_Breslau_, d. 16/2. 39.
_Verehrtester Herr Hofrath!_
Als ich die Ehre hatte, Ihre persönliche Bekanntschaft zu machen, waren
Sie so gütig, mir eine spätere briefliche Mittheilung über mein Leben
und Treiben zu erlauben. Ich fühle wohl, daß ich von diesem Rechte
eigentlich nur dann Gebrauch machen sollte, wenn ich von errungenen
Resultaten zu berichten hätte. Dennoch erlaube ich mir, auf Ihre Güte
vertrauend, mich grade im entgegengesetzten Falle an Sie zu wenden, wo
ich nehmlich daran gehe, mich in ein Unternehmen einzulassen, dessen
Gelingen höchst zweifelhaft ist.
Ich habe nehmlich, wie ich schon längst beabsichtigte, meine Entlassung
aus einem meinen Neigungen durchaus widersprechenden Dienstverhältniß
nachgesucht und erhalten und mich vorläufig in Breslau festgesetzt,
um mich literarischen Studien und Bestrebungen ungetheilt zu widmen.
Hier wurde mir, ganz unerwartet und ungesucht, der Vorschlag gemacht,
die Redaction eines schöngeistigen Journals zu übernehmen, das, unter
dem Namen: Silesia von Ostern an in Breslau erscheinen soll. Obgleich
ich nun keineswegs das ephemere journalistische Treiben als ernste und
ächte Lebensbestimmung ansehen kann, so glaube ich doch, mich einer
Arbeit nicht entziehen zu dürfen, die wenigstens dazu dienen kann,
meine Kräfte zu üben, meinen Namen einigermaaßen zu verbreiten, so daß
ich später auch für selbstständigere Leistungen auf mehr Antheil beim
Publicum rechnen kann, und endlich vielleicht auch für den Augenblick
dem Publicum Besseres zu geben, als es in den Spalten eines Journals zu
finden wünscht und gewohnt ist. Ich habe wirklich die, vielleicht etwas
nach einer Donquixoterie schmeckende, kecke Idee gefaßt, zu versuchen,
ob es nicht möglich wäre, eine Zeitschrift _vorherrschend_ aus
_künstlerisch gediegnen_ Elementen zu bilden, und, was das
Schwierigste ist, das Publicum an solche Kost zu gewöhnen. Auf ein
Gelingen kann ich natürlich nur hoffen, wenn die Tüchtigsten im
Vaterlande es nicht verschmähen, sich mir anzuschließen.
Diese meine Absicht und der Umstand, daß Ew. Wohlgeboren meine
Ansichten über literarische Dinge bekannt sind, mögen es entschuldigen,
daß ich mich auch an Sie mit der Bitte um Beiträge zu wenden wage. Es
ist einem längst erprobten Meister wohl eigentlich nicht zuzumuthen,
sich in das verworrene Gewühl der Tagesliteratur zu mischen. Doch darf
ich meinerseits nichts unterlassen, für mein Unternehmen wo möglich die
tüchtigsten Kräfte zu gewinnen und so wage ich auch bei Ew. Wohlgeboren
den Versuch, da ich in meiner Bitte wenigstens nichts Unschickliches
sehen kann.
Sollten Sie sich dazu entschließen können, meine Bitte zu gewähren,
so würden mir Gedichte, kürzere Novellen oder Mährchen, hauptsächlich
aber auch kritische Uebersichten über Erscheinungen und Richtungen der
neueren und neuesten Literatur hochwillkommen sein. Etwanige Beiträge
bitte ich an die _Friedländersche Buchhandlung in Breslau_ zu
adressiren.
Was das Honorar anbetrifft, so kann ich Ew. Wohlgeboren freilich nicht
für mehr, als zwei Louisdor für den Druckbogen zu 16 Spalten bürgen.
Sollte ich auch eine Fehlbitte gethan haben, so darf ich hoffentlich
doch darauf rechnen, daß Ew. Wohlgeboren mein Vertrauen nicht
übeldeuten werden.