VII.

_Braunschweig_, den 1. Dec. 1800.

_Liebster Freund!_

Cotta wünscht, wie Du wissen wirst, ein Titelkupfer zu dem poet.

Taschenbuch. Ich habe ihm dazu Goethe’s Bildniß vorgeschlagen, in der

Hoffnung, nach Bury’s großem Oelgemälde eine Zeichnung des Kopfes

erhalten zu können. Das Gemälde hatte Bury von Berlin nach Hannover

geschickt, es war eben dort angekommen, als ich abreiste. In der

Vermuthung, daß er nun schon nachgekommen wäre, schrieb ich an einen

Freund in Hannover, die Sache zu betreiben, der mir aber meldet, B.

sei bis jetzt nicht angekommen und müsse ohne Zweifel noch in Berlin

sein. Ich wollte ihm erst schreiben, aber Du wirst es mündlich besser

ausrichten können, da Du ihn schon persönlich kennst. Zuvörderst

müßtest Du anfragen, ob er es überhaupt zugeben will, daß der Kopf

aus seinem Bilde Goethe’s in Kupfer gestochen werde; dann, ob er eine

Zeichnung davon, im Format der Schillerschen Almanache etwa selbst

übernehmen will und kann, und wann er sie liefern würde? Es versteht

sich, daß sie Cotta gehörig bezahlen muß, dieser wünscht sie aber bald

einem Kupferstecher übergeben zu können. Du könntest B. auch fragen,

welchem er sie am liebsten anvertrauen würde? versteht sich, unter

denen, die man zu einer so schnell zu fertigenden Arbeit haben kann.

Endlich, wenn es noch zu lange währt, ehe B. nach Hannover kommt, oder

er die Zeichnung überhaupt nicht übernehmen will, ob er zugiebt, daß

_Huck_ den Auftrag dazu bekäme?

Beweise Dich zum erstenmal als Redacteur des Taschenbuches, liebster

Freund, indem Du diesen Auftrag schleunigst besorgst, und mir sogleich

Nachricht von dem Erfolge ertheilst. Ich habe auf jeden Fall noch eine

Profilzeichnung von Goethe in Petto, welche uns dienen könnte, allein

dieses majestätische ~en face~ im Styl der alten Tragödie würde

unsern Eingang doch glorreicher machen.

Gehab Dich wohl und schreibe recht bald. Grüße an die Deinigen.

_A. W. S._

Melde die Addresse Deines Bruders.

Briefe an Ludwig Tieck (3/4) Dritter Band · 第 201 / 309 题