Dein

_A. W. Schlegel_.

Du wirst schon durch Schleiermacher wissen, daß die _Jahrbücher_

für’s erste noch nicht zur Ausführung kommen, und auch die Ursachen,

die sich jetzt in den Weg stellen. Es dauert mich nur um der guten

Sache willen, nicht für meine Person, denn ich habe alle Hände voll

von lieberen Arbeiten als den kritischen. Das bleiben doch immer nur

_Arbeiten_, man muß _Werke_ ausführen.

Melde mir Deine Addresse genau!

XIIa.

(Ohne Datum.)

Liebster Freund, ich höre, daß Du etwas gegen Merkel und Falk schreiben

willst -- es sollte mir leid thun, denn die Lumpenhunde sind es doch

wahrhaftig nicht werth. Sie haben in der (unlesbar) seitwärts etwas

bekommen, und mit dem kleinen Merkel will ich mir noch einen kleinen

Spaß machen, er muß allmälig ganz aus Berlin herausgelacht werden.

Nur um Gotteswillen vertheidige Dich nicht etwa im Ernst. Du wirst

doch um eines so erbärmlichen Ausfalles willen, der jeden nur leidlich

verständigen Leser mit Ekel erfüllt, nicht von der imposanten Manier

abgehen, immerfort anzugreifen, seine eignen Sachen aber Preis zu

geben, insofern etwas gegen sie auszurichten ist? Allenfalls kann man

das Vertheidigen guten Freunden überlassen. Bernhardi hat über die

Merkelschen Briefe, dünkt mich, schon genug gesagt.

Melde mir Dein Urtheil über diese Possen, auch gieb mir Nachrichten von

dem, was Du arbeitest und Deinem sonstigen Lebenswandel. Wirst Du oder

Bernhardi nicht um den Preis des Intriguenstücks werben? Denke fleißig

an das Taschenbuch. Ich habe schon verschiedenes dafür gedichtet, auch

an Göthe wegen seiner und der Schillerschen Beiträge geschrieben.

Ich will Archivar sein, und was fertig ist, werde ich mich bemühen,

allmälig zusammen zu bringen.

Schreibe baldigst, so trifft es mich noch hier, sonst bin ich, schon

fort nach Jena, bald bin ich bei Euch. Herzliche Grüße an Deine liebe

Frau und Dorotheen. Melde die Addresse Deines Bruders. Adieu!

_A. W. S._

Es ist schwer zu bestimmen, ob dieses und das nächstfolgende Blatt

hierher gehören? Wir ordneten sie nach der wiederholten Anfrage,

wegen des Preis-Intriguenstückes.

XIIb.

(Ohne Datum.)

Wie geht es denn mit dem poetischen Journal; ich habe nur noch

nichts, was mir gut genug dazu scheint, sonst hätte ich es Dir längst

geschickt. Fröhlich ist doch ein rechter Esel, daß er Bernhardi noch

nicht angefangen hat zu drucken, am Ende werden sich beide noch darüber

zanken müssen. Richter ist hier, bis dato hat er sich aber nicht in

mich verliebt, ja was noch schlimmer ist, er hat mich noch nicht einmal

besucht. Sein beständiger Umgang und theuerster Freund ist ein blonder

fader Hr. v. Ahlfeldt, auf den Du Dich auch vielleicht besinnst und

seine Geliebte Madam Bernhard, geborne Gad, die über Iffland in den

Denkwürdigkeiten nichts Denkwürdiges schrieb, und die sich billig mit

dem Theater-(unlesbar) verheirathen sollte. Nächst diesen Personen

liebt er Bernhardi, der ihn einigemal besucht und Deinen Brief abgeholt

hat, am meisten. Ich habe ihn bei der Vegelin gesehn, aber nicht

drei Worte mit ihm gesprochen, denn er trieb ein beständiges auf und

ablaufen in dem Garten, und die Damen waren so bemüht um ihn, daß ich,

da ich jetzt nicht so behende auf den Füßen bin, gar keinen Antheil an

der Unterhaltung nehmen konnte.

Die Herz hatte neulich eine ganze Gesellschaft auf diesen großen Mann

gebeten, ich wollte ihn doch gern sprechen hören und war auch von der

Parthie, aber denke Dir die Kränkung, die die Herz erdulden mußte: er

geht mit der Bernhard vor ihrem Fenster vorüber, ohne zu ihr herauf zu

kommen und sein Versprechen zu erfüllen.

Die Herz aber verlor beinah die Fassung, mir war es verdrießlich, den

vergeblichen Weg gemacht zu haben, aber ich gab mich bald zufrieden;

Du weißt, daß ich mir aus solchem kennen lernen überhaupt nicht viel

mache. -- --

Ein Gedicht von der Veit habe ich gesehen bei Gelegenheit eines

Puterbratens, wo Du und die übrigen Personen spaßhafterweise darin

angebracht seid. Findest Du es denn auch witzig?

Briefe an Ludwig Tieck (3/4) Dritter Band · 第 208 / 309 题