchen wir umständliche
Mitteilungen über dieselben verdanken im _Bulletin de la Société
d'anthropologie de Bruxelles_ 1885. S. 53-156, ganz besonders auf S.
124.
[138] +Johnston.+ Der Kilima-Ndscharo. S. 409.
[139] +Zöller.+ Forschungsreisen in Kamerun. Bd. II. S. 86-87.
[140] Ausland 1858. S. 261.
[141] +Mouat.+ _Adventures and researches among the Andaman islanders._
S. 284.
[142] Charakteristisch, ja typisch und ungemein drollig ist die
Geschichte seines Rückfalles ins Negertum, wie Dr. +Max Buchner+
sie erzählt: „Als er noch nicht zwanzig Jahre alt, von Bristol
zurückkam, hatte er auf dem Kopf einen schwarzen Cylinderhut, am
Halse zwei Vatermörder und eine schwarze Kravatte, auf dem Leibe
aber einen strenggläubigen schwarzen Anzug, an den Füssen gewichste
Stiefel. Selbst ein Veloziped soll er damals besessen und hie und da
kunstgerecht getummelt haben. Sogleich auch liess er sich von den
Missionären ein eheliches Weib, eine untadelhafte Negerlady, kirchlich
antrauen. Es dauerte nicht lange, da spotteten seine Kameraden, dass
ein so hoher Jüngling wie Manga doch unmöglich mit einer einzigen
Gattin auskommen könne, und siehe, er nahm eine zweite. Kirchlich
konnte er sich diese allerdings nicht mehr antrauen lassen, er nahm
sie aber doch, und zugleich zog er für immer die Stiefel aus. Bald
folgte eine dritte, und die Vatermörder nebst der schwarzen Halsbinde
schwanden dahin. Eine vierte kam und mit ihr gingen Frack und Hose.
Heute hat Manga Bell ungefähr zwanzig Weiber und geht wieder ebenso
nackt oder halbnackt wie sein Vater.“ (M. +Buchner+. Kamerun. Skizzen
und Betrachtungen. Leipzig, 1887. S. 49).
[143] +Peschel.+ Völkerkunde. S. 176.
[144] +Thomson.+ Durch Massailand. S. 435.
[145] Verhdlgen. d. Berl. Gesellsch. f. Anthropologie. 1880. S. 88.
[146] Lib. II Samuelis. Cap. 16. V. 22.
[147] Dr. H. +Ploss+. Das Weib in der Natur- und Völkerkunde.
Anthropologische Studien. Leipzig, 1885. Bd. I. S. 224.
[148] +G. A. Wilken.+ _Over de Verwantschap en het Huwelijks-en
Erfrecht by de volken van den indischen Archipel._ Leiden, 1883. S. 7.
[149] +Mouat.+ _Adventures and researches among the Andaman Islanders._
S. 294.
[150] +Carus Sterne.+ Die Krone der Schöpfung. S. 101.
[151] _Ludwig Büchner._ Thatsachen und Theorieen aus dem
naturwissenschaftlichen Leben der Gegenwart. Berlin, 1887. S. 216-217.
[152] +J. Kubary.+ Die Bewohner der Mortlock-Inseln, in den Mitteil.
der geographischen Gesellschaft in Hamburg. 1878-79. S. 252.
[153] +Petermanns.+ Geographische Mitteilungen. 1857. S. 138.
[154] +Gräfin Pauline Nostitz.+ Reisen in Vorderasien und Indien.
Leipzig, 1873. Bd. II. S. 13.
[155] Dr. +Jak. Ed. Polak+. Persien. Das Land und seine Bewohner.
Leipzig, 1865. Bd. I. S. 160.
[156] A. a. O. S. 224.
[157] _Quelle femme du monde ne rougirait, si elle était surprise +chez
elle+ décolletée comme elle se montre au bal?_ sagt +A. de Quatrefages+
in der _Revue d'anthropologie_. 1872. S. 209.
[158] +Zöller.+ Forschungsreisen in Kamerun. Bd. I. S. 16.
[159] +Peschel.+ Völkerkunde. S. 176.