VIII.

B., d. 23. Apr. 1801.

Liebster Freund, ich danke Dir sehr für die Nachricht von meiner

Schwester Gesundheit, und bitte Dich, ihr und den Ihrigen meine

herzlichste Freude und Glückwünsche auszudrücken. Daß Du nicht nach

Jena gehst, ist sehr traurig. Alle werden sehr in ihrer Erwartung

getäuscht sein, Carol. die jetzt wieder dort ist, Schelling und

Friedrich. Schelling schreibt, er hoffe viel mit Dir zu verkehren,

und habe Dir manches mitzutheilen, worüber er Deine Meinung zu hören

wünsche. Noch übler ist es, daß Deine Gesundheit der Grund Deines

aufgegebenen Planes ist. Ich beschwöre Dich, pflege sie ja recht. Ich

glaube, laue Bäder würden Dir vor allem wohl thun, in Dresden ist dazu

sehr reinliche und wohlfeile Anstalt.

Der Streit wegen des Logirens fällt jetzt von selbst weg; indessen,

wenn Du im Herbste hinkommst, dann werde ich ja vermuthlich dort sein,

und dann wäre es doch wohl natürlicher, daß Du bei _mir_ wohntest.

Indessen will ich es Deinem Gefühl überlassen, man kann niemand mit

Gewalt einladen.

Höre, das Parteinehmen ist gar nicht meine Sache, -- ich bin für den

allgemeinen Frieden, und suche ihn auf alle Weise zu bewerkstelligen.

Schwerlich möchtest Du aber die rechte Partei ergreifen, wenn Du die

von Fr. gegen C. nimmst. Glaube mir, er hat sich in diese Sache auf

eine auch mir zu nahe tretende Art indiscret eingemischt, und das zwar

aus bloßer Empfindlichkeit, da er leider von diesen Kleinlichkeiten

nicht frei ist. Was von der V. zu sagen ist, weißt Du selbst so gut wie

ich. Wenn ich nach Jena komme, muß von derlei Parteiwesen nicht weiter

die Rede sein, oder ich würde dann selbst gegen Fr. Partei nehmen.

Nun von Geschäften wegen des Almanach. Ueber den Druck rede ausführlich

mit Cotta; ich habe schriftlich bei ihm angefragt, wo und wann ich die

60 Lsd’or Grundhonorar in Empfang nehmen könnte, um die Beiträge der

Freunde baldmöglichst zu honoriren; denn ich habe vorausgesetzt, daß Du

mir mit dem Archivariat auch dieses Geschäft übertragen, da Du nicht

für dergleichen Besorgungen bist. Es versteht sich, daß wir den Betrag

für die Beiträge, die nicht honorirt werden, unter uns theilen, so wie

auch die 40 Lsd’or, wenn wir sie nachgezahlt erhalten.

Von Deiner großen Romanze habe ich eigenhändig eine saubre Abschrift

gemacht, und das Original an Bernhardi gegeben, um es für Dich

abschreiben zu lassen oder Dir zu schicken. Die paar Lesearten habe ich

nach Deiner Vorschrift verändert. Nur mit dem _Wuste wußte_ ich

nicht, wie Du es haben wolltest. Die Zeilen heißen so: „Alles Glück der

ganzen Erde lag umher versteckt im Wuste.“

Von Fr. habe ich eine Abschrift von Hard. Gedicht an Dich und eine

Anzahl meist kleiner Sachen von ihm selbst erhalten, die zum Theil

neu sind, außer denen uns schon vorher bestimmten. Fichte hat mir ein

kleines Gedicht gezeigt, das er uns geben will, und giebt vielleicht

noch mehreres andre, doch vermuthlich ohne seinen Namen. -- Röschlaub

hat an Schelling einige Distichen auf Reinhold geschickt, wovon er

erlaubt, mit seinem Namen Gebrauch zu machen, welches schon der

Merkwürdigkeit wegen etwas werth ist. Ich soll sie bald erhalten.

Schelling hat sich für seine Sachen die Chiffer ~Venturus~ (?)

gewählt, hat für jetzt noch nichts weiter zu geben. Ich habe ein Sonett

auf Buri’s Bild der Tolstoi gemacht, und eine Romanze im Sinne. Sobald

Du von Leipzig zurück bist, will ich eine große Sendung an Dich von

allem hinzugekommenen besorgen. Ich bringe das Archiv in die schönste

Ordnung.

Schick nun auch in des Teufels Namen die geistlichen Lieder von Hard.

und den Camaldulenser. Ferner bitte ich Dich, an Carl Hardenb. über

seine Gedichte zu schreiben, die Du in Händen haben mußt.

Das Bamb. Gesangbuch wird sich wohl bei Bernh. finden. Ich habe von Dir

1) Shakesp. Fol., 2) Shakesp. Johns. einen Band, 3) die Sprachlehre

von Bernh., die aus Versehn hiergeblieben, 4) den Tobias von Meyer. --

In Jena ist noch Dein Weckherlin. Wenn Du von Leipzig zurückkommst,

so nimm Dich nur gleich recht zusammen, und mach fertig, was Du geben

willst, damit der Druck zeitig anfangen kann. Lebe recht wohl, und

grüße Deine liebe Frau. Schreibe auch bald wieder

Briefe an Ludwig Tieck (3/4) Dritter Band · 第 202 / 309 题