B., d. 13. Jun. 1801.
_Liebster Freund!_
Da Du auf meinen Brief sogleich mit dem nächsten Posttage geantwortet,
und die nöthigen Sachen geschickt, so hat er seinen Zweck erreicht, und
ich bin mit allem übrigen gern zufrieden. Denn ich denke, wie jener
alte Feldherr: Schimpf, aber schreib nur.
Hier sind nun alle die vorräthigen Gedichte, die Du noch nicht kennst.
Ob die _kleinen Gedichte_ von meinem Bruder, des Anstoßes wegen
gänzlich auszuschließen sind, oder bloß Nr. 6 und weil er es in diesem
Falle verlangt hat, auch das sentimentale Nr. 5, will ich Dir anheim
geben. Nöthig scheint es mir nicht -- denn solche Sachen, wie in den
übrigen, kommen doch in Schützens Tänzern, und in andern Stücken auch
vor, es läßt sich fast nicht vermeiden, und die Leser sind das auch
schon gewohnt.
Fichte hat mir das kleine Gedicht, das er mir einmal vorgelesen und für
den Almanach bestimmt, noch nicht in Abschrift gegeben, deswegen steht
es nicht in der Liste. Sobald ich es bekomme, schicke ich es.
Hier erfolgen auch Röschlaubs Epigramme. Der Einfall in dem 3ten
Distichon ist sehr gut, aber der Spaß mit der _All_gemeinen und
_gemein_en L. Z. schon etwas abgenutzt, und überdies wegen des
_Strickstrumpfs_ eine Note erforderlich, wenn man nicht ein eigenes
Epigramm darüber hinzufügen wollte. Mir däucht also, man machte wegen
dieser Epigramme keine Ausnahme von der Maxime, nichts Literarisches
aufzunehmen.
Von Mnioch’s Gedicht schicke ich Dir die Original Abschrift. In
der, die ich habe nehmen lassen, ist das: _Fragmentarische
Andeutungen_ und alles Unterstreichen und doppelt Unterstreichen
weggeblieben. Auf einige Fehler der Hexameter habe ich ihn aufmerksam
gemacht, wenn er aber keine Correctur schickt, so ist es wohl am
besten, man läßt sie so.
Wie es unheilig sein soll, ein paar Lieder aus dem Ofterdingen
aufzunehmen, sehe ich nicht ein. Was davon vorhanden, ist ja überhaupt
nur ein Fragment, diese Lieder sind vollendete Gedichte, die für sich
ganz verständlich sind. Du wirst sehn, daß ich darnach gewählt habe.
Der Druck des Buchs ist noch Schwierigkeiten unterworfen, warum soll
man also nicht im Voraus eine Menge Leser dafür interessiren?
Deine neuen Gedichte haben mich sehr gefreut; die Sonette sind
göttlich, in der _Einsamkeit_ ist mir besonders die Anspielung
auf die Niobe merkwürdig gewesen. Erlaube mir ein paar Kleinigkeiten
zu bemerken. Du gebrauchst zweimal _neigen_ intransitiv ohne
_sich_; ich weiß nicht, ob das geht. Warum nicht in der ersten
Zeile der 6ten St.: _Mit ihnen seh’ ich, die sich abwärts neigen_.
In der 7ten scheint mir das _Wird sichtbarlich_ nicht grammatisch
richtig und deswegen dunkel. Die Endsylbe macht es zum Adverbium, wozu
nun noch ein Adjectiv erwartet wird.
In dem _Zornigen_ vergaß ich letzthin zu bemerken, daß Du die
Assonanz doch gar zu lax genommen, indem Du _eu_ und _ei_
wechseln läßt.
Ueber den Fortunat und Deine voriges Mal geschickten Gedichte wollen wir
uns nicht weiter entzweien. Du wünschest die Freunde kennen zu lernen,
denen jener so sehr gefallen hat. Gut, es sind Schelling, Schütze,
Bernhardi, Genelli, meine Frau und Deine Schwester. Auch Friedrich hat
ihn eigentlich gar nicht getadelt, und die Angemessenheit der Form
anerkannt.
Bei Gelegenheit des _Zornigen_ und der _Sanftmuth_ haben wir
einige Gedichte aus dem Lovel wieder gelesen, die ganz zu derselben
Gattung gehören, und uns alle entzückt haben.
Ich habe nichts gegen die Einrückung des Sonetts von Bernhardi; -- ich
habe ihn nur sehr ermahnt, noch etwas anderes zu machen, und nicht mit
einem Gänsebraten allein zuerst als Dichter aufzutreten. Ich denke
auch, daß er uns noch etwas recht gutes geben wird.
K. Hardenberg’s Chiffre ist mir jetzt in der That nicht erinnerlich.
Was Du mir bei der Anordnung anbefiehlst, werde ich beobachten. Ich
glaube, man muß, außer da, wo eine oder mehrere Reihen von Stücken
zusammen gehören und ein Ganzes machen, die möglichste Abwechselung
suchen. Ich werde also auch die Romanzen trennen. Von Friedrich habe
ich die übrigen Sachen, die er uns versprochen, immer noch nicht
erhalten, ungeachtet meines dringenden Mahnens.
Deine Sonette an Hardenberg können allerdings sehr gut auf die Canzone
an ihn folgen, der ich aber noch ein Sonett nachzuschicken denke, so
wie überhaupt die Gedichte, die ich unter dem Namen _Todtenopfer_
zusammen fasse, noch mit einigen vermehrt werden sollen. Die Lieder
aus dem Ofterdingen schick mir sogleich wieder, mit den übrigen ist es
nicht nöthig, bis ich sie etwa fordre, weil ich Abschriften habe nehmen
lassen.
Du sagst, Du habest mir das mit Cotta über den Druck des Almanachs
Verabredete sogleich geschrieben -- dieser Brief muß aber verloren
gegangen sein, oder Du irrst Dich; denn jetzt erfahre ich das erste
Wort. Ich schreibe nun gleich heute an Frommann, und schicke auch
den Anfang des Manuscriptes nach Jena. Wenn Cotta mit Fr. schon
gesprochen, so wird dieser auch wissen, wie stark Cotta die Auflage
überhaupt, und wie viel auf Velin gedruckt haben will &c. worüber ich
bei eigenmächtiger Abrede mit einem Drucker sehr verlegen sein würde.
Auf alle Fälle ist Fr. mit Cotta liirt, daß er, falls er selbst seine
Druckerei zu stark besetzt haben sollte, für ihn bei einem andern
Drucker Anstalten treffen kann. Lateinische Lettern werden nun wohl
das beste sein, da Fr. keine recht eleganten kleinern haben möchte. In
einigen Wochen werde ich in Jena zurück sein, und die Correctur selbst
besorgen können, bis dahin kann sie ohne Bedenken Frommanns Leuten
anbefohlen werden, da die Abschriften meistens deutlich sind.
Werde nicht böse, daß ich den Ofterdingen noch nicht mitschicke. Da ihn
der Zufall meiner Bewahrung anvertraut hat, so halte ich es für meine
Pflicht, ihn auf das sorgfältigste in Acht zu nehmen; denn ich weiß
ja nicht einmal, ob der Brouillon, wovon diese Copie genommen, noch
vollständig vorhanden ist, und bei so bewandten Sachen halte ich es für
zu gefährlich, das Manuscript in der Welt herum reisen zu lassen.
Wozu kannst Du ihn nur so nöthig brauchen? Ueberdies denke ich mich der
Erscheinung im Druck mit Eifer anzunehmen; durch meine Vermittelung
ist die erste Uebereinkunft mit Unger geschlossen, und ich weiß, daß es
Hardenberg besonders darauf ankam, das Buch ganz in der Gestalt des W.
M. gedruckt zu sehen. Ich werde bei U. noch einmal anfragen, und dann
es mit andern Buchhändlern versuchen, wobei ich solch Format und Druck
zur ausdrücklichen Bedingung machen werde. Findet sich auf Michaelis
keiner, so müßte man es etwa bei Sander in Commission geben, und die
Freunde müßten die Kosten des Drucks durch eine Subscription unter sich
zusammen bringen. Ist der Ofterdingen erst gedruckt, so können alsdann
die übrigen bisher gedruckten oder ungedruckten Aufsätze und Gedichte
von Hardenberg in einem zweiten Bändchen als Anhang folgen.
Du siehst, zu jener Besorgung des Drucks muß ich das Manuscript in
Händen haben, und Du müßtest mir also erst Dein Ehrenwort geben, daß
ich es auf die erste Mahnung wieder haben solle.
Immer bleibt es also bedenklich, es so herumreisen zu lassen.
Lebe recht wohl. Bernhardi’s grüßen und schreiben nächstens.
_A. W. Schlegel_.
Ich höre, daß Göthe und Schiller einen Preis für das beste
Intriguenstück ausgesetzt haben. Oeffentlich bekannt gemacht ist es
vermutlich noch nicht. Hast Du nicht Lust, diesen Preis zu gewinnen?
Es wäre hauptsächlich nur, um einmal etwas mit ~éclat~ aufs
Theater zu bringen. Das Elend mit den Nachahmern wird nun erst noch
recht angehn. In Kochens Archiv, das in der A. Z. angekündigt wird,
ist nichts als Religion und Sonette. Mit dem Memnon ist es auch eine
schlechte Freude. Ich hoffe, daß Du diesen Winter vollkommen gesund
bist, und nichts von der verwünschten Gicht verspürst. Ich bin es
vermittelst einer guten Diät, wozu ich starkes Bier, Wein und Liqueur
rechne, was ich Dir auch bestens anrathe. -- Caroline kränkelt immer
fort, jeder kleine Zufall bringt ihre ganze Schwäche zum Vorschein. Sie
grüßt mit mir Dich und Deine liebe Frau von Herzen. Dorotheechen küße
in meinem Namen.
An Bernhardi viel Empfehlungen. Ich bin auf seine Sprachlehre sehr
begierig. Lebe recht wohl.